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Hexenverfolgung und Hexenprozesse in Deutschland R/S

25/08/2018

Ravensburg / Baden-Württemberg

Heinrich Institoris OP (eigentlich Heinrich Kramer oder Krämer bzw. Henryk Instytor, lateinisch (frater) Henricus Institoris; * um 1430 in Schlettstadt, Elsass; † um 1505 in Kremsier) war der Autor des Hexenhammers und als Inquisitor einer der Wegbereiter der Hexenverfolgung der Frühen Neuzeit. Er wurde bekannt als Hexentheoretiker.

1479 wurde er zum Doktor der Theologie promoviert. Nach einem Prozess gegen Juden in Trient, dem er beiwohnte, begann er seine Tätigkeit als Verfolger angeblicher Hexensekten. 1482 wurde er Prior des Dominikanerklosters in Schlettstadt.

Bei einem ersten Hexenprozess in Ravensburg, zu dem er von dem dortigen Stadtrat angefordert wurde, brachte er zwei Frauen auf den Scheiterhaufen. Er entwarf den Text der Bulle Summis desiderantes affectibus (sog. Hexenbulle), die Papst Innozenz VIII. 1484 auf sein Betreiben herausgab.

Mit der Bulle veranlasste er zahlreiche Hexenprozesse, unter anderen einen in Innsbruck. Dort protestierten aber Vertreter aller sozialen Schichten gegen ihn, worauf Bischof Georg (II.) Golser eine Kommission einsetzte, die Kramers Arbeit untersuchte.

Als die zu einem verheerenden Ergebnis kam, befahl der Bischof, die Verfolgung einzustellen, entließ die angeklagten Frauen und hob die Urteile der Inquisition auf. Heinrich Kramer wurde aufgefordert, das Land zu verlassen.

Gegen Dezember 1486 verfasste Heinrich Kramer den Hexenhammer, welcher durch die aufkommende Buchdruckerkunst weite Verbreitung fand. Kramer fügte seinen Ausführungen die päpstliche Bulle Summis desiderantes affectibus und die gefälschte Approbation mehrerer Kölner theologischer Professoren bei.

Damit wurde dem Werk, das die hohe Auflage von 30’000 Exemplaren erreichte, der Anschein einer Empfehlung für weltliche Richter gegeben, die vom Inquisitor bevollmächtigt und beauftragt wurden, das gefällte Urteil zu vollstrecken. Auf diese Weise nahm der Hexenhammer als kasuistischer Kommentar den Rang eines kirchlichen „Hexengesetzbuches“ für Strafrichter an.

Heinrich Kramers Vorgehen bei seiner systematischen Inquisition war immer gleich. Schon durch sein Erscheinen säte er unter den Menschen Misstrauen und Angst.

Bei der sogenannten Hexenpredigt warnte er vor der Bedrohung des Teufels, schüchterte die Menschen ein und drängte auf Denunziationen schon bei geringsten Beobachtungen und Auffälligkeiten, wie mutmaßlichen bösen Blicken oder ungewöhnlichen Krankheiten.

Heinrich Kramer berief sich dabei auf eine Verschwörungstheorie, nach welcher der Teufel die Hexensekten leite und kurz davor stehe, das Ende der Welt herbeizuführen.

Mit der Macht der Hexenbulle im Rücken, unter Einsatz von Folter, der sogenannten Peinlichen Befragung, strebte er im folgenden Prozess ausschließlich den Schuldspruch an. Kramer rühmte sich, 200 Hexen zur Strecke gebracht zu haben, und beschuldigte auch diejenigen als Ketzer, welche an der Existenz von Hexen zweifelten.

Recklinghausen / Nordrhein-Westfalen

Zwischen 1514 und 1706 sind 127 Hexenprozesse aktenkundig. Höhepunkt der Hexenverfolgungen waren die Perioden von 1580 bis 1581 und von 1588 bis 1589, als auch die Truchsessschen Wirren endeten. Trine Plumpe widerstand 1650 der Folter in einem Hexenprozess.

Trine Plumpe (* um 1630 in Recklinghausen; † unbekannt), geriet in einen Hexenprozess im Vest Recklinghausen (Bezeichnung für den Gerichtsbezirk des mittelalterlichen Gogerichts in Recklinghausen).

Ihre Mutter Anna Schorfeld, genannt Plumpe, und sie stammten aus dem Ortsteil Hochlar, wo in der Zeit der Hexenverfolgungen auf dem Segensberg die Hinrichtungen stattfanden.

Die junge Trine Plumpe aber gestand nicht trotz wiederholter Folterung die ihr zur Last gelegten Verbrechen. Deswegen konnte sie nicht zum Tode verurteilt werden, denn es hätte den Rechtsvorschriften widersprochen. Das Urteil am 4. Oktober 1650 lautete auf Ausstellung (wahrscheinlich am Pranger) und Bezahlung aller Unkosten des Gerichtes.

Weil sie trotz Folter kein Geständnis ablegte, trug sie zum Ende der Hexenverfolgung im unmittelbaren Jurisdiktionsbereich des Vests Recklinghausen bei.

Zwischen 1514 und 1706 sind im Vest Recklinghausen, das zum Erzstift Köln gehörte, 127 Hexenprozesse aktenkundig, davon 104 gegen Frauen. Höhepunkt der Hexenverfolgungen waren die Perioden 1580–1581 und 1588–1589, als die Truchsessschen Wirren endeten.

Aus den Rentmeister-Rechnungen des vestischen Finanzbeauftragten, in denen die Gefängniskosten und die Ausgaben für den Scharfrichter verzeichnet sind, geht hervor, dass der Schwerpunkt der Recklinghäuser Hexenprozesse in den Jahren 1580–1581 (mindestens 45 Menschen) und 1588–1589 (31 Personen) lag. Es finden sich häufig verwandte Personen: Eheleute, Mutter und Tochter, Geschwister.

1514 ließ der vestische Amtmann Graf von Schaumburg eine Zauberische aufgreifen. Sie wurde beschuldigt, den kalten Winter jenes Jahres verursacht zu haben. Sie floh, wurde aber wieder eingefangen, zum Schloss Horneburg zurückgebracht und wahrscheinlich dort verbrannt. Letzte als Hexe verurteilte Frau war Anna Spiekermann, die 1706 durch das Schwert hingerichtet wurde.

