Hexenverfolgung und Hexenprozesse in Deutschland K/M

Hexenverfolgung: Kallenhardt / Nordrhein-Westfalen

Kallenhardt ist ein Stadtteil von Rüthen im Kreis Soest. Von 1573 bis 1619 wurden zahlreiche Einwohner Opfer von Hexenprozessen. Insgesamt beläuft sich die Zahl möglicherweise auf mehr als 40 Personen.
(moralische und sozialethische Rehabilitation der Opfer der Hexenprozesse / Hexenverfolgung 2011)

Hexenverfolgung: Kammerstein / Bayern

Am 24. November 2002 haben Bürgermeister Walter Schnell und Vertreter der Kirchen eine offizielle moralische Rehabilitation der als Hexe verurteilten Ottilia Kuenin aus Kammerstein ausgesprochen.
(Moralische und sozialethische Rehabilitation der Opfer der Hexenprozesse / Hexenverfolgung 2002)

Hexenverfolgung: Kempten (Fürststift) Bayern

Von 1421 bis 1775 gerieten in Kempten 19 Personen in Hexenprozesse. Am 4. April 1775 war Kempten Schauplatz des letzten Hexenprozesses in Deutschland. Anna Maria Schwegelin wurde als Hexe wegen Teufelsbuhlschaft zum Tode durch das Schwert verurteilt, jedoch nicht hingerichtet, sondern begnadigt.

In Kempten wurde als Erinnerungsort für Anna Maria Schwegelin an der Südostseite des Residenzgebäudes der ehemaligen Benediktinerabtei am 27. Juni 2002 ein nach ihr benannter Brunnen mit Gedenktafel auf einem Sockel daneben eingeweiht.

Das Urteil des Fürstabts Honorius Roth von Schreckenstein, dem kraft kaiserlichen Privilegs (Campidona sola judicat ense et stola) die geistliche und weltliche Gerichtsbarkeit zustand, wurde aber nicht vollstreckt, da der Fürstabt wenige Tage vor der Vollstreckung befahl, erneut die Ermittlungen aufzunehmen. Der Fall wurde jedoch nicht weiter verfolgt, so dass Anna Schwegelin 1781 im Kemptener Gefängnis (Stockhaus) eines natürlichen Todes starb.

Hexenverfolgung: Köln / Nordrhein-Westfalen

Kölner Hexereiverfolgung der Jahre 1626–1630. in den umliegenden Ämtern des Kurfürstentums Köln brannten seit dem Frühjahr 1626 die Scheiterhaufen.

Auf Melaten wurde Katharina Henot, die Tochter Jacob Henots, im Jahr 1627 als Hexe verbrannt. Christina Plum bezichtigte sich erstmals im Frühjahr 1629 der Hexerei und denunzierte bei einem Verhör im April 1629 zunächst zehn angesehene Bürger. Nach weiteren Denunziationen erfolgten mehreren Hinrichtungen, darunter auch die von Christina Plum am 16. Januar 1630.

Katharina Henot war eine Kölner Patrizierin, Postmeisterin und das bekannteste Opfer der Kölner Hexenverfolgungen. Sie wurde als angebliche Hexe zunächst erdrosselt und dann verbrannt.

Obwohl Henot, nach mehrfacher Folter verkrüppelt und schwer krank, sich weigerte zu gestehen, wurde sie auf dem seinerzeit auch als Richtstätte genutzten Friedhof Melaten in Köln vom Scharfrichter erwürgt und ihre Leiche anschließend auf dem Scheiterhaufen verbrannt.

Die Hinrichtung der Geschäftsfrau entbehrte jeder juristischen Grundlage. Nach damals geltendem Recht mussten Beschuldigte freigelassen werden, wenn es selbst durch Folter unmöglich war, ein Geständnis zu erpressen.

Erst ab der zweiten Jahreshälfte 1630 wurde die Hexenverfolgung in Köln ausgesetzt. 1655 wurde Enn Lennartz als Hexe enthauptet und verbrannt. Sie war das letzte Opfer der Kölner Hexenverfolgung.

Insgesamt gab es in der Zeit der Hexenverfolgung (1435–1655) 96 aktenkundig gewordene Hexenprozesse, bei denen 37 Beschuldigte zum Tod verurteilt wurden.
(Der Kölner Stadtrat beschloss am 28. Juni 2012 die Rehabilitierung Henots und 37 weiterer Frauen, die wie Henot zum Tode verurteilt worden ware: moralische und sozialethische Rehabilitation der Opfer der Hexenprozesse / Hexenverfolgung 2012)

Die Kölner Gruppe Bläck Fööss verfasste das Lied ihrer Geschichte mit dem Titel „Katharina Henot“ im Kölner Dialekt.
Katharina Henot von Bläck Fööss, aus dem Album Rut un wiess. Hörprobe auf Amazond.de

Der Fernsehfilm Die Hexe von Köln aus dem Jahr 1989 (Regie Hagen Mueller-Stahl) behandelt das Leben Katharina Henots und ihres Bruders Hartger. Literatur: Die Hexe von Köln

Hexenverfolgung: Köln (Kloster St. Klara) Nordrhein-Westfalen

Sophia Agnes von Langenberg (* 1597 oder 1598; † 30. Januar 1627 in Lechenich) war eine Nonne (Klarissin) im Kloster St. Klara in Köln und wurde als Hexe hingerichtet. Sophias Weg von einer als „lebende Heilige“ Verehrten zu einer als Hexe zum Tode Verurteilten erlangte überregionale Aufmerksamkeit.

Sophia stand in Köln im Ruf einer lebenden Heiligen, deren fürbittendes Gebet andere Menschen zu heilen vermochte. Dieser Ruf, den Sophia von Langenberg in Köln besaß, wurde von ihrem Beichtvater, einem Franziskanerpater, verbreitet.

Ihr Ruf als „lebende Heilige“ wurde noch gefestigt, nachdem im Februar 1622 eine Nonne der St.-Vinzenz-Klause auf Sofias Fürbitte von einem schmerzhaften Beinleiden plötzlich genesen war.

