Mein Main-Wanderweg: Auf Schusters Rappen entlang dem Main: Ochsenkopf bis zum Main, Gerolzhofen bis Wertheim, Wertheim bis Mainz

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Mein Main-Wanderweg

I. Auf Schusters Rappen entlang dem Main:
vom Ochsenkopf
bis zum Main

II. Main-Wanderung in Tagesetappen von Gerolzhofen bis Wertheim

III. Main-Wanderung in Tagesetappen von Wertheim bis Mainz

I. Auf Schusters Rappen entlang dem Main:
vom Ochsenkopf
bis zum Main

Die Wanderfreunde die mich begleiten sind:

meine Frau, die sehr viel Erfahrung und Ausdauer im Wandern hat, Hans, auch er hat schon Erfahrung, ist er doch im vergangenen Jahr mit mir durch die Rhön gewandert außerdem unser Anfänger im Wandern, der Bruder von Hans, nämlich Ludwig sowie ein früherer Arbeitskollege von mir, der Rudolf.

Mal sehen ob aus den Neulingen zwei richtige Wanderer werden.

Erster Teil der Main-Wanderung vom Ochsenkopf bis Gerolzhofen

1. Tag: 08.05.1983

Tour 1, Tag 1: Bischofsgrün – Ochsenkopf – Weißmainquelle – Main-Wanderweg – Himmelkron – Bad Berneck

Pünktlich wie vereinbart erscheinen alle bei mir mit ihren Rucksäcken, um einmal acht Tage zu entschleunigen und nur zu wandern.

Durch eine letzte Inspektion der Rucksäcke stelle ich fest, dass es Rudolf doch zu gut gemeint hat und zu viel Gepäck dabei hat.

Meine Tochter Petra und deren Freund fahren uns um 7:00 Uhr mit zwei Pkws in Richtung Bischofsgrün zum Ochsenkopf. Ein wenig betrübt sind wir doch, denn das Wetter sieht nicht so rosig aus wie wir es uns gewünscht hatten.

Doch wir denken uns: „für einen echten Wanderer gibt es kein schlechtes Wetter, sondern nur schlechte Kleidung!“ Unsere Neuen sollen ruhig mal merken, dass das Wandern zwei Seiten hat.

Um 8:45 Uhr sind wir außerhalb von Bischofsgrün an einem Waldparkplatz angelangt. Bis 9:30 Uhr brauchen wir noch, um ein Foto zu knipsen und uns fertig zu machen.

Dann geht es endlich los: über den Ochsenkopf zur Weißmainquelle, den Main-Wanderweg entlang bis nach Gerolzhofen in Unterfranken.

Nach einem steilen Aufstieg erreichen wir die Weißmainquelle. Bis jetzt hat sich das Wetter noch nicht wesentlich geändert.

Es ist immer noch neblig über den Bäumen und hat leichten Nieselregen, aber was soll´s, wir sind alle guter Hoffnung, dass sich das Wetter bald bessert.

Noch einige Fotos, dann geht es den Fluss entlang Richtung Bischofsgrün. Wir sind begeistert wie klar das Wasser sich den Berg hinab durch den Wald und die Felsen schlängelt.

Hier wird doch manchem von uns der die Natur liebt bewusst, welch eine Harmonie zwischen Mensch und Natur besteht. Nach einer Wegverfehlung erreichen wir gegen 12:30 Uhr Bischofsgrün.

Unterwegs hatten wir bereits eine Wandergruppe von neun Personen, die gerade eine Rast einlegten, getroffen. Unser Weg geht weiter nach Bad Berneck bis Himmelkron.

Hier wird unser erstes Etappenziel sein. Inzwischen haben sich der Nieselregen, sowie der Nebel verzogen. Wir haben jetzt den schönsten Sonnenschein, wie wir ihn uns als Wanderer nur wünschen können.

Unsere Anfänger haben inzwischen ihrem leiblichen Wohl von den mitgenommenen Broten kräftig zugesprochen. Vielleicht aus Gewichtsgründen oder aus Gewohnheit, wer weiß?

Mal sehen wie es weiter geht. Bis jetzt sind alle frohgelaunt und guter Dinge, so erreichen wir kurz vor Bad Berneck die Wandergruppe wieder, der wir in Bischofsgrün bei ihrer Rast begegneten.

