Auf den Spuren des Todes
Wahre Verbrechen in Ostbayern von der Gerichtsreporterin Isolde Stöcker-Gietl
Auf den Spuren des Todes: Isolde Stöcker-Gietl erzählt wahre Verbrechen aus der Oberpfalz und Niederbayern mit Blick auf die Menschen hinter den Fällen.
Mord, Sexualverbrechen, verschwundene Personen: In den Nachrichten wirken solche Fälle oft, als kämen sie von weit her. Isolde Stöcker-Gietl hat viele von ihnen aus nächster Nähe erlebt, als Reporterin und als Berichterstatterin im Gerichtssaal, und alle spielen in einer Region, die man eher mit Wirtshäusern, Wallfahrtskirchen und dem Bayerischen Wald verbindet. „Auf den Spuren des Todes: Wahre Verbrechen in Ostbayern“ versammelt Kriminalfälle aus der Oberpfalz und aus Niederbayern.

Das Taschenbuch mit 170 Seiten erschien am 2. November 2020 im Battenberg Gietl Verlag gemeinsam mit dem MZ Buchverlag.
Wahre Verbrechen aus der Oberpfalz und Niederbayern
True Crime ist zu einem der erfolgreichsten Genres der vergangenen Jahre geworden, auf dem Buchmarkt ebenso wie in Podcasts und Streamingserien. Viele dieser Produktionen leben von der Rekonstruktion der Tat: Wer hat wann was getan, welche Spur führte zum Täter, welcher Fehler brachte ihn zu Fall.
Stöcker-Gietl setzt den Schwerpunkt anders. Es geht in ihrem Buch nicht vordergründig um die Taten und ihre Abläufe, sondern um die Menschen, die daran beteiligt waren. Das Ziel formuliert der Klappentext ohne Umschweife: Das Buch soll an die Opfer dieser Verbrechen erinnern.
Das ist eine Entscheidung mit Folgen für die Lektüre. Wenn du True Crime vor allem aus Serien kennst, die ihre Spannung aus dem Rätsel ziehen, liest du dieses Buch anders, weil der Blick auf den Beteiligten liegt und nicht auf der Frage, wer es war. Gerade bei Vermisstenfällen, in denen lange niemand weiß, ob überhaupt ein Verbrechen geschehen ist, bleiben Angehörige oft über Jahre ohne Antwort.
Dass die Fälle aus der eigenen Region stammen, verstärkt diese Wirkung. Ostbayern ist keine Verwaltungseinheit, sondern der gebräuchliche Sammelbegriff für die Regierungsbezirke Oberpfalz und Niederbayern, also für die Gegend zwischen Regensburg, Passau und der tschechischen Grenze. Wer dort lebt, liest über Orte, die er kennt.
Die Menschen hinter den Fällen
Für das Buch hat die Journalistin in akribischer Kleinarbeit recherchiert und Fakten zusammengetragen. Sie sprach mit Angehörigen, mit der Polizei, mit Psychologen und Fallanalytikern, mit Strafrechtsexperten und mit Tätern.
Die Liste zeigt, wie breit der Blick angelegt ist. Fallanalytiker arbeiten in Deutschland in den Dienststellen für Operative Fallanalyse bei den Landeskriminalämtern und beim Bundeskriminalamt, und sie versuchen aus dem Tatort und dem Verhalten eines Täters Rückschlüsse auf dessen Person zu ziehen. Strafrechtsexperten wiederum ordnen ein, warum ein Urteil so ausfiel, wie es ausfiel, und warum es für Angehörige manchmal kaum zu ertragen ist.
Dass die Autorin auch mit Tätern gesprochen hat, gehört zu den heikelsten Entscheidungen bei einem solchen Buch. Es verschiebt nichts an der Schuld, macht aber sichtbar, dass Verbrechen inmitten der Gesellschaft geschehen und nicht an ihrem Rand.
