Zum Inhalt
VinTageBuch

Wildkräuter, Handarbeit & Brauchtum

Alte Rezepte und Handwerkstechniken aus der Oberpfalz von Cornelia Müller

Wildkräuter, Handarbeit & Brauchtum von Cornelia Müller: Rezepte, Bienenwachstücher, Kräuterkissen und Salben aus den Spinnstubenabenden der Oberpfalz.

Lebensart2020er2020Bayern
Eintrag vom 20. Sept. 2020 · aktualisiert 11. Sept. 2026

Ein Dressing aus Fichtenspitzen, ein Punsch aus Wurzeln, ein Tuch aus Baumwolle und Bienenwachs, das Frischhaltefolie ersetzt: Die Ideen in „Wildkräuter, Handarbeit & Brauchtum“ klingen, als hätte jemand eine Großstadtküche mit dem Dachboden eines Bauernhauses gekreuzt. Tatsächlich stammen sie aus den sogenannten Spinnstub’n-Abenden in der nördlichen Oberpfalz, und das Buch von Cornelia Müller sammelt, was an diesen Abenden gekocht, gebastelt und erzählt wird.

Es erschien im September 2020 im Battenberg Gietl Verlag, in der Reihe Buch- & Kunstverlag Oberpfalz, als gebundene Ausgabe mit 192 durchgehend farbig bebilderten Seiten.

Spinnstuben: ein alter Treffpunkt, neu belebt

Die Spinnstube war über Jahrhunderte eine feste Einrichtung auf dem Land. In den langen Winterabenden, wenn draußen nichts mehr zu tun war, trafen sich die Frauen und Mädchen eines Dorfes reihum in einem Haus, um Flachs und Wolle zu spinnen. Man sparte so Brennholz und Licht, sang, erzählte Geschichten und tauschte Neuigkeiten aus. Später am Abend kamen oft die jungen Männer dazu, was den Obrigkeiten nicht immer geheuer war; mancherorts wurden Spinnstuben deshalb reglementiert oder ganz verboten.

Cornelia Müller hat das Format in die Gegenwart geholt. An ihren Spinnstubenabenden geht es um Kräuterthemen, um Handarbeitstechniken und um Brauchtum, und das Spinnrad ist dabei eher Sinnbild als Werkzeug.

Die Autorin ist seit 2018 zertifizierte Kräuterführerin. Die Ausbildung hat sie nach eigener Aussage ihrer Kindheit wieder näher gebracht und ihre Liebe zur Natur vertieft. Neben den Abenden veranstaltet sie Herbariumswanderungen, bei denen Pflanzen gesammelt, bestimmt und gepresst werden. Ihre zweite Leidenschaft ist die Architektur, und beides verbindet sie in ihrem Studio „architektur & wildkräuter“.

Von den Wurzeln bis in den Frühling

Das Buch ist nach Themen geordnet, die sich wie ein Gang durch das Jahr lesen. Nach einer Einführung über die Autorin und die Spinnstubenabende folgen die Kapitel „Von den Wurzeln“, „Kissen, Körbe & Kosmetik“, „Früchte, Samen & die Bienen“, „Im Unterholz“, „Nadelbäume & Weihnachtsbräuche“ und schließlich „In den Frühling“.

Auffällig ist, dass dieser Gang nicht mit dem ersten Grün beginnt, sondern dort endet. Das passt zur Praxis: Wurzeln gräbt man traditionell im Herbst oder im zeitigen Frühjahr aus, wenn die Pflanze ihre Kraft unter die Erde zurückgezogen hat, und die hellgrünen, noch weichen Triebspitzen von Fichten erntet man erst im späten Frühling. Ein Buch, das mit den Wurzeln anfängt, beginnt also dort, wo die Sammelsaison sich dem Ende zuneigt.

Wenn du selbst mit dem Sammeln anfangen willst, lohnt beim Bärlauch ein zweiter Blick. Seine Blätter ähneln denen von Maiglöckchen und Herbstzeitlose, und beide sind giftig. Nur Bärlauch riecht zerrieben nach Knoblauch, allerdings nur so lange, bis die eigenen Finger schon danach riechen.

Kissen, Bienenwachstücher und Salben

Der handwerkliche Teil des Buches knüpft an Techniken an, die in vielen Haushalten noch vor zwei Generationen selbstverständlich waren. Kräuterkissen gehören dazu, kleine Stoffsäckchen mit getrockneten Pflanzen, die in der Volksmedizin für ruhigen Schlaf sorgen sollten; Lavendel, Melisse und Hopfen sind die bekanntesten Füllungen.