Rehburg-Loccum / Niedersachen

(Rat der Stadt Rehburg-Loccum: moralische und sozialethische Rehabilitation der Opfer der Hexenprozesse / Hexenverfolgung 2013)

Rehna / Mecklenburg-Vorpommern

Mindestens 20 Personen (18 Frauen, zwei Männer) gerieten 1595–1684 in Hexenprozesse, davon wurden wahrscheinlich elf hingerichtet. 1668 wurde Ilse Klink, die Witwe des ehemaligen Bürgermeisters Hinrich Klink, verbrannt. Sie hatte erst nach mehrfacher Folter zu einem Geständnis gezwungen werden können. Als sie ihr Geständnis widerrief, wurde sie erneut der Folter unterworfen.

Rhens / Rheinland-Pfalz

Im 16. und 17. Jahrhundert kam es in Rhens (seinerzeit Kurfürstentum Köln; heute Landkreis Mayen-Koblenz in Rheinland-Pfalz) zu Hexenverfolgungen. In den Hexenprozessen wurden 26 Menschen, 23 Frauen und drei Männer, wegen angeblicher Zauberei hingerichtet.

Die Einkerkerung und Folterung fand im „Scharfen Turm“ (Teil der Stadtmauer, direkt am Rhein, auch „Hexenturm“ genannt) statt, allerdings auch auf dem Rhenser Rathaus und im früher noch vorhandenen Stadtturm über dem Viehtor.

Die erste Verfolgungswelle begann um 1575 und schloss sich an die Hexenprozesse im benachbarten Braubach im Jahr 1570 an. 1575 ließ der hessische Oberamtmann zu St. Goar laut einem Schreiben des Rhenser Rates aus dem Jahre 1603 in Braubachetzliche weibspersonen […] wegen Zauberey und anderer bößen begangenen Unthatten“ verurteilen und zum Teil hinrichten.

Die zweite Hexenprozesswelle erstreckte sich von 1628 bis 1630. Im Oktober 1628 richteten Amtmann, Ratsherren, Bürgermeister und Bürger von Rhens ein Gesuch an den Landgrafen von Hessen-Kassel und baten um Genehmigung für die Durchführung von Hexenprozessen.

Die Schicksale der zwölf Menschen (elf Frauen und ein Mann), die als Hexen- und Hexenmeister angeklagt wurden, sind genau dokumentiert. Die Quellen befinden sich im Landeshauptarchiv Koblenz.

Etliche Opfer der zweiten Prozessserie waren wohlhabende Bürgerinnen:

Der Ehemann von Apollonia Lehmels, Thiebes Lehmel, war 1621 Gutsverwalter. Die 80-jährige Frau Apollonia verstarb im Februar 1629 an den Folgen der Folter im Gefängnis.

Sophia Bech (Beck), hingerichtet am 27. März 1629, war verheiratet mit Jacob Bech, der in den Kirchenbüchern als Schöffe und Medicus bezeichnet wird.

Christine May (Mey), geborene Müller, war mit dem Gutsverwalter Martin May verheiratet. Sie wollte sich der Folter entziehen und sprang aus einem Fenster des Gefängnisturmes. Sie überlebte den Sprung und konnte noch einige hundert Meter weit fliehen, bevor sie gefasst wurde. Sie wurde am 9. Mai 1629 hingerichtet.

Nur wenige Angeklagte entgingen einer Verurteilung. Margarethe Dreiß (Dreys, Dreis, geborene Schneider) war in zweiter Ehe mit dem Unterschultheiß Christian Dreiß verheiratet.

Sie wurde im Dezember 1629 verhaftet, aber verweigerte selbst unter der Folter ein Schuldbekenntnis und wurde freigelassen. Weil sie niemanden denunzierte, hat sie maßgeblich zum Ende der ersten Prozesswelle beigetragen. Als sie 1645 in der dritten Prozesswelle erneut verhaftet wurde, fehlte ihr die Kraft, ihre Unschuld zu beteuern und wurde am 17. September 1645 hingerichtet.

Die dritte Hexenprozesswelle dauerte von 1645 bis 1647. Die Prozesse wurden 1929 beschrieben, die Prozessakten waren jedoch nach dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr aufzufinden. Dieses Mal wurden elf Personen angeklagt, zwei Männer und neun Frauen.

Prominentestes und letztes Opfer war Margarethe Altenhofen, Frau des Bürgermeisters Gerhard Altenhofen, die am 7. März 1646 hingerichtet wurde.

Rheinbach / Nordrhein-Westfalen

An die Hexenprozesse in Rheinbach, die zwischen 1631 und 1636 wüteten, erinnert der Hexenturm, der damals als Gefängnis diente und Teil der Rheinbacher Burg ist, die von den Herren von Rheinbach gegen Ende des 12. Jahrhunderts errichtet wurde und heute noch in Teilen vorhanden ist.

Unter den Hexenkommissaren Franz Buirmann und Jan Möden wurden etwa 130 Menschen aus Rheinbach, Flerzheim und Meckenheim als Hexen angeklagt, gefoltert und verbrannt.

In Rheinbach entpuppten sich die Hexenverfolgungen als mörderischer Machtkampf innerhalb der städtischen Führungsschicht. Fünf der sieben Schöffen mussten fliehen oder wurden ermordet.

Hermann Löher, ehemaliger Bürgermeister und Chronist dieser Ereignisse, rettete sich nach Amsterdam. Den Vogt Schwegeler verbrannten die Hexenrichter vor den Stadttoren.
(Rat der Stadt Rheinbach: moralische und sozialethische Rehabilitation der Opfer der Hexenprozesse / Hexenverfolgung 2012)

Rheinbach (Hexenturm) Nordrhein-Westfalen

Der Hexenturm in Rheinbach im Rhein-Sieg-Kreis ist der erhaltene Bergfried der ehemaligen Rheinbacher Burg. Er steht im mittelalterlichen Stadtkern an der Bachstraße/Himmeroder Wall und ist das Wahrzeichen der Stadt.

Der unterste Raum des Turms wurde im 17. Jahrhundert als sogenannter „Hexenkerker“ genutzt. Die Namensgebung (Hexenturm) erinnert an die Hexenprozesse, die in Rheinbach vor allem zwischen 1631 und 1636 stattfanden.

Vermutlich wurden in Rheinbach rund 130 Menschen als Hexen angeklagt, gefoltert und verbrannt, die im Kerker des ehemaligen Bergfrieds eingesperrt worden waren.

