Propaganda in Agfacolor: Entstehungshintergrund und visuelle Strategien des Propagandafilms Kolberg von Veit Harlan & DVD Kolberg. Verbotene Filme

Propaganda in Agfacolor: Entstehungshintergrund und visuelle Strategien des Propagandafilms Kolberg von Veit Harlan & DVD Kolberg. Verbotene Filme

Zitat: Die Kurz-Dokumentation erläutert den Entstehungshintergrund und die visuellen Strategien des Propagandafilms “Kolberg” von Veit Harlan. Der Film gilt heute als sogenannter Vorbehaltsfilm, der aufgrund seiner offensichtlichen und latenten Propaganda nur mit einer kommentierenden Einführung in der Öffentlichkeit aufgeführt werden darf.

ARTE Kino
Propaganda in Agfacolor, 10 Min.
Ausstrahlung: Montag, 4. Dezember um 23:25 Uhr

 

Kolberg: The Restored 1945 Epic Directed by Veit Harlan
Format: DVD-Video
Sprache: Deutsch
Untertitel: Englisch
Anzahl Disks: 1
Produktionsjahr: 1945
DVD ab EUR 54,69

 

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Kolberg (Film)

Der Film Kolberg ist ein 1943 bis 1944 gedrehter deutscher Historienfilm des Regisseurs Veit Harlan, der sich auf die Belagerung Kolbergs 1807 bezog und die Auflehnung gegen einen übermächtigen Feind symbolisieren sollte.

Er wurde im Auftrag und unter Aufsicht des Propagandaministers Joseph Goebbels produziert und sollte als Propagandafilm in der letzten Phase des Zweiten Weltkriegs den Durchhaltewillen der Deutschen stärken.

Der Agfacolor-Film der UFA basiert auf dem Schauspiel Colberg von Paul Heyse und der Autobiografie Joachim Nettelbecks.

Die Uraufführung des „Durchhaltefilms“ fand am 12. Jahrestag der nationalsozialistischen Machtergreifung, dem 30. Januar 1945, gleichzeitig in Berlin und in der umkämpften Atlantikfestung La Rochelle statt, wodurch er zu einem während der NS-Zeit im Deutschen Reich uraufgeführten deutschen Spielfilme gehört.

Handlung

Im Herbst 1806 belagern Napoleons Truppen nach einem erfolgreichen Feldzug in Deutschland die Festung Kolberg. Die Franzosen haben Berlin besetzt, und der Ortskommandant Loucadou will kapitulieren. Doch der couragierte Bürgerrepräsentant Nettelbeck gibt nicht auf, organisiert Bürgerwehren und mobilisiert die Einwohner zur Unterstützung der Truppen.

Der Bauer Werner opfert seinen Hof: Er brennt ihn nieder, um der preußischen Artillerie freies Schussfeld zu sichern. Werners Tochter Maria verliebt sich in den heldenhaften Rittmeister Schill, muss aber schließlich auf ihn verzichten, da er neue Aufgaben vor sich hat.

Der junge Major Gneisenau wird neuer Stadtkommandant und feuert die Bevölkerung zum heldenhaften Kampf an. Daher beschießt die französische Armee die Festung mit Artillerie. Doch die Bevölkerung gibt nicht auf; am Ende geht sie schließlich als Sieger aus dem Kampf hervor, als die französischen Generäle untereinander in Streit geraten.

Um die Belagerung Kolbergs als historisches Beispiel für einen erfolgreichen Endkampf zu deuten, wurde eine Rahmenhandlung (zu Beginn und am Ende des Films) in das Jahr 1813 gelegt. Darin überzeugt August Wilhelm Antonius Graf Neidhardt von Gneisenau den preußischen König Friedrich Wilhelm III. durch die Schilderung der Rettung Kolbergs davon, mit dem Aufruf An Mein Volk den Kampf gegen Napoleon im Sinne der Einheit von Volk und Armee zu beginnen.

