Filmtipp: Es geschah am hellichten Tag. ARTE Ausstrahlung: Sonntag, 18. Februar um 20:15 Uhr, 96 Min. Der Hausierer Jacquier findet im Wald eine Leiche

Filmtipp: Es geschah am hellichten Tag. ARTE Ausstrahlung: Sonntag, 18. Februar um 20:15 Uhr, 96 Min. Der Hausierer Jacquier findet im Wald eine Leiche

Zitat: Der Hausierer Jacquier findet im Wald eine Leiche. Auf den Verdacht der Dorfbewohner hin wird er des Mordes beschuldigt und verhaftet. Er begeht im Gefängnis Selbstmord. Matthäi, der in dem Mord ermittelt, hat Zweifel an Jacquiers Schuld. Durch psychologisches Kommunikationsgeschick gelingt es ihm, eine neue Fährte zu verfolgen und dem Serienmörder eine raffinierte Falle zu stellen.

Es geschah am hellichten Tag ist ein schweizerisch-deutsch-spanischer Spielfilm aus dem Jahr 1958 von Ladislao Vajda nach einem Drehbuch, das Vajda und Hans Jacoby mit Friedrich Dürrenmatt nach dessen Idee geschrieben habeMordn. Dürrenmatt schrieb dann seinen Kriminalroman Das Versprechen noch im selben Jahr.

Dieser wurde aber erst veröffentlicht, nachdem der Film im Kino gelaufen war. Die Uraufführung fand am 4. Juli 1958 im Rahmen der 8. Berlinale statt. Der Film wurde von der Schweizer Praesens-Film AG in Zusammenarbeit mit der CCC-Film aus Berlin und der Chamartín SA aus Madrid produziert und in der Schweiz gedreht.

Produktionsland: Schweiz, Deutschland, Spanien
Originalsprache: Deutsch
Erscheinungsjahr: 1958
Länge: 95 Minuten
Altersfreigabe: FSK 12
Herkunft: ARD

Regie: Ladislao Vajda
Drehbuch: Friedrich Dürrenmatt, Hans Jacoby, Ladislao Vajda
Produktion: Lazar Wechsler
Musik: Bruno Canfora
Kamera: Heinrich Gärtner, Ernst Bolliger
Schnitt: Hermann Haller

Besetzung

Heinz Rühmann: Oblt. Dr. Hans Matthäi
Gert Fröbe: Schrott
Sigfrit Steiner: Feller
Siegfried Lowitz: Lt. Henzi
Michel Simon: Jacquier
Heinrich Gretler: Polizeikommandant
Berta Drews: Frau Schrott
Ewald Balser: Prof. Robert Manz
Maria Rosa Salgado: Frau Heller
Anita von Ow: Annemarie Heller
Barbara Haller: Ursula Fehlmann
Emil Hegetschweiler: Gemeindepräsident
Hans Gaugler: Herr Moser
Ettore Cella: Tankstellenbesitzer
Margrit Winter: Frau Moser
Anneliese Betschart: Lehrerin
Max Knapp: Landwirt
Max Haufler: Wirtshausbesucher

Story

Dr. Matthäi von der Zürcher Kantonspolizei soll in Jordanien die dortige Polizei ausbilden. Kurz vor seiner Abreise erhält er einen Anruf des Hausierers Jacquier. Dieser hat im Wald von Mägendorf, einem kleinen Ort nahe Zürich, die Leiche des kleinen Mädchens Gritli Moser gefunden.

Matthäi fährt nach Mägendorf, nimmt den Hausierer mit, und dieser zeigt den Polizisten den Fundort. Matthäi geht zu Gritlis Eltern und verspricht der Mutter bei seiner Seligkeit, den Mörder Gritlis zu finden. Bei seinen Ermittlungen in der Volksschule zeigt ihm Gritlis Freundin ein Bild, das Gritli gemalt hatte.

Auf dem Bild sind ein Riese, ein kleines Mädchen, mehrere Igel, ein Kasperle, ein Auto und ein merkwürdiges Tier mit Hörnern zu sehen. Doch zunächst kann Matthäi diese Darstellungen nicht in einen Zusammenhang mit dem Verbrechen bringen.

Die Dorfbewohner halten Jacquier für den Mörder. Dieser sei beobachtet worden, außerdem führe er Rasiermesser mit sich, wie eines für die Tat verwendet worden sein könnte. Leutnant Henzi, Matthäis Mitarbeiter und Nachfolger, kann dann auch in einem harten, mehrstündigen Verhör Jacquier dazu bringen, die Tat zu gestehen.

