Ruhrpiraten: Roman von Mike Steinhausen. Edelweißpiraten. In einer fiktiven Handlung arbeitet der Autor eindrucksvoll ein wichtiges Kapitel des Nationalsozialismus auf

Ruhrpiraten: Roman von Mike Steinhausen. Edelweißpiraten. In einer fiktiven Handlung arbeitet der Autor eindrucksvoll ein wichtiges Kapitel des Nationalsozialismus auf

 

Ruhrgebiet 1942

 

Zitat: Während Deutschland im Gleichschritt marschiert, träumen der 16-jährige Egon Siepmann und sein Freund Fritz Gärtner von Freiheit und Abenteuer.

Hin und her gerissen zwischen dem Kampf ums Überleben,
den Schikanen der Hitlerjugend und
der Verfolgung durch die Gestapo,
suchen sie nach ihrer Identität.

Doch wer sich in dieser Zeit auflehnt, wird bestraft. Und die Schergen des NS-Regimes kennen keine Gnade.

Während des Zweiten Weltkrieges schloss sich im Rhein-Ruhr-Gebiet eine außergewöhnliche Jugendbewegung zusammen.

Die »Edelweißpiraten« repräsentieren noch heute das Sinnbild der oppositionellen Jugend. Mehrere tausend Anhänger im Alter von 14 bis 17 Jahren setzten sich mit nachhaltigen Widerstandsaktionen für ihre Freiheit ein.

Neben der Regierung forderten sie damit vor allem die Hitlerjugend heraus, was verheerende Konflikte nach sich zog. Solch einem Szenario widmet sich der Essener Autor Mike Steinhausen in seinem neuen zeitgeschichtlichen Krimi »Ruhrpiraten«.

Darin endet eine dieser Auseinandersetzungen für einen Edelweißpiraten tödlich, was die Mitglieder der Bewegung in den Fokus der Gestapo rückt.

In einer fiktiven Handlung arbeitet der Autor eindrucksvoll ein wichtiges Kapitel des Nationalsozialismus auf, in dem sich starke Charaktere den Pflichten und Vorschriften des Nazi-Regimes mit Mut widersetzten:

Ruhrpiraten
(Zeitgeschichtliche Kriminalromane im GMEINER-Verlag)
von Mike Steinhausen
Taschenbuch: 406 Seiten
Gmeiner-Verlag
(7. Februar 2018)
ISBN-13: 978-3839222522
Taschenbuch EUR 16,00
Spannend, mitreißend bis zur letzten Seite

 

Verlagsinfo zum Buch
Ruhrpiraten von Mike Steinhausen

 

Mike Steinhausen wurde 1969 in Essen geboren. Er ist Polizeibeamter und war mehrere Jahre als Zivilfahnder im Bereich der Drogenbekämpfung tätig. Sein Debüt als Autor gab er mit dem zeitgeschichtlichen Kriminalroman »Operation Villa Hügel«.

   

 

Mike Steinhausen im Gmeiner-Verlag

 

VinTageBuch Info

Als Edelweißpiraten wurden informelle Gruppen deutscher Jugendlicher mit unangepasstem, teilweise oppositionellem Verhalten im Deutschen Reich von 1939 bis 1945 bezeichnet. Nach Kriegsende dauerten in einigen Besatzungszonen die Aktivitäten der Gruppen bis etwa 1947 an.

Die Namensgebung entstammt einer Verballhornung durch Gestapo-Beamte um 1939: Das Edelweiß war eines unter vielen Kennzeichen der nach 1936 verbotenen Bündischen Jugend.

Der Namensteil „Piraten“ leitet sich von den Kittelbachpiraten ab, einer offiziell bis 1933 bestehenden rechtsradikalen Gruppe in Düsseldorf, die größtenteils in die Hitlerjugend (HJ) oder die Sturmabteilung (SA) abwanderte.

