28. November 2021

Mikhal Dekel: Die Kinder von Teheran. Eine lange Flucht vor dem Holocaust. Mit einem Nachwort von Aleida Assmann. „Tehran Children“: die stellvertretende Lebensgeschichte eines jüdischen Flüchtlingskindes

1939

Flucht jüdisch-polnischer Kinder durch Zentralasien und den Nahen Osten

Und obwohl ich es noch nicht wusste, (…) war der Iran des Jahres 1942 der Ort gewesen, wo und als mein Vater aufhörte, ein „polnischer Jude“ zu sein, und stattdessen begann, eine neue, jüdisch-israelische Identität anzunehmen – die einzige, die ich kennengelernt hatte. Mikhal Dekel

Mikhal Dekel
»Die Kinder von Teheran. Eine lange Flucht vor dem Holocaust«
Mit einem Nachwort von Aleida Assmann
Aus dem Englischen von Tobias Gabel
wbg Theiss
464 Seiten
28. April 2021
ISBN: 978-3-8062-4278-2
Gebundenes Buch 28,00 €
E-Book 22,99 €

zur Verlagsinfo & Leseprobe
Die Kinder von Teheran
von Mikhal Dekel

1939: Flucht jüdisch-polnischer Kinder durch Zentralasien und den Nahen Osten: „Die Kinder von Teheran“ von Mikhal Dekel, neu bei wbg Theiss

Teheran Children‹ – so nannte man die jüdischen Kinder, die aus dem von den Nazis besetzten Polen über Russland, Usbekistan und Kasachstan in den Iran flohen und schließlich das von Großbritannien kontrollierte Palästina erreichten.

Zu diesen Kindern gehörten auch der Vater, die Cousine und die Tante der Autorin Mikhal Dekel, die in »Die Kinder von Teheran.

Eine lange Flucht vor dem Holocaust« der rund 13.000 Meilen langen Flucht ihres Vaters, des kleinen Jungen aus Polen, nachspürt.

Mikhal Dekel hat sich auf die Spuren der Fluchtroute der ›Teheran Children‹ begeben: Nach Ostrów Mazowiecka, dem Geburtsort ihres Vaters, in die ehemals sowjetischen Grenzstädte, dann weiter nach Usbekistan, wo er an Bord eines Schiffes mit Ziel Iran gegangen war, bevor er nach Indien und schließlich in das britische Mandatsgebiet Palästina kam.

Weit über eine Millionen polnische Juden flohen 1939 Richtung Osten durch die Sowjetunion und fanden Zuflucht in muslimischen Ländern.

Ein Aspekt der Judenverfolgung, der bisher noch nie vollständig erzählt wurde.

Mikhal Dekels großartiges Epos dieser Flucht-Odyssee von Osteuropa über die Sowjetunion, Zentralasien, Iran und Indien nach Palästina ist nicht nur ein historisches Buch.

Es zeigt für heutige Leser auch schonungslos auf, was sich heute in der Türkei und auf griechischen Inseln vor der Haustür Europas abspielt und was wir den Menschen schulden, die ihren staatlichen Schutz verloren haben.

Aller Rechte beraubt sind sie auf ihre nackte Existenz reduziert, bis sie ein Land finden, das ihnen den Schutz und die Rechte gewährt, die die Grundlage für jede menschliche Existenz bilden.

Das Entscheidende dabei ist der Perspektivenwechsel, zu dem uns die Autorin verhilft. Wir schauen nicht auf die Flüchtlinge, sondern sehen die Welt mit ihren Augen. Aleida Assmann

Mikhal Dekels Vater entkam den Nazis in Polen und überlebte den 2. Weltkrieg – doch die Konsequenzen seiner Kindheit blieben stets gegenwärtig. Gerade der Aspekt des Vergessen-Wollens beeinflusste die folgenden Generationen nachhaltig. Die Autorin hat sich in Archiven und in Gesprächen mit Zeitzeugen auf Spurensuche begeben.

Schicht für Schicht legt sie ihre Familiengeschichte frei. So entstand eine einfühlsame Erzählung über Nächstenliebe, den Einfallsreichtum der jüdischen Hilfsorganisationen und über die Schrecken des 2. Weltkriegs. Ein Buch über den Holocaust, in dessen Mittelpunkt nicht das Konzentrationslager, sondern der Flüchtling steht, und dessen Schauplatz nicht Europa, sondern Zentralasien und der Nahe Osten ist!