Produktion

Goebbels ordnete in einem Schreiben an Harlan vom 1. Juni 1943 den Film an und führte dabei die gewünschte propagandistische Funktion des Films aus:

„Hiermit beauftrage ich Sie, einen Großfilm ‚Kolberg‘ herzustellen. Aufgabe dieses Films soll es sein, am Beispiel der Stadt, die dem Film den Titel gibt, zu zeigen, daß ein in Heimat und Front geeintes Volk jeden Gegner überwindet.

Ich ermächtige Sie, alle Dienststellen von Wehrmacht, Staat und Partei, soweit erforderlich, um ihre Hilfe und Unterstützung zu bitten und sich dabei darauf zu berufen, daß der hiermit von mir angeordnete Film im Dienste unserer geistigen Kriegführung steht.“

Der Farbfilm wurde mit 8,8 Millionen Reichsmark Produktionskosten der teuerste Film in der Zeit des Nationalsozialismus. Es wirkten Tausende Soldaten der Wehrmacht als Statisten sowie mehr als tausend Pferde mit, was angesichts der schwierigen Kriegslage einen gewaltigen Aufwand bedeutete.

Um das Drehen von Schneeszenen im Sommer zu ermöglichen, wurden 100 Eisenbahnwaggons mit Salz zu den Drehorten in Pommern gebracht. Wie der an diesem Film als Regieassistent und Schnittmeister beteiligte Wolfgang Schleif 1979 in einem Fernsehinterview berichtete, verfügte der bei Kolberg als Pyrotechniker tätige Erwin Lange über einen Etat von 400.000 RM.

Goebbels ließ den Film nach Fertigstellung erheblich kürzen, weil er in Anbetracht der verheerenden Bombenangriffe auf deutsche Städte die aufwändigen Szenen, in denen Kolberger Bürger von der übermächtigen Artillerie Napoleons dahingemetzelt werden, dem deutschen Zuschauer nicht zumuten wollte.

Dem Schnitt fiel auch die Todesszene des Prinzen Louis Ferdinand zum Opfer, was im gedruckten Programmheft nicht berücksichtigt wurde; dort werden die Figur und der Darsteller Jaspar von Oertzen noch genannt.

Zeitgenössisch

Die Premiere fand am 30. Januar 1945 zugleich in dem von den Alliierten eingeschlossenen U-Boothafen La Rochelle und im Tauentzienpalast in Berlin statt. Später kam der Film in den eingeschlossenen Städten Königsberg, Breslau, Danzig und anderen Großstädten in die Kinos. Er wurde ebenfalls in den Jugendfilmstunden der HJ sowie vor Rekruten der Wehrmacht und der Waffen-SS gezeigt.

In Berlin lief der Film wie auch Münchhausen bis in den April hinein in zwei Großkinos mit über 2000 Plätzen, wurde aber immer weniger besucht: Im März 1945 kamen am 31. Spieltag in den 1053 Plätze fassenden Berliner Tauentzien-Palast zur Vormittagsvorstellung nur 91 Besucher und am Nachmittag nur 204, während jede Vorstellung von Münchhausen ausverkauft war.

Der Inhalt des Films interessierte das Publikum nicht. Kolberg kam offenbar zu spät, um die erhoffte Propagandawirkung zu erzielen. Als sowjetische und polnische Truppen am 18. März 1945 Kolberg eroberten, untersagte Goebbels, dies im Wehrmachtbericht zu erwähnen.

Im Film sieht man marschierende Menschen, die in Anlehnung an das Gedicht Männer und Buben von Theodor Körner singen: „Das Volk steht auf, der Sturm bricht los!“ Fast dieselben Worte hatte Goebbels im Februar 1943 am Ende seiner Sportpalastrede benutzt: „Nun, Volk, steh’ auf, und Sturm, brich los!“.

Kolberg war der letzte Film, der mit dem Prädikat „Film der Nation“, der höchsten Auszeichnung für Filme im nationalsozialistischen Deutschland, ausgezeichnet wurde.

Nachkriegszeit

Der Film wurde nach 1945 in allen vier Besatzungszonen verboten und ist bis heute ein Vorbehaltsfilm. 1965 kam der Film unter dem Titel Kolberg – Der 30. Januar 1945 neu in die Kinos.