Die Vermengung der Begriffe „Edelweiß“ und „Piraten“ war daher anfänglich eine Provokation für Jugendliche mit oppositionellem Verhalten, speziell für solche mit Wurzeln in der Bündischen Jugend, in der linksgerichteten Naturfreundejugend oder im kommunistischen Rotfrontkämpferbund, wurde aber von jungen Gruppierungen gegen Ende des Krieges als Selbstbezeichnung gewählt.

Einige dieser Gruppen, wie die Kölner Edelweißgruppe um Gertrud Koch, deren Vater im KZ Esterwegen starb, oder die Ehrenfelder Gruppe um den KZ-Flüchtling Hans Steinbrück, beteiligten sich aktiv am Widerstand gegen den Nationalsozialismus.

Außer dieser Köln-Ehrenfelder Edelweißpiraten-Gruppe, deren Aktivitäten erst nach 1980 durch Jean Jülich ins öffentliche Bewusstsein gebracht wurden, sind beispielsweise die Dortmunder Edelweißpiraten vom Brüggemannspark, über die 1980 der Schriftsteller Kurt Piehl publizierte, bekannt geworden.

Die wirtschaftliche und gesellschaftliche Hoffnungslosigkeit der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg brachte für die Jugend Deutschlands massive Probleme mit sich. Während für wirtschaftlich schwächere soziale Schichten kaum Aussicht auf Bildung und Arbeit bestand, wurde von der Oberschicht eine Vision der „Goldenen Zwanziger“ vorgeführt.

Der Ausweg bestand für viele darin, sich formellen Gruppen anzuschließen, die einerseits ein Programm zur Freizeitstrukturierung anboten und andererseits durch das Erleben von Gruppenzugehörigkeit die Entwicklung von Selbstdefinitionen zuließen.

Jugendbünde aus der Tradition der Wandervögel der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg setzten den Schwerpunkt ihrer Aktionen in Wanderungen und Fahrten in das Randgebiet der großen Städte, wo in der Natur am Lagerfeuer mit Wandergitarre und Feldkocher jugendlicher Unabhängigkeitsdrang zelebriert wurde.

Gegen Ende der Weimarer Republik wurde die politische Einflussnahme auf alle Jugendgruppen stärker. Viele Parteien sahen das Herausbilden einer parteitreuen Jugend als essentiell an. So vielfältig die Parteienlandschaft der Republik war, so facettenreich war die Bandbreite der Jugendgruppen.

Neben den Gruppen, die direkt den Parteien unterstanden, den katholischen Gruppen und der den Naturfreunden unterstehenden Naturfreundejugend gab es den breiten Bogen der Bündischen Jugend.

Diese etwa 100.000 Jugendlichen, zusammengefasst in 1.200 Gruppen, spiegelten die ganze Bandbreite revolutionärer bis bürgerlicher Ideale der zu Ende gehenden Republik wider. Gemeinsam hatten sie Wanderfahrten, formelle Hierarchie und elitäres Bewusstsein.

Damit standen die „bündischen“ Merkmale in direkter Konkurrenz zur aufstrebenden Hitlerjugend unter der Führung des ehrgeizigen Baldur von Schirach.

Für eine erfolgreiche Ausdehnung der HJ, die von 108.000 Mitgliedern im Jahr 1932 auf 2,3 Millionen im nächsten Jahr anwuchs, war aber auch deutlich, dass die HJ auf die Erfahrungen und die persönliche Beteiligung von Jugendführern der Bündischen Jugend angewiesen war.

Nachdem 1933 der Großdeutsche Bund, eine Zusammenfassung von etwa 70.000 Jugendlichen aus verschiedenen Bündischen Gruppen, und 1936 alle Gruppen der „Bündischen“ verboten waren, setzte die Verfolgung der ehemaligen Mitglieder ein.

Regelmäßige Streifen der HJ waren mit Verstärkung von SA und Gestapo zum Einschreiten legitimiert, wenn es einen Verdacht auf so genannte „bündische Umtriebe“ gab.

Bis 1938 wurden oft Integrationsangebote von den „Bündischen“ wahrgenommen, da das Image des „jugendlichen Rebellentums“ der HJ noch anhaftete. Auch waren Freizeitangebote und Aufstiegsmöglichkeiten in der HJ durchaus attraktiv.

