26. Oktober 2021

Klub 27, auch Club 27 oder 27 Club, wird in uneinheitlicher Abgrenzung eine Reihe von bekannten Musikern bezeichnet, die im Alter von 27 Jahren starben

Klub 27

Als Klub 27, auch Club 27 oder 27 Club, wird in uneinheitlicher Abgrenzung eine Reihe von bekannten Musikern bezeichnet, die im Alter von 27 Jahren starben. Als Mitglieder werden vor allem Rock- und Bluesmusiker gezählt.

Es begann mit dem Tod von Brian Jones († 1969), der zum ersten „Mitglied“ des Klubs wurde. Anfang der 1970er Jahre verstarben die Musiker Jimi Hendrix († 1970), Janis Joplin († 1970) und Jim Morrison († 1971). Nach dem Suizid von Kurt Cobain († 1994) erlangte das Konzept des „Klub 27“ große Bekanntheit.

So wird der „Klub“ seit dem Tod Cobains in dutzenden Musikmagazinen und Fachzeitschriften als auch in der Tagespresse immer wieder zitiert. Mit dem Tod der Sängerin Amy Winehouse († 2011) erlangte der „Klub 27“ erneute Aufmerksamkeit. Andere Musiker werden gelegentlich auch ergänzt, beispielsweise Robert Johnson († 1938).

Im weitesten Sinne umfasst der Klub auch andere namhafte Künstler, die in diesem Alter starben; diese gelten jedoch nicht als „Hauptmitglieder“.

Dem Klub wurden bereits mehrere Ausstellungen gewidmet und neben dem Vertrieb von Merchandising-Produkten griffen auch Romane, Filme und Bühnenstücke das Thema auf.

Verschiedene Theorien und Spekulationen ranken sich um die Ursachen der frühen Tode und mögliche Zusammenhänge. Andere Quellen bezeichnen eine Häufung von Musikertoden im Lebensalter von 27 Jahren als Mythos, basierend auf selektiver Wahrnehmung.

Begriffsbildung „Klub 27“

Brian Jones, Jimi Hendrix, Janis Joplin und Jim Morrison starben in den Jahren 1969 bis 1971, durch die Todestage von Jones (3. Juli 1969) und Morrison (3. Juli 1971) zudem innerhalb eines Zeitraums von genau zwei Jahren.

Doch in der breiten Öffentlichkeit wurde keine Verbindung zwischen dem gemeinsamen Todesalter gezogen. Der Zusammenhang wurde zwar hin und wieder bemerkt, blieb aber eher eine Randnotiz.

Erst mit dem Tode Kurt Cobains, knapp zweieinhalb Jahrzehnte nach den anderen, verbreitete sich die Vorstellung eines Klub 27 in der öffentlichen Wahrnehmung.

Der Hendrix- und Cobain-Biograf Charles R. Cross macht hierfür einerseits die wachsende Bedeutung der Medien – namentlich von Internet, Fernsehen und Zeitschriften –, andererseits eine Interview-Antwort von Cobains Mutter mitverantwortlich. Diese hatte gegenüber einem Reporter der Aberdeener Zeitung The Daily World gesagt:

“Now he’s gone and joined that stupid club. I told him not to join that stupid club.”

„Jetzt ist er von uns gegangen und diesem blöden Klub beigetreten. Ich habe ihm gesagt, er soll diesem blöden Klub nicht beitreten.“

Wendy Fradenburg Cobain O’Connor: Interview, zitiert nach: Heavier Than Heaven Cross vermutet, dass sie sich damit auf Hendrix’, Joplins und Morrisons gemeinsames Todesalter bezog, weitere Autoren teilen seine Auffassung.

Dagegen gehen Josh Hunter und Eric Segalstad, Verfasser eines Sachbuches zu den „27ern“, davon aus, dass Cobains Mutter sich auf einen tragischen Ausschnitt aus der Familiengeschichte bezog: Zwei Onkel und ein Großonkel von Kurt waren allesamt durch Suizid gestorben.

Das Zitat wurde in der Newsweek-Ausgabe vom 18. April 1994 veröffentlicht, von der Nachrichtenagentur Associated Press weltweit verbreitet, von Radio-DJs diskutiert und fand Widerhall in Internetforen und später auch in Blogs.

Hier entwickelten sich Theorien wie die, dass Cobain seinen Freitod bewusst mit 27 gewählt habe, um dem Klub beitreten zu können.

