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Das Geschenk von Sebastian Fitzek

Psychothriller über einen Analphabeten, der einen Hilferuf nicht lesen kann

Sebastian Fitzeks Psychothriller „Das Geschenk“ (Droemer, 2019): Milan Berg sieht an einer Ampel ein Mädchen mit einem Zettel – und kann ihn nicht lesen. Handlung, Autor, Werkliste.

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Eintrag vom 25. Nov. 2019 · aktualisiert 11. Sept. 2026

Eine Ampel, ein haltender Wagen, ein Mädchen auf dem Rücksitz. Es drückt einen Zettel gegen die Scheibe, und der Mann, der ihn sieht, kann ihn nicht lesen. So beginnt „Das Geschenk“, der Psychothriller, den Sebastian Fitzek am 23. Oktober 2019 bei Droemer veröffentlicht hat. 368 Seiten, gebunden, ISBN 978-3426281543.

Der Mann heißt Milan Berg. Er ist Analphabet – einer von über sechs Millionen Menschen in Deutschland, wie der Verlag im Klappentext festhält. Ob auf dem Zettel ein Hilferuf steht, eine Adresse, ein Name: Milan weiß es nicht. Er spürt nur, dass das Mädchen in Gefahr ist. Und er nimmt die Suche auf.

Die Ausgangslage: ein Hilferuf, den niemand entziffern kann

Fitzek baut seine Thriller gern um eine einzige, alltägliche Situation, die sich sofort verselbstständigt. In „Passagier 23“ war es ein Kreuzfahrtschiff, in „Das Paket“ ein Nachbar, der eine Sendung annimmt. In „Das Geschenk“ ist es eine rote Ampel. Die Idee, dass ein Zeuge etwas Entscheidendes sieht, aber nicht verstehen kann, weil ihm das Lesen fehlt, trägt den gesamten Roman.

Milan Berg muss sich also auf das verlassen, was er beobachtet: das Gesicht des Kindes, den Wagen, die Richtung, in die er fährt. Was auf dem Papier stand, bleibt ein Rätsel, und genau dieses Rätsel treibt ihn durch eine Nacht, die der Verlag als „albtraumhafte Irrfahrt“ bezeichnet. Am Ende steht, so die Ankündigung, „eine grausame Erkenntnis“: Manchmal ist die Wahrheit zu entsetzlich, um mit ihr weiterzuleben – und Unwissenheit das größte Geschenk auf Erden.

Der Titel ist damit doppelt gemeint. Ein Geschenk kann etwas sein, das man bekommt. Es kann auch etwas sein, das einem erspart bleibt.

Wer den Roman liest, sollte sich auf Fitzeks übliche Bauweise einstellen: kurze Kapitel, Perspektivwechsel, Wendungen, die frühere Szenen in ein anderes Licht rücken. Die Leseschwäche der Hauptfigur ist dabei kein Gimmick, sondern eine Einschränkung, die Fitzek konsequent durchhält. Milan kann keine Straßenschilder lesen, keine Nachrichten auf dem Handy, keine Akten. Du merkst als Leser sehr schnell, wie viel im Alltag über Schrift läuft, wenn eine Figur davon ausgeschlossen ist.

Sebastian Fitzek: vom Debüt 2006 zum Dauergast auf der Bestsellerliste

Sebastian Fitzek, geboren 1971 in Berlin, ist der kommerziell erfolgreichste deutsche Autor von Psychothrillern. Sein Debüt „Die Therapie“ erschien 2006 im Knaur Taschenbuchverlag. Seitdem hat jeder seiner Romane die vorderen Plätze der Bestsellerlisten erreicht; „Passagier 23“ stand vom 17. November 2014 bis zum 23. Januar 2015 auf Platz 1 der Spiegel-Liste, „Das Joshua-Profil“ und „Das Paket“ ebenfalls jeweils auf Platz 1.

Seine Bücher sind in vierundzwanzig Sprachen übersetzt und dienten als Vorlage für Kinofilme und Theateradaptionen. Als erster deutscher Autor erhielt Fitzek den Europäischen Preis für Kriminalliteratur. Er lebt in Berlin.

In einem Interview mit seinem Verlag antwortete er auf die Frage, ob er Angst im Dunkeln habe: Das komme darauf an, was er vorher gemacht habe – nach einem spannenden Thriller seien dunkle Keller nicht sein bevorzugter Aufenthaltsort. Einschlafen könne er ohnehin nur bei kompletter Dunkelheit, selbst das Standby-Lämpchen eines Fernsehers störe ihn. Kleine Details, die zu einem Autor passen, dessen Figuren regelmäßig im Dunkeln tappen.