Nach dieser Werbungsphase waren die für Jungvolk, BDM und Hitler-Jugend nicht begeisterungsfähigen Jugendlichen die Hauptfeindbilder des HJ-Streifendiensts. Jugendliche, die sich nach 1936 der Zwangsmitgliedschaft in der HJ entziehen wollten, wurden kriminalisiert.

Darunter fanden sich ausgetretene oder ausgeschlossene ehemalige HJ-Mitglieder, Jugendbanden im Stile der „Wilden Cliquen“ der Weimarer Republik, regionale Jugendbanden, illegal weitergepflegte Kontakte zu verbotenen Jugend- oder Naturfreundegruppen und endlich politisch motivierte Widerstandskämpfer.

Regionale Verbreitung und Wirkungskreis

Spätestens ab 1942 kann Köln als Zentrum der Edelweiß-Gruppen, wie die bevorzugte Selbstbezeichnung lautete, mit über 3000 in Gestapo-Akten genannten Namen gelten.

In Duisburg, Düsseldorf, Essen und Wuppertal stellte die Gestapo bei Razzien 739 vermeintliche Edelweißpiraten. Der Dortmunder Brügmannplatz wurde spätestens 1943 zum Treffpunkt der lokalen Edelweiß-Gruppe.

Typisch für die Namensgebung scheint zu sein, dass die verfolgten Gruppen schnell die Etikettierung ihrer Verfolger annahmen.

So wurden angeblich unangepasste Jugendliche in Köln von 1933 bis 1941 von der HJ mit dem Spitznamen „Navajos“ benannt, der von den Verfolgten übernommen wurde. So verstand ein Gefolgschaftsführer der Nachrichten-HJ 1936 unter Navajos:

„[…] solche Personen, die aus der HJ ausgeschlossen sind […] und solche wegen Vergehens gegen § 175. Jede jugendliche Person, die ein bunt kariertes Hemd, sehr kurze Hose, Stiefel mit übergeschlagenen Strümpfen trägt, wird von der HJ als ‚Navajo‘ angesehen.

Über das gesamte Reichsgebiet kann die Gegnerschaft zur HJ als verbindendes Element angesehen werden, stärker als die Nachfolgeschaft einer traditionellen verbotenen Jugendgruppe.

Die Verhaltensweisen der Bündischen wurden zwar oft angenommen, ohne aber deren Ursprung zu kennen und ohne die typische hierarchische Organisation.

Dabei suchten manche Gruppen nach handgreiflichen Auseinandersetzungen mit den Streifen der HJ, wobei auch Straßenkämpfe aufgrund territorialer Ansprüche gegen andere Jugendbanden ausgetragen wurden.

Andere Gruppen vermieden jeden Kontakt mit der HJ, insbesondere mit der assistierenden SA.

Äußere Merkmale der Edelweißpiraten

Das Abhalten von Wanderungen und Fahrten ins Umland der großen Städte und selten auch in andere Städte gehörte traditionell zu den freizeitstrukturierenden Aktivitäten der Jugendgruppen.

Dabei wurden Lieder aus der Bündischen Jugend gesungen, manche von ihnen dichteten diese oder Lieder der verfeindeten HJ in ironischer Weise um.

Teilweise enthielten diese Texte eine derbe regimekritische Aussage, ebenso entstanden neue Lieder, zum Teil auch mit politischem Inhalt.

Von den Einheitsuniformen der Hitler-Jugend hoben sich die als Edelweißpiraten bezeichneten Jugendlichen durch einen eigenen Stil – oft Skihemden, Wanderschuhe, Halstuch und kurze Lederhosen – ab.

Teilweise war ihr Erkennungszeichen ein Edelweiß unter dem linken Rockaufschlag. Oft trug man auch Fantasiekluften, Totenkopfringe, mit Nägeln beschlagene Gürtel, Jungenschaftsjacken und benutzte die Kohte.

