18. Oktober 2021

Thomas Mann. Ein Schriftsteller setzt sich in Szene. Bildband mit 200 bisher unveröffentlichten Fotografien des Autors und Literaturnobelpreisträgers, begleitet von literaturwissenschaftlichen Essays von Rüdiger Görner und Kaltërina Latifi

Bilder zwischen Bohemien und Bürgerkünstler:
die Selbstinszenierung Thomas Manns

Wie man sich in und mit Fotografien in Szene setzen kann, das wusste Thomas Mann. Im Text-Bild-Band »Thomas Mann. Ein Schriftsteller setzt sich in Szene« wird das Leben des Schriftstellers und Nobelpreisträgers erstmals in Bildern erzählt:

Thomas Mann. Ein Schriftsteller setzt sich in Szene. Bildband mit 200 bisher unveröffentlichten Fotografien des Autors und Literaturnobelpreisträgers, begleitet von literaturwissenschaftlichen Essays
von Rüdiger Görner und Kaltërina Latifi

wbg Theiss in Wissenschaftliche Buchgesellschaft (WBG)
(18. März 2021)
Gebundene Ausgabe: 272 Seiten
mit etwa 200 Farbabbildungen
ISBN-13: 978-3806242478
Abmessungen: 23.4 x 3 x 29.7 cm
Gebundenes Buch 60,00 €

zur Verlagsinfo
und Leseprobe
Thomas Mann. Ein Schriftsteller setzt sich in Szene
von Rüdiger Görner und Kaltërina Latifi

Buchzitat: Von eindrucksvollen Porträtaufnahmen über Bilder zwischen Bohemien und Bürgerkünstler bis hin zu bisher unveröffentlichtem Bildmaterial: Die Sammlung ausgewählter Fotografien, zusammengestellt von den Herausgebern Rüdiger Görner und Kaltërina Latifi in Zusammenarbeit mit dem Thomas-Mann-Archiv Zürich, zeigt Thomas Mann, wie man ihn noch nicht gesehen hat. Begleitet wird der Band von eleganten Essays zur Selbstinszenierung des Schriftstellers vor der Kamera.

Thomas Manns ausgeprägter Hang zur Selbstinszenierung fand seinen Niederschlag in mehr als 6.000 Aufnahmen. Gleich ob am Schreibtisch, am Strand oder mit Hund; immer setzte er sich wirkungsvoll in Szene.

Thomas Mann war sich seiner Rollen stets bewusst und nutzte die Fotografie, um seinen eigenen Mythos zu erschaffen. Diesem Hang zur Selbstinszenierung verdanken wir heute einen Fundus von mehr als 6000 Aufnahmen, die den Schriftsteller zeigen.

In ihrer repräsentativen Bild-Auswahl konzentrieren sich Rüdiger Görner und Kaltërina Latifi ganz auf die kaum publizierten Einzelbildnisse und ihren biografischen wie werkgeschichtlichen Rahmen.

Hier untersuchen die Literaturwissenschaftler die Frage:
Welche Bedeutung hat die Selbstinszenierung im Leben und Schaffen des Weltautors Thomas Mann?

Etwa 200 Farbfotografien zeigen Thomas Mann, wie man ihn noch nicht gesehen hat
Eine Biografie in Bildern: Perspektiven auf Thomas Manns Leben
Die Optik Thomas Manns: ihre Konstanten und Wandlungen
Das plastische Bild einer prägenden Figur des 20. Jahrhunderts
In Zusammenarbeit mit dem Thomas-Mann-Archiv Zürich
Sich ein Bild machen und ins rechte Licht rücken: Thomas Mann im Porträt 

Anders als im Fall seiner Tagebücher hat Thomas Mann, soweit bekannt, kein Autodafé mit den Fotografien von sich und seiner Familie veranstaltet.

So kann anhand eines umfassenden Bilder-Archivs analysiert werden:
Welche Formen nimmt die von ihm offenbar gewünschte Selbstinszenierung an?
Repräsentation oder Darstellung – welchen Zweck verfolgt der Autor damit?

In diesen Fotos Thomas Manns manifestiert sich nicht zuletzt die Position des Schriftstellers in der Gesellschaft. Sie zeigen die Vielgesichtigkeit des Autors ebenso wie seine Vielschichtigkeit.

   Was sich dahinter verbirgt,
enthüllt der Bildband
Thomas Mann. Ein Schriftsteller setzt sich in Szene
von Rüdiger Görner und Kaltërina Latifi
auf kenntnisreiche und eindrückliche Weise!

Die repräsentative Auswahl konzentriert sich ganz auf die kaum publizierten Einzelbildnisse und ihren biografischen wie werkgeschichtlichen Rahmen.