Rinderbügen / Hessen

Rinderbügen ist ein Stadtteil von Büdingen im Wetteraukreis. In der Zeit der Hexenverfolgungen spielt sich 1597 ein besonders dramatisches Kapitel Rinderbügener Geschichte ab. Im Februar werden vier Frauen aus dem Ort Rinderbügen beschuldigt, zum Hexensabbat auf dem Hexentanzplatz (Kesslertanz) gewesen zu sein. Die Namen dieser Frauen lauten:

Margreth, Hans Fausten Frau,
Anna, Hanß Datten Frau,
Anna, Fritz Dietrichs Frau,
Crein, Lips Hoffmanns Frau.

Die vier Frauen werden der fortgesetzten Hexerei an Menschen, Vieh und Wetter beschuldigt. Am 8. Mai 1597 werden sie verhaftet und in Birstein in den „Turm“ gelegt.

Am 4. Mai 1597 beruft der Graf die Mitglieder des Gerichtes, darunter den Hofprediger Anton Praetorius. Die juristische Fakultät der Universität Marburg entscheidet in einem juristischen Gutachten, dass die Verhängung der Folter rechtmäßig ist. Als die Folter beginnt, erhängen sich nachts zwei Angeklagte in der Zelle.

Am 5. Juli berichtet der Ehemann der Angeklagten Katharina Hoffmann, dass seine Frau schwanger sei und bittet um Milde. Nach Beratungen des Gerichts wird die Hochschwangere nach Bezahlung einer größeren Geldsumme am 23. Juli morgens um 6 Uhr vor dem Frühstück entlassen.

Anna, Fritz Dietrichs Frau, Mutter von 9 Kindern, die vor 20 Jahren nach Rinderbügen zugewandert ist, wird am 1. Juli gefoltert. Die gequälte Frau bleibt standhaft und beteuert nach wie vor ihre Unschuld. Nach einigen Tagen wird Frau Anna Dietrich nochmals „peinlich befragt“.

Als die nochmalige Folterung in der Öffentlichkeit bekannt wird, bildet sich unter Anführung des Hofpredigers eine Demonstration. Die Leute protestieren gegen die Todesfälle der Frauen in der Untersuchungshaft und fordern die Einhaltung der Menschenrechte auch für die Angeklagten. Nach tumultartigen Szenen im Gericht wird die Folter abgebrochen.

Der Schreiber der gräflichen Kanzlei hielt diesen ungewöhnlichen Vorfall fest: „Weil der Pfarrer alhie heftig dawieder gewesen, als man die Weiber peinigte, also ist es diesmal deßhalben unterlassen worden.“ Aus den Akten wird deutlich, dass der Pfarrer derart gegen die Folter wetterte, dass der Prozess beendet und die noch lebende Gefangene freigelassen wurde.

Ringelai (Perlesreut) Bayern

Ringelai ist eine Gemeinde im niederbayerischen Landkreis Freyung-Grafenau, in der Region Donau-Wald im Bayerischen Wald. Der Ort Fürsteneck in Niederbayern war im Jahr 1703 Schauplatz eines Hexenprozesses. Im Pfarrhof von Röhrnbach erhielt sich ein ausführliches Protokoll des Prozesses.

Afra Dickh (auch Afra Dick) war Dienstmagd beim Bauern Frueth in Wittersitt, einem Ortsteil der heutigen Gemeinde Ringelai. Die Anklage lautete auf Giftmord, Verhexung von Mensch und Tier, der Verbindung mit anderen verhexten Personen und des buhlerischen Umgangs mit dem Teufel.

Mitangeklagte waren das 13-jährige Hüterdirndl Maria, das beim selben Bauern in Dienst stand, und die verwitwete Bäuerin Maria Kölbl, eine 15-fache Mutter aus Neidberg bei Ringelai.

Die drei Frauen wurden in der Fronfeste von Perlesreut gefangengehalten und im Februar 1703 tagelang eingehend und dem Protokoll nach „gütlich“ befragt.

Afra hatte 42 Fragen zu beantworten, aufgrund derer sie erzählt habe, wie sie mit dem Teufel bekannt und vertraut wurde, wie sie mit seiner Kraft Zutritt zu allen Behausungen und Stallungen fand, wie sie Kühe verzauberte und so Milch, Rahm und Schmalz in großen Mengen gewann.

Sie habe auf einer Gabel nächtliche Ritte unternommen und mit fremden Mannspersonen, darunter Böhmen, wilde Gelage gefeiert. Zuletzt soll sie den Gebrauch der Hexensalbe zugegeben haben.

Der Bäuerin Maria Kölbl wurden dreizehn Fragen gestellt. Demnach bekannte sie, von den Vorkommnissen gehört zu haben, nicht aber, daran beteiligt gewesen zu sein. In der elften Frage hielt man ihr vor, dass man bei einer Haussuchung in ihrem Hof in einer Truhe 34 verdächtige Dinge gefunden habe.

Darunter Salben, Wachs, Salz, Pech, Zwiebelsamen, Blutsteine, Scher- oder Maulwurfshäutel, Holz, Späne, Seide, Garn und Riemen. Maria Kölbl behauptete, diese Dinge als Heilmittel, besonders zur Pflege der offenen Beine, zu benötigen.

Nun wurden drei „Erfahrungspersonen“ aus Neidberg befragt, Männer im Alter von 31, 49 und 59 Jahren. Sie erklärten, ihre Kühe seien verhext worden, weshalb sie an Milch, Rahm, Butter und Schmalz starken Abgang gehabt hätten.

Der jüngste der drei wusste zu erzählen, der Mann der Bäuerin Maria Kölbl sei im Sommer und Herbst immer mit großen Mengen Schmalzes nach Passau gereist und habe es dort verkauft. Oft habe man in Neidberg oder dessen Nähe mannsfaustgroße Rahmbrocken gefunden, die von den Hexen beim Heimreiten verloren worden seien.

Wiederholt habe er einen feurigen Drachen beobachtet, bevor dieser in ein Haus gefahren sei. Die Zitzen der Kuheuter seien zerbissen und die Milch ganz schleimig gewesen.

Ein Knecht namens Adam Drexler, der früher bei der Bäuerin Maria gearbeitet hatte, habe ihm zudem offenbart, die Bäuerin sei ihrem vorigen Mann nicht treu gewesen und habe ehebrecherische Beziehungen zu dem Mitknecht Andreas unterhalten.

Afra Dickh wurde wegen Zauberei und Brandstiftung (in puncto veneficii et incendii) am 1. Juni 1703 vom Passauer Scharfrichter Sebastian Fleischmann am Fürstenecker Hochgericht bei Perlesreut mit dem Strang vom Leben zum Tod befördert.

