Mythos Sisi – Sissi. Schön war sie. Glücklich nie: Mit 15 Jahren heiratet die bayerische Prinzessin Elisabeth, genannt Sisi, ihren Cousin, den österreichischen Kaiser. Was steckt hinter dem Mythos Sisi

ZDF-History: Mythos Sisi
Film von Oliver Hamburger

Zitat: Schön war sie. Glücklich nie: Mit 15 Jahren heiratet die bayerische Prinzessin Elisabeth, genannt Sisi, ihren Cousin, den österreichischen Kaiser. Doch sie fühlt sich am Wiener Hof gefangen, verliert zwei ihrer Kinder. Rastlos reist sie durch die Welt. Sie ist eine Getriebene ihrer eigenen Zweifel – exzentrisch, hart zu ihren Mitmenschen und zu sich selbst, bis sie bei einem Attentat ums Leben kommt.

Doch sie ist auch die Frau, die um ihren Sohn kämpft, sich für die österreichische “Nebenmonarchie” Ungarn einsetzt und sich gegen das Kaisertum und den Wiener Hofstaat stellt. Wer war diese Frau, deren Faszination noch immer ungebrochen ist und die nicht zuletzt mit der Filmtrilogie “Sissi” zur Legende wurde? Was steckt hinter dem Mythos “Sisi”?

Phoenix Sendetermine
Samstag, 30.12.17, 21.00 Uhr
Sonntag, 31.12.17, 08.15 Uhr

 

Elisabeth von Österreich-Ungarn

 

Elisabeth Amalie Eugenie, Herzogin in Bayern (auch Sisi genannt, seit den Ernst-Marischka-Filmen auch als Sissi bekannt; * 24. Dezember 1837 in München, Königreich Bayern; † 10. September 1898 in Genf) war eine Prinzessin aus der herzoglichen Nebenlinie Pfalz-Zweibrücken-Birkenfeld-Gelnhausen des Hauses Wittelsbach, durch ihre Heirat mit ihrem Cousin Franz Joseph I. ab 1854 Kaiserin von Österreich und Apostolische Königin von Ungarn.

 

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Schönheitskult der Kaiserin

Männer und Frauen ihrer Zeit schwärmten von der Schönheit Elisabeths, waren aber ebenso angezogen von ihrer Anmut, Ausstrahlung und der geheimnisvollen Aura, die die Kaiserin umgab. Elisabeth galt als eine der schönsten Frauen ihrer Zeit und war sich dessen durchaus bewusst. Ihre Schönheitspflege nahm einen Großteil ihres Tagesablaufes ein.

Besonders stolz war Elisabeth auf ihr dichtes Haar. Ihrer Zeit voraus verfolgte sie einen regelrechten Körperkult, trieb viel Sport und achtete sehr auf ihre Figur. Durch strenge Diäten und enge Korsetts brachte sie ihre Wespentaille (46 cm) in Form und wurde zu einer modischen Ikone. Im Gegensatz zu anderen Frauen ihrer Zeit lehnte Elisabeth starke Schminke oder Parfum strikt ab. Sie legte großen Wert auf Natürlichkeit. Nur ihre Haarpracht wurde mit Duftessenzen besprüht.

Haarkult

Die Meisterin, die das kaiserliche Haar betreute, hieß Fanny (Franziska) Angerer (verh. Feifalik, später Hofrätin) und war Friseurin am Wiener Burgtheater. Dort waren der Kaiserin die phantasievollen Frisuren der Schauspielerinnen aufgefallen, und sie hatte die Friseurin kurzerhand abgeworben. Fanny Angerer war auch die Schöpferin der „Steckbrieffrisur“, die in der Familie der Kaiserin unter ihren Schwestern und an anderen europäischen Höfen kopiert wurde.

Das Waschen der Haare dauerte meist einen ganzen Tag und geschah etwa alle drei Wochen mit immer neuen Essenzen (bevorzugt Cognac und Ei). Elisabeth konnte jähzornig werden, wenn ihre Friseurin ihr einen Kamm mit ausgefallenen Haaren zeigte. Diese Haare wurden dann mit List an der Innenseite des Rockes der Friseurin mit Hilfe von Klebemittel versteckt.

Sisi benutzte die Haarkünstlerin auch als Doppelgängerin, was allerdings nur im Ausland möglich war, wo man sie weniger gut kannte.

Elisabeth erhielt anlässlich ihrer Hochzeit Diamantsterne als Haarschmuck, die sie einzeln oder als Diadem zusammengesteckt tragen konnte. Die Sterne hatten acht oder zehn Zacken und waren etwa 3,5 cm groß, gewölbt und üppig mit großen Diamanten besetzt, einige mit Perlen. Sie wurden in verschiedenen Schmuck- und Juwelierateliers hergestellt, unter anderem vom Hofjuwelier Alexander Emanuel Köchert. Das auf dem Porträt von Winterhalter abgebildete Set bestand aus insgesamt 27 Sternen.

