Ein richtig falsches Leben von Jakob Bodan: Vom Leben eines RAF-Terroristen im Untergrund

Das LKA Niedersachsen hat soeben die Suche nach den seit Jahrzehnten gesuchten RAF-Terroristen Staub, Klette und Garweg mit neuen Fahndungsaufrufen verstärkt.

Wer den Gesuchten nahe kommen will, sei der aktuelle Roman von Jakob Bodan Ein richtig falsches Leben empfohlen. Er schildert auf beeindruckende Weise das Leben der Terroristen im Untergrund.

“Dies könnten auch Ihre Nachbarn sein”, schreibt die Polizei. Der Name des Verfassers ist das Pseudonym eines namhaften Autors, der jahrelang das Thema RAF recherchiert hat:

 

Ein richtig falsches Leben
von Jakob Bodan
Klappenbroschur: 384 Seiten
Droemer Knaur TB Verlag
(3. Juni 2019)
ISBN-13: 978-3426307113
Broschiert EUR 14,99
E-Book EUR 12,99

 

Zur Verlagsinfo
Ein richtig falsches Leben
von Jakob Bodan
.

Leseprobe
Ein richtig falsches Leben
von Jakob Bodan

.

 

Ein richtig falsches Leben von Jakob Bodan
bewerte ich wie folgt (maximal 10 Punkte):
Handlung, Thema: 10 (+) Punkte
Sachbuch (Politischer Roman und Gegenwartsliteratur): 10 Punkte
Schreibstil: 10 Punkte
Fazit: Unaufhaltsam drängen die Geheimnisse der Vergangenheit ans Licht und vermengen sich mit den Verstrickungen der Gegenwart. Eine unheilvolle und tödliche Allianz

 

BuchzitatDie dritte Generation der RAF wollte das Ende der DDR rächen. Ihre Anschläge – auf Alfred Herrhausen und andere – wurden niemals aufgeklärt. Bis heute leben die Mörder im Untergrund. Aber wie sie leben

Frederic ist einer von ihnen und hält es nicht mehr aus – bis ihn ein Radunfall Constanze vor die Füße wirft.

Die alleinerziehende Mutter ist traumatisiert vom Attentat der RAF auf ihren Vater vor bald zwanzig Jahren.

Die Täter wurden bis heute nie gefasst. Auch sie will die Vergangenheit endlich überwinden.

Je näher sich Frederic und Constanze kommen, desto tiefer entfalten sich die Abgründe zwischen ihnen. In Constanze keimt der schreckliche Verdacht: war Frederic am Anschlag beteiligt?

Beide ahnen, dass eine echte Beziehung zwischen ihnen nur auf dem Fundament der Wahrheit wachsen kann. Wahrheit aber bedeutet für Frederic Verrat an seinen alten Gefährten.

Und auch diese tauchen aus dem Leben im Untergrund wieder auf – einschließlich seiner ehemaligen Kampfgenossin Mar­lene.

 

Jakob Bodan ist ein Schriftsteller und Filmemacher. Einige Male hat ihn der Atem der Geschichte aus der Nähe gestreift, nicht zuletzt der Terrorismus der RAF. So folgt er der Maxime: Wovon man nicht schweigen darf, davon muss man schreiben. Aufgewachsen in den Voralpen, lebt er zur Zeit in Monterey und Moabit.

 

Die Liebe und das Böse

Jakob Bodan im Gespräch

 

In Ein richtig falsches Leben spielen Frauen eine entscheidende Rolle – auf der Seite der Opfer wie der Täter, auch als Rivalinnen. Ein politischer Frauenroman?

Der Gedanke kam mir erst, als der Roman fertig war. Ganz abwegig ist er nicht. In der Tat sind Frauen die kräftigsten Figuren. Tatsächlich spielen Frauen – anders als in der ersten RAF-Generation – die führende Rolle in der dritten.