In der Nacht darauf erhängt sich der Hausierer in seiner Zelle. Matthäi glaubt nicht an seine Schuld. Zwei weitere Morde dieser Art sind vor längerer Zeit begangen worden. Er glaubt an einen Zusammenhang. Möglicherweise handelt es sich um einen Serientäter.

Am nächsten Tag will Matthäi nach Jordanien fliegen und steigt ins Flugzeug. Er nimmt neben einem Mann Platz, der Schokotrüffel verspeist, die ihn an kleine Igel erinnern. Er wittert eine neue Spur, entreißt dem Mann die Trüffel und verlässt wieder das Flugzeug.

Matthäi bespricht sich mit dem Psychiater Professor Manz, einem alten Freund, und zeigt ihm die Zeichnung. Manz erklärt dem Polizisten, dass sich hinter dem von dem Mädchen Gezeichneten reale Ereignisse und Personen verbergen müssen.

Der Psychiater glaubt, dass der Mörder einen Hass auf Frauen habe und es sehr wahrscheinlich sei, dass er weitere Morde begehen werde. Außerdem vermutet er, dass der Mörder wohl keine Kinder habe, da er sonst zu solch einer Tat nicht fähig wäre.

Matthäi untersucht die Orte, wo die beiden anderen Mädchen vor Jahren ermordet wurden, und erkennt mit Hilfe einer Landkarte, dass die Verbrechen alle unweit einer Landstraße, die in den Kanton Graubünden führt, begangen wurden.

Graubünden trägt einen Steinbock im Wappen, er assoziiert dies mit dem „seltsamen Tier mit Hörnern“ auf Gritli Mosers Bild. Er konzentriert sich nun auf große schwarze Autos, wie in Gritlis Zeichnung, mit Bündner Kennzeichen. Seine Vermutung ist, dass der Mörder diese Straße mit seinem Auto des Öfteren benutzt.

Er mietet sich eine Tankstelle an der Landstraße von Chur nach Zürich und stellt eine junge Frau als Haushälterin ein, welche eine Tochter in Gritli Mosers Alter hat, die ihr auch äußerlich ähnelt. Sein Plan ist, die kleine Annemarie als Köder zu benutzen, um den wahren Mörder in eine Falle zu locken.

Der großbürgerlich lebende Geschäftsmann Schrott sieht sich seiner herrischen Ehefrau ausgeliefert. Eines Tages fährt er an der Tankstelle vorbei und sieht die kleine Annemarie nahe der Landstraße spielen.

Tage später lauert er ihr im Wald auf und zeigt ihr seine Kasperle-Puppe, so dass sie schnell Vertrauen zu ihm fasst. Sie muss ihm aber versprechen, nichts von der Begegnung zu erzählen, da er andernfalls nicht mehr zaubern könne.

Eines Tages kommt Annemarie verspätet von der Schule nach Hause. Matthäi findet bei ihr Schokoladentrüffel, die wie kleine Igel aussehen. Demnach muss der „Riese mit den Igeln“, Gritli Mosers Mörder, sich mit Annemarie getroffen haben.

Nachdem sie sich zunächst sträubt, erzählt ihm Annemarie dann von dem „Zauberer“, dem sie begegnet sei. Matthäi bereitet eine Falle vor, um den Mörder zu stellen.

Tatsächlich taucht Schrott mit seinem Wagen wieder auf und sucht Annemarie im Wald. Als er die von Matthäi in eine Erdmulde gelegte Puppe mit Annemaries Kleidern erblickt, glaubt er das tote Kind zu sehen und schreit vor Schreck laut auf.

Daraufhin tritt Matthäi hinter einem Baum hervor und geht langsam auf Schrott zu. Dieser verliert die Nerven, greift zu seinem Rasiermesser und eilt auf Matthäi zu im Glauben, dieser habe Annemarie getötet.

Matthäi stolpert, als er zurückweicht, und Schrott stürzt sich auf ihn. Aber die zuvor verständigten Kollegen der Polizei können ihn durch gezielte Schüsse davon abhalten, Matthäi weiter zu verletzen.

Matthäi, der nur leicht verletzt ist, hört Annemaries Stimme, wie sie den Zauberer ruft. Er nimmt die Kasperle-Puppe und geht ihr entgegen, damit sie den Angeschossenen nicht sehen muss.

Er zeigt ihr, dass auch er mit der Puppe zaubern kann, und Annemarie denkt gar nicht mehr an den anderen Zauberer. Schließlich kommt ihre Mutter, die erleichtert ist, dass der Tochter nichts zugestoßen ist.

Entstehungsgeschichte

Im Mai 1957 erhielt Dürrenmatt vom Schweizer Filmproduzenten Lazar Wechsler den Auftrag, das Drehbuch für einen Kinofilm zu schreiben. Es sollte darin um Sexualverbrechen an Kindern gehen. Dürrenmatt nahm den Auftrag an und verfasste die Vorlage zum späteren Filmdrehbuch.

