Pater, ich vergebe Euch!: Missbraucht, aber nicht zerbrochen von Daniel Pittet

Im Alter von acht Jahren wurde Daniel Pittet vier Jahre lang von dem Kapuzinerpater Joël Allaz misshandelt, zu pornografischen Fotos gezwungen und immer wieder vergewaltigt.

In seinem Buch Pater, Ich vergebe Euch! beschreibt Pittet sein Martyrium ungeschönt und in allen Details. Ein Martyrium, das schockiert und das vor allem Fragen aufwirft: Warum hat niemand geholfen? Wie kann ein Erwachsener so etwas einem Kind antun? Und gleichzeitig: Wie kann ein Mensch so etwas überleben?

Pittets Geschichte ist nicht nur eine des unmenschlichen, verzweifelten Leidens, sondern auch die einer unglaublichen Stärke: Trotz allem hat er seinen Glauben nicht verloren und seinem Peiniger sogar vergeben!

Pittet macht deutlich, was Missbrauch wirklich bedeutet und welches Stigma es hinterlässt. Er berichtet von seinem Kampf ums Überleben, um die Anerkennung durch die Kirche sowie von seiner Suche nach einem Leben im Glauben.

„Die Vergebung hat nichts mit der menschlichen Just iz zu tun und auch nicht mit der Entschuldigung, die das Problem verkennt.

Die Vergebung heilt weder die Wunde noch löscht sie das zugefügte Leid aus. Mit dies er Vergebung fühle ich mich nicht mehr an ihn gebunden, ich bin nicht mehr von ihm abhängig.

Ihm zu vergeben, hat es mir ermöglicht, die Ketten zu sprengen, die mich an ihn fesselten und die mich da ran gehindert hätten zu leben.“

Das Buch von Daniel Pittet erschüttert, macht traurig und unheimlich wütend. Historisch einmalig ist sein Vorwort von Papst Franziskus zu Missbrauch in der Kirche.

 

Ende Juni 2017 wurde Joël Allaz, mittlerweile ein mehrfach anerkannter Pädophiler, vom Vatikan offiziell in den Laienstand zurückversetzt. Einblick in das Denken Allaz‘ gibt ein umfassendes, erhellendes und zugleich verstörendes Interview mit ihm im Anhang des Buches.

Daniel Pittets schonungsloser Bericht über das Martyrium des Missbrauchs und die Kraft des Glaubens

 

Pater, ich vergebe Euch!:
Missbraucht, aber nicht zerbrochen
von Daniel Pittet
Gebundene Ausgabe: 224 Seiten
Verlag Herder
(17. August 2017)
ISBN-13: 978-3451379147
Gebundenes Buch EUR 22,00
E-Book EUR 16,99

Verlagsinfo zum Buch
Pater. ich vergebe Euch! von Daniel Pittet

Leseprobe zum Buch
Pater. ich vergebe Euch! von Daniel Pittet

 

Pater. ich vergebe Euch! von Daniel Pittet
bewerte ich wie folgt (maximal 10 Punkte):
Handlung, Thema: 10 Punkte
Schreibstil: 10 Punkte

 

Zitat: Vier Jahre lang wurde Daniel Pittet vom Kapuziner-Priester Pater Joël misshandelt, zu pornografischen Fotos gezwungen und immer wieder vergewaltigt. In seinem Buch beschreibt Pittet sein Martyrium in allen Details. Ein Martyrium, das schockiert und das vor allem Fragen aufwirft.

Warum hat niemand geholfen?

Wie kann ein Mensch so etwas tun?

Mehr noch: Wie kann ein Mann der Kirche so etwas tun?

Und vor allem: Wie kann ein Mensch so etwas überleben?

 

Pittets Geschichte ist die Geschichte eines unmenschlichen Leidens, und zugleich die einer unglaublichen Stärke:

 

Er hat seinen Glauben nicht verloren und seinem Peiniger sogar vergeben. Pittets Buch deckt auf, was Missbrauch wirklich bedeutet. Es erzählt vom Überleben und Weiterleben.

Sein Bericht erschüttert, macht traurig und wütend. Zugleich aber zeigt es einen Mann, der den Weg zurück gefunden hat, indem er vergeben hat und sein Leben auf dieser Vergebung aufbaut.

Daniel Pittet erzählt seine Geschichte schonungslos offen, von seiner Geburt, bei der er bereits gezeichnet war, bis zum Gespräch mit seinem Peiniger Pater Joël Allaz am 12. November 2016.

