Bob Luman: Country- und Rockabilly-Sänger aus Texas
Vom Louisiana Hayride bis Lonely Women Make Good Lovers
Bob Luman aus Texas: Rockabilly beim Louisiana Hayride, der Hit Let’s Think About Living, die Grand Ole Opry und Lonely Women Make Good Lovers von 1972.
Mitte der 1950er Jahre sah ein junger Texaner aus der Provinz einen Sänger, von dem damals außerhalb des Südens kaum jemand gehört hatte. Der Sänger hieß Elvis Presley, und seine Bühnenshow, vor allem aber das Kreischen des jungen Publikums, veränderten die Pläne des Zuschauers. Bob Luman, geboren am 15. April 1937 in Texas, hatte eigentlich Baseballprofi werden wollen. Nach diesem Abend wollte er auf die Bühne.
Vom Baseballfeld zum Louisiana Hayride
Der Weg dorthin führte über einen Talentwettbewerb. Luman gewann und durfte beim Louisiana Hayride auftreten, der Radioshow des Senders KWKH in Shreveport, die seit 1948 jeden Samstag live übertragen wurde. Der Hayride galt als Sprungbrett und trug den Beinamen „Cradle of the Stars“: Hank Williams hatte dort früh gesungen, Elvis Presley war im Oktober 1954 zum ersten Mal aufgetreten, und Johnny Cash gehörte ebenfalls zu den Künstlern, die über die Sendung ein großes Publikum erreichten. Luman nutzte seine Chance und wurde bald regelmäßiger Gast.
Seine Begleitband, die Shadows, war erstaunlich gut besetzt. An der Gitarre stand James Burton, am Bass James Kirkland, am Schlagzeug Butch White. Burton und Kirkland wechselten wenig später in die Band von Ricky Nelson, und Burtons Gitarrenspiel prägte dort eine ganze Reihe von Hits. 1957 trat Luman außerdem in Roger Cormans Film „Carnival Rock“ auf, einem jener schnell gedrehten Rock-’n’-Roll-Filme, mit denen Hollywood die neue Jugendmusik vermarktete. Erste Aufnahmen machte er für Imperial Records.
Let’s Think About Living und die Everly Brothers
Die bekannteste Anekdote aus Lumans Karriere klingt wie erfunden, gehört aber zu seiner Biografie. Während eines Konzerts verkündete er aus einer Laune heraus, er habe sich für den Baseball entschieden und werde sich aus dem Musikgeschäft zurückziehen. Zufällig saßen die Everly Brothers im Publikum. Sie redeten ihm den Rückzug aus und schlugen ihm einen Song vor: „Let’s Think About Living“ von Boudleaux Bryant. Don und Phil Everly wussten, was sie empfahlen, denn ihre eigenen Durchbrüche „Bye Bye Love“ und „Wake Up Little Susie“ stammten aus der Feder von Boudleaux und Felice Bryant.
Die Single, 1960 bei Warner Bros. erschienen, wurde ein unerwarteter Erfolg. Sie stieg auf Platz sieben der Billboard Hot 100, kam auch in die Country-Charts und in Großbritannien unter die ersten zehn und verkaufte sich über eine Million Mal. Der Song ist eine augenzwinkernde Antwort auf die vielen Balladen jener Jahre, in denen am Ende jemand stirbt, und fordert gut gelaunt, doch lieber über das Leben zu singen.
Kurz nach dem Erfolg musste Luman zum Militärdienst.
Grand Ole Opry und Lonely Women Make Good Lovers
Nach der Armeezeit orientierte sich Luman zunehmend in Richtung traditioneller Country-Musik. Er nahm für Hickory Records auf, später für Epic, und wurde 1965 Mitglied der Grand Ole Opry in Nashville, die damals noch im Ryman Auditorium spielte und als wichtigste Bühne der Country-Musik galt, auf der er von da an regelmäßig auftrat. Auch im Fernsehen war er häufig zu sehen. Mehrere Singles schafften es in die Top 20 der Country-Charts.
Sein größter Erfolg in dieser Sparte kam 1972 mit „Lonely Women Make Good Lovers“, das auf Platz vier der Country-Charts stieg. Wenn du Luman nur als Rockabilly-Sänger der 1950er Jahre kennst, lohnt der Vergleich: Sein Weg vom Hayride-Rock ’n’ Roll zurück zur Country-Musik ist typisch für viele Musiker seiner Generation, die nach dem ersten Rock-’n’-Roll-Boom in Nashville eine zweite Karriere fanden.
Steve Wariner und ein früher Tod
Bob Luman starb am 27. Dezember 1978 in Nashville, mit gerade 41 Jahren. Seine Musik lebte auf eine eher unerwartete Weise weiter. Steve Wariner, der als junger Musiker in Lumans Band gespielt hatte, nahm „Lonely Women Make Good Lovers“ 1984 neu auf und brachte den Song damit erneut auf Platz vier der Country-Charts, zwölf Jahre nach dem Original. Später wurde Luman in die Rockabilly Hall of Fame und die Texas Country Music Hall of Fame aufgenommen.
Weitere Künstler aus dem Umfeld des Hayride und der Country-Musik jener Jahre stehen in der Rubrik Musik und in der Übersicht zu den 1950er Jahren. Und James Burton, der Gitarrist aus Lumans früher Band, stand ab 1969 in Las Vegas an der Seite von Elvis Presley auf der Bühne, jenes Sängers also, dessen Konzert Luman einst zum Musiker gemacht hatte.
Fragen zu Bob Luman: Country- und Rockabilly-Sänger aus Texas, vom Louisiana Hayride bis Lonely Women Make Good Lovers
Wer war Bob Luman?
Bob Luman war ein US-amerikanischer Country- und Rockabilly-Sänger aus Texas, geboren am 15. April 1937. Bekannt wurde er über die Radioshow Louisiana Hayride, seinen größten Pop-Hit hatte er 1960 mit Let’s Think About Living. Er starb am 27. Dezember 1978 mit 41 Jahren in Nashville.
Wie kam Bob Luman zur Musik?
Luman stand kurz vor einer Laufbahn als Baseballprofi, als er ein Konzert des damals noch wenig bekannten Elvis Presley erlebte. Die Bühnenshow und die Reaktion des jungen Publikums beeindruckten ihn so, dass er selbst Musiker werden wollte. Ein gewonnener Talentwettbewerb brachte ihm einen Auftritt beim Louisiana Hayride.
Welche Rolle spielten die Everly Brothers für Bob Luman?
Als Luman während eines Konzerts ankündigte, er wolle die Musik zugunsten des Baseballs aufgeben, redeten ihm die anwesenden Everly Brothers das aus. Sie schlugen ihm den Song Let’s Think About Living vor, der 1960 auf Platz sieben der US-Charts kam und sich über eine Million Mal verkaufte.
Wann erschien Lonely Women Make Good Lovers?
Bob Lumans Version erschien 1972 und erreichte Platz vier der amerikanischen Country-Charts. Es war sein größter Erfolg in dieser Sparte.
Wer hat Lonely Women Make Good Lovers noch aufgenommen?
Steve Wariner, der früher in Lumans Band gespielt hatte, veröffentlichte 1984 eine eigene Version. Auch sie kam auf Platz vier der Country-Charts.