Die Dreharbeiten mussten immer wieder verschoben werden, zuletzt auf Februar 1958. Regisseur Wolfgang Staudte und der vorgesehene Hauptdarsteller Martin Held waren für diese Zeit schon besetzt.

So verpflichtete man Ladislao Vajda und Heinz Rühmann, der zur Bedingung machte, dass Hans Jacoby am Drehbuch mitwirken sollte. Dürrenmatt war mit dem von Staudte vorgeschlagenen Filmtitel nicht einverstanden.

Seine eigenen Vorschläge (Gott schlief am Vormittag und Schrott geht bummern) wurden jedoch von den Geldgebern abgelehnt. Auch von dem Film selbst war er nicht besonders begeistert: „Man hätte ruhig frecher und burlesker sein dürfen.

Rühmann ist mir zu bürgerlich, zu wenig von der Idee besessen.“ Zudem gefiel ihm nicht, dass der Mörder am Ende gefasst wird. Der Schriftsteller fragte sich, ob so ein Fall überhaupt realitätsnah sei.

Aus diesem Grunde schrieb Dürrenmatt auf der Grundlage seines eigenen Filmskripts den Kriminalroman Das Versprechen, den er selbst als „Requiem auf den Kriminalroman“ bezeichnete, da er sich über die gängigen Regeln eines Krimis hinwegsetzte und eine völlig andere Richtung einschlug.

Während Kommissär Matthäi mit seinen Ermittlungen im Film Erfolg hat, verliert der Protagonist Matthäi in der Erzählung wegen seiner vergeblichen Suche nach dem Mörder den seelischen Halt.

Neuverfilmungen

Der Filmstoff wurde später noch mehrmals verfilmt:

1979 wurde unter der Regie von Alberto Negrin eine italienische Fernsehverfilmung produziert (La Promessa, mit Rossano Brazzi, Raymond Pellegrin, Macha Méril) mit einer Erzählstruktur wie im Roman (ohne Happy End); der Kommissar wird am Ende wahnsinnig, die Handlung wurde in die 1970er Jahre verlegt.

1990: Szürkület (deutsch etwa Dämmerung, ungarischer Spielfilm von György Fehér).

1996 drehte der Regisseur Rudolf van den Berg ein Remake unter dem deutschen Titel Tod im kalten Morgenlicht (In the Cold Light of Day) mit Richard E. Grant in der Hauptrolle. Der Film spielt im ehemaligen Ostblock, am Ende erschießt die Mutter den Mörder.

1997 drehte Regisseur Nico Hofmann eine zweiteilige Neuverfilmung des Stoffes für Sat.1 mit Joachim Król als Kommissar Matthäus und Axel Milberg als Schrott.

2001 wurde Das Versprechen (The Pledge) von Sean Penn verfilmt mit Jack Nicholson als Kommissar, in weiteren Rollen sind Benicio Del Toro, Robin Wright Penn, Helen Mirren und Patricia Clarkson zu sehen. Der Film orientiert sich an dem von Dürrenmatt gewünschten Ende.

Anmerkungen

Die Darstellung des Kindermörders Schrott verhalf Gert Fröbe zu seiner Rolle als James-Bond-Bösewicht Auric Goldfinger.

2009 veröffentlichten Arthaus und Kulturspiegel Es geschah am hellichten Tag in ihrer Reihe „Edition Deutscher Film“ (Nr. 11):

Drehorte und Requisiten

Ein Teil des Filmklassikers wurde 1958 in Bonstetten im Gasthaus zum Löwen gedreht.

Die Gaststätte mit der Aufschrift Graubünden liegt an der Tardisbrücke über den Rhein bei Landquart. Die im Film gezeigte Stahlbrücke wurde 2001 durch eine Neukonstruktion ersetzt.

Die SOCAL-Tankstelle ist in Wahrheit ein Bauernhof bei Trimmis (Deutsche Straße), der für die Dreharbeiten vom örtlichen Schreiner umgestaltet wurde.

Die Szenen, in denen Matthäi auf Annemarie Heller trifft, wurden in Trimmis gedreht. Bei dem Gespräch mit dem Dorfkaufmann ist im Hintergrund die evangelisch-reformierte Kirche zu sehen. Auch der Dorfbrunnen, an dem Annemarie mit ihrer Puppe spielt, befindet sich dort.

Die Szenen, in denen Schrott im Wald auf Annemarie trifft, wurden im Fürstenwald bei Chur gedreht.

Das Haus, in dem Schrott wohnt, steht in Chur (Obere Plessurstrasse).
Die schwarze Limousine von Schrott, ein Buick Special Serie 40, wurde für die Filmarbeiten von einem Taxiunternehmen in Chur gemietet.