Rüdiger Görner ist Professor für Neuere Deutsche und vergleichende Literatur an der Queen Mary University of London und Gründungsdirektor des Centre for Anglo-German Cultural Relations. Er ist Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung und erhielt den Deutschen Sprachpreis der Henning Kaufmann-Stiftung ebenso wie den Reimar Lüst-Preis der Alexander-von-Humboldt-Stiftung. Rüdiger Görner ist Träger des Bundesverdienstkreuzes der Bundesrepublik Deutschland. Publikation zu Nietzsche, Kafka, Trakl, Thomas Mann und Oskar Kokoschka.

Kaltërina Latifi promovierte mit einer Arbeit zur Poetik E.T.A. Hoffmanns. Fellowship am Centre for Anglo-German Cultural Relations der Queen Mary University of London. Sie arbeitet derzeit an einer Habilitation zur Ästhetik des Fragments. Publikationen zu E.T.A. Hoffmann, A.W. Schlegel und Jean Paul.

Zu erleben ist eine einzigartige Persönlichkeit des 20. Jahrhunderts.

   

  • Thomas Mann, wie man ihn noch nicht gesehen hat
  • Mit bisher unveröffentlichtem Bildmaterial
  • In Zusammenarbeit mit dem Thomas-Mann-Archiv Zürich

Vintagebuch Wiki-Info:

Paul Thomas Mann (* 6. Juni 1875 in Lübeck; † 12. August 1955 in Zürich, Schweiz) war ein deutscher Schriftsteller und einer der bedeutendsten Erzähler des 20. Jahrhunderts. Er wurde 1929 mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet.

Dem 1901 erschienenen ersten Roman Buddenbrooks folgten Novellen und Erzählungen wie Tonio Kröger, Tristan und Der Tod in Venedig. Der 1924 veröffentlichte Roman Der Zauberberg, mit dem er die Tradition des europäischen Bildungsromans fortführte, zeigt Manns Gestaltungskunst:

Der Erzähler wahrt eine skeptisch-ironische Distanz zu den Figuren, typische Konstellationen kehren leitmotivisch wieder, und es herrscht ein syntaktisch komplexer, anspruchsvoller Stil. Diese Merkmale prägen auch die folgenden Veröffentlichungen, unter denen die Novelle Mario und der Zauberer, die Romantetralogie Joseph und seine Brüder sowie das Spätwerk Doktor Faustus hervorzuheben sind.

Weithin Beachtung fanden auch seine Stellungnahmen zu aktuellen politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Fragen. Stand er der westlichen Demokratie zunächst skeptisch gegenüber, wandelte er sich zu Beginn der 1920er Jahre zu einem überzeugten Verteidiger der Weimarer Republik.

Während der nationalsozialistischen Herrschaft emigrierte er 1933 in die Schweiz und 1938 in die USA, deren Staatsbürgerschaft er 1944 annahm. Von 1952 bis zu seinem Tod lebte er wieder in der Schweiz.

Thomas Mann entstammte der angesehenen Lübecker Patrizier- und Kaufmannsfamilie Mann. Seine Frau Katia, geborene Pringsheim, inspirierte ihn zu mehreren seiner literarischen Figuren und Werke. Sein älterer Bruder Heinrich und vier seiner sechs Kinder, Erika, Klaus, Golo und Monika, waren ebenfalls Schriftsteller.

Thomas Mann hat acht Romane sehr unterschiedlichen Umfangs geschrieben:

Schon mit seinem ersten Roman: Buddenbrooks, schuf er ein Werk der Weltliteratur, für das ihm 1929 der Nobelpreis verliehen wurde; er verarbeitete darin seine Familiengeschichte als Verfallsgeschichte des Bürgertums und verewigte seine Heimatstadt Lübeck, ohne sie beim Namen zu nennen. Thomas Mann selbst ist in der Figur des Hanno Buddenbrook Teil der Handlung.

Der Roman Königliche Hoheit ist als ein Märchen mit autobiographischen Zügen konzipiert.
Der Roman Der Zauberberg, der bei der Nobelpreisverleihung explizit nicht genannt wurde, obwohl seine Publikation schon fünf Jahre zurücklag, war geplant als humoristisches Gegenstück zum Tod in Venedig, mit der Faszination von Liebe und Tod.

Ähnlich wie in den Buddenbrooks wird darin, gegenläufig zu einem klassischen Bildungsroman, eine Verfallsgeschichte künstlerisch gestaltet; aber jetzt nicht mehr aus einer Einstellung romantisch-nostalgischer Ironie heraus, sondern aus einer Haltung kritischer Ironie. In den Dialogen und Streitgesprächen der Romanfiguren findet sich eine scharfsichtige Zeitdiagnostik.

