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VinTageBuch

Affenhaube, Schellentracht und Wendeschuh

Kleidung und Mode im Mittelalter von Gabriele Praschl-Bichler

Affenhaube, Schellentracht und Wendeschuh: Gabriele Praschl-Bichler erklärt Kleidung und Mode im Mittelalter, von der Arbeitskleidung bis zum Prunkgewand.

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Eintrag vom 20. Aug. 2019 · aktualisiert 11. Sept. 2026

Wer im Mittelalter über einen Marktplatz ging, konnte die Leute lesen wie ein Verzeichnis. Der Bauer sah anders aus als der Handwerker, der städtische Beamte anders als der Adlige, und niemand musste dafür fragen. „Affenhaube, Schellentracht und Wendeschuh“ von Gabriele Praschl-Bichler erklärt, wie diese Sprache der Kleidung funktionierte.

Das mittelalterliche Gewand, so der Ausgangspunkt des Buches, war mehr als eine bloße Hülle.

Kleidung als Standesabzeichen

Neben praktischer, schlichter Allerwelts- und Arbeitskleidung gab es schon früh reich bestickte Prunkgewänder, mit denen sich die höheren Stände vom einfachen Volk abgrenzten. Wie ernst das genommen wurde, zeigen die Kleiderordnungen, die im späten Mittelalter und in der frühen Neuzeit vielerorts erlassen wurden. Sie legten fest, welche Stoffe, Farben, Pelze und Schmuckstücke welchem Stand zustanden. Auch die Reichspolizeiordnung von 1530 enthielt solche Vorschriften für das ganze Reich.

Dass diese Regeln immer wieder neu erlassen wurden, spricht dafür, dass sie häufig gebrochen wurden. Wer es sich leisten konnte, trug mehr Pracht, als ihm zustand.

Praschl-Bichler beschreibt, was man brauchte, um gut, elegant oder zumindest zweckmäßig gekleidet durch den mittelalterlichen Alltag zu kommen. Der Blick richtet sich dabei auf den deutschsprachigen Raum, und zahlreiche Illustrationen machen die Kleidungsstücke anschaulich, die heute meist nur noch als Wörter überlebt haben.

Gugel, Kotze und die Wörter der Mode

Das Buch erklärt, was es mit Gugeln, Fucken und Kotzen auf sich hatte, und schon diese Aufzählung zeigt, wie fremd das Vokabular geworden ist. Die Gugel ist noch am bekanntesten: eine Kapuze mit angesetztem Schulterkragen, oft mit einem langen Zipfel am Hinterkopf, getragen von Männern und Frauen. In modischen Kreisen wurde dieser Zipfel zeitweise so lang, dass man ihn um den Kopf wickelte oder über die Schulter warf. Bei der Kotze handelt es sich um einen groben Umhang aus Wolle; das Wort lebt im bairisch-österreichischen Raum in „Kotzen“ für eine derbe Wolldecke weiter.

Was sich hinter einer Fucke verbirgt, klärt das Buch selbst. Wenn du beim Lesen des Titels schon gestutzt hast, wirst du bei solchen Begriffen im Buch öfter innehalten, und genau darin liegt ein Teil des Vergnügens.

Schellen, Wendeschuhe und eine Affenhaube

Auch die Wörter im Titel stehen für Kapitel der Kulturgeschichte. Die Schellentracht war eine Mode des späten Mittelalters, bei der kleine Glöckchen an Gürteln, Säumen oder Ärmeln getragen wurden. Was heute nach Narrenkostüm aussieht, war im 14. und 15. Jahrhundert ein Zeichen von Reichtum und Aufmerksamkeit, denn wer klingelte, wurde gehört. Später blieben die Schellen vor allem an der Kappe des Narren hängen, und so kennt man sie bis heute aus dem Karneval.