Ein zehnzackiger Stern mit einer Mabé-Perle in der Mitte wurde 1998 von Gerald Blanchard gestohlen und tauchte 2007 nach der Festnahme des Meisterdiebs in Kanada wieder auf. 2008 kam er zurück nach Wien und ist seit 2010 als ständiges Exponat im Sisi-Museum zu sehen.

Zahnpflege

Elisabeth muss große Geldsummen für die Erhaltung und Pflege ihrer Zähne ausgegeben haben. Der Zahnarzt Raimund Günther (1833−1913) war ab 1867 Hofzahnarzt und wurde 1890 zum Edlen von Kronmyrth geadelt. Er besuchte die Kaiserin von Österreich in regelmäßigen Abständen. Einige seiner Rechnungen sind im Österreichischen Staatsarchiv erhalten. Ebenso behandelte er Sisis jüngste Tochter Erzherzogin Marie Valerie. Die Kaiserin bezog von Raimund Günther diverse Produkte zur Zahnpflege und Zahnreinigung, wie Zahnbürsten und Zahnpulver.

Ebenso ließ sie sich vier Jahre lang vom US-amerikanischen Prominentenzahnarzt Levi Spear Burridge (1829–1887) behandeln, wie auch durch den Hofzahnarzt Otto Zsigmondy (1829–1899). Es grassierte zwar das Gerücht, die Kaiserin trüge eine Zahnprothese, jedoch findet sich in ihrem Obduktionsbericht vom 11. September 1898 der Eintrag Bonne dentition (franz.: Gutes Gebiss), der dies widerlegt.

 

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Filme

Der erste Sisi-Film war ein Stummfilm (Kaiserin Elisabeth von Österreich). Er wurde 1920 von Regisseur Rolf Raffé an Originalschauplätzen gedreht. Hauptdarstellerin war Carla Nelsen. Am Drehbuch sowie bei der Erwirkung der Drehgenehmigungen war auch Gräfin Marie Louise von Larisch-Wallersee beteiligt, die damals bereits 62 Jahre alt war, aber gleichwohl ihre eigene Rolle spielte, obwohl die Darstellerin ihrer Tante Elisabeth im Film entsprechend den historischen Tatsachen erst 23 Jahre alt war.

Ein Szenenfoto aus diesem Film – Elisabeth auf dem Totenbett – wurde jahrzehntelang von der Österreichischen Staatsdruckerei als Ansichtskarte vervielfältigt und verkauft und vom Porträtarchiv der Nationalbibliothek als Original für Biographien weitergegeben. Erst 1979 deckte die Autorin Brigitte Sokop (Jene Gräfin Larisch … Vertraute der Kaiserin – Verfemte nach Mayerling. Böhlau 1985, 4. Aufl. 2006) diesen Irrtum auf.

1931 erschien der Film Elisabeth von Österreich mit Lil Dagover in der Titelrolle. In anderen frühen Filmen der 1920er und 1930er Jahre war Elisabeth aber meist eine Nebenfigur, als Frau von Kaiser Franz Joseph oder als Mutter von Kronprinz Rudolf.

Mit Hubert und Ernst Marischkas Singspiel Sissi (Musik von Fritz Kreisler) von 1932 wurde das Leben der Kaiserin in den Mittelpunkt der Erzählung gestellt. Eine Sissi dieser Art war Paula Wessely.

Die erste filmische Bearbeitung des Singspiels übernahm Josef von Sternberg, der Regie bei dem Streifen The King Steps Out von 1936 führte. Die populäre Opernsängerin Grace Moore spielte die Hauptrolle der Cissy. Der Film war leidlich erfolgreich, blieb jedoch bis zur Trilogie aus den 1950ern eher die Ausnahme, da er die Kaiserin als jung und lebenslustig darstellte.

Jean Cocteau nahm sich der dunklen Seiten ihres Charakters in seinem Stück L’Aigle aux deux Têtes (dt. Der Doppeladler) an. Als Ende der 1940er Jahre Pläne zur Verfilmung anstanden, war Greta Garbo für die Hauptrolle vorgesehen. Die Produktion war schon relativ weit fortgeschritten, als am Ende das Geld ausging.

