The Kinks Arthur (Or the Decline and Fall of the British Empire)
Das Konzeptalbum von 1969 über Empire, Krieg und Vorstadt
The Kinks Arthur (Or the Decline and Fall of the British Empire) erschien 1969 als Konzeptalbum über einen englischen Teppichleger und sein Land. Entstehung, Songs und Wirkung.
The Kinks Arthur (Or the Decline and Fall of the British Empire) heißt das Album mit vollem Namen, und der Titel ist Programm: Ray Davies erzählt darin die Geschichte eines einzelnen Engländers und lässt darin ein ganzes Jahrhundert britischer Geschichte mitschwingen. Erschienen ist es im Oktober 1969 bei Pye Records, ein Jahr nach „The Kinks Are the Village Green Preservation Society“, und wie dieses verkaufte es sich zunächst kaum.
Heute steht es in fast jeder Liste der wichtigsten britischen Alben der 1960er Jahre. Der Weg dorthin war lang.
Ein Fernsehspiel, das nie gesendet wurde
Arthur entstand nicht als Platte, sondern als Auftragsarbeit. Granada Television plante ein Fernsehspiel, für das der Schriftsteller Julian Mitchell das Drehbuch und Ray Davies die Songs schreiben sollte. Die Figur Arthur Morgan, ein Teppichleger aus der Londoner Vorstadt, war an Davies’ Schwager Arthur Anning angelehnt, der mit seiner Familie nach Australien ausgewandert war.
Das Fernsehspiel kam nie zustande. Die Songs waren fertig, die Band nahm sie auf, und Pye veröffentlichte das Album ohne die Bilder, für die es gedacht war. Vielleicht hat das dem Werk genützt: Die Lieder müssen die Geschichte allein tragen, und sie tun es.
Für die Aufnahmen war John Dalton am Bass dabei, der Pete Quaife ersetzt hatte. Dave Davies spielte Gitarre, Mick Avory Schlagzeug, Ray Davies sang und schrieb sämtliche Stücke.
Die Songs auf Arthur
Der Opener „Victoria“ ist ein rasantes, ironisches Loblied auf die Königin und das Empire, gesungen aus der Sicht eines Untertanen, der die Verhältnisse gar nicht in Frage stellt. Dass die Ironie bei vielen Hörern nicht ankam, hat dem Song nicht geschadet; er wurde die einzige Single des Albums, die es in die Charts schaffte.
„Some Mother’s Son“ handelt von Soldaten des Ersten Weltkriegs und ist eines der ernstesten Stücke, die die Kinks je aufgenommen haben. „Yes Sir, No Sir“ und „Mr. Churchill Says“ nehmen die Befehlskette und die Durchhalteparolen des Zweiten Weltkriegs aufs Korn, „Brainwashed“ die Gehorsamkeit im Frieden danach.
Das Herz der Platte ist „Shangri-La“. Der Song beschreibt ein Reihenhaus mit Garten, Rosen und Zahlungsplan als Endpunkt eines Lebens, und Davies gelingt es, das gleichzeitig verächtlich und zärtlich zu meinen. Wer wissen will, warum britische Songwriter von Paul Weller bis Damon Albarn Ray Davies verehren, sollte mit diesem Stück anfangen.
„Australia“ erzählt von der Auswanderung des Sohnes, „Young and Innocent Days“ blickt zurück, und der Schlusssong „Arthur“ spricht die Hauptfigur direkt an. Elf Stücke, keine Füller.
Was das Album über England sagt
Der Untertitel zitiert Edward Gibbons „Decline and Fall of the Roman Empire“. Davies meint es halb ernst. Arthur ist kein politisches Album im Sinne von Protest, sondern eine Familiengeschichte, in der die große Politik als Wetter vorkommt: Krieg, Rationierung, Wohnungsbau, Auswanderung.
Genau das macht es dauerhaft. Die Vorstadt, die Davies 1969 beschrieb, gibt es noch, und die Frage, ob ein Haus mit Garten ein erfülltes Leben ist, hat sich nicht erledigt.
Du kannst The Kinks Arthur (Or the Decline and Fall of the British Empire) als Gegenstück zu „Tommy“ von The Who hören, das im selben Jahr erschien. Beide sind Konzeptalben, beide erzählen ein Leben. The Who wollten die Oper, die Kinks das Küchendrama.
Nachwirkung und Neuauflagen
In den USA erschien das Album bei Reprise Records und bekam dort bessere Kritiken als in Großbritannien, wo die Kinks nach dem Auftrittsverbot in den USA und mehreren Flops als erledigt galten. Der kommerzielle Erfolg kam erst 1970 mit „Lola“.
Zum 50. Jubiläum 2019 erschien eine Neuauflage mit Demos, Outtakes und Aufnahmen aus der Zeit, darunter Songs, die Dave Davies für ein nie veröffentlichtes Soloalbum aufgenommen hatte. Für Sammler ist das die Ausgabe der Wahl; für den ersten Kontakt reicht das Original in Mono.
Wer die Musik der 1960er Jahre nach Alben durchgeht, die den Rock aus der Single-Form gelöst haben, kommt an dieser Platte nicht vorbei. Sie ist kürzer als „Tommy“, leiser als „Abbey Road“ und hat den besseren Text.
Die Laufzeit liegt übrigens unter 50 Minuten. Für ein Album, das ein ganzes Jahrhundert abdeckt, ist das erstaunlich wenig.
Fragen zu The Kinks Arthur (Or the Decline and Fall of the British Empire): Das Konzeptalbum
Worum geht es auf The Kinks Arthur (Or the Decline and Fall of the British Empire)?
Um Arthur Morgan, einen Teppichleger aus der Londoner Vorstadt, dessen Leben Ray Davies vom Ersten Weltkrieg bis zur Auswanderung des Sohnes nach Australien erzählt. Vorbild war Davies' Schwager Arthur Anning, der mit seiner Familie nach Australien ausgewandert war.
Warum wurde Arthur ursprünglich geschrieben?
Als Musik zu einem Fernsehspiel für Granada Television, das der Autor Julian Mitchell mit Ray Davies entwickelte. Die Produktion wurde nie fertiggestellt, das Album erschien im Oktober 1969 trotzdem.
Welche Songs von Arthur sind am bekanntesten?
„Victoria“, der Opener mit dem ironischen Loblied auf die Königin, „Shangri-La“ über das Reihenhaus als Lebensziel und „Some Mother's Son“, eines der wenigen Antikriegslieder der Kinks.
Wie schneidet Arthur im Vergleich zu Village Green Preservation Society ab?
Village Green (1968) ist nostalgischer und musikalisch leiser, Arthur (1969) lauter, direkter und mit mehr Gitarren. Beide verkauften sich bei Erscheinen schlecht und gelten heute als die besten Alben der Band.