Musiker des „Klub 27“

Der „Klub 27“ hat seit Cobains Tod keine allgemein anerkannte Definition erfahren, sodass unterschiedliche Auffassungen existieren, wer zu seinen Mitgliedern zählt.

Vor dem Tod von Winehouse wurden meist die fünf anderen besagten Musiker genannt, so etwa in Artikeln der Tageszeitungen Hamburger Abendblatt, Rheinische Post und The Daily Telegraph, vom Nachrichtenmagazin Focus oder von Internetseiten wie MSN, TMZ.com und UpVenue.

Variationen dieser Gruppe haben – unter Ausschluss von Jones – nur vier Mitglieder oder nehmen beispielsweise mit Robert Johnson (16. August 1938) weitere Mitglieder auf.

Nach einem alternativen Ansatz werden alle bekannten Musiker eingeschlossen, die im Alter von 27 starben. Dieses Todesalter soll nach diversen Quellen bei erfolgreichen Musikern besonders häufig auftreten, doch dies ist gemäß Untersuchungen sehr umstritten.

Die folgenden sechs Musiker werden immer oder meistens als Mitglieder bezeichnet:
Brian Jones, 3. Juli 1969
Jimi Hendrix, 18. September 1970
Janis Joplin, 4. Oktober 1970
Jim Morrison, 3. Juli 1971
Kurt Cobain, 5. April 1994
Amy Winehouse, 23. Juli 2011

Weitere zum Klub 27 gezählte Musiker, die mit anderem oder ungewissem Alter starben

Nach verschiedenen Quellen wird auch Frederick Heath, besser bekannt unter dem Pseudonym „Johnny Kidd“, Frontmann der Rock-’n’-Roll-Band Johnny Kidd & the Pirates, zum weiteren Kreis des Klub 27 gezählt.

Heath starb jedoch am 7. Oktober 1966 bei einem Verkehrsunfall, fast ein Vierteljahr vor seinem 27. Geburtstag. Nach anderen Quellen hatte Heath bei seinem Tod bereits das Alter von 30 erreicht.

Das Musikmagazin Rolling Stone veröffentlichte eine Liste, die außerdem Don Drummond von The Skatalites, den Singer-Songwriter Tim Buckley und den Pennywise-Bassisten Jason Thirsk enthielt.

Allerdings starb keiner der Genannten im Alter von 27 Jahren: Drummond nahm sich mit 37 das Leben, Buckley war 28, als er an einer Drogen-Überdosis starb, und Thirsk fügte sich im gleichen Alter unter Drogeneinfluss eine tödliche Schussverletzung zu.

Richey James Edwards, Gitarrist und Texter der Rockband Manic Street Preachers, verschwand am 1. Februar 1995 spurlos und war ebenfalls 27 Jahre alt. Obwohl vieles auf einen Suizid hinweist, konnte Edwards bis heute nicht aufgefunden werden.

Am 23. November 2008 wurde er für “presumed dead” (deutsch: „vermutlich tot“) erklärt. Ausgehend vom Tag seines Verschwindens wird er ebenfalls regelmäßig dem „Klub 27“ zugerechnet.

Gemeinsamkeiten der „Klub 27“ Musiker

Der nach dem Tode Cobains im Jahr 1994 breite Wahrnehmung erlangende „Klub 27“ im engeren Sinne – also bestehend aus Jones, Hendrix, Joplin, Morrison und Cobain – wurde häufig als Zusammenfassung von Musikern dargestellt, die eine Vielzahl von Gemeinsamkeiten eint.

Neben dem Todesalter nennen die Quellen häufig den exzessiven Lebensstil der Künstler, ihren außergewöhnlichen musikalischen Einfluss sowie die Ursachen und Umstände der jeweiligen Tode.

Nach dem Tode von Winehouse wurde auch sie in die Analyse von Gemeinsamkeiten einbezogen, insbesondere hinsichtlich des Rauschmittelmissbrauchs

Besondere musikalische Bedeutung der „Klub 27“ Musiker

Die Musiker beziehungsweise ihre jeweiligen Bands zählen zu den einflussreichsten der Rockgeschichte. Jones war Lead-Gitarrist der Rolling Stones, einer der kommerziell erfolgreichsten Rockbands überhaupt.

Hendrix’ Gitarrenspiel nahm nachhaltigen Einfluss auf die Entwicklung der Rockgeschichte. Joplin gilt als eine der Zentralfiguren der Hippiezeit. Morrisons Band The Doors war stilprägend für die 1960er Jahre. Cobain verhalf mit Nirvana dem Grunge zu seiner Hochphase und brachte den Indie-Rock zum Mainstream.