Ein Zeichen, dass wir trotz Irrweg einen guten Schritt drauf hatten. Doch auch wir werden langsam Mürbe, denn Bergauf und – ab geht ganz schön in die Knochen.

Da es an der Zeit ist, beschließen wir in Bad Berneck eine Rast einzulegen. Frisch gestärkt ziehen wir um 15:00 Uhr weiter, aber die Rast hat uns ermüdet und so bewahrheitet sich das Sprichwort wieder „wer rastet, der rostet“.

Kurz nach dem Ort geht es gleich steil bergauf. Von einer Gartenlaube aus weht und Kaffeeduft um die Nase, der uns müde Wanderer etwas ermuntert.

Bis wir in Himmelkron eintreffen ist es 17:30 Uhr. Wir finden auch gleich eine Unterkunft für diese Nacht, in der wir alle fünf unterkommen.

Nachdem wir alle geduscht und uns erfrischt haben gehen wir zum Essen in ein nahe gelegenes Gasthaus. Auf dem Weg dorthin, begegnen wir der Wandergruppe von heute Vormittag wieder. Ich glaube die werden uns noch des Öfteren über den Weg laufen.

Ein gutes Zeichen für unsere Anfänger, das uns zeigt, wie fit sie doch trotz der ersten 29 km sind. So haben wir diese Gruppe trotz Irrwege doch um eine Stunde geschlagen.

Der Himmel hat sich inzwischen bewölkt, auf dem Weg zum Gasthaus beginnt es zu regnen. Nach einem guten Essen beschließen wir uns zur Ruhe zu begeben, denn bis Gerolzhofen steht uns noch allerhand bevor,

Auch wenn die andere Wandergruppe, die in der Wirtschaft in der wir gegessen haben übernachtet, uns hänselt ob wir immer mit den Hühnern ins Bett gehen würden.

2. Tag: 09.05.1983

Tour 1, Tag 2: Bad Berneck – Plassenburg – Kulmbach – Burghaig – Altenkunstadt – Baiersdorf

Um 6:30 Uhr stehe ich auf um die anderen zu wecken. Nach der Fußpflege von Ludwig, es sind die ersten Anzeichen Blasen, nehmen wir unser Frühstück ein, das sehr reichhaltig ist. Gut gestärkt und froh gelaunt wandern wir um 8:15 Uhr weiter.

Im Ort treffen wir die Wandergruppe vom Vortag, wobei wir fünf uns nach einem kurzen Gespräch trennen, da wir doch etwas schneller laufen. Mal sehen ob wir die heute Abend in Altenkunstadt wieder treffen, denn dort soll für heute unser Etappenziel sein.

So schreiten wir zügig voran. Der Main, dessen Flussbett wir folgen, wird zusehends breiter, wenn er auch noch ziemlich flach dahin fließt.

Gegen 11:15 Uhr erreichen wir die Plassenburg vor der Bierstadt Kulmbach. Rudolf muss eine Pause einlegen, da er Schwierigkeiten mit seinem Knie bekommt.

Auch Irmgard hat leichte Kniebeschwerden. Ludwig und ich gehen derweil voraus zur Burg. Nun teilt mir auch Ludwig mit, dass sein rechter Fuß brenne, aber meinen Vorschlag einmal nachzusehen lehnt er ab. Es wäre ja nicht so schlimm.

Mit den anderen gemeinsam genießen wir den Rundblick von der Burg und ziehen dann weiter ins Tal, runter nach Kulmbach. Ich freue mich schon auf ein echtes Kulmbacher Pils.

Leider drängt Ludwig zum weiter gehen, worüber ich mich ein wenig ärgere, da man schließlich in einer Bierstadt ist und ich Durst habe.

Na ja, dann geht es halt weiter. Nach einigem weiter wandern bekommen auch die anderen Durst, doch jetzt müssen wir weiter bis wir ein Gasthaus erreichen.

Unsere Knochen werden langsam müde, denn es ist zudem ganz schön Warm geworden. So erreichen wir Burghaig, wo wir in einer gemütlichen Wirtschaft erst mal unseren Durst stillen.

