Loriots Ödipussi. Spielfilmdebüt von und mit Vicco von Bülow und Evelyn Hamann. Begleitmaterial zum Spielfilm im hr Fernsehen

“Loriots Ödipussi” ist das hinreißend komische Spielfilmdebüt von und mit Vicco von Bülow an der Seite der kongenialen Evelyn Hamann

Der 56-jährige Junggeselle Paul Winkelmann, Chef eines Möbel- und Dekorationsgeschäfts, lebt trotz eigener Wohnung noch bei seiner gebieterischen Mutter. Sie verwöhnt den Sohnemann mit Kartoffelbrei und bügelt ihm die Hemden.

 

Irgendwann lernt Paul jedoch die Therapeutin Margarethe Tietze kennen, mit der zusammen er hinter dem Rücken der Mutter prompt eine Geschäftsreise nach Italien unternimmt.

 

Als die eifersüchtige Mama erfährt, dass es in “Pussis” Leben eine andere Frau gibt, hat Paul ein Problem.

 

“Loriots Ödipussi” ist das hinreißend komische Spielfilmdebüt von und mit Vicco von Bülow an der Seite der kongenialen Evelyn Hamann.

 

Loriots Ödipussi
Spielfilm, Bundesrepublik Deutschland 1987
hr-fernsehen, Sendetermine
Samstag, 31.03.18, 20:15 Uhr
Sonntag, 01.04.18, 11:35 Uhr

 

Loriots Ödipussi

 

Ödipussi ist eine deutsche Filmkomödie aus dem Jahr 1988 von und mit Loriot – der erste von zwei Spielfilmen, in denen er selbst Regie führte. Der Titel Ödipussi ist ein Wortspiel auf den von Freud beschriebenen Ödipuskomplex und den Kosenamen „Pussi“, der dem Protagonisten von seiner Mutter im Film gegeben wird.

 

Handlung
Loriots Ödipussi

 

Den Rahmen bildet eine sich anbahnende Liebesbeziehung zwischen Paul Winkelmann (56), Geschäftsführer des Stoff- und Möbelgeschäftes „Winkelmann und Sohn“, das dieser nach dem Tod seines Vaters vor acht Jahren übernommen hat, und der Diplom-Psychologin Margarethe Tietze (40).

 

Beide sind offenbar äußerst ungeübt im Umgang mit dem anderen Geschlecht.

 

Der tapsige Paul steht noch immer unter der strengen Obhut seiner 78-jährigen resoluten Mutter Louise, die ihn umsorgt wie ein Kind und nicht verstehen kann, warum sich ihr Sohn eine eigene Wohnung genommen hat. Nebenher betätigt er sich in einem politischen Verein, der aus gerade mal sieben Mitgliedern (der gesetzlichen Mindestzahl) besteht, die daran arbeiten, die Themen „Umwelt“ und „Frau“ in den Karnevalsgedanken zu integrieren.

Im Vergleich zu Paul, dessen Mutter einen großbürgerlichen Lebensstil pflegt, kommt Margarethe aus bescheideneren Verhältnissen; ihr Vater hat seinerzeit als Verwaltungsbeamter die städtische Müllabfuhr organisiert. Sie hat aber ebenfalls ein problembehaftetes Verhältnis zu ihren Eltern.

In ihrer biederen Wohnung betreibt sie eine psychotherapeutische Praxis, deren Patienten ihre Mutter abfällig als „Bekloppte“ bezeichnet. In ihrer Freizeit tanzt sie in einer Amateurtanzgruppe, die unter anderem für die Betriebsfeier der Firma Kunststoff-Meier eine Revue einstudiert.

Das erste Kennenlernen der beiden ist noch rein geschäftlicher Natur; Margarethe will die Stühle in ihrer Praxis neu beziehen lassen. Bei der Begutachtung derselben durch Paul erzählt Margarethe, wie sie Eheleuten mit „gewissen zwischenmenschlichen Schwierigkeiten“ durch den Einsatz neuer Möbelstoffe und Farben zu mehr Harmonie verhelfen möchte.