Das Musikmagazin Rock Hard nannte die Band daher die „wichtigste Rockband der 90er Jahre“. Jeremy Simmonds, der Autor von Number One in Heaven: The heroes who died for Rock ’n’ Roll, zählt diese Musiker wegen ihrer Bedeutung zu den US-amerikanischen heritage artists, also den Künstlern, die das kulturelle Erbe mitbestimmt haben: “Someone who’s made a real difference to rock’n’roll.

Hendrix, Joplin, The Doors, Nirvana, The Stones – these are all bands and individuals whose music was truly great.” (deutsch: „Jemand der Rock ’n’ Roll sehr entscheidend verändert hat. Hendrix, Joplin, The Doors, Nirvana, The Stones – alles Bands und Individuen, deren Musik herausragend war.“)

Rauschmittel als gemeinsame Todesursache der „Klub 27“ Musiker

Als Gemeinsamkeit dieser Tode wird in Darstellungen des „Klub 27“ immer wieder herausgestellt, dass alle auf den Missbrauch von Alkohol oder anderen Suchtmitteln zurückgeführt werden können.

Bei Hendrix waren zunächst härtere Drogen als Todesursache vermutet worden; jedoch wurde später festgestellt, dass er Alkohol und Schlaftabletten konsumiert hatte und an seinem Erbrochenen erstickt war.

Bei Joplin wurde eine Überdosis an Heroin und Alkohol als offizielle Todesursache attestiert. Cobain hatte sich mit einem Kopfschuss das Leben genommen. Die Autopsie wies in seinem Körper allerdings Beruhigungsmittel und Heroin in einer so hohen Dosis nach, dass diese ebenfalls schnell zum Tode geführt hätte.

Die Todesumstände von Jones und Morrison wurden zwar nicht abschließend aufgeklärt, aber auch bei ihnen darf angenommen werden, dass Drogen im Spiel waren. Jones war für seinen Drogenkonsum bekannt und soll auch am Abend seines Todes Alkohol und Beruhigungsmittel zu sich genommen haben.

Sein Ertrinken könnte auf einen Asthmaanfall unter dem Einfluss dieser Rauschmittel zurückzuführen sein. Auch Morrison konsumierte regelmäßig Heroin.

Sein Leichnam wurde nur deshalb nicht obduziert, weil die Untersuchungsbeamten sich sicher waren, dass eine Obduktion den Verdacht einer Überdosis bestätigen würde. Eine solche Untersuchung war nur im Falle des Mordverdachts vorgeschrieben. Stattdessen wurde lapidar „Herzversagen“ als Todesursache festgehalten.

Mordtheorien und andere Spekulationen zu den „Klub 27“ Musiker

Eine weitere Verbindung, die regelmäßig zwischen diesen Musikern gezogen wird, ist der Tod „unter mysteriösen Umständen“. Während die offiziell festgestellte Todesursache von Joplin weitgehend anerkannt ist, werden zumindest bei Jones, Hendrix, Morrison und Cobain offen andere Möglichkeiten diskutiert.

So heißt es, Brian Jones sei vom Bauunternehmer Frank Thorogood ermordet worden. Laut Stephen Wolleys Film Stoned habe Thorogood den Mord 1993 auf dem Sterbebett gestanden. Der Fall wurde daraufhin polizeilich erneut untersucht, die offizielle Todesursache jedoch nicht geändert.

Bezüglich Hendrix wird unter anderem spekuliert, er sei von seinem Manager ermordet worden. Außerdem ermittelte Scotland Yard 1993 nochmals ergebnislos gegen Monika Dannemann, in deren Hotelzimmer Hendrix gestorben war.

Zu Jim Morrisons Tod gibt es mehrere Theorien. Gemeinsamer Ausgangspunkt ist das Fehlen einer Obduktion. Biografen werfen beispielsweise die Möglichkeiten auf, Morrison sei das Opfer einer Verschwörung gewesen oder habe seinen Tod nur vorgetäuscht.

Auch zum Tode Kurt Cobains wurden verschiedene Mordtheorien entwickelt. Nach der wohl bekanntesten – vorgestellt etwa durch Nick Broomfields Dokumentarfilm Kurt & Courtney – soll Cobains Frau Courtney Love für den Tod des Musikers verantwortlich sein.

