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Hexenverfolgung und Hexenprozesse in Deutschland D/F

25/08/2018

Darmstadt / Hessen

Wolf Weber (* ca. 1572; † vermutlich am 29. August 1582 in Darmstadt) war das jüngste und einzige männliche Opfer der Darmstädter Hexenverfolgungen unter Landgraf Georg I. von Hessen-Darmstadt.

Wolf Weber war der jüngste Sohn einer nur als alte Weberin bezeichneten Frau. Diese hatte ihrer Tochter Sara und deren Liebhaber Konrad Ballaß offenbar dabei geholfen, die jeweiligen Ehepartner der beiden zu vergiften.

Infolge dieses Doppelmordes wurden die alte Weberin und ihre Tochter Sara als Hexen angeklagt und verurteilt. Die alte Weberin wurde bald darauf mit einigen anderen als “Hexen” verurteilten Frauen verbrannt, während Saras Hinrichtung verschoben wurde, da sie schwanger war. Ihr weiteres Schicksal ist unbekannt, es ist jedoch davon auszugehen, dass sie unter den weiteren Opfern der Hexenverfolgungen zu finden ist.

1586 kam es in Darmstadt zu einer weiteren Verfolgungswelle, bei der 17 Frauen hingerichtet wurden, 1590 sind noch einmal zwei Opfer nachweisbar. Die Hexenverfolgungen scheinen eng mit der Person von Landgraf Georg I. verbunden zu sein.

Zum einen waren zur gleichen Zeit im übrigen Hessen die „Hexen“ höchstens ein Randphänomen, dem man sehr skeptisch gegenüberstand, und zum anderen Georgs Nachfolger selbst während des Höhepunktes der Hexenverfolgungen im 17. Jahrhundert auf Hexenhinrichtungen verzichteten.

Datteln / Nordrhein-Westfalen

Viele Todesurteile der Hexenprozesse aus dem Vest Recklinghausen (Fest Recklinghausen ist die Bezeichnung für den Gerichtsbezirk des mittelalterlichen Gogerichts in Recklinghausen) wurden auf Schloss Horneburg gesprochen.

Wie auch im Herzogtum Westfalen gab es seit dem 16. Jahrhundert im Vest Recklinghausen Hexenprozesse. Im Jahr 1514 wurden elf Frauen verurteilt, denen man die Heraufbeschwörung eines schweren Sturms vorwarf.

Einen ersten Höhepunkt erreichten die Prozesse zwischen 1590 und 1600. Die Zahl der Opfer wird auf insgesamt 94 geschätzt. Trine Plumpe widerstand 1650 der Folter in einem Hexenprozess und trug so zum Ende der Hexenverfolgung im unmittelbaren Jurisdiktionsbereich des Vests Recklinghausen bei.
(Rat der Stadt Datteln: moralische und sozialethische Rehabilitation der Opfer der Hexenprozesse / Hexenverfolgung 2013)

Derenburg / Sachsen-Anhalt

Über die Hexenverbrennung in Derenburg am Harz in Sachsen-Anhalt in den Jahren 1555 und 1556 sind keine Akten erhalten. Ein zeitgenössischer Einblattholzschnitt, von dem auch eine kolorierte Fassung existiert, beschreibt jedoch die Hexenverbrennungen von 1555.

Außerdem berichten die Zeitschrift “Neue gemeinnützige Blätter” im Jahr 1796 aus Halberstadt über den Hexenprozess gegen Ursel Hufnerin. Grundlage dafür bildete die am 1. Oktober 1555 in Derenburg in der Grafschaft Regenstein erfolgte Verbrennung der Gröbischen und der Gißlerschen, zwei der Zauberei beschuldigten Frauen.

Die Gröbische bekannte, dass sie 11 Jahre mit dem Teufel gebuhlt hat. Als man sie an die Säule auf dem Holzhaufen kettete und das Feuer entzündete, sei ihr Buhle, der Satan, gekommen und hätte sie, für jedermann ersichtlich, in die Lüfte davongeführt.

Zwei Tage später, am 3. Oktober 1555, sollen die beiden verbrannten Frauen „bede eytel fewrig“ nach Derenburg zurückgekehrt sein und im Gißlerschen Haus um das Feuer getanzt haben. Den Mann der Gißlerschen hätten sie so grob aus der Tür seines Hauses gestoßen, dass dieser sich vor den Augen seiner Nachbarn zu Tode stürzte.

Am 12. Oktober 1555 wurde der Mann der Gröbischen hingerichtet wegen Unzucht und Ehebruch mit der Schwester seiner hingerichteten Frau. Zwei Tage später starb letztendlich eine dritte Frau den Feuertod.

Der Serckschen war vorgeworfen worden, dass sie der Frau des Halberstädter Stiftshauptmann Achatius von Veltheimvergeben hate“ und einem Mann in Derenburg eine Kröte unter die Schwelle gegraben hätte. Der Mann sei daraufhin lahm geworden und hätte Fieber bekommen.

Hexenprozess gegen Ursel Hufnerin: Im Jahr 1655 nannten zwei Frauen in Derenburg unter der Folter den Namen von Ursel Hufner und drei anderen Frauen als Hexen. Weitere Gerüchte über die Hufner waren: sie hätte ihren eigenen Mann betrogen und sich viele Jahre mit dessen Bruder eingelassen, einem Schweinehirten, der eine Frau und zwei Kinder hatte.

Am 28. Dezember 1655 wurde die Angeklagte inhaftiert und am 29. Dezember 1655 gütlich, das heißt ohne Folter, vernommen. Dann folgte die Territion. Sie wurde zur Leiter gebracht und mit Beinschrauben gepeinigt. Unter der Folter legte sie ein Geständnis ab. Ihre Hinrichtung erfolgte am 16. Februar 1656.

Detmold / Nordrhein-Westfalen

Im ausgehenden Mittelalter veröffentlichten die Dominikaner Heinrich Institoris und Jakob Sprenger den Hexenhammer, ein Kompendium des weit verbreiteten Hexenglaubens. Im Schutz der Kirche breitete sich auch der Hexenwahn in Detmold aus, wenn auch nicht in dem Ausmaß wie im Hexennest Lemgo.

In den Jahren zwischen 1599 und 1676 wurden in Detmold 19 Menschen als Hexen und Zauberer vom landesherrlichen Gericht zum Tode durch Feuer und Schwert verurteilt, darunter Mette Deppe. Die Prozessakten werden im Staatsarchiv Detmold verwahrt.

Ab 1654 wurden 52 Kinder wegen angeblicher Hexerei verhaftet, in einem zum Gefängnis umgebauten Detmolder Gasthof inhaftiert, zu weiteren Denunziationen gegen Erwachsene und Gleichaltrige getrieben und in fünf Prozessen Hauptbelastungszeugen.
(Moralische und sozialethische Rehabilitation der Opfer der Hexenprozesse / Hexenverfolgung 2012)

Dieburg / Hessen

Von 1600 bis 1630 sind für das Erzstift Mainz Dokumente zum Tod von 1879 Menschen als Opfer der Hexenverfolgungen erhalten geblieben. In Dieburg fanden etwa 60 Menschen den Tod auf dem Scheiterhaufen.

Der „Drache zu Dieburg“ war der Glöckner und Kupferschmied Lorenz Drach aus Dieburg. Er wurde am 18. April 1603 im kurmainzischen Aschaffenburg zusammen mit anderen Männern durch Vierteilung hingerichtet.

Wegen der Verfolgung ihrer Frauen hatten die Männer eine Schmähschrift verfasst, in der die Hexenprozesse des Erzbischofs angeprangert wurden. Sie wurden beschuldigt, angeblich die Ermordung des Erzbischofs geplant zu haben.

1626 wurde Kurfürst Georg Friedrich von Greiffenclau gleich zu seinem ersten Besuch in Dieburg von der Zentmannschaft gebeten, die nötigen Untersuchungen zur Ausrottung des Lasters der Zauberei anzuordnen.