Erste Zweifel an ihrer Heiligkeit äußerte der päpstliche Nuntius Pietro Francesco Montoro in Köln. Er konfiszierte die von ihrem Beichtvater verfasste Biografie sowie die Tagebuchaufzeichnungen desselben Verfassers über das Leben Sophias und sandte sie nach Rom. Als im April 1622, am Ostersonntag, ein Kruzifix in Sophias Zelle plötzlich zu bluten begann, sahen die Franziskaner ein Mirakel.

Wie an vielen Orten, gab es in dieser Zeit auch in dem Kölner Franziskanerinnenkloster St. Klara mehrere Fälle von Besessenheit. Bei dem von den Franziskanern ausgeübten Exorzismus bezichtigten die „besessenen Nonnen“ Sophia, sie verhext zu haben.

So eskalierte der zum Fall Sophia von Langenberg gewordene Streit zu einem Machtkampf zwischen dem päpstlichen Nuntius und dem Kurfürsten und Erzbischof von Köln um die Oberaufsicht in den Franziskanerkonventen.

Der Nuntius Pier Luigi Carafa gestattete, das Mirakel des blutenden Kreuzes zu untersuchen, ohne zu ahnen, dass damit eine Welle von Hexenprozessen ausgelöst werden würde.

Um weitere Turbulenzen zu vermeiden, entschloss sich Generalvikar Johannes Gelenius, Sophia Agnes von Langenberg aus dem Kloster zu entfernen. Am 28. Mai 1626 wurde sie vom Generalvikar persönlich ins kurfürstliche Schloss nach Lechenich gebracht und dort inhaftiert.

Als Kurfürst Ferdinand im November 1626 das Schreiben erhielt, das ihn autorisierte, die Folter anzuwenden, begannen die Verhöre. Unter der Folter bezichtigte Sophia die Kölner Postmeisterin Katharina Henot der Hexerei im Kloster St. Klara.

Die Anklage führte in Köln am 9. Januar 1627 zur Verhaftung Katharina Henots, die am 19. Mai 1627 in Köln Melaten hingerichtet wurde. Katharinas Schwester Franziska Henot, Konventualin des Klosters St. Klara in Köln, wurde vermutlich nach einer Bezichtigung durch Sofia von Langenberg, vom 22. Januar 1627 bis 18. Februar 1628 in Lechenich inhaftiert.

Sophia von Langenberg wurde wegen Hexerei und anderer Excesse zum Tode verurteilt. Sie wurde am 30. Januar 1627 im Zwengell des Schlosses stranguliert und anschließend zu Hettikoven beerdigt.

In Heddinghoven lag damals um die Heddinghovener Kapelle der Begräbnisplatz für die Verstorbenen der Lechenicher Vororte Konradsheim und Blessem. Vermutlich ist Sofia an einem Platz außerhalb der Umfriedung beerdigt worden.

Die von den Klarissen verursachten Kosten hatte das Kloster St. Klara zu tragen. Die Rechnung für Sofia von Langenberg betrug insgesamt 1642 Gulden, für Franziska Henot 1841 Gulden. Die Rechnung für die nach Lechenich abkommandierten Kommissare betrug 1247 Gulden.

Sophia von Langenberg gehörte zu den Personen, die – zumindest vorübergehend – zu Lebzeiten in ihrem Umfeld als Heilige verehrt wurden („lebende Heilige“). Da sie diesen Ruf nicht über ihren Tod hinaus erhalten konnte und die Kirche ihre Visionen nicht anerkannte, zählt sie zu den sogenannten falschen Heiligen.

Der Hexenprozess gegen Sophia Agnes von Langenberg gehörte neben dem Verfahren gegen Maria Renata Singer von Mossau zu den wenigen, in denen eine Geistliche als Hexe öffentlich angeklagt und auch hingerichtet wurde.

Regionalgeschichtlich begann mit ihr die Reihe der Hexenprozesse im kurkölnischen Amte Lechenich, denen ab 1627 zahlreiche Frauen und Männer zum Opfer fielen.

Hexenverfolgung: Konstanz / Baden-Württemberg

Von 1414 bis 1418 fand das Konzil von Konstanz statt. Das Konzilgebäude, in dem lediglich das Konklave der Papstwahl stattfand, steht heute noch am Bodenseeufer, gleich neben dem Konstanzer Hafen und Bahnhof. Der eigentliche Sitzungssaal war der Bischofsdom, das heutige Münster.

Die Wahl von Martin V. am 11. November 1417 war die einzige Papstwahl nördlich der Alpen. Gleichzeitig wurde hier das abendländische Schisma von 1378 durch die Absetzung der Gegenpäpste und die Hinrichtung des tschechischen Reformators Jan Hus beendigt. Rom wurde als Sitz des Papstes bestätigt und festgelegt.

Jan Hus wurde in dem der Seeseite zugewandten Rundturm des Inselklosters (heute Inselhotel auf der Dominikanerinsel) und später in der Burg des Bischofs von Konstanz in Schloss Gottlieben eingekerkert.

Am 6. Juli 1415 wurde der Reformator anlässlich des Konzils als Ketzer auf dem Scheiterhaufen verbrannt, seine Asche wurde in den Rhein gestreut. Der Prozess fand im Dom zu Konstanz statt.

Hus wurde keine Gelegenheit zu detaillierter Stellungnahme zu den Anklagepunkten gegeben. Die Zusage des freien Geleits des Königs Sigismund wurde gebrochen. Die Hinrichtung wurde durch die weltlichen Mächte vorgenommen nach einer letzten Aufforderung des Abgesandten des Königs zum Widerruf.

Das Hus-Denkmal an der Laube in Konstanz gegenüber der Lutherkirche wurde von Adéla Kacabová entworfen. Es wurde 2015 aufgestellt und eingeweiht. Es ist ein Geschenk der Tschechoslowakischen Hussitischen Kirche an die Stadt Konstanz.

Hexenverfolgung: Kriftel / Hessen

Kriftel war 1588–1630 von Hexenverfolgung betroffen, mindestens zwei Frauen wurden verbrannt.
(Gemeindevertretung Kriftel: moralische und sozialethische Rehabilitation der Opfer der Hexenprozesse / Hexenverfolgung 2016)

Hexenverfolgung: Kurmainz (Erzstift) Rheinland-Pfalz

Mainz gehörte nicht zu den Gebieten erster Hexenprozesse im 15. Jahrhundert, auch ignorierte Erzbischof Berthold von Henneberg wie viele andere die von Papst Innozenz VIII. 1484 in der päpstlichen Bulle Summis desiderantes affectibus geforderte Unterstützung der Inquisitoren Heinrich Institoris und Jakob Sprenger zur Inhaftierung und Bestrafung (nicht Verbrennung) von Hexen.