Paul wittert ein Geschäft und begleitet sie am nächsten Tag zu einem Rentnerehepaar, das in einer düsteren Atmosphäre lebt und durch frische Farben zu neuer Lebensfreude finden soll. Doch Paul stellt als Dekorationsstoff für das Sofa ausgerechnet eine Kollektion in Grau vor.

Trotzdem gelingt es ihm, Margarethe zu einer Tasse Tee und einem Hefezopf in seine Wohnung einzuladen. Beiden scheint das Treffen etwas zu bedeuten; Paul besorgt kurzfristig einen Elektrokamin für seine Wohnung, und Margarethe lässt sich beim Friseur zu einer moderneren Frisur überreden, nämlich jener des Friseurs selbst.

Bei ihrem Treffen werden die beiden telefonisch von Mutter Winkelmann unterbrochen, die ihrem Sohn vom Café aus Zubereitungstipps für den Hefezopf gibt. Sie nimmt an, er habe Vertreter zu Besuch. Als Paul dies später richtigstellt und ihr zudem eröffnet, dass er Margarethe sogar eingeladen habe, ihn auf eine Geschäftsreise nach Mailand zu begleiten, reagiert sie empört.

Schließlich fahren Paul und Margarethe doch gemeinsam nach Mailand. Als Paul beim Stoffgroßhändler (wo er die fehlende Frische in den diesjährigen Kollektionen beklagt und besorgt ist, dass alleinstehende Frauen sich in violetten Sitzgruppen umbringen könnten) angekommen ist, schickt er Margarethe in ein „nettes kleines Café“, in dem er ab und an weile. Dort wird sie von drei Italienern dazu angehalten, ein Hühnerei auf einem Teelöffel zu balancieren und von Paul dabei überrascht.

Bei der Ankunft im Hotel kommt es zu einem Missverständnis. Paul hat ein einfaches Hotel gebucht, Margarethe aber denkt, dass sie in dem Nobelhotel gegenüber untergebracht seien.

Bereitwillig bucht Paul dort ein Zimmer mit Bad für Margarethe sowie eins mit Dusche für sich und reserviert einen Tisch im Hotelrestaurant, obwohl er durch die Blume angedeutet hat, dass eine Pizzeria auch ganz gemütlich wäre.

Beim Abendessen im Restaurant, bei dem französische Gerichte mit unaussprechlichen Namen und kleinen Portionen serviert werden (Paul: „Das sieht sehr übersichtlich aus“), erzählen die beiden voneinander. Nachts kann Paul nicht einschlafen, da sich im Hausflur ein älterer Herr lautstark mit einer wesentlich jüngeren Frau vergnügt.

Am nächsten Morgen will Paul Margarethe eine Freude machen und schreibt auf ein Blatt „Guten Morgen“. Er schiebt es jedoch unter der falschen Tür hindurch und gerät an Mafiosi. Als diese Paul unsanft wieder auf den Korridor befördern, tritt Margarethe aus dem Nachbarzimmer.

Später, bei einem Spaziergang im Park, prahlt Paul damit, wie er sich der Situation gestellt habe. Margarethe sucht im Gespräch Zugang zu Paul, doch verstricken sich beide in psychologische Plattitüden und werden zudem durch einen Hund abgelenkt, der auf den Vorderbeinen durch den Park spaziert.

Als Paul wieder zu Hause ist, möchte er „Mama“ mit Blumen überraschen. Verstört findet er im Bett seines alten Kinderzimmers einen fremden Mann vor. Pauls Mutter stellt ihn als ihren neuen Untermieter, Herrn Weber, vor.

Als Paul dann noch erfährt, dass seine Hemden nun von Herrn Weber gebügelt werden, der außerdem Pauls Mutter beim Singen von Kunstliedern am Klavier begleitet und von ihr Püree aufgebraten bekommt, reicht es ihm. Paul besucht Margarethe bei ihrer Revue und klagt ihr sein Leid.