Isolde Stöcker-Gietl: Gerichtsreporterin aus Regensburg
Die Autorin ist Diplom-Betriebswirtin und seit 1998, nach ihrem Volontariat, Redakteurin im Mittelbayerischen Medienhaus, zu dem die in Regensburg erscheinende Mittelbayerische Zeitung gehört. Als Reporterin für überregionale Themen hat sie viele Kriminalfälle in der Oberpfalz und in Niederbayern journalistisch begleitet und saß als Berichterstatterin in spektakulären Prozessen.
2017 wurde sie für ihre journalistische Arbeit mit dem Eberhard-Woll-Preis ausgezeichnet. Sie lebt mit ihrer Familie in der Nähe von Regensburg.
Seit 2019 berichtet sie gemeinsam mit dem Redakteur André Baumgarten und weiteren Kollegen im Podcast „Spuren des Todes“ von ihrer Arbeit. Das Buch trägt fast denselben Namen, und beide Formate ergänzen sich: Der Podcast erzählt im Rhythmus einzelner Folgen, das Buch hat Raum für Zusammenhänge, die in einer einzelnen Folge keinen Platz finden.
Vom Pitaval zum Podcast
Neu ist das Interesse an echten Kriminalfällen nicht. Im 18. Jahrhundert veröffentlichte der französische Jurist François Gayot de Pitaval seine Sammlung berühmter Rechtsfälle, und ab 1842 erschien im deutschen Sprachraum „Der neue Pitaval“, herausgegeben von Julius Eduard Hitzig und Willibald Alexis. Der Name Pitaval wurde über Jahrzehnte zum Gattungsbegriff für Sammlungen dieser Art. Schon Friedrich Schiller hatte sich von einem echten Fall anregen lassen: Seine Erzählung „Der Verbrecher aus verlorener Ehre“ geht auf den württembergischen Räuber Johann Friedrich Schwan zurück, den man den Sonnenwirt nannte. 1966 machte Truman Capote mit „Kaltblütig“ aus der Rekonstruktion eines Mordes in Kansas einen Roman ohne erfundene Figuren.
Regionale Sammlungen wie diese stehen in derselben Tradition, mit einem Unterschied: Die Autorin kennt viele Verfahren der Region nicht aus Akten, sondern aus dem Gerichtssaal. Weitere Sachbücher finden sich unter Bücher und in der Kategorie Sachbücher.
Fragen zu Auf den Spuren des Todes: Wahre Verbrechen in Ostbayern
Worum geht es in Auf den Spuren des Todes?
Das Buch erzählt wahre Kriminalfälle aus Ostbayern, also aus der Oberpfalz und aus Niederbayern: Morde, Sexualverbrechen und Fälle verschwundener Personen. Im Vordergrund stehen weniger die Taten und ihre Abläufe als die Menschen, die in die Fälle verwickelt waren.
Wer ist Isolde Stöcker-Gietl?
Eine Journalistin und Gerichtsreporterin. Die Diplom-Betriebswirtin arbeitet nach ihrem Volontariat seit 1998 als Redakteurin im Mittelbayerischen Medienhaus in Regensburg und hat als Reporterin für überregionale Themen zahlreiche Kriminalfälle und Gerichtsprozesse begleitet. 2017 erhielt sie den Eberhard-Woll-Preis.
Mit wem hat die Autorin für das Buch gesprochen?
Mit Angehörigen von Opfern, mit Polizisten, Psychologen und Fallanalytikern, mit Strafrechtsexperten und auch mit Tätern. Aus diesen Gesprächen und den zusammengetragenen Fakten ist ein Buch entstanden, das an die Opfer erinnern soll.
Gibt es zu Auf den Spuren des Todes einen Podcast?
Ja, seit 2019 berichtet Isolde Stöcker-Gietl gemeinsam mit dem Redakteur André Baumgarten und weiteren Kollegen im Podcast „Spuren des Todes“ von ihrer Arbeit an Kriminalfällen aus der Region.
Wann und wo ist das Buch erschienen?
Am 2. November 2020 als Taschenbuch mit 170 Seiten, herausgegeben vom Battenberg Gietl Verlag gemeinsam mit dem MZ Buchverlag.