Im Gegensatz zur HJ nahmen sie zum Teil auch weibliche Jugendliche und Heranwachsende auf.

Verfolgung

Je mehr Anzeigen der HJ an die Gestapo eingingen, desto härter wurde die Verfolgung durch Verhaftungen, Verhöre, Folter und Einkerkerungen.

Die Gestapo selbst gab zu, dass der Streifendienst der HJ zu einer Verschärfung der Situation geführt hatte. Am 1. Juni 1938 wurden neue Richtlinien für den HJ-Streifendienst erlassen, welche die HJ zum „Einschreiten“ auf „offener Straße“ und in „geschlossenen Räumen“ ermächtigten.

Unmittelbar nach dem Verbot der Bündischen Jugend wurde der § 175 als Tatbestand missbraucht, um eine gerichtliche Verurteilung zu erwirken.

Dies rührte aus der historischen Rivalität zwischen HJ und der Bündischen Jugend, deren Mitgliedern pauschal Homosexualität unterstellt wurde.

Bald wurde von der NS-Gerichtsbarkeit der Tatbestand der „Bündischen Umtriebe“ geschaffen, der auf breiterer Basis eine Verurteilung von Verdächtigen ermöglichte.

Dennoch war auch die Definition der „Bündischen Umtriebe“ vage und die Entscheidung lag bei den zuständigen Gerichten. Bis Kriegsbeginn führten verhältnismäßig wenige Anzeigen zu einer Verurteilung.

Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs wurden speziell ab 1941 radikalere Verfolgungsmethoden angewandt. Razzien, Belauschung, Verleumdung, Aufforderung zum Verrat, Nötigung, Folter und Gefängnishaft wurden eingesetzt, um regimekritischen Gruppen zu begegnen.

Im Dezember 1942 kam es im Raum Köln zu einer Verhaftungswelle durch die Gestapo, allem Anschein nach motiviert durch die im Sommer 1942 angelaufenen Flugblattaktionen einzelner Gruppen.

Der Tatbestand der Wehrkraftzersetzung, des Defätismus, der Schwächung der deutschen Volksgemeinschaft, des Widerstands gegen die Gestapo oder des Landes- und Hochverrates hatten drakonische Strafen von Inhaftierung in Konzentrationslagern bis zur Todesstrafe zur Folge.

Die Versetzung zu einem Strafbataillon des Heeres oder der Kriegsmarine waren für unangepasste junge Männer ein vom NS-Regime bevorzugtes Mittel zur Ausübung seiner totalitären Macht. Die Einsätze eines solchen Kommandos kamen einer Hinrichtung nahe.

Bruno Bachler, einer der überlebenden Edelweißpiraten, erzählt, wie er nach Verbüßung einer Haft im Konzentrationslager einer Strafkompanie an der Ostfront zugeteilt wurde, die zum Räumen von Minenfeldern benutzt wurde. Das geschah so, dass die Sträflinge Hand in Hand über ein Minenfeld marschieren mussten, wobei einige von ihnen das Leben verloren.

Die Anzahl der ermordeten Edelweißpiraten ist unbekannt. Die Dokumentation über Mitgliedschaft, Aktionen, Verhöre und Hinrichtungen liegt fast ausschließlich bei den Tätern des NS-Regimes.

Die Jugendlichen führten auch aus Angst vor Verfolgung nicht Buch über ihre Aktivitäten. Viele der Gruppenmitglieder kannten sich nur mit dem Spitz- oder dem Vornamen, was wieder ein Schutz bei Folter-Verhören war.

Die vielfältigen Methoden der Ermordung von Regimegegnern erschweren ebenfalls die lückenlose Erfassung der Opfer. Es ist anzunehmen, dass nur eine Minderheit den Zweiten Weltkrieg überlebte.

Aktionen des Widerstandes

Die Ablehnung der Pflichtmitgliedschaft bei der Hitler-Jugend ist durch den gelebten Widerstand gegen das herrschende Regime bereits eine Form des Jugendwiderstandes.