Danach wurde Afra Dickh mit 30 Klaftern Holz und 40 Pfund Pech auf einem Scheiterhaufen zu Asche verbrannt. Maria Kölbl wurde einige Wochen später hingerichtet.

Im Jahr 1997 erschien Manfred Böckls Roman Der Hexenstein, der ausgehend von den Gerichtsprotokollen die Hexenverfolgung anprangerte.

Im selben Jahr wurde in Ringelai ein kleines Hexenmuseum eingerichtet, das an Afra Dickh und Maria Kölbl erinnert. Dort sind die Verhörprotokolle des Hexentribunals mit Übersetzungen zu sehen.

Im Jahr 2005 zeigte der Festspielverein Fürsteneck e. V. im Rahmen der erstmals dargebotenen Barockfestspiele Fürsteneck das Schauspiel Pech und Puder (Buch & Regie: Florian Schwartz), in denen die beiden Frauen das Opfer übler Machenschaften werden.

Auch der Fürstenecker Liedermacher Walter Peschl setzt sich mit dem Hexenprozess von Fürsteneck in seinen Liedertexten auseinander und arbeitet das Thema – neben anderen sozialen und wirtschaftlichen Problemen des Bayerischen Waldes – musikalisch auf. In diesem Zusammenhang entstand der Titel „d’Hexnjagd

Rostock / Mecklenburg-Vorpommern

Die Universität Rinteln, die Universität Rostock und die Universität Wittenberg („Leucorea“) waren führende gutachterliche Universitäten während der Hexenprozesse.

Die Spruchpraxis an den allgemeinen deutschen juristischen Fakultäten war recht unterschiedlich. Die juristischen Fakultäten der Universität Helmstedt („Academia Julia“) und die Universität Rinteln galten als „hardliner“ in Sachen Hexenverfolgung.

Rottweil / Baden-Württemberg

In den Hexenverfolgungen in Rottweil von 1546 bis 1661 sind 287 Verfahren wegen Hexerei und Zauberei belegt. 266 Menschen wurden in den Hexenprozessen hingerichtet.
(Rat der Stadt Rottweil: moralische und sozialethische Rehabilitation der Opfer der Hexenprozesse / Hexenverfolgung 2015)

Rüthen / Nordrhein-Westfalen

Die Stadt Rüthen war in der frühen Neuzeit Schauplatz von Hexenprozessen. Von 1573 bis 1664 wurden in der Stadt und im Gogericht Rüthen 104 Hexenprozesse durchgeführt. Dabei sind mindestens 167 Menschen hingerichtet worden.

Nur einzelne Personen, wie etwa Freunnd Happen, Angeklagter während der Hexenverfolgungen in Rüthen, trotzte der Folter und schaffte es, dem Schuldvorwurf zu widersprechen.

Freunnd Happen wurde am 19. Juli 1660 von Bürgermeister und Rat der Stadt Rüthen wegen des Verdachtes des Lasters der Zauberei in seinem Haus gefangen genommen und an das Gericht in der Stadt übergeben. Happen wurde im Rüthener Hexenturm gefangen gehalten und gefoltert.

Freunnd Happen trotzte der Folter und schaffte es, keinen Menschen zu denunzieren. Nach zwei Monaten Haft und dreimaliger schwerster Folter wurde Freunnd Happen am 23. September 1660 freigesprochen.

Nachdem der Magistrat des Gerichts in Rüthen für diesen Hexenprozess ein Rechtsgutachten eingeholt hatte, musste Freunnd Happen einen Eid leisten und schriftlich bestätigen, dass er Urfehde schwört und sich an niemandem rächen will, dass er sich „friedlich in der Stille bei seiner Haushaltung […] halten und andere Gesellschaft zu meiden verpflichtet“. Im Schlussteil der Akte ist sogar davon die Rede, dass er ein „haus bauet“.

Eventuell besteht eine verwandtschaftliche Beziehung zu Ursula Happen aus Langenstraße bei Rüthen, vermutlich vor 1652 als Hexe hingerichtet. Ihr Name findet sich für 1652 in den Prozessakten der Witwe Engela Borris des Gogerichts Rüthen.

Von 1573 bis 1659 sind aus dem kleinen Ort Rüthen und im Gogericht Rüthen 169 Hexenprozesse bekannt, darunter gegen Grete Adrian. Dabei sind mindestens 79 Menschen hingerichtet worden. Höhepunkte waren die Jahre 1593–1594 mit 20 und 1652–1654 mit 24 Hinrichtungen.

An das Wirken von Gegnern der Hexenverfolgung erinnert am Hexenturm in Rüthen das Bronzerelief für Friedrich Spee und den Hirschberger Pfarrer Michael Stappert.
(Moralische und sozialethische Rehabilitation der Opfer der Hexenprozesse / Hexenverfolgung 2011)

Rüthener Hexenturm

Beim Rüthener Hexenturm, früherer Name Allagener Turm, handelt es sich um einen denkmalgeschützten mittelalterlichen Turm der ehemaligen Stadtbefestigung von Rüthen.

Im Rüthener Hexenturm wurden während der Hexenverfolgung im Herzogtum Westfalen Verdächtige wie Freunnd Happen aus Meiste inhaftiert, auch wenn dies teilweise bestritten wird.

Neben dem Hexenturm wurde in Rüthen auch das Hachtor (Torturm der Stadtmauer), auch Hachtpforte genannt, als Gefängnis und Folterplatz für angebliche Zauberer und Hexen, aber auch für andere Gefangene genutzt.

In der Ausstellung werden zahlreichen Repliken von Folterinstrumenten gezeigt. Auch ein Becher findet sich in der Ausstellung, denn nach Logik der Inquisition musste der Angeklagte bei der Folter bei vollem Bewusstsein sein. Ihm wurde deshalb bei drohender Ohnmacht ein stärkendes und aufputschendes Getränk gereicht.

Es werden auch die Lebensgeschichten einzelner „Hexen“ dokumentiert, so z. B. von Grete Eickhoff, die 1659, vier Jahre nach ihrer Mutter, geköpft und verbrannt wurde.

Die Ausstellung erinnert auch an Vorkämpfer gegen den Hexenwahn, so an Friedrich Spee von Langenfeld, von dem der früheste Beleg des Rechtsgrundsatzes „Im Zweifel für den Angeklagten“ im deutschen Rechtsraum stammt, und Michael Stappert. Beiden Männern ist ein Bronzerelief des Düsseldorfers Bert Gerresheim am Hexenturm gewidmet.