Die Tetralogie Joseph und seine Brüder hielt Thomas Mann selbst für sein bedeutendstes Werk. Sie entstand in den Jahren 1926 bis 1943, also zum größten Teil während der Zeit des Nationalsozialismus. Mann wollte mit ihr ein auf der alttestamentlichen Josephserzählung (Gen 37–50) beruhendes orientalisch-heiteres Gegenepos zu dem nordisch-düsteren Nibelungenmythos Richard Wagners schaffen.

Zugleich setzt er in der Figur des in Ägypten zur Herrschaft gelangten Joseph der Politik des von ihm bewunderten US-Präsidenten Franklin D. Roosevelt ein Denkmal.

Lotte in Weimar. Der Goethe-Roman entstand zwischen dem dritten und vierten Band der Joseph-Tetralogie. Er gestaltet eine späte Wiederbegegnung (1816) zwischen Goethe und Charlotte Kestner, geb. Buff (Werthers Lotte) aus unterschiedlichen Perspektiven, nicht zuletzt aus der Sicht Goethes, in dessen inneren Monolog gegen Ende des Romans Thomas Mann Aspekte der eigenen Sicht von Kunst und Leben, Liebe und Geist einfließen lässt.

Der Roman Doktor Faustus entstand zwischen 1943 und 1947. In ihm schildert der Erzähler Serenus Zeitblom vor dem Hintergrund des Zweiten Weltkrieges die Lebensgeschichte des Tonsetzers Adrian Leverkühn, die er symbolisch in Bezug zur deutschen Geschichte setzt. Die Biographie Nietzsches lieferte den Stoff und Theodor W. Adorno die musikalischen Grundlagen, insbesondere die zur Beschreibung der modernen Zwölftonmusik.

Das Alterswerk Der Erwählte ist Thomas Manns kürzester Roman und lebt aus der Spannung zwischen der von Hartmann von Aue in einem mittelalterlichen Versepos gestalteten Legende Gregorius und ihrer modernen Wiedergabe.

Der Fragment gebliebene Roman Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull ist eine Art Schelmenroman und nimmt eine Ausnahmerolle im Opus des Dichters ein.

Unter der großen Zahl von Novellen sind besonders hervorzuheben: Tristan, Tonio Kröger, Tod in Venedig und Mario und der Zauberer.

Die Werke Thomas Manns (abgesehen von den Betrachtungen eines Unpolitischen, die während des Ersten Weltkrieges entstanden sind und nach Ansicht des Verfassers ohnehin als „Verirrung“ anzusehen sind) haben folgende Gemeinsamkeiten:

Den schon erwähnten für Mann charakteristischen, bei den Lesern sehr populären „gravitätisch-verschmitzten“ Stil mit vordergründiger Feierlichkeit und einem hintergründigen ironischen Humor, meist wohlwollend, nie drastisch oder bitter und nur selten ins Makabre ausartend.

Diese Ironie ist in den Buddenbrooks durch niederdeutsche Einschübe ins Familiäre abgemildert. Im Doktor Faustus schlägt Thomas Mann angesichts des Kriegsgrauens vorwiegend ernste Töne an, obwohl auch dort die kritische Ironie nicht ganz zurücktritt.

Heimatverbundenheit: Lübeck (Buddenbrooks, Tonio Kröger) und München (Gladius Dei, Beim Propheten, Unordnung und frühes Leid) stehen im Vordergrund wichtiger Werke.

Die Musik spielt schon in den Buddenbrooks und im Tristan eine zentrale Rolle, und im Doktor Faustus die Hauptrolle.

Homoerotische Aspekte kennzeichnen vor allem die Erzählung Tod in Venedig.
Neben homoerotischen Aspekten kommen in Manns Werk auch Inzest und Sadomasochismus vor.

Zentral ist für Thomas Mann das wechselseitige Verhältnis von Kunst und Leben: Zweideutigkeit als System – Thomas Manns Forderung an die Kunst.

Gewissenhaftigkeit: Seine Werke verfasste Thomas Mann stets erst nach langer und gründlicher Recherche des Sachverhalts.

Politisches Engagement: Dieses – meist indirekte – Engagement zieht sich durch viele seiner Werke, von den Buddenbrooks über Mario und der Zauberer bis hin zu Doktor Faustus. Im Gegensatz zu seinem Bruder Heinrich und seinen Kindern Erika und Klaus stand dabei Thomas Mann zuweilen etwas „vornehm über den Dingen“, während diese von Anfang an eher „links“ eingestellt waren.

Romane

Buddenbrooks – Verfall einer Familie. 1901
Königliche Hoheit. 1909
Der Zauberberg. 1924
Joseph und seine Brüder – Tetralogie 19331943
Die Geschichten Jaakobs. 1933
Der junge Joseph. 1934
Joseph in Ägypten. 1936
Joseph der Ernährer. 1943
Lotte in Weimar. 1939
Doktor Faustus. 1947
Der Erwählte. 1951
Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull. 1954