Die Pflege von illegalen Kontakten und Aufrechterhaltung von Beziehungsnetzen, dadurch die Beanspruchung eines eigenen sozialen Raumes kann als Dissidenz und Nonkonformität gesehen werden.

Angriffe auf Repräsentanten des Regimes, wozu auch HJ-Funktionäre gehören, stellen bereits eine Widerstandshandlung im engeren Sinn dar (nach Detlev Peukert).

Politisch motivierter Widerstand war insbesondere das Verstecken und Versorgen von geflohenen Kriegsgefangenen und Juden.

Die Edelweißgruppe Steinbrück und die Edelweißgruppe um Gertrud Kühlem (Gertrud Koch) berichten von Flugblattaktionen. Der Inhalt der Flugblätter war im Vergleich zu den Schriften der Weißen Rose eher einsilbig und sehr kurz.

Das lag einerseits an mangelnder theoretischer Kompetenz, andererseits an praktischen Überlegungen. Sollte ein Passant ein Flugblatt auf den Stufen des Kölner Domes oder im Hauptbahnhof aufheben, würde er sich aus Angst vor Entdeckung kaum die Zeit nehmen, einen längeren Text zu lesen.

Ein Text der Edelweiß-Gruppe um Gertrud Kühlem lautete zu Beginn ihrer Flugblattaktionen im Sommer 1942 etwa:

Macht endlich Schluss mit der braunen Horde!
Wir kommen um in diesem Elend. Diese Welt ist nicht mehr unsere Welt. Wir müssen kämpfen für eine andere Welt, wir kommen um in diesem Elend.

Als „Scheißflugblatt“ wurden solche Texte bekannt und stellten eine besondere Provokation für die Gestapo dar.

So braun wie Scheiße, so braun ist Köln. Wacht endlich auf!

Mit Schulkreide wurden Parolen an Eisenbahnwaggons und Hauswände geschrieben. Dabei wurden Parolen der Wehrmacht umfunktioniert.

Eine solche Parole findet sich in die Mauer eingraviert in einer Gefängniszelle des Kölner EL-DE-Hauses, in dem Mitglieder von Edelweiß-Gruppen inhaftiert, verhört und gefoltert wurden:

Kinder müssen kommen in den Krieg
Räder müssen rollen für den Sieg
Köpfe müssen rollen nach dem Krieg

und direkt darunter:

Ihr könnt mich nicht, wenn ich nicht will!
Wikipedia-Information

 

Swing-Jugend

 

Die Swing-Jugend war eine oppositionelle Jugendkultur und Generation in vielen deutschen Großstädten während der Zeit des Nationalsozialismus, besonders in Hamburg, Frankfurt und Berlin – nach dem Anschluss Österreichs 1938 auch dort sowie ab 1939 im Protektorat Böhmen und Mähren.

Sie bestand aus Jugendlichen zwischen 14 und 21 Jahren meist aus dem Mittelstand und dem gehobenen Bürgertum, Gymnasiasten aus wohlhabenden Familien, aber auch aus Lehrlingen und Schülern aus Arbeiterfamilien.

Die Swing-Jugend suchte im amerikanisch-englischen Lebensstil, vor allem in der Swing-Musik und dem Swing-Tanz, eine autonome Ausdrucksmöglichkeit und Abgrenzung zum Nationalsozialismus, hauptsächlich gegen die Hitlerjugend.

Der Begriff Swing-Jugend stammt vermutlich ursprünglich von nationalsozialistischen Strafverfolgungsbehörden zur Kennzeichnung von Jugendlichen, die ihre Begeisterung für amerikanische Swing-Musik offen zeigten.

Daneben existierten auch die Begriffe „Swings“ oder „Swingheinis“. Sie selbst gaben sich Spitznamen wie „Swing-Boy“, „Swing-Girl“ oder „Old-Hot-Boy“. Eine abwertende Benennung in Deutschland war „Tangobubi“.