Jedoch gab es in der Folge durch das 16. Jahrhundert hindurch immer wieder Verleumdungsklagen, die vereinzelt zu Prozessen mit unterschiedlichem Ausgang führten.

Das änderte sich ab 1594, als unter Duldung der Erzbischöfe Johann Adam von Bicken und seines Nachfolgers Johann Schweikhard von Kronberg insbesondere im Oberstift (den kurmainzischen Gebieten um Aschaffenburg) eine große Zahl von Hexenprozessen mit Hunderten von Hexenverbrennungen stattfanden.

Zwei der Opfer waren in Aschaffenburg die Karpfenwirtin Margarethe Rücker und die Kreuzschneiderin Elisabeth Strauß, die am 19. Dezember 1611 enthauptet und verbrannt wurden.

In Flörsheim wurden in den Hexenprozessen drei Jugendliche hingerichtet: Johann Schad, Margreth Schad und Ela Schad. Erzbischof Johann Philipp von Schönborn brach als einer der ersten deutschen Reichsfürsten in der Mitte des 17. Jahrhunderts den Hexenwahn, indem er die vereinzelt noch stattfindenden Hexenprozesse durch Verordnungen erschwerte und schließlich verbot.

Ähnlich massive Hexenverfolgungen wie im Erzstift Mainz zwischen 1594 und 1618 lassen sich in Süddeutschland nur in den Hexenprozessserien der Hochstifte Bamberg und Würzburg sowie in Eichstätt und Ellwangen nachweisen.

 

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Hexenverfolgung: Landshut / Bayern

Vermutlich fand die letzte Hexenhinrichtung auf Reichsboden 1756 in Landshut statt: am 2. April 1756 wurde die 15-jährige Veronika Zeritschin als Hexe verbrannt, nachdem sie geköpft worden war.

Hexenverfolgung: Leipzig / Sachsen

In Leipzig wurden 1479–1730 Hexenverfolgungen durchgeführt: 24 Personen gerieten in Hexenprozesse, sechs wurden hingerichtet.

Hexenverfolgung: Lemgo / Nordrhein-Westfalen

Eines der schönsten Bürgerhäuser, mit einem reich verzierten Renaissance-Giebel versehen, ist das Krüwelhaus an der unteren Breiten Straße. Besser bekannt ist dieses Gebäude unter dem Namen Hexenbürgermeisterhaus und erinnert damit an die dunkelste Zeit in Lemgos Geschichte.

Hier wohnte im 17. Jahrhundert Bürgermeister Hermann Cothmann (1629–1683), der eine führende Rolle bei der Hexenverfolgung spielte. Die Folgen des Dreißigjährigen Krieges und von Pestepidemien führten zu den Hexenprozessen, bei denen zahlreiche unschuldige Frauen und Männer der Zauberei angeklagt wurden.

Sich gegen diesen Vorwurf zu wehren, war praktisch unmöglich, denn unter der Folter, Peinliche Befragung genannt, wurde von jedem ein Geständnis erzwungen. Danach verbrannte man die der Hexerei überführten Delinquenten auf dem Scheiterhaufen.

Bis zum Jahr 1681 verloren auf diese Weise allein in Lemgo 272 Frauen und Männer ihr Leben, darunter Pfarrer Andreas Koch. Damit nahm die Stadt in Lippe eine Sonderstellung ein und bekam den Beinamen Lemgo, das Hexennest.

Die ersten beiden Perioden dauerten von 1564 bis 1566 und von 1583 bis 1605/1606, die Zahl der Todesopfer ist nicht genau bekannt. Der erste Prozess wegen Zauberei, dessen Akten in Lemgoer Stadtarchiv erhalten sind, erfolgte im Jahr 1566 und das Urteil lautete auf Landesverweisung.

Die ersten Hexenprozesse, deren Akten erhalten sind, fanden 1583 statt. Auch hier lauteten die Urteile selten auf Tod, sondern in der Regel auf Landesverweisung. Erst zu Beginn des 17. Jahrhunderts wurden die Verfahren unmenschlicher und die Urteile grausamer. Ab 1628 endeten alle Hexenprozesse mit dem Tod der Angeklagten.

Die dritte Periode von 1628 bis 1637 fiel in die Zeit des Dreißigjährigen Kriegs, und es wurden mindestens 110 Menschen der Hexerei beschuldigt und 84 davon hingerichtet.

Hierbei handelte es sich in der Hauptsache um Angehörige einkommensschwächerer Schichten, darunter sechs Männer. Als Grund für die Beendigung der Verfolgungswelle wird der Einzug der Schweden in Lemgo angenommen.

Die Prozesse der vierten Periode von 1653 bis 1681 wurden von Bürgermeister Heinrich Kerkmann in den Jahren von 1653 bis 1656 geführt, für die darauffolgenden Prozesse bis 1681 war jedoch Hermann Cothmann verantwortlich, der ab 1666 Direktor des Peinlichen Gerichts, eines neu geschaffenen Amtes, und ab 1667 Bürgermeister war.

Die gesamte vierte Prozessperiode fiel in die Amtszeit des Scharfrichters David Clauss des Älteren. In dieser Periode hatte sich auch das Geschlechts- und Sozialprofil der Angeklagten geändert.

Lag der Anteil der Männer vorher bei sechs Prozent, erhöhte er sich ab 1653 auf rund 25 % und die Zahl der Angeklagten aus der bürgerlichen Führungsschicht stieg im Verlauf dieser Verfolgungswelle signifikant.

Die Gesamtzahl der Todesopfer in den Lemgoer Hexenprozessen wird auf rund 250 Menschen geschätzt, davon über die Hälfte nach 1653, also annähernd 130 Prozessopfer.

