Wir sind dann wohl die Angehörigen: Die Geschichte einer Entführung von Johann Scheerer. Er erzählt auf berührende und mitreißende Weise von den 33 Tagen um Ostern 1996

Wir sind dann wohl die Angehörigen: Die Geschichte einer Entführung von Johann Scheerer. Er erzählt auf berührende und mitreißende Weise von den 33 Tagen um Ostern 1996

»Es waren zwei Geldübergaben gescheitert und mein Vater vermutlich tot. Das Faxgerät hatte kein Papier mehr, wir keine Reserven, und irgendwo lag ein Brief mit Neuigkeiten

Wie fühlt es sich an, wenn einen die Mutter weckt und berichtet, dass der eigene Vater entführt wurde?

Wie erträgt man die Sorge, Ungewissheit, Angst und die quälende Langeweile?

Wie füllt man die Tage, wenn jederzeit alles passieren kann, man aber nicht mal in die Schule gehen, Sport machen, oder Freunde treffen darf?

Und selbst Die Ärzte, Green Day und die eigene E-Gitarre nicht mehr weiterhelfen?

Johann Scheerer erzählt auf berührende und mitreißende Weise von den 33 Tagen um Ostern 1996, als sich sein Vater Jan Philipp Reemtsma in den Händen der Entführer befand, das Zuhause zu einer polizeilichen Einsatzzentrale wurde und kaum Hoffnung bestand, ihn lebend wiederzusehen.

Wir sind dann wohl die Angehörigen:
Die Geschichte einer Entführung
von Johann Scheerer
Gebundene Ausgabe: 208 Seiten
Verlag: Piper
Erscheint am 1. März 2018, jetzt hier vorbestellen
ISBN-13: 978-3492059091
Kindle Edition EUR 18,99
Gebundene Ausgabe EUR 20,00
Audio-CD EUR 17,95

 

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Die Geschichte einer Entführung
von Johann Scheerer

 

Johann Scheerer, geboren 1982, gründete mit fünfzehn Jahren seine erste Band, nahm mit »Score!« 1999 sein erstes Album auf und ging auf Deutschlandtour. Nach dem Abitur bekam er einen Plattenvertrag für sein Soloprojekt »Karamel«, gründete 2003 das Tonstudio »Rekordbox« und 2005 »Clouds Hill Recordings«.

Mittlerweile konnte er die einhundertste Veröffentlichung als Musiker und Produzent feiern, u.a. mit Faust, Gallon Drunk, Bosnian Rainbows, Rocko Schamoni, James Johnston, Peter Doherty und aktuell At the Drive-In. » It´s magic what this young German did to my songs. He saved my life.« Peter Doherty // The Libertines, Babyshambles

Jan Philipp Reemtsma (* 26. November 1952 in Bonn) ist ein deutscher Germanist, Publizist und Mäzen, dessen Wirken von der Literaturwissenschaft bis zur sozialwissenschaftlichen Gewaltanalyse reicht. Im Jahr 1996 wurde er Opfer einer Entführung. Von 2012 bis Ende 2015 war er als Honorarkonsul der Republik Slowenien für Hamburg und Schleswig-Holstein tätig.

Jan Philipp Reemtsma ist der Sohn des Unternehmers Philipp Fürchtegott Reemtsma. Er studierte Germanistik und Philosophie in Hamburg. Nach Erreichen des 26. Lebensjahres durfte er laut Testament über sein Erbe verfügen. Seine Anteile an der Reemtsma Cigarettenfabriken GmbH verkaufte er sogleich.

Seit 1980 hat Reemtsma demnach keine Verbindungen mehr zur Firma. Mit einem Vermögen von 700 Millionen Euro zählt ihn das Manager Magazin zu den 150 reichsten Deutschen.

Vom 25. März bis zum 26. April 1996 war er Opfer der so genannten Reemtsma-Entführung. Seine Verschleppung, Gefangenschaft und Befreiung hat er im Buch Im Keller geschildert und reflektiert. Es gelang ihm danach, den Entführer durch von ihm beauftragte Ermittler in Südamerika ausfindig zu machen und so der Strafjustiz zu übergeben.

Reemtsma widmet sich persönlich der Literatur und Wissenschaft und ist ein bedeutender Mäzen für kulturelle, wissenschaftliche und politische Initiativen.

Im Keller (Ullstein taschenbuch)
von Jan Philipp Reemtsma
Taschenbuch: 224 Seiten
Rowohlt Taschenbuch Verlag
Auflage: 6 (1. Oktober 1998)
ISBN-13: 978-3499222214

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Jan Philipp Reemtsmas Bericht über seine Entführung

Am 25. März 1996 wurde Jan Philipp Reemtsma vor der Tür seines Hauses in Hamburg-Blankenese niedergeschlagen und verschleppt. 33 Tage lang hielten ihn seine Entführer im Kellerraum eines angemieteten Hauses bei Bremen gefangen; erst nach Zahlung eines in der Geschichte der Bundesrepublik einmaligen Lösegeldes von 30 Millionen Mark kam er frei.

Reemtsma beschreibt die Gefühle, die einen Zustand der erzwungenen Passivität, des Ausgeliefertseins an die Willkür von Gangstern begleiten. Er beschreibt den Verlauf von Tagen, die vor allem aus Todesangst und Warten bestehen – die Scham, in eine solche Lage geraten zu sein, den Hass auf die Verbrecher und die Dankbarkeit wider Willen, wenn sie eine menschliche Regung zeigten.

Dies sind Erfahrungen, die mit normalen psychischen Regularien nicht bewältigt werden können, und die darum auch nicht folgenlos bleiben.

»Eine Entführung, eine Zeit außerhalb aller anderen sozialen Kontakte als der antisozialen mit den Entführern, ist eine Zeit aufgezwungener Intimität. Und dies innerhalb eines extremen Machtgefälles: absolute Macht dort, absolute Ohnmacht hier.

Das lässt man nicht im Keller zurück.

Denn den Keller lässt man nicht zurück. Der Keller wird in meinem Leben bleiben, aber so wenig wie möglich von der mir dort aufgezwungenen Intimität soll in meinem Leben bleiben. Das einzige Mittel gegen Intimität ist Veröffentlichung