Die Swing-Jugend ist ein zunächst im Hamburger Bildungs- und Großbürgertum auftretendes Phänomen. Die Anhänger versuchten sich durch eine Gegenkultur und auffällige, dem anglo-amerikanischen Stil nachempfundene Kleidung abzusetzen.

Zunächst durch Treffen mit Swingmusik. Sie organisierten Tanzveranstaltungen und engagierten Jazzbands. Auf Swing-Hits dichteten sie Spottverse, in denen sie sich über Nazis, Soldaten und besonders über die ungeliebte Hitlerjugend lustig machten.

Sie trugen englische Mäntel und Hüte, lasen ausländische Zeitungen und grüßten sich untereinander „Swing heil!“ statt mit „Sieg Heil!“. Die Swings hatten oft lange Haare, karierte Sakkos, Hut und Regenschirm und trafen sich in Cafés oder Clubs, um Swing zu hören, und nutzten Anglizismen.

Jugendkultur auf dem Weg zur Opposition

Die Mitglieder der Swing-Jugend waren wie die Edelweißpiraten zunächst unpolitisch. Sie drückten ihren Widerspruch zum Nationalsozialismus durch zivilen Ungehorsam aus, indem sie offen eine andere als die nationalsozialistische Jugendkultur lebten.

Ohne dezidiert politisch-oppositionell eingestellt zu sein, wichen sie nur durch ihr Aussehen und Verhalten stark vom nationalsozialistischen Vorbild der Jugend ab.

Durch die forcierte gewalttätige Verfolgung der Swing-Cliquen durch die Gestapo und den HJ-Streifendienst in Zusammenarbeit mit dem Oberschulrat und Senatsrat Albert Henze politisierten sich ab 1940 Teile der Swing-Jugend.

Die 1940 erlassene „Polizeiverordnung zum Schutze der Jugend“ verbot Jugendlichen unter 18 Jahren den Besuch „öffentlicher Tanzlustbarkeiten“. In der Folge veranstalteten die Swings vermehrt selbst private Partys mit Swing- und Jazzmusik.

Am 18. August 1941 trat die „Sofort-Aktion gegen die Swing-Jugend“ in Kraft, so wurden über 300 Angehörige der Swing-Jugend verhaftet.

Die Repressionen reichten vom Abschneiden der langen Haare über Schutzhaft und Schulverweise bis zur Verhaftung angeblicher Rädelsführer und deren Deportation in Konzentrationslager.

Die Verhaftungswelle hatte zur Folge, dass einige Swing-Jugendliche begannen, den Nationalsozialismus auch politisch abzulehnen. Sie verteilten beispielsweise regimekritische Flugblätter.

Im Januar 1943 wurde Günter Discher als „Rädelsführer“ der Swing-Jugend eingestuft und in das Jugendkonzentrationslager Moringen eingewiesen.

Swing-Jugend Zitate

Die Angehörigen der Swing-Jugend stehen dem heutigen Deutschland und seiner Polizei, der Partei und ihren Gliederungen, der HJ, dem Arbeits- und Wehrdienst, samt dem Kriegsgeschehen ablehnend oder zumindest uninteressiert gegenüber. Sie empfinden die nationalsozialistischen Einrichtungen als einen ‚Massenzwang‘. Das große Geschehen der Zeit rührt sie nicht, im Gegenteil, sie schwärmen für alles, was nicht deutsch, sondern englisch ist. Dies gilt es mit aller uns zur Verfügung stehender Macht zu unterbinden.
– Aus einem Bericht der Reichsjugendführung

Meines Erachtens muß jetzt das ganze Übel radikal ausgerottet werden. Ich bin dagegen, daß wir hier nur halbe Maßnahmen treffen. Alle Rädelsführer […] sind in ein Konzentrationslager einzuweisen […]. Der Aufenthalt im Konzentrationslager für diese Jugend muß ein längerer, 2–3 Jahre sein […] Nur wenn wir brutal durchgreifen, werden wir ein gefährliches Umsichgreifen dieser anglophilen Tendenz in einer Zeit, in der Deutschland um seine Existenz kämpft, vermeiden können.
– Anweisung von Heinrich Himmler
Wikipedia-Information

Die eigenständigen Bünde als Bestandteil des NS-Feindbilds

Für die politische Haltung der bündischen Jugendbewegung zum Machtstreben der Nationalsozialisten in der Endphase der Weimarer Republik zeichnete Werner Kindt 1932 ein vielschichtiges zeitgenössisches Bild aus der Perspektive des in der Jugendbewegung Verwurzelten.

