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Hexenverfolgung und Hexenprozesse in Deutschland A/C

25/08/2018

Aachen / Nordrhein-Westfalen

In Aachen wurde 1649 ein 13-jähriges Waisenmädchen auf dem Richtplatz am Aachener Königshügel auf den Scheiterhaufen verbrannt. Das Mädchen ist das siebte dokumentierte Todesopfer von insgesamt 11 niedergeschriebenen Hexenprozessen in Aachen, die sich zwischen 1598 und 1649 ereignet haben.

Manche Frauen wurden, meist aus unbekannten Gründen oder weil sie nicht gestanden hatten, nicht hingerichtet, sondern nach ihrer öffentlichen Auspeitschung aus der Stadt gejagt: ein soziales Todesurteil.

Aus der Stadt Aachen ging es über die Königstraße und Maastrichter Straße zum Hexenberg. Dort über der Stadt wurden die Hinrichtungen ausgeführt. Der Begriff „Muffeter Weg“ stammt auch noch aus dieser Zeit, weil dort eine modrige Luft wegen der Leichen herrschte. Zitat: Dr. Werner Tschacher.
(Auf dem Hexenberg, der immer noch diesen Namen trägt, steht eine Gedenktafel zur Erinnerung an die hingerichteten Frauen)

Tourismusangebote: Abendbummel. Altstadtführung. Altstadt- und Rathausführung. Anekdoten und Geschichten. Centre Charlemagne und Altstadt-Führung. Leben, Lieben, Leiden: Hungersnöte, Kriege, Hexenverfolgungen und Seuchen (Kostümierte Führung). Morde und Missetaten. Nachtschwärmer-Tour (Kostümierte Führung mit Christoffel zu Aachen). Sagen und Legenden:
Webseite: www.aachen-tourismus.de

Teufel – Printen – Hexerei: Wahre und legendäre Geschichten aus Aachen von Sabine Mathieu. Verlag: Meyer & Meyer Sport, ISBN-13: 978-3898999649, gebraucht ab EUR 9,86 bei Amazon.de kaufen. Buchzitat: Aachens Geschichte ist voller Sagen und Legenden. Der Teufel wurde sogar mehrfach von den Aachenern hereingelegt. Als Beweis dient sein Daumen, der bis heute in der Domtüre steckt. Das Bahkauv, das wohl älteste Aachener Fabelwesen, wurde sogar mit einem Denkmal geehrt. Natürlich darf die Hexe Mobesin nicht fehlen, die ja tatsächlich ein historisches Vorbild hat.

Adensen / Niedersachsen

Adensen ist ein Gemeindeteil der Gemeinde Nordstemmen im Tal der Haller und liegt im Westen des Landkreises Hildesheim.

Am 22. Januar 1653 klagte Hans Rieke aus Adensen die Ehefrau von Hans Hartmann bei dem Amt Calenberg des Schadenzaubers an. Nach Folter und Prozess wurde sie am 5. August 1653 auf dem Teufelsberg bei Elze stranguliert und verbrannt.
Webseite: www.nordstemmen.de

Ahlen / Nordrhein-Westfalen

Von 1574 bis 1652 sind für die Stadt Ahlen Dokumente von ca. 20 Hexenprozessen erhalten geblieben. Die Hexenverfolgungen begannen 1574 mit dem Tod von vier Frauen. 1597 Die Hinrichtungen nach Hexenprozessen nehmen spürbar zu.

1614 findet in Ahlen ein aktenkundlicher Hexenprozess statt. 1615 wurde Peter Kleikamp als Werwolf angeklagt, gefoltert und lebendig auf dem Scheiterhaufen verbrannt.

1616 wurde Christian zum Loe, wegen Hexerei angeklagt, im Gefängnis wahnsinnig und starb. Der letzte bekannte Prozess fand 1652 gegen Anna Sadelers statt. Sie wurde gefoltert, enthauptet und auf dem Scheiterhaufen verbrannt.
Webseite: www.ahlen.de

Ahrbrück / Rheinland-Pfalz

Die Gemeinde besteht aus den drei Ortsteilen Ahrbrück (bis 1938 Denn), Brück und Pützfeld. 1649 wurde in den Hexenverfolgungen die aus Pützfeld stammende Else Simons als Hexe angezeigt und gefoltert. Der Hinrichtung mussten zur Abschreckung alle Leute des Ortes beiwohnen.

Zur Erinnerung an Else Simons wurde 2008 ein Gedenkstein an der ehemaligen Richtstätte Auf Wolfsgraben aufgestellt. Das Hexendenkmal ist ein Mahnmal für die Hexenverfolgungen in der Gemarkung von Ahrbrück.
(Am 31. Januar 2008 bildeten 15 Bürger eine Initiativgruppe zur Errichtung eines Denkmals in Erinnerung an die Hexenverfolgung)
Webseite: www.gemeinde-ahrbrueck.de

Alleshausen / Baden-Württemberg

In der Zeit der Hexenprozesse wurden im Vergleich zu Oberschwaben in Alleshausen Hexenverfolgungen mit besonderer Intensität durchgeführt. Diese Hexenprozesse in der rechtlichen Zuständigkeit der Reichsabtei Marchtal beginnen im 16. Jahrhundert und reichen bis ins 18. Jahrhundert.

Dabei lassen sich drei Verfolgungswellen unterscheiden: zwischen 1586 und 1596, um 1627/1628 und zwischen 1745 und 1757.

Die Besonderheit an den Marchtaler Hexenprozessen ist die Verfolgungspanik noch Mitte des 18. Jahrhunderts, der sieben Frauen zum Opfer fielen. Mindestens 60 Todesurteile gegen vermeintliche magische Delinquenten lassen sich insgesamt aus den Marchtaler Hexenprozessakten nachweisen.

Die Initiative, auf der die Marchtaler Hexenprozesse gründeten, war ein lokaler Verfolgungseifer, der sich insbesondere für das Dorf Alleshausen nachweisen lässt.

Das Deutungsmuster Hexerei diente in Alleshausen dabei grundsätzlich als Interpretationsfolie für verschiedene Schadensfälle, die die Bauern gegen sich provoziert sahen.

Mit den Verdächtigungen wurden familiäre Spannungen und Schichtkonflikte institutionalisiert. Die dörfliche Oberschicht verleumdete dabei Frauen, von denen sie vermutete, die Armut treibe sie zu Sabotage am Eigentum anderer Personen.

Die Namen einiger der Alleshauser Opfer waren: Anna Grätter aus Alleshausen am 3. Mai 1588, Margreta Menz oder Schillingerin aus Alleshausen am 5. Mai 1588, Anna Lepp aus Alleshausen am 12. Mai 1588, Agathe Hegeler aus Alleshausen am 12. Mai 1588, Georg Mayer am 12. Mai 1588.

In den Akten heißt es: „Diese fünf armen Personen haben in gütlicher und peinlicher Frage ihre Übeltaten eingestanden, werden vom Nachrichter Meister Hans von Biberach zum Hochgericht geführt und mit dem Strang gerichtet“.

Waldburga Zeiller aus Alleshausen am 18. Juli 1592, Anna Träub aus Alleshausen am 24. März 1627, Anna Fischer aus Alleshausen am 26. März 1627.

Sie wurden enthauptet und die verbrannten Körper unter die Erde vergraben. „Der Allmächtige gute Gott solle ihnen die Gnade verleihen, dass sie ritterlich um das ewige Leben streiten mögen.

1745–1757: Barbara Getschler, Magdalena Füder, Anna Oberländer, Catharina Schmid, Maria Bingasser, Maria Tornhäuser.
Webseite: www.alleshausen.de
Webseite: www.museum-marchtal.de
Webseite: www.kloster-obermarchtal.de

Arnsberg / Nordrhein-Westfalen

Das Generalkapitel der Femegerichte hat auf seinem Treffen in Arnsberg 1490 die Hexerei erstmals im Herzogtum Westfalen als Straftat definiert: „So jemand Ketzereien ausheckt und vorbringt; so jemand vom Glauben abfällt und Heide wird; so jemand hext und zaubert oder mit dem Bösen ein Bündnis aufrichtet.

Mit dem Niedergang der Femegerichtsbarkeit im 16. Jahrhundert verlor diese für die Hexenverfolgungen und -prozesse an Bedeutung. Ihre Funktion übernahmen im Wesentlichen die Gogerichte und die adeligen Patrimonialgerichte.

Einer der ersten Fälle in der Region fand 1508 in Werl statt. Besser überliefert ist ein Fall von 1523 in Brilon. Damals wurde die Beklagte auf Intervention von Kurfürst Friedrich IV. von Wied gegen den Willen der örtlichen Behörden freigelassen.

Zumindest in dieser frühen Phase kamen derartige Eingriffe zu Gunsten der Beklagten nicht selten vor. Dahinter steckte keine grundsätzliche Ablehnung der Hexenverfolgungen, sondern die Behörden bestanden auf einem rechtmäßigen Ablauf der Prozesse, der auch das Recht auf Verteidigung einschloss. Auch eine Frau in Rüthen kam 1573 aus ähnlichem Grund wieder frei.

Führung: Hexen, Henker, Halsgericht. Zitat: Was bedeutete es in der Frühen Neuzeit als Hexe beschimpft zu werden?
Welche Folgen konnte das haben und was geschah im Haus des gefürchteten Arnsberger Hexenrichters Dr. Heinrich von Schultheiß?
Wie wurde im Mittelalter Recht gesprochen und wieso ist ausgerechnet das Arnsberger Femegericht so berühmt?
Auf dieser Führung tauchen Sie ein in teils dunkle Kapitel der Arnsberger Geschichte. Sie erfahren durch unsere kostürmierte Stadtführerin welche Taten dazu führten ins Trillerhäuschen gesperrt zu werden und woher noch heute gebräuchliche Ausdrücke wie „Schlitzohr“ und das sich „wie gerädert fühlen“ stammen. Am Ende dieser schauerlichen Tour durch die Gassen Arnsbergs wird eine Henkersmahlzeit serviert.x
Webseite: www.arnsberg-info.de

Hexengefängnis: für den “Arnßpergher Burgermeister” Henneke von Essen von Hartmut Hegeler, Verlag: Traugott Bautz, ISBN-13: 978-3883096988, gebraucht ab EUR 8,00 bei Amazon.de kaufen. Buchzitat: Hexenprozesse in Arnsberg, Arnsberg um 1630, von Jens Hahnwald, Arnsberger Hexenkommissar Heinrich von Schultheiß. Streit um Hexenverfolgung in Arnsberg 1630. Erinnerung an Henneke von Essen.

Henneke von Essen (teilw. auch Henningh von Essen, latinisiert: Henricus von Essen), (* ca. 1561; † 14. August 1631) war ein hoher Funktionsträger im Herzogtum Westfalen, Bürgermeister von Arnsberg und Opfer der Hexenverfolgung.

Die Person von Essens ist vor allem daher äußerst bemerkenswert, weil er als hochrangiger Repräsentant des Kurstaates Bedenken gegen das Ausmaß der geplanten Hexenverfolgungen übte. Er befürchtete, dass dies ein Wirtzburgisch werck werden könnte. Henneke von Essen spielte dabei auf die Massenverbrennung von 1300 Personen in Würzburg im Jahr 1630 an. Das machte ihn bei dem Hexenkommissar Dr. Heinrich von Schultheiß verdächtig.

Der angeklagte Bürgermeister gestand trotz der Qualen der Folter nicht. Der 70 Jahre alte Mann wurde aber nicht freigelassen, sondern starb nach einjähriger Haft am 14. August 1631 „auf’m Schloss in carcere (das heißt im Kerker des kurfürstlichen Schlosses).“

Aschaffenburg / Bayern

In der Region Aschaffenburg wurden zwischen 1592 und 1629 etwa 320 Frauen, Männer und Kinder als angebliche Hexen bzw. Hexer zum Tode verurteilt und hingerichtet. Den Boden bereitet hatten hier wie andernorts vor allem die von Papst Innozenz VIII.

1484 herausgegebene “Hexenbulle” (Summis desiderantes affectibus) und der von dem Dominikanermönch Heinrich Institoris 1486 verfasste “Hexenhammer” (Malleus maleficarum).

Ab 1594 fanden unter den Erzbischöfen Johann Adam von Bicken und seinem Nachfolger Johann Schweikhard von Kronberg insbesondere im Oberstift (den kurmainzischen Gebieten um Aschaffenburg) viele Hexenprozesse mit Hunderten von Hexenverbrennungen statt.

Zwei der Opfer waren in Aschaffenburg die „KarpfenwirtinMargarethe Rücker und die „KreuzschneiderinElisabeth Strauß, die am 19. Dezember 1611 enthauptet und verbrannt wurden.