Die Neufassung war mit dokumentarischen Einschüben versehen, die dem Publikum an den entsprechenden Stellen die Parallelen zur nationalsozialistischen Propaganda deutlich machen sollten.

Im Begleitmaterial wurde Veit Harlan mit unwahren Behauptungen zur Entstehung des Films zitiert (angebliche direkte Weisung Hitlers, Verschweigen der Vorlage von Paul Heyse), zur Zahl der Statisten (angeblich 187.000 Mann oder 18 Wehrmacht-Divisionen) und zum historischen Hintergrund (angebliche Besetzung Kolbergs durch die Franzosen nach dem Tilsiter Frieden), die seither in anderen Veröffentlichungen ungeprüft weitergegeben werden. Der Film wurde nach kurzer Zeit infolge zahlreicher Proteste abgesetzt.

Der Fernsehsender ARTE zeigte die Originalfassung des Films am 22. März 1998 anlässlich eines Themenabends zu Heinrich George im Anschluss an eine Dokumentation zu seiner Entstehungsgeschichte. Und auch am Montag, 4. Dezember um 23:25 Uhr

Kolberg kann nur mit Zustimmung der Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung gezeigt werden. Die Stiftung stellt für die Interessenten „Arbeitsmaterialien“ zur Verfügung, die sich auf das Begleitmaterial von 1965 stützen. Im Text wird die unwahre Behauptung vom „anschließenden Einzug der Franzosen“ in Kolberg nach dem Ende der Belagerung wiederholt.

Literatur

Paul Heyse: Kolberg. Historisches Schauspiel in 5 Akten. 446.–450. Tausend. Cotta, Stuttgart 1935.
ATLAS-Filmhefte. Doppelheft 61, 1965, ZDB-ID 43739-6
Bogusław Drewniak: Der deutsche Film 1938–1945. Ein Gesamtüberblick. Droste, Düsseldorf 1987, ISBN 3-7700-0731-X, S. 196.
Ulrich Gehrke: Veit Harlan und der Kolberg-Film. Filmregie zwischen Geschichte, NS-Propaganda und Vergangenheitsbewältigung. Selbstverlag, Hamburg 2011, ISBN 978-3-00-033289-0.
Klaus Kreimeier: Die Ufa-Story. Geschichte eines Filmkonzerns = Ufa. Hanser, München u. a. 1992, ISBN 3-446-15214-8.
Frank Noack: Veit Harlan – „Des Teufels Regisseur“. Belville, München 2000, ISBN 3-923646-85-2.
Rolf Giesen, Manfred Hobsch: Hitlerjunge Quex, Jud Süß und Kolberg. Die Propagandafilme des Dritten Reiches. Dokumente und Materialien zum NS-Film. Schwarzkopf & Schwarzkopf, Berlin 2005, ISBN 3-89602-471-X.
Günter Brittinger: Ferdinand von Schill in der Zeit des Nationalsozialismus. In: Veit Veltzke (Hrsg.): Für die Freiheit – gegen Napoleon. Ferdinand von Schill, Preußen und die deutsche Nation. Böhlau, Köln u. a. 2009, ISBN 978-3-412-20340-5, S. 305–339, bes. 309–322 (mit zahlreichen Abb.)

Kolberg bei der Murnau-Stiftung
Filmbestand bei der Murnau-Stiftung
Über den Film Kolberg von 1945 auf YouTube
Wikipedia Vorbehaltsfilm
Wikipedia Kategorie: Koalitionskriege im Film

 

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Über den Film Kolberg von 1945 (Video)

Zitat: Kurze Doku über den Film Kolberg aus dem Jahre 1945. Der Regisseur des Films, Veit Harlan (1899-1964). Der Film Kolberg wurde am 22.3.1998 erstmals bei arte im Rahmen eines Themenabends über den Schauspieler Heinrich George im Fernsehen gezeigt. Weitere Infos über den Film finden sich auch bei www.jenspeterkutz.de

Vorbehaltsfilme

ARTE Kultur und Pop
Verbotene Filme
Das Erbe des Nazi-Kinos
Ausstrahlung: Montag, 4. Dezember um 22:30 Uhr

Zitat: Die Dokumentation widmet sich dem schwierigen Umgang mit dem Erbe des Nazi-Kinos. Über 40 sogenannte Vorbehaltsfilme sind bis heute nur unter Auflagen zugänglich. Eine Suche nach ihrer Geschichte, ihrem Publikum und ihrer Wirkung heute in Deutschland wie im Ausland.