Am 25. April 1509 wurden laut Bernhard Witte in seiner Historia Westphaliae 14 Frauen und ein Scholasticus wegen Giftmischerei verhaftet. Eine der Frauen hatte einer Mutter ein Mittel verkauft, das die Versöhnung mit ihrem Sohn bewirken sollte.

Dieser aber war nach Einnahme des Mittels gestorben. Sieben der gefangenen Frauen gestanden unter der Folter zahlreiche Verbrechen und mussten den Feuertod sterben. Damit begann die Serie der Hexenprozesse in Lemgo.

Im Folgenden sind einige der prominentesten Opfer aufgeführt, die alle im Verlauf der vierten Periode verurteilt wurden.

Margarete Siekmann war in zweiter Ehe mit dem Baumseidenmacher Bernd Krevetsiek verheiratet. Sie wurde von ihrem sechsjährigen Pflegekind nach einer Tracht Prügel bei dessen Mutter als Hexe bezeichnet und von dieser 1653 beim Magistrat angezeigt.

Man warf ihr vor, sie könne zaubern und würde diese Kunst weitergeben. Unter der Folter gestand sie und wurde am 10. August 1653 von Scharfrichter David Clauss mit dem Schwert hingerichtet und anschließend auf dem Scheiterhaufen verbrannt.

Catharina Cothmann war die Mutter des späteren Hexenbürgermeisters Hermann Cothmann, die im Jahr 1654 hingerichtet wurde. Ihr Ehemann Diederich Cothmann war in finanziellen Schwierigkeiten und konnte die für die Tötung mit dem Schwert geforderten 100 Taler nicht aufbringen. Der Rat senkte die Summe auf 40 Taler, verlangte dafür aber Ländereien und Gärten von Cothmann als Ausgleich.

Der Prozess gegen den Schullehrer Hermann Beschoren erregte großes Aufsehen. Ihm wurde vorgeworfen, zahlreiche Schüler zum Teufelsbund verführt zu haben, und gestand unter der Folter, 17 Knaben und Mädchen das Zaubern gelehrt zu haben.

Graf Hermann Adolph setzte sich für ihn ein, konnte aber 1654 die Hinrichtung Beschorens mit dem Schwert nicht verhindern. Erst ab 1664 bekam der lippische Landesherr das volle Begnadigungsrecht zugesprochen. Hermann Beschorens Ehefrau wurde ebenfalls angeklagt und hingerichtet.

Anna Veltmans, auch bekannt unter dem Namen Witwe Böndel, war eine erfolgreiche Kauffrau. Sie geriet durch mehrfache Besagungen in Hexereiverdacht, konnte aber eine Kaution hinterlegen und wurde freigelassen.

Nach dem Tode ihres zweiten Ehemannes wurde sie erneut verdächtigt, angeklagt und gestand unter der Folter. Nach Zahlung der geforderten Summe wurde sie zum Schwert begnadigt und am 23. Dezember 1665 hingerichtet.

Der Pastor der Marienkirche Hermann Müller wurde 1655 der Zauberei beschuldigt. In einigen Fällen holte der Rat Gutachten bei Universitäten ein. Die Rechtsgelehrten in den Hochschulen in Marburg und Gießen rieten den Lemgoern, bei einem Mann der Kirche von der Anwendung der Folter abzusehen, und der Pastor kam mit dem Leben davon, verlor allerdings sein Amt, das er 35 Jahre lang ausgeübt hatte.

Johann Abschlag hatte es unter Tilly und Wallenstein im Dreißigjährigen Krieg zum Obristleutnant gebracht und bewohnte ein Haus in der Nähe des Marktplatzes. Er hatte sich zuvor mit dem Rat wegen der zu hohen Viehsteuer angelegt. Er wurde denunziert und 1654 als Zauberer und Kommandant der Hexen bezeichnet.

Auch er wurde durch ein Universitätsgutachten freigesprochen, falls sich nicht ein neuer Verdacht ereigne. 1665 gab es einen erneuten Hexenprozess gegen Abschlag, in dessen Verlauf er zur Wasserprobe geführt wurde. Am 19. Januar 1666 erfolgte die Hinrichtung mit dem Schwert; seine Familie hatte zuvor 200 Taler Begnadigungsgeld bezahlt.

Im Jahr 1665 wurde der Kantor Bernhard Grabbe der Zauberei bezichtigt, weil er zu anderen Verurteilten Kontakt hatte. Grabbe konnte fliehen, wurde aber gefangen und nach Lemgo ausgeliefert. Er gestand unter der Folter und wurde am 26. März 1667 mit dem Schwert hingerichtet.

Andreas Koch war Pfarrer in St. Nicolai in Lemgo und mit Bernhard Grabbe verschwägert. Er hatte in seiner Eigenschaft als Geistlicher die Verurteilten zur Hinrichtung zu begleiten. Bei seinen Predigten sprach er sich für mehr Sorgfalt und Vorsicht bei den Hexenprozessen aus.

1665 wurde er nach einem Gutachten der Universität Rinteln als Pfarrer entlassen und ein Jahr später wegen Hexerei angeklagt. Er wurde dreimal gefoltert und nach dem Geständnis zum Tode verurteilt. Seine Ehefrau Anna Elisabeth Pöppelmann erreichte beim Grafen Hermann Adolph die Begnadigung zur Enthauptung mit dem Schwert und anschließender Verbrennung.

Die Hinrichtung fand am 2. Juni 1666 in der Frühe zwischen vier und fünf Uhr unter dem Regenstor statt. Für eine Hinrichtung waren Zeit und Ort ungewöhnlich, offenbar eine Maßnahme, um die Öffentlichkeit bei der Hinrichtung eines Pfarrers nahezu auszuschließen. Andreas Koch war der einzige in Lemgo hingerichtete Pfarrer.

Zum Gedenken an den hingerichteten Pfarrer Andreas Koch ließ die Evangelisch-lutherische Kirchengemeinde 1999 in der Kirche St. Nicolai eine schwarze Granitplastik anbringen. Sie trägt die Inschrift: Gott wird endlich mein Haupt aufrichten und mich wieder in Ehren setzen.