Literatur

Friedrich Dürrenmatt: Das Versprechen. Requiem auf den Kriminalroman. In: Drei Kriminalromane: Der Richter und sein Henker. Der Verdacht. Das Versprechen. Diogenes Verlag, Zürich 2004, ISBN 3-257-05702-4 oder ISBN 978-3-257-05702-7 (537 Seiten).
Oliver Möbert: Intertextualität und Variation im Werk Friedrich Dürrenmatts: Zur Textgenese des Kriminalromans „Das Versprechen“ (1957/58) unter besonderer Berücksichtigung des Spielfilms „Es geschah am hellichten Tag“ (CH/D/E, 1958). Peter Lang Verlag, Frankfurt am Main, 2011, ISBN 3-6316-1123-4.
Florian Schwarz: Der Roman „Das Versprechen“ von Friedrich Dürrenmatt und die Filme „Es geschah am hellichten Tag“ (1958) und „The Pledge“ (2001). Lit Verlag Hopf, Münster 2006, ISBN 3-82589299-9.
Luis Bolliger, Ernst Buchmüller (Hgg.), Friedrich Dürrenmatt, Heinz Rühmann et al.: Play Dürrenmatt. Ein Lese- und Bilderbuch. Diogenes, Zürich 1996, ISBN 3-257-06095-5 (325 Seiten).
Gregor Ball, Eberhard Spiess, Joe Hembus (Hrsg.): Heinz Rühmann und seine Filme. Goldmann, München 1985, ISBN 3-442-10213-8.
Hans Hellmut Kirst, Mathias Forster et al.: Das große Heinz Rühmann Buch. Naumann & Göbel / VEMAG, Köln o.J., ISBN 3-625-10529-2.
Es geschah am hellichten Tag: efter en idé af Friedrich Dürrenmatt / ved Lars Bardram og Bent Lantow. Gad, København 1992, ISBN 87-12-18270-2 (enthält im Wesentlichen das Drehbuch).

Weblinks

ARTE: Kultfilme, Autorenfilme, Stummfilme – Entdecken Sie die Vielfalt des ARTE-Filmangebots
Wikipedia-Info: Es geschah am hellichten Tag
Informationen über Drehorte und Requisiten in der NZZ Online vom 3. August 2008
Amazon Buchkatalog Es geschah am hellichten Tag
Amazon DVD-Katalog Es geschah am hellichten Tag
Werke (Verzeichnis) Friedrich Dürrenmatt

VinTageBuch Tipp

Intertextualität und Variation im Werk Friedrich Dürrenmatts: zur Textgenese des Kriminalromans “Das Versprechen” (1957/58) … “Es geschah am hellichten Tag” (CH/D/E, 1958) von Oliver Möbert
Gebundene Ausgabe: 555 Seiten
Peter Lang Verlag
Internationaler Verlag der Wissenschaften
ISBN-13: 978-3631611234
Gebundene Ausgabe EUR 91,95

Zitat: 1958 erlebt der Film Es geschah am hellichten Tag seine umjubelte Premiere. Unmittelbar darauf erscheint Friedrich Dürrenmatts dritter Kriminalroman Das Versprechen, nach offizieller Lesart die Vorlage des Films, allerdings mit gänzlich anderem Inhalt.

Das zeitgenössische Publikum reagiert verstört und verärgert. Die Gründe für dieses Kuriosum erschließen sich zunächst nicht, auf jeden Fall handelt es sich weder um eine «Literaturverfilmung» noch um das heutzutage sehr populäre «Buch zum Film».

Diese Arbeit zeigt die intertextuellen Bezüge dieser ersten, genuin filmischen Arbeit des Autors ebenso auf wie sie die intermedialen Aspekte dieses meistverfilmten und mittlerweile auch vom Theater adaptierten Stoffes Dürrenmatts beleuchtet.

Es zeigt sich, dass die später verworfene, nie veröffentlichte und daher nahezu unbekannte Filmerzählung in literarischer Hinsicht den Roman weit übertrifft. Der Roman muss in seiner Funktion eines «Gegenentwurfs» zum Film völlig neu bewertet werden.

In das Buch aufgenommen sind eine Abschrift der lückenlos erhaltenen Studio-Tagesrapporte, 30 Reproduktionen bisher unveröffentlichter Textzeugen, drei Grafiken, fünf Plakatentwürfe sowie 52 Standbilder und Werkfotografien der Dreharbeiten des Films.

 

 

Amazon Buchkatalog Es geschah am hellichten Tag
Amazon DVD-Katalog Es geschah am hellichten Tag
Werke (Verzeichnis) Friedrich Dürrenmatt