Nach der Reichstagswahl 1930, die der NSDAP einen enormen Stimmenzuwachs und 107 Abgeordnetensitze eingetragen hatte, kam es unter den Mitgliedern der Bünde zu einem auffälligen Politisierungsschub, „und im Jahre 1931 konnte ohne Übertreibung behauptet werden, daß die Jungmannschaft fast der gesamten bündischen und evangelischen Jugend aller Richtungen zu großen Teilen entweder der NSDAP und ihren Jugend- und Kampfgruppen angehörte oder doch mindestens auch ohne direkte Erwerbung des Parteibuches ‚sehr nahe stand‘.

Innerhalb der Bünde führte dies jedoch zu Konflikten, sodass die jeweiligen Bundesführungen Parteimitgliedern mit Ausschlussverfahren drohten und die örtlichen Verantwortlichen auf diese Linie einschworen.

In den Blättern der bündischen und evangelischen Jugend wurde nun ein deutlicher Abgrenzungskurs gegenüber parteipolitischen Kampf- und Werbemethoden speziell der NSDAP verfolgt.

Das Bild der Jugendbünde, die mit den in Extremismus und Straßenkämpfe ausartenden parteipolitischen Gegensätzen konfrontiert waren, wird in Kindts Darstellung abgerundet durch etwa ein Dutzend kleinerer bündischer Gruppen mit nationalbolschewistischer Tendenz, bei denen teilweise organisatorische Verbindungen zur KPD bestanden.

Von den über 100 Bünden mit rund 100.000 Mitgliedern in der Endphase der Weimarer Republik stellten die Artamanen mit ihrer deutlichen Hinwendung zum Nationalsozialismus eher die Ausnahme dar. Allen gegenüber aber galt, was im Mai 1933 im HJ-Führerblatt stand:

Wir haben an den Gräbern unserer ermordeten Kameraden gelobt, dass wir mit dem brutalsten Einsatz die Reinheit des Nationalsozialismus gewährleisten wollen! Wir proklamieren rücksichtslosen Kampf gegen die Bünde. […]. Das Menschenmaterial der Bünde soll damit nicht getroffen werden. Aber das Sondertum der Bünde. Der gespreizte Dünkel ihrer Führerklüngel. Die ekelerregende Frechheit, über Hintertreppen zur Einflussnahme in der Jugendgestaltung kommen zu wollen. Seid […] überzeugt: die Bünde werden ausgerottet! Sie haben keine Daseinsberechtigung! Allein die Hitlerjugend ist ‚die neue Idee in der neuen Gestalt‘.

Als unbelehrbar sentimental und einer Mondscheinromantik verfallen, völlig ungeeignet für anstehende Kämpfe, wurden die Jugendbünde in den Kreisen der Hitlerjugend verächtlich gemacht. Der nachmalige „Reichsjugendführer“ Baldur von Schirach hatte bereits 1931 geäußert, dass in der Jugendbewegung „feige und egoistische Menschen“ erzogen würden, die „Hirngespinste“ jagten.

Zu den Aufgaben der Hitlerjugend gehörte es in jener Zeit, durch Paraden in den Straßen der Großstädte Eindruck zu machen und in bewaffneten Straßenkämpfen Gegner zu attackieren.

Während bei den Bündischen die Mehrzahl der Mitglieder die höhere Schule besuchte, waren es unter den HJ-Angehörigen nur 12 Prozent. Unmut gegenüber einer gönnerhaften Arroganz der Gebildeteren, die sich angeblich die Finger nicht schmutzig machen wollten, wurde in der HJ ständig geschürt.

