Hexenverfolgung und Hexenprozesse in Deutschland T/V

Hexenverfolgung: Thale (Walpurgishalle) Harz

Die Walpurgishalle auf dem Hexentanzplatz bei Thale im Harz ist ein Gebäude in einem nachempfundenen „altgermanischen“ Stil. Die Idee zur Walpurgishalle stammte von dem Maler Hermann Hendrich. Dieser entschied sich die Halle auf dem Hexentanzplatz zu errichten, nachdem seine ursprüngliche Idee, eine Halle auf dem Brocken zu bauen, nicht verwirklicht werden konnte.

Im Jahr 1901 wurde die Halle in der Art eines altgermanischen Blockhauses, gestaltet von dem Berliner Architekten Bernhard Sehring, erbaut und im selben Jahr eingeweiht.

Die ursprünglich fünf Großgemälde im Inneren der Halle schuf Hermann Hendrich. Diese zeigen fünf Szenen aus der Walpurgisnacht von Goethes Faust: Irrlichtertanz, Mammonshöhle, Hexentanz, Windsbraut und Gretchenerscheinung (Gretchentragödie).

Heute ist die Halle ein Museum. Später wurden im Eingangsbereich zwei weitere Gemälde von Hermann Hendrich ausgestellt. Im Jahr 1928 wurde die Walpurgishalle durch einen weiteren Anbau ergänzt. Auch in ihm wurden Gemälde Hendrichs gezeigt.
Hüttenmuseum Thale
Walter-Rathenau-Str. 1
06502 Thale
Webseite: hüttenmuseum-thale.de

Hexenverfolgung: Thüringen (Freistaat)

Für die Hexenverfolgung in Thüringen sind viele Hexenprozesse überliefert. Der meist dörflich geprägte thüringisch-fränkische Raum war eine Kernzone der deutschen Hexenverfolgungen. Aus der Zeit zwischen 1526 und 1731 können in Thüringen über 1500 Fälle von Hexenverfolgung konstatiert werden.

Zwischen 1598 und 1631 wurde Thüringen mit kurzen Unterbrechungen von einer ersten und gut zehn Jahre später bis etwa 1700 von einer zweiten großen Verfolgungswelle erschüttert.

Die Verfolgungen waren nicht nur Ausdruck vorherrschenden Aberglaubens, es wurden auch soziale Spannungen, meist Erbschafts- und Nachbarschaftsstreit unter dem Deckmantel von Teufelsanbetung und Hexerei ausgetragen.

Um das Ausarten dieser Verfolgungswellen von staatlicher Seite zu verhindern, wurde die 1631 von dem Jesuiten Friedrich Spee anonym veröffentlichte Cautio Criminalis als Leitfaden zur Untersuchung und Beurteilung der jeweiligen Vergehen zu Rate gezogen.

Die unterschiedliche Intensität der Verfolgung war überwiegend eine Folge übertriebener Härte bei der Amtsausübung der betrauten Richter und Inquisitoren, ihre Rechtfertigung war das in 29 Auflagen gedruckte und als Hexenhammer bekannte Traktat des Dominikaners Heinrich Kramer.

Das Henneberger und Coburger Land im Süden und Südwesten waren neben dem unteren Werratal Zentren dieser Verfolgungen. Henneberger Land ist die kulturhistorische Landschaftsbezeichnung für große Teile Südthüringens, die dem Kernland des Herrschaftsgebietes der einstigen Grafschaft Henneberg entsprechen.

Hexenverfolgung: Trier / Rheinland-Pfalz

Dietrich Flade (* 1534 in Trier; † 18. September 1589 in Trier) war ein deutscher Jurist, kurfürstlicher Rat, Richter und Stadtschultheiß. Er wurde als Hexenmeister verbrannt.

Im Jahre 1559 wurde Dietrich Flade durch den Trierer Kurfürsten und Erzbischof Johann VI. von der Leyen zum kurfürstlichen Rat ernannt und vertrat seinen Dienstherrn auf Reichstagen. 1567 wurde er Schultheiß der Dompropstei, 1571 Stadtschultheiß in Trier und Beisitzer des Hofgerichtes Koblenz.

1578 wurde er Professor an der Universität Trier, 1586 deren Rektor. Ihm folgte Peter Binsfeld im Amt. Flade war Schöffe am Hochgericht Trier und dem Gerichtshof der freien Reichsabtei St. Maximin vor Trier. 1581 wurde Flade zum kurfürstlichen Statthalter in Trier ernannt.

