Vintage-Frisuren
Haarmode vom Bubikopf bis zur Löwenmähne und Bücher zum Nachstylen
Vintage-Frisuren von Bubikopf, Olympiarolle und Turmfrisur bis zur Löwenmähne: Haarmode im 20. Jahrhundert und Bücher mit Anleitungen zum Nachstylen.

Franz Liszt trug sein Haar auffallend lang, Elvis Presley eine Tolle, die Beatles Pilzköpfe. Die Leningrad Cowboys übertrieben die Presley-Tolle später zu einer spitz nach vorn ragenden Parodie, und die Mitglieder der Hard-Rock-Band Kiss zeigten sich von 1973 bis 1983 nur geschminkt und mit markanten Frisuren in der Öffentlichkeit. Frisuren waren schon immer mehr als Haarpflege. Sie zeigten, zu welcher Gruppe jemand gehören wollte oder wie weit er sich von allen anderen abheben wollte, und bei Künstlern wurden sie oft zum Markenzeichen.
Wer heute Vintage-Frisuren trägt, greift auf dieses Repertoire des 20. Jahrhunderts zurück. Die meisten Vorbilder stammen aus einer erstaunlich kurzen Zeitspanne zwischen den 1920er und den 1980er Jahren.
Bubikopf, Dauerwelle und Olympiarolle
Am Anfang der Weimarer Republik führten die Leinwandstars der boomenden Filmindustrie Kurzhaarschnitte ein. Die Begeisterung für das alte Ägypten brachte den Pagenschnitt in Mode, bei dem das Haar vom Scheitel fast gerade auf eine füllige, klare Kontur fällt. Und die veränderte Stellung der Frau zeigte sich unmittelbar am Kopf: Ein französischer Starfriseur wagte es als Erster, Frauen die Haare kurz zu schneiden, und kurz darauf wurde der Bubikopf mit kurzem Nacken und wenig Volumen zum Inbegriff der 1920er Jahre. Modebewusste Frauen trugen kurzes, glatt gekämmtes Haar, unabhängig von Alter und Gesellschaftsschicht.
Gegen Ende des Jahrzehnts folgte die Dauerwelle. Noch vergleichsweise neu war damals der elektrische Haartrockner, den es seit etwa 1900 gab. Die frühen Modelle wogen um die zwei Kilogramm und bliesen 90 Grad heiße Luft aus einer Art Düsenrohr.
In den 1930er Jahren wurden die Haare wieder länger. Einen Höhepunkt bildete 1936 die Olympiarolle, tief in den Nacken gezogen und nach oben eingeschlagen, begleitet vom Pagenkopf, den die Filme verbreiteten. Beliebt war es auch, die Stirnhaare zu kleinen Löckchen zu kräuseln und die Deckhaare in einer einfachen Nackenrolle zusammenzufassen. Gegen Ende des Jahrzehnts kämmte man die Locken der Deckhaare hoch und frisierte die schulterlangen Seiten zurück, sodass die Locken lose in den Nacken fielen. Diese Frisur hielt sich durch die Kriegsjahre.
Von der Kaltwelle zur Löwenmähne
Nach dem Zweiten Weltkrieg bevorzugten Frauen halblange, natürlich schwingende Frisuren. Die Dauerwelle blieb wichtig, ließ sich nun aber kalt legen. In den 1950er Jahren kopierten viele wieder die Frisuren von Filmstars und Prominenten, und mit dem Rock ’n’ Roll übernahmen junge Männer den Haarstil von Elvis Presley.
Ab 1960 setzte sich bei den Frauen die Turmfrisur durch. Im Lauf des Jahrzehnts verdrängten lange, offene Haare sie allmählich wieder. Bei den Männern brachten die Beatles mit ihren Pilzköpfen die Langhaarmode, die bei Jugendlichen und jungen Männern bis in die 1980er Jahre vorherrschte.
In den 1970er Jahren kamen bunte Punkfrisuren und Irokesenschnitte auf. Sie schockierten zunächst die meisten Menschen und waren zehn Jahre später schon fast alltäglich. Frauen trugen in den 1980er Jahren wieder Locken, gern als ausladende Löwenmähne.
Vintage-Frisuren nachstylen: Anleitungen in Buchform
Wenn du eine dieser Frisuren selbst ausprobieren willst, ist „Vintage-Frisuren. Einfache Schritt-für-Schritt-Anleitungen für spektakuläre Looks“ von Emma Sundh und Sarah Wing ein naheliegender Einstieg. Das Buch mit Fotos von Martina Ankarfyr erschien am 11. April 2016 im mvg Verlag und hat 128 Seiten (ISBN 978-3868826692). Es reicht von den Wasserwellen der Golden Twenties bis zu den kunstvollen Hochsteckfrisuren der 1960er Jahre, erklärt die Beauty-Trends jedes Jahrzehnts und enthält eine Liste der wichtigsten Haarprodukte sowie Tipps zu passenden Accessoires. Die englische Ausgabe „Vintage Hairstyles. Simple Steps for Retro Hair with a Modern Twist“ war 2015 bei Abrams & Chronicle Books erschienen.