Die letzte Person, die in einem Hexenprozess 1681 angeklagt wurde, war Maria Rampendahl. Sie widerstand der Folter und kam mit dem Leben davon, musste aber die Stadt und das Land verlassen. Im Hexenbürgermeisterhaus befindet sich ein Museum, in dem bis vor wenigen Jahren Nachbauten der damals eingesetzten Folterinstrumente ausgestellt waren.

Im Stadtarchiv Lemgo sind die entsprechenden Hexenprozessakten und weitere Dokumente zur Stadtgeschichte einsehbar.
Hexenbürgermeisterhaus in Lemgo, Breite Str. 19, 32657 Lemgo.
(Stadtrat von Lemgo, Errichtung des „Steins des Anstoßes“, Denkmal für Maria Rampendahl: moralische und sozialethische Rehabilitation der Opfer der Hexenprozesse / Hexenverfolgung 2012 und 1992)

Hexenverfolgung: Leonberg / Baden-Württemberg

Während der Zeit der Hexenverfolgung erhob der Leonberger Vogt Lutherus Einhorn während seiner Amtszeit (1613–1629) gegen 15 Frauen Anklage wegen Hexereiverdachts und ließ acht Todesurteile gegen „überführte“ Hexen vollstrecken.

Er handelte in Übereinstimmung mit der Leonberger Stadtobrigkeit und weiten Teilen der Bevölkerung. Sie wurde 1615 in einem der bekanntesten württembergischen Hexenprozesse angeklagt. Der Hexenprozess wurde 1620 in Leonberg gegen Katharina Kepler eröffnet.

Katharina Kepler (* 1546 in Eltingen bei Leonberg; † 13. April 1622) war die Mutter des kaiserlichen Astronomen Johannes Kepler. Er kümmerte sich um die Verteidigung seiner Mutter.

Es dauerte noch eineinhalb Jahre, bis die 280 Seiten umfassende Anklageschrift fertiggestellt und vom Amtsschreiber Nördlinger vorgelegt worden war. Es war ungewöhnlich, dass in einem Hexenprozess ein Verteidiger zugelassen wurde.

Katharina Kepler erschien laut Protokoll „leider mit Beistand ihres Sohnes Johann Kepler, Mathematici“. Zwei starke Männer bewachten Tag und Nacht die dreiundsiebzigjährige Frau. Für die Kosten hatten die Angeklagte und ihre Angehörigen aufzukommen. 14 Monate lag sie in Ketten, und die Akten ihres Prozesses häuften sich zu Bergen.

Als ihr schließlich die Folterinstrumente gezeigt wurden, um sie zu einem Bekenntnis zu zwingen, blieb sie standhaft: „Sie hat gesagt, man mache mit ihr, was man wolle, und wenn man ihr auch jede Ader aus dem Leibe herausziehen würde, so wüsste sie doch nichts zu bekennen … sie wolle auch darauf sterben; Gott werde nach ihrem Tode offenbaren, dass ihr Unrecht und Gewalt geschehen“.

Im Oktober 1621 konnte ihr Sohn Johannes Kepler ihre Freilassung durchsetzen. Katharina Kepler verstarb sechs Monate später, im April 1622, vermutlich in Roßwälden (Stadtteil von Ebersbach an der Fils).

Hexenverfolgung: Lindheim / Hessen

In Lindheim gab es 24 Hexenprozesse von 1598 bis 1664. Die meisten Opfer der Hexenverfolgung starben 1663 und 1664. 1598 wurde Anna Mausaug (Asmus) als vermeintliche Hexe hingerichtet. 1634 wurde zuerst Anna Kraft, genannt „Pompanna“, wegen angeblicher Hexerei angeklagt und zum Tode verurteilt.

Unter Folter gab sie die Namen von weiteren angeblichen Hexen an, so dass auch Elsa Reunick und Anna Schmied zusammen mit ihr im selben Jahr hingerichtet wurden. Die Leichen wurden anschließend verbrannt.

Zur massiven Verfolgung wegen Hexerei kam es nach 1662, nachdem Georg Ludwig Geis zum Oberschultheiß ernannt wurde. Der damalige Pfarrer Hölcker machte durch seine Aufzeichnungen deutlich, was für ein Mensch Geis war:

Er hatte u. a. im Krieg eigenhändig einen katholischen Priester erhängt, außerdem versucht, eine Lindheimerin zu vergewaltigen, und Ehebruch betrieben. Nun war dieser Mann für die Festnahme von der Hexerei Verdächtigen zuständig und ging dieser Aufgabe gewissenhaft nach.

Derjenige, der eine solche Person anzeigte, bekam eine Belohnung, bei falscher Anzeige musste er dagegen 20 Taler Strafe zahlen, was selten der Fall war, da in der Regel verdächtige Personen durch Folter zu Geständnissen gebracht wurden.

Verdächtige wurden in das gefürchtete Hexenbuch eingetragen, wodurch auch NichtLindheimer verfolgt werden konnten. Geis bereicherte sich an den Verurteilten, da sie enteignet wurden und er einen Großteil des Gutes unterschlug.

Ein Handlanger von Ludwig Geis war ein Weber namens Andreas Krieger, der grausam allen Beschuldigungen nachging und die Folterungen durchführte. Selbst vor den Leichen der Gerichteten machte er nicht Halt und trieb durch den Leichnam des enthaupteten Heinrich Leschier zusätzlich einen Pfahl, wie es in einer Klage vom 26. September 1665 heißt.

In den Jahren 1663 und 1664 erreichten die Hexenverfolgungen in Lindheim mit mindestens 20 Hinrichtungen ihren Höhepunkt.

Wolfgang Adolf von Carben machte dem Morden ein Ende, indem er in seiner Eigenschaft als Vorsitzender des Ritterrates der wetterauischen Reichsritterschaft und Friedberger Burggraf den Lindheimer Ganerben befahl, Ludwig Geis abzusetzen, was im März 1664 geschah.

Der Legende nach soll Ludwig Geis im Teufelsgraben vom Pferd gestürzt sein, sich dabei das Genick gebrochen haben und seitdem als Dogge mit glühender Kette dort spuken. Man geht allerdings davon aus, dass er anscheinend unversehrt in seinen Heimatort Selters (Ortenberg) zurückkehrte.

Am renovierten Hexenturm erinnert heute eine Gedenktafel mit den Namen der Opfer an die „Schreckensjahre von Lindheim“.

