Im Rauch gehn Himmel geschüggt: Hexenverfolgungen in der Reichsstadt Rottweil & Rottweiler Narrensprung am Fasnetsmontag und Fasnetsdienstag

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Rottweil, die älteste Stadt Baden-Württembergs, liegt etwa 90 Kilometer südlich von Stuttgart. Sie ist die Kreisstadt und größte Stadt des gleichnamigen Landkreises sowie ein Mittelzentrum für die umliegenden Gemeinden.

Rottweil ist seit dem 1. Juni 1970 eine Große Kreisstadt. Mit den Gemeinden Deißlingen, Dietingen, Wellendingen und Zimmern hat die Stadt eine Verwaltungsgemeinschaft vereinbart.

Rottweil war seit der Stauferzeit durchgehend eine Reichsstadt im Heiligen Römischen Reich, was sich im Stadtwappen widerspiegelt.

Folgende größere Städte liegen im Umkreis von Rottweil: Oberndorf am Neckar, 20 km nördlich, Balingen, 24 km nordöstlich, Schramberg im Schwarzwald, 27 km nordwestlich, Tuttlingen, 27 km südöstlich, Trossingen, 18 km südlich und Villingen-Schwenningen, 24 km südwestlich.

Folgende Städte und Gemeinden grenzen an die Stadt Rottweil. Sie werden im Uhrzeigersinn beginnend im Osten genannt: Zimmern unter der Burg und Schömberg (beide Zollernalbkreis), Wellendingen (Landkreis Rottweil), Frittlingen und Aldingen (beide Landkreis Tuttlingen) sowie Deißlingen, Zimmern ob Rottweil, Dunningen, Bösingen, Villingendorf und Dietingen (alle Landkreis Rottweil).

Wegen der guten Verkehrslage entstand hier im Mittelalter ein alemannischer Herzogshof, aus dem der Königshof „Rotuvilla“ wurde, der bereits im Jahre 771 n. Chr. erstmals in den Urkunden erscheint.

Dieser Königshof erlangte unter den Karolingern große Bedeutung als Gerichtsort und Verwaltungszentrum. Das Hofgericht Rottweil zählte lange danach im Spätmittelalter zu den bedeutendsten Gerichten des deutschen Reiches.

Am 19. Januar 1299 wird es erstmals genannt. Bis zum 7. September 1418 lag die Hofgerichtsstätte unter der Pürschgerichtslinde, welche an der Ecke Heerstraße/Lindenstraße steht, und wurde dann in den Tiergarten vor dem Hochbrücktor an die offene Königstraße verlegt.

Der Hofgerichtsstuhl erinnert an das Kaiserliche Hofgericht, das an dieser Stelle seit 1418 tagte. An der Königstraße rechts neben dem Landgericht ist eine Kopie. Das Original von 1781 befindet sich im Stadtmuseum. Das Erbhofrichteramt lag bei den Grafen von Sulz.

Das hochmittelalterliche Rottweil wurde in der Stauferzeit auf einem Felssporn oberhalb des Neckars etwa zwei Kilometer westlich der ehemaligen Römerstadt neu angelegt. Die Staufer errichteten die Stadt an ihrem heutigen Standort nach dem Zähringer Muster (Gliederung durch das Straßenkreuz in vier Teile).

Aus dieser Zeit stammt der spätmittelalterliche Stadtkern mit seinen erkergeschmückten Bürgerhäusern, den geschmiedeten Stechschildern, die im 16. Jahrhundert vorgeschrieben waren, und den zahlreichen Rottweiler Kirchen.

Vorgänger dieser Siedlung sind die Mittelstadt und die Altstadt, auf Teilen der Fundamente des römischen Rottweils. Es ist wahrscheinlich, dass bedeutende Ruinen des römischen Arae Flaviae bis ins Mittelalter hinein sichtbar blieben, worauf auch Gewann und Hofgut „Hochmauren“ im ehem. Siedlungsgebiet hinweisen.

Der heutige Name der Stadt „Rottweil“ ist zunächst überliefert als Rote Will (rote Villa, im Jahre 771 Rotuvila) und leitet sich nicht aus dem antiken Namen ab. Eine mögliche Erklärung des ersten Namensbestandteils neben der Farbbezeichnung sind die verfallenen römischen Gebäude, darauf deuten auch die Gewannbezeichnungen „Rote Steige“ und der Name des benachbarten Reichsstiftes Kloster Rottenmünster.