In Dieburg gab es viele der Hexerei verdächtige Personen, und das Volk war sehr aufgebracht. Zur Beruhigung der Einwohner wurde ein Hexenprozess begonnen gegen die Witwe von Martin Padt, deren Mutter zwanzig Jahre zuvor als Hexe verbrannt worden war.

Am 26. Juni 1627 wurde sie verhört und am 7. Juli hingerichtet. Von der Padtin wurden viele Menschen als angebliche Mitschuldige besagt, so dass es zu einer Serie neuer Prozesse in Dieburg, Seligenstadt, Aschaffenburg usw. kam.

Als angebliche Hexentanzplätze wurden in den unter der Folter erpressten Geständnissen genannt: der Eichwasen bei Dieburg, der Humesbühl, der große Formel usw.

Ein Angeklagter, Philipp Krämer aus Dieburg, sagte im Verhör aus, dass alle Zeugenaussagen gegen ihn falsch seien und der Glaube an Hexerei nichts als Aberglauben wäre. Dafür wurde er am 6. September 1627 enthauptet und seine Leiche verbrannt.

1627 wurden nach den vorliegenden Akten in Dieburg 36 Personen hingerichtet, nach Notizen von Pfarrer Laubenheimer sogar 85 „Hexen“.

1629 begann im November eine neue Prozesswelle gegen 21 Verdächtige, und ganze Familien sind fast völlig ausgerottet worden.

Diefflen / Saarland

Mit dem Beginn der frühen Neuzeit breitete sich auch in Diefflen und Umgebung der Hexenwahn aus, der besonders in den Jahren 1570 bis 1634 stark wütete. Besonders der herzoglich lothringische Oberrichter Nikolaus Remigius gelangte bei der Ausrottung der vermeintlichen Hexen und Teufelsanbeter zu trauriger Berühmtheit.

Im Gebiet des heutigen Saarlandes waren nachweislich ca. 500 Menschen in einen Hexenprozess verwickelt. Im Falle eines Geständnisses, wurde der Termin der Hinrichtung auf dem Nalbacher Galgenberg festgesetzt.

Am Tag der Hinrichtung wurde der Verurteilte von den Dillinger Schützen bis zur Dieffler Banngrenze (heute Judenfriedhof) gebracht und dort den Nalbacher Schützen übergeben. Auf einem Wagen wurde der Delinquent dann von den beiden Schützengruppen über Diefflen nach Nalbach gefahren, wo er am Pranger öffentlich ausgestellt wurde.

Nach einer öffentlichen Verlesung des Urteils wurde der Delinquent zum Galgenberg geführt und dort getötet. Die Nalbacher Straße „Am Gälgesberg“ erinnert bis heute an die Hinrichtungsstätte. Folgende Hexenprozesse des Nalbacher Tales, zu dem Diefflen gehörte, sind heute urkundlich überliefert:

1575: sowie 1591/1592 mehrere Personen des Nalbacher Tales / unbekannter Ausgang des Verfahrens
1595: ein Mann (Theisen Johann alias Keuch Johann, Schöffe im Nalbacher Tal) aus Diefflen
1595: eine Frau (Schmits Anna) aus Piesbach
1602: ein Mann (Ciriakus) aus Körprich
ca. 1605: ein Mann aus Piesbach (Heinsen Michel) und eine Frau (die alte Kremers) aus Körprich
1609: ein Mann (Eschen Peter) aus Diefflen, der zusätzlich zum Vorwurf der Zauberei, mutmaßlich auch mit seinem Pferd sexuell verkehrt haben soll und deshalb zusammen mit seinem Pferd hingerichtet wurde. Dabei wurde alles zur Tötung des Pferdes Benötigte extra angefertigt, da nach damaliger Sitte niemand ein Werkzeug, das ein Scharfrichter gebraucht hatte, zur normalen Arbeit wieder verwendet oder auch nur angefasst hätte.
1611: ein Mann und eine Frau aus Körprich / unbekannter Ausgang des Verfahrens
1602: Anschuldigungen gegen Lentz Theis aus Nalbach und Michel aus Bilsdorf
1611: Anschuldigungen gegen Laukas aus Körprich und seine Frau sowie den Meier aus Nalbach und seine Frau.

Im Prozess gegen den Nalbacher Schöffen Theisen Johann (alias Keuch Johann) hatte dieser bei der Folterung angegeben, der Körpricher Hoxberg sei der lokale Treffpunkt der Hexen des Nalbacher Tales. Hier hätte die Zauberversammlung den teuflischen Plan geschmiedet, „alles Getreid uff Erden zu verderben.“

Als weitere angebliche Treffpunkte in der Umgebung wurden die Reimsbacher Heide und der Singbrunnen bei Düppenweiler angegeben. Der Litermont wird in keiner Akte als Hexenversammlungsplatz genannt.

Den Vollzug der Hinrichtungen (Verbrennung bei lebendigem Leibe oder nach bereits vollzogener Hinrichtung) besorgte jeweils ein Henker (Nachrichter) aus Roden, da Nalbach keinen eigenen Scharfrichter bzw. Nachrichter zur Folterung oder Hinrichtung unterhielt.

Dillingen an der Donau / Bayern

Während der Hexenverfolgungen von 1574 bis 1745 wurden in Dillingen 65 Personen angeklagt, von denen die meisten Angeklagten den Hexenprozess nicht überlebten.

1587 wurde Walpurga Hausmännin bei lebendigem Leib auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Das letzte Opfer der Hexenprozesse 1745 war Barbara Zielhauser.

Walpurga Hausmännin (* 1510/1527; † 2. September 1587 in Dillingen an der Donau) ist ein Opfer der Dillinger Hexenprozesse. Sie war eine bayerische Hebamme und wurde wegen angeblicher Hexerei, Vampirismus und Kindermord verbrannt.

Das Geständnis, das sie unter Folter ablegte, ist ein klassisches Beispiel für die Beziehung zwischen angeblicher Hexe und Teufel. Dieses Muster wurde später noch in vielen Hexenprozessen verwendet.

Walpurga Hausmännin wurde unter dem Augsburger Bischof Marquard zum Tode verurteilt. Ihr Eigentum wurde konfisziert. Die sadistischen Torturen, die sie auf dem Weg zur Hinrichtungsstätte erdulden musste, wurden im Urteil genau beschrieben:

Auf dem Weg zur Richtstätte sollte der Karren, auf den sie gebunden war, fünfmal angehalten und ihr Leib mit einer Zange gerissen werden. Das erste Mal vor dem Rathaus wurde ihre linke Brust und ihr rechter Arm mit dem glühenden Eisen gerissen, das zweite Mal unter dem Tor ihre rechte Brust, das dritte Mal beim Mühlbach ihr linker Arm und das vierte Mal an der Richtstätte die linke Hand.

An der Richtstätte wurde ihr die rechte Hand, mit der sie den Eid als Hebamme geschworen hatte, abgeschlagen, anschließend wurde sie bei lebendigem Leib auf dem Scheiterhaufen verbrannt.

Walpurga Hausmännins Asche sollte in einen Fluss gestreut und nicht beerdigt werden.
(Gedenktafel: An die Opfer der Dillinger Hexenprozesse erinnert eine Gedenktafel des Rotary-Clubs, die am 12. Dezember 1994 im Dillinger Schlosshof gegen den Widerstand des Bischöflichen Ordinariats enthüllt wurde.)

Dinkelsbühl / Bayern

Von den Hexenverfolgungen in Dinkelsbühl sind insgesamt zwölf Hexenprozesse bekannt. Die Aktenlage ist unvollständig. Im Archiv der Stadt sind die Akten der Hexenprozesse nicht vorhanden, aber die Sitzungsprotokolle des Inneren und Geheimen Rates sind überliefert und wurden übertragen.

1611 wurden drei Frauen der Hexerei angeklagt, für das Jahr 1613 sind zwei Todesurteile, für 1645 die Hinrichtung einer evangelischen Hebamme und für die Jahre 1655 und 1656 ein größerer Serienprozess mit acht angeklagten Frauen bezeugt.