Der Wendeschuh wiederum verrät etwas über Handwerk. Er wurde mit der Innenseite nach außen genäht und dann gewendet, sodass die Naht geschützt innen lag. Die Sohle war entsprechend dünn, und wer auf gepflasterten Straßen oder im Schlamm unterwegs war, spürte jeden Stein. Diese Machart war im Mittelalter weit verbreitet, bevor sich Schuhe mit fester, außen angenähter Sohle durchsetzten.

Und die Affenhaube? Ihr Name ist der rätselhafteste der drei Titelwörter, und die Neugier darauf dürfte für viele der erste Grund sein, das Buch aufzuschlagen.

Die Autorin: Alltag und Habsburger Geschichte

Gabriele Praschl-Bichler, Jahrgang 1958, beschäftigt sich beruflich mit Alltagsgeschichte und mit der Geschichte der Habsburger, privat mit historischer und gegenwärtiger Koch- und Backkunst. Sie hat zahlreiche Bücher über die Kulturgeschichte des 17. und 18. Jahrhunderts sowie über das österreichische Kaiserhaus veröffentlicht. Dieser Band führt sie weiter zurück, ins Mittelalter, und bleibt doch bei ihrem Thema: dem Alltag der Menschen, wie er sich in so gewöhnlichen Dingen wie Kleidung und Essen zeigt.

Die gebundene Ausgabe hat 224 Seiten und ist im Herbig Verlag erschienen. Detailreich und anschaulich ist sie auch für Leserinnen und Leser, die kein Fachstudium mitbringen.

Vom Buch zum Kostüm

Wer ein Mittelalter-Kostüm für Karneval, Halloween oder eine Mottoparty sucht, findet in diesem Buch vor allem eine Vorstellung davon, welche Kleidungsstücke tatsächlich zusammengehörten und was sie über ihren Träger aussagten. Ein Kostüm, das nach dem Stand fragt, bevor es nach dem Stoff fragt, wirkt meist glaubwürdiger als eines, das Samt, Spitze und Schnürung einfach kombiniert. Weitere Bücher über Mode und Geschichte finden sich unter Bücher und in der Übersicht zu den 1500er Jahren.

Für den Anfang reicht eine Gugel. Sie war über Jahrhunderte in Mode, passt zu fast jedem Stand und lässt sich an einem Nachmittag nähen.

Fragen zu Affenhaube, Schellentracht und Wendeschuh: Kleidung und Mode im Mittelalter

Worum geht es in Affenhaube, Schellentracht und Wendeschuh?

Das Buch beschreibt Kleidung und Mode im Mittelalter im deutschsprachigen Raum. Es erklärt, was man brauchte, um gut, elegant oder zumindest zweckmäßig gekleidet durch den Alltag zu kommen, und was es mit Kleidungsstücken wie Gugeln, Fucken und Kotzen auf sich hatte.

Warum war Kleidung im Mittelalter so wichtig?

Das Gewand zeigte auf den ersten Blick, wen man vor sich hatte: Bauern ließen sich von Handwerkern unterscheiden, Beamte von Adligen. Neben schlichter Arbeitskleidung gab es früh reich bestickte Prunkgewänder, mit denen sich die höheren Stände vom einfachen Volk abgrenzten.

Was ist ein Wendeschuh?

Ein Schuh, der mit der Innenseite nach außen genäht und anschließend gewendet wurde, sodass die Naht innen lag. Diese Machart war im Mittelalter weit verbreitet, bevor sich Schuhe mit fester, von außen angenähter Sohle durchsetzten.

Wer ist Gabriele Praschl-Bichler?

Die 1958 geborene Autorin beschäftigt sich beruflich mit Alltagsgeschichte und der Geschichte der Habsburger. Sie hat zahlreiche Bücher zur Kulturgeschichte des 17. und 18. Jahrhunderts und über das österreichische Kaiserhaus veröffentlicht.

Ist das Buch bebildert?

Ja, zahlreiche Illustrationen geben einen anschaulichen Einblick in die Mode des Mittelalters. Die gebundene Ausgabe hat 224 Seiten und ist im Herbig Verlag erschienen.