Im deutschsprachigen Raum ist das Bild der Kaiserin Elisabeth geprägt durch die Filme der Sissi-Trilogie mit Romy Schneider in der Hauptrolle, 1955, 1956 und 1957. Ein Zusammenschnitt aller drei Filme wurde unter dem Titel Forever My Love 1962 in den englischsprachigen Verleih gebracht, die Resonanz war insgesamt verhalten.

Als einzige kongeniale Freundin des Märchenkönigs Ludwig II. wurde Elisabeth 1955 durch die Schauspielerin Ruth Leuwerik in Helmut Käutners Monumentalfilm Ludwig II. – Glanz und Ende eines Königs dargestellt. Ebenfalls im Jahr 1955 war in einer Nebenrolle des Films Königswalzer in Gestalt von Linda Geiser eine noch unverheiratete Sisi zu sehen.

1972 trat Romy Schneider noch einmal als Kaiserin Elisabeth in Ludwig II. von Luchino Visconti auf. Dort entwirft sie das realistischere Bild einer kapriziösen, distanzierten Elisabeth, die mit der „Sissi“ aus den 1950er Jahren nichts mehr gemein hatte.

Etwas am Rande trat Elisabeth in mehreren Filmen auf, die das Schicksal ihres Sohnes Kronprinz Rudolf in den Mittelpunkt stellten. In dem Film Mayerling von 1936 wurde sie von Gabrielle Dorziat verkörpert, in dem gleichnamigen Film von 1968 von Ava Gardner. In Kronprinz Rudolfs letzte Liebe von 1956 spielte wieder Lil Dagover die vergrämte Kaiserin, in der gleichnamigen Fernsehproduktion (auch Kronprinz Rudolf) von 2006 Sandra Ceccarelli.

Eine etwas ungewohnte Sisi zeigten die Filme Sissy – Beuteljahre einer Kaiserin von Walter Bockmayer aus dem Jahre 1989 und die Filmsatire Sisi und der Kaiserkuß aus dem Jahre 1991, wo Vanessa Wagner ihre Rolle übernahm.

1998 wurde die Serie Sissy – Die Prinzessin erstmals im deutschen Fernsehen ausgestrahlt. Sie zeigt die Geschichte der Sisi auf eine stark veränderte Weise, für Kinder aufbereitet und mit Happy End.

2009 drehte der österreichische Regisseur Xaver Schwarzenberger einen neuen Film mit dem Titel Sisi mit Cristiana Capotondi in der Titelrolle. 2012 kam der Film Sisi – und ich erzähle euch die Wahrheit in die Kinos.

Dokumentarfilm

Der Dokumentarfilm Sisi – Mythos einer Märchenprinzessin wurde 2008 von Luise Wagner-Roos gedreht und Ende 2008 im Rahmen der ZDF-Fernsehserie Terra X ausgestrahlt. Mia Florentine Weiss stellte in Spielszenen die Sisi dar.

Operette

Am 23. Dezember 1932 wurde am Theater an der Wien in Wien die singspielhafte Operette Sissy von Fritz Kreisler nach einem Libretto der Brüder Ernst und Hubert Marischka uraufgeführt.

Musical

Seit 1992 wurde das Musical Elisabeth von Michael Kunze und Sylvester Levay unter der Regie von Harry Kupfer in Wien (Theater an der Wien) und anderen europäischen Städten sowie in Japan und Korea aufgeführt.

2012 feiert das Musical sein 20-jähriges Bühnenjubiläum. Ab 5. September 2012 brachten die Vereinigten Bühnen Wien die Originalproduktion in einer Jubiläumsfassung im Wiener Raimundtheater auf die Bühne.

2008 wurde Sissi. Das Musical von George Amade (Musik) und Jean Müller (Text) in Nanjing uraufgeführt. Die Europapremiere folgte 2012 im Kleinen Festspielhaus in Salzburg.

Belletristik

Nicole Avril: Sissi, das legendäre Leben einer Kaiserin. ein Roman („L’impératrice“). Droemer Knaur, München 1998, ISBN 3-426-77369-4.
Marie G. Cristen: Sisi – Ein Traum von Liebe. Roman. Knaur, München 2004, ISBN 3-426-62770-1.
Gaby Schuster: Sissi. Eine Prinzessin für den Kaiser. Edition Omnibus, München 2002
Bd. 1 – Sissi, Kaiserin für Österreich. 2002, ISBN 3-570-20908-3.
Bd. 2 – Sissi, im Dienst der Krone. 2002, ISBN 3-570-20909-1.
Bd. 3 – Sissi, Schicksal einer Kaiserin. 2002, ISBN 3-570-20910-5.
Klara Tschudi: Kaiserin Elisabeth von Österreich und Königin von Ungarn. Reclam, Leipzig 1927.
Wikipedia: Elisabeth von Österreich-Ungarn

 

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