Alle unterschiedlichen Ansätze und Bemühungen seitens der Jugendbünde, die eigene Fortexistenz nach der NS-Machtübernahme zu sichern, waren zum Scheitern verurteilt.

Mit einer doppelgleisigen Strategie gelang es den neuen Machthabern im Zuge der von ihnen inszenierten „nationalen Erhebung“, den Bünden einerseits mit Schikanen, Prügeleien und Beschlagnahmung ihrer Materialien zuzusetzen und andererseits durch gezielte Abwerbung und Eingliederung bündischer Führer große Teile der Jugendbewegung in die eigenen Reihen zu überführen.

Zwar war bereits im Juni 1933 der Beschluss zur Selbstauflösung des Nerother Wandervogels gefallen; trotzdem kam es 1934 zu einem letzten Treffen verschiedener Untergruppierungen aus Darmstadt, Köln und Hamburg auf Burg Waldeck, wo Robert Oelbermann ohne Rücksicht auf das NS-Spitzelwesen scharfe Angriffe gegen die „braunen Affenhorden“ richtete, die er mit baldiger Verhaftung und frühem Tod bezahlen musste.

Die Gestapo richtete unterdessen eine spezielle Unterabteilung zur gezielten Überwachung ehemaliger Jugendbewegter ein, konnte aber nicht verhindern, dass bis kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs illegale bündische Fahrten weiterhin stattfanden: „Auf allen Straßen Europas konnte man kleine Grüppchen der Bündischen finden, von Lappland bis Sizilien, obwohl es keine Devisen gab und strenge Grenzkontrollen bestanden und was der Hindernisse mehr waren.“

Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs entstanden neue Gruppen mit bündischem Anspruch, insbesondere im Rheinland, die aber meist keine Verbindung zur Jugendbewegung der Weimarer Zeit mehr hatten.

Bekannteste Vertreter dieser Gruppen sind die Edelweißpiraten, die wiederum in sehr unterschiedlichen Formationen auftraten. Manche entwickelten mit Wanderungen und Gesängen ähnliche Aktivitäten wie die vormalige Jugendbewegung, andere gingen aus Straßenbanden hervor, schwänzten die Schule, prügelten sich mit Hitlerjungen.

Ähnliche Gruppen existierten aber unter unterschiedlichen Namen in vielen Großstädten des Deutschen Reiches. Auch diese Gruppen wurden unter dem Vorwurf der „bündischen Umtriebe“ von der Gestapo verfolgt.

Die Kleidung von Edelweißpiraten bestand oft aus karierten Hemden, Lederhosen und weißen Socken. Als Erkennungszeichen steckten sich manche ein Edelweiß an. Widerstand gegen das NS-Regime artikulierten sie häufiger in Flugblättern, vereinzelt in Sabotageakten. Diese Gruppen bestanden vorwiegend aus Arbeiterjugendlichen und hatten einen relativ hohen Mädchenanteil.

Kontakte zur Jugendbewegung gab es auch in der bekanntesten Widerstandsgruppe junger Leute gegen den NS-Staat im Zweiten Weltkrieg, in der Weißen Rose. Sowohl Willi Graf als auch Hans Scholl waren bereits 1937/38 einmal wegen „bündischer Umtriebe“ verhaftet worden, bevor sie später mit den Flugblättern der Weißen Rose zu Widerstandskämpfern wurden.
Wikipedia-Information Wandervogel
Jugendbewegung / Bündische Jugend (1919–1933)

 

Kittelbachpiraten

 

Der Kittelbach war Namensgeber für die „Kittelbachpiraten“, einen 1925 gegründeten, „militant rechtsgerichteten Jugendverband“, dessen Mitglieder sich 1933 größtenteils der Hitlerjugend oder der SA anschlossen.

Im Zweiten Weltkrieg wurde die Bezeichnung von einer losen Gruppe widerständiger und verfolgter Jugendlicher übernommen, vergleichbar den Edelweißpiraten in Köln. Im Buch Ruhrpiraten erwähnt auf Seite 162.