Die evangelische Hebamme mit Vornamen Euphrosine wurde 1645 als Hexe verhaftet. Man zwang sie, katholisch zu werden. Sie wurde verurteilt, am 7. Juli 1645 mit dem Schwert hingerichtet und anschließend verbrannt.

In Dinkelsbühl ist eine Dauerausstellung zur Hexenverfolgung im Rothenburger Torturm zu sehen.
Haus der Geschichte, Altrathausplatz 14, 91550 Dinkelsbühl
Hexen, Hexer, Teufelsbanner
Eintauchen in die Zeit des Spätmittelalters und die Zeit der Hexenverfolgungen bei einer Führung zu den historischen Orten der Gerichtsbarkeit der Reichsstadt Dinkelsbühl.
Jeden ersten Samstag im Monat um 15:30 Uhr.
Treffpunkt: Altrathausplatz vor dem Haus der Geschichte.
Webseite: www.hausdergeschichte-dinkelsbuehl.de

Dobbertin / Mecklenburg-Vorpommern

Bis Mitte des 17. Jahrhunderts wurden auch im Klosteramtsgebiet Dobbertin Hexenprozesse durchgeführt und Todesurteile durch Scharfrichter vollstreckt. Aus den Jahren von 1594 bis 1683 sind bisher 25 Hexenprozesse aktenkundig bekannt sind. Davon allein 14 wegen Hexerei mit neun Todesurteilen durch Verbrennung auf dem Scheiterhaufen in Dobbertin.

Am Nordrand von Dobbertin auf einer Anhöhe in den Spendiner Tannen, dem Gerichtsberg, stand einst der Galgen des Dobbertiner Amtsgericht und dort wurden die Urteile vollstreckt. Das Gericht war damals bewusst nahe am alten Landweg nach Güstrow errichtet worden, denn so konnte man Räuber und Gesindel besser abschrecken und von Dobbertin fernhalten. Auf der Karte von 1777 des Landvermessers von See ist das Flurstück mit dem Namen Bei dem Gerichtsberg verzeichnet worden.

Zur Urteilsfindung befragte das Klosteramtsgericht bei strengen Urteilen immer das Belehrungsinstitut, die Juristische Fakultät der Universität zu Rostock. Bei zu erwartenden milderen Urteilen befragte man auch schon mal die Juristische Fakultät der Universität zu Greifswald. Die Verhandlungen fanden im Gerichtszimmer im Amtshaus der Klostervorsteher statt. Hexenprozesse in Dobbertin:

1594 Fischer, Anna Verbrennung auf dem Scheiterhaufen … mit dem feuer vom Leben zum todt zurichten sei.
1594 Stindmann, Anna Urteil nach Folter.
1595 Hovemann, Lena Verbrennung auf dem Scheiterhaufen.
1595 Kagen, Margarete Verbrennung auf dem Scheiterhaufen.
1595 Lange, Anna Endurteil nach Tortur nicht bekannt.
1595 Lange, Catharina Endurteil nach Tortur nicht bekannt.
1603 Bolten, Anna Verbrennung auf dem Scheiterhaufen.
1604 Ortmann, Anne Verbrennung auf dem Scheiterhaufen.
1604 Vickesche Verbrennung auf dem Scheiterhaufen.
1637 Plagemann, Ilse Endurteil nach Tortur nicht bekannt.
1662 Schroeder, Anna Endurteil nach Tortur nicht bekannt.
1665 Volckmann, Trine Endurteil nach Tortur nicht bekannt.
1667 Dolgen, Annen Endurteil nach Tortur nicht bekannt.
1673 Granzow, Katarina Verbrennen auf dem Scheiterhaufen.
1674 Theetzlaff, Verbrennung auf dem Scheiterhaufen.

1674 fand auf dem Gerichtsberg mit der Theetzlaff die letzte Dobbertiner Verbrennung auf dem Scheiterhaufen im Beisein des Klosterhauptmanns Friedrich von Jasmund, dem Syndicus Dr. Joachim Nesen und dem Güstrower Scharfrichter Claus Lowsen statt.

Hexenprozesse im Umfeld von Dobbertin
Lähnwitz
1602 Bornesche, Trine Teufelsbuhlschaft mit Todesurteil durch Enthauptung.

Mestlin
1557 Schultes, Joachim Zauberei und Segnung von Vieh und Pflug, Urteil nicht bekannt.

Hexenprozesse in der Sandprostei
Alle Gerichtsverfahren wurden durch das Klosteramtsgericht im Klosteramt zu Dobbertin durchgeführt.

Lexow
1634 Drewes, Trine allgemeine Bezichtigungen, Verfahren nicht bekannt.
1635 Drewes, Trine wieder allgemeine Bezichtigungen, mehrfache Anklage, Verfahren nicht bekannt.
1665 Stuedemann, Margaretha Entlassung, Verfahren nicht bekannt.
1674 Gantzowen, Catharina nach Torturwiederholung Widerruf, Todesurteil Verbrennung.
1674 Hechts, Hedwig mehrfache Anklage, nach allgemeiner Tortur Entlassung.
1682 Tiedeman, Anna Grete mehrfache Anklage wegen Teufelsbuhlschaft, Fluchtversuch, Urteil nicht bekannt.
1669 Heins, Maria schlechter Ruf, Entlassung nach formaler Verfahrensrüge.
1669 Seliken (Selig), Dorethea Menschenschädigung, Fluchtversuch nach Torturwiederholung.

Sietow
1662 Schröder, Anna Zauberei und Hexerei, nach Urfehde des Landes verwiesen.
1669 Heins, Maria Schlechter Ruf, nur Verfahrensrüge vor Entlassung.
1669 Seliken, Dorothea Menschenschädigung, Fluchtversuch nach Torturwiederholung

Dortmund / Nordrhein-Westfalen

1581 kam es zu einer ersten Welle von Hexenverfolgungen in Dortmund. Bereits 1451 wurde eine Frau wegen Zauberei bei lebendigem Leib unter dem Galgen begraben, auch 1514 wurden drei Frauen der Zauberei angeklagt und gefangen genommen, letztendlich aber wieder freigelassen.

1567 wurde eine Frau aus Brechten als „molkentoversche“ denunziert, aber auch vor Gericht freigesprochen. Die Verfolgungen von 1581 setzten ein, als am 19. April Anna Coesters der Zauberei beschuldigt wurde. Die „Examination des Wassers“ am 5. Juni und die Verurteilung zum Tod durch Verbrennung am 7. Juni führten zu einem regelrechten Hexenwahn.

Über einen Monat später, am 23. Juli, wurde auch Gertrud Nevelings als Hexe enthauptet, am 17. August schließlich wurde Bernd Badde mit zwei Frauen wegen Zauberei enthauptet.

Eine noch schlimmere Welle der Hexenverfolgung setzte erneut 1593 ein. Insgesamt wurden während dieser Zeit 15 Frauen in Dortmund hingerichtet, viele weitere Personen mussten die Stadt verlassen, nur zwei Beschuldigte wurden freigesprochen.

Als letzte Person wurde am 11. Dezember Cathrina Peters hingerichtet; danach brachen die Verfolgungen abrupt ab, Verurteilte durften wieder in die Stadt zurückkehren. Zwar gab es in der folgenden Zeit noch Denunziationen, doch führten diese nicht mehr zu Hinrichtungen.
(Beschluss der Stadträte von Dotmund: moralische und sozialethische Rehabilitation der Opfer der Hexenprozesse / Hexenverfolgung 2014)

Drolshagen / Nordrhein-Westfalen

Im 16. Jahrhundert lag der Drolshagen im unmittelbaren Machtbereich des Landdrosten Kaspar von Fürstenberg, der zu seiner Zeit einer der Hauptinitiatoren der Hexenverfolgung im Herzogtum Westfalen war. Es kam 1575 zu mehreren Todesurteilen in Hexenprozessen.

Düsseldorf-Gerresheim

Am 19. August 1738 wurden im letzten Hexenprozess am Niederrhein die zum Zeitpunkt ihrer Verhaftung erst 14-jährige Helena Curtens sowie Agnes Olmans (Mutter dreier Töchter) wegen „Hexerei und Buhlschaft“ mit dem Teufel in Düsseldorf-Gerresheim durch Verbrennung hingerichtet.

