Oum Kalthoum: Die Diva von Kairo. In den 1920er Jahren verschaffte ihr der Scheich Zakariyya Ahmad erste Engagements in Kairo, wo sie Gesangsunterricht nahm und das Spiel der Oud erlernte. Die 1940er und 1950er Jahre wurden ihr goldenes Zeitalter

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Oum Kalthoum: Die Diva von Kairo. In den 1920er Jahren verschaffte ihr der Scheich Zakariyya Ahmad erste Engagements in Kairo, wo sie Gesangsunterricht nahm und das Spiel der Oud erlernte. Die 1940er und 1950er Jahre wurden ihr goldenes Zeitalter.

Zitat: Ihr Ruhm ist mit dem von Maria Callas vergleichbar: Oum Kulthum, die 1928 als eine der führenden Sängerinnen Kairos galt, hatte die Gabe, ihre Zuhörer mit unglaublichen Improvisationen in Trance zu versetzen. Nach ihrem Tod 1975 wurde sie zum Mythos. Auf einer Reise durch das Ägypten des 20. Jahrhunderts zeichnet der Film ein faszinierendes Porträt.

Oum Kalthoum war eine Diva, wie es in der arabischen Welt keine zweite gibt. Bereits als Kind lernte sie von ihrem Vater, einem strenggläubigen Imam, das Singen. Als dieser ihren Auftritt vor männlichem Publikum nicht mehr mit seinen religiösen Werten vereinbaren konnte, trat sie in Jungenkleidung auf.

In den 1920er Jahren verschaffte ihr der Scheich Zakariyya Ahmad erste Engagements in Kairo, wo sie Gesangsunterricht nahm und das Spiel der Oud erlernte. Die 1940er und 1950er Jahre wurden ihr goldenes Zeitalter. Ihr Tod am 3. Februar 1975 wurde weltweit betrauert und erlangte sogar politische Bedeutung. Oum Kalthoum wurde bereits zu Lebzeiten als Künstlerin vergöttert, und das nicht nur in ihrer Heimat Ägypten. „Über ihr steht nur der Koran“, befand der Journalist Mustafa Amin.

Durch die Kraft ihrer Stimme und ihres Gesangs in arabischer Sprache gelang es ihr, die Grenzen zwischen den Völkern zu überwinden. Vom ägyptischen Straßenkehrer bis zu Präsident Gamal Abdel Nasser, von arabischen Gastarbeitern in Frankreich bis zum Präsidenten Charles de Gaulle, von Maria Callas bis Maurice Chevalier, arabischen Prinzessinnen und Bäuerinnen ebenso wie den Arbeitern bei Renault – sie vermittelte allen, die ihr zuhörten, mit der ihr eigenen Mischung aus Anmut und Leidenschaft ein Gefühl der Zusammengehörigkeit und des Stolzes.

Ihr Gesang von Gott, Liebe und Heimat war der Kitt für die nationale Einheit des ägyptischen Volkes. Oum Kalthoum war eine Pionierin, die sich als Frau und Künstlerin in der orientalischen Welt durchsetzte und deren unvergessliche Stimme so auch im Westen gehört wird.

ARTE TV: Kultur und Pop
Kunst / Die Diva von Kairo, Oum Kalthoum
Ausstrahlung: Mittwoch, 27. Dezember um 00:10 Uhr

Besetzung und Stab
Regie: Xavier Villetard
Land: Frankreich
Jahr: 2016
Herkunft: ARTE F

Ein interessanter Kommentar zum ARTE-Film:
Danke, allerdings hatten Sie vor Jahren einen besseren Bericht ausgestrahlt. Mit Bedauern stelle ich fest, daß die besondere Note der Lieder in der deutschen Übersetzung untergegangen sind.
Beispiel: Bei ca. 43:12 wird übersetzt:
„Was meine Augen sahen, bevor sie dich erblickten“
„War gänzlich ohne Wert“ (aaaaah, da könnte ich in den Tisch
reinbeißen!“ Und weiter: „Wie konnten sie sich nur damit zufrieden geben?“(!!!)
Korrekt (ich, als ältere Ägypterin, weiß das) ist:
„Was ich gesehen habe, bevor dich meine Augen sahen, ist
eine verlorene Lebenszeit;
wie konnte man sie meinem Leben anrechnen”.
Der Anblick des Puppentheaters schmerzt. Muß das sein?
P.S.: Die Trauer um den Tod der Diva war echt, nicht um den Tod Nassers. Aber, das ist ein anderes Kapitel. Zitatende

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  Umm Kulthum (* zwischen 1898 und 1910, vermutlich am 4. Mai 1904 in Tammai az-Zahaira; † 3. Februar 1975 in Kairo; arabisch Umm Kulṯūm, Ägyptisch-Arabisch ʾUmm Kalsūm, Alternativschreibweisen unter anderem Oum bzw. Om Kalsoum und Umm Kultum; eigentlich ʾUmm Kulṯūm Fātima ʾIbrāhīm as-Sayyid al-Baltaǧī) war eine ägyptische Sängerin und Musikerin.

Ihr Ruhm in der arabischen Welt ist mit dem von Maria Callas und den Beatles in der westlichen Welt vergleichbar. Sie war eine enge Freundin und Unterstützerin des Offiziers und späteren Präsidenten Gamal Abdel Nasser seit ihrer Kindheit.