Die Verurteilten wurden in den 1871 abgebrochenen “Cent- oder Folterturm“ (heute Höhe Friedrichstraße 7) gebracht, wo Folterungen und Enthauptungen stattfanden.

Der Ort des Mahnmals nimmt auf diese im heutigen Stadtbild verschwundene Situation Bezug. Der grausame Feuertod erwartete die Verurteilten außerhalb der Stadt auf dem Scheiterhaufen des sogenannten Galgenbuckels, dem heutigen Schönberg.

(Aschaffenburg bekommt ein Mahnmal zur Hexenverfolgung. Der Entwurf des Aschaffenburger Künstlers Marc Rammelmüller ist inspiriert durch das Spiel “Himmel und Hölle”)

Führung: Hexen in Aschaffenburg. Was ist eine Hexe?
Kann man Hexen an äußeren Merkmalen erkennen? Wie leicht konnte man in Hexenprozesse verwickelt werden?

Zum Beginn der Neuzeit gab es in Aschaffenburg mehrere Wellen der Hexenverfolgung. Lassen Sie sich auf diesem Stadtrundgang zeigen, wer an Hexenprozessen Geld verdiente, wo die Galgenbuckel, der Hexenturm, der Brennplatz und das Hexengässchen waren und wer der Hexenverfolgung ein Ende setzte. Auch als Erlebnisführung im historischen Kostüm.

Führung: “Von frommen Frauen, Pfaffen und allerlei Gesindel“. Erlebnisführung durchs nächtliche Aschaffenburg : Begleiten Sie bei einbrechender Dunkelheit eine Begine auf ihrem Weg durchs mittelalterliche Aschaffenburg. Treppauf-treppab erkunden Sie malerische Winkel der Stadt.

Meister Mathis, genannt Grünewald wird Ihnen dabei ebenso begegnen wie hohe Herren, Zunftmitglieder, Pfaffen und finstere Gesellen. Erfahren Sie Einiges über das Zunftwesen, die Landesherrlichkeit, aber auch über die “unkeuschen” Seiten der Stadt. Auch als Erlebnisführung in historischem Kostüm.
Webseite: www.fuehrungsnetz-aschaffenburg.de
Webseite: www.info-aschaffenburg.de

Hexenfeuer: Historischer Roman aus Aschaffenburg und Kahlgrund von Thomas Meßenzehl (Autor), Matthias Klotz (Vorwort). Verlag RegioKom, ISBN-13: 978-3981066005, gebraucht ab EUR 4,71 bei Amazon.de kaufen. Buchzitat: Im Frühjahr 1570 wird in Hörstein die als Hexe angeklagte Witwe Magdalena Hartmann auf dem Scheiterhaufen verbrannt.

Nur knapp entgeht ihre kleine Tochter Rosina an diesem Tag dem gleichen Schicksal, als der wütende Mob auch ihren Tod fordert. Das Mädchen wächst fortan ohne es zu wissen beim Mörder ihrer Mutter auf, dem Scharfrichter von Aschaffenburg.

Eine abenteuerliche und dramatische Lebensgeschichte führt sie mit einer Hugenottenfamilie zusammen, die kurz vor der Bartholomäusnacht aus Paris nach Aschaffenburg geflüchtet ist. In der Begegnung mit deren Sohn Albert erfüllt sich für Rosina schließlich ihr eigenes Schicksal.

Ein intensiver und fesselnder Roman aus der Zeit der Hexenverbrennung, der den Leser in das bunte Treiben in Aschaffenburg und Umgebung zum Ende des 16. Jahrhunderts eintauchen lässt.

Aschersleben (Kriminalpanoptikum) Sachsen-Anhalt

Das Kriminalpanoptikum im 1896 eingerichteten ehemaligen Stadtgefängnis am Gerichtsgebäude zeigt die Geschichte der Kriminalpolizei in Deutschland. Es berichtet von Gaunergeschichten am authentischen Ort, denn das Gebäude war bis 1982 Untersuchungsgefängnis der Stadt.

Im Jahre 2003 wurde im sanierten Haus das Museum eröffnet, in dem Tatwerkzeuge, Schlagstöcke, eine Fesselsammlung mit Hand- und Fußfesseln und Folterinstrumente aus dem Mittelalter, aber auch Uniformen und Ausrüstungsgegenstände der nationalen und internationalen Polizei ausgestellt sind.

Eine eingerichtete Gefängniszelle, ein Verbrecheralbum sowie Bilder und Requisiten der Kriminalfotografie und der Daktyloskopie werden ebenfalls gezeigt. Kuriose Kriminalfälle und Geschichten rund um das Gefängnismilieu werden dargestellt. In Aschersleben befindet sich auch ein Hexenturm.
Kriminalpanoptikum
An der Darre 11
06449 Aschersleben
Webseite: www.kriminalpanoptikum.de

Themenführungen: Nachtwächterrundgang und Auf den Spuren des Henkers.
Webseite: www.aschersleben-tourismus.de
Webseite: www.aschersleben.de

 

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Inquisition & Mittelalter
Hexen & Magie

 

Bad Camberg / Hessen

Hexenprozesse in Camberg wurden durchgeführt besonders in den Jahren 1629–1631, 1643–1644 und 1659–1660. 14 Frauen und ein Mann wurden beschuldigt, acht Frauen wurden hingerichtet, eine starb in Haft. Die übrigen Beschuldigten wurden, oft nach Folterung, entlassen. Barbara Ordeneck war Opfer der letzten bekannten Hinrichtung.

Barbara Ordeneck (* um 1600 in Würges; † 9. Dezember 1659 in Camberg) war Opfer der Camberger Hexenverfolgung und wurde am 9. Dezember 1659 hingerichtet. Der nassauische Schultheiß verlas das Urteil, der trierische Schultheiß zerbrach den Stab.

Als besondere Gnade wurde der Angeklagten die Hinrichtung mit dem Schwert gewährt, weil sie geständig und reuig war. Die Urteilsverkündigung fand vor dem Rathaus statt. Ihren letzten Gang zum Galgenfeld an der Hohen Straße legte die Angeklagte zu Fuß zurück.

Sie wurde vom Scharfrichter Meister Niklas von Limburg enthauptet. Ihr Körper wurde verbrannt. Die Kosten des Verfahrens beliefen sich auf 360 Gulden und 23 Albus. Der Witwer der Hingerichteten, der trierische Schultheiß Andreas Ordeneck, erkannte am 17. Januar 1660 diese hohe Summe an und bezahlte sie.
Webseite: www.bad-camberg.de

Erlebnisstadtführungen: Aus der Feder von Kurdirektor i. R. Helmut Plescher (†) und mit historischen Spielszenen von Darstellern des Festspielvereins erleben Sie die Stadtgeschichte hautnah. Mit der Nachtwach durch das mittelalterliche Cagenberg: Interessante Geschichten über Bad Camberg, die Arbeit des Nachtwächters und anderer historischer Berufe und etwas über das Leben im Mittelalter erfahren die Teilnehmer bei einem abendlichen Spaziergang „Mit der Nachtwach durch das mittelalterliche Cagenberg“.
Webseite: www.bad-camberg.de

Bad Doberan / Mecklenburg-Vorpommern

Bad Doberan entwickelte sich um die am 3. Oktober 1232 geweihte Kirche des Klosters Doberan, das gotische Münster. 1879 wurde das Stadtrecht verliehen und im Jahr 2000 der Titel Heilbad. Neben dem Münster ist Bad Doberan heute bekannt für seine gut erhaltene Altstadt mit vielen Baudenkmalen und für seinen Stadtteil Heiligendamm.

Das Seebad Heiligendamm wurde 1793 gegründet und ist das älteste Seebad auf dem europäischen Kontinent. Bad Doberan ist über die Bäderbahn Molli mit dem Stadtzentrum und Kühlungsborn verbunden ist.

Der Sage nach soll der Name Doberan mit dem Versprechen Heinrich Borwins I., Fürst zu Mecklenburg, zusammenhängen, an der Stelle seines ersten erlegten Hirsches ein Kloster zu errichten. Die aufgeschreckten Schwäne kreischten dobre, dobre (gut). So entstand der Legende nach das Kloster und der Name Doberan. In Mecklenburg-Vorpommern wurde die letzte Hexe 1697 bei Doberan verbrannt.

Stadtführungen: Stadtführung Bad Doberan, Kombinierte Stadt- und Münsterführung, Mühlenführung im Kloster, Literarischer Spaziergang oder geschichtlicher Rundgang durch Bad Doberan. Führung durch das erste deutsche Seebad Heiligendamm und Landfrau führt in Mecklenburger Tracht.
Webseite: bad-doberan-heiligendamm.de
Webseite Münsterführung: www.muenster-doberan.de

Das Münster zu Bad Doberan von Johannes Voss (Autor) und Jutta Brüdern (Fotografin). Deutscher Kunstverlag (DKV), ISBN-13: 978-3422020481, gebraucht ab EUR 2,43 bei Amazon.de kaufen. Buchzitat: Eines der beeindruckendsten Bauwerke an der ‘Europäischen Straße der Backsteingotik’ ist das 1368 geweihte Doberaner Münster. In keiner anderen Zisterzienserklosterkirche ist europaweit eine so vollständige Ausstattung erhalten geblieben. Die 1171 in Doberan gegründete Abtei hatte bereits im Mittelalter als erstes mecklenburgisches Kloster und landesfürstliche Hauptgrablege höchste landespolitische Bedeutung.

Bad Homburg vor der Höhe / Hessen

Im Amt Homburg wurden unter Georg I. zwischen 1582 und 1590 20 Menschen wegen Zauberei verurteilt. Das Amt Homburg war ein Amt mit wechselnder territorialer Zugehörigkeit, zeitweise eine eigenständige Sekundogenitur der Landgrafschaft Hessen und ab 1622 Hauptbestandteil der Landgrafschaft Hessen-Homburg.

Zwischen 1603 und 1656 wurden mindestens 61 Frauen und 14 Männer aus Homburg und den damals zum Amt Homburg gehörenden Orten Seulberg, Köppern, Gonzenheim und Oberstedten während Hexenverfolgungen auf dem Platzenberg hingerichtet. In Hessen-Homburg wurden 1622–1656 über 70 Personen als Hexen hingerichtet.

Landgraf Wilhelm Christoph von Hessen-Homburg ließ 1650–1661 in der kleinen evangelischen Landgrafschaft über 53 Personen wegen Hexerei hinrichten, darunter einige Kinder.

In Homburg wurden die Gefangenen im damaligen Rathausturm (Rathausgasse) inhaftiert. Die Verhöre fanden im Rathaus statt, die Verurteilung auf dem Marktplatz davor, während die Hinrichtungen auf dem Platzenberg geschahen (heute Leopoldsweg). 34 der Opfer stammten aus Seulberg, 21 aus Homburg, zehn aus Köppern, sechs aus Gonzenheim und vier aus Oberstedten.

Das prominenteste Opfer war die Bad Homburger Pfarrerswitwe Ottilia Preußing, auch: Preussing, * in Mörfelden; † 19. April 1654 in Homburg vor der Höhe) Bereits im Sommer 1652 geriet sie in den Verdacht der Hexerei. In einem Hexenprozess wurde der angeklagten Frau Müller Els unter der Folter das Geständnis abgepresst, sie habe Ottilia Preußing beim Hexentanz an der oberen Tafel sitzen sehen.

Als Pfarrerswitwe genoss Ottilia Preußing zunächst einen gewissen Schutz gegen diese Anschuldigungen. Im Verlauf zahlreicher Verhöre kamen 1653 jedoch 20 weitere Denunziationen hinzu. Mehrfach wurde die Verdächtige als Obristin oder Königin der Hexen tituliert, die mit Dienerschaft und schwarzer Kutsche zu nächtlichen Treffen der Hexen fahre.

Am 15. Februar 1654 gaben drei Homburger Schöffen zu Protokoll, dass die Inquisitin … nach ihres Mannes Tod in bösen Ruff, Zauberey halber geraten sei. Die Richter hatten immer noch Skrupel:

Der Frauen geführte erbar leben und wandel stehet nicht wenig im Wege, heißt es im Anhang an die Aussagen der Schöffen [das von den Frauen geführte ehrbare Leben und ihr Lebenswandel stehen einer Verurteilung nicht wenig im Wege].

Am 6. April 1654 wurde Ottilia Preußing wegen des Verdachts der Hexerei gefangen genommen und verwunderte sich drüber mit lächelndem Munde, angebend, dass ihr unrecht geschehe. Am 7. April wurde sie verhört. Das Protokoll sprach nun despektierlich von der dicke Pfarrerin.