Dieses Gespräch ist in diesem Buch auf 30 Seiten aufgezeichnet.

An diesem besonderen Tag trifft Pittet den Mann, der ihn vier Jahre lang missbraucht hat. Lange Zeit empfand er Ekel und Furcht, dass etwas in seiner Seele zerbersten könnte, wenn er ihn wiedersehen würde. Doch dann steht ein Mann mit leerem Blick vor ihm.

Er kommt sich im Vergleich riesig vor zu diesem winzigen Mann, so als würde er bei der kleinsten, flüchtigsten Berührung in sich zusammensacken. Pittet weiß, dass viele Menschen nicht verstehen können, weshalb er den Pater nicht hasst. Doch er hat ihm vergeben, damit sein Leben ein Fundament hat, auf dem er aufbauen kann.

Der Skandal um sexuellen Missbrauch in der Kirche hat in den letzten Jahre weite Kreise gezogen und viele Opfer haben den Mut gefunden, an die Öffentlichkeit zu treten. Papst Franziskus hat dazu klar Stellung bezogen und äußert sich dazu im Vorwort des Buches.

Aus dem Inhalt:

Vorwort von Papst Franziskus
Das Chaos meiner Kindheit
Von Familie zu Familie
Der Abstieg in die Hölle
Von Mönchen gerettet
Ich gründe meine eigene Familie
Beten bezeugen
Die Anzeige
Nachwirkungen und Unsicherheiten
“Lieben heißt alles geben”
Ein aufrechter Mann
Pater, ich vergebe Euch
Gespräch mit Pater Joël Allaz

 

Interview mit Daniel Pittet

 

Sie waren selbst Missbrauchsopfer und haben dem Täter verziehen. Wie kommentieren Sie die aktuellen Skandale in der Kirche und die erschreckenden Zahlen, die in Deutschland nun bekannt wurden?

Pittet: Es ist erschreckend, was nun alles zutage tritt, aber es überrascht mich nicht. Die Verbrechen von Pädophilie und sexueller Gewalt in der Kirche sind noch längst nicht aufgeklärt.

Wir werden da in den nächsten Jahren noch viel mehr hören, ich kenne konkrete Fälle. Besonders aus Italien und Polen, aber auch aus Spanien, wird viel bekannt werden.

Auch prominente Kirchenmänner haben Schuld auf sich geladen. Auch was in Afrika und Lateinamerika geschehen ist, muss endlich aufgedeckt werden.

Sie haben sich mit Papst Franziskus getroffen, er lobt ihr Buch. Tut er aber auch genug gegen das Vertuschen von Missbrauch? Unlängst wurde ihm selbst ein zu nachsichtiges Vorgehen vorgeworfen?

Pittet: Mit Papst Franziskus tausche ich mich aus. Er kämpft gegen den Missbrauch und die Vertuschung. Aber mächtige Gegner auch im Vatikan hindern ihn daran, weiter voran zu gehen. Ich denke, dass erschreckend viele Kardinäle in die Machenschaften verstrickt sind.

Ich weiß von einigen Kardinälen, die zurücktreten müssten, sich aber weigern. Eigentlich müsste der Papst Kardinäle und hohen Würdenträger rausschmeißen.

Was bedeutet dieser Skandal für die Kirche?

Pittet: Ich glaube in den nächsten zehn Jahren wird die Kirche massiv schrumpfen und viele Mitglieder verlieren. Die Menschen verlieren den Glauben an Gott, aber dagegen müssen wir angehen.

Ich habe trotz des Schreckens, den ich erlebt habe, um den Glauben gerungen und fühle mich heute getragen durch den Glauben. Die Liebe Gottes ist stärker als das große Unrecht, das auch in der Kirche geschieht.

 

Daniel Pittet, geb. 1959, in der französischen Schweiz, wurde als Kind jahrelang von einem Kapuzinerpater missbraucht. Erst nach Jahren wagte er den Schritt in die Öffentlichkeit und half entscheidend mit, das ganze Ausmaß der Verbrechen des Paters aufzudecken und ihm das Handwerk zu legen.

Heute arbeitet Daniel Pittet in Fribourg als Bibliothekar und ist Familienvater von sechs Kindern. Er ist Herausgeber und Autor zahlreicher Veröffentlichungen und stark engagiert in Kirche und Gesellschaft. Sein Buch “Lieben heißt alles geben” wurden in vielen Sprachen weltweit publiziert und erreichte eine Millionen-Auflage.

 

Pater. ich vergebe Euch! von Daniel Pittet