 

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Eichstätt (Hochstift) Bayern

Während der Hexenverfolgung im Hochstift Eichstätt wurden in der Zeit von 1532 bis 1723 mindestens 249 Menschen, darunter 219 Frauen (88 %) und 30 Männer (12 %), wegen des Verdachts auf sogenannte Hexerei angeklagt und verhaftet. 224 Menschen (197 Frauen, 27 Männer) davon wurden im Hochstift Eichstätt nachweislich in einem Hexenprozess zum Tode verurteilt und hingerichtet.

Für die übrigen ist die Hinrichtung entweder bisher nicht sicher belegt (12 Fälle), sie starben während der Haft (4 Personen), wurden wieder freigelassen (8 Frauen) oder des Landes verwiesen (1 Frau).

Die Hauptphase der Hexenverfolgung im Hochstift Eichstätt (80 % aller Opfer) war zwischen 1613 und 1630 und fiel in die Regierungszeit des Fürstbischofs Johann Christoph von Westerstetten. In diesen 18 Jahren sind mindestens 199 Verhaftungen und Prozesse und 176 Hinrichtungen von 150 Frauen und 26 Männern wegen Hexerei nachweisbar.

Jedes Jahr wurden zwischen drei und 25 (1620) Todesurteile vollstreckt. Die letzte bisher bekannte Hinrichtung wegen Hexerei fand 1723 in Eichstätt statt. Der letzte bisher bekannte Fall in Eichstätt ist die Hinrichtung des 22-jährigen Bettelmädchens Walburga Rung am 22. November 1723. Allerdings sind diese Fälle untypisch im Sinne der Hexenverfolgung bis 1630.

Aufgrund der vor allem im Verhältnis zur Größe der Stadt hohen Opferzahl gehört Eichstätt nach Würzburg, Bamberg und Fulda zu den Zentren der Hexenverfolgung im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation.

Dies fällt umso mehr auf, als im benachbarten Ingolstadt, das damals zum Herzogtum Bayern gehörte und über eine Universität mit juristischer Fakultät verfügte, nur 11 Hinrichtungen wegen Hexerei stattfanden. Dies zeigt, dass sich in Ingolstadt die Gegner der Hexenverfolgung durchsetzen konnten, in Eichstätt aber nicht.

In Eichstätt gab es im Gegensatz zu vielen anderen Städten keinen sogenannten Hexenturm. Vermutlich wurden die verdächtigen Personen im Rathaus inhaftiert, wo es wahrscheinlich nur fünf Haftzellen gab, so dass nicht mehr als fünf Personen gleichzeitig inhaftiert werden konnten. Für die Hexenprozesse wurde eine eigene Malefizkommission eingerichtet, die mit weltlichen Juristen besetzt war.

Ab 1617 wurden die Verhöre in Eichstätt weitgehend standardisiert durch die Einführung eines speziellen Fragenkatalogs (Interrogatoria) für Hexenprozesse, der sich auf die Carolina von 1532 bezieht.

Der erste Teil umfasst die Fragen 1 bis 24, die vor dem Verlesen der Anklage gestellt werden sollten. Sie betreffen das persönliche und private Umfeld der Angeklagten und ihrer Familie.

Der zweite Teil mit den Fragen 25 bis 79 bezieht sich auf die Straftatbestände der Hexerei, wie Teufelsbuhlschaft, Teufelspakt und Teufelstaufe, Hexenflug, Hexentanz, Gottesverleugnung, Gotteslästerung, Schadenzauberei gegen Mensch und Vieh, Wettermachen, Verführung anderer zur Hexerei, Haus- und Kellerfahrten, tote Kinder ausgraben, Gestaltveränderung.

Der dritte Teil mit den Fragen 80 bis 84 war für den Fall vorgesehen, dass die Angeklagten ein zum Beispiel während der Folter gegebenes Geständnis später widerrufen haben.

Die Fragen des zweiten Teils wurden zunächst in der gütlichen Befragung gestellt. Wenn auf diese Weise noch kein Geständnis erreicht werden konnte, so wurde die Befragung in der Folterkammer zuerst durch Zeigen der Folterwerkzeuge (Territion) und schließlich unter deren Anwendung in Form der peinlichen Befragung fortgesetzt.

In Eichstätt wurden mindestens folgende Foltermethoden angewendet:
1. „Leer Aufziehen“ oder mit Gewichten,
2. „Auf den Stock setzen“, vermutlich ein Folterstuhl mit Daumenschrauben,
3. Auspeitschen mit der Rute.

Vor der ersten peinlichen Befragung wurde die angeklagte Person entkleidet und ihr Körper auf verdächtige Hexenmale untersucht und diese gegebenenfalls bestochen. Dies und die Foltermaßnahmen wurden vom Scharfrichter und/oder seinem Gehilfen im Beisein der Hexenkommissare durchgeführt.

Für die Urteilsverkündung und -vollstreckung wurde ein Gerichtstag anberaumt, meist ein Samstag oder Freitag, jedoch niemals ein Sonntag. Das Urteil wurde verkündet und ein Stab in drei Teile zerbrochen und auf den Boden geworfen.

Anschließend wurden die Verurteilten mit dem Wagen des Scharfrichters zum Richtplatz gebracht, wobei der Blutrichter begleitet von berittenen Stadtknechten vorausritt.

Der Weg führte durch das Buchtaltor und am Haus des Scharfrichters vorbei (heute Neuer Weg) zum Galgenberg hinauf. Aus den Jahren 1614 bis 1618 sind bei mindestens acht Frauen als strafverschärfende Maßnahmen die Verwendung von glühenden Zangen dokumentiert.

Die Hinrichtung selbst war ebenfalls öffentlich und fand beim Hochgericht auf dem Galgenberg statt, vermutlich dort, wo 2001 eine Gedenkstelle für die Opfer der Hexenverfolgung aufgestellt worden ist.

Vor der Exekution erhielten die Verurteilten Gelegenheit zu einer letzten Beichte. Das Todesurteil lautete in allen Fällen auf „Tod durch Feuer“, wobei die meisten Verurteilten zuvor mit dem Schwert enthauptet und anschließend verbrannt wurden

Ellwangen (Jagst) Baden-Württemberg

In den Jahren 1588 und 1611–1618 wurden etwa 450 Frauen und Männer während der Hexenprozesse in Ellwangen umgebracht. Damit wurde in Ellwangen neben dem Hochstift Bamberg die Hexenverfolgung am intensivsten betrieben.

Während der Regierungszeit der Fürstpröpste Wolfgang von Hausen (1584–1603), Johann Christoph I. von Westerstetten (1603–1613) und Johann Christoph von Freyberg-Eisenberg (1613–1620) wurden 1588 und 1611 bis 1618 ungefähr 450 Personen hingerichtet, viele auf dem Scheiterhaufen. Das waren etwa die Hälfte der Ellwanger Frauen und jeder sechste Mann.

Nachdem Fürstprobst Wolfgang von Hausen im Jahr 1588 verschiedene Vergnügungen wie das gemeinsame Tanzen, Singen aber auch das Konsumieren von Alkohol verboten hatte, führte die fürstpröpstliche Inquisition Hausdurchsuchungen durch.

Die Folge dieser Hausdurchsuchungen waren zahlreiche Verurteilungen von verschiedenen Tätern und Mitwissern. Einige Bürger wurden hingerichtet, andere des Landes verwiesen oder mussten Geldstrafen zahlen.

Es herrschte der Glaube, dass man Hexen an auffälligen Hautunregelmäßigkeiten erkennt. Diese wurden als Hexenmale bezeichnet und waren der Beweis für einen Pakt mit dem Teufel. Da viele Menschen größere Muttermale oder andere Hautunregelmäßigkeiten haben, gelang es bei vielen Prozessen, den angeblichen Beweis zu finden.

