Westlich von Rom und „Die Orgie“. Roman von John Fante. Eine skurrile Geschichte

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Westlich von Rom
Roman von John Fante
Taschenbuch: 216 Seiten
Erscheint im Maro Verlag
Auflage: 1 (16. Oktober 2017)
ISBN-13: 978-3875124798
Bonus: Erzählung Die Orgie

Eine skurrile Geschichte mit exzentrischen Figuren, irre wie das echte Leben.

Zitat: Plötzlich sitzt dieser übergroße, verzottelte Hund im Garten von Familie Molise und will nicht mehr gehen. Ohne ihn war das Leben an der Küste Kaliforniens schon turbulent genug. Als das Monstrum jedoch für un­gekannten Respekt in der Nachbarschaft sorgt, ist für den Vater klar: Der Hund bleibt!

Die vier erwachsenen Kinder schwanken zwischen Abscheu und Sorge, die Mutter zwischen Frust und Mitleid. Doch dann eskalieren die familiären Konflikte, der Hund wird zum Spaltpilz. Die alten Sehnsüchte des Vaters kehren zurück, er verliert sich in seinen Träumen. Sein von Magengeschwüren begleitetes Dasein als erfolgloser Drehbuchschreiber soll sich endlich ändern. Am liebsten würde er nach Rom und mit einer schönen ­Signorina auf der Piazza Navona sitzen.

Doch jetzt sorgt dieser riesige Hund für neue Katastrophen …

Ein Buch, bei dem man immer wieder laut auflacht und über die herrliche Situationskomik den Kopf schüttelt. Die Szenen sind so witzig, die Figuren so intelligent gezeichnet, dass man die Familie mit all ihren Macken lieb gewinnt.

Fantes Protagonisten sind eng mit seinem eigenen Schicksal verbunden. Schnell wird spürbar, wie konfliktreich das Leben in den USA für eine streng katholische, italienische Einwandererfamilie war. Westlich von Rom ist die Zuspitzung aller Familienprobleme; hier bringt Fante auf den Punkt, was er im Zusammenhang mit Familie und Ehe zu sagen hat.

Westlich von Rom ist eine Hassliebeserklärung an die Familie in der Literaturgeschichte.

Westlich von Rom erschien posthum 1986 bei Black Sparrow Press, Santa Rosa und 1987 auf Deutsch bei Eichborn, Frankfurt. Viele Jahre vergriffen, erscheint in der neuen Ausgabe im MaroVerlag erstmals der gesamte Umfang der amerikanischen Originalausgabe auf Deutsch: Der Roman wird von der Erzählung »Die Orgie« begleitet.

John Fante (1909 – 1983) ist in Deutschland noch immer ein Geheimtipp. Auch in den USA wurde er erst im ­Alter zu den großen West-Coast-Schriftstellern wie Mailer, Fitz­gerald und Chandler gezählt. Seine Beachtung stieg, nachdem Charles Bukowski ihn zu seinem »Gott« erklärte: »Hier endlich war ein Mann, der keine Angst vor Emotionen hatte. Mit überwältigender Schlichtheit vermischen sich Humor und Schmerz.« Weshalb Fante in seiner Schaffenszeit weitgehend unbeachtet blieb, wird heute der damaligen Verlagswelt zugeschrieben.

Seine Romane »Wait until Spring, Bandini«, »Ask the Dust« und »Dago Red« blieben zunächst Insider-Tips, die von den großen Verlage ignoriert wurden. Fante musste sich als Drehbuchautor in Hollywood durchschlagen. 1978 verlor Fante aufgrund einer Diabetes seine Sehkraft; später mussten ihm beide Beine amputiert werden.

Sein letztes Buch über seine ersten Tage in Los Angeles diktierte er seiner Ehefrau, bevor er 1983 verstarb.

Buchempfehlung:

Little Italy: Stories von John Fante
Taschenbuch: 367 Seiten
Maro Verlag
Auflage: 1 (8. April 2016)
ISBN-13: 978-3875124750

Zitat: Er hieß Arturo, aber eigentlich hasste er diesen Namen und wollte lieber John genannt werden. Sein Nachname war Bandini, aber er hätte lieber Jones geheißen. Seine Eltern waren Italiener, aber er wollte lieber Amerikaner sein. Sein Vater war Maurer, er dagegen wollte lieber Werfer bei den Chicago Cubs werden. Sie wohnten in Rocklin, Colorado, einer Stadt mit zehntausend Einwohnern, aber er hätte gerne dreißig Meilen weiter weg in Denver gelebt.

Er hätte lieber keine Sommersprossen gehabt.
Er ging in die katholische Schule, eine staatliche wäre ihm lieber gewesen.

Sein Schwarm hieß Rosa, aber sie konnte ihn nicht leiden. Er diente als Ministrant in der Kirche, aber er war ein Schurke und verachtete die Ministranten. Er wollte ein guter Junge sein, aber er hatte Angst davor, seine Freunde könnten ihm das vorwerfen. Er hieß Arturo und er hatte seinen Vater gern, aber er hatte Angst vor dem Tag, an dem er erwachsen und besser als sein Vater sein würde.

Eines haben Fantes Protagonisten gemeinsam

Sie stammen allesamt aus dem proletarischen Milieu. Ihre Lebensführung ist chaotisch, sie sind im weitesten und liebenswertesten Sinne auch politische Anarchisten. Auch wenn sich Fante immer wieder einmal herablassend über sie ausläßt, im Mittelpunkt seiner Geschichten steht der »Itaker von der Straße«, der gerne Amerikaner sein will, es aber nicht schafft. Ganz wie Fante selber. Was seine Helden aber auszeichnet ist ihre grenzenlose Neugier, ihr Mut zum Risiko, ihr ungebrochener Lebenswille. Aber sie alle werden dominiert von den mitgebrachten Werten und Dogmen des Katholizismus.