Er verwirrt sie so sehr, dass sie mitten in der Vorstellung einen peinlichen Versprecher hat („Meine Schwester heißt Polyester, die lutscht nun schon bald neun Jahre immer dasselbe gelbe Plastikpüree“).

Nachmittags ist Paul dann bei Tietzes zu Gast. Die Atmosphäre ist äußerst steif, unterbrochen durch Frau Tietzes Sticheleien und die Ordnungsbesessenheit von Vater Tietze. Trotzdem schlägt Paul ein Treffen beider Parteien in Mutter Winkelmanns Haus vor.

Auch dort will keine gute Stimmung aufkommen; die Situation kulminiert schließlich, als Mutter Winkelmann unter Klavierbegleitung von Herrn Weber ein Kunstlied von Brahms zu Gehör bringt, jedoch – bis auf Paul und auch Margarethe – keiner zuhört. Die Situation schaukelt sich hoch und Mutter Winkelmann fordert die Familie Tietze auf, ihr Haus zu verlassen.

 

Der Film endet mit einer Autofahrt, mit Paul und Margarethe auf der Rückbank und Mutter Winkelmann am Steuer.

 

Als die beiden Anstalten machen, einander zu küssen, unterbricht sie Mutter Winkelmann mit einem strengen „Pussi!“, worauf Paul ihr den Hut übers Gesicht zieht. Sie kommen von der Straße ab.

Aus der Vogelperspektive ist schließlich zu sehen, wie der Wagen über Feld und Wiesen fährt und sogar ein Waldstück durchquert, aus dem er aber heil wieder herauskommt.

 

Interessantes zu
Loriots Ödipussi

 

Ödipussi wurde zwischen dem 14. September und dem 20. November 1987 in Berlin, Mailand, Genua (Hotel Columbia, in Betrieb von 1929 bis 1989, heute Universitätsbibliothek der Universität Genua), S. Margherita Ligure, Portofino (Hotel Imperiale) und München (Bavaria Ateliers) gedreht.

Premiere hatte der Film am 9. März 1988 um 17 Uhr im Kosmos-Kino in Ost-Berlin und um 20 Uhr im Gloria-Palast in West-Berlin. Bei beiden Veranstaltungen war von Bülow zugegen.

Loriots Bücher waren in der DDR gedruckt worden und er, der aus Brandenburg stammte, hatte mit Hamann in Ostdeutschland eine Reihe von Lesungen gehalten. Es war die einzige Uraufführung dieser Art im geteilten Deutschland.

Die Erstausstrahlung im deutschen Fernsehen war am 30. September 1990 um 20.20 Uhr in der ARD. Als DVD wird der Film von Warner Home Video vertrieben.

 

Besetzung
Loriots Ödipussi

 

Loriot: Paul Winkelmann
Evelyn Hamann: Margarethe Tietze
Katharina Brauren: Mutter Louise Winkelmann
Edda Seippel: Mutter Gerda Tietze
Richard Lauffen: Vater Kurt Tietze
Klaus Schultz: Herr Weber
Walter Hoor: Choreograph Rudi Romanowski
Rosemarie Fendel: Frau Westphal
Heinz Meier: Herr Müller
Hans-Günter Martens: Dr. Schnoor
Erich Schwarz: Ober im Vereinslokal
Udo Thomer: Herr Meier-Grabenhorst
Joerg Adae: Herr Kempe
Eberhard Fechner: Herr Dr. Giesebrecht
Dagmar Biener: Frau Mengelberg
Rose Renée Roth: Tante Mechthild
Agi Prandhoff: Frau Grothe
Charlotte Asendorf: Frau Melzer
Nikolaus Schilling: Herr Melzer
April de Luca: Fräulein Hagebusch

 

Amazon Katalog
DVD & Blu-ray: Ödipussi

Amazon Katalog
alle Kategorien: Ödipussi