The Who und Who's Next
Das Album von 1971 zwischen dem gescheiterten Lifehouse-Projekt und den Tribute-Bands von heute
The Who Who's Next: Wie das Album von 1971 aus dem gescheiterten Lifehouse-Projekt entstand, welche Titel es prägen, wer die Mitglieder waren und was Tribute-Bands daraus machen.
Vier Männer, die gerade an einen Betonpfeiler uriniert haben, gehen zurück zum Auto. Das Coverfoto von „Who’s Next“, aufgenommen von Ethan Russell an einer Halde in der nordenglischen Bergbausiedlung Easington Colliery, ist eine der berühmtesten Plattenhüllen der Rockgeschichte, und es ist ein Witz über den Monolithen aus „2001: Odyssee im Weltraum“. Das Album, das The Who 1971 dahinter veröffentlichten, ist kein Witz. Es ist das beste, das die Band je gemacht hat, und es ist aus einem Scheitern entstanden.
Wer The Who Whos Next ohne Apostroph sucht, findet dasselbe Album. Die Schreibweise mit Apostroph ist die richtige.
The Who Who’s Next: Was von Lifehouse übrig blieb
Nach „Tommy“ von 1969 wollte Pete Townshend eine zweite Rockoper schreiben. „Lifehouse“ sollte Film, Konzert und Platte zugleich sein, mit einer Geschichte über eine Zukunft, in der Musik verboten ist und ein Konzert die Menschen befreit. Das Projekt überforderte alle Beteiligten, Townshend erlitt einen Zusammenbruch, und die Band beschloss, aus den vorhandenen Songs einfach ein Album zu machen.
Das Album hieß „Who’s Next“, ein Wortspiel mit dem Bandnamen, und erschien im August 1971. Produzent war Glyn Johns, der die Aufnahmen aus dem Record Plant in New York verwarf und die Band in die Olympic Studios in London holte. Was übrig blieb, waren neun Stücke ohne verbindende Handlung. Sie brauchten keine.
Townshend hatte in dieser Zeit angefangen, mit Synthesizern zu arbeiten. Die repetitive Figur, mit der „Baba O’Riley“ beginnt, entstand auf einer Lowrey-Orgel, die durch einen ARP-Synthesizer lief, und der Titel verbindet zwei Namen: den indischen Mystiker Meher Baba, dem Townshend folgte, und den Minimal-Komponisten Terry Riley, dessen Technik er nachahmte.
Die Titel: Von Baba O’Riley bis Won’t Get Fooled Again
Die Platte beginnt mit „Baba O’Riley“ und endet mit „Won’t Get Fooled Again“, und beide Stücke sind mit Synthesizer-Loops gebaut, über die Keith Moon spielt, als hätte er nie etwas anderes getan. Das war neu. Kaum eine Rockband hatte vorher elektronische Sequenzen als Grundgerüst benutzt, und keine hatte einen Schlagzeuger, der sie so behandelte.
Dazwischen liegt „Behind Blue Eyes“, das leise Stück, das als Ballade beginnt und in der Mitte in einen Wutausbruch kippt. Roger Daltrey singt es mit der Stimme, die er auf diesem Album gefunden hat: tiefer und rauer als auf „Tommy“, ohne die hohen Töne der 1960er Jahre. Der Schrei am Ende von „Won’t Get Fooled Again“ ist das bekannteste Beispiel dafür.
John Entwistle steuerte „My Wife“ bei, ein Stück über einen Mann, der sich vor seiner Frau in Sicherheit bringen muss, mit Bläsern, die der Bassist selbst spielte. Es ist der Song, den Tribute-Bands am häufigsten weglassen, und es ist ein Fehler.
Was du beim Hören merken wirst: Das Album ist kurz. Neun Titel in gut 43 Minuten, keine Füller, kein Konzept, das erklärt werden müsste.
