Bäume und die heilende Kraft des Waldes von Adelheid Lingg
28 heimische Bäume und Adressen im Allgäu
Adelheid Linggs Buch „Bäume und die heilende Kraft des Waldes“ (Kosmos): Knospen, Blüten, Blätter und Früchte von 28 heimischen Bäumen, plus Adressen im Allgäu.

Für viele Menschen sind Bäume mehr als Holz und Schatten. Sie sind, wie der Verlag es formuliert, „Freunde, Helfer und Heiler“. Adelheid Lingg, Kräuterfrau aus dem Allgäu, hat aus dieser Beziehung ein Buch gemacht: „Bäume und die heilende Kraft des Waldes“ erschien im Franckh-Kosmos Verlag, gebunden, 224 Seiten stark (ISBN 978-3440149935). Es beschreibt 28 heimische Baumarten und erklärt, was sich aus ihnen gewinnen lässt.
28 Bäume, vier Pflanzenteile
Der Aufbau ist einfach. Zu jedem Baum steht, welche Teile genutzt werden, Knospen, Blüten, Blätter und Früchte, wann sie geerntet werden und wie sie als Heilmittel zubereitet werden können. Die Linde liefert Blüten für den Tee, die Birke Blätter und Saft, die Fichte junge Triebe, die Eberesche Beeren. Das ist altes Wissen, das in vielen Familien verloren gegangen ist und hier für den Hausgebrauch aufgeschrieben wird.
Die Zubereitungen reichen vom Tee über den Auszug in Alkohol bis zum Sirup, und bei jedem Baum steht, welcher Monat für welche Ernte der richtige ist. Lingg beschränkt sich auf heimische Arten. Wer nach dem Ginkgo oder dem Teebaum sucht, wird nicht fündig, und das ist Absicht: Das Buch will, dass man vor die Tür geht und findet, was dort steht.
Der Verlag beschreibt die Autorin als „Allgäuer Kräuterfrau“ mit „einem besonderen Gespür für die Zusammenhänge von Natur, Pflanzen und Heilkraft“. Im Buch begleitet der Leser sie durch das Jahr, nimmt an ihrer Beziehung zu den Bäumen teil und lernt nebenbei die Ernte- und Zubereitungsregeln. Der Ton ist persönlich, an manchen Stellen fast andächtig. Wer nüchterne Pflanzenkunde sucht, greift besser zu einem Bestimmungsbuch; wer verstehen will, warum Menschen Bäume als Heiler bezeichnen, ist hier richtig.
Zwischen Hausmittel und Heilversprechen
Das Buch bewegt sich in einem Feld, in dem Vorsicht angebracht ist. Knospenauszüge, Blütentees und Rindenabkochungen haben eine lange Tradition, aber sie ersetzen keine Behandlung. Lingg beschreibt Anwendungen, keine Therapien, und wer das Buch so liest, bekommt eine brauchbare Einführung in die Baumheilkunde, wie sie in der Volksmedizin überliefert ist.
Der zweite Teil des Titels, „die heilende Kraft des Waldes“, greift ein Thema auf, das seit einigen Jahren auch in der Forschung diskutiert wird: den Aufenthalt im Wald als solchen, ohne dass etwas geerntet wird. Was in Japan als Shinrin-yoku, als Waldbaden, bekannt wurde, beschreibt Lingg aus der Allgäuer Perspektive. Das Buch macht daraus keine Methode mit Regeln, es beschreibt, was der Wald mit Menschen macht, die Zeit dort verbringen.
Das Allgäu als Kräuterlandschaft
Wer das Buch gelesen hat, will meist hinaus, und das Allgäu ist dafür der passende Ort. Rund um Blaichach liegt das Kräutertal Gunzesried, und in Gunzesried selbst steht das Gästehaus Waibel, das unter dem Namen „Zum Wildkräuterweible“ Kräuterführungen und Kräuterküche anbietet. Ein paar Kilometer weiter liegt das Kräuterdorf Niedersonthofen am gleichnamigen See. Der Allgäuer Kräuterland e. V. bündelt die Angebote der Region, von Wanderungen bis zu Kursen.
Die Beschreibung des Gästehauses gibt einen Eindruck davon, was dich dort erwartet: Im Juni blühen bunte Gebirgswiesen mit gelben Trollblumen und Orchideen, im Juli leuchten rote Alpenrosen von den Berghängen. Dazu Kuhglocken, rauschende Bäche und kleine Alpen zur Einkehr, mit frischer Milch und Bergkäse. Das ist keine Werbung, sondern eine Ortsbeschreibung, und sie stimmt.
Für die Praxis heißt das: Wer die 28 Bäume aus dem Buch mit eigenen Augen sehen will, findet sie im Allgäu auf engem Raum, von der Linde im Dorf bis zur Fichte am Berg, und dazu Menschen, die das Sammeln und Zubereiten seit Jahrzehnten praktizieren.
Für wen sich das Buch eignet
Für Leser, die Kräuterwanderungen kennen und nun die Bäume dazunehmen wollen. Für Gartenbesitzer, die wissen möchten, was ihre Birke oder ihr Holunder außer Schatten zu bieten hat. Und für Menschen, die den Wald als Erholungsort nutzen und verstehen wollen, warum er so wirkt.
Weniger geeignet ist es als medizinisches Nachschlagewerk. Wer Beschwerden hat, sollte das mit einem Arzt klären, bevor er zum Knospenauszug greift. Das Buch selbst sagt das nicht auf jeder Seite, aber es setzt einen Leser voraus, der Hausmittel als das nimmt, was sie sind.
Weitere Bücher zu Wald, Natur und Gesundheit finden sich unter Sachbücher, darunter ein Bildband über den Nationalpark Bayerischer Wald und ein Kochbuch über Kräuter und Beeren im Lauf der Jahreszeiten.
Fragen zu Bäume und die heilende Kraft des Waldes
Worum geht es in „Bäume und die heilende Kraft des Waldes“?
Um 28 heimische Baumarten und darum, welche ihrer Teile, also Knospen, Blüten, Blätter und Früchte, wann geerntet und wie als Hausmittel zubereitet werden können. Das Buch verbindet Pflanzenkunde mit der persönlichen Beziehung der Autorin zu Bäumen.
Wer ist Adelheid Lingg?
Adelheid Lingg ist Kräuterfrau aus dem Allgäu. Der Verlag beschreibt sie als Pflanzenvertraute mit einem besonderen Gespür für die Zusammenhänge von Natur, Pflanzen und Heilkraft. Sie gibt Kurse und Führungen in ihrer Region.
Wo ist das Buch erschienen?
Im Franckh-Kosmos Verlag in Stuttgart, als gebundene Ausgabe mit 224 Seiten, ISBN 978-3440149935. Kosmos ist einer der großen Verlage für Naturführer im deutschsprachigen Raum.
Kann man die Rezepte aus dem Buch ohne Vorkenntnisse anwenden?
Die Zubereitungen sind für Laien beschrieben, etwa Knospenauszüge oder Blütentees. Beim Sammeln gilt allerdings, was für alle Wildpflanzen gilt: Nur ernten, was sicher bestimmt ist, und Hausmittel nicht als Ersatz für eine ärztliche Behandlung verstehen.
Welche Orte im Allgäu passen zum Thema des Buches?
Das Kräutertal Gunzesried bei Blaichach, das Kräuterdorf Niedersonthofen und die Angebote des Allgäuer Kräuterland e. V. Dort gibt es Führungen, Kräuterwanderungen und Gasthäuser, die sich auf Wildkräuter spezialisiert haben.