Theo Bullinger, Wunderheiler
Biografie, Heilbehandlungen und Patientenberichte von Erich Renner
Erich Renners Biografie Theo Bullinger – Wunderheiler beschreibt Werdegang, Heilkonzepte und Patientenberichte des Geistheilers. AT Verlag 2009, 232 Seiten.
Der Begriff „Wunderheiler“ steht im Titel in Anführungszeichen, und das ist kein Zufall. Erich Renners Buch „Theo Bullinger – Wunderheiler. Seine Wege geistigen Heilens“ will nicht beweisen, dass Wunder geschehen, sondern beschreiben, wie ein Mann zum Heiler wurde, was er tut und was Menschen erleben, die zu ihm kommen. Der Untertitel nennt die drei Ebenen: Biografie, Heilbehandlungen, Patientenberichte.
Erschienen ist der Band am 14. September 2009 im AT Verlag, gebunden, 232 Seiten. Der Schweizer Verlag aus Aarau ist vor allem für Bücher zu Naturheilkunde, Ernährung und Lebensführung bekannt, und in dieses Programm fügt sich eine Heilerbiografie ohne Bruch ein.
Das Thema ist heikel, und das Buch weiß das. Wer über einen Heiler schreibt, muss sich entscheiden, ob er dessen Selbstverständnis übernimmt oder von außen darauf schaut. Renner wählt eine dritte Möglichkeit: Er lässt Bullinger, seine Patienten und Beobachter nebeneinander sprechen und überlässt das Urteil den Lesenden.
Ein Geistheiler mit Testergebnis
Der Verlagstext stellt Bullinger so vor: „Theo Bullinger ist ein in ganz Deutschland bekannter Geistheiler“, der vielfältige und zum Teil erstaunliche Heilerfolge verzeichnen könne. „Schon vor Jahren wurde er zu den 25 besten Heileradressen in Deutschland gezählt.“ Dazu kommt ein Detail, das das Buch von vielen Heilerbiografien unterscheidet: In einer Beurteilung des Freiburger Instituts für Grenzgebiete der Psychologie erreichte Bullinger in einem Test ein hoch signifikantes Ergebnis.
Das Freiburger Institut, 1950 von Hans Bender gegründet, untersucht seit Jahrzehnten Phänomene am Rand der akademischen Psychologie, ohne sie vorab zu glauben oder abzulehnen. Dass ein Heiler dort getestet wurde, sagt nichts über die Ursache seiner Wirkung. Es sagt, dass jemand hingeschaut hat.
Aufbau der Biografie
Renner nähert sich seinem Gegenstand von mehreren Seiten. Da ist zunächst Bullingers eigene Sicht: das Initiationserlebnis, der Werdegang, die Entwicklung seiner ungewöhnlichen Heilkonzepte und Verfahren. Dann folgen Beispiele von Heilbehandlungen und Patientenberichte, also die Perspektive derer, die Hilfe suchten. Und schließlich kommen Augenzeugen zu Wort, die Behandlungen beobachtet haben, ohne selbst Patienten zu sein.
Der Verlag nennt das Ergebnis „eine eindrückliche Biografie, ein aufschlussreicher Blick hinter die Kulissen“ eines sogenannten Wunderheilers. Die Formulierung „sogenannt“ zieht sich als Haltung durch: Das Buch dokumentiert, es missioniert nicht.
Was es nicht leistet, sollte man vorher wissen. Es ist keine kontrollierte Studie, keine Auseinandersetzung mit Placeboforschung und keine Bewertung der Heilerfolge nach medizinischen Kriterien. Wer Begriffe wie Aura oder Chakra, die im Umfeld des geistigen Heilens verbreitet sind, kritisch geprüft sehen möchte, findet hier eine Beschreibung von innen, keine Prüfung von außen.
