H. P. Lovecraft: Leben und Werk 2 von S. T. Joshi. Zahlreiche längere Passagen aus Essays und Briefen Lovecrafts auf Deutsch.

H. P. Lovecraft ist, ohne Wenn und Aber, der bedeutendste Autor unheimlicher Phantastik des 20. Jahrhunderts. Im angloamerikanischen Raum ist er längst als Klassiker anerkannt, und auf Deutsch liegt sein Werk in verschiedenen Ausgaben und Übersetzungen vor.

Sein Leben dagegen ist mehr als umstritten: Als »Einsiedler von Providence« wurde er bezeichnet, als Rassist und Menschenfeind. Dem steht entgegen, dass er sich sein Leben lang als Amateurjournalist innerhalb eines großen Bekanntenkreis bewegte.

Außerdem hat er Zehntausende von Briefen geschrieben, an Schriftstellerkollegen wie Robert E. Howard und Clark Ashton Smith und an »Fans« wie den Psycho-Autor Robert Bloch und den späteren Lovecraft-Verleger August Derleth.

Grundlage jeder ernsthaften Beschäftigung mit Lovecraft ist das Standardwerk I am Providence: The Life and Times of H. P. Lovecraft von S. T. Joshi, erstmals 1996 erschienen und, als definitive Ausgabe überarbeitet und erweitert, in zwei Bänden 2010. Diese materialreiche Biographie schildert Lovecrafts Werdegang und Werk mit einer Akribie, die ihresgleichen sucht.

Mit der deutschen Übersetzung von Joshis Biographie werden erstmals auch zahlreiche längere Passagen aus Essays und Briefen Lovecrafts auf Deutsch zugänglich. Wer sich mit seinem Leben und Werk auseinandersetzen möchte, kommt an diesen beiden Bänden nicht vorbei.

H. P. Lovecraft
Leben und Werk 2
von S. T. Joshi
Gebundene Ausgabe: 750 Seiten
Verlag: Golkonda Verlag
Erscheint im Januar 2018, jetzt hier vorbestellen
ISBN-13: 978-3944720524
Originaltitel: I am Providence: The Life und Times of H. P. Lovecraft
Gebundene Ausgabe EUR 39,90

 

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H. P. Lovecraft: Leben und Werk 2
von S. T. Joshi

 

Howard Phillips Lovecraft (* 20. August 1890 in Providence, Rhode Island; † 15. März 1937 ebenda; meist nur H. P. Lovecraft) war ein amerikanischer Schriftsteller. Er gilt als einer der weltweit einflussreichsten Autoren im Bereich der phantastischen und anspruchsvollen Horrorliteratur.

Werk

Auch wenn sich Lovecraft bisweilen nicht ganz einfach einem literarischen Genre zuordnen lässt, wird sein Prosawerk in der Regel dem „Supernatural Horror“, also der übernatürlichen Horrorliteratur zugeordnet.

Seine späteren Werke, besonders sein Berge des Wahnsinns, in denen Lovecraft Science Fiction, Horror und soziale Utopie mischt, verdeutlichen, dass Lovecrafts Werke mitunter die klassischen Genregrenzen dehnen, ja sie beinahe überholt erscheinen lassen. Lovecraft selbst sah sich als Erben einer ehrwürdigen literarischen Tradition:

“The oldest and strongest emotion of mankind is fear, and the oldest and strongest kind of fear is fear of the unknown. These facts few psychologists will dispute, and their admitted truth must establish for all time the genuineness and dignity of the weirdly horrible tales as a literary form.”

„Die älteste und stärkste Emotion des Menschen ist Furcht, und die älteste und stärkste Form der Furcht ist die Angst vor dem Unbekannten. Diese Tatsachen wird kaum ein Psychologe bestreiten, und sie begründen ein für allemal Echtheit und Rang der übernatürlichen Horrorgeschichte als literarische Form.“
– H. P. Lovecraft: Supernatural Horror in Literature, S. 12

Der Titel seines Essays Supernatural Horror in Literature sollte nicht darüber täuschen, dass er zu den Vorläufern des Cosmic Horror nicht nur die Klassiker des englischen Schauerromans, sondern auch Werke der Schwarzen Romantik wie Henry James’ The Turn of the Screw oder Byrons Childe Harold’s Pilgrimage zählte.

Lovecrafts Schaffen lässt sich grob in drei Kategorien unterteilen: traditionelle Schauergeschichten, Traumweltgeschichten und die Mythosgeschichten. Hinzu kommen viele Gedichte, Essays und unzählige Briefe.