Hexenverfolgung: Lippstadt / Nordrhein-Westfalen

Im Jahr 1565 fanden in Liesborn Hexenprozesse gegen die drei Frauen Aleke, Anna und Katharina auf der Burg Stromberg statt. Sie wurden der Zauberei angeklagt, gefangengenommen, gefoltert und verbrannt.

Um 1573 gab es etliche weitere Hexenverfolgungen in Lippstadt in der Zeit Graf Simons VI., dabei sind „etliche Burgers Weiber hinaus geführt und verbrannt worden“.

Hierzu berichtete Pfarrer Anton Praetorius 1613, dass bei diesen Hexenprozessen „der Nagel-Schmidt Ebert Balve und seine Schwester, eine Bäckerin, die Freytägische genannt, nach langen Foltern nach dem Widerruf ihres Geständnisses trotz Protesten aus der Bevölkerung freigelassen wurden.

Dieser Hexenprozess beeindruckte Anton Praetorius stark und trug zu seinem Denken entscheidend bei, als er sich 1597 unter Lebensgefahr dafür einsetzte, dass eine Frau aus der Folterkammer entlassen wurde, und er diesen Kampf gegen Hexenverfolgung und Folter literarisch fortsetzte.

Weitere Hexenprozesse fanden zwischen 1630 und 1677 statt.
(moralische und sozialethische Rehabilitation der Opfer der Hexenprozesse / Hexenverfolgung 2015)

Hexenverfolgung: Lüdinghausen / Nordrhein-Westfalen

Höhepunkt der Hexenverfolgungen in Lüdinghausen scheint das Jahr 1624 gewesen zu sein, als in einer Hexenprozesswelle in wenigen Monaten mindestens 20 Personen unter dem Verdacht der Hexerei hingerichtet wurden. Wahrscheinlich lag die Zahl der Opfer höher, da die Akten nur zu einem Teil erhalten sind.

Während der Regierungszeit des Fürstbischofs Ferdinand von Bayern von 1612 bis 1650 sind im Münsterland zahlreiche Hexenprozesse durchgeführt worden. Der Schwerpunkt seiner Politik lag in der Rekatholisierung seines Bistums.

Nach einem Ausbruch der Pest 1617 und einem verheerenden Stadtbrand 1619 begann 1621 die Stationierung fürstbischöflicher Soldaten und Übergriffe fremder Truppen. Die sozialen Spannungen entluden sich u. a. dadurch, dass Sündenböcke für die schlechten Zustände gesucht und schließlich in vermeintlichen Hexen und Hexenmeistern gefunden wurden.

Hexenprozess gegen Bernhard Schwarte: Im Jahr 1612 wurde Bernhard Schwarte verdächtigt, er hätte auf einer Kindtaufe den Gastgeber Assenkamp in Westrup mit einer Kanne Koit vergiftet. Schon früher waren er und sein Vater in den Verdacht geraten, auf ihrem Kotten solle es nicht mit rechten Dingen zugegangen sein.

Vor seinem Tod wiederholte Assenkamp vor dem Lüdinghauser Richter seine Aussage, er sei von Bernhard Schwarte vergiftet worden. Seine Witwe beschuldigte in ihrem Zorn Schwarte der Zauberei. Er wehrte sich mit einer Beleidigungsklage, die er aber später zurückzog.

Nach diesen Zwischenfällen war es wieder ruhig um Schwarte geworden bis zum Sommer 1623. Der Westruper Bauer Johan Goecke hatte zusammen mit Bernhard Schwarte gedroschen, stürzte dann aber so unglücklich, dass er sich sein linkes Bein brach.

Als die Heilung des Bruches nach zehn Tagen gute Fortschritte gemacht hatte, kamen Schwarte und seine Frau zu einem Besuch an das Krankenlager. Schwarte besah sich das gebrochene Bein und erklärte: „Johan, ich glaube nicht, dass Euer Bein ganz entzwei ist. Es wird wohl bald wieder besser werden.

Als sich die Wunde in der folgenden Nacht entzündete, wurde der Meister Henrich Johaninck, Lüdinghauser Abdecker und Henker, der zugleich als Chirurg wirkte, geholt. Er rief betroffen aus: „Was sind hier für böse Leute am Werk gewesen!

Sophia Schievenhövel, die ihn pflegte, eilte ins Zimmer und entgegnete: „Hier ist niemand gewesen außer Schwarte und seiner Frau!“ Bald sprach das ganze Dorf davon. Obwohl für Bauer Johan Goecke in der Kirche gebetet wurde, wurde er nicht gesund, sondern blieb ein Krüppel.

Im Sommer 1623 fielen innerhalb einer Woche 26 Schweine des Rentmeisters Hörde auf der Burg Lüdinghausen tot um. Sofort erhob sich der Verdacht, das müsse das Werk des Teufels sein.

In Verdacht geriet Bernhard Schwarte, der Kötter aus der Bauerschaft Westrup. 1624 wurde Schwarte erneut der Zauberei bezichtigt. Auf dieses „gemeine Gerücht“ hin befahl ihm Junker Wulf, sein Leib- und Grundherr, sich zu verteidigen wie es sich gebühre, andernfalls müsse er den Kotten räumen.

Daraufhin strengte Bernhard Schwarte eine Injurienklage gegen die Leute an, die ihn verleumdet hatten. Doch die Zeugen bezichtigten den Schwarte der Zauberei und forderten seine Verhaftung. Der Richter ließ Schwarte auf der Burg Lüdinghausen inhaftieren.

Noch vor Prozessbeginn legte Bernhard Schwarte vor dem Richter und dem Fron ein umfassendes Geständnis ab. Danach habe er die Zauberkunst vor zwölf Jahren von Merge Dichte gelernt.

Merge Dichte wurde später in Davensberg verhaftet und wegen vieler begangener „Übeltaten“ verbrannt. Am Montag, dem 1. Juli 1624 begann das Verfahren gegen Schwarte im Gerichtshaus auf der Burg.

Im „gütlichen“ Verhör musste sich Bernhard Schwarte zu den Anklagepunkten unter Eid äußern und legte ein umfassendes Geständnis ab: Abkehr von Gott, Teufelsbündnis, Teufelsbuhlschaft, Hexensabbat und Schadenszauber.