Die Hexenverfolgung im Herzogtum Westfalen, zu dem Rüthen gehörte, ereignete sich vom 16. Jahrhundert bis zum 18. Jahrhundert. Das Herzogtum Westfalen war im 17. Jahrhundert einer der Schwerpunkte der Verfolgung im Heiligen Römischen Reich und in Europa.
Webseite: NRW Stiftung

 

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Schlangen / Nordrhein-Westfalen

Mindestens vier Personen wurden hingerichtet, so Mette Deppe (sie wurde im Herbst 1586 als Zaubersche in Detmold mit dem Feuer hingerichte), bei zwei anderen Fällen ist eine Hinrichtung wahrscheinlich.
In Kohlstädt wurden 1615 zwei Männer wegen Hexerei hingerichtet.

Am 20. Mai 1586 setzten die Vertreter des Kirchspiels Schlangen  (zu dem auch Kohlstädt und Oesterholz gehörten) eine Klageschrift auf, in der sie forderten, der Zauberei verdächtigen und berüchtigten Weiber aus den Gemeinden Kohlstädt, Oesterholz und Schlangen vor Gericht zu stellen.

Sechs Frauen gerieten in Hexenprozesse, von denen mindestens vier Personen hingerichtet wurden, bei zwei anderen Fällen ist eine Hinrichtung wahrscheinlich:

Gertrud Deppe aus Kohlstädt sollte angeklagt werden, aber entfloh im Mai 1586.
Ihre Tochter Mette Deppe wurde gefoltert und im Herbst 1586 in Detmold verbrannt.
Ilse Rut: ihr Schicksal ist unbekannt.
Ihre Tochter Anneke Rut aus Kohlstädt wurde vermutlich hingerichtet.
Grete Schepers aus Schlangen wurde vermutlich hingerichtet.
Lueke (Luitgard) zu Oesterholz: ihr Schicksal ist unbekannt.
Cathrine (Trine) Bunsen aus Schlangen war 1571 als Witwe aus Bad Lippspringe nach Schlangen gekommen und hatte dort Johan Bunsen geheiratet. Es ging das Gerücht, diese Auswärtige sei geflohen, weil sie ihren ersten Ehemann durch Giftzauber umgebracht hätte. Sie wurde gefoltert und musste 1589 erneut vor Gericht, welches sie zum Tod auf dem Scheiterhaufen verurteilte.
(Rat der Gemeinde Schlangen: moralische und sozialethische Rehabilitation der Opfer der Hexenprozesse / Hexenverfolgung 2015)
Weblink: Ingrid Ahrendt-Schulte: Von bösen Weibern ins Verderben gestürtzt – Nachbarschaftskonflikte im Kirchspiel Schlangen und Hexenprozesse. In: www.schlänger-geschichte.de (Magazin über die Vergangenheit der Gemeinde Schlangen. Herausgeber und Redaktion: Heinz Wiemann)

Schleswig / Schleswig-Holstein

Bei Hexenverfolgungen in den Jahren 1548–1551 wurden mindestens 38 Frauen verurteilt und hingerichtet. Richtstätte war der Marktplatz. Die Prozessakten sind im Schleswiger Stadtarchiv erhalten geblieben.
(Gedenkgottesdienst Domgemeinde mit Bürgermeister Christiansen, Einweihung Gedenkstein beim Rathaus: moralische und sozialethische Rehabilitation der Opfer der Hexenprozesse / Hexenverfolgung 2014)

Schmallenberg (Hexenplatz) Nordrhein-Westfalen

Schmallenberg und seine Ortsteile sowie der Ort Astenfeld (Hinrichtungen in Schmallenberg) waren von Hexenverfolgungen betroffen. Von 1601 bis 1671 wurden in den Hexenprozessen 135 Personen angeklagt, 121 wurden hingerichtet oder starben unter der Folter.

Der WaldSkulpturenWeg Wittgenstein–Sauerland, meist nur WaldSkulpturenWeg genannt, ist ein 23,4 km langer Wander- und Skulpturenweg im Rothaargebirge zwischen den Städten Bad Berleburg (Kreis Siegen-Wittgenstein) und Schmallenberg (Hochsauerlandkreis).

Der Weg führt auch durch den Schmallenberger Ortsteil Schanze, wo er die einstige Landwehr Wegesperre (mit Parkplatz; 715,9 m; Kulturdenkmal) passiert und den Talweg des Rothaarsteigs kreuzt. Etwas nördlich des Dorfs verläuft er an einem Soldatengrab (711,7 m) vorbei.

Später führt er, den Rothaarkamm verlassend, nordwärts hinab zur Skulptur “Der Hexenplatz” (8; ca. 530 m), die knapp 400 Wegmeter ostnordöstlich des eigentlichen Wegs an einem Waldweg-Knotenpunkt (525,4 m) im Tal des Hartmecke-Zuflusses Lüttmecke liegt.

Schmoel (Gut Schmoel) Schleswig-Holstein

Im Jahre 1686 gab es auf Schmoel Hexenprozesse, bei denen insgesamt 18 Menschen hingerichtet wurden. Infolge dessen wurde der Gutsherr Christoph von Rantzau aufgrund eines Verfahrensfehlers zu einer Geldstrafe verurteilt.

Zwei Jahre später schaffte er die Leibeigenschaft auf dem Gut ab, was jedoch sein Nachfolger wenige Jahre später revidierte. Dagegen führten die Bauern im 18. Jahrhundert mehrere Prozesse.

Seit 1740 gehörte Gut Schmoel zur Herrschaft Hessenstein, mit der der schwedische König Friedrich seinen unehelichen Sohn Friedrich Wilhelm von Hessenstein versorgte. Dieser hob die Leibeigenschaft erst zwischen 1795 und 1800 auf.

1686 verurteilte Christoph von Rantzau in drei aufsehenerregenden Prozessen (zwei in Schmoel, einer in Övelgoenne) insgesamt achtzehn Leibeigene wegen Hexerei zum Tode. Ausgangspunkt der Prozesse war eine Krankheit, die im März 1686 mehrere Bewohner der zum Gut Schmoel gehörenden Dörfer dahingerafft hatten.

Christoph von Rantzau hatte bereits 20 Jahre zuvor Hexenprozesse durchgeführt, in deren Folge mehrere Menschen verbrannt worden waren. Mette Schlan war bereits damals “besagt” worden, aber freigelassen worden, weil ihr nichts nachgewiesen werden konnte.

Diesmal “gestand” Mette Schlan, die Krankheit durch das Ausstreuen von Mutterkorn hervorgerufen zu haben, und nannte die Namen sechs weiterer Mittäter, darunter ihren eigenen Vater. Vier der Angeklagten wurden gefoltert und gestanden.