Wegen ihres Herzens Hertigkeit müsse man bei ihr die Folter anwenden. Daraufhin gestand sie Teufelspakt, Teufelstaufen und Schadenzauber wie die Vernichtung von Ernte und Vieh. Sie habe sogar den 1651 gestorbenen Enkelsohn der Landgräfin Margarethe Elisabeth auf Satans Geheiß vergiftet.

Am 12. April 1654 ratificirte (unterschrieb) sie das Protokoll über ihre angeblichen Schandtaten. In den Akten folgt auf elf ausführlichst und untertänigst formulierten Seiten ihr Testament.

Darin stiftete die offenbar kinderlose und begüterte Pfarrerswitwe u. a. je 50 Gulden an die Kinder von zwei Homburger Geistlichen und weitere 800 Gulden an Kirchen, Schulen und pensionierte Pfarrer.

Im Gegenzug bat sie um die Gnade, dass mein verblichener Leichnam nach Christlicher gewohnheit … mit Haltung geistlicher leichpredigt in sein ruhbettlein begraben werden soll.

Das Todesurteil wurde am 19. April 1654 vollstreckt und Ottilia Preußing mit sechs weiteren Angeklagten vom Scharfrichter enthauptet. Aber eine Gnade wurde ihr gewährt: Ihr Leichnam wurde auf dem Georgenfriedhof begraben. Der Georgenfriedhof (gelegen vor den Toren der Stadt an der gleichnamigen kleinen Kirche) ist nicht mehr erhalten.

Das einzige, was von ihm blieb, ist der Flurname Georgenfeld. Heute ist diese Flur bebaut, und der Name ging in einen Straßennamen ein, der sich auf den alten Friedhof der Ehrlosen bezieht.

Seit 2003 weist eine Gedenktafel am Rathausturm in Bad Homburg auf die Opfer der Hexenverfolgung hin. Die Errichtung dieser Gedenktafel geht auf eine Anregung von Dagmar Scherf an das Stadtparlament zurück.

(Die Stadtverordnetenversammlung hat am 1. April 2012 einstimmig die Opfer der Hexenprozesse aus moralischen Gründen rehabilitiert, Gedenktafel am alten Rathausturm)

Über das Schicksal der Ottilia Preußing führten die Studiobühne Bad Homburg und die Theatergruppe Friedrichsdorf 1996 das Theaterstück „Homburger Hexenjagd“ von Dagmar Scherf auf.

Homburger Hexenjagd oder Wann ist morgen? – Fakten und literarische Texte zur “Hexenverfolgung” in einer hessischen Landgrafschaft von Dagmar Scherf (Autorin) und Angelika Baeumerth (Vorwort). VAS-Verlag für Akademische Schriften, ISBN-13: 978-3888643019, gebraucht ab EUR 4,24 bei Amazon.de kaufen.

Buchzitat: Mitte des 17. Jahrhunderts war in der Landgrafschaft Hessen-Homburg offenbar der Teufel los. Oder wie sonst ist es zu erklären, dass zwischen 1603 und 1656 am Fuße des Taunus mindestens 61 Frauen und 14 Männer wegen angeblicher Hexerei öffentlich verbrannt wurden?

Wichtig ist der Autorin vor allem die soziologisch-psychologische Aufklärung über die Hintergründe dieses Massenmords. Allerdings arbeitet Dagmar Scherf dabei nicht mit dem didaktischen Zeigefinger. Sie erzählt vielmehr Geschichten – und zwar in den unterschiedlichsten literarischen Stilformen wie Chronik, Essay, Erzählung, Ballade, Hörspiel, Roman oder Drama.

Es waren drei Frauenschicksale der damaligen Zeit, die der Autorin ganz besonders unter die Haut gingen. An ihren Leidensgeschichten macht sie exemplarisch deutlich, „was damals in Homburg, in Deutschland und in ganz Europa los war

Bad Laasphe / Nordrhein-Westfalen

In den Hexenverfolgungen sind in Laasphe 16 Hexenprozesse durchgeführt worden, von 1609 bis 1630, darunter fünf Hinrichtungen und eine Verbannung. Das erste Opfer, Merge Dillmansche, wurde 1609 gefoltert, verurteilt und hingerichtet.

1609 übernahm Graf Ludwig der Jüngere von Wittgenstein-Wittgenstein die Herrschaft. Im gleichen Jahr wurde Lucia Reichmann (ihr wurde Schadenzauber am Vieh des Weigand Fuchs in Breidenbach vorgeworfen) in Laasphe in einem Hexenprozess angeklagt

Angeklagt wurde Lucia Reichmann zusammen mit ihrer mittlerweile verwitweten Schwester Gottliebe Bilgen und vier weiteren Frauen: Merge Dillmannsche, Elisabeth Scherersche (Frau des Johan Scherer), Katharina Ehlich Gansen Hausfrau (Frau des Elias Ganss) sowie Anna, die alte Hainsche (Frau des Jost Hain).

Graf Ludwig II. stellte später fest, dass es kein ordentliches Verfahren war: sie sei wider Recht zum Tode verurteilt worden. Lucia Reichmann hielt alle drei Grade der Folter aus, ohne zu gestehen. Sie beging 1630 im Gefängnis Selbstmord.

1611 wurden in einem Hexenprozess von der Angeklagten Döppen Crein unter der Folter einige Frauen als Mittäterinnen besagte, u. a. auch Gottliebe Billgin. Döppen Crein wurde hingerichtet, aber Gottliebe Billgin blieb verschont und starb 1613 an der Pest.

1629 geriet Lucia Reichmann erneut in einen Hexenprozess. In den Akten ist davon die Rede, dass die Leute „von ihr wegen ihres zänkischen und geizigen Wesens nicht viel wissen wollten. Sie vertrug sich mit ihren Kindern schlecht und lebte mit ihrem Sohn Wilhelm Reichmann wegen Geld und Gut in Streit. In törichter Weise hatte sie sich ihrer Unschuld gerühmt (wegen der Freilassung aus dem vorherigen Hexenprozess) und gesagt, wenn sie eine Zauberin sei, solle ihr Haus in Feuer stehen.

Darauf war Feuer in ihrem Haus entstanden, worüber es großen Aufruhr in Laasphe gegeben hatte.
(Rat der Stadt: moralische und sozialethische Rehabilitation der Opfer der Hexenprozesse / Hexenverfolgung 2015)
Webseite: www.stadt-badlaasphe.de
Webseite: www.tourismus-badlaasphe.de
Webseite (Hexenwahn): hexenwahn-laasphe.aspritos.de

Bad Saulgau / Baden-Württemberg

In den Hexenverfolgungen sind in der Stadt Saulgau 46 Hexenprozesse durchgeführt worden von 1518 bis 1684, darunter 29 Hinrichtungen und zwei Verbannungen. Von anderen Verfahren ist der Ausgang unbekannt.

Das jüngste Opfer Maria Eichel war bei ihrer Hinrichtung am 16. März 1674 erst 15 Jahre alt. Besonders bekannt wurden die beiden Hexenprozesse gegen Anna Persauter 1666 und 1672, die mit Folter und ihrer Enthauptung endeten. Anna Persauter gestand, wie schon erwähnt, unter der Folter Teufelspakt, Hexenflug, Teilnahme an Hexentänzen (Hexensabbat), Schadenzauber an Mensch und Vieh und Wettermachen.

Ihr wurde auch vorgehalten, dass sie beim ersten Prozess 1666 die Folter überstanden hatte hier konnte nur der Teufel mit im Spiel gewesen sein. Ihre letzte Sorge galt ihren Kindern. Sie bat das Gericht: “Und bitt allein ihre Khinder lassen befohlen sein.

Anna Persauter starb am 26. März 1672 durch Enthauptung; ihre Leiche wurde verbrannt. Ihre Tochter Ursula Persauter wurde im Alter von 22 Jahren am selben Tag wie ihre Mutter ebenfalls als “Hexe” hingerichtet.
(moralische und sozialethische Rehabilitation der Opfer der Hexenprozesse / Hexenverfolgung 2015)

Führung: Sulgemer Geschichten. Zitat: Eine Form der Begegnung mit der Stadtgeschichte bietet eine Stadtführung mit dem Stadtbarden und seiner Laute. Besonders traurige, lustige oder einfach nur wundersame Begebenheiten und Anekdoten rund um die Sehenswürdigkeiten der Stadt, Balladen und Moritaten berühren und machen neugierig auf Hintergründe und Vorkommnisse der jeweiligen Epoche.

Führung: Weibsleut in Sulgen. Zitat: Frauenleben und Frauenschicksale stehen im Mittelpunkt dieser Führung. Wie haben sie gelebt? Welche Spuren haben sie hinterlassen? Die „aufrührerischen Weibsbilder“ aus dem Beginenhaus lassen hier genauso aufhorchen wie der Hexenturm, in dem im 17. Jhdt. Frauen grundlos gefangen gehalten, aufs Schlimmste gequält, gedemütigt oder gar umgebracht wurden oder wie durch weibliche „Unbotmäßigkeit“ die Kreuzkapelle gerettet wurde.
Webseite: www.bad-saulgau.de

Katzentürmle & Stadtmauer Bad Saulgau. Zitat: Das Katzentürmle in Bad Saulgau ist ein Teil der mittelalterlichen Stadtmauer und war einst ein Gefängnis für die Stadt. Ein anderer Teil der Stadtmauer hat mit der unrühmlichen Geschichte der Hexenverbrennungen zu tun.
Webseite: www.oberschwaben-tipps.de

Bad Waldsee / Baden-Württemberg

In der Gegend um Waldsee begann die Hexenverfolgung sehr früh, da der Inquisitor Heinrich Kramer ab 1480 in der Nachbarstadt Ravensburg tätig war. Kramer war Autor des Hexenhammers und als Inquisitor einer der Wegbereiter der Hexenverfolgung der frühen Neuzeit.

Während der Hexenverfolgungen waren von 1515 bis 1712 in Bad Waldsee mindestens 59 Menschen von Hexenprozessen betroffen. 54 Angeklagte wurden verbrannt, eine wurde enthauptet, eine starb im Gefängnis, eine wurde zu lebenslanger Haft verurteilt und eine wurde freigelassen.

Ein Prozessausgang ist unbekannt. Allein im Jahr 1586 wurden 16 Frauen als „Hexen“ verbrannt. Unterlagen über die Jahre (1545–1581; 1605–1640) fehlen. Die vorhandenen Quellen sind im Stadtarchiv in Bad Waldsee einsehbar.

Im Jahr 2000 wurde eine Erinnerungstafel in der Säulenhalle des Rathauses Bad Waldsee angebracht mit dem Text: „Hinter dieser Mauer befand sich die als „Blockhaus“ bezeichnete Folterkammer des Stadtgerichts.

Auch in den Hexenprozessen (1490–1645) wurden in ihr die Geständnisse der Angeklagten erpresst. 54 Personen fielen dem Hexenbrand zum Opfer.“ Seit 2006 erinnert auf Beschluss des Gemeinderates die Sibylle-Schuler-Straße an die wegen „Hexerei“ angeklagte Sibylle Schuler, die 1604 zum Tode verurteilt, stranguliert und anschließend verbrannt wurde.

Bad Wildungen / Hessen

Während der Hexenverfolgungen fielen in Wildungen 78 Menschen in den Jahren von 1532 bis 1664 Hexenprozessen zum Opfer. An der Stadtkirchenmauer erinnert eine Rose und eine Erinnerungsplatte an diese Geschehnisse.

Allerdings endete nicht jeder Prozess mit einer Verurteilung und nicht jede Verurteilung bedeutete die Hinrichtung; auch lebenslange Verbannung konnte verfügt werden. Die Verfolgung in Wildungen geschah in drei Prozesswellen: 1532, 1629–1631 und 1650–1664.

1532: Erster Hexenprozess gegen Gertraud Muck
1575–1578: Hexenverfolgungen
1629: setzte eine Periode unerhörter Verfolgung unter Graf Christian von Waldeck ein, bis 1632 wurden 29 Opfer gezählt.
1630: Maria Rörig hielt von September 1630 bis Mai 1631 die Folter standhaft aus: „Der liebe Gott habe sie im Gefängnis erhalten, ihm bliebe sie treu, sie sei unschuldig wie Jesus Christus.“ Graf Christian verfügte ihre Freilassung.
1650–1664: weitere 38 Opfer unter Graf Philipp VII.
1656: Prozess gegen Susanne Weber, eine Tochter von Maria Rörig: „Ihr Ehemann bittet wegen der Kosten um Beschleunigung des Prozesses.

Am Buß- und Bettag 2004 wurde an der Evangelischen Stadtkirche in Bad Wildungen eine Rose gepflanzt und eine Erinnerungstafel angebracht: „Widersteht dem Bösen, bewahrt die Würde der Menschen! – Erinnerung an die Opfer der Hexenverfolgung“.