Traditionelle Schauergeschichten

Hierzu zählen viele der frühen Kurzgeschichten; sie sind stark inspiriert von den Schriften Edgar Allan Poes, dessen Stil und unheimliche, teils makabre Erzählungen einen großen Einfluss auf den Lovecraft der jüngeren Schaffensperiode hatten. Typische Schauplätze sind Friedhöfe und verlassene, unheimliche Häuser.

Die Geschichten sind durch keinen Hintergrund miteinander verbunden; Lovecraft wurde allerdings oft von Albträumen inspiriert, und in einigen dieser Erzählungen lassen sich bereits Motive ausmachen, die später in meisterhaft ausgeführten Erzählungen wiederkehren sollten.

Traumweltgeschichten

Dies ist eine Reihe von mystischen und mythischen Kurzgeschichten, die von dem von Lovecraft verehrten Autor Lord Dunsany inspiriert wurden. Fremdartige Landschaften, exotische Städte, verbotene Berge, geheimnisvolle Götter – mit all diesen Phänomenen ist die Traumwelt ausstaffiert, die dieser Reihe von Geschichten als gemeinsamer Hintergrund dient; dazu kommen Ghoule, Ghasts, Dryaden und weitere bizarre Wesen.

Auch Katzen, denen Lovecraft ebenso wie Poe zugetan war, sind bevorzugte Bewohner dieser Traumwelt. Es gibt zudem einige mehrfach wiederkehrende Charaktere wie einen gewissen Kuranes – im Traum ein König, im wachenden Leben ein Nichts – oder etwa den berüchtigten Traumreisenden Randolph Carter, quasi ein Alter Ego des Autors.

Mythosgeschichten

Dies ist der lose zusammenhängende Kreis von Kurzgeschichten und Erzählungen, auf denen Lovecrafts heutiger Ruhm und Status als Kult-Autor zum größten Teil beruht; mit ihnen fand der Autor zu „seinem“ großen Thema. Sie mögen beeinflusst sein von Arthur Machen, mit seinen sorgfältig konstruierten Geschichten vom Überleben eines uralten Übels und der verborgenen Mystik, die hinter der Realität steht.

Die Geschichten bilden die Basis für den Cthulhu-Mythos, der von anderen Autoren erweitert wurde. Lovecraft selbst sprach vom Arkham Cycle, da in vielen seiner Geschichten die fiktive neuenglische Stadt Arkham vorkommt.

Andere Namen für den Kreis lauten Yog-Sothoth-Zyklos oder Cthulhu-Zyklus, nach der prominentesten Schöpfung Lovecrafts, die im ersten wirklichen Vertreter des Zirkels mit The Call of Cthulhu 1926 ihr Debüt hatte.

Methodik

Direkten Einblick in seine konzeptionelle Arbeitsweise gibt Lovecraft in den Essays Anmerkungen zum Schreiben unheimlicher Erzählungen und Einige Anmerkungen zu interplanetarischen Erzählungen sowie in seinem Anmerkungs- und Notizbuch.

Er vertrat Poes Theorie der kurzen Erzählung, wonach jede Geschichte erst dann ihren maximalen Effekt entfaltet, wenn sie in einer einzigen Sitzung komplett durchlesbar ist. Daher schrieb Lovecraft – wie Poe – keine längeren Romane.

Viele spätere Schöpfer von Horrorliteratur oder -filmen und Künstler wurden von Lovecraft beeinflusst, darunter Clive Barker und H. R. Giger. Autoren wie Clark Ashton Smith, August Derleth, Neil Gaiman, Alan Moore, Ljubko Deresch, Wolfgang Hohlbein, Stephen King und Brian Lumley verfassten Geschichten, die in Lovecrafts „Universum“ angesiedelt sind.

Lovecrafts Erzählungen von außerirdischen Wesen, die vor dem Menschen die Erde beherrschten und wiederzukehren drohen, könnten auch einige Autoren der pseudowissenschaftlichen Prä-Astronautik-Theorie (etwa Erich van Däniken) beeinflusst haben.

Hier wurden die von Lovecraft als absolut menschenfeindlich konzipierten Kreaturen jedoch zu ‘göttlichen Entwicklungshelfern’ umfunktioniert.

Die Hörbuchbearbeitung von Der Cthulhu Mythos wurde 2002 mit dem Deutschen Phantastik Preis ausgezeichnet.

Literatur

Als literarische Nachfahren Lovecrafts können Robert Bloch, Clark Ashton Smith und Frank Belknap Long angesehen werden. Auch Autoren wie H. C. Artmann (der auch einige Geschichten ins Deutsche übersetzt hat), Jorge Luis Borges, Michel Houellebecq und Colin Wilson sowie die US-Comic-Künstler Richard Corben und Mike Mignola wurden von seinem Werk beeinflusst.