Einem von ihnen gelang nach dem Verhör die Flucht aus dem Gefängnis. Die übrigen vier Angeklagten ließ Rantzau am Tag der Urteilsverkündung am 23. April 1686 erdrosseln und auf dem Scheiterhaufen verbrennen, obwohl sie ihre Geständnisse vor dem Giekauer Pastor Johann Christoph Linekogel widerriefen.

Schwerin / Mecklenburg-Vorpommern

Zwischen 1560 und 1700 wurden in Mecklenburg rund 4000 Menschen wegen Hexerei angeklagt, von denen etwa die Hälfte hingerichtet wurde. Auch in Schwerin fanden in dieser Zeit immer wieder Hexenprozesse statt, wobei sich die Intensität der Verfolgung nach dem Dreißigjährigen Krieg noch einmal deutlich steigerte.

Die Verhöre fanden im Rathaus am Markt, im Schloss und im Haus des Scharfrichters in der Burgstraße statt. Von 1564 bis 1770 gibt es Berichte über 103 Hexenprozesse, davon wurden wahrscheinlich 45 Angeklagte hingerichtet. Eine Frau verstarb unter der Folter. Möglicherweise ergingen sieben Landesverweise, zwei Angeklagten gelang die Flucht.

Allein zwischen 1665 und 1669 wurden 19 angebliche Hexen in der Stadt verhaftet. Fast alle wurden nach kurzen, aber äußerst brutalen Verhören und derart erzwungenen Geständnissen hingerichtet und verbrannt. Da die gequälten Frauen dem Gericht auch die Namen weiterer Hexen nannten, entwickelten sich regelrechte Kettenprozesse.

und bei Johann verschleiert werden sollte, wurden 1604 mehrere Frauen aus Schwerin als Hexen angeklagt, darunter Catharina Wankelmod, die später auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurde, und Margarethe Schultze, die nach einem fünf Jahre währenden Prozess 1609 freigesprochen wurde.

Weil Selbsttötung eine Sünde war, wurden 1604 mehrere Frauen aus Schwerin als Hexen angeklagt und beschuldigt, 1592 den Tod des jungen Herzogs Johann VII. durch Hexerei herbeigeführt zu haben

Unter den Frauen waren auch Catharina Wankelmod (Katharina Wankelmut), die später auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurde, und Margarethe Schultze, die nach einem fünf Jahre währenden Prozess 1609 freigesprochen wurde.

Auch Kinder zählten zu den Opfern in Schwerin. 1642 wurde der achtjährige Hans Donken (Hans Douke) wegen Zauberei ausgepeitscht. Asmut Veith wurde mit vierzehn Jahren gar enthauptet.

Zu diesem Ereignis der Stadtgeschichte wurde an der 1986 am Großen Moor aufgestellten Keramischen Säule mit einer Relieftafel der Bildhauerin Anni Jung erinnert.
(Stadtvertretung Schwerin: moralische und sozialethische Rehabilitation der Opfer der Hexenprozesse / Hexenverfolgung 2016)

 

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Semlin / Brandenburg

Die Semlinerin Anna Rahns wurde 1672 während der Zeit der Hexenverfolgung in Semlin unter dem Vorwurf des Schadenzaubers verhört und ging als ”Butterhexe“ in die Dorfgeschichte ein.

Bürgermeister Alfred Mantau und der Ortsbeirat erklärten die Verfolgung der Anna Rahns 1672 zu Unrecht und enthüllten am 27. Juli 2002 das erste Hexendenkmal, das der Grützer Künstler Volker Roth († 2008) gestaltete in den neuen Bundesländern.

Sigmaringen / Baden-Württemberg

Anna Maria Sterck (* 1668 in Engelswies (Herrschaft Gutenstein, Grafschaft Sigmaringen; heute Ortsteil von Inzigkofen); † 22. September 1679 in Sigmaringen war ein Mädchen, das als Hexe verfolgt und trotz des Kindesalters hingerichtet wurde.

Anna Maria Sterck stammte aus einfachsten Verhältnissen in Engelswies. Sie hatte einen um zwei Jahre jüngeren Bruder Johannes. Als die Kinder (spätestens 1676) Vollwaisen wurden, wurden sie in die Familie von Hans Kickenmayer aufgenommen. Wohl bald nach der Aufnahme fiel es der Pflegefamilie schwer, den Unterhalt der Kinder zu finanzieren.

Hans Kickenmayer beklagte sich 1676 über diese Situation und über die Kinder selbst bei der Regierung in Sigmaringen. Er erzählte über die Kinder „Hexengeschichten“ und dass ihr Verhalten auffällig sei: sie lagen im Bett beieinander „wie zwey Eheleuth“. Offenbar kümmerte man sich in Sigmaringen nicht weiter darum.

Die Situation verschärfte sich aber. Anfang des Jahres 1678 war die Familie Kickenmayer entschlossen, die Kinder um jeden Preis loszuwerden, man plante sogar einen Mord. Dies kam aber heraus, was die Sigmaringer Regierung zwang, sich mit dem Fall erneut zu befassen.

Da die Familie Kickenmayer Vorwürfe der Hexerei gegen die Kinder erhob, lud man sie am 28. März 1678 in die Regierungskanzlei vor. In dem Verhör berichtete dann Anna Maria bereitwillig, dass ihr Vater, der Hexenmeister gewesen wäre, sie in der Hexerei unterrichtet habe und dass sie mit ihm zum Hexentanz ausgefahren sei.

Auf Drängen gab sie auch zu, dass sie ein inzestuöses Verhältnis mit ihrem Bruder hätte. Außerdem erzählte sie, dass die Teufelsfigur Jockele ihme Bluth aus dem Herzen genommen“ habe, um ihren Namen aufzuschreiben. Trotz dieser und anderer Geständnisse wurden die Kinder wieder nach Hause geschickt.

Offenbar wusste man in Sigmaringen nicht, wie mit diesem Fall umzugehen sei. Das Mädchen hatte offenbar eine lebhafte Phantasie und es nahm den weitverbreiteten Hexenglauben auf, ohne sich dessen bewusst zu sein, wie gefährlich dies war.

Am 26. November 1678 wurden die Geschwister Sterck schließlich im Schloss Sigmaringen inhaftiert. Im Laufe der monatelangen Haft führte man mehrere Verhöre durch. Meistens verwendete man darin keinen Zwang, doch manchmal half man mit Drohungen und Rutenschlägen nach. Die Kinder gestanden darin die typischen „Hexenverbrechen“.