Die Constitutio Criminalis Carolina aus dem Jahr 1532 war das erste deutsche Strafgesetzbuch. Sie enthielt vor allem Straf- und Prozessrecht, weshalb sie auch in Ellwangen als Grundlage für die Hexenverfolgungen diente. Die Carolina führte den Indizien- und Geständnisprozess ein, was zur extremen Folter führte.

Ebenfalls dem Hexenstereotyp entsprechend benutzten die meisten Beschuldigten Kräuter oder spezielle Rituale, um Krankheiten zu heilen. So war unter ihnen z. B. die Hebamme Elisabeth Fürstin. Sie benutzte auch bei ihrer Tätigkeit als Hebamme häufiger spezielle Kräutertränke und Rituale, um den Kindern aber auch den Müttern zu helfen.

Während der ersten Hexenverfolgung in Ellwangen im Jahr 1588 ist insgesamt bei nahezu allen Verurteilten eine starke Ähnlichkeit zum typischen Hexenbild, also einer alten Frau, die alleine lebt und viel mit Kräutern hantiert, zu beobachten. Erst zum Ende hin wurden auch jüngere, verheiratete Frauen beschuldigt.

Der letzte Hexenprozess in Ellwangen im Jahr 1694 war ein sogenannter Kinderhexenprozess. Dies waren Ende des 17. und Anfang des 18. Jahrhunderts typische Prozesse, welche von Kindern, die sich und zum Teil auch weitere Personen der Hexerei beschuldigten, ausgelöst wurden.

Im Jahr 2001 wurde von der katholischen Kirchengemeinde St. Vitus zur Erinnerung an die Hingerichteten der Hexenprozesse ein Mahnmal im Galgenwald in unmittelbarer Nähe der ehemaligen Richtstätte erstellt, gestaltet vom Künstlerpfarrer Sieger Köder.

Endingen am Kaiserstuhl / Baden-Württemberg

In Endingen fand einer der letzten Hexenprozesse in Europa statt. So wurde in Südwestdeutschland als eine der letzten der Hexerei angeklagten Frauen Anna Schnidenwind am 24. April 1751 in Endingen am Kaiserstuhl auf dem Scheiterhaufen verbrannt.

Anna Schnidenwind, geborene Trutt (* um 1688 in Wyhl am Kaiserstuhl; † 24. April 1751 in Endingen am Kaiserstuhl), war eine der letzten Frauen, die in Deutschland als Hexe öffentlich hingerichtet wurde.

Sie wurde am 24. April 1751 in Endingen am Kaiserstuhl im Breisgau auf dem Scheiterhaufen verbrannt (nach vorheriger Erdrosselung). Der 63 Jahre alten Bäuerin wurden der Teufelspakt und Brandstiftung vorgeworfen.

Sie wurde für den verheerenden Brand Wyhls (Wyhl am Kaiserstuhl) am 7. März 1751 verantwortlich gemacht, den sie wohl beim Räuchern ausgelöst hatte. Das Feuer zerstörte einen Großteil der Ortschaft.

Ersingen / Baden-Württemberg

Noch unter der alten Äbtissin Katharina von Bettendorf war 1573 Dorothea Muhlhengin aus Ersingen „kürtzlichen daselbsten bezig (= andauerndem) Hexenwerks halb in Hafft ingezogen worden“ und hatte sich im Gefängnis „selbst entleibt“. Auch Katharina Hildebrand und Margaretha Burckhardt aus Ersingen wurden 1573 verhaftet und später in Baden-Baden als angebliche Hexen verbrannt.

Im November 1576 fand in Ersingen ein Hexenprozess gegen die dortige Hebamme Margaretha Bauerbacher statt, die durch die Besagung der 1574 hingerichteten Margaretha Burckhardt belastet war, von der Bevölkerung für Viehsterben verantwortlich gemacht und am 1. Dezember 1576 in Ettlingen verbrannt wurde.

„Schirms-Verwandte, Schultheiß Gericht und gantze Gemeinde“ der Dörfer Ersingen und Bilfingen baten im Februar 1577 den Markgrafen Philipp II. von Baden-Baden, er möge sie doch von den „bösen Weibern“ befreien, die mit Lähmung und Tötung des Viehs großen Schaden anrichteten.

In Ersingen spiegeln die Flurnamen Hexenbäumle und Hexenbusch die Erinnerung an die Hexenverbrennungen wieder.

Eschwege / Hessen

Am 30. Oktober 1657 wurden Martha Kerste und ihre Tochter Catharina Rudeloff unter der Anklage der Hexerei hingerichtet.
(Stadt und evangelischen Kirche: moralische und sozialethische Rehabilitation der Opfer der Hexenprozesse / Hexenverfolgung 2007)

 

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Farchant / Bayern

Ende des 16. Jahrhunderts kam es in der Grafschaft Werdenfels zu aufsehenerregenden Hexenprozessen, bei denen zwischen den Jahren 1590 und 1591 51 Personen als Hexen verurteilt und hingerichtet wurden. Unter diesen Personen befand sich mit Simon Kembscher zudem ein Mann. Insgesamt wurden in dieser Zeit 127 Personen der Hexerei beschuldigt.

1583 wurde der leicht beeinflussbare Caspar Poißl von Atzenzell neuer Pfleger in der Grafschaft Werdenfels. Die Bewohner des Landes waren schon die Jahre zuvor sehr unruhig. Pestepidemien, Krankheiten, Hagelschauer, der die Felder verwüstete, und verendete Tiere verängstigten die Allgemeinheit.

Während der Vorgänger des neuen Pflegers noch mäßigend bei Anschuldigungen von Hexerei einwirkte, stießen sie bei Poißl auf offene Ohren. Als die aus Tirol stammende Ursula Klöck vom Eibseefischer der Hexerei beschuldigt wurde, ließ der Pfleger sie am 28. September 1589 in das Garmischer Amtshaus abführen.

10 Tage später wurden noch zwei weitere Frauen festgenommen und in den Kerker gesteckt. Alle drei Frauen begutachtete der erfahrene Schongauer Scharfrichter und Hexenfinder Jörg Abriel, und der Pfleger Poißl schrieb an seine Vorgesetzten über dessen Urteil: „…alle drei Weiber als Unholde befunden, weil er an ihnen das Teufelszeichen wirklich entdeckt habe.

Mit der peinlichen Befragung presste der Pfleger Geständnisse aus den Frauen heraus, ebenso wurde durch Zeugenbefragung eine weitere Frau verdächtigt, die im Dezember ebenfalls festgenommen wurde.

Die vier Beschuldigten verfrachtete der Pfleger anschließend in den Kerker der Burg Werdenfels. Ohne Genehmigung der Regierung aus Freising folterte Poißl weiter und verdächtigte immer mehr Frauen.

Am 21. Dezember beging eine der Frauen Selbstmord, im Anschluss daran führte der Pfleger im Januar den ersten Malefizrechtstag durch und verurteilte die Frauen zum Tode. Es folgten noch sechs weitere Malefizrechtstage, die Verurteilten verbrannte in den meisten Fällen der Schongauer Scharfrichter bei lebendigem Leibe.

Fergitz in der Uckermark / Brandenburg

Das letzte Todesopfer der Hexenverfolgung in Brandenburg war am 17. Februar 1701 die 15-jährige Magd Dorothee Elisabeth Tretschlaff, die in Fergitz in der Uckermark wegen „Buhlerei mit dem Teufel“ enthauptet wurde. Es gab weitere Prozesse, die jedoch mit Freisprüchen endeten.

1714 ließ König Friedrich Wilhelm I. die Brandpfähle abreißen, nachdem bereits 1708 mit der Festlegung, dass Urteile auf Anwendung der Folter durch den König persönlich im Einzelfall zu bestätigen waren, den Hexenprozessen die Basis genommen worden war.

Flörsheim / Hessen

In Flörsheim, Weilbach und Wicker fielen zwischen 1595 und 1630 über 71 Frauen, Männer und Kinder dem Hexenwahn zum Opfer. Etliche sollen am Hexenberg in Flörsheim hingerichtet worden sein.