Lange Jahre beschränkte sich diese „Karriere“ auf ihre Heimatregion. 1920 jedoch begegnete sie Scheich Zakariyya Ahmad, dem sie vorsang; er sagte, er „konnte seitdem ihre Stimme nicht mehr vergessen“; er verschaffte ihr Engagements in Kairo und versuchte sie dorthin zu holen. Diesem Ansinnen widersetzte sich ihre Familie jedoch.

Ahmad und Umm Kulthum begegneten sich wieder und er komponierte für sie. Später zerstritten sich beide wegen der Tantiemen für die Kompositionen und Ahmad verklagte Umm Kulthum deshalb, ihre Freundschaft zerbrach daraufhin.

1923 begegnete sie zufällig dem von ihr bewunderten Scheich Abu l-Ila, seinerzeit der „führende religiöse Sänger in Ägypten und der Hauptvertreter der klassischen islamischen Gesangstradition“, Abu l-Ila unterrichtete sie und lehrte sie vor allem „wie man die Bedeutung der Worte in Tönen ausdrückte“. Er regte erneut an, dass sie nach Kairo zöge, da nur dort ihr Talent angemessen wachsen könne. Nach schwerem Streit mit ihrem Vater gab dieser endlich nach, gemeinsam mit ihrem Vater und ihrem Bruder zog sie nach Kairo.

Ihr ländlicher und konservativer Gesangsstil galt in Kairo als veraltet und überholt, ihrer Stimme wie auch ihrer Erscheinung fehlte Schliff. Mit finanzieller Unterstützung durch ihren Vater nahm sie Gesangsunterricht, lernte das Spiel der Ud, erneuerte ihr Repertoire und nahm spätestens 1924/1925 erstmals auf. 1928 galt sie bereits als eine der führenden Sängerinnen der Stadt.

Im Mai 1934 weihte Umm Kulthum den ersten ägyptischen Rundfunksender Radio Cairo ein.

Internationale Karriere der Umm Kulthum

1932 führte sie ihre erste internationale Tournee unter anderem nach Damaskus, Bagdad, Beirut und Tripolis, 1935 begann sie eine vorübergehende Filmkarriere. Die 1940er und 1950er Jahre gelten gemeinhin als das „Goldene Zeitalter“ ihres Gesangs, zugleich gelang es ihr in dieser Zeit, die vollständige künstlerische Kontrolle über ihre Karriere zu erlangen und wichtige Funktionen im Musikgeschäft zu übernehmen.

Über die Jahrzehnte führte Umm Kulthum ihre Karriere erfolgreich weiter fort, ihr Ruhm wuchs dabei kontinuierlich, und sie wurde allmählich zu einem nationalen Symbol. Nach der ägyptischen Niederlage im Sechstagekrieg unternahm sie eine Tournee durch viele arabische Länder und trat zweimal im Olympia in Paris auf, ihre einzigen Auftritte im Westen während ihrer ganzen Karriere.

Die Einnahmen dieser Tournee spendete sie dem Wiederaufbau der ägyptischen Armee. Nach einer fast sechzigjährigen Bühnenkarriere und vielen Hunderten von Aufnahmen starb sie 1975 an einer Nephritis, nachdem sie bereits seit den 1930er Jahren ähnliche gesundheitliche Probleme, zum Beispiel mit Leber und Galle, hatte.

Bei ihrer Beerdigung versammelten sich mehrere Millionen Trauernde in den Straßen Kairos, der Sarg mit ihrem Leichnam wurde den eigentlichen Trägern abgenommen und über drei Stunden in zahlreichen Windungen durch die dichtgedrängten Straßen Kairos gereicht.

Literatur

Gabriele Braune: Umm Kultūm: Ein Zeitalter der Musik in Ägypten. Die moderne ägyptische Musik des 20. Jahrhunderts. Lang, Frankfurt 1994, ISBN 3-631-47145-9.
Virginia Danielson: The Voice of Egypt – Umm Kulthūm, Arabic Song, and Egyptian Society in the Twentieth Century. University Press, Chicago 1997, ISBN 0-226-13611-6.
Stefanie Gsell: Umm Kulthum – Persönlichkeit und Faszination der ägyptischen Sängerin. Lang, Frankfurt 1994, ISBN 3-631-47145-9.

Film

Die Diva von Kairo, Oum Kalthoum. (OT: Oum Kalthoum, la voix du claire.) Dokumentarfilm, Frankreich, 2017, 52:19 Min., Buch und Regie: Xavier Villetard, Produktion: Illégitime Défense, arte France, Erstsendung: 21. Juni 2017 bei arte, Inhaltsangabe von ARD, unter anderem mit Robert Solé, Musikerkollegen und Verwandten.
Looking for Oum Kulthum, Spielfilm, Deutschland/Österreich/Italien/Marokko, 2017, Regie: Shirin Neshat, Drehbuch: Shirin Neshat und Shoja Azari, Premiere im Rahmen der 74. Filmfestspiele von Venedig

Webseite: Fanseite (englisch)
Umm Kulthum Museum auf der Nilinsel Roda mit zahlreichen Gegenständen, Bildern, Original-Garderobe von Oum Kalthoum (englisch)
Umm Kalthoum: Tour Egypt, Biografie mit Fotos (englisch)

 

 

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Oum Kalthoum ” Alf Lila wa Lila” (YouTube Video) 6:09 min.