Baden-Baden / Baden-Württemberg

Baden-Baden war 1570 bis 1631 von Hexenverfolgung betroffen. 134 Menschen in Baden-Baden und ihren heutigen Ortsteilen gerieten in einen Hexenprozess, mindestens 102 kamen zu Tode. Die letzte Hinrichtung fand 1631 statt: Margaretha, Frau des Schlossers Jakob Dioniß.

Balingen / Baden-Württemberg

1598 bis 1600 war die Bürgermeisterswitwe Anna Murschel von einem Hexenprozess betroffen. Anna Murschel (* um 1533; † nach 1600 vermutlich in Engstlatt) war eine in Balingen der Hexerei bezichtigte Frau, die trotz intensiver Folter nicht zu einem Geständnis gezwungen werden konnte und deshalb nach 596 Tagen Haft wieder auf freien Fuß entlassen werden musste.

Sie gehörte als Witwe des 1594 verstorbenen, langjährigen Balinger Bürgermeisters Caspar Murschel, mit dem sie in einer 39 Jahre dauernden Ehe „einträchtig und christlich“ gelebt hatte, der städtischen Ehrbarkeit an. Zur Zeit ihrer Verhaftung war sie etwa 65 Jahre alt.

Der Verdacht: Der Fall der Anna Murschel fiel in die Hochzeit der europäischen Hexenverfolgung. An einem Sonntag im Mai 1596 war der Raum Balingen von einem schweren Hagelwetter betroffen, das an Getreide und Obst einen Schaden von mehreren tausend Gulden hinterließ. Im damaligen Aberglauben wurde dies als ein Werk von Hexen angesehen.

Im vier Kilometer von Balingen entfernten reichsritterschaftlichen Dorf Geislingen ließ der dortige Ortsherr Hans von Stotzingen vermeintliche Hexen verbrennen.

Im darauffolgenden Jahr wurden nochmals zwei Frauen verbrannt. Eine der Frauen (Margaretha Böckhin) hatte dabei unter Folter ausgesagt, dass es auch in Balingen Weiber gäbe, die an dem Unwetter beteiligt gewesen wären.

Zu einem Hexentanz auf dem Mühlgraben in Balingen hätten des alten Tübingers Weib (Anna Murschel), des alten Weißgerbers Weib und Anna Beck Essen und besonders guten Wein in silbernen Bechern mitgebracht.

Im August 1598 lieferte der Obervogt eigene konkrete Verdächtigungen: Ende Juli habe Anna Murschel der hochschwangeren Frau des Obervogts einen Apfel gegeben, der einen Fall von Übelkeit auslöste. Der Rottweiler Stadtarzt bestätigte den Verdacht auf Gift und damit einen Anschlag auf das Leben der Frau und des ungeborenen Kindes.

Des Weiteren seien im Stall des Obervogtes Achatius von Guttenberg in den vorangegangenen Monaten viele Stücke Vieh verloren gegangen. Nach Aussage dessen Frau sei stadtbekannt, dass Anna Murtschlerin abends nach dem Läuten der Betglocke um das Balinger Schloss (Sitz des Obervogts) ziehe, was sie tagsüber vermeide.

Am 18. August 1598 wurde Anna Murschel  verhaftet. Die Vorwürfe, die Besagung der Geislinger Hexen und die Tatsache, dass Anna Murschel „von Jugend an bei jedermann in hohem Verdacht gestanden“, reichten gemäß der Indizienlehre der Constitutio Criminalis Carolina zur Anklageerhebung wegen Hexerei vor dem Balinger Stadtgericht aus.

Anna Murschel legte kein Geständnis ab und beantragte im Januar 1599 ein Endurteil. Durch die ausgestandene Folter – ohne Geständnis – habe sich Anna Murschel vom Anfangsverdacht der Hexerei befreit, so dass sie freizulassen sei. Die Freilassung erfolgte am 5. April 1600 nach 596 Tagen Untersuchungshaft.

Balve / Nordrhein-Westfalen

Ein Zentrum der Hexenverfolgung im Herzogtum Westfalen war Balve. Hier wurden nachweislich zwischen 1592 und 1666 mehrere Hundert Menschen als Zauberer und Hexen verurteilt und ermordet.

Allein zwischen 1628 und 1630 wurden fast 300 Menschen hingerichtet. Diese Massenvernichtung war das Werk eines besonders fanatischen Hexenjägers, der vor allem im Westen und Südwesten des Herzogtums wirkte und dem mehr als 500 Menschen zum Opfer fielen.

Es war der Lizentiat Kaspar Reinhard (1596–1669), der so viel Angst und Schrecken verbreitete, dass auf ihn 1630 in Balve ein Attentat verübt wurde, als er mit Honoratioren der Stadt zu Abendessen saß. Er selbst wurde nur verletzt; der Gerichtsschreiber und ein Diener starben. Drei der Attentäter wurden gefasst und hingerichtet.

Auf dem Galgenberg oberhalb des Wachtloh brannten die Scheiterhaufen. Man schätzt, dass etwa jeder 20. Einwohner aus dem Amt Balve wegen Hexerei hingerichtet wurde. Von vielen kennt man die Namen. Darunter sind ein Heinrich Balke zu Beckum, Rentmeister auf Schloss Melschede, Jörg Schulte aus Mellen, Kutscher und Baumeister des Drosten, der drei Wochen nach seiner Hochzeit umgebracht wurde, sowie die Frau eines Bürgermeisters.

Im Gedenken an die Hexenverfolgung ließ die Balver Heimwacht im Jahr 2006 eine sogenannte Hexenstele nicht weit von der Stelle errichten, an der die Opfer zu Tode gebracht wurden. Der Text lautet: „Hier starben durch Schwert, Feuer und Galgen zirka 300 Frauen und Männer aus dem Balver Land im Hexenwahn im 16. bis 17. Jahrhundert.“ Die Betonstele hat eine Höhe von 2,50 Meter und befindet sich am Galgenberg.
(Rat der Stadt Balve: moralische und sozialethische Rehabilitation der Opfer der Hexenprozesse / Hexenverfolgung 2015)

Bamberg / Bayern

Das ehemalige Hochstift Bamberg war gemeinsam mit den Hochstiften Würzburg und Eichstätt sowie in Kurmainz, dem benachbarten protestantischen Fürstentum Bayreuth, der kleinen schwäbischen Herrschaft Wiesensteig und Ellwangen eines der Hauptzentren der frühneuzeitlichen Hexen- und Zaubererverfolgung in Süddeutschland.

In Bamberg wurde 1507 die „Constitutio Criminalis Bambergensis“ in Kraft gesetzt, die unter anderem die Strafe für Hexerei auf Tod durch Verbrennen festlegte.

Infolge eines starken persönlichen Hexenglaubens des regierenden Bamberger Fürstbischofs Johann Georg II. Fuchs von Dornheim, genannt der Hexenbrenner (1623–1633), erreichten die Verfolgung und Hinrichtung von Personen und ganzer Familien unter dem Vorwurf der Hexerei in Bamberg in den 1620er und frühen 1630er Jahren ihren Höhepunkt.

Der Weihbischof Friedrich Förner war der wichtigste Prediger und der eigentliche Scharfmacher der Hexenverfolgung. Johann Georg II. Fuchs von Dornheim errichtete speziell für die Inhaftierung von der Hexerei Beschuldigter im Jahr 1627 das einst im Bereich der heutigen Promenade gelegene sogenannte *Drudenhaus, auch Malefizhaus genannt.

Neben zahlreichen anderen Bamberger Bürgern (beispielsweise Dorothea Flock und Christina Morhaubt, Georg Haan, Kanzler im Hochstift Bamberg) und Mitgliedern des Domkapitels wurde im August 1628 unter dem Vorwand der Hexerei auch der Bürgermeister der Stadt Bamberg Johannes Junius im Drudenhaus festgesetzt.

Nach einer Liste mit den Namen der Opfer wurden bis 1632 weit über 300 Menschen in Bamberg als Hexen oder Hexer hingerichtet. Aus überlieferten Prozessakten geht hervor, dass von 1595 bis 1631 in drei Wellen über 880 Personen der Hexerei oder Zauberei angeklagt und hingerichtet wurden.

Erst der Einmarsch schwedischer Truppen (1630–1635) im Februar 1632 setzte dem Treiben des Bischofs und seiner Häscher ein Ende. Fürstbischof Johann Georg II. Fuchs von Dornheim floh nach Oberösterreich und starb dort 1633.

Im Oktober 2012 wurden in Bamberg Themenwochen zu den Hexenprozessen veranstaltet, um dieses Kapitel der Stadtgeschichte aufzuarbeiten. 2015 wurde auf einer Freifläche zwischen dem Ludwigskanal und dem Schloss Geyerswörth ein Mahnmal errichtet, geschaffen von den Essener Künstlern Miriam Giessler und Hubert Sandmann.

Der Bürgerverein Bamberg-Mitte hatte das Projekt gemeinsam mit der Stadt Bamberg realisiert. Der Stadtrat hatte am 29. April 2015 einen Beschluss zu den Hexenprozessen im Hochstift Bamberg gefasst und einen Text für die Gedenktafel beschlossen:

Im Hochstift Bamberg wurden im 17. Jahrhundert etwa 1000 Frauen, Männer und Kinder unschuldig angeklagt, gefoltert und hingerichtet.“ Finanziert wurde das Mahnmal von der Stadt Bamberg, dem Erzbistum Bamberg, der Oberfrankenstiftung, dem Bürgerverein Bamberg-Mitte und vielen Einzelspendern.

Im ZDF-Spielfilm Die Seelen im Feuer nach dem gleichnamigen Roman von Sabine Weigand wird die Zeit der Hexenverfolgungen in Bamberg aufgegriffen.
(Rat der Stadt: Rehabilitation der Opfer der Hexenprozesse / Hexenverfolgung 2015)

* Das Drudenhaus (Malefizhaus, Trudenhaus, Hexengefängnis) wurde 1627 von Fürstbischof Johann Georg II. Fuchs von Dornheim (1623–1633) in Bamberg auf dem Höhepunkt der Hexenverfolgungen für ca. 30 Gefangene gebaut.

Das Drudenhaus stand in der heutigen Franz-Ludwig-Straße, etwa auf Höhe der Hausnummer 7, wo sich jetzt eine Apotheke befindet. Das dazugehörige Foltergebäude, die sogenannte “Peinliche Frag“, befand sich auf dem Areal des heutigen Hauses Franz-Ludwig-Straße 10.

Der Grundriss des Gebäudes zeigt 26 Einzelzellen und zwei etwas größere Zellen. Über dem Portal war folgende Inschrift angebracht: DISCITE JUSTITIAM MONITI ET NON TEMNERE DIVOS (ein Zitat aus Vergils Aeneis: „Lasst euch das eine Ermahnung sein, Gerechtigkeit zu lernen und die Götter nicht zu missachten“).
Peter Engerisser: Wo stand das Bamberger Malefiz- oder Trudenhaus (PDF; 1,92 MB)
www.engerisser.de/Malefizhaus.pdf

Bamberg (Johannes Junius) Bayern

Johannes Junius (* 1573 in Nieder-Weisel als Johannes Jung; † 6. August 1628 in Bamberg) war Bamberger Bürgermeister (1614, 1617, 1621, 1624–1627) und Ratsherr (1608–1613, 1615–1616, 1618–1620, 1622–1623) und ein Opfer der Hexenverfolgung in Bamberg.

Johannes Junius wurde unter der Regierung von Fürstbischof Johann Georg II. Fuchs von Dornheim auf dem Scheiterhaufen verbrannt, nachdem er in einem verzweifelten Brief an seine Tochter Veronica vom 24. Juli 1628 seine Unschuld beteuert hatte.

Er war als Trudner (Hexer) verurteilt und wartete im Bamberger Drudenhaus auf die Hinrichtung. Junius kann als typisches Opfer des Hexenwahns gelten. Nach tagelanger Folter benannte auch er weitere angebliche Hexenmeister und Hexen.

In einem letzten Brief an seine Tochter Veronica beschrieb der Bürgermeister Johannes Junius aus Bamberg die Aussichtslosigkeit seiner Situation: „Unschuldig bin ich in das gefengnus kommen, unschuldig bin ich gemarttert worden, unschuldig muß ich sterben“. “Sterbe also unschuldig und wie ein martirer (Märtyrer).

Ich bitte dich um des Jüngsten Gerichts willen, halte dieses Schreiben in guter Hut und bete für mich als deinen Vater für einen rechten Märtyrer nach meinem Tod… doch hüte dich, dass du das Schreiben nicht lautbar machst. … Das darfst du kühnlich für mich schwören, dass ich kein Trudner (Hexer) sondern ein Märtyrer bin und sterbe hiermit gefasst. Gute Nacht, denn dein Vater Johannes Junius sieht dich nimmermehr. 24. Juli 1628“.