Einen Extrakt aus dem Flörsheimer Hexischen Inquisitionsprotokoll hatte Johann Traberger, öffentlicher Notar und Prokurator (Rechtsanwalt) des Kurfürstlichen Hofgerichts in Mainz, niedergeschrieben.

Nach den ersten Prozessen bat die Gemeinde Flörsheim das Mainzer Domkapitel um die Erlaubnis, „dass die übrigen angegebenen Hexenweiber verhaftet und bestraft werden mögen.

Für die Menschen war es eine schlimme Zeit: Die Bevölkerung litt unter den klimatischen Folgen der Kleinen Eiszeit mit langen strengen Wintern und kaltnassen Sommern. Missernten, Teuerung und Hungersnöte waren die Folge. Man suchte nach Sündenböcken – und man fand sie.

Allerorten begannen hysterische Hexenjagden. Angeklagte wurden in den Hexenprozessen unter dem Vorwurf des Schadenzaubers verurteilt, sie hätten kalten Regen oder Hagel verursacht mit fatalen Folgen für die Nahrungsmittelproduktion.

Die Jahre 1615–1618 stellen den Schwerpunkt der Flörsheimer Hexenverfolgung dar. In den Exekutionsprotokollen ist häufig vermerkt, dass die Angeklagten beschuldigt wurden, sie hätten beim Hexensabbat beschlossen, Wein und Früchte des Feldes zu verderben.

Stellvertretend für die in Flörsheim hingerichteten Menschen steht das Schicksal von drei als Hexen verbrannten Jugendlichen: Johann Schad, Margreth Schad und Ela Schad, hingerichtet am 6. Juli 1617 wegen angeblicher Hexerei.

Viel Leid brachten die Prozesse auch sozial für die Hinterbliebenen. Sie mussten im Ort mit dem Stigma weiter leben, Familienangehörige oder Kinder einer Hexe zu sein. In Flörsheim waren dies z. B.:

Magdalena, Melchior Stephans Frau aus Flörsheim († 17. August 1628). Sie hinterließ drei Kinder: Henrich (vier Jahre), Juliane (drei Jahre) und Margarethe (unter einem Jahr).
Anna, Frau Jacob Schleudts aus Flörsheim († 17. August 1628). Sie hinterließ zwei Töchter bei ihrer Hinrichtung im Alter von vier Jahren und acht Monaten.
Maria Mülichin, Frau von Jo(hann)is Haudt aus Flörsheim († 20. September 1629). Als sie verbrannt wurde, waren die Kinder Barbara und Anna vier und drei Jahre alt, die zwei Monate alte Catharina starb einen Monat nach der Verbrennung ihrer Mutter.

1615 schlugen die Hexenprozesse für Flörsheim bereits mit 6.225 Gulden zu Buche. Zur Bestreitung der Unkosten der wegen Ausrottung und Bestrafung des eingerissenen Lasters der Zauberei und Hexerei befohlenen Inquisition beantragte die Gemeinde 1618 beim Kloster St. Klara in Mainz ein Darlehen von 2.000 Gulden.

Die Gemeinde nahm weitere Gelder auf, konnte aber keine Rückzahlungen leisten. Gegen 1648, als die Hexenverfolgungen im Kurfürstentum Mainz eingestellt wurden, belief sich die Schuldsumme auf 9.973 Gulden, inklusive Zinsen sogar auf 12.220 Gulden.

Flörsheimer Gemeindeland war verpfändet worden. 1661 bat die Gemeinde das Mainzer Domkapitel um Hilfe bei einem annehmbaren Vergleich. Noch 100 Jahre später hatte die Stadt an der Schuldenlast zu tragen.

(Am 16. September 2013 wurden drei übermannshohe Gedenktafeln auf dem alten „Hexenberg“ in Flörsheim oberhalb der Obermühle errichtet. Die Gedenktafeln tragen die Namen der 71 dokumentierten Personen aus Flörsheim, Wicker und Weilbach, die zwischen 1595 und 1630 als vermeintliche Hexen und Zauberer ihr Leben lassen mussten oder denunziert, verhaftet und gefoltert worden sind und ihre Heimat verlassen mussten.)

Freising / Bayern

Das Gefängnis in Freising war ursprünglich im Erdgeschoss des alten Rathauses untergebracht. 1663 wurde das „Oswald-Huberische Haus“ an der Moosach mit der eingefallenen „Domstifts-Kaplaney“ durch das Hochstift Freising angekauft und darauf eine „Eisenfrohnveste“ errichtet, die als Stadt- und Pflegegericht diente.

Im Verlauf der Kinderhexenprozesse in Freising wurde der als „Hexenturm“ bezeichnete Gefängnisturm errichtet.

Die beiden Kinderhexenprozesse in Freising fanden gegen Ende der Hexenverfolgung in Freising, zu dieser Zeit Zentrum des Hochstifts Freising, von 1715 bis 1717 und von 1721 bis 1723 statt.

Der erste Prozess begann mit der Verhaftung der Bettelbuben Andre und Lorenz am 3. Dezember 1715, da sie beschuldigt wurden, Ferkel und Mäuse machen zu können. Aufgrund der Aussagen der beiden wurden weitere Kinder verhaftet.

Am 12. August 1717 erhängte sich Andre in seiner Zelle, ein weiterer Junge starb an einer Krankheit. Drei Jungen wurden am 12. November 1717 mit Schwert und Feuer hingerichtet. Zwei weitere Jungen mussten bei der Hinrichtung zusehen, wurden mit Ruten gezüchtigt und danach unter geistliche Aufsicht gestellt.

Der zweite Kinderhexenprozess wurde durch die Verhaftung von Veit Adlwart wegen Diebstahls ausgelöst. Vermutlich aufgrund seiner Verurteilung im ersten Kinderhexenprozess (er war einer der beiden Jungen, die der Hinrichtung zusehen mussten) wurde die Anklage von Diebstahl in Hexerei umgewandelt.

Im weiteren Verlauf wurden insgesamt über hundert Menschen verhaftet, von denen die meisten jedoch wieder freikamen. Insgesamt wurden acht Jungen zwischen 14 und 23 Jahren und drei Bettlerinnen mittleren Alters hingerichtet.

Unter den hingerichteten Jungen befand sich, wie schon erwähnt, auch Veit Adlwart, der am 15. Dezember 1721 exekutiert wurde. Die Welle der Verhaftungen und Hinrichtungen kam erst zum Ende, als immer mehr Angehörige der oberen Schichten ins Visier gerieten.

Mit der Gründung des Fördervereins Altes Gefängnis Freising e.V. begann 2005 die Renovierung des Gebäudekomplexes. Im Erdgeschoss befindet sich ein Weinlokal, Ausstellungsräume stehen im Obergeschoss zur Verfügung. Im zweiten Stockwerk befindet sich das Gefängnismuseum.
Altes Gefängnis
Obere Domberggasse 16
85354 Freising
Webseite: www.altesgefaengnisfreising.de

Fridingen an der Donau / Baden-Württemberg

Fridingen an der Donau ist eine kleine Stadt im Osten des baden-württembergischen Landkreises Tuttlingen. Für das Jahr 1671 ist ein Hexenprozess vor der Fridinger Kirche verbürgt.

Dieses Geschehen, von den Anschuldigungen der Schörzinger Bürger am 18. März 1671 bis zum Urteil Anfang September, gilt als der bestdokumentierte Prozess aus der Grafschaft Hohenberg. Zwölf Bürger beschuldigten damals die 70 Jahre alte arme und verwitwete Anna Bayerin aus Schörzingen (Stadtteil von Schömberg) aufgrund 19 vermeintlicher Verdachtsmomente der Hexerei.

Unter Folter gestand die zu Unrecht Angeklagte „mit dem Teufel im Bunde“ zu sein. Das Urteil lautete auf „Tod durch Verbrennen – gnadenhalber mit vorheriger Enthauptung“. Sie wurde vermutlich in Rottenburg am Neckar exekutiert. Anna Bayerin war die letzte Person, die in einem Hohenberger Hexenprozess zum Tode verurteilt wurde.