In den Hexenverfolgungen in Rottweil von 1546 bis 1661 sind 287 Verfahren wegen Hexerei und Zauberei belegt.

266 Menschen wurden in den Hexenprozessen hingerichtet. Der Rat der Stadt Rottweil hat am 15. April 2015 einen Beschluss zur sozialethisch-moralischen Rehabilitierung der Opfer der Hexenprozesse gefasst.

Vintagebuch Tipp:

“Im Rauch gehn Himmel geschüggt”
Hexenverfolgungen in der Reichsstadt Rottweil

Taschenbuch: 198 Seiten
Ibidem Verlag
(2. Oktober 2000)
Sprache: Deutsch
ISBN-13: 978-3898210348
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Buchzitat: Insgesamt sind für die Reichsstadt Rottweil 287 Verfahren wegen Hexerei, Zauberei oder Magie bekannt. Darunter waren 234 Frauen und 53 Männer. 266 der Angeklagten wurden zum Tode verurteilt und hingerichtet.

Schon das Ausmaß der Verfolgungen in Rottweil ist Grund genug, diesem Phänomen eine Untersuchung zu widmen. Diese Arbeit versucht folgende Fragen zu beantworten:
Wo lagen die Anfänge der Hexenverfolgungen?
Worin bestand die Motivation?
Wer waren die treibenden Kräfte und wer die Opfer?
Wer begünstigte die Verfolgung, Oberschicht oder Unterschicht,
respektive wie war das Verhältnis der städtischen bzw. dörflichen sozialen Schichten untereinander,
und hatte dies und wenn, dann welchen Einfluß auf die Prozesse?
Gab es bestimmte Verhaltensmuster oder Lebensformen, die die Anfälligkeit für Besagungen vergrößerten?
Wie verhielt sich die Gesellschaft gegenüber den Bezichtigten?
Welchen Einfluß hatte die Kirche auf das Geschehen,
wirkte sie antreibend oder eher bremsend?
Welche Bedeutung hatten die äußeren Verhältnisse
– Krieg, witterungsbedingte Mißernten, Hunger, Seuchen – auf den Verlauf der Prozesse?
Wann endeten diese und warum?

Mit Hilfe eines eingehenden Quellenstudiums und unter Berücksichtigung neuerer Aspekte und Publikationen der Hexenforschung soll ein Überblick des bisher weitgehend unbearbeiteten Themas der Hexenprozesse in Rottweil geliefert werden.

Mario R. Zeck (Jahrgang 1968), Studium der Germanistik, Geschichte und Pädagogik an der Eberhard-Karls-Universität Tübingen und der University of Kent at Canterbury (Gb), Erstes Staatsexamen 1995/96, Promotion 2000. Seit 1999 Studienreferendar am Staatlichen Studienseminar in Saarbrücken.

Vintagebuch Info:

Über die Region hinaus bekannt ist die ehemalige Freie Reichsstadt für ihre Fasnet, die auf eine jahrhundertealte Geschichte zurückblicken kann und zu den prächtigsten der schwäbisch-alemannischen Fasnet gehört.

Jedes Jahr gehen beim Rottweiler Narrensprung am Fasnetsmontag und Fasnetsdienstag 3.000 Narren durch das Schwarze Tor „d’Stadt nab“, und 20.000 Zuschauer verfolgen im mittelalterlichen Stadtkern das bunte Treiben.

Gemeinsam mit den Zünften aus Elzach, Oberndorf und Überlingen bildet die Narrenzunft Rottweil den Viererbund.

Der Rottweiler Narrenmarsch wurde im Jahre 1882 von Heinrich von Besele komponiert. Später schrieb Otto Wolf den Text zum Narrenmarsch. Neben dem Narrenmarsch hört man während des Umzugs auch immer wieder den „Altjägermarsch“, den Marsch der Freiwilligen Jäger aus den Befreiungskriegen von 1813 bis 1815.

Vintagebuch Seiten zur schwäbisch-alemannischen Fasnet:

 

 

Lackendorf (mit Schramberg), Rottweil (Seite 2) und Villingen-Schwenningen