In seiner Eigenschaft als Richter hatte Dietrich Flade zahlreiche Hexenprozesse geleitet und Todesurteile gesprochen. Sein Wirken fiel in eine Zeit, in der die Hexenverfolgungen in Kurtrier betrieben wurden.

In der Reichsabtei St. Maximin listete der Amtmann Claudius Musiel im sogenannten Hexenregister Dietrich Flade als „Besagten“ (als der Hexerei Beschuldigten) auf.

Als sich diese Erwähnungen gegen ihn im Jahr 1587 häuften, wurde er auf Befehl des Kurfürsten Johann von Schönenberg am 4. Juli 1588 verhaftet. Die Untersuchungen leiteten der Trierer Richter Christoph Faht und der Notar Peter Omsdorf.

Am 3. Oktober 1588 unternahm er zusammen mit Johann von Eltz, dem Komtur des Deutschen Ritterordens zu Trier, einen Fluchtversuch. Allerdings wurde er am 12. Oktober wieder von jenem Komtur zurückgebracht, als Johann von Eltz erfuhr, dass er einem „Hexenmeister“ helfe.

Am 12. Oktober 1588 befand sich Flade wieder in Trier. Bürger bewachten sein Haus. Am 22. April 1589 wurde Flade verhaftet, gestand unter mehrmaliger Folter, was man von ihm hören wollte, und benannte angebliche Komplizen.

Am 14. September setzte Dietrich Flade sein Testament auf, mit dem Wunsch, ein ehrenvolles Begräbnis auf dem Kirchhof St. Antonius zu erhalten.

Am 18. September 1589 wurde er zum Feuertod verurteilt. Eine Milderung des Urteils sah eine vorherige Strangulierung vor und wurde am gleichen Tag an der Hinrichtungsstätte im heutigen Trierer Stadtteil Euren vollzogen.

In seiner Funktion als Hexenrichter war Dietrich Flade vorher selbst mit aller Strenge aufgetreten.
(Gedenkfeier mit Oberbürgermeister Klaus Jensen: moralische und sozialethische Rehabilitation der Opfer der Hexenprozesse / Hexenverfolgung 2014)

 

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Hexenverfolgung: Verden (Aller) Niedersachsen

Von 1517 bis 1683 fanden in Verden Hexenverfolgungen statt. 80 Frauen und neun Männer gerieten in Hexenprozesse, 26 Frauen und sechs Männer wurden verbrannt. Margarethe Sievers, 15 Jahre, Tochter eines Steinhauers, vermutlich nervenkrank, angezeigt von den eigenen Eltern, wurde 1618 enthauptet.

Sechs Frauen starben unter der Folter, fünf in der Haft. Im Jahr 1606 wird bei 16 Prozessen vermerkt: Flucht, Prozessausgang unbekannt. Heinrich Rimphoff, ab 1642 Superintendent über das Bistum Verden, war für die Wiederaufnahme der Hexenverfolgungen im Bistum Verden verantwortlich.

Zusammen mit dem Verdener Domkapitel, dem Magistrat und der juristischen Fakultät der Universität Rinteln war er 1647 treibende Kraft in einem Hexenprozess, der für mehrere Frauen mit dem Tod endete.

Der Hexenprozess gegen Catharine Wolpmann war 1667 der Auslöser für das Verbot von Hexenprozessen im schwedischen Königreich, zu dem Verden an der Aller damals gehörte, durch die Königin Christina.

Hexenverfolgung: Veringenstadt / Baden-Württemberg

Veringenstadt ist eine Stadt im Landkreis Sigmaringen. Hier wurde Bader-Ann (* 1619 in Leiße; † 8. Juni 1680 in Veringenstadt) als Hexe hingerichtet.

Im Stadtarchiv von Veringenstadt befinden sich aus dem Jahre 1680 die Protokolle des Hexenprozesses gegen Anna Kramer, von der Bevölkerung als Bader-Ann bezeichnet, und im Heimatmuseum Veringenstadt wird das Hexenhemd von Veringenstadt aufbewahrt.

Dieses Hexenhemd sollte die Macht haben, den Einfluss des Teufels auf die Person, die dieses Hemd trägt, zu verhindern. Das Hemd ist vom 10. bis 17. Mai 1680, also in sieben Tagen, von sieben dreizehnjährigen Kindern gesponnen, gewoben und genäht worden. In die Säume wurden geweihte „magische Zettel“ eingenäht. Bader-Ann musste es während ihrer Vernehmungen tragen.