Seine Angaben reichten aus, um ihn zum Tode zu verurteilen. Doch der Fiscus [Staatsanwalt] war der Ansicht, Schwarte hätte viele Maleficien [Untaten] noch nicht gestanden und forderte die „schärfere Nachfrage“.

Der Richter und die Schöffen stimmten der Folter zu. Am selben Tage wurde Schwarte der Tortur unterworfen. Bernhard Schwarte widerrief alle Denunziationen: er habe keine Mitgesellen gehabt, das habe er aus List des Teufels gesagt.

Aber er gestand weiteren Schadenszauber, Morde an einem Menschen und an Tieren von Nachbarn. Schließlich bekannte er, worauf alle gewartet hatten: Er habe auch des Rentmeisters Schweine vergiftet.

Drei Tage später wurde am 4. Juli dem Angeklagten in Anwesenheit des Richters und der Schöffen sein Bekenntnis noch einmal verlesen. Als Schwarte die Vergiftung der Schweine erneut bestätigte, verlangte der Rentmeister Hörde Schadensersatz in Höhe von 100 Reichstalern.

Er forderte die Beschlagnahmung des beweglichen Besitzes von Bernhard Schwarte. Der Richter erkannte die Forderung des Rentmeisters an. Im Haus des Angeklagten wurden eine Milchkuh, eine Färse und zwei Ferkel beschlagnahmt und dem Rentmeister übergeben.

Das Urteil wurde abgefasst, nach Münster an das Domkapitel zur Bestätigung geschickt und danach öffentlich verlesen: ist wegen der gerichtlich bekannten und befundenen Untaten für Recht erkannt, dass der Beklagte lebendig auf eine Leiter gebunden, gewürgt und mit vor die Brust gehängten Büchsenpulver mit dem Feuer vom Leben zum Tode gestraft werden soll.

Durch den Brustbeutel sollte der Tod beschleunigt werden als Gnadenerweis der Gerichtsherren. Schwarte wurde auf einem Karren zur Hinrichtungsstätte im Scharperott gebracht. Nachdem Bernhard Schwarte noch einmal sein Geständnis wiederholt und der Priester die Absolution erteilt hatte, führte der Scharfrichter die Hinrichtung vor den Augen der Menge aus. Bernhard Schwarte wurde am 11. Juli 1624 verbrannt.

Hexenprozess gegen Heidtmann und seine Frau: Vor seinem Tod allerdings nahm Bernhard Schwarte die Entlastung der von ihm denunzierten Menschen zurück und setzte damit eine unheilvolle Prozesskette in Gang. Er bezichtigte acht Menschen der Zauberei, darunter einen Mann namens Heidtmann und dessen Frau.

Vor seinem Tod wurde er mit beiden konfrontiert. Zwar wiesen beide die Vorwürfe zurück, trotzdem wurde ein Hexenprozess gegen sie eröffnet. Nach der Folter starben die Frau von Heidtmann im Gefängnis und der Mann auf dem Scheiterhaufen. Insgesamt fielen der Prozesswelle 1624 mindestens 20 Personen zum Opfer.

 

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Hexenverfolgung: Mainz / Kurfürstentums Mainz

Die Hexenprozesse im Bereich des Kurfürstentums Mainz fielen mehrheitlich in die Amtszeiten der vier Mainzer Erzbischöfe und Kurfürsten Wolfgang von Dalberg (reg. 1582–1601), Johann Adam von Bicken (1601–1604), Johann Schweikhard von Kronberg (1604–1626) und Georg Friedrich von Greiffenclau zu Vollrads (1626–1629).

Ab 1594 kam es im Mainzer Herrschaftsbereich zu vier Wellen massiver Hexenverfolgung, jeweils um 1595, 1603, 1615 und 1627, mit vielen hunderten Prozessen und Hexenverbrennungen, mit einer hysterischen Steigerung der Hexenangst insbesondere unter Johann Adam von Bicken und Johann Schweikhard von Kronberg.

Letzterer brachte 1612 System in die Hexenprozesse, indem er allen Gerichten eine Untersuchungsordnung mit 18 General- und 98 Spezialfragen zustellen ließ.

Insgesamt wurden im Zuge der Hexenverfolgung im Erzstift Mainz mehr als 2000 Todesurteile gefällt, womit das Erzstift zu den verfolgungsintensivsten Territorien im Reich gehörte.

Die Hexenprozesse, die auch als Mittel der Gegenreformation eingesetzt wurden, dienten einer gesellschaftlichen Disziplinierung größeren Stils, die mit anderen Mitteln in diesem Umfang und in so kurzer Zeit nicht durchführbar gewesen wäre. In der Bevölkerung wuchs die Bereitschaft, gegen vermutete Hexen vorzugehen.
Webseite: Hexenprozesse in Kurmainz: www.hexenprozesse-kurmainz.de

Hexenverfolgung: Markelsheim / Baden-Württemberg

Aus den Hexenverfolgungen in Markelsheim von 1617 bis 1638 sind bisher 91 Opfer namentlich bekannt. 81 überlebten die Hexenprozesse nicht. Am 8. Mai 1628 wurde Johann Bernhardt, der neunjährige Sohn des Bürgermeisters Bernhardt Reichhardt, hingerichtet.

Hexenverfolgung: Mecklenburg / Mecklenburg-Vorpommern

In Mecklenburg wurde die Hexenverfolgung besonders intensiv betrieben. Es wurden ungefähr 4000 Prozesse gegen vermeintliche Hexen geführt und ca. 2000 Todesurteile gefällt. Im 16. Jahrhundert stieg die Zahl der Hexenprozesse steil an, um im 17. Jahrhundert vor allem vor und nach dem Dreißigjährigen Krieg ihre Höhepunkte zu erreichen. Der letzte bekannte Hexenprozess in Mecklenburg wurde 1777 durchgeführt.

Hexenverfolgung: Meiningen / Thüringen

Meiningen war 1600–1692 von Hexenverfolgung betroffen. 94 Frauen und 19 Männer aus der Stadt und Umgebung gerieten in Hexenprozesse, 59 Frauen und vier Männer wurden hingerichtet.