Daneben wird bisweilen die eingangs erwähnte Theorie vertreten, Cobain habe sich selbst in der Absicht getötet, in den „Klub 27“ zu kommen. In der Tat wusste Cobain, dass Hendrix, Joplin und Morrison alle nur 27 Jahre alt geworden waren, und hatte als Kind fälschlicherweise geglaubt, alle seien durch Suizid gestorben.

Als 14-Jähriger hatte er zu Schulfreunden gesagt, er wolle ein berühmter Musiker werden und sich dann umbringen wie Jimi Hendrix. Später erklärte er außerdem, er wolle nicht dreißig werden.

Diese Äußerungen werden zur Unterstützung der Theorie herangezogen. Allerdings seien solche Aussagen laut Cross nicht unüblich für Jungen dieses Alters und weder Cobains Abschiedsbrief noch sein Verhalten kurz vor dem Suizid weisen auf den Klub 27 hin. Darüber hinaus hatte Cobain bereits mehrere Suizidversuche unternommen, bevor er 27 geworden war.

Theorien zum Todesalter der „Klub 27“ Musiker

In Beschreibungen des Klub 27 wird regelmäßig vorgebracht, eine außergewöhnlich hohe Zahl bedeutender Musiker sei in diesem Alter gestorben. Beispielsweise äußerte Charles R. Cross hierzu: “[The] number of musicians who passed away at 27 is truly remarkable by any standard. Though humans die regularly at all ages, there is a statistical spike for musicians who die at 27.”

(deutsch: „[Die] Anzahl der Musiker, die mit 27 starben, ist im Vergleich wirklich erstaunlich. Obwohl Menschen gleichmäßig in jedem Alter sterben, gibt es eine statistische Spitze für Musiker, die mit 27 sterben.“)

In der Gesamtbevölkerung gebe es diesen statistischen Anstieg nicht, nur unter Musikern. Und Michael Pilz schrieb für Die Welt, der Klub 27 sei kein Mythos, Wissenschaftler hätten sich damit befasst und festgestellt, dass Popstars „rein statistisch“ häufig mit 27 sterben würden.

Allerdings nennen beide Autoren weder Zahlen noch die Statistiken, auf die sie sich berufen. Eine 2007 im britischen Journal of Epidemiology and Community Health veröffentlichte Studie der Liverpool John Moores University ergab immerhin, dass Rockstars im Vergleich zum Rest der Bevölkerung früher sterben, und dass die Sterbewahrscheinlichkeit vor allem in den ersten fünf Jahren des Ruhmes besonders hoch ist. In den 1960er und 1970er Jahren war der Unterschied sogar noch größer als zu Beginn des 21. Jahrhunderts.

Über die Ursache des Ablebens vieler 27-jähriger Musikstars wurden bereits unterschiedliche Vermutungen angestellt. Beispielsweise wird als Grund deren exzessiver Lebensstil angegeben, der häufig mit Redensarten wie “Live Fast, Love Hard, Die Young” (deutsch: „Lebe schnell, liebe intensiv, stirb jung“) oder “Sex and Drugs and Rock ’n’ Roll”

(deutsch: „Sex und Drogen und Rock ’n’ Roll“) umschrieben wird. Welt-Autor Pilz folgert daraus, dass Musiker „entweder mit 27 an ihren Berufskrankheiten sterben oder sich von tödlichen Gewohnheiten verabschieden“, um dann deutlich länger zu leben.

Der Rolling Stone untermauert diese Theorie mit der Feststellung, dass die Todesursachen der 27-jährig gestorbenen Musiker meist „tragisch“ seien: „Heroin, Alkohol, Schlaftabletten oder eine krude Kombination daraus.“

Borwin Bandelow, Facharzt für Neurologie und Psychiatrie, vermutet, dass das Borderline-Syndrom die Ursache für die maßlose Lebensweise vieler Künstler des Klub 27 ist. Dieses Syndrom äußert sich vor allem durch Impulskontrollstörungen und tritt häufig zusammen mit selbstverletzendem Verhalten und Suizidalität auf.

Darüber hinaus sieht er einen Zusammenhang zwischen dieser Persönlichkeitsstörung und dem Todesalter, da er in einer Studie beobachtet hat, dass Borderline-Störungen durchschnittlich im Alter von 26,9 Jahren ihre schwerste Ausprägung erreichen.