Dazu gibt es unsere mitgebrachten Stullen, die uns gut munden und zudem das Gewicht unseres Rucksacks erleichtern.

Frisch gestärkt ziehen wir weiter nach Altenkunstadt und alle sind wie aufgezogen. Hans macht seine lustigen Witze, die uns alle immer wieder zum Lachen bringen, dazu vollziehen wir riesige Freudensprünge.

Wir sind wie ausgewechselt, leider trügt der Schein. Nach einigen Kilometern kommen die Beschwerden von heute Vormittag bei unseren Neulingen erneut zum Ausbruch. Ludwig hat jetzt eine Blase am Fuß.

Rudolf und Irmgard haben Beschwerden in den Knien. Mein Latschengeist, mit dem die beiden in der Wirtschaft ihre Knie eingerieben hatten, hat doch nicht geholfen.

Wir legen jetzt auch öfters eine Pause ein. Rudolf muss sogar seine Schuhe wechseln, um überhaupt weiterlaufen zu können.

Auch Irmgard humpelt ganz schön. Ich befürchte das Schlimmste und wäre daher froh, wenn wir unser heutiges Ziel Altenkunstadt schon erreicht hätten.

Doch es sind immer noch 18 km, weshalb ich zusätzlich zu meinem auch noch Irmgards Rucksack trage, um ihr Knie zu entlasten. So erreichen wir kurz vor 18:00 Uhr Altenkunstadt.

Unsere Neulinge, besonders Ludwig, glaubten schon nicht mehr ans Ziel zu kommen. Darum sind die Neuen auch etwas sauer auf mich.

Bei den ersten Leuten denen ich begegne, erkundige ich mich nach einem Quartier, um nicht lange suchen zu müssen. Am Ortseingang gehe ich in ein kleines Spielwaren- und Wollgeschäft um auch hier zu erfahren wo wir übernachten können.

Es sind freundliche Leute. Sie raten uns ab in Altenkunstadt zu bleiben und besser nach Baiersdorf auszuweichen. Von da könnten wir dann wieder auf unsere Route stoßen.

Da unsere „Invaliten“ aber nicht mehr fähig sind weiter zu laufen, fährt und der Geschäftsinhaber mit seinem PKW die 3 km nach Baiersdorf. Er bringt uns in einem schönen Gasthof unter.

Es ist wirklich ein schönes Lokal und zudem Preisgünstig. Wir zahlen 18,00 DM pro Person für die Übernachtung mit Frühstück und Dusche. Auch das Abendessen ist sehr Preiswert und sehr gut.

Nach dem Essen ziehen wir uns zurück, um unsere zermürbten Glieder zu massieren zu salben, damit wir für den nächsten Tag wieder fit sind.

Während die anderen ins Bett gehen, setze ich mich mit Rudolf nochmals ins Gastzimmer, um noch ein Pils zu genießen.

Dann gehen auch wir zu Bett, denn es war ein sehr aufregender Tag: 41 km gelaufen, Knie repariert und Wasserblasen aufgeschnitten – aber Gott sei Dank nicht bei mir.

3. Tag: 10.05.1983

Tour 1, Tag 3: Baiersdorf – Kordigast – Waffendorf – Isling – Schloss Banz – Basilika Vierzehnheiligen – Staffelberg – Staffelstein

Da es gestern ja auch schon sehr spät war, habe ich ganz gut geschlafen – erst die Patienten verarztet und dann mit Rudolf noch mal ins Gastzimmer, um die hitzige Debatte von vorher runter zu spülen.

Zuerst werden mal alle von mir, als Wecker vom Dienst, wach gerüttelt. Mit Ludwigs Fuß sieht es gar nicht gut aus, aber er ist Stur, denn Heim fahren möchte er nicht.

Ich bin nur froh, dass alle anderen wieder ziemlich fit ist. So geht es nun immer langsamer dem großen Kordigast (fränkisch Korches) entgegen.

Da ein leichter Nieselregen aufkommt, müssen wir unsere Regenkleidung und die Schirme aus unseren Rucksäcken kramen.

In Waffendorf fragen wir nochmals nach dem Weg, denn wenn man sich im Wald verläuft, ist man gleich einige Kilometer in falscher Richtung gegangen und das wäre doch sehr bitter.