In seinem Geständnis unter Folter sagt Johannes Junius, dass er 1624, als er in finanziellen Schwierigkeiten war, von einer Frau verführt worden sei, die sich später als * Succubus herausstellte. Sie habe ihn mit dem Tod bedroht, wenn er nicht Gott verleugnete. Er bekam den Hexen-Namen Krix und den Familiennamen Füchsin.

Zu diesem Zeitpunkt hätten sich einige Stadtbewohner ebenfalls als Verbündete des Teufels zu erkennen gegeben und ihm gratuliert. Von da an wäre er regelmäßig auf einem riesigen schwarzen geflügelten Hund zum Hexensabbath geritten. Er habe eine Schwarze Messe besucht, auf welcher der Beelzebub erschienen sei.

Obwohl ihm andere Hexen und Dämonen befohlen hätten, in ihrem Namen ein Kind zu töten und ihn geschlagen hätten, habe er dieses Opfer nicht vollbracht. Er gab zu, sein Pferd geopfert zu haben und die Hostie entweiht zu haben.

Sein Geständnis erinnert in mehreren Punkten an das Geständnis von Walpurga Hausmännin aus dem Jahr 1587. Zum Beispiel die Taufe auf einen Hexennamen und das Verschwinden des * Succubus, wenn der Name Gottes genannt wird.

Als * Incubus, Plural Incubi, auch Inkubus, Plural Inkuben (von lateinisch: incubare für ‚oben liegen‘, ‚ausbrüten‘) wird in der Mythologie ein männlicher Alb (Elf), ein Albträume verursachender nachtaktiver Dämon, ein Waldgeist oder auch Sylvan bezeichnet, der sich nachts mit einer schlafenden Frau paart, ohne dass diese etwas davon bemerkt.

Außerdem gilt der Inkubus auch als Stellvertreter Satans, der dafür verantwortlich ist, Seelen von Sündigern nach deren Tod mit in die Hölle zu schleppen.

Das weibliche Gegenstück wird * Succubus (auch Sukkubus oder Sukkuba, Plural: Succuben, von lateinisch: succumbere ‚unten liegen‘) genannt. Ein Succubus stiehlt unbemerkt den Samen des schlafenden Mannes.
Bamberger Liste der Namen der Opfer der Hexenprozesse
(PDF; 268 kB)
Verhörprotokoll von Johannes Junius Umschrift und Übertragung ins Hochdeutsche
(PDF-Datei; 149 kB)
Abschiedsbrief von Johannes Junius Übertragung ins Hochdeutsche
(PDF-Datei, 71 kB)

Barntrup / Nordrhein-Westfalen

In Barntrup wurden 1657–1660 in der Zeit der Hexenverfolgungen zehn Hexenprozesse durchgeführt. Erstes Opfer war Claren Düvels, die nach dem 26. Oktober 1657 durchs Schwert hingerichtet und verbrannt wurde.
(Rat der Stadt Barntrup: moralische und sozialethische Rehabilitation der Opfer der Hexenprozesse / Hexenverfolgung 2015)

Barthelmesaurach / Bayern

Am 23. November 2003 haben Bürgermeister Walter Schnell von der Gemeinde Kammerstein und Vertreter der Kirchengemeinde Barthelmesaurach eine offizielle moralische Rehabilitation der als Hexe verfolgten Margaretha Kurz aus Mildach ausgesprochen.

Bensberg / Nordrhein-Westfalen

In Bensberg wurden 1602 acht Frauen als Hexen verbrannt, darunter fünf aus Odenthal und eine Frau vom „Bloemengut“ aus Nittum. 1612 traf das Todesurteil Agnes Polwirth und 1613 Katharina Güschen, alle aus Nittum. Die angeklagte Christina Kirschbaum erhängte sich nach mehrfachen Folterungen im Hexenturm von Bensberg.

Vom Prozess gegen Katharina Güschen berichtet ein Teil der noch überlieferten Protokolle. Der damalige Schultheiß Gottfried Borken leitete das Verfahren. Nach einjähriger Haft im Bensberger Hexenturm wurde Katharina Güschen „am Steinenbrückchen“, unweit von Bensberg-Lustheide, am 10. Januar 1613 erhängt und verbrannt.
In Bensberg befindet sich am Rathaus (Wilhelm-Wagener-Platz) eine Gedenktafel zur Erinnerung an die Hexenprozesse.

Bernau bei Berlin / Brandenburg

Prozesse Zauberey betreffend fanden in Bernau 1536, 1537, 1583, 1617–1622, 1653 und 1658 statt. In der Tobias-Seiler-Chronik der Stadt von 1736 finden sich 22 Hexenprozesse.

Während der Hexenverfolgungen wurden mindestens 25 Frauen und vier Männer wegen angeblicher Zauberei beschuldigt, angeklagt, gefoltert und zum überwiegenden Teil hingerichtet.

Allein in den Jahren 1617–1622 sind 16 Personen Opfer der Hexenprozesse geworden, davon starben ein Mann und fünf Frauen bereits auf der Folter. Es gab sieben Freisprüche, davon drei Ehepaare, zum Teil erfolgte der Freispruch erst nach dem Tod.

Der Beginn dieser fast fünfjährigen Hexenverfolgung fällt zeitlich mit dem Besuch des Kurfürsten Johann Sigismund zusammen, der im Jahre 1617 die Stadt besuchte. Als die Kutschpferde des Kurfürsten tot zusammenbrachen, schrie der Kutscher, Hexen hätten die Pferde umgebracht. Der Rat der Stadt ließ sofort einige Frauen verhaften.

In den Jahren 1616 bis 1622 führte der Stadt-Sekretär Thomas Beling die Hexenprozesse im Namen des Magistrats. Der Bäckermeister Jürgen Crone und seine Ehefrau wurden durch Angaben einer anderen beschuldigten Frau verhaftet.

Unter anderem wurde ihnen vorgeworfen, Brot und Semmeln vom schönsten Geschmacke herzustellen, was nur „mit Hülfe eines bösen Geistes geschehen sei“. Crone und seine Frau wurden lebendig verbrannt, der Mann am 24. April 1618. Die Frau, der vorher noch erlaubt wurde zu entbinden, wurde am 31. Juli öffentlich durch Verbrennen hingerichtet.

Für ein Todesurteil war ein Geständnis der Angeklagten notwendig. Deswegen kam es zu dem Beschluss, die Folter fortzusetzen. Dorothea Meermann wurde mit glühenden Zangen an den Brüsten gezogen. Seiler schreibt in seiner Chronik: Da nun die Tortur mit dieser Orthie Meermann abermals aufs härteste vorgenommen ist, geschieht es, dass dieselbe unvermutet in der custodie (Gewahrsam) stirbt.

Zwei Jahre lang zog sich das Verfahren hin, bis Dorothea Meermann unter der Folter verstarb. Am Morgen des 18. August 1619 brachte ein Wächter Dorothea auf seinem Rücken ins Freie, damit sie ihre Notdurft verrichten konnte. Als der Wärter sie wieder hineinbringen wollte, lag ihr Körper leblos am Boden.

Der Rat samt dem Scharfrichter besichtigten die Leiche. Sie gaben zu Protokoll, dass ihr Genick gebrochen war. Ihr Körper wurde am Hochgericht in ungeweihter Erde verscharrt.

Catarina Selchow, die Tochter der Dorothea Meermann, geriet selbst in Verdacht der Hexerei, als sie den Scharfrichter, der die Folter an ihrer Mutter durchführte, daraufhin ansprach. Sie wurde 1621 zum Tode durch Verbrennen verurteilt.

Ihr wurde unter anderem vorgeworfen, ihrer Mutter den bösen Geist ins Gefängnis geschickt zu haben, welcher diese eingeschläfert und ihr die Schmerzen genommen hätte. Catarina Selchow wurde am 1. Juni 1621 verbrannt.

Sie soll ein junges schönes Weib gewesen seyn und mit ihrer Klahren und weißen Haut so durch die Hembden, deren sie sich allemahl befleißigt, hervorgeschimmert, sich nicht ein weniges eingebildet haben. Daher wie auch dem Nachrichter vor der Verbrennung an ihren Leib nicht hat kommen lassen!

Catarina Selchow wurde zwei Jahre nach dem Foltertod der Mutter hingerichtet. Zuvor war bereits ihre Großmutter Opfer der Hexenverfolgung geworden. Nach der Chronik von Seiler fand 1658 der letzte Hexenprozess in Bernau statt.
(Stadtverordnetenversammlung von Bernau bei Berlin: moralische und sozialethische Rehabilitation der Opfer der Hexenprozesse / Hexenverfolgung 2015)

Betziesdorf / Hessen

Betziesdorf ist ein Stadtteil von Kirchhain im mittelhessischen Landkreis Marburg-Biedenkopf. Gegen Ende des 17. Jahrhunderts kam es zu einer Reihe von Hexenprozessen gegen Frauen aus Betziesdorf, was dem Dorf eine traurige Berühmtheit bescherte.

Am bekanntesten waren die Verfahren gegen Katharina Lips 1671 und 1673 und gegen ihre 17-jährige Enkelin Ännchen Schnabel 1673. Katharina Lips, die Ehefrau des Schulmeisters, war selbst durch fürchterlichste Folter nicht zu brechen und wurde letztlich freigelassen, aber aus der Landgrafschaft Hessen-Kassel verbannt.

Ihre Enkelin hingegen konnte die Folter nicht durchstehen und wurde am 18. Mai 1674 durch das Schwert in Marburg hingerichtet. Der letzte der Betziesdorfer Hexenprozesse begann 1682 gegen Anna Katharina Wolff, auch sie Ehefrau des Dorfschullehrers, und endete am 16. Mai 1685 mit ihrer Ausweisung aus Hessen-Kassel.
Wikipedia: Leben und Leiden von Katharina Lips
Wikipedia: Hexenprozess gegen Anna Schnabel

Blankenheim (Ahr) Nordrhein-Westfalen

1614 wurden in Hexenprozessen in Blankenheim 14 Personen abgeurteilt, 12 Frauen und zwei Männer wurden verbrannt. Von 1627 bis 1633 fanden weitere Hexenverfolgungen statt.

Der kölnische Hexenrichter Dr. jur. Johannes Möden war als Hexenjäger dieser Zeit gefürchtet. Allein 1627 verurteilte er in Blankenheim 30 Personen, die auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurden.

Blocksberg (Brockenhexen) Brocken im Harz

Blocksberg ist heute in erster Linie eine andere Bezeichnung für den Brocken im Harz. Er wird fast ausschließlich in Verbindung mit Hexen (speziell Brockenhexen) und der Hexenverfolgung verwendet.

Der Ursprung des Namens Blocksberg liegt in der Bedeutung des Ausdrucks „Block“ oder „Klotz“ für das Hexenwesen; dort spielt er eine große Rolle: Block, Hackeblock und Klötzchen sind Namen von Zauberinnen; Bockhack und Hackeblock heißen Spiele, die in Beziehung zu Hexen stehen.

Bis zum 16. Jahrhundert galten unter anderen im Schwarzwald vor allem der Kandel, der Heuberg bei Rottenburg am Neckar und der Staffelberg in Franken als Hexenberge. Im 17. Jahrhundert werden außerdem der Hörselberg in Thüringen und der Bocksberg in Niedersachsen genannt.

Zur Zeit der Hexenverfolgung entstanden im Volk die Erzählungen über Hexen, in denen verschiedene Berge als Versammlungsplätze auftauchen. Im Laufe der Zeit unterschieden sich diese Geschichten immer weniger voneinander, so dass sich bestimmte Berge zu überregionalen Hexenbergen entwickelten.

In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts behaupten sich so neben dem Brocken unter anderen der Heuberg und der Staffelberg. Zudem wurde manchmal auch bei Venusbergen ein Zusammenhang zu Hexen gezogen.

Als Venusberg identifiziert werden häufig die Hörselberge bei Eisenach oder andere Berge nördlich der Alpen. Der nördlichste Venusberg ist der Finisberg beim Flensburger Volkspark. Venusberg wird zudem in Bonn eine Hochebene genannt, auf der sich der gleichnamige Stadtteil befindet.

Blomberg / Nordrhein-Westfalen

1589 wurden in einem Hexenprozess drei Frauen aus Donop und Kleinenmarpe in Blomberg angeklagt und hingerichtet. In Wellentrup gerieten von 1589 bis 1674 drei Männer und zwei Frauen in Hexenprozesse.
(Rat der Stadt Blomberg: moralische und sozialethische Rehabilitation der Opfer der Hexenprozesse / Hexenverfolgung 2015)

Bodetal (Harz) Sachsen-Anhalt

Bodetal wird das Tal der Warmen und Kalten Bode im Harz genannt. Im engeren Sinne wird unter Bodetal nur der zehn Kilometer lange, schluchtartige Talabschnitt der Bode zwischen Treseburg und Thale bezeichnet.