Die Werkliste bis 2019

Fitzek schreibt seit 2006 fast jedes Jahr einen Roman, meistens bei Droemer oder Knaur, zeitweise auch bei Bastei Lübbe. Die Reihenfolge der Psychothriller:

  • „Die Therapie“ (2006)
  • „Amokspiel“ (2007)
  • „Das Kind“ (2008)
  • „Der Seelenbrecher“ (2008)
  • „Splitter“ (2009)
  • „Der Augensammler“ (2010)
  • „P.S. Ich töte dich“ (2010, als Herausgeber)
  • „Der Augenjäger“ (2011)
  • „Abgeschnitten“ (2012, mit Michael Tsokos)
  • „Der Nachtwandler“ (2013)
  • „Noah“ (2013)
  • „Passagier 23“ (2014)
  • „Das Joshua-Profil“ (2015)
  • „Das Paket“ (2016)
  • „AchtNacht“ (2017)
  • „Flugangst 7A“ (2017)
  • „Der Insasse“ (2018)
  • „Das Geschenk“ (2019)

Dazu kommt die Kurzgeschichte „Nicht einschlafen“, 2011 als E-Book erschienen. Die Zusammenarbeit mit dem Rechtsmediziner Michael Tsokos bei „Abgeschnitten“ ist bis heute die einzige Koautorenschaft in dieser Liste.

Das Hörbuch und der Sprecher Simon Jäger

Fast alle Fitzek-Romane liegen als Hörbuch vor, und fast alle liest Simon Jäger. Die Zusammenarbeit begann 2007 mit „Die Therapie“ bei Audio Lübbe (288 Minuten) und wurde damals mit Gold beim Hörbuch-Award ausgezeichnet. Weitere Gold-Auszeichnungen gab es für „Passagier 23“, „Das Paket“ und „Flugangst 7A“.

„Das Geschenk“ erschien 2019 bei Argon, gelesen von Simon Jäger, mit 445 Minuten Laufzeit, ISBN 978-3-8398-1637-0. Damit ist es eines der längsten Fitzek-Hörbücher; „Abgeschnitten“ (427 Minuten) und „Flugangst 7A“ (424 Minuten) liegen knapp darunter. Eine Ausnahme in der Sprecherliste ist „Weißer Schnee, rotes Blut“ von 2009, das Sebastian Bezzel, Brigitte Hobmeier, Burghart Klaußner, Hans Löw und Ulrich Pleitgen gemeinsam einlasen.

Für Hörer, die Milan Bergs Geschichte lieber im Ohr als vor Augen haben, ist das durchaus passend: Ein Analphabet, dessen Geschichte vorgelesen wird, hat eine eigene Logik.

Mehr Thriller und Kriminalromane aus demselben Jahrzehnt finden sich unter /jahrzehnte/2010er/, die Übersicht der besprochenen Bücher unter /buecher/.

Fragen zu Das Geschenk

Worum geht es in „Das Geschenk“ von Sebastian Fitzek?

Milan Berg steht an einer Ampel, als neben ihm ein Wagen hält. Auf dem Rücksitz sitzt ein verängstigtes Mädchen und presst einen Zettel gegen die Scheibe. Milan kann ihn nicht lesen, weil er Analphabet ist. Aus dieser Szene entwickelt Fitzek eine Suche, die für Milan zur Irrfahrt wird.

Wann ist „Das Geschenk“ erschienen und wie umfangreich ist das Buch?

Der Psychothriller erschien am 23. Oktober 2019 bei Droemer als gebundene Ausgabe mit 368 Seiten. Das Hörbuch kam im selben Jahr bei Argon heraus, gelesen von Simon Jäger, mit einer Laufzeit von 445 Minuten.

Warum ist die Hauptfigur in „Das Geschenk“ ein Analphabet?

Fitzek nutzt die Leseschwäche seiner Figur als Motor der Handlung: Milan Berg sieht einen Hilferuf, kann ihn aber nicht entziffern und muss sich auf Vermutungen verlassen. Der Verlag verweist darauf, dass in Deutschland über sechs Millionen Erwachsene Schwierigkeiten mit dem Lesen und Schreiben haben. Das Thema ist damit mehr als ein Kniff.

Muss man andere Fitzek-Romane kennen, um „Das Geschenk“ zu verstehen?

Nein. „Das Geschenk“ ist ein eigenständiger Roman ohne Anschluss an eine Reihe. Wer die Bücher um Kommissar Zorbach („Der Augensammler“, „Der Augenjäger“) kennt, wird keine Verbindung finden und braucht auch keine.

Welche Bücher hat Sebastian Fitzek vor „Das Geschenk“ geschrieben?

Sein Debüt „Die Therapie“ erschien 2006. Danach folgten unter anderem „Amokspiel“ (2007), „Das Kind“ (2008), „Der Seelenbrecher“ (2008), „Der Augensammler“ (2010), „Passagier 23“ (2014), „Das Paket“ (2016), „Flugangst 7A“ (2017) und „Der Insasse“ (2018). „Passagier 23“, „Das Joshua-Profil“ und „Das Paket“ standen jeweils auf Platz 1 der Spiegel-Bestsellerliste.

Gibt es „Das Geschenk“ als Hörbuch?

Ja. Argon veröffentlichte 2019 eine Fassung mit Simon Jäger als Sprecher, der seit „Die Therapie“ fast alle Fitzek-Hörbücher liest. Mehrere seiner Lesungen, darunter „Passagier 23“ und „Das Paket“, wurden mit Gold beim Hörbuch-Award ausgezeichnet.