Zwischen 1933 und 1945 wurden in Deutschland etwa 1.200 Spielfilme hergestellt. Rund 300 dieser Filme wurden nach dem Krieg von den Alliierten verboten.

Heute verwaltet die Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung den größten Teil des NS-Filmstocks. Über 40 NS-Filme sind bis heute nur unter Auflagen zugänglich.

Lange Zeit als Verbotsfilme klassifiziert, nennt man den harten Kern der NS-Filmpropaganda heute „Vorbehaltsfilme“: volksverhetzend, kriegsverherrlichend, antisemitisch und rassistisch – so lauten die Begründungen, warum die Filme für die Öffentlichkeit nicht frei zugänglich sind. Urheberrecht und Jugendschutz sind dabei die juristischen Hebel, denn das deutsche Grundgesetz erlaubt keine Zensur.

Der Umgang mit ihnen ist schwierig: Bewahren oder entsorgen, freigeben oder verbieten? Felix Moeller, dessen vielschichtiges Familienporträt „Harlan – Im Schatten von Jud Süß“ bereits das komplexe Nachwirken des NS-Filmerbes bis heute beleuchtete, zeigt, wie die Vorbehaltsfilme auf ein heutiges Publikum treffen und wie sie diskutiert werden.

Über die Brisanz der Propagandafilme des Dritten Reichs und ihre Idee eines angemessenen Umgangs damit, geben unter anderem Oskar Roehler, Moshe Zimmermann, Rainer Rother, Margarethe von Trotta, Jörg Jannings, Sonja M. Schultz, Götz Aly sowie Aussteiger aus der Nazi-Szene und Überlebende der Schoah Auskunft.

 

A
Alarm in Peking
Anschlag auf Baku
B
Besatzung Dora
Blutsbrüderschaft (1941)
C
Carl Peters (Film)
D
D III 88
Drei Unteroffiziere
E
Der ewige Jude
F
Falschmünzer (Film)
Feinde
Flucht ins Dunkel
Friesennot
Fronttheater
G
GPU (Film)
H
Hans Westmar
Heimkehr (1941)
Himmelhunde
Himmelstürmer
Hitlerjunge Quex
I
Ich klage an (1941)
Im Kampf gegen den Weltfeind
J
Jakko
Jud Süß (1940)
Jungens
K
Kadetten (Film)
Kameraden auf See
Kampfgeschwader Lützow
Kolberg (Film)
Kopf hoch, Johannes!
L
Legion Condor (Film)
M
Maria, die Magd
Mein Sohn, der Herr Minister
O
Ohm Krüger (Film)
P
Pour le Mérite (Film)
R
Ritt in die Freiheit
Robert und Bertram (1939)
Die Rothschilds (1940)
S
S.A. Mann Brand
Der Stammbaum des Dr. Pistorius
Stukas
T
Togger
U
Über alles in der Welt
U-Boote westwärts!
Unternehmen Michael (Film)
V (Vorbehaltsfilme / Übersicht)
Venus vor Gericht

 

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Verbotene Filme
Darsteller: Dr. Felix Moeller, Isabelle Casez, Jan Wichers, Christian Behr, Rolf Bergmann
Komponist: Björn Wiese
Format: Dolby, PAL
Sprache: Deutsch (Dolby Digital 2.0), Deutsch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Englisch
Region: Region 2
Bildseitenformat: 16:9 – 1.77:1
Anzahl Disks: 1
FSK: Freigegeben ab 6 Jahren
Studio: Salzgeber & Co. Medien GmbH
Erscheinungstermin: 10. Oktober 2014
Produktionsjahr: 2014
Spieldauer: 94 Minuten
DVD EUR 14,90
DVD Info

Zwischen 1933 und 1945 wurden in Deutschland 1.200 Spielfilme hergestellt. 300 Filme wurden nach dem Krieg von den Alliierten verboten. Über 40 NS-Filme sind bis heute nur unter Auflagen zugänglich – sie werden als „Vorbehaltsfilme“ bezeichnet.