Die RAF war auch eine Gemeinschaft von Männern und Frauen, mit allem, was dazugehört. Seit Andreas Baader und Gudrun Ensslin spielten Beziehungen eine nicht zu unterschätzende Rolle. Zumal selbst die Liebe vom Kollektiv geregelt war – was natürlich nicht klappte.

Täterinnen und Opfer auf einer moralischen Ebene?

Das Leid der Opfer ist das eine. Interessanter ist, wie die Verbrechen die Überlebenden deformieren. Constanze, die Tochter eines Ermordeten, ist für ihr Leben traumatisiert. Sie kann zum Beispiel nie mehr unbeschwerten Sex haben. Sie hat ein ungestilltes Rachebedürfnis.

Die beiden Triebe – Liebesbedürfnis und Zorn – kommen einander in die Quere, verschmelzen sogar. Das ist der emotionale Kern der Romans.

Relativieren Sie damit nicht die Schuld?
Verharmlosen Sie die Terroristen?

Sie leiden ja auch. Das ist ein Paradox sondergleichen: Sie wollen dem falschen bürgerlichen Leben entkommen und landen dabei in einer bürgerlichen Hölle.

Das nämlich ist der Preis für das Leben im Untergrund. Es bedeutet nichts anderes als totale Anpassung an ihre verhasste Umgebung. Unerkennbar bleiben verlangt einen hohen Preis.

Wer sich davon befreien will wie Frederic im Roman riskiert Freiheit und Leben.

Warum schreiben Sie einen Roman über Verbrechen, die vor einem
Vierteljahrhundert verübt wurden?

Die terroristische Bedrohung heute ist größer als damals.

Der Roman ist alles andere als eine Geschichtsstunde. Die gibt es allenfalls gratis dazu. Es geht mir nicht um die Aufarbeitung vergangener terroristischer Verbrechen. Wie sollte ich auch leisten, was der Polizei bisher nicht gelang?

Der Roman ist keine journalistische Arbeit sondern Literatur. Er zeigt, wie die Ereignisse bis heute nachwirken. Er spielt überwiegend heute.

Inwiefern hat sich der Staat schuldig gemacht?

Wer will, kann meinen Roman auch als politischen Kommentar lesen. Der Staat hatte kein Interesse mehr an der reinen Wahrheit über die Taten der RAF als die DDR zusammenbricht. Die Innere Einheit besitzt nun Vorrang vor der Aufklärung der Rolle der DDR in der Geschichte der RAF.

Noch einmal: Was trägt Ihr Roman zur Aufklärung bei?

Ein Roman beschreibt die Ausweglosigkeit seiner Figuren. Er sieht die Wirklichkeit aus den Augen seiner Protagonisten. Es geht mir nicht um die juristische Feststellung von Schuld, sondern um Verantwortung.

Der Verstrickung von Menschen gilt mein Interesse.

Da, wo die Fakten enden, beginnt erst die Arbeit des Autors. Er benötigt Wissen als Fundament seiner Intuition. Ein Roman leistet weniger als die Justiz und gleichzeitig viel mehr. Wobei in diesem Fall die Justiz fast gar nichts geliefert hat.

Woher haben Sie Ihr Wissen?

Ich war nicht persönlich beteiligt, weder auf der einen noch auf der anderen Seite. Aber ich war nahe dran. Zum Beispiel in der Nacht, als die LH in der Hand palästinensischer Terroristen war. Es gab eine Nachrichtensperre in Bonn, aber ich hatte Zugang zu einer anderen Quelle.

Später besuchte ich z.B. die einzige überlebende Terroristin, Souhaila Andrawes, als sie in Oslo untergetaucht war. Ich kannte Opfer wie Herrhausen und Beckurts, sprach mit Angehörigen, verantwortlichen Politikern und Polizisten.

 

Ein richtig falsches Leben von Jakob Bodan
(© Cover & Inhaltsangaben: Droemer Knaur Verlag)