Die am Brocken, dem höchsten Berg des Harzes, entspringende Bode hat sich dort in den morphologisch harten Ramberggranit eingeschnitten. Die Schlucht ist bei Treseburg etwa 140 Meter und am Übergang zum Harzvorland bei Thale etwa 280 Meter tief.

Mit aktuell 473,78 Hektar Größe gehört es zu den größten Naturschutzgebieten in Sachsen-Anhalt. Das Bodetal wurde 2006 in die Liste der 77 ausgezeichneten Nationalen Geotope aufgenommen. Ein zehn Kilometer langer Wanderweg erschließt die Bodeschlucht zwischen Thale und Treseburg. An Engstellen wird der Weg in steilen Kehren und als Fußpfad über Felsen geführt. Von dort ergeben sich hervorragende Ausblicke in die Schlucht.

Zuwegungen ins Tal gehen von den Aussichtsfelsen an Rosstrappe und Hexentanzplatz aus. Von beiden Punkten führen Höhenwege nach Treseburg, wobei der Weg von der Rosstrappe über den Wilhelmsblick führt. Die Reihenfolge der touristischen Besonderheiten entspricht dem Auftreten entlang des Bodetals zwischen Thale und Treseburg:

Katersteg: Der Große Waldkater wurde später zum Erholungsheim und dann zur Jugendherberge umgestaltet und als solche 1996 saniert, der Kleine Waldkater wurde nach dem Zweiten Weltkrieg zunächst als Wohnhaus für Umsiedler genutzt, später als Betriebsferienheim für Naumburger Möbelwerker. Nach der Wende wurde er wieder zum Gasthof gemacht.

Brücke an der Jugendherberge (ehemaliges Hotel von 1845) bzw. Café Waldkater. Der Sage nach verschonte an dieser Stelle ein Jäger einen zum Kater verwunschenen Weinpanscher und erhielt zum Dank einen Goldschatz, von dem er das Wirtshaus erbaute.

Jugendherberge Thale: Zwischen den beeindruckenden Felsenschluchten der Rosstrappe und des Hexentanzplatzes, direkt an der Bode, liegt die Familien- und Jugendherberge Thale
Webseite: thale.jugendherberge.de

Das Hotel Waldkater war ein bekanntes Hotel im Bodetal. Das erste Etablissement „Waldkater“ wurde 1845 erbaut und später mehrfach umgestaltet. Der Name geht auf eine Erzählung zurück, nach der ein Weinpanscher zur Strafe in einen Kater verwandelt worden war. Vor der Erschießung durch einen Jäger soll dieser Kater sich durch Preisgabe eines Rezepts für einen Maitrank gerettet haben.

Da allerdings auch dieses Getränk wieder gepanscht gewesen sei und bei dem Jäger einen Kater ausgelöst habe, habe sich der Panscher noch einmal retten müssen und dem Jäger nun einen versteckten Schatz gezeigt. Mit diesem Kapital soll der Jäger das Etablissement gebaut und dem Panscher damit ein Denkmal gesetzt haben.
Kleiner Waldkater
Kleiner Waldkater 1
06502 Thale
Telefon: 03947 / 2826

Schallhöhle: 1760 wurde ein etwa 20 m langer Gang in die Felsen geschlagen, in dem zum Vergnügen der Gäste Böllerschüsse abgegeben wurden. Quellwasser aus der Höhle wurde als Lebenswasser verkauft. Heute ist die Höhle durch ein Gitter verschlossen. Rechts des Eingangs befindet sich eine Gedenktafel, die an die Tätigkeit Recklebens erinnert.

Der nur etwa 20 Meter lange und verhältnismäßig niedrige Gang wurde um 1760 angelegt. Die so entstandene Höhle hat die Eigenschaft den Schall verstärkt zurückzuwerfen, woraus sich der Name herleitet.

Anfang der 1830er Jahre erhielt die Frau eines Kohlenmeisters die Erlaubnis, zur Belustigung der Fremden gegen Entgelt Böllerschüsse in die Höhle abzugeben. Nachdem die Frau verstorben war, wurde am 23. April 1843 die Aufgabe an den Thaler Gärtner Heinrich Reckleben (1793–1875) übertragen.

Die lauten Detonationen trafen auf die Kritik des Betreibers des Hotels Waldkater, der sich wiederholt beschwerte. Dort scheuten häufig die Pferde vor dem Lärm. Letztlich gelang es dem Wirt ein Verbot der Böllerschüsse durchzusetzen. Reckleben erhielt jedoch wegen seines Verdienstausfalls vom Wirt des Waldkaters eine jährliche Entschädigung. Außerdem erhielt Reckleben die Erlaubnis, das Wasser der Quelle als sogenanntes Lebenswasser zu verkaufen.

Eine Gedenktafel neben dem einstigen Zugang erinnert an den langjährigen Verwalter Heinrich Reckleben, der durch die Böllerschüsse schließlich sein Gehör verlor und von einem Bierkutscher überfahren wurde.

Siebenbrüder- oder Goethefelsen: Mehrköpfiger Granitfelsen. Der Sage nach wollten sieben Brüder aus dem Böhmerwald an dieser Stelle am Schluchteingang eine Frau, die sie abgewiesen hatte, vergewaltigen und wurden zur Strafe in den siebenköpfigen Felsen verwandelt.

Der Felsen wurde anlässlich des 200. Geburtstags von Johann Wolfgang von Goethe am 28. August 1949 in Goethefelsen umbenannt. Auf einem Granitblock in der Bode unterhalb des Felsens, dem Goethestein, studierte Goethe bei seinem Bodetalbesuch die Klüftung des Gesteins.

Kronensumpf: Eine Auskolkung der Bode. Der Rosstrappensage nach bewacht dort Bodo die Krone der Königstochter Brunhilde.

Jungfrau oder Großer Kurfürst und Mönch: Felsformen vor der Jungfernbrücke. Nach der Rosstrappensage erstarrte dort ein Mönch vor Entsetzen zu Stein, als er Bodo in die Tiefe fallen sah.

An der Südseite des Bodetals erhebt sich die La Viershöhe, die einen weiten Blick über das Bodetal ermöglicht.

Jungfernbrücke: Steinerne Brücke am Gasthof „Königsruhe“. Der Sage nach dürften sie nur Jungfrauen überqueren, damit sie nicht einstürzt. Später ließ der Gastwirt ein Glöckchen läuten, sobald eine Jungfrau die Brücke betrat.

Königsruhe: Gaststätte mit Biergarten und Pension im mitten in der Bodeschlucht gelegenen Hirschgrund. Dort führt der Jungfernstieg über die Bode und beginnt der engere Teil der Schlucht. Es ergibt sich von der Terrasse ein Ausblick auf die Felsen und die vorüber rauschende Bode.

Zu der Häusergruppe zählt auch die zur Hauptbesucherzeit besetzte Hütte der Bergwacht Harz. Bereits 1820 wurden im Hirschgrund Erfrischungen verkauft. 1860 erfolgte die Errichtung eines Steinhauses, das zunächst eine Konditorei aufnahm.

Bülow-Denkmal direkt hinter Königsruhe in Richtung Treseburg

Zur Zinnoberhöhle führender Zinnoberstieg

Steinerne Kirche: Felsen in Form eines Kirchturms mit anschließendem Kirchenschiff oberhalb des Hirschgrunds. Auf der Felsspitze wurde ein Kreuz angebracht.

Schurre: Ein alter, 1850 ausgebauter Jägerpfad, der in 18 Kehren über eine Blockschutthalde aus Granit, Hornfels und Diabas zur Rosstrappe führt.

Teufelskanzel: Felsen oberhalb der Bodeklamm an der Teufelsbrücke über den „Blauen Sumpf“ (engste Stelle des Bodetals). Von dort soll der Sage nach der Teufel zu den Hexen gesprochen haben.

Bodekessel: Strudeltopf der Bode an der Teufelsbrücke. Der Sage nach entstand er folgendermaßen: Der Germanengott Wasur (ewiger Kreislauf des Wassers) durchbrach die Felsmauer, die einst Hexentanzplatz und Rosstrappe verband, um Wotan vor dem Zorn seines Vaters Hodir zu retten.

Er bahnte der Bode den Weg und schuf den Bodekessel. Wotan wurde daraufhin auf den Götterthron gesetzt. Tatsächlich wurde der Strudeltopf vom ehemaligen niedrigen Wasserfall ausgekolkt, der 1784 zur Floßbarmachung der Bode gesprengt wurde.

Langer Hals: Weit nach Norden ausgreifende Flussschleife der Bode. Der lange Hals führt die Bode um einen Felsen aus Hornfels und Diabas. Im Bereich des Knotenschiefers weitet sich das Tal dann wieder.

Prinzensicht: Aussichtspunkt auf einem Felsen mit Blockschutthalde über der Bodeschlucht, der nur über den Plateauweg zu erreichen ist.

Bibrakreuz: Denkmal zu Ehren des Freiherrn Helmuth von Bibra

Gewitterklippen: Felsen aus hartem Kalksilikathornfels und Diabas, der die Bode zu einer weiteren Flussschleife veranlasst.

Bodegang: Mehrere Quarzporphyrgänge von 3 bis 8 m Breite, die das Tal an mehreren Stellen queren. Erstmals von dem Geologen K. A. Lossen beschrieben.

Kästental: Nebenbachtälchen der Bode mit kleinem Wasserfall, das nach den dort vorkommenden alten Eiben (althochdeutsch „Kästen“) benannt wurde.

Pfeil-Denkmal: Beim Dambachhaus unweit des Bodetals erinnert es an den Forstwissenschaftler Friedrich Wilhelm Leopold Pfeil.

Bodenheim / Rheinland-Pfalz

1608 war das Gerichtsgebäude das heutige Rathaus mit seinem mehrfach erneuerten, kostbaren Fachwerk und holzgeschnitztem originalen Wappen im Erker. Zu Beginn des 17. Jahrhunderts wurde Bodenheim zu einem Zentrum der europäischen Hexenverfolgung.

Nach böswilligen Diffamierungen, schrecklichen Haftbedingungen und grausamen Folterungen verloren mindestens 27 Bürger nach Hexenprozessen ihr Leben. Die Prozesse in Bodenheim begannen mit der Verhaftung der Witwe Merg Scholl am 8. Oktober 1612. Sie wurde verdächtigt, sie habe in der Backstube ein Kind so verzaubert, dass es verstorben sei.

Im Frühjahr 1613 wurde Scholl verurteilt und mit zwei anderen Frauen verbrannt. Erst mit dem Ende des Dreißigjährigen Krieges konnte ein Schlussstrich unter dieses düstere Kapitel gezogen werden.
An die Ereignisse erinnerte 2014 das Benefiz-Theatermusical „Hexe! De Deibel soll se hole!

Bonn / Nordrhein-Westfalen

Maria Harms, gestorben 1593, ist die erste namentlich bekannte Frau, die in Bonn als Hexe verbrannt wurde. Auch Katharina Curtius, geborene Roeseler († 1629 in Bonn) war Opfer der Hexenverfolgung und wurde wegen angeblicher Hexerei hingerichtet.

Katharina Curtius war die Tochter des ersten Bonner Apothekers Gierhardt Roeseler, Besitzer des Hauses „Zur Laurdannen“ am Bonner Markt 42, Ecke * Bonngasse.

1615 heiratete sie Ferdinand Curtius, der ebenfalls Apotheker war. Nach dessen Tod wurde sie die Frau eines Verwandten des Ehemannes, Reiner Curtius.

1628 kaufte das Ehepaar das Haus „Zum Sternenberg“. Bereits ein Jahr danach wurde Katharina Curtius als Hexe angeklagt und von Franz Buirmann, dem kurkölnischen Hexenkommissar, verhört. Vor seinen Augen schrieb Katharina Curtius ihr Testament, in dem sie sich selbst „der Gotteslästerung und großer, grober Laster“ anklagte.

Ihr Ehemann wurde infolge des Prozesses Alleinerbe des beträchtlichen Vermögens. Ihr Ehemann soll ein ausgesprochen gutes Verhältnis zu Franz Buirmann unterhalten und sich sehr großzügig in der Bemessung der Prozesskosten gezeigt haben.

* Die Bonngasse befindet sich im fußläufigenZentrum Bonns und verläuft zwischen Sternstraße und Bertha-von-Suttner-Platz. Sie kreuzt die Friedrichstraße. Zwischen dieser und dem Suttner-Platz steht an der Ostseite das Beethoven-Haus und daneben das Haus „Im Mohren“.  Das Haus „Im Mohren“ in der Bonner Innenstadt gehört zu den ältesten erhaltenen Bürgerhäusern Bonns. 