Fritzlar / Hessen

Zur Hexenverfolgung in Fritzlar gibt es bisher keine umfassende Darstellung. Einige Prozessakten befinden sich in Wien, andere in Würzburg. Bekannt sind Verfahren aus den Jahren 1596, 1616 und 1626–1631.

Im Grauen Turm sind auf einer Informationstafel die Namen von 62 bekannten Opfern von Fritzlarer Hexenprozessen verzeichnet; es muss jedoch von einer höheren Opferzahl ausgegangen werden. Im Dreißigjährigen Krieg wurden kurz nach einer Pestepidemie sieben Männer und 25 Frauen in den Jahren 1627 bis 1629 als Hexen und Hexenmeister verbrannt.

Noch 1656 stellte die Mainzer Regierung bei ihrem Oberamtmann von Amöneburg und Fritzlar Erkundigungen zum Verbleib von Geldern an, die der Kammer aus Fritzlarer Hexenprozessen zwischen 1626 und 1630 hätten zufließen müssen. Einige Einzelschicksale wurden bekannt:

1596 wurde Elisabeth Kollers, Frau des Bürgers Henrich Kollers, wegen Zauberei in Turmhaft genommen. “Nach erfolgter Tortur war sie geständig“. Zwar konnte sie aus dem Turm (vermutlich dem Frauenturm) in das sieben Kilometer entfernte Großenenglis fliehen, wurde dann aber von dort doch wieder nach Fritzlar ausgeliefert.

Ihr Name ist auf der Liste der Opfer der Fritzlarer Hexenprozesse nicht verzeichnet; sie wurde möglicherweise also nicht hingerichtet. Der Fall wurde aktenkundig, weil es um die Rechtsfragen einer Auslieferung aus dem hessischen in mainzisches Gebiet ging.

1628 wurde Elisabeth Braun, geb. Günst, als Hexe zum Feuertod auf dem Scheiterhaufen verurteilt. Elisabeth Braun war die Witwe des 1621 verstorbenen Johannes Braun, einem angesehenen und wohlhabenden Mann. Die Prozesskosten, die ihren Angehörigen auferlegt wurden, beliefen sich auf 220 Rheinische Taler, eine Summe, die damals ein Vermögen ausmachte.

1629 konnte Hans Kerber, der wegen Zauberei angeklagt war, aus Fritzlar fliehen.
Maria Rörig, Tochter des Bürgermeisters Wilhelm Gerhard aus Fritzlar, wurde im September 1630 in Wildungen vom Hexengericht inhaftiert.

Sie blieb auch unter der Folter standhaft und wurde schließlich im Mai 1631 freigelassen. Ihre Tochter Susanne Weber wurde 1656 in Wildungen der Hexerei angeklagt.

Fulda / Hessen

Den Hexenverfolgungen im Hochstift Fulda fielen ca. 250 Menschen zum Opfer. Merga Bien war eine der ersten Frauen, die vom Zentgrafen und Malefizmeister Balthasar Nuss im Rahmen der 1603 einsetzenden Hexenverfolgungen verhaftet wurden.

1603 wurde in der Zeit der Hexenverfolgungen Balthasar Nuss als Zentgraf nach Fulda berufen. Balthasar von Dernbach übertrug ihm darüber hinaus die Durchführung der Hexenprozesse im gesamten Hochstift.

In drei Jahren ließ Balthasar Nuss etwa 300 angebliche Hexen und Hexenmeister foltern und anschließend hinrichten. Das Vermögen der Opfer zog er für sich ein. Besonders bekanntes Opfer der Hexenverfolgungen war Frau Merga Bien 1603.

Merga Bien (* ca. Ende der 1560er-Jahre; † im Herbst 1603 in Fulda) war in dritter Ehe verheiratet mit Blasius Bien, wurde am 19. Juni 1603 wegen Hexerei verhaftet und im Herbst 1603 während der Hexenverfolgungen unter Fürstabt Balthasar von Dernbach auf dem Gerichtsplatz in Fulda hingerichtet.

Den Hexenverfolgungen im Hochstift Fulda fielen ca. 250 Menschen zum Opfer. Merga Bien war eine der ersten Frauen, die vom Zentgrafen und Malefizmeister Balthasar Nuss im Rahmen der 1603 einsetzenden Hexenverfolgungen verhaftet wurden. Am 19. Juni 1603 wurde sie inhaftiert und in einen Hundekäfig gesperrt, weil das Gefängnis im Schloss überfüllt war.

Nach 14 Wochen Haft gab sie schließlich unter der Folter alle Anschuldigungen zu mit den Worten: „… ach Gott, so will ich es getan haben“ und wurde im Herbst 1603 auf dem Gerichtsplatz in Fulda verbrannt. Dafür musste Blasius Bien die horrende Summe von 91 1/2 Gulden als Hinrichtungskosten an Nuss entrichten. Mergas Mutter und deren Schwester waren einige Wochen vorher ebenfalls auf dem Scheiterhaufen hingerichtet worden.

Gedenkfeier mit Oberbürgermeister und Kirchenvertretern mit Einweihung der Gedenkstätte für die Opfer der Hexenverfolgung im Hochstift Fulda
(Moralische und sozialethische Rehabilitation der Opfer der Hexenprozesse / Hexenverfolgung 2008)

Fulda (Hochstift Fulda) Hessen

In seiner zweiten Regierungsperiode ließ Fürstabt Balthasar von Dernbach Hexenprozesse abhalten und beauftragte Balthasar Nuss als Malefizmeister mit der Durchführung.

Den Hexenverfolgungen im Hochstift Fulda von 1603 bis 1606 fielen 250 Menschen zum Opfer, überwiegend Frauen, aber auch einige Männer. Besonders bekannt wurde der Hexenprozess gegen Merga Bien, deren Ehemann Blasius Bien erfolgreich gegen ihre Haftbedingungen vor dem Reichskammergericht in Speyer klagte.

Merga Bien (* ca. Ende der 1560er-Jahre; † im Herbst 1603 in Fulda) war in dritter Ehe verheiratet mit Blasius Bien, wurde am 19. Juni 1603 wegen Hexerei verhaftet und im Herbst 1603 während der Hexenverfolgungen unter Fürstabt Balthasar von Dernbach auf dem Gerichtsplatz in Fulda hingerichtet.

Balthasar Nuss verstieß in seiner Prozessführung in vielen Punkten gegen geltende Bestimmungen. Der “Malefizmeister” fragte in der Folter ganz gezielt nach bestimmten Namen, er ließ sich in Bezug auf die Foltermaßnahmen besondere Grausamkeiten einfallen und bereicherte sich am Vermögen der Hingerichteten bzw. ihrer Angehörigen.

Die Fuldaer Hinrichtungsstätte, und damit eine der Wirkungsstätten des „Hexenrichters“, befand sich auf einem kleinen Hügel östlich der Residenz, seinerzeit „Hexenküppel“ heute „Waldschlößchen“ genannt. Die dortigen unterirdischen Gänge sind weitgehend noch unerforscht. Beim Bau der nahen katholischen St.-Joseph-Kirche wurden interessante Fundstücke geborgen.

Nach dem Tod des Fürstabts 1606 wurde Nuss verhaftet und 13 Jahre in Haft gehalten. Schließlich wurde ihm der Prozess wegen Bereicherung im Zusammenhang mit den Hexenprozessen gemacht. Er wurde 1618 aufgrund eines Gutachtens der Ingolstädter Juristenfakultät enthauptet.

Fürsteneck / Bayern

Der Ort Fürsteneck in Niederbayern war im Jahr 1703 Schauplatz eines Hexenprozesses. Im Pfarrhof von Röhrnbach erhielt sich ein ausführliches Protokoll des Prozesses.

Afra Dickh (auch Afra Dick) war Dienstmagd beim Bauern Frueth in Wittersitt, einem Ortsteil der heutigen Gemeinde Ringelai. Die Anklage lautete auf Giftmord, Verhexung von Mensch und Tier, der Verbindung mit anderen verhexten Personen und des buhlerischen Umgangs mit dem Teufel.

