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VinTageBuch

Das geht so nicht weiter

Die Würde des Tieres ist unantastbar von Sophie und Karl-Ludwig Schweisfurth

Das geht so nicht weiter von Sophie und Karl-Ludwig Schweisfurth (bene!, 2019): das Lebensmittel-Manifest des früheren Herta-Chefs und seiner Enkelin aus den Herrmannsdorfer Landwerkstätten.

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Eintrag vom 1. Mai 2019 · aktualisiert 11. Sept. 2026
Das geht so nicht weiter – Die Würde des Tieres ist unantastbar von Sophie und Karl-Ludwig Schweisfurth

Ein Mann, der 30.000 Schweine und 5.000 Rinder in der Woche schlachten ließ, schreibt mit seiner Enkelin ein Buch über die Würde des Tieres. Das ist die Ausgangslage von „Das geht so nicht weiter“, erschienen am 2. Mai 2019 bei bene!, dem Imprint der Verlagsgruppe Droemer Knaur, 112 Seiten, gebunden. Der Untertitel lautet „Die Würde des Tieres ist unantastbar“, und der Verlag nennt es ein Lebensmittel-Manifest.

Vom Herta-Chef zum Öko-Landwirt

Karl-Ludwig Schweisfurth, Jahrgang 1930, entwickelte aus einem kleinen Familienbetrieb das größte fleischverarbeitende Unternehmen Europas: Herta. Wöchentlich wurden dort 25.000 Schweine und 5.000 Rinder verarbeitet. Mit 56 Jahren zog er den Schlussstrich. „Ich muss damit aufhören und noch einmal ganz neu anfangen. Das geht so nicht weiter!“ 1984 verkaufte er das Unternehmen und gründete in Glonn, rund 30 Kilometer südöstlich von München, die Herrmannsdorfer Landwerkstätten.

Sein eigener Rückblick klingt so: „Früher habe ich 30.000 Schweine und 5.000 Rinder in der Woche schlachten lassen. Irgendwann merkte ich, das ist der völlig falsche Weg. Der Ruf nach dem immer Mehr ist Wahnsinn.“ Es sei ein Lebensauftrag, die Erde ein klein wenig schöner und besser zu verlassen, als man sie betreten habe.

Zum Zeitpunkt des Buches war er 88 und hellwach; in München hatte er sich als Gasthörer für ein Philosophiestudium eingeschrieben. Er starb im April 2020, ein Jahr nach dem Erscheinen.

Die dritte Generation

Sophie Schweisfurth, Jahrgang 1987, ist seine Enkelin. Sie wuchs in Glonn auf und durchlief nach dem Abitur alle Werkstätten des Betriebs. Nach einem Studium der Betriebswirtschaft, zum Teil in Oxford, und verschiedenen beruflichen Stationen übernahm sie im Mai 2018 gemeinsam mit ihrem Mann Mathias Stinglwagner die Verantwortung für Herrmannsdorf.

Auf der Blauen Couch von Bayern 1 erzählte sie Gabi Fischer, dass sie sich mit Großvater und Onkel auch schon auseinandergesetzt habe: „Viel Reden hilft da.“ Und sie appellierte an die Verbraucher, sich mehr Gedanken darüber zu machen, was sie essen. Genau das ist der Ton des Buches.

Was das Manifest sagt

Das Vorwort mutet den Lesern etwas zu, und die Autoren sagen das gleich zu Beginn: Mancher schaue lieber nicht so genau hin, weil es so schrecklich sei. Aber Wegsehen sei keine Lösung, Wegsehen gehe nicht mehr. Fehlentwicklungen müssten benannt werden. Dann aber gehe es weiter, denn es gebe Alternativen, und die hätten sie selbst ausprobiert.

Der Hebel liegt beim Einkauf. Was nicht verkäuflich ist und in Regalen und Kühltheken liegen bleibt, verschwindet auf Dauer. Der Begriff „günstiger“ verspreche goldene Zeiten, für viel weniger Geld bekomme man mehr; das Buch fragt, was man tatsächlich bekommt und um welchen Preis. Ein Lebensmittel- und Tierhaltungsskandal jage den nächsten.