Borchen / Nordrhein-Westfalen

Hexenprozesse in Borchen wurden von 1597 bis ca. 1611 auf dem Gebiet der heutigen Gemeinde Borchen in Nordrhein-Westfalen durchgeführt. Im Bereich der Gerichtsbarkeit des Domkapitels im Hochstift Paderborn wurden aus Etteln in Hexenprozessen 13 Menschen angeklagt.

Neun Personen wurden wegen angeblicher Zauberei verbrannt. In dem Nachbardorf Atteln wurden drei Personen verbrannt. Auch das Dorf Henglarn war betroffen.

Führender Kopf der Hexenverfolgung im Hochstift Paderborn war der Syndikus des Domstifts, Licenciat Johann Moller. Er war Vorsitzender des domkapitularischen Hexengerichtes. Etliche aktenkundige Fälle zeugen vom Machtmissbrauch des Hexenrichters Moller und seiner Kollegen.

Elisabeth Schaefer wurde um 1537 in Atteln geboren. Ihr Vater war Richter in Atteln, sie war verheiratet. Ihr erster Mann war Holzgreve (Grebe) gewesen. Ihr Sohn hieß Hermann Meyer, ihre Schwester Margaretha Vogt.

Obwohl sie zur dörflichen Oberschicht gehörte, geriet die 60-jährige Elisabeth Schaefer in einen Hexenprozess in Etteln. Im Juli 1597 wurde die Richterstochter der Mittäterschaft bezichtigt. Mehrere Personen hatten sie unter der Folter besagt, dass sie angeblich mit auf den Hexentänzen gewesen wäre.

Elisabeth Schaefer wurde der Wasserprobe unterzogen. Um ein Geständnis zu erpressen, wurde sie mehrfach gefoltert. Am öffentlichen Gerichtstag in Etteln, an dem die Hinrichtung stattfinden sollte, stürmten Verwandte und Freunde unter tumulthaften Umständen auf den Richtplatz und verhinderten die Hinrichtung.

Sie erreichten, dass der Fall fünf Juristen aus Paderborn vorgetragen wurde. Diese Juristen bestätigten aber das Todesurteil. Elisabeth Schaefer wurde vor Oktober 1597 auf dem Scheiterhaufen verbrannt. In der Folge wurde ihre Schwester Margaretha Vogt verhaftet.

Hexenprozess gegen Margaretha Vogt: Margaretha Vogt geriet in einen Hexenprozess in Etteln. Sie wurde am 14. November 1597 verhaftet. Sieben hingerichtete Personen hatten sie unter der Folter besagt, angeblich mit auf den Hexentänzen gewesen zu sein.

Der Sohn ihrer Schwester, Hermann Meyer, wandte sich an das Reichskammergericht in Speyer. Dieses untersagte am 7. Januar 1598, dass sie Folter und Wasserprobe unterzogen wurde. Margaretha Vogt war jedoch zuvor bereits gefoltert worden, sie hatte aber kein Geständnis abgelegt. Schließlich erfolgte ihre Freilassung.

Hexenprozess gegen die „Josepsche“ von Etteln: „Die Josepsche“ von Etteln wurde vor 1611 wegen Hexereiverdachts in Lippspringe inhaftiert und der Folter unterworfen. Der Hexenrichter Johann Moller hatte bei der Folter der Frau gesehen, wie „schön von Leibe und wohlgestalt sie gewest, daß er oft davon zu sagen pflegen, es wäre schade, daß man ein so schönes Weib verbrennen sollte“.

Moller entließ die Frau aus der Haft und brachte sie in Lippspringe in einer Wohnung unter. Johann Moller hat sie „motu proprio (nach eigenem Gutdünken) auß dem Gefengnis gelassen, sie in ein der besten Gemacher eingeweist“. Er sei täglich zu ihr gegangen und „etliche Stunden bei ihr allein verblieben“.

Hexenprozess gegen Gertraud Kneips: Gertraud Kneips erklärte am 21. November 1611 in einem Protokoll, dass Syndikus Johann Moller sie „vor etlichen Jahren“ im Walde zwischen Etteln und Eggeringhausen wiederholt zur Unzucht genötigt habe durch Drohungen und Versprechen: „es solle, falls sie willfährig sei, in Zaubersachen binnen Etteln nicht weiter gegen sie verfahren werden.

Johann Moller habe verlangt, dass sie sich mit ihm „fleischlich vermischen“ solle. Es soll daraufhin zu einer „viermaligen Vermischung“ gekommen sein. Als Gertraud Kneips einen Sohn gebar, drohte ihr Moller, „daß er sie, Gertraud, auf allen Orten verschreiben, verfolgen und verbrennen lassen wollte“, und sie musste das „Söhnlein einem alten unvermögenden Mann namens Grothe zueignen“.

In der „Denunciatio des Domkapitels gegen Moller“ vom 2. Dezember 1611 steht dazu, er habe mehrfach „mit offenkundig selbst bekentlichen Zäuberinnen sich viehischer weise in Waldt und Streuchen von Abend bis zu Morgen vermischet.

Bräunlingen / Baden-Württemberg

Bräunlingen (Alemannisch Brilinge) ist eine Kleinstadt im Schwarzwald-Baar-Kreis1635 begannen in der habsburgischen Stadt Bräunlingen Hexenprozesse. In den Hexenverfolgungen wurden gegen insgesamt 14 Personen inquiriert, mindestens fünf Frauen und ein Mann wurden hingerichtet.

Braunschweig / Niedersachsen

Vom 15. bis zum 17. Jahrhundert gab es nachweislich mehrere Prozesse wegen angeblicher Hexerei, Zauberei oder Ähnlichem. Der älteste bekannte Fall stammt aus dem Jahre 1475.

Im Verfestungsbuch des Weichbildes Neustadt ist vermerkt, dass Jutte Schomakers, genannt „die Herdesche“, der „Zauberei“ angeklagt und überführt wurde. Allerdings wurde sie nicht mit dem Tode bestraft, sondern, wie damals üblich, nach geleisteter Urfehde der Stadt verwiesen.

Der zweite belegte Fall ist der Geseke Albrechts, die 1501 beschuldigt worden war, Kühen die Milch verzaubert zu haben. Sie wurde enthauptet und ihr Leichnam anschließend verbrannt. Darauf folgten bis 1525 noch weitere Fälle.

Anna Roleffes hatte drei Brüder. Sie besuchte drei Jahre lang die Schule und hatte so lesen gelernt. Von ihrer Mutter Ilse, geb. Lilie, die fünf Jahre bei einem Bader in der Nähe von Wolfsburg als Heilerin tätig war, wurde sie anschließend in den Heilkünsten unterwiesen und hatte auch zwei Bücher von ihr geerbt.

Den Übernamen „Tempel Anneke“ erhielt sie entweder deshalb, weil sie auf dem „Tempel Hof“ wohnte oder weil sie zusammen mit ihrem Mann bis zu dessen Tod den Tempel-Krug führt.

Um als Witwe ihren Lebensunterhalt bestreiten zu können, verdingte sie sich als Dienstmagd und war daneben auch als Heilerin und Wahrsagerin tätig, wobei sie insbesondere im Aufspüren von Dieben und Diebesgut versiert war. Da sie dabei recht erfolgreich gewesen sein soll, wurde sie schließlich verdächtigt, eine Zauberin zu sein und mit dem Teufel im Bunde zu stehen.

Zum Zeitpunkt ihrer Festnahme im Juni 1663 war Tempel Anneke etwa 63 Jahre alt. Das Verfahren begann mit der Vernehmung der Zeugen im Neustadtrathaus und wurde dann im Obergericht des Weichbildes Hagen durchgeführt. Es dauerte vom 25. Juni bis zum 30. Dezember 1663.

Am 30. Dezember 1663 wurde Tempel Anneke auf dem Schinderkarren durch die Stadt zur Richtstätte vor den Toren Braunschweigs beim Wendentor gefahren. Angesichts ihrer Reue und ihres Geständnisses wurde Tempel Anneke ein besonderer Gnadenbeweis zuteil: Man erließ ihr den qualvollen Feuertod auf dem Scheiterhaufen, stattdessen wurde sie enthauptet und ihr Leichnam anschließend verbrannt.

Braunschweig-Lüneburg (Herzogtum) Niedersachsen

Hexenverfolgungen im Herzogtum Braunschweig-Lüneburg hatten besonders während der Regierungszeit von Welfenherzog Heinrich Julius (1589–1613) erschreckende Ausmaße angenommen.

So berichtet eine Chronik von 1590: „In den Fasten dieses Jahres ließ der Herzog viele Hexenmeister und Zauberinnen zu Wolfenbüttel verbrennen, als wohin aus dem Lande Braunschweig, Göttingen und Cahlenbergischen Theils, alle Maleficanten zusammengebracht und gerichtet wurden … Wie dann zu Wolfenbüttel öfters an einem Tag 10, 12 und mehr gebrant, und der Orts des Lecheln Holzes von den Zauberpfählen als ein kleiner Wald anzusehen gewesen.“

Auch einer seiner Nachfolger, August der Jüngere (1579–1666), obwohl als einer der gelehrtesten Fürsten seiner Zeit angesehen und Begründer des Ruhmes der nach ihm benannten Herzog August Bibliothek in Wolfenbüttel, war ein berüchtigter Hexenjäger, der für die Verbrennung von 70 „Hexen“ in Hitzacker verantwortlich ist.

Braunschweig-Wolfenbüttel / Niedersachsen

Heinrich Julius (* 15. Oktober 1564 auf Schloss Hessen; † 20. Juli 1613 in Prag) war postulierter Bischof von Halberstadt, Herzog zu Braunschweig und Lüneburg und Fürst von Braunschweig-Wolfenbüttel, von 1582 bis 1585 auch Administrator des Bistums Minden. Er regierte von 1589 bis zu seinem Tode im Jahre 1613.

Heinrich Julius wurde wegen seines „eifrigen Hexenbrennens“ berühmt. Während seiner Herrschaft erreichte die Hexenverfolgung in Braunschweig-Wolfenbüttel den Höhepunkt.

Zwischen 1590 und 1620 wurden 114 Personen wegen „Zauberei“ angeklagt, mehr als 50 Menschen wurden verbrannt. Unter ihnen war auch Anna Landmann, die 1597 auf seinen Befehl hin in Hornburg verbrannt wurde. Zudem verwies Herzog Heinrich Julius 1591 alle Juden des Landes.

Breitenborn / Hessen

Breitenborn ist ein Ortsteil der Gemeinde Gründau im Main-Kinzig-Kreis in Hessen. Im 16. Jahrhundert soll der breyden Born – so ist den Gerichtsakten etlicher Hexenprozesse in Büdingen zu entnehmen – ein Hexentanzplatz gewesen sein.

Als Hexentanzplatz oder Teufelstanzplatz wurden in der Zeit der Hexenverfolgungen viele Örtlichkeiten bezeichnet, an denen sich die Angeklagten in den Hexenprozessen angeblich zu geheimen Hexenversammlungen getroffen haben sollen.

Anlass soll zum Beispiel der Hexensabbat in der Walpurgisnacht gewesen sein. Man glaubte, dass sich dort Zauberer beziehungsweise Hexen mit dem Teufel auf den so bezeichneten Bergen oder Flurstücken versammelt hätten.

Die Richter forderten in den Hexenprozessen von den Angeklagten die genaue Aufzählung der besuchten Teufelstanzplätze (also einen genauen Ort der Teilnahme am Hexensabbat) und eine Besagung (Denunziation) der Namen weiterer Teilnehmer der Treffen.

Auch diese denunzierten Menschen wurden dann verhaftet und angeklagt, und es kam zu den sogenannten Kettenprozessen mit vielen Hinrichtungen.

Bremen (Johannes Molanus)

Johannes vander Molen oder Molanus, auch Johann Molanus (* um 1510 in Nukerke (Neuenkirchen, Nieuwenkerken) bei Oudenaarde in Flandern; † 16. Juli 1583 in Bremen) war ein flämischer, dann deutscher Pädagoge.

Er verließ Bremen wegen „ubiquitistischen“ (Lehre von der Allgegenwart Jesu Christi) Streitigkeiten, folgte Gerhard Mercator nach Duisburg und wurde dort Rektor des neuen Akademischen Gymnasiums. 1563 zog er wieder nach Bremen zurück und war bis 1583 20 Jahre lang Rektor des Paedagogeum und Gymnasium illustre.