Mitangeklagte waren das 13-jährige Hüterdirndl Maria, das beim selben Bauern in Dienst stand, und die verwitwete Bäuerin Maria Kölbl, eine 15-fache Mutter aus Neidberg bei Ringelai.

Die drei Frauen wurden in der Fronfeste von Perlesreut gefangengehalten und im Februar 1703 tagelang eingehend und dem Protokoll nach „gütlich“ befragt. Afra hatte 42 Fragen zu beantworten, aufgrund derer sie erzählt habe, wie sie mit dem Teufel bekannt und vertraut wurde, wie sie mit seiner Kraft Zutritt zu allen Behausungen und Stallungen fand, wie sie Kühe verzauberte und so Milch, Rahm und Schmalz in großen Mengen gewann.

Sie habe auf einer Gabel nächtliche Ritte unternommen und mit fremden Mannspersonen, darunter Böhmen, wilde Gelage gefeiert. Zuletzt soll sie den Gebrauch der Hexensalbe zugegeben haben.

Das Hütmädchen Maria, mit dem Afra die Schlafkammer teilte, hatte zwanzig Fragen zu beantworten. Maria beteuerte, dass ihr an Afra zwar allerhand Sonderbares auffiel, sie habe jedoch keinerlei Wissen von ihren Hexereien gehabt.

Der Bäuerin Maria Kölbl wurden dreizehn Fragen gestellt. Demnach bekannte sie, von den Vorkommnissen gehört zu haben, nicht aber, daran beteiligt gewesen zu sein.

In der elften Frage hielt man ihr vor, dass man bei einer Haussuchung in ihrem Hof in einer Truhe 34 verdächtige Dinge gefunden habe, darunter Salben, Wachs, Salz, Pech, Zwiebelsamen, Blutsteine, Scher- oder Maulwurfshäutel, Holz, Späne, Seide, Garn und Riemen. Sie behauptete, diese Dinge als Heilmittel, besonders zur Pflege der offenen Beine, zu benötigen.

Nun wurden drei „Erfahrungspersonen“ aus Neidberg befragt, Männer im Alter von 31, 49 und 59 Jahren. Sie erklärten, ihre Kühe seien verhext worden, weshalb sie an Milch, Rahm, Butter und Schmalz starken Abgang gehabt hätten.

Der jüngste der drei wusste zu erzählen, der Mann der Bäuerin Maria Kölbl sei im Sommer und Herbst immer mit großen Mengen Schmalzes nach Passau gereist und habe es dort verkauft. Oft habe man in Neidberg oder dessen Nähe mannsfaustgroße Rahmbrocken gefunden, die von den Hexen beim Heimreiten verloren worden seien.

Wiederholt habe er einen feurigen Drachen beobachtet, bevor dieser in ein Haus gefahren sei. Die Zitzen der Kuheuter seien zerbissen und die Milch ganz schleimig gewesen.

Ein Knecht namens Adam Drexler, der früher bei der Bäuerin Maria gearbeitet  hatte, habe ihm zudem offenbart, die Bäuerin sei ihrem vorigen Mann nicht treu gewesen und habe ehebrecherische Beziehungen zu dem Mitknecht Andreas unterhalten.

Das Protokoll schließt mit der Wiedergabe der Zeugenaussagen. In der Ausgabenliste des Scharfrichters ist die Vollstreckung des Urteils aufgelistet: Afra Dickh wurde wegen Zauberei und Brandstiftung (in puncto veneficii et incendii) am 1. Juni 1703 vom Passauer Scharfrichter Sebastian Fleischmann am Fürstenecker Hochgericht bei Perlesreut mit dem Strang vom Leben zum Tod befördert.

Danach wurde Afra Dickh mit 30 Klaftern Holz und 40 Pfund Pech auf einem Scheiterhaufen zu Asche verbrannt. Maria Kölbl wurde einige Wochen später hingerichtet.

Eine Sage wusste zu erzählen, beim Frueth-Bauern hätten sich in der Rauhnacht die Dienstboten für die Fußräucherung die Füße gewaschen. Afra habe eine andere Magd gefragt, ob sie auch einmal heiraten wolle, und nachdem diese bejahte, forderte Afra sie auf, sich einen Mann auszusuchen.

Da erschienen im Fußwasser die Gesichter von mehreren jungen Männern. Die Magd entschied sich für einen und deutete mit dem Finger auf ihn. Da sprang er heraus und biss sie in den Finger, der darauf heftig blutete. Es war der Teufel, der sich mit dem Blut der Magd ihren Namen in sein Buch eintrug. Da wussten alle, dass Afra Dickh eine Hexe war.

Im Jahr 1997 erschien Manfred Böckls Roman Der Hexenstein, der ausgehend von den Gerichtsprotokollen die Hexenverfolgung anprangerte. Im selben Jahr wurde in Ringelai ein kleines Hexenmuseum eingerichtet, das an Afra Dickh und Maria Kölbl erinnert.

Dort sind die Verhörprotokolle des Hexentribunals mit Übersetzungen zu sehen. Im Jahr 2005 zeigte der Festspielverein Fürsteneck e. V. im Rahmen der erstmals dargebotenen Barockfestspiele Fürsteneck das Schauspiel Pech und Puder (Buch & Regie: Florian Schwartz), in denen die beiden Frauen das Opfer übler Machenschaften werden.

Auch der Fürstenecker Liedermacher Walter Peschl setzt sich mit dem Hexenprozess von Fürsteneck in seinen Liedertexten auseinander und arbeitet das Thema – neben anderen sozialen und wirtschaftlichen Problemen des Bayerischen Waldes – musikalisch auf. In diesem Zusammenhang entstand der Titel „d’Hexnjagd“.

 

Hexenwahn:
Geschichte einer Verfolgung
von Lyndal Roper
Gebundene Ausgabe: 470 Seiten
Verlag: C.H.Beck
ISBN-13: 978-3406540479
Gebundenes Buch EUR 9,95

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Zitat: Warum haben die Hexenverfolger in Nördlingen, Würzburg oder Marchtal so oft Frauen der Hexerei bezichtigt, die “alt” waren, das heißt keine Kinder mehr bekommen konnten?
War es der Neid auf die schönen, jungen und fruchtbaren Frauen, der sie für Hexerei und Teufelspakt prädestinierte?

Lyndal Roper beleuchtet die sexuelle Vorstellungswelt der Hexenverfolgung und die eminente Bedeutung, die die Fruchtbarkeit für Männer wie Frauen hatte.

Die Hexenverfolgung – wir wissen relativ genau Bescheid über die Zahl der Opfer, die regionale Verteilung, über den Ablauf der Prozesse und über die üblichen Anklagepunkte; was wir nicht so genau wissen, ist, wie und warum eine dörfliche oder städtische Gesellschaft so grausam und brutal über meist wehrlose Opfer wie Alte und Kinder herfiel.

Lyndal Roper will die emotionalen Mechanismen aufspüren, die den Boden für diese Prozesse und die Exekution ihrer Urteile bereiteten. In der Erzählung einiger markanter Fälle wird deutlich, dass es für die Menschen des 16. und 17. Jahrhunderts überlebenswichtig war, zu erkennen, warum ein Kind starb, die Kühe erkrankten, die Ernte verfaulte.

Der Vorwurf an die meisten der Hexerei Verdächtigen war der Schadenszauber – sie waren schuld, daß die Milch sauer wurde, das Kind krank, das Wasser vergiftet. Beseitigte man diese Schuldigen, dann konnte es wieder aufwärts gehen.

Erstaunlicherweise wurde gerade diese Schuld an denjenigen festgemacht, die am meisten zur Versorgung anderer und zu ihrem Wohlergehen beigetragen hatten: an älteren Frauen.
Wie ist diese Projektion zu erklären?
Was prädestinierte sie dazu, zum Sündenbock zu werden?

Lyndal Roper untersucht ein weites Spektrum frühneuzeitlicher Vorstellungswelten und macht magisches Denken, Zauberglauben und Hexensabbate verständlich.

 

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Hexen & Magie