Jay Gatsby, Daisy Buchanan und die wilden Zwanziger
Der große Gatsby von F. Scott Fitzgerald und die Bedeutung des Romans
Jay Gatsby, Daisy Buchanan und das grüne Licht: Was F. Scott Fitzgeralds Roman von 1925 über die wilden Zwanziger erzählt und welche Bedeutung Gatsby bis heute hat.
Jay Gatsby wirft Partys, auf denen er selbst kaum zu sehen ist. Hunderte Gäste, ein Orchester, Champagner in Kelchen größer als Fingerschalen, und der Gastgeber steht irgendwo am Rand und schaut über die Bucht auf ein grünes Licht. Mit diesem Bild hat F. Scott Fitzgerald 1925 den Roman geschrieben, der bis heute als das Buch über die wilden Zwanziger gilt, und der zu seinen Lebzeiten ein Misserfolg war.
Fitzgerald starb 1940 im Glauben, vergessen zu sein. Erst die Ausgaben für amerikanische Soldaten im Zweiten Weltkrieg und der Schulkanon der Nachkriegszeit machten aus „The Great Gatsby“ das, was es heute ist.
Wer Jay Gatsby ist und woher er kommt
Der Mann, der sich Jay Gatsby nennt, wurde als James Gatz in North Dakota geboren. Er wächst arm auf, arbeitet als junger Mann für einen Millionär auf dessen Jacht und lernt dort, wie Reichtum aussieht, riecht und klingt. Im Ersten Weltkrieg wird er Offizier, in Louisville lernt er Daisy kennen, und dann muss er nach Europa.
Als er zurückkommt, ist Daisy verheiratet. Gatsby verdient in den folgenden Jahren ein Vermögen, dessen Quelle der Roman nur andeutet: Alkoholschmuggel in der Prohibition, Geschäfte mit dem Gangster Meyer Wolfsheim, gefälschte Wertpapiere. Er kauft eine Villa in West Egg auf Long Island, genau gegenüber dem Haus, in dem Daisy mit Tom Buchanan lebt, und beginnt zu warten.
Das ist die ganze Handlung, und sie reicht. Fitzgerald braucht keine 200 Seiten, weil er nichts erklärt, was Nick Carraway, der Erzähler, nicht selbst gesehen oder gehört hat.
Daisy und der Great Gatsby: Die Frau hinter dem grünen Licht
Daisy Buchanan ist die Figur, an der sich Leser seit hundert Jahren reiben. Sie ist Nicks Cousine, sie hat eine Stimme, die laut Gatsby „voller Geld“ klingt, und sie hat Tom geheiratet, weil er da war, reich war und aus einer Familie stammt, die ihr Geld nicht erst verdienen musste.
Wenn Daisy und Gatsby sich in Nicks Cottage wiedersehen, regnet es, Gatsby stößt eine Uhr vom Kaminsims, und für einen Nachmittag scheint alles möglich. Der Rest des Sommers 1922 nimmt es Stück für Stück zurück. In der Hitze eines Hotelzimmers im Plaza stellt Tom seinen Rivalen bloß, Daisy zieht sich zurück, und auf der Rückfahrt überfährt Gatsbys Wagen Myrtle Wilson, Toms Geliebte. Daisy saß am Steuer. Gatsby nimmt die Schuld auf sich.
Du kannst Daisy als kalt lesen oder als gefangen. Fitzgerald legt beides an. Ihre berühmte Bemerkung über die neugeborene Tochter, ein Mädchen solle am besten ein schönes Dummchen werden, ist kein Zynismus, sondern eine nüchterne Bilanz ihrer eigenen Lage.
Gatsby Bedeutung: Warum das Buch mehr ist als ein Zwanziger-Jahre-Roman
Die wilden Zwanziger liefern die Kulisse: Jazz, Prohibition, Autos, die Stadt New York als Versprechen. Fitzgerald hat den Begriff „Jazz Age“ selbst geprägt. Aber der Roman ist kein Sittenbild, sondern ein Buch über eine Idee.
Gatsby glaubt, dass sich die Vergangenheit wiederholen lässt. „Natürlich kann man das“, sagt er zu Nick, der ihm widerspricht. Das grüne Licht am Ende von Daisys Steg, das er nachts von seinem Rasen aus anstarrt, ist das konkreteste Symbol, das die amerikanische Literatur hervorgebracht hat: ein Ziel, das man sieht, auf das man zuläuft und das genau in dem Moment seine Kraft verliert, in dem man es erreicht.