Der Umgang mit ihnen ist schwierig: Bewahren oder entsorgen, freigeben oder verbieten? Verbotene Filme stellt die „Nazifilme aus dem Giftschrank“ (Die Welt) vor und macht sich auf die Suche nach ihrem Mythos, ihrem Publikum und ihrer Wirkung heute – in Deutschland wie im Ausland. Eine visuelle Reise zur dunklen Seite des Kinos.

Felix Moeller, dessen vielschichtiges Familienporträt Harlan – Im Schatten von Jud Süss (2009) bereits das komplexe Nachwirken des NS-Filmerbes bis heute beleuchtete, zeigt in seinem neuen Film, wie die „Vorbehaltsfilme“ auf ein heutiges Publikum treffen und wie sie diskutiert werden.

Über den „Sprengstoff“ der Propagandafilme des „Dritten Reichs“ und ihre Idee eines angemessenen Umgangs damit geben u.a. Oskar Roehler, Moshe Zimmermann, Rainer Rother, Margarethe von Trotta, Jörg Jannings, Sonja M. Schultz, Götz Aly sowie Aussteiger aus der Nazi-Szene und Überlebende der Shoah Auskunft.

Erstmals wurden für Verbotene Filme im großen Umfang Jahrzehnte alte Filmkopien der NS-Produktionen in hochauflösendem Format/2k abgetastet.

 

Zensur Verbotene deutsche Filme 1933-1945
Taschenbuch von Kraft Wetzel (Autor)
Peter Hagemann (Autor)
Stiftung Deutsche Kinemathek (Herausgeber)
Verlag: Berlin, Spiess, (1978)
ISBN-13: 978-3920889771
Taschenbuch ab EUR 10,00
Buchinfo

 

Verboten!: Filmzensur in Europa
(Katalog zu CineFest / Internationales Festival des deutschen Film-Erbes)
Taschenbuch – Januar 2013
Taschenbuch: 170 Seiten
Verlag: edition text + kritik
Auflage: 1 (Januar 2013)
ISBN-13: 978-3869163390
Taschenbuch EUR 25,00
Buchinfo

Seit es das Kino gibt, sahen sich staatliche Behörden, Pädagogen, Kirchenvertreter und Interessenverbände genötigt, der Suggestionskraft des Mediums Grenzen zu setzen. Bei politisch oder gesellschaftlich heiklen Themen gerieten Regisseure schnell in den Grenzbereich des Darstellbaren und mussten mit Schnittauflagen, Verboten oder Strafanzeigen rechnen.

cinefest 2013, das X. Internationale Festival des deutschen Film-Erbes, verfolgt die Entwicklung der Filmzensur in Europa und erforscht anhand ausgewählter Fallbeispiele, wie sozialer Wandel und historische Umbrüche die Aufgaben und Kriterien der Filmkontrolle veränderten.

Der Katalog zum cinefest dokumentiert mit Kritiken zu über 30 exemplarischen Produktionen der Jahre 1912 bis 1982 Zensurskandale, “Tresorfilme” und verstümmelte Schnittfassungen aus Deutschland, Österreich, Großbritannien und der CSR.
Auslöser der Interventionen waren
politische Propaganda (“Panzerkreuzer Potemkin“),
erotische Szenen (“Ekstase“),
Angriffe auf moralische Tabus (“Die Sünderin“),
blasphemische Tendenzen (“Das Gespenst“) oder
ideologisch unerwünschte Realitätsbeschreibungen (“Karla“).

Ein Dokumententeil beleuchtet anhand von Zensurbescheiden, internen Unterlagen, Berichten von Filmschaffenden und Beiträgen zu programmatischen Diskussionen den Umgang mit Zensurfällen in verschiedenen Ländern und Systemen.