Einen ungewöhnlichen Weg geht Tobias Drüke mit „Die Kunst des Lockenwickelns. Vintage Hairstyling einmal anders“ von 2018, einem zweisprachigen Band im Großformat. Er zeigt bewährte und moderne Wickeltechniken und frisiert dieselbe Frisur an Models mit unterschiedlicher Haarfarbe, Haarlänge und Gesichtsform, damit sichtbar wird, wie verschieden sie wirkt.
Englischsprachig ist die Auswahl größer. Lauren Rennells hat mit „Vintage Hairstyling“ 2009 eine Anleitung für Retro-Looks vorgelegt. Die 1940er Jahre sind besonders gut dokumentiert, etwa in „1940s Hairstyles“ von Daniela Turudich aus der Reihe Vintage Beauty Sourcebook, in „1940’s Hairstyles You Can Do“ von C. Franzwa und in „Vintage Hair Styles of the 1940s. A Practical Guide“ bei The Crowood Press. Die Reihe „Style Me Vintage“ von Pavilion Books widmet der Frisur (Belinda Hay, 2010), dem Make-up (Katie Reynolds, 2011) und der Kleidung (Naomi Thompson, 2012) je einen eigenen Band, Letzterer mit Looks von den 1920ern bis in die 1980er.
Glamour, Pomade und Mode-Ikonen
Zu den bekanntesten Vertreterinnen des Vintage-Glamours gehört Dita Von Teese. Mit Rose Apodaca schrieb der Burlesque-Star „Beauty und Glamour. Mein Geheimnis für außergewöhnliche Schönheit“, auf Deutsch 2016 im mvg Verlag mit 400 Seiten erschienen. Das Buch behandelt Mode, Make-up und Frisur, enthält Workouts und viele Fotos aus ihrem Leben.
Für die Männerseite des Themas ist Stan Soldan zuständig. Der Gründer des PomadeShop, eines Spezialgeschäfts für klassische Stylingprodukte, hat Pomade als „das Gel unserer Großeltern“ wiederentdeckt und Läden in München und Köln eröffnet. „Das Pomade-Buch. Authentische Haarstylingmittel der 1920er bis 1950er Jahre“ erschien im Dezember 2017 auf 320 Seiten und behandelt Pomaden, Hair Tonics, Frisiercremes und Naturhaarbürsten.
Wer den ganzen Look sucht, nicht nur die Frisur, findet ihn bei Sarah Kennedy. „Vintage Style. Die Looks der Mode-Ikonen des 20. Jahrhunderts zum Bewundern und Nachstylen“ (Schwarzkopf & Schwarzkopf, 2012, übersetzt von Madeleine Lampe) stellt 25 Mode-Ikonen vor, die jeweils für einen Stil stehen, von Grace Kellys „Kühler Schönheit“ über Twiggys „Ultra Mod“ bis zu Diana Ross als „Diva“, jeweils mit Anleitungen für Frisur und Make-up. Paula Reeds „50 Fashion Looks der 50er Jahre“ (Prestel, 2013) wiederum spannt den Bogen von Christian Diors Frühjahrskollektion 1947, dem New Look, bis zur Jugendmode aus engen Jeans, Lederjacken, Caprihosen und Bikinis, die Marlon Brando und James Dean mitgeprägt haben.
Fragen zu Vintage-Frisuren: Haarmode vom Bubikopf bis zur Löwenmähne und Bücher zum Nachstylen
Welche Vintage-Frisuren prägten die 1920er Jahre?
Das Jahrzehnt steht für den Bubikopf, einen kurzen, glatten Schnitt mit geringem Volumen und kurzem Nacken. Dazu kamen Pagenschnitte, angeregt von der Begeisterung für das alte Ägypten, und gegen Ende des Jahrzehnts die Dauerwelle.
Was ist eine Olympiarolle?
Die Olympiarolle war eine Frisur der 1930er Jahre, bei der das Haar tief in den Nacken gezogen und nach oben eingeschlagen wurde. Ihren Höhepunkt erlebte sie 1936, dem Jahr der Olympischen Spiele in Berlin.
Welche Frisuren trugen Frauen in den 1960er Jahren?
Ab 1960 setzte sich die Turmfrisur durch, eine hoch toupierte Frisur mit viel Volumen. Im Lauf des Jahrzehnts wurde sie allmählich von langen, offenen Haaren abgelöst. Bei Männern kamen mit den Beatles die Pilzköpfe in Mode.
Mit welchem Buch lassen sich Vintage-Frisuren nachstylen?
„Vintage-Frisuren“ von Emma Sundh und Sarah Wing (mvg Verlag, 2016) zeigt Frisuren von den Wasserwellen der 1920er bis zu den Hochsteckfrisuren der 1960er mit Schritt-für-Schritt-Anleitungen. Für die 1940er Jahre gibt es spezialisierte englischsprachige Anleitungen, für Lockenwickler-Techniken das Buch von Tobias Drüke.
Was ist Pomade?
Pomade ist ein klassisches Haarstylingmittel, mit dem sich Haare glätten und in Form halten lassen, typisch für Männerfrisuren der 1920er bis 1950er Jahre. Stan Soldan hat dem Thema mit „Das Pomade-Buch“ ein eigenes Nachschlagewerk gewidmet, das auch Hair Tonics, Frisiercremes und Haarbürsten behandelt.