Die Bedeutung des Namens Gatsby hat sich davon gelöst. Er steht heute für Luxus, für Partys im Stil der Zwanziger, für einen bestimmten Schnitt von Anzügen. Das ist eine Ironie, die Fitzgerald vermutlich gefallen hätte: Die Fassade, die er als Fassade beschrieben hat, wird als Vorbild kopiert.
Der Roman endet nicht mit einer Moral, sondern mit einem Bild. Nick steht am Strand von West Egg und denkt an die holländischen Seeleute, die diese Küste zum ersten Mal sahen, und an Boote, die gegen den Strom rudern.
Der Roman, seine Verfilmungen und das Jahrzehnt
Fitzgerald schrieb große Teile des Buches 1924 an der Riviera. Verleger war Charles Scribner’s Sons, Lektor Maxwell Perkins, der auch Hemingway betreute. Der Autor schwankte bis kurz vor Druck beim Titel; „Trimalchio in West Egg“ stand ernsthaft zur Debatte.
Für die Leinwand hat der Stoff mehrfach herhalten müssen. Die Fassung von 1974 mit Robert Redford als Gatsby und Mia Farrow als Daisy ist elegant und etwas steif. Baz Luhrmanns Film von 2013 mit Leonardo DiCaprio, Carey Mulligan und Tobey Maguire als Nick übersetzt die Partys in 3D und Hip-Hop und trifft damit ausgerechnet den Exzess, den das Buch vorführt, ziemlich genau.
Wer sich die Epoche als Ganzes ansehen möchte, findet unter /jahrzehnte/1920er/ weitere Bücher, Filme und Musik der Goldenen Zwanziger, weitere Romane unter /buecher/. Für Gatsby selbst gilt: Er ist kurz, er ist in einem Nachmittag gelesen, und die letzte Seite bleibt.
Fragen zu Jay Gatsby, Daisy Buchanan und die wilden Zwanziger: Der große Gatsby
Wer ist Jay Gatsby?
Jay Gatsby ist die Titelfigur in F. Scott Fitzgeralds Roman von 1925. Geboren als James Gatz in armen Verhältnissen in North Dakota, hat er sich einen neuen Namen und ein Vermögen unklarer Herkunft zugelegt. Seine Villa in West Egg und seine Partys dienen einem einzigen Zweck: Daisy Buchanan zurückzugewinnen.
Was ist die Bedeutung von Gatsby als Figur?
Gatsby steht für den amerikanischen Traum in seiner verführerischen und seiner hohlen Form. Er hat den Aufstieg geschafft, aber sein Ziel ist eine Vergangenheit, die sich nicht wiederholen lässt. Das grüne Licht am Ende von Daisys Steg ist das Bild dafür: nah genug zum Sehen, nie nah genug zum Greifen.
Welche Rolle spielt Daisy im Great Gatsby?
Daisy Buchanan ist Nicks Cousine und Gatsbys Jugendliebe. Sie hat während des Krieges Tom Buchanan geheiratet, der aus altem Geld stammt. Daisy ist keine Heldin und keine Schurkin, sondern eine Frau, die sich am Ende für Sicherheit entscheidet und Gatsby mit den Folgen allein lässt.
Wer erzählt Der große Gatsby?
Nick Carraway, ein junger Mann aus dem Mittleren Westen, der im Sommer 1922 nach Long Island zieht und Gatsbys Nachbar wird. Nick ist ein beteiligter Erzähler, der Sympathien hat und Dinge verschweigt. Fitzgerald nutzt diese Perspektive, um Gatsby zugleich nah und rätselhaft zu halten.
Welche Verfilmungen von Der große Gatsby gibt es?
Am bekanntesten sind die Fassung von 1974 mit Robert Redford und Mia Farrow unter der Regie von Jack Clayton und Baz Luhrmanns Version von 2013 mit Leonardo DiCaprio, Carey Mulligan und Tobey Maguire. Bereits 1926 entstand ein Stummfilm, von dem nur ein Trailer erhalten ist, 1949 folgte eine Verfilmung mit Alan Ladd.