Der Autor: Biografieforschung als Methode
Erich Renner ist Ethnopädagoge und Biografieforscher. Er lehrte und forschte an den Universitäten Koblenz-Landau und Erfurt mit dem Schwerpunkt Biografisierung von Lebenswelten. Aus dieser Arbeit sind regionale und fremdkulturelle Projekte hervorgegangen, darunter ethnopädagogische Sachbücher über Kindheit, Jugend und Alter im Peter Hammer Verlag, das Selbstporträt einer indianischen Familie bei Reimer 2006 und „Navajo – Der Pfad der Harmonie und Schönheit“ bei Persimplex 2011.
Das erklärt den Zugang. Renner behandelt Bullinger so, wie er eine Navajo-Familie behandelt: als Menschen mit einer eigenen Deutung der Welt, die man erst einmal ernst nimmt und aufschreibt. Für eine Biografie ist das eine legitime Methode. Für eine Wirksamkeitsfrage ist es keine.
Genau darin liegt die Stärke und die Grenze des Buches. Die Patientenberichte sind Erfahrungsberichte, keine Krankenakten; die Augenzeugen beschreiben, was sie gesehen haben, nicht, was es bewirkt hat. Wer das als Schwäche liest, hat den Anspruch des Autors missverstanden. Wer es als Beleg liest, ebenfalls.
Geistiges Heilen in Deutschland
Wer sich fragt, ob so etwas überhaupt erlaubt ist: Das Bundesverfassungsgericht hat 2004 entschieden, dass Heilen durch Handauflegen ohne Diagnose und ohne Heilversprechen nicht unter das Heilpraktikergesetz fällt. Geistheiler dürfen also arbeiten, solange sie keine ärztliche Behandlung vortäuschen oder ersetzen. Verbände wie der Dachverband Geistiges Heilen versuchen seither, Standards und Ethikregeln in ein Feld zu bringen, das sonst niemand kontrolliert.
In diesem Rahmen ist Renners Buch zu lesen. Es erzählt, wie ein Mann zu seiner Praxis kam, welche Vorstellungen er damit verbindet und was Patienten berichten, die zu ihm gingen. Ob du das überzeugend findest, hängt weniger vom Buch ab als von der Frage, mit welcher Erwartung du es aufschlägst.
Weitere Biografien und Lebenserinnerungen finden sich in der Rubrik Bücher.
Fragen zu Theo Bullinger, Wunderheiler: Biografie, Heilbehandlungen und Patientenberichte
Wer ist Theo Bullinger?
Ein in Deutschland bekannter Geistheiler, dessen Lebensweg und Arbeit Erich Renner 2009 in einer Biografie beschrieben hat. Der Verlag verweist darauf, dass Bullinger vor Jahren zu den 25 besten Heileradressen in Deutschland gezählt wurde und in einer Untersuchung des Freiburger Instituts für Grenzgebiete der Psychologie ein signifikantes Testergebnis erreichte.
Wie ist das Buch Theo Bullinger – Wunderheiler aufgebaut?
Es zeichnet Bullingers Weg aus mehreren Blickwinkeln nach: aus seiner eigenen Sicht mit Initiationserlebnis und Werdegang, über seine Heilkonzepte und Verfahren, anhand von Beispielen von Heilbehandlungen und Patientenberichten sowie aus der Sicht von Augenzeugen.
Wer ist der Autor Erich Renner?
Erich Renner ist Ethnopädagoge und Biografieforscher. Er lehrte und forschte an den Universitäten Koblenz-Landau und Erfurt mit dem Schwerpunkt Biografisierung von Lebenswelten und veröffentlichte Sachbücher über Kindheit, Jugend und Alter sowie Bücher über Navajo-Familien.
Ist geistiges Heilen in Deutschland erlaubt?
Das Bundesverfassungsgericht entschied 2004, dass Heilen durch Handauflegen ohne Diagnose und ohne Heilversprechen nicht unter das Heilpraktikergesetz fällt. Eine ärztliche Behandlung ersetzt es nicht, und Renners Buch versteht sich als Biografie, nicht als medizinische Studie.
Wann und wo ist das Buch erschienen?
Am 14. September 2009 im Schweizer AT Verlag, als gebundene Ausgabe mit 232 Seiten in deutscher Sprache. Die ISBN lautet 978-3038004783.