Die Exekution wurde am Samstag vor Pfingsten, den 8. Juni 1680, vollzogen. Morgens um 8.00 Uhr versammelten sich der Stabhalter, die zwölf Richter und der Stadtschreiber alle in schwarzen Mänteln auf der offenen Laube des Rathauses zu Veringenstadt, um öffentlich Gericht über die arme Sünderin zu halten.

Der Rentmeister Franz Wilhelm Schneider brachte als herrschaftlicher Fiskal und Anwalt die Anklage vor und das Gericht hatte seinen Fortgang nach K. Karls Malefiz-Gerichtsordnung.

Nach Anerkennung des Rechtes hat man der Malefikantin nochmal ihre Urgicht, danach das Urteil und die Begnadigung zum Schwert vorgelesen, hierauf den gebrochenen Gerichtsstab vor ihre Füße geworfen und sie danach mit dem Läuten der großen Glocke und in Begleitung der Geistlichen, des Gerichts, der Wächter, Schützen und einer großen Volksmenge zur gewöhnlichen Gerichtsstätte ausgeführt.

Dort wurde sie auf ein aufgemachtes Gerüste gebracht, mit verbundenen Augen auf einen Stuhl gesetzt und unter lauter Abbetung des Vaterunsers bei der Bitte: „Erlöse uns vom Übel“, durch den Scharfrichter Enderle enthauptet.

Den Leichnam legte man auf den Scheiterhaufen, wo er zu Asche verbrannte, dabei ist aber dokumentiert, dass nachdem der Holzstoß angezündet wurde eine abscheulich dicke Kröte aus dem Haufen heraus und bald wieder hineingekrochen sei, auch einige große Raben seien mehrmals ganz nahe auf die Flamme hin und alsdann unter Schreien davongeflogen, was Jakob Heberle, Johann Eggstein und viele andere gesehen haben wollen.

Die historische Vorlage wurde vom 1984 gegründeten Fastnachtsverein Kräuterhexen Veringenstadt e.V. aufgegriffen. Die Figur der Fastnachtshexe, hier als „Kräuterhexe“ bezeichnet, nimmt direkten Bezug auf Anna Kramer, wobei eine kritische Betrachtung der Folterung und Ermordung einer Unschuldigen ausbleibt.

Das Kostüm entstand nach der Vorlage des historischen Hexenhemds von Veringenstadt, zusammen mit einem Hexenbesen. Zuletzt wurde 2013 die zentrale Einzelfigur der „Teufels-Hex“ eingeführt. Das Kostüm wird vom Ersten Vorstand getragen.
Kräuterhexen Veringenstadt e.V.
Webseite: www.khv84.de

 

Walpurgisnacht:
Von fliegenden Hexen und ekstatischen Tänzen
von Christian Rätsch
Gebundene Ausgabe: 112 Seiten
AT Verlag
ISBN-13: 978-3038003120

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Zitat: Alle Jahre wieder treffen sich in der sagenumwitterten Walpurgisnacht vom 30. April auf den 1. Mai verkleidete Hexen und Teufel auf dem Blocksberg zum wilden Treiben.

Der heidnische Tanz in den Mai geht auf germanische und antike Kulte zurück. Legenden berichten, dass sich ‘Hexen’ mit einer psychoaktiven Flugsalbe einschmieren und nachts auf Besen zum Blocksberg fliegen, um den bocksbeinigen ‘dunklen Fürsten’ in einer ausgelassenen Orgie zu huldigen.

Das wilde Treiben regte zu vielfältigen literarischen, bildlichen und musikalischen Zeugnissen an und erlangte insbesondere auch in der Frauenbewegung Bedeutung. Der Autor verfolgt die Walpurgisnacht von ihren heidnischen Ursprüngen über die Zeit der Hexenverfolgung bis zur heutigen Zeit.

Er beleuchtet die Herkunft des Namens, berichtet von Sagen, Legenden und Bräuchen – von der archaischen Baumverehrung bis zum volkstümlichen Aufrichten des Maibaums – und beschreibt die mit dem Fest verbundenen Pilze, Pflanzen, Bäume, Aphrodisiaka, Räucherwerk und Rauschmittel.

Ein spannendes, inspiriertes Buch zu einem alten heidnischen Fest, das im 21. Jahrhundert eine Renaissance erlebt.

 

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