Auf der Suche nach einer Erklärung zieht Christian Koch für das britische Lifestyle-Magazin Stylist die sogenannte Quarterlife Crisis heran. Unter Berufung auf einen Neurowissenschaftler und Psychiater sowie auf einen Quarterlife-Crisis-Spezialisten kommt er zu dem Schluss, diese Sinnkrise, die Menschen Mitte zwanzig ereilt, wirke sich bei Rockstars stärker aus, weil sie sich aufgrund ihrer Bekanntheit seltener im Freien zeigten.

Dadurch komme es zu einem geringen Vitamin-D-Spiegel im Körper, der die Musiker für Depressionen und damit für Suizid und Alkohol- oder Drogenmissbrauch anfälliger mache.[74] Alternativ könne es sich laut Koch auch um einen Fall einer selbsterfüllenden Prophezeiung handeln:

Schon das Wissen vom Klub 27 führe zu Ängsten und selbstzerstörerischem Verhalten. Bei Menschen, die unter besonderer Aufmerksamkeit der Medien stehen, nehme die Suizidrate daher zu.

Zweifel an einer statistischen Auffälligkeit

Über die Ursache des Ablebens vieler 27-jähriger Musikstars wurden bereits unterschiedliche Vermutungen angestellt. Beispielsweise wird als Grund deren exzessiver Lebensstil angegeben, der häufig mit Redensarten wie “Live Fast, Love Hard, Die Young” (deutsch: „Lebe schnell, liebe intensiv, stirb jung“) oder “Sex and Drugs and Rock ’n’ Roll”

(deutsch: „Sex und Drogen und Rock ’n’ Roll“) umschrieben wird. Welt-Autor Pilz folgert daraus, dass Musiker „entweder mit 27 an ihren Berufskrankheiten sterben oder sich von tödlichen Gewohnheiten verabschieden“, um dann deutlich länger zu leben. Der Rolling Stone untermauert diese Theorie mit der Feststellung, dass die Todesursachen der 27-jährig gestorbenen Musiker meist „tragisch“ seien: „Heroin, Alkohol, Schlaftabletten oder eine krude Kombination daraus.“

Auf der Suche nach einer Erklärung zieht Christian Koch für das britische Lifestyle-Magazin Stylist die sogenannte Quarterlife Crisis heran. Unter Berufung auf einen Neurowissenschaftler und Psychiater sowie auf einen Quarterlife-Crisis-Spezialisten kommt er zu dem Schluss, diese Sinnkrise, die Menschen Mitte zwanzig ereilt, wirke sich bei Rockstars stärker aus, weil sie sich aufgrund ihrer Bekanntheit seltener im Freien zeigten.

Dadurch komme es zu einem geringen Vitamin-D-Spiegel im Körper, der die Musiker für Depressionen und damit für Suizid und Alkohol- oder Drogenmissbrauch anfälliger mache.[74] Alternativ könne es sich laut Koch auch um einen Fall einer selbsterfüllenden Prophezeiung handeln: Schon das Wissen vom Klub 27 führe zu Ängsten und selbstzerstörerischem Verhalten. Bei Menschen, die unter besonderer Aufmerksamkeit der Medien stehen, nehme die Suizidrate daher zu.

Um zu verdeutlichen, dass die Konzentration auf die Zahl 27 auch das Ergebnis eines Zufalls sein könnte, wird immer wieder argumentiert, man könne auch verstorbene Musikstars mit einem anderen gemeinsamen Todesalter gruppieren.

Als Beispiele nennt Cross Lester Bangs, Bon Scott von AC/DC und Blind Lemon Jefferson, die allesamt 33-jährig verstarben, sowie den DJ Alan Freed, Richard Manuel von der Rockgruppe The Band, Peter Tosh und Elvis Presley, die man als „Klub 42“ zusammenfassen könnte.

Häufig werden zum Klub 27 auch near misses vorgestellt, also Musiker, die das Todesalter 27 knapp verfehlten. So nennt Francesca Steele in einem Artikel für die britische Tageszeitung The Times unter anderem Otis Redding, Paul Kossoff, Gram Parsons und Nick Drake, die jeweils nur 26 Jahre alt wurden. Allerdings wurde keiner solchen Gruppe die Aufmerksamkeit zuteil, die der Klub 27 erfährt.

Rezeption und Kommerzialisierung der „Klub 27“ Musiker

Waren die fünf zentralen Personen des Klubs zu Lebzeiten bereits äußerst erfolgreiche Künstler gewesen, so avancierten sie spätestens posthum zu Musiklegenden. Aber nicht nur die einzelnen Mitglieder, auch der Klub selbst erlangte im Laufe der Zeit Kultstatus.