Nach rund einem halben Jahr verstarb Johannes Sterck am 16. April 1679 in der Haft an Pocken. Anna Maria Sterck wurde später zum Tode durch Enthauptung verurteilt. Da die „Hexen“ normalerweise lebend verbrannt wurden, kam dieses Urteil einer Gnade gleich.

Nach der Vollstreckung des Urteils am 22. September 1679 in Sigmaringen wurde das Mädchen auf dem Friedhof beerdigt, was normalerweise auch nicht der Fall war.

Sindelfingen / Baden-Württemberg

Von 1562 bis 1684 gerieten in den Hexenverfolgungen in Sindelfingen 34 Frauen in Hexereiverdacht. Im Gegensatz zu vielen Gebieten in Württemberg fanden über die Hälfte der Verdächtigen den Tod: 19 der angeklagten Frauen wurden in Hexenprozessen hingerichtet.

Hexenprozess: 1590. Magdalena Flicker, Verhaftung am 3. August, Hinrichtung 23. Dezember in Böblingen (Sindelfingen wurde erst 1605 ein eigenständiges Amt).

1590. Diakon Johannes Cappler, 2. Pfarrer in Sindelfingen, trat Verleumdungen entgegen, wurde als “hexenbürg” beschimpft und nach einer Untersuchung von Kirchenräten aus dem Pfarrdienst entlassen.

Hexenprozess: 1596. Sara Sauter, Barbara Breuninger und Gertrud Raith wurden als Segensprecherinnen ins Sindelfinger Rathaus vorgeladen vor Schultheiß, Pfarrer Georg Reipchius und anderen Vertretern der Kirche.

Pfarrer Reipchius sagte über Barbara Breuninger: Sie sei ein böses Weib und (Giftmischerei oder Hexerei) sehr suspekt. Die Regierungsräte in Stuttgart verboten den Frauen das “ungebürende Arzneien“.

Hexenprozess: 1609. Vogt Wendel von Maur als Stellvertreter des Herzogs von Stuttgart war der öffentliche Ankläger. Er führte seinen ersten Hexenprozess gegen Agatha Eberwein, eine arme alte Witwe. Die Eltern eines kranken Kindes hatten sie des Schadenzaubers (Krankheit) bezichtigt.

Unter der Folter gestand Agatha Eberwein und belastete drei weitere Frauen. Als diese fliehen wollten, ordnete der Vogt ein Verhör und Konfrontation mit Agatha Eberwein an. Ottilia Krumm hätte an Hexentänzen und Wettermachen teilgenommen. Margaretha Mögelin, Ottilia Krumms Schwester, wäre die vornehmste der Hexengesellschaft beim Hexensabbat.

Barbara Breuninger erlitt im August den Feuertod. Barbara Breuninger war als Segenssprecherin bereits 1596 verwarnt worden. Der Sindelfinger Pfarrer Philipp Heerbrand ermahnte die Angeklagte und bestätigte die Hexereigerüchte gegen die Angeklagten. Gegen Ottilia Krumm und Margaretha Mögelin wurde Anklage erhoben. Sie legte unter der Folter das Geständnis ab, Hexen zu sein.

Auf dem endlichen Rechtstag folgte am 26. Juni 1609 das Todesurteil gegen Agatha Eberwein, Ottilia Krumm und Margaretha Mögelin. Die Hinrichtungsstätte in Sindelfingen lag vermutlich auf dem Goldberg, wo auch der Galgen stand.

Wenige Wochen später stand die 85-jährige Barbara Breuninger vor Gericht. Unter der Folter besagte sie die bereits Hingerichteten als “Gespielinnen” des Teufels, sowie die Frauen Sara Sauter, Katharina Heubacher und Irmula Straub.

Hexenprozesslawine 1615 bis 1616: In der Hexenprozesslawine von Mai 1615 bis September 1616 gerieten 19 Frauen in den Verdacht des Schadenzaubers und der Hexerei. Zwölf Frauen verloren ihr Leben.

Hexenprozess: 1615. Barbara Ada (Barbara Betz) hingerichtet. 1611 schrie Barbara Ada in einem Gottesdienst am 29. Juni 1611 laut auf während einer Predigt von Pfarrer Philipp Heerbrand über das große Unwetter am 26. Juni 1611. Daraufhin wurde sie von Vogt Wendel von Maur im Rathaus verhört.

Sie wurde verdächtigt, den Tod ihrer Ehemänner verursacht zu haben, und des Segenssprechens. Unter der Folter gestand sie nichts und wurde zunächst freigelassen. 1615 wurde sie hingerichtet.

Hexenprozess: 1616. Waldburga Pfau: Hinrichtung am 1. Oktober 1616. Es war die letzte bekannte Hexenverbrennung in Sindelfingen.

2007 wurde in Sindelfingen ein stadtgeschichtlicher Weg zum Thema Hexenverfolgung eingeweiht mit neun Informationstafeln und detaillierten Hinweisen auf die Hexenprozesse in der Stadt in der Zeit von 1563 bis 1616. Begleitmaterialien wurden entwickelt, um den Schulen zu helfen, sich intensiver mit der Stadtgeschichte zu beschäftigen.

Soest / Nordrhein-Westfalen

In der Zeit der Hexenverfolgungen wurden von 1570 bis 1616 mindestens 67 Hexenprozesse durchgeführt. Mit dem Hexenprozess gegen Anna Witthovedes begann der folgenreichste Soester Kettenprozess der Jahre 1585–1586, dessen Opfer weitgehend männlich waren.
(Rat der Stadt Soest: moralische und sozialethische Rehabilitation der Opfer der Hexenprozesse / Hexenverfolgung 2013)

Sommerach (Hexenplatz) Bayern

Sommerach ist eine Gemeinde im unterfränkischen Landkreis Kitzingen. Am Eichelsee oder Kreuzsee zwischen Nordheim und Sommerach (das heutige Geotop Eichelsee-Doline am Kreuzberg) soll der Versammlungsplatz der Hexen aus der Umgebung gewesen sein.

Störte ein Wanderer sie bei ihrer Zusammenkunft, wurde ihr Zauber so geschwächt, dass sie in den nächsten Wochen niemanden schaden konnten. Wer aber zur Zeit der Versammlung auf den Berg wollte, wurde durch Irrlichter auf falsche Wege gebracht, wenn er nicht starr zum Himmel hinauf starrte.