Das Bienenwachstuch ist dagegen eine neuere Wiederentdeckung. Ein Stück Baumwollstoff wird mit Bienenwachs getränkt und lässt sich danach mit der Wärme der Hände um eine Schüssel oder ein angeschnittenes Brot formen. Nach dem Gebrauch wird es mit kaltem oder lauwarmem Wasser abgewischt, heißes Wasser würde das Wachs lösen. Die Verbindung zum Kapitel über Früchte, Samen und Bienen liegt auf der Hand.

Salben aus Kräutern schließlich haben eine lange Tradition in der Hausapotheke, bekannt ist etwa die Ringelblumensalbe. Im Buch stehen die natürlichen Salben neben Kissen, Körben und Tüchern als Teil derselben Idee, Dinge des Alltags wieder selbst herzustellen. Der Kreativität, so heißt es im Klappentext, seien dabei keine Grenzen gesetzt.

Brauchtum im Jahreslauf

Dass Handarbeit und Pflanzenkunde in einem Buch mit Brauchtum zusammenfinden, hat in Bayern gute Gründe. Viele Bräuche des Jahres hängen an Pflanzen. Zu Mariä Himmelfahrt am 15. August werden in vielen katholischen Gemeinden Kräuterbuschen gebunden und in der Kirche gesegnet, Sträuße aus sieben, neun oder mehr Heil- und Wildkräutern, die danach im Haus aufbewahrt werden. In der dunklen Jahreszeit folgen die Nadelbäume, deren Zweige und Harz schon lange vor dem Christbaum eine Rolle spielten.

Das Buch selbst bleibt dabei nah an der Oberpfalz und an den Menschen, die sich an den Spinnstubenabenden treffen. Ein Satz aus dem Klappentext beschreibt das Anliegen: „Den Kontakt zur Natur wiederherzustellen.“ Weitere Titel zu Natur und Gesundheit finden sich unter Bücher, das Umfeld der Zeit in der Übersicht zu den 2020er Jahren.

Und wer nach der Lektüre ein eigenes Herbarium anlegen will, braucht zunächst nur Zeitungspapier, ein paar schwere Bücher und ein bis zwei Wochen Geduld, bis die erste Pflanze trocken ist.

Fragen zu Wildkräuter, Handarbeit & Brauchtum: alte Rezepte und Handwerkstechniken aus der Oberpfalz

Worum geht es in Wildkräuter, Handarbeit & Brauchtum?

Das Buch sammelt Kräuterkunde, alte Handarbeits- und Basteltechniken und kreative Rezepte. Die Ideen reichen von Wurzelpunsch und Fichtendressing über Kräuterkissen und Bienenwachstücher bis zu natürlichen Salben und sind aus Spinnstubenabenden in der nördlichen Oberpfalz entstanden.

Wer ist Cornelia Müller?

Die Autorin ist seit 2018 zertifizierte Kräuterführerin. Sie veranstaltet Spinnstubenabende, an denen Kräuterthemen, Handarbeit und Brauchtum im Mittelpunkt stehen, sowie Herbariumswanderungen. Wildkräuter und Architektur verbindet sie in ihrem Studio „architektur & wildkräuter“.

Welche Kapitel hat das Buch?

Nach einer Einführung über die Autorin und die Spinnstubenabende folgen die Kapitel Von den Wurzeln, Kissen, Körbe & Kosmetik, Früchte, Samen & die Bienen, Im Unterholz, Nadelbäume & Weihnachtsbräuche und In den Frühling.

Was war eine Spinnstube?

Auf dem Land trafen sich in den Wintermonaten Frauen und Mädchen abends reihum in einem Haus, um Flachs und Wolle zu spinnen. Man teilte Licht und Wärme, sang und erzählte, und oft kamen später die jungen Männer dazu. Die Spinnstube war damit Arbeitsplatz, Nachrichtenbörse und Treffpunkt zugleich.

In welchem Verlag ist das Buch erschienen?

Im Battenberg Gietl Verlag, Reihe Buch- & Kunstverlag Oberpfalz, im September 2020. Die gebundene Ausgabe hat 192 Seiten und ist durchgehend farbig bebildert.