Es geht den beiden nicht nur um Achtsamkeit beim Essen und gute Tierhaltung, sondern um die Verantwortung der Generationen füreinander, um Sorgsamkeit im Umgang mit den Tieren, um Respekt vor dem Leben, um gutes Handwerk, um Demut und Schönheit, „Schönheit in den kleinen Dingen und beim Blick auf das große Ganze“. Die Würde des Menschen beginne mit dem Respekt vor den Tieren. Das ist keine bequeme These, aber sie kommt von jemandem, der beide Seiten kennt.

Das Buch bleibt nicht bei der Anklage. Es zeigt praktische Wege, wie Lebensmittel anders erzeugt werden können, und die Herrmannsdorfer Landwerkstätten sind der Beleg dafür.

Herrmannsdorf

Auf Gut Herrmannsdorf werden nur verantwortungsvoll gehaltene Schweine geschlachtet, das Fleisch wird vor Ort verarbeitet, Wurst gemacht, Brot gebacken und Käse hergestellt. Der Betrieb ist Mitglied im Verband Biokreis. 2012 erhielt die Gut Herrmannsdorf KG den Förderpreis Ökologischer Landbau der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung, für einen neuen Produktionszweig: Haltung, Vermehrung und Mast von Zwei-Nutzungshühnern der Rassen Sulmtaler und Les Bleues, bei denen Hähne nicht als Eintagsküken getötet werden, sondern gemästet. Läden gibt es in Glonn und in München.

Wer das Buch gelesen hat, kann sich also ansehen, was darin steht. Das unterscheidet es von den meisten Manifesten.

Weitere Sachbücher über Landwirtschaft, Ernährung und Gesellschaft stehen unter /category/sachbuecher/, Bücher aus dem Jahrzehnt unter /jahrzehnte/2010er/.

Fragen zu Das geht so nicht weiter

Wer war Karl-Ludwig Schweisfurth?

Karl-Ludwig Schweisfurth, Jahrgang 1930, machte aus einem kleinen Familienbetrieb den größten Fleischverarbeiter Europas, die Marke Herta. 1984 stieg er aus, verkaufte das Unternehmen und gründete in Glonn südlich von München die Herrmannsdorfer Landwerkstätten. Er gilt als Pionier der ökologischen Lebensmittelherstellung und starb im April 2020.

Worum geht es in Das geht so nicht weiter?

Um die Würde des Tieres und um die Frage, was der Ruf nach immer mehr und immer günstiger tatsächlich kostet. Großvater und Enkelin beschreiben Fehlentwicklungen der Lebensmittelindustrie, aber auch, wie sie es in Herrmannsdorf anders machen: eigene Schlachtung, Metzgerei, Bäckerei und Käserei unter einem Dach.

Wer ist Sophie Schweisfurth?

Die Enkelin von Karl-Ludwig Schweisfurth, Jahrgang 1987. Sie wuchs in Glonn auf, durchlief nach dem Abitur alle Werkstätten des Betriebs, studierte Betriebswirtschaft, zum Teil in Oxford, und übernahm im Mai 2018 gemeinsam mit ihrem Mann Mathias Stinglwagner die Verantwortung für die Herrmannsdorfer Landwerkstätten.

Wie umfangreich ist das Buch und wo ist es erschienen?

Das geht so nicht weiter: Die Würde des Tieres ist unantastbar erschien am 2. Mai 2019 bei bene!, einem Imprint der Verlagsgruppe Droemer Knaur. Die gebundene Ausgabe hat 112 Seiten, es ist eher ein Manifest als ein Sachbuch.

Was sind die Herrmannsdorfer Landwerkstätten?

Ein Bio-Betrieb auf Gut Herrmannsdorf bei Glonn, rund 30 Kilometer südöstlich von München, gegründet 1984. Dort werden nur verantwortungsvoll gehaltene Schweine geschlachtet, Wurst gemacht, Brot gebacken und Käse hergestellt. Der Betrieb ist Mitglied im Verband Biokreis und erhielt 2012 den Förderpreis Ökologischer Landbau für die Haltung von Zwei-Nutzungshühnern.