Er wird in Medien und Kultur referenziert und für Merchandising-Produkte wie T-Shirts, Poster oder Sachbücher kommerzialisiert. In einer im Jahr 2010 veröffentlichten Hitliste der 50 schlimmsten Sachen, die der Musik passieren können des amerikanischen Musikmagazins Blender nahm The age of 27 (deutsch: Das Alter 27) den achten Platz ein. Fans widmen dem Klub Internetseiten.

Verschiedene Ausstellungen machten sich den Klub zum Gegenstand, zum Beispiel die im Jahr 2008 eröffnete Fotoausstellung Forever 27 in der Londoner Galerie Proud Camden oder die Sonderausstellung von 2009 The Sun Ain’t Gonna Shine Anymore – Tod und Sterben in der Rockmusik im Gronauer rock’n’popmuseum.

Mehrere fiktionale Werke greifen das Thema auf. Der Film The 27 Club feierte im Jahr 2008 auf dem Tribeca Film Festival Premiere. Er dreht sich um einen Musiker, dessen Bandkollege kurz nach seinem 27. Geburtstag Suizid beging.

Paul McComas’ Roman Unplugged aus dem Jahr 2002 erzählt von der Krise einer Rockmusikerin, die im Alter von 27 Jahren auf dem Höhepunkt ihrer Karriere verschwindet.

Im Mai 2011 erschien der Debütroman 27 von Kim Frank, dem Sänger der Gruppe Echt, der die Angst eines Rockmusikers schildert, seinen 28. Geburtstag nicht mehr zu erleben.

Das Cover des Buchs zieren die Konterfeis von Jones, Hendrix, Joplin, Morrison und Cobain. Ian Halperins Off-Broadway-Stück 27 Heaven zeigt, wie Kurt Cobain nach seiner Selbsttötung im Himmel auf Hendrix, Morrison und Joplin trifft.

Auch in der Rockmusik selbst wurde der Klub 27 thematisiert. Beispielsweise behandelt die Single Out of Control des australischen Rock-Trios Tin Alley das Thema, wie Jim Siourthas, Sänger und Gitarrist der Gruppe, in einem Interview erklärte. Anlass, den Song zu schreiben, war, dass der Tin-Alley-Schlagzeuger Peter Hofbauer bei einem Verkehrsunfall mit 27 Jahren beinahe gestorben wäre.

Darüber hinaus wurde über verschiedene Musikstars berichtet, sie hätten Befürchtungen geäußert, mit 27 Jahren zu sterben. Beispielsweise erklärte die Country-Sängerin Gretchen Wilson im Hinblick auf den Klub, sie habe sich besonders gefreut, mehr als 27 Geburtstage erlebt zu haben.

Auch die Popsängerin Britney Spears soll gegenüber dem Journalisten Ian Halperin ihre Furcht geäußert haben, wie Joplin und Cobain mit 27 Jahren zu sterben. Ähnliche Ängste soll die britische Soulsängerin Amy Winehouse, die später tatsächlich 27-jährig starb, ihrem ehemaligen persönlichen Assistenten Alex Haines gestanden haben.

Selbst zu Werbezwecken wurde der Klub 27 herangezogen. So werden etwa auf der Website Term Life Insurance unter Verweis auf die Todesfälle des Klubs Lebensversicherungen beworben.

Die holländische Bluesrock-Band DeWolff schrieb über den Klub 27 den Song Made it to 27, der sich auf dem 2020 erschienenen Album Tascam Tapes befindet.
Quelle: de.wikipedia.org/wiki/Klub 27
Tipp: The Day the Music Died („Der Tag, an dem die Musik starb“)
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Vintagebuch Tipp:

27: A History of the 27 Club through the Lives of Brian Jones, Jimi Hendrix, Janis Joplin, Jim Morrison, Kurt Cobain, and Amy Winehouse von Howard Sounes

Club 27 – Der Klub der toten Helden: Der mysteriöse Tod der Musiker Legenden von Norman Hall

27 von Kim Frank

»Live fast, love hard and die young!«: Tragische Geschichten aus Rock und Pop von Ernst Hofacker

LIFE Gone Too Soon: The 27 Club-Rock Icons Who Died Too Young

27: The Legend and Mythology of the 27 Club von Gene Simmons

Amy, 27 von Howard Sounes

Klub 27, Solar, aus dem Album Klub 27

Video: Club 27 – Was steckt dahinter?

Video: Mitglieder des „Club 27“: Die Stars wurden nur 27 Jahre alt