 

Frauen für Deutschland. Filmidole im Dritten Reich
von Friedemann Beyer
Gebundene Ausgabe: 288 Seiten
Verlag: Collection Rolf Heyne
Auflage: 1 (5. April 2012)
ISBN-13: 978-3899105032
Buchinfo

Leinwandlegenden und das Hakenkreuz: Friedemann Beyer portraitiert fünf maßgebliche Schauspielerinnen der UFA unterm Hakenkreuz : Zarah Leander (die Über-Frau), Olga Tschechowa (die Salondame), Sybille Schmitz (die Fremde), Ilse Werner (die Kesse) und Kristina Söderbaum (die Opferfrau).

Jede für sich verkörperte ein prototypisches Frauenbild im Dritten Reich, das charakteristisch war für das Propaganda-Kino. Diese weiblichen Leitbilder entsprachen der NS-Ideologie (die Opferfrau), waren andererseits aber auch in Hollywood zu dieser Zeit gang und gäbe (die Salondame, »the girl next door«).

Am Beispiel der Filme dieser fünf Schauspielerinnen erklärt Friedemann Beyer anschaulich das jeweilige Rollenbild und stellt es in einen zeitgeschichtlichen Kontext und setzt sich mit der Frage auseinander, warum Schauspielerinnen und Frauenrollen im Film des Dritten Reichs eine viel bedeutsamere Rolle einnahmen als sie ihren männlichen Kollegen zugedacht war.

Ergänzt wird diese überarbeitete Neuausgabe der Erstveröffentlichung von 1991 mit neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen und seltenen Portrait-Aufnahmen der fünf Leinwandstars. Frauenbilder im Kino der NS-Zeit. Aufarbeitung einer versteckten gesellschaftlichen Propaganda. Eine spannende zeitgeschichtliche Studie.

 

Hitlers Hollywood
Das deutsche Kino im Zeitalter der Propaganda 1933-1945
Darsteller: Hans Albers, Heinz Rühmann, Zarah Leander, Ilse Werner, Gustav Gründgens
Regisseur(e): Rüdiger Suchsland
Format: Dolby, PAL
Sprache: Deutsch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Englisch
Region: Region 2
Bildseitenformat: 16:9 – 1.77:1
Anzahl Disks: 1
FSK: Freigegeben ohne Altersbeschränkung
Studio: farbfilm home entertainment / Lighthouse Home Entertainment
Erscheinungstermin: 22. September 2017
Produktionsjahr: 2016
Spieldauer: 101 Minuten
Amazon Video EUR 4,99 — EUR 11,99
DVD EUR 15,49
DVD Info

Über 1000 Spielfilme wurden in den Jahren 1933-1945 in Deutschland hergestellt. Bei den wenigsten handelt es sich um offene Propaganda. Aber noch weniger, der im Nationalsozialismus produzierten Filme, sind harmlose Unterhaltung. Das nationalsozialistische Kino war staatlich gelenkt. Zugleich wollte es ‘großes Kino’ sein. Eine deutsche Traumfabrik.

Hitlers Hollywood erzählt erstmals von der dunkelsten und dramatischsten Periode deutscher Filmgeschichte, und erinnert zum hundertsten Geburtstag der Ufa an diese Filme und ihre Stars: Hans Albers, Heinz Rühmann, Zarah Leander, Ilse Werner, Marianne Hoppe, Gustaf Gründgens und viele mehr.

Die NS-Filme waren nicht nur technisch perfekt gemacht, sie waren emotional, weckten Sehnsüchte, ließen träumen, boten Zuflucht. Das Kino war industriell vorgefertigt und manipulativ. Vielleicht waren die Gefühle, die diese Filme weckten, oft ein Selbstbetrug, falsche Gefühle. Aber es waren eben Gefühle. Nur so ist die Wirkungskraft des NS-Kinos zu erklären.

Millionen gingen seinerzeit ins Kino.
Welche Träume träumten die Deutschen in ihrer ureigenen germanischen Traumfabrik?
Wovon sollten sie träumen, wenn es nach den Machthabern ging?
Wie funktioniert Propaganda?