Speyer (Hexenhammer) Rheinland-Pfalz

Zu den positiven Einflüssen des Reichskammergerichts (1577) zählt auch, dass es in Speyer bemerkenswerterweise zu nur einer Hexenverbrennung kam. Eine solche ist im Jahre 1581 belegt, in dem es heißt: „Barbara, Hans Kölers burgers weib, eine zauberin, ist den 25. Januarij verbrendt wordenn“.

Dass dies nicht häufiger vorkam, wird mit der hohen Rechtskultur begründet, die Speyer vor anderen Städten des Reichs auszeichnete. Das Reichsgericht war immer wieder mit Hexenprozessen befasst und sprach sich meistens zugunsten der Angeklagten aus. Aus naheliegenden Gründen wurde das Gericht in Speyerer Fällen immer als Revisionsinstanz angerufen.

Der Dominikaner Heinrich Kramer (lat. Henricus Institoris) veröffentlichte 1486 in Speyer sein Buch, Hexenhammer (lat. Malleus Maleficarum), das bis ins 17. Jahrhundert hinein in 29 Auflagen erschien. Es sollte als religiös-rechtliche Grundlage für die Hexenprozesse im Rahmen der Inquisition dienen, wurde als solche jedoch nie offiziell anerkannt.

Bis Ende des Jahres 1500 erschienen 6 lateinische Drucke des Hexenhammers, alle in Einzelausgaben, nach Speyer auch in Nürnberg und Köln, sodann bis zum Jahr 1523 weitere 7 oder 8 Ausgaben in Metz, Köln, Paris, Lyon und Nürnberg.

Nach der ersten großen Welle von Hexenprozessen im Gefolge der Reformation folgte eine Publikationspause, die mit einem Mentalitätswandel erklärt wird.

Heinrich Kramer legitimierte die Hexenverfolgungen, sein Werk fand jedoch offiziell weder kirchliche noch weltliche Anerkennung, auch wenn er seinem Buch die päpstliche Bulle Summis desiderantes affectibus voranstellte. Zu Lebzeiten Kramers gab es Hunderte von Hinrichtungen.

Der Canon episcopi, ein auf unbekannte Vorlage zurückgehendes kirchenrechtliches Dokument, das zur Zeit der Abfassung des Hexenhammers bereits über 500 Jahre alt war und Eingang in die bedeutendsten Sammlungen des Kirchenrechts gefunden hatte, verurteilte den Glauben an Hexenflüge in Gefolgschaft heidnischer Göttinnen als Einbildung teuflischen Ursprungs und Häresie.

Heinrich Kramer reagierte mit seinem Buch auf den bereits entgegen dieser Lehre bestehenden Hexenwahn. Er sah sich gezwungen, den Canon episcopi so zu interpretieren, dass jeder, der nicht an Hexen glaubte, zum Häretiker wurde. Der Hexenhammer fand in der Folge auch in Amerika Verbreitung, wobei die Hexenprozesse in Salem die bekanntesten sind.

 

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Straubing (Ernst von Bayern-München) Bayern

Ernst von Bayern-München (* 1373; † 2. Juli 1438 in München) aus dem Haus Wittelsbach war der älteste Sohn von Herzog Johann II., genannt der Gottselige, und dessen zweiter Frau Katharina von Görz, der Tochter von Graf Meinhard VI..

Ernst war somit ein Urenkel Kaiser Ludwigs des Bayern. Er regierte von 1397 bis 1438 zunächst gemeinsam mit seinem Bruder Wilhelm III. und seinem Onkel Stephan III. von Bayern-Ingolstadt, nach dem Verzicht der Linie Bayern-Ingolstadt 1402 nur noch mit seinem Bruder und nach dessen Tod 1435 allein im Herzogtum Bayern-München.

1435 ließ Ernst Agnes Bernauer, die nichtadlige Geliebte seines Sohnes Albrecht, bei Straubing in der Donau ertränken. Gemeinsam mit Ludwig VII. von Bayern-Ingolstadt plante Albrecht daraufhin militärische Schritte gegen seinen Vater. Nach der Aussöhnung mit seinem Vater heiratete Albrecht allerdings 1436 Herzogin Anna von Braunschweig-Grubenhagen, mit der er zehn Kinder hatte.

Sugenheim / Bayern

(moralische und sozialethische Rehabilitation der Opfer der Hexenprozesse / Hexenverfolgung 2002)

Suhl / Thüringen

Suhl war 1553–1699 von Hexenverfolgung betroffen. Im gesamten heutigen Stadtgebiet mit den Ortsteilen Albrechts, Dietzhausen, Goldlauter, Heinrichs (Suhl), Mäbendorf, Neundorf (Suhl), Vesser (Suhl) und Wichtshausen gab es 116 Hexenprozesse mit 74 Hinrichtungen.

Vier Angeklagte starben unter der Folter.
(moralische und sozialethische Rehabilitation der Opfer der Hexenprozesse / Hexenverfolgung 2011)

Sundern / Nordrhein-Westfalen

(Rat der Stadt Sundern: moralische und sozialethische Rehabilitation der Opfer der Hexenprozesse / Hexenverfolgung 2011)

 

Die Päpste und die Hexen
Aus den geheimen Akten der Inquisition
von Rainer Decker
Gebundene Ausgabe: 184 Seiten
Verlag: Primus in Wissenschaftliche Buchgesellschaft (WBG)
Sonderausgabe
ISBN-13: 978-3863120528
Taschenbuch ab EUR 8,88

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Zitat: Seit dem Jahr 1998 haben Wissenschaftler Zugang zum Archiv des Heiligen Offiziums.

Die fast vollständig erhaltenen Protokolle der Sitzungen der obersten Inquisitionsbehörde, die sogenannten Decreta, geben jetzt wichtige Einblicke in die Rolle, die die Päpste bei den Hexenprozessen spielten:

Denn bei Zweifelsfragen oder in wichtigen Fällen ließen sich Papst und Kardinäle die Prozessakten schicken und bestimmten dann das weitere Verfahren, bis hin zu den Strafen.

Rainer Decker zeigt, dass nicht die Päpste die radikalen Hexenverfolger waren, sondern andere Institutionen als Scharfmacher fungierten: lokale geistliche und vor allem weltliche Richter, ganz abgesehen von der Masse der Bevölkerung, die Sündenböcke suchte.

Der Nachweis wird anhand zahlreicher konkreter Fallbeispiele aus mehreren Jahrhunderten und aus ganz Europa geführt. Auf diese Weise werden grundlegende Einblicke in Entscheidungsfindung, Wandel und Beharren im Denken der römischen Glaubenswächter möglich. Gebundene Ausgabe:

 

 

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