Französische Leichtigkeit in München:  Zur Sache Schätzchen hatte heute vor 50 Jahren Premiere. Komödie mit Uschi Glas

Französische Leichtigkeit in München: 
“Zur Sache Schätzchen” hatte heute vor 50 Jahren Premiere.

Im Sommer 1967 drehte May Spills in Schwabing die Komödie mit Uschi Glas, die rund sechs Millionen Zuschauer ins Kino lockte. Die Dialoge machen den Reiz des schwarzweißen Films aus: Sprüche, Wortspiele, Wortschöpfungen und ironische Wendungen.

Zitat: Was lief denn damals in den deutschen Kinos? Wahrhaft aufrüttelnde Erotikklamotten wie “Die Wirtin von der Lahn“, und “Jungfrau aus Zweiter Hand“, auch das New American Cinema mit “Bonnie und Clyde“, und “Die Reifeprüfung“.

Im Aufklärungsfilm “Helga” fielen bei der Geburtsszene so viele Zuschauer in Ohnmacht, dass das Deutsche Rote Kreuz bei den Vorführungen anwesend sein musste.

Und ein paar Jahre nach dem Oberhausener Manifest, das ein zeitgemäßes Kino forderte, zeigte Alexander Kluge seinen ersten Spielfilm “Abschied von Gestern“. Volker Schlöndorff ließ sich für “Mord und Totschlag” vom amerikanischen Gangsterfilm inspirieren. Der junge deutsche Film jener Zeit war ernst, kopflastig und prätentiös.

Lässig und frech statt ernst und kopflastig

Zur Sache Schätzchen” war anders. Die damals 26 Jahre alte May Spills und ihr Hauptdarsteller Werner Enke gehörten zur Münchner Gruppe um Klaus Lemke und Rudolf Thome, die lässige, antiautoritäre Filme drehten, die auf der Strasse spielten, schnelle Autos und rätselhafte Frauen zeigten und von der Nouvelle Vague beeinflusst waren.

Nicht die episodische Geschichte, sondern die Dialoge machen den Reiz des schwarzweißen Films aus: Sprüche, Wortspiele, Wortschöpfungen und ironische Wendungen. May Spills drehte im Sommer 1967 in Schwabing und zeigt ein kleinstädtisches München: Kinder in Lederhosen, Männer unter dunklen Hüten, an grau verputzten Hauswänden hängen Emaille-Werbeschilder, Passanten schauen erstaunt in die Kamera und auf Parkbänken schwatzen Hausfrauen mit Kopftuch.

Tatsächlich rebellierten im Juli 67 Tausende von Münchner Studenten gegen den Schah-Besuch den schmutzigen Vietnamkrieg, es gab Teach- und Sit-ins und Schweigemärsche zu Ehren des in Berlin erschossenen Benno Ohnesorg.

Uschi Glas wird als Schätzchen berühmt

Zugleich gründete der 27-jährige Rainer Werner Fassbinder sein “Action Theater” in einem Münchner Hinterhof.
Quelle: kulturWelt
04.01.2018 kulturWelt, www.br.de/radio/bayern2
von Kirsten Martins

 

Zur Sache, Schätzchen ist eine deutsche Filmkomödie von May Spils aus dem Jahr 1968

 

Die weibliche Hauptrolle spielte Uschi Glas, die männliche Werner Enke. Der am 4. Januar 1968 uraufgeführte Film zählte zu den kommerziellen Erfolgen des „Jungen Deutschen Films“. Er beeinflusste die Umgangssprache, unter anderem mit Begriffen wie „fummeln“, „Dumpfbacke“ sowie „tüllich“ als umgangssprachliche Kurzform von „natürlich“. In den USA lief er unter dem Titel Go for it, Baby.

Martin lebt in München-Schwabing ziel- und sorglos in den Tag hinein. Er verdient sein Geld mit dem Texten von Schlagern für seinen Auftraggeber Block. Selbst ein Einbruch, den er zufällig beobachtet, interessiert ihn nicht sonderlich.

Erst sein Freund Henry überredet ihn, die Tat bei der Polizei zu melden. Auf dem Polizeirevier legt er jedoch eine solche Lustlosigkeit bezüglich der Aufklärung an den Tag, dass er selbst verdächtig erscheint. Dank der flotten Barbara, die er kurz zuvor kennengelernt hat, kann er aber zunächst entkommen; sie lenkt die Polizisten durch einen Striptease ab.

Später wird Martin gestellt, aber sein Verhalten hat sich nicht verändert. Vor den Augen des Polizisten, der ihn verhaften will, hantiert er gelangweilt mit einer Pistole, beteuert aber gleichzeitig, diese sei nicht geladen. Der verunsicherte Polizist feuert schließlich einen Schuss auf ihn ab, doch selbst das kann Martin nicht aus der Ruhe bringen. Er gratuliert dem Polizisten zu dessen Glück, dass es nur ein Streifschuss war.

Zur Sache, Schätzchen ist der Beginn eines spontan gedichteten Vierzeilers, mit dem Martin seine Tätigkeit als Schlagertexter selbst parodiert:
„Zur Sache, Schätzchen /
mach’ keine Mätzchen /
komm’ ins Bettchen /
rauchen wir noch’n Zigarettchen.“

Laut Drehbuch sollte Martin – ähnlich wie Jean-Paul Belmondo in Außer Atem – von einem Polizisten erschossen werden. Als kurz nach Beginn der Dreharbeiten am 2. Juni 1967 Benno Ohnesorg von einem Polizeibeamten erschossen wurde, änderte man das Filmende, weil die Filmemacher „nicht die Realität abbilden wollten“.

Der Text, den Martin schließlich bei seinem Auftraggeber abliefert, spiegelt die lakonische Haltung des Antihelden. Block will das Ganze als Seemannslied vermarkten:

„Alter Junge, zieh’ kein Gesicht, geh’ still in die Koje und frage dich nicht, nach diesem und jenem und was es auch sei, am Ende ist doch alles einerlei.“

Literatur

Heiko Stoff: ‘Ungeheuer schlaff‘. Der Film ‚Zur Sache, Schätzchen‘ (1968) – Über Leistungsdenken und Gedankenspiele. In: Zeithistorische Forschungen. 11, Heft 3, 2014, S. 500–507.
Lisa Wawrzyniak, Reinhold Keiner: Zur Sache, Schätzchen. Die klassische Komödie des ‘Jungen Deutschen Films’. MEDIA Net-Edition, Kassel 2011, ISBN 978-3-939988-02-1. (Mit einer protokollarischen Drehbuchfassung des Films)
Quelle: Wikipedia

 

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Zur Sache Schätzchen | Deutscher Trailer | YouTube

Zur Sache Schätzchen