Weitere Hexenverfolgungen fanden in den Ortsteilen Dreißigacker, Herpf und Welkershausen statt.
(Moralische und sozialethische Rehabilitation der Opfer der Hexenprozesse / Hexenverfolgung 2012)

Hexenverfolgung: Memmingen (Hexenturm) Bayern

Der Hexenturm ist ein ehemaliger Gefängnisturm der oberschwäbischen Stadt Memmingen. Er wird auch Schiefer Turm von Memmingen genannt. Der Hexenturm steht an der Nordseite der Altstadt zwischen dem Einlaß und dem Hafendeckelturm.

Der rechteckige Turm besteht im Unterbau aus Tuffstein und im Oberbau aus Ziegel und besitzt ein Satteldach. Der Eingang befindet sich auf Höhe des alten Wehrganges circa fünf Meter über dem Boden. Der Hexenturm ist der älteste noch erhaltene Stadtturm.

Er stammt im unteren Bau aus der Gründungszeit der Stadt (um 1150). Der Oberbau stammt aus der zweiten Stadterweiterung im 14. Jahrhundert. Er ist einer von früher drei Gefängnistürmen.

Durch ihn führte der Wehrgang zum nicht mehr vorhandenen Notzentor. Von diesem ging der Wehrgang weiter zum Kerkerturm, einem weiteren Gefängnisturm. Ob der Turm aus der Zeit der Hexenverfolgung seinen Namen hat, weil dort die Hexen eingesperrt wurden, ist nicht bekannt. Das kleine Häuschen vor dem Hexenturm wird als Geräteschuppen des Bauhofes genutzt.

Hexenverfolgung: Menden / Nordrhein-Westfalen

Zwischen 1592 und 1631 fanden in Menden Hexenverfolgungen statt, deren Akten sich im Pfarrarchiv der St.-Vincenz-Kirche befinden. Zahlreiche Personen wurden zum Tode verurteilt.

Während im Jahr 1592 eine Frau hingerichtet wurde, waren es 1628 18 Menschen und 1630 bis 1631 weitere 22 aus dem Ort. Neben diesen 17 Männern und 24 Frauen werden 36 weitere Fälle (14 Männer und 22 Frauen) von Hinrichtungen Auswärtiger unter anderem aus Wimbern erwähnt, darunter Blesien Billi, der Frohne, und Franz Hellmich, der Lahme.

1631 trotzte Dorte Hilleke in einem Hexenprozess der Folter. Nach ihr wurde die Stadtbibliothek benannt.

Peter Essenkemper gestand im Jahr 1631 unter der Folter, er habe elf Tanzplätze in und bei Menden in Westfalen besucht. Die genannten Versammlungsplätze in den Mendener Prozessen finden sich an Mendener Lokalitäten („am hohen Graben am Kreuzweg“), am Romberg (Rodenberg), am untersten Stein bei Hemers Garten, „uf dem Brocke in Oesbern“.

Weitere Hexentanzplätze besuchte Essenkemper auf dem Kirchhofe in Schwitten, in Boinkhausen, in Holthausen (Holzen), „auf der Heide“ in Wimbern, in Balve, „uf dem Dieke“ bei Fröndenberg, „auf der Lehmkuhlen“ bei Unna und viele andere mehr.

(Rat der Stadt Menden: moralische und sozialethische Rehabilitation der Opfer der Hexenprozesse / Hexenverfolgung 2011)

Hexenverfolgung: München / Bayern

Wilhelm V. der Fromme, * 29. September 1548 in Landshut; † 7. Februar 1626 in Schleißheim, war von 1579 bis 1597 Herzog von Bayern). 1591 ließ Wilhelm V. den italienischen „Goldmacher“ Marco Bragadino in München wegen „Betrug und Zauberei“ hinrichten. Dieser hatte dem nun in ständigen Geldschwierigkeiten steckenden Herzog versprochen, aus Blei Gold machen zu können.

Gleichzeitig kam es zu einer Zunahme der Hexenverfolgungen mit grausamen Hinrichtungen. Der Falkenturm “Hexenturm” war ein Turm in der zweiten Stadtmauer Münchens. Er diente bis 1826 als Gefängnis.

17. September 1701: Hinrichtung und anschließende Verbrennung der Maria Theresia Käser als Hexe. Das ist die letzte dokumentierte Hexenverbrennung in München, ein für 1721 überlieferter Fall ist nicht belegt.

Hexenverfolgung: Münster (Selters) Hessen

Aktenkundig wurde Münster im 17. Jahrhundert während der Hexenverfolgung: 1652 wurde zusammen mit vier anderen Frauen Agnes Lang aus Münster der Hexerei beschuldigt und angeklagt.

Ihr Ehemann, der Schneidermeister Johannes Lang, zog bis vor das Reichskammergericht in Speyer, bekam seine Frau frei und trug dazu bei, dass die Hexenprozesse in der Herrschaft Runkel beendet wurden. Heute ist eine Ortsstraße nach ihm benannt.

 

Verbrannte Kindheit:
Die vergessenen Kinder der Hexenprozesse um den Zauberer Jackl
von Wolfgang Fürweger
Gebundene Ausgabe: 208 Seiten
Verlag: C. Ueberreuter
ISBN-13: 978-3800076062
Gebundenes Buch EUR 19,99

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Zitat: Von 1677 bis 1679 kam es in Salzburg zu der schlimmsten Hexenverfolgung auf dem Gebiet des Heiligen Römischen Reichs: 124 vermeintliche Hexen und Zauberer landeten auf dem Scheiterhaufen.

Es waren allerdings nicht die üblichen Opfer des Hexenwahns, heilkundige Kräuterfrauen, angebliche Verführerinnen oder Quacksalber, sondern vor allem Kinder und Jugendliche.

Ihnen wurde vorgeworfen, Gefolgsleute des Zauberers Jackl zu sein, der eine Bande von jugendlichen Gefährten um sich geschart hatte und mit ihnen bettelnd und stehlend durch die Länder und Regionen zog.

Nun versuchte die Obrigkeit, diese Bettlerkinder unter dem Vorwand der Zauberei auszurotten. Angesichts der jüngsten Diskussionen um Bettlerfamilien hat dieses historische Thema eine beklemmende Aktualität.

 

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