The Who Mitglieder und die Alben davor und danach
Die Besetzung von „Who’s Next“ war die klassische: Daltrey, Townshend, Entwistle, Moon. Sie hatte seit 1964 zusammen gespielt, mit „My Generation“ 1965 den ersten Hit gehabt, mit „The Who Sell Out“ 1967 ein Konzeptalbum über Piratensender gemacht und mit „Tommy“ die Rockoper erfunden. „Live at Leeds“ von 1970 hatte gezeigt, was die Band auf der Bühne konnte.
Nach „Who’s Next“ folgte 1973 „Quadrophenia“, wieder eine Oper, diesmal über einen Mod in Brighton. Keith Moon starb 1978, kurz nach „Who Are You“. Entwistle starb 2002 am Vorabend einer US-Tournee. Daltrey und Townshend spielten weiter, und mit „Endless Wire“ von 2006 und „WHO“ vom Dezember 2019 gibt es zwei Alben, die unter dem Bandnamen erschienen sind, ohne die Rhythmusgruppe, die ihn geprägt hat.
Das neue Album von 2019 ist besser, als es ein Spätwerk sein müsste. Aber niemand würde es mit dem von 1971 verwechseln.
Tribute to The Who: Was eine Tribute-Band mit diesem Album anfängt
Tribute-Bands, die The Who spielen, stehen vor einem besonderen Problem: Der Schlagzeuger. Keith Moon spielte kein Muster, sondern eine Serie von Einfällen, und wer ihn kopiert, klingt entweder wie eine Parodie oder wie ein Schlagzeuger, der es nicht schafft. Die guten Tribute-Bands spielen deshalb nicht Moon nach, sondern spielen die Stücke so, wie sie geschrieben sind, und lassen dem Schlagzeug Raum.
„Won’t Get Fooled Again“ ist das Stück, an dem sich das entscheidet. Die Synthesizer-Sequenz läuft vom Band, die Band spielt darüber, und in der Pause vor dem Schrei zeigt sich, ob das Publikum den Atem anhält. Bei The Who tat es das 1971 und tut es heute noch.
Ein Tribute an The Who ist deshalb weniger eine Kostümfrage als eine Frage der Lautstärke und der Bereitschaft, ein Album von 1971 so ernst zu nehmen, wie es sich selbst genommen hat.
Weitere Musik aus diesem Jahrzehnt findest du unter /jahrzehnte/1970er/, alle Musikthemen unter /musik/.
Fragen zu The Who und Who's Next: Das Album
Welche Titel stehen auf Who's Next von The Who?
Neun Stücke: Baba O'Riley, Bargain, Love Ain't for Keeping, My Wife, The Song Is Over, Getting in Tune, Going Mobile, Behind Blue Eyes und Won't Get Fooled Again. Acht davon schrieb Pete Townshend, My Wife stammt von John Entwistle.
Wer waren die Mitglieder von The Who auf Who's Next?
Roger Daltrey am Gesang, Pete Townshend an Gitarre, Synthesizern und Klavier, John Entwistle am Bass und Keith Moon am Schlagzeug. Diese Besetzung bestand von 1964 bis zu Moons Tod 1978. Entwistle starb 2002; Daltrey und Townshend führen die Band bis heute.
Was ist das neueste Album von The Who?
WHO, erschienen im Dezember 2019, das erste Studioalbum seit Endless Wire von 2006. Daltrey und Townshend nahmen es mit Studiomusikern auf. Dazwischen liegen Livealben und Wiederveröffentlichungen, darunter erweiterte Ausgaben von Who's Next mit Material aus dem Lifehouse-Projekt.
Warum ist die Schreibweise The Who Whos Next ohne Apostroph so verbreitet?
Weil Plattenlisten, Dateinamen und Streamingdienste den Apostroph oft verschlucken. Der korrekte Titel lautet Who's Next, ein Wortspiel mit dem Bandnamen: Wer ist der Nächste. Gemeint ist in jeder Schreibweise dasselbe Album von 1971.