Warten auf: Gericht und Erlösung: Poetischer Streit im Jenseits von Sibylle Lewitscharoff und Heiko Michael Hartmann, ein brillanter Schlagabtausch zwischen zwei originellen Denkern

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Existentielles über den Tod hinaus

Sibylle Lewitscharoff und Heiko Michael Hartmann im poetischen Schlagabtausch im Jenseits

Welche Themen sind es wert, sogar noch nach dem Tod diskutiert zu werden?
Und welche Fragen, welche Einsichten könnte es geben?

Warten auf: Gericht und Erlösung: Poetischer Streit im Jenseits
von Sibylle Lewitscharoff und Heiko Michael Hartmann

Gebundene Ausgabe: 208 Seiten
ISBN-13: 978-3451392122
Verlag Herder
(14. September 2020)
Gebundenes Buch 20,00 €
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Warten auf: Gericht und Erlösung

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Warten auf: Gericht und Erlösung

Aus dem Inhalt:

Mein Tod
Soll das etwa die Strafe sein?
Durch Begreifen zur Erlösung?
Die Verwirrung steigt
Der Weg zum Heil
Strafe
Husch!
Im Gedicht
Krankheit zum Tode – Krankheit unserer Zeit?
Habe fertig!
Wischiwaschi?
Es zieht mich hin, es schwingt mich fort
Gottes Wandel
Erinnerung an letzte Sekunden
Geheimnis
Geständnis
Verzweiflung als Sünde …

Buchzitat: Die Hölle, das seien die anderen, meinte bereits Sartre. In Warten auf: Gericht und Erlösung befinden sich zwei frisch Verstorbene in einem Schwebezustand und diskutieren über die letzten existenziellen Fragen. Können sie Aufklärung oder gar Erlösung finden?

Die liebenswürdige, gesellige Gertrud Severin (alias Sibylle Lewitscharoff) erwacht mutterseelen­allein in einem körperlosen Warteraum. Da begegnet ihr eine zweite Stimme.

Diese männliche Stimme (alias Heiko Michael Hartmann) kontert zunächst ihr „treuherziges Geplapper“ mit harschen, kargen Worten.

Ihre in jeder Hinsicht gegensätzlichen Ansichten und Werte regen das Duo jedoch bald zu einem erst vorsichtigen, dann furiosen Schlagabtausch an:
über Gott,
Leib und Seele,
über Gericht und Erlösung,
über Glauben und Nicht-Glauben.

Eine stilistisch wie inhaltlich beeindruckende Lektüre:
zwischen religiöser Belletristik und philosophischem Sachbuch.

Das Buch lebt vom Schlagabtausch der beiden Seelen bzw. Autoren. Teilweise erbittert, oft aber mit einem wunderbar leicht-spöttischen Unterton geht es um die zentralen menschlichen Themen.

Anders als bei Lewitscharoffs Roman Von oben, dessen Handlung nur auf den ersten Blick ähnelt und dennoch inhaltlich-dramaturgisch nicht unterschiedlicher sein könnte, stellen beide Protagonisten verschiedene Pole und Positionen dar:

Eine der wichtigsten deutschen Schriftstellerinnen zu ihren großen Lebensthemen

Die beiden streiten sich durch die europäische Geistesgeschichte, durch Religion, Philosophie und Literatur, und brennen dabei ein Feuerwerk der Argumente ab. Die besondere Dynamik entsteht durch die beiden Stile der Autoren, die diesen Unterschied lustvoll ausleben und wunderbar inszenieren.

Auf diese Weise erhält der Leser nicht nur einen tiefen Einblick in existenzielle Themen und Fragen, sondern wird mitgerissen vom Lesevergnügen. Eine Disputatio der ganz anderen Art mit einer ungewöhnlichen und spannenden Rahmenhandlung – und einem überraschenden Schluss.

Fazit: In ihrem Buch lassen sie zwei Seelen im Jenseits auf einer Wartebank sitzen, die sich nur flüchtig kennen. Sie beginnen ein Gespräch, vorsichtig erst, dann immer eindringlicher: über das Verhältnis von Leib und Seele, über das Sterben und den Tod, über Gericht und Erlösung, über Glauben und Nicht-Glauben.

Es sind die Themen, die Sibylle Lewitscharoff und Heiko Michael Hartmann seit Jahren umtreiben und die sie nun in diesem spektakulären Buch aufeinanderprallen lassen. Ein intellektueller und poetischer Wettstreit im Jenseits, mit spannendem Ausgang. Provokant, überraschend und unterhaltsam: ein stilistisches und inhaltliches Vergnügen!

Sibylle Lewitscharoff, geb. 1954 in Stuttgart, ist eine der bekanntesten deutschen Schriftstellerinnen. Sie studierte Religionswissenschaft an der Freien Universität Berlin, lebte dabei auch längere Zeit in Buenos Aires und Paris. 1994 erschien ihr erster Roman, seitdem erhielt sie für ihre verschiedenen Werke zahlreiche Auszeichnungen, darunter den Ingeborg-Bachmann-Preis, Marie-Luise-Kaschnitz-Preis sowie den Georg-Büchner-Preis.

Heiko Michael Hartmann, geb. 1957, studierte Rechtswissenschaften und Philosophie in Würzburg und Genf, er arbeitete später als Jurist. Heute lebt er in Berlin und ist als Schriftsteller tätig. 1996 wurde er beim Klagenfurter Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb ausgezeichnet, 1999 erhielt er den Kurd-Laßwitz-Preis.

Warten auf
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