1566 hielt sich Molanus zu einem Besuch in Duisburg auf und informierte den Kritiker der Hexenverfolgung Johann Weyer auf dessen Nachfrage über den Bremer Prozess der Gredje von Essen († 1565), der einen tödlichen Ausgang genommen und den Suizid ihres Bruders nach sich gezogen hatte

Brilon / Nordrhein-Westfalen

Überliefert ist ein Fall von Hexerei von 1523 in Brilon. Die Beklagte wurde auf Intervention von Kurfürst Friedrich IV. von Wied gegen den Willen der örtlichen Behörden freigelassen. Zumindest in dieser frühen Phase kamen derartige Eingriffe zu Gunsten der Beklagten nicht selten vor.

Dahinter steckte keine grundsätzliche Ablehnung der Hexenverfolgungen, sondern die Behörden bestanden auf einem rechtmäßigen Ablauf der Prozesse, der auch das Recht auf Verteidigung einschloss.

Bruchhausen (Landkreis Neuwied) Rheinland-Pfalz

Besonders bekannt wurde der Hexenprozess gegen Anna Katharina Spee aus Bruchhausen. Sie war Opfer der Hexenverfolgungen 1631 in Erpel mit mindestens 20 Hinrichtungen: darunter 18 Frauen und zwei Männer unter dem Hexenkommissar Dr. Jan Möden.

In diesen Hexenprozessen wurde Anna Katharina Spee in den erfolterten Aussagen angeklagter Frauen des Teufelspaktes bezichtigt. Neben anderen besagte die angeklagte Els Istfels ihre Patentante Anna Katharina Spee als „Hexe“.

Das Schicksal von Anna Katharina Spee ist bis heute verbunden mit dem Votivbild der Schmerzreichen Mutter Maria in der Pfarr- und Wallfahrtskirche St. Johann Baptist in Bruchhausen. Es wurde 1636 von den Kindern der Anna Katharina Spee gespendet, nachdem sie als Hexenkönigin von Bruchhausen verbrannt worden war.

Das Ölgemälde hängt dort heute noch. Die Schrift im schwarzen Holzrahmen gibt die Namen der Stifter an, die im Bild – relativ klein – vor Maria knien: Johann Jakob Spee und Agnes Spee mit ihrem Ehemann Andreas Bachem.

1675 hatte die – nach ihrer Klosterzeit – in Bruchhausen lebende Margaretha Spee (gestorben 1676) Probleme bei der Bezahlung für die Messen ihrer vor 44 Jahren hingerichteten Mutter.

Durch den Verkauf einer Hofstelle der Burg kam es zu einem finanziellen Vergleich zwischen Margaretha Spee und der Pfarrkirche in Bruchhausen. Die daraufhin 1675 gegründete Stiftung garantiert die Finanzierung einer Messe für Anna Katharina und ihre Familie an jedem Samstag bis heute.

Bruchmachtersen / Niedersachsen

1521 wurde der Ort von Hildesheimer Truppen verwüstet. 1602 plünderten Braunschweiger Bürger während ihrer Auseinandersetzung mit Herzog Heinrich Julius, der als protestantischer Fürst ein berüchtigter Hexenbrenner und Vertrauter des katholischen Kaisers war, Bruchmachtersen.

Büdingen / Hessen

Zwischen 1532 und 1699 (Höhepunkt 1633–1653) gab es viele Hexenprozesse und 485 Menschen wurden wegen angeblicher Hexerei angeklagt. Mit über 400 Hinrichtungen gehörte die kleine Grafschaft Büdingen zur Kernzone der Hexenverfolgung.

1564 wurde die Faulhaberin aus Wächtersbach in Büdingen als angebliche Hexe angeklagt. Georg von Ysenburg-Büdingen erließ die Order, die Faulhaberin im peinlichen Verhör hart anzugreifen (zu foltern). Trotz „zerrissener Glieder und verderbtem Leib“ trotzte sie der Folter und zerriss mit ihrem Schweigen die Kette der Denunziationen.

Heftige Kritik an Hexenprozessen und Folter äußerte der ysenburgische Hofprediger Anton Praetorius, dem es 1597 gelang, eine Frau aus der Folterkammer zu befreien. 1598 setzte er seinen Kampf literarisch mit dem Buch Gründlicher Bericht von Zauberey und Zauberern fort.

Der breyden Born in Breitenborn soll ein Hexentanzplatz gewesen sein.
(Stadtparlament von Büdingen: moralische und sozialethische Rehabilitation der Opfer der Hexenprozesse / Hexenverfolgung 2012)

Büdingen (Kesslertanz) Hessen

Der Kesslertanz (u. a. auch Kesselersdanz, Kesslertantz) ist der Name eines angeblichen Hexentanzplatzes des 16. Jahrhunderts im Wald von Büdingen. Bis heute existiert der Flurname Kesslertanz zwischen dem Dorf Rinderbügen und dem Büdinger Wald.

Als „Hexen“ angeklagte Frauen wurden in der Zeit der Hexenverfolgungen verdächtigt, auf dem Kesslers Danz gewesen zu sein. Die Tanzplätze sind häufig alte Gerichtsplätze oder sonstige besondere Orte.

Die Hexen von Büdingen besuchten angeblich den Pfaffenwald, den Breitenborn oder einen Platz im Büdinger Walde, „Khesselers dantz“ genannt. 1597 wurden vier Frauen aus dem Ort Rinderbügen in einem Hexenprozess angeklagt, hier am Hexensabbat teilgenommen zu haben.

In der Zeit der Hexenverfolgungen spielt sich 1597 ein besonders dramatisches Kapitel Rinderbügener Geschichte ab. Im Februar werden vier Frauen aus dem Ort Rinderbügen beschuldigt, zum Hexensabbat auf dem Hexentanzplatz (Kesslertanz) gewesen zu sein.

Burg (Hexenturm) Sachsen-Anhalt

Der Hexenturm befindet sich in der Burger Altstadt (Burg bei Magdeburg). Unweit vom Freiheitsturm ist er in die Burger Stadtmauer integriert. Der Hexenturm wurde im 11. Jahrhundert errichtet, aufgrund der Schießscharten geht man davon aus, dass er als Wach- und Wehrturm diente.

Zu Beginn des 17. Jahrhunderts kam es in Burg zu mehreren Hexenprozessen. Während dieser Zeit wurde der Turm als Gefängnis für die angeblichen Hexen genutzt, woher sein Name rührt. Im Turm befindet sich ein sechs Meter tiefes Verlies. Durch eine runde Öffnung im Boden konnten die Gefangenen dort hinab gelassen werden.

Die Funktion als Frauengefängnis behielt der Hexenturm bis 1846. In jenem Jahr wurde ein neues Gericht mit Gefängnis in der Burger Hainstraße erbaut.

Burkheim am Kaiserstuhl / Baden-Württemberg

Burkheim am Kaiserstuhl (früher: Burkheim am Rhein) ist eine Teilgemeinde der Stadt Vogtsburg im Kaiserstuhl und liegt am Westrand des Kaiserstuhls. Bekannt ist Burkheim vor allem für seine historische Altstadt und seinen Wein. 1613 wurden auf dem noch heute so bezeichneten Hexenplatz zwei (nach anderen Quellen sieben) Frauen wegen Hexerei verbrannt.

Buxtehude / Niedersachsen

Die Hochphase der Hexenverfolgung im späten 16. und frühen 17. Jahrhundert fiel zeitlich zusammen mit einem tiefgreifenden Wandel auf dem Gebiet der Strafrechtspflege.

Seit 1532 entwickelte sich auf dem Gebiet des Strafrechts allgemein wie auch speziell auf dem Gebiet der Hexenprozesse die Peinliche Gerichtsordnung Kaiser Karls V. (Constitutio Criminalis Carolina) zur entscheidenden Rechtsgrundlage.

Die Carolina reglementierte erstmals die weithin übliche Folter zur Erlangung von Geständnissen und bewirkte damit eine gewisse Rechtssicherheit für die Beschuldigten.

Aufgrund einer salvatorischen Klausel war jedoch regionales Recht weiterhin anwendbar. Dessen Gebrauch wurde erst langsam zugunsten der Carolina zurückgedrängt und führte noch jahrzehntelang zu Strafprozessen mit teilweise ausuferndem Gebrauch der „peinlichen Befragung“.

Die 1603 erlassene Kriminalgerichtsordnung des Erzbischofs von Bremen, das Edikt vom Prozeß in Zauberei-Sachen lehnte sich nicht nur inhaltlich fast wörtlich an die Carolina an, sondern propagierte auch ausdrücklich deren Gültigkeit.

Die Hexerei wurde darin nur als ein Delikt unter vielen behandelten, nicht als Ausnahmeverbrechen (crimen exceptum), das ein besonderes Verfahren rechtfertige. Der berüchtigte Hexenhammer wurde vor norddeutschen Gerichten deshalb nicht zur Begründung von Urteilen herangezogen.

In Buxtehude gab es zwischen 1540 und 1644 insgesamt 21 Hexenprozesse, 18 Frauen wurden hingerichtet. Die Verfolgung war damit weit weniger intensiv als im süddeutschen Raum, beispielsweise im Hochstift Bamberg, wo in jener Zeit etwa 900 Menschen getötet wurden.

Ein Erlass Königin Christinas von Schweden von 1649 leitete das Ende der Hexenprozesse im Herzogtum Bremen-Verden ein.

Die ab 1935 im Auftrag Heinrich Himmlers erstellte Hexenkartothek versuchte, die frühneuzeitliche Hexenverfolgung für die völkische NS-Ideologie zu vereinnahmen. Dazu erfassten Mitarbeiter des sog. H-Sonderkommandos im Juli 1940 auch einen Sammelprozess im ehemaligen Bistum Verden.
(Rat der Stadt Buxtehude: moralische und sozialethische Rehabilitation der Opfer der Hexenprozesse / Hexenverfolgung 2016)

 

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Canstein (Marsberg) Nordrhein-Westfalen

Im Gebiet von Marsberg fanden beträchtliche Hexenverfolgungen statt. In den Archivalien der Herrschaft Canstein befindet sich eine umfangreiche Akte No. 1296, in der Unterlagen zu 19 Hexenprozessen gesammelt sind.

1656 und 1658 wurden in Hexenprozessen neun Frauen und ein Mann hingerichtet. Bei weiteren elf Prozessen ist der Ausgang unbekannt. In den Prozessunterlagen finden sich Hinweise auf diese folgende Todesurteile:

1656 Edeling Gronen
1656 Steinische Clara
1656 Friedrich Rehlings Frau Trine
1656 Thielen Anna aus Leitmar
1656 Gerta die Boltin (auch Jutten Grete), Georg Noeckens (Georgen Norikens) Frau aus Udorf
1656 Anna Möllers
1656 in der Klageschrift Gerta die Boltin werden als hingerichtet erwähnt:
Eva Bohlen
Eddeling Mronos (evtl. identisch mit Edeling Gronen)
1658 Anna Schulten, Curdt Schultens Frau, die Schultische
1658 Elisabeth Hempelmann

Coburg / Bayern

Während der Herrschaft von Johann Casimir (auch Johann Kasimir) von Sachsen-Coburg hatten die Hexenprozesse und -verbrennungen in Coburg ihren Höhepunkt; er ließ 178 Hexenprozesse führen. Von den 91 Angeklagten (meist Frauen) wurden ca. 70 auf dem Scheiterhaufen am Ketschenanger verbrannt.

1593 folgte die Scheidung Herzog Johann Casimirs von seiner ersten Ehefrau wegen Ehebruchs, die er anschließend zunächst in Eisenach, bis 1596 im Kloster Sonnefeld und dann bis zu ihrem Tod im Jahr 1613 auf der Veste Coburg gefangen hielt.
Veste Coburg
Veste Coburg 1, 96450 Coburg
Webseite: www.kunstsammlungen-coburg.de

 

Hexenjagd:
Die Geschichte der Hexenverfolgung in Europa
von Brian P. Levack
Taschenbuch: 295 Seiten
Verlag: C.H.Beck
ISBN-13: 978-3406592423
Originaltitel: The Witch-Hunt in Early Modern Europe
Taschenbuch EUR 14,95

Werbung: gebraucht ab EUR 10,76 bei Amazon.de

Zitat: Mehr als 100 000 Menschen, die meisten von ihnen Frauen, wurden zwischen 1450 und 1750 in Europa wegen Ausübung schwarzer Magie und Teufelsanbetung vor Gericht gestellt; etwa die Hälfte von ihnen starb auf dem Scheiterhaufen.

Wie kam es zu diesem unerbittlichen Feldzug gegen einen weitgehend imaginierten Gegner?
Wer waren die Hexen und ihre Verfolger?

Brian P. Levack rückt diese Fragen in den Mittelpunkt seiner – in viele Sprachen übersetzten – Geschichte dieser großen Hexenjagd und entfaltet zugleich ein Szenarium der Frühen Neuzeit, das den Leser unweigerlich in seinen Bann zieht.

 

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