In Deutschland hat Arno Schmidt Lovecrafts Geschichten in Julia, oder die Gemälde verwendet. Er sah zwischen Lovecraft und sich eine Art Verwandtschaft.

Michael Marrak schuf 2002 mit Imagon eine aktualisierte, recht freie Analogie zu Berge des Wahnsinns, die im Grönland der Gegenwart spielt und 2003 mit dem Kurd-Laßwitz-Preis ausgezeichnet wurde.

Der Künstler Reinhard Kleist hat einige von Lovecrafts Geschichten als Comic umgesetzt. Arthur C. Clarke veröffentlichte 1973 eine Parodie auf Berge des Wahnsinns mit dem Titel At the Mountains of Murkiness (etwa: Berge der Düsterkeit) und Neil Gaiman schrieb die Kurzgeschichte I Cthulhu (dt. Ich, Cthulhu).

Der erstmals 2010 erschienene Graphic Novel Neonomicon von Alan Moore und Jacen Burrows enthält zahlreiche Anspielungen auf Lovecraft und sein Werk. Der Plot geht von der Annahme aus, dass es sich bei den „blasphemischen Ritualen“, die in mehreren seiner Geschichten erwähnt werden, um Sex mit nichtmenschlichen Monstern geht, der im Comic explizit ausgemalt wird.

Verfilmungen

Die Werke Lovecrafts wurden oft verfilmt. Manche Filme halten sich eng an die Vorlage, meist werden jedoch nur einige Themen oder Figuren aufgegriffen. Die größte Zahl dieser Filme sind als B-Movies oder Genrefilme für Freunde des Horrorfilms einzuordnen. Ähnlich wie Versuche seiner literarischen Epigonen arbeiten sie sich oft am Vorbild ab und verfehlen doch das Ziel weit.

Als gelungenere Adaption gilt Roger Cormans Die Folterkammer des Hexenjägers, trotz des originalen Poe-Titels The Haunted Palace eine Verfilmung von Lovecrafts Der Fall Charles Dexter Ward. Als drei der besseren neueren Verfilmungen gelten Re-Animator von 1985, Hemoglobin von 1997 und Dagon von 2001.

Eine werkgerechte Verfilmung der Erzählung The Call of Cthulhu wurde im Jahr 2005 von der H.P. Lovecraft Historical Society (HPLHS) herausgebracht. Dabei handelt es sich um einen Schwarzweiß-Stummfilm im Stil der 1920er-Jahre (die Originalstory stammt aus dem Jahr 1926).

Vorbild für die Darsteller und die zur Anwendung kommende Tricktechnik ist der expressionistische deutsche Film. 2010/11 wurde Die Farbe aus dem All (Filmtitel: Die Farbe) als eine deutsche Independent-Verfilmung aus Eigenmitteln umgesetzt.

2011 folgte die Verfilmung von The Whisperer in Darkness, erneut durch die HPLHS.

Seit Jahren plant der mexikanische Regisseur Guillermo del Toro eine Verfilmung von At the Mountains of Madness. Aufgrund von Finanzierungsschwierigkeiten liegt das Projekt auf Eis.

Das Internationale Filmfest Braunschweig zeigte 2015 in einem Themenschwerpunkt drei Langfilme und 14 Kurzfilme, die an Erzählungen von Lovecraft angelehnt sind, u. a. Shadow of the Unnamable (Sascha Renninger, DE 2011) mit Robert Lyons.

Musik

Lovecraft und sein Werk werden in der Pop- und Rockmusik rezipiert. 1967 gründete sich zum Beispiel eine Psychedelic-Rockband unter dem Namen H. P. Lovecraft. Die Mitglieder verarbeiteten in verschiedenen Musikstücken einige Geschichten und Elemente aus Lovecrafts literarischem Werk.

Auch im Metal-Bereich wird Lovecraft stark rezipiert, siehe etwa The Call of Ktulu (1984), The Thing That Should Not Be (1986) und All Nightmare Long (2008) von Metallica oder das Konzeptalbum der deutschen Band Payne’s Gray Kadath Decoded (1995).

Im Gothic Rock finden sich Anleihen aus Lovecrafts Werken unter anderem bei Bands wie Fields of the Nephilim, Garden of Delight und Whispers in the Shadow.

Auch in der zeitgenössischen E-Musik bietet Lovecrafts Werk Anregung. Die Komponistin Olga Neuwirth komponierte etwa das Orchesterstück Cthulhu-Ludium – Vor der Dunkelheit (1991) für Orchester, Moritz Eggert vertonte Lovecrafts Geschichte The Outsider (Der Außenseiter) als Melodram (Der Andere). John Zorns Band Electric Masada veröffentlichte 2005 das Album At the Mountains of Madness.

Bibliografie

Lovecraft hinterließ aufgrund seines relativ frühen Todes ein eher schmales belletristisches Werk, das zudem in unzähligen Zeitschriften verstreut war, sowie eine sehr umfangreiche Korrespondenz. Weniger bekannt sind seine Essays, Teile seiner Rezensionen, seine Theaterstücke und Gedichte.

Dank seiner Freunde und Kollegen Robert H. Barlow, August Derleth und Donald Wandrei, die seine Werke sammelten, im eigens dafür gegründeten Verlag Arkham House veröffentlichten und somit vor dem Vergessen bewahrten, gilt Lovecraft heute als einer der großen Meister der Horrorliteratur.

Prosa

Arthur Jermyn (Facts Concerning the Late Arthur Jermyn and His Family)
Berge des Wahnsinns (At the Mountains of Madness)
Celephaïs (Celephais)
Cthulhus Ruf (The Call of Cthulhu)
Dagon (Dagon)
Das Bild im Haus (The Picture in the House)
Das Ding auf der Schwelle (The Thing on the Doorstep)
Das Fest (The Festival)
Das geheimnisvolle Schiff (The Mysterious Ship)
Das gemiedene Haus (The Shunned House)
Das Grab (The Tomb)
Das Grauen von Dunwich (The Dunwich Horror)
Das merkwürdige hochgelegene Haus im Nebel (The Strange High House in the Mist)
Das Mond-Moor (The Moon Bog)
Das Rätsel des Friedhofs (The Mystery of the Old Graveyard)
Das Tier in der Höhle (The Beast in the Cave)
Das Unnennbare (The Unnameable)
Das Verschwinden des Juan Romero (The Transition of Juan Romero)
Das Verderben, das über Sarnath kam (The Doom That Came to Sarnath)
Das weiße Schiff (The White Ship)
Der Alchimist (The Alchemist)
Der Außenseiter (The Outsider)
Der Baum (The Tree)
Der boshafte Geistliche (The Evil Clergyman)
Der Fall Charles Dexter Ward (The Case of Charles Dexter Ward)
Der Flüsterer im Dunkeln (The Whisperer in Darkness)
Der Hund (The Hound)
Der leuchtende Trapezoeder (auch: Jäger der Finsternis) (The Haunter of the Dark)
Der Schatten aus der Zeit (The Shadow Out of Time)
Der Schreckliche alte Mann (The Terrible Old Man)
Der Silberschlüssel (The Silver Key)
Der Tempel (The Temple)
Die anderen Götter (The Other Gods)
Die Aussage des Randolph Carter (The Statement of Randolph Carter)
Die Farbe aus dem All (The Color out of Space)
Die holde Ermengarde (Sweet Ermengarde)
Die Katzen von Ulthar (The Cats of Ulthar)
Die kleine Glasflasche (The little Glass Bottle)
Die lauernde Furcht (The Lurking Fear)
Die Musik des Erich Zann (The Music of Erich Zann)
Die Ratten im Gemäuer (The Rats in the Walls)
Die Straße (The Street)
Die geheime Höhle (The Secret Cave)
Die Traumsuche nach dem unbekannten Kadath bzw. Die Traumfahrt zum unbekannten Kadath (The Dream-Quest of Unknown Kadath)
Eine Erinnerung an Dr. Samuel Johnson (Reminiscence of Dr. Samuel Johnson)
Er (He)
Gefangen bei den Pharaonen (Imprisoned with the Pharaohs)
Geschichte und Chronologie des Necronomicons (History of the Necronomicon)
Grauen in Red Hook (The Horror at Red Hook)
Herbert West – Der Wiedererwecker (Herbert West – Reanimator)
Hypnos (Hypnos)
Ibid (Ibid)
In der Gruft (In the Vault)
Iranons Suche (The Quest of Iranon)
Jenseits der Mauer des Schlafes (Beyond the Wall of Sleep)
Kühle Luft (Cool Air)
Nyarlathotep (Nyarlathotep)
Old Bugs (Old Bugs)
Pickmans Modell (Pickman’s Model)
Polaris (Polaris)
Schatten über Innsmouth (The Shadow over Innsmouth)
Stadt ohne Namen (The Nameless City)
Träume im Hexenhaus (Dreams in the Witch House)
Vom Jenseits (From Beyond)

Wikipedia Kategorie: H. P. Lovecraft
Wikipedia Kategorie: Horrorliteratur
Wikipedia Kategorie: Phantastische Literatur
Webseite: H.-P.-Lovecraft-Seite mit Leseproben, Bibliografie, Biografie (Deutsch)
Webseite: H-.P.-Lovecraft-Archiv

 

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