Fast hätten wir uns aber dennoch verlaufen, aber Dank meines Höhenmessers und meines Kompasses erreichen wir dann doch das richtige Ziel.

So geht es weiter Richtung Isling. Unterwegs nimmt ein Autofahrer Ludwig ein Stück mit, denn mit seiner Blase am Fuß kann er fast nicht mehr laufen.

Bei Rudolf melden sich die Kniebeschwerden wieder. In einer Wirtschaft in Isling versuche ich mein Glück, für unsere beiden Invaliden eine Mitfahrgelegenheit zu bekommen, um die beiden nach Vierzehnheiligen voraus zu bringen.

So hätten sie die Möglichkeit sich einen halben Tag lang auszuruhen, bis wir zu Fuß nachkommen. Vielleicht geht es dann wieder besser, zudem würden wir dadurch auch schneller voran kommen.

In der Gaststätte erklärt uns Rudolf, dass er ca. 3 km entfernt Verwandte hat und mit Ludwig dort hin gehen will, um sich am nächsten Tag auf Schloss Banz fahren zu lassen und uns dort wieder zu treffen.

Nach diesem Entschluss, den wir in Ordnung finden, sowie einem erfrischendem Trunk, wandern Hans, Irmgard und ich weiter.

Um 14:30 Uhr treffen wir an der Basilika Vierzehnheiligen ein. Nach einem Besuch in der Kirche geht es Richtung Staffelberg weiter. Vom Staffelberg aus haben wir einen wunderschönen Rundblick ins Land der Franken, ist es doch der heilige Berg Frankens.

Noch ein kurzer Blick in die Landschaft, dann geht es weiter nach Staffelstein.

Da es erst 17:00 Uhr ist beschließen wir bis zur nächsten Ortschaft weiter zu wandern. Leider bekommen wir kein Zimmer und so müssen wir wieder zurück nach Staffelstein.

Hier bekommen wir nach einem Telefonat mit dem Wirt der Gaststätte „Grüner Baum“ eine Unterkunft. Inzwischen ist es 19:00 Uhr geworden, als wir dort eintreffen.

Hans ruft auch gleich seinen Bruder Ludwig an, um sich nach dem Wohlbefinden der beiden Fußkranken zu erkundigen. Wir sind sehr erstaunt und überrascht wie lustig und fidel sich die beiden am Telefon anhören.

Man sieht doch, wie sich ein halber Tag Ausruhen seelisch und körperlich positiv auswirken kann. So beschließen wir, uns am nächsten Tag um 9:00 Uhr auf Schloss Banz zu treffen, um unsere Wanderung gemeinsam fortzusetzen.

Nun will ich schließen, denn heute geht es mal früher ins Bett und mit 34 km sind wir heute ja wieder ganz schön voran gekommen.

4. Tag: 11.05.1983

Tour 1, Tag 4: Staffelstein – Schloss Banz – Banz – Stadel – Baunach – Birkach – Medlitz – Freudeneck – Appeldorf

Um 6:30 Uhr, als ich Hans wecke, teilt er mir mit, dass er Probleme mit seiner Ferse hat. Er meint, eventuell abzubrechen, um Heim zu fahren.

Durch gutes Zureden bringe ich ihn dazu, es nochmals zu versuchen bevor er gleich aufgibt, denn es wäre schade wenn gerade er nicht mehr dabei ist, wo er doch während des Wanderns mit seinen Späßen alle zum Lachen bringt.

Da wir gestern am Telefon mit Ludwig und Rudolf vereinbart haben, uns zwischen 9:00 und 10:00 Uhr an oder in der Kirche auf Schloss Banz zu treffen, sputen wir uns und ziehen um 8:00 Uhr weiter, denn 7 km bis Banz, immer Bergauf wollen zeitlich bewältigt werden.

Unterwegs kaufe ich etwas Proviant und auch eine Zeitung, um mal zu wissen, was um uns herum in der Welt vorgeht.

So treffen wir um 9:30 Uhr bei herrlichem Sonnenschein an der Kirche auf Schloss Banz ein, aber von Ludwig und Rudolf noch keine Spur.

Wir gehen in die Kirche, um auf einer Bank sitzend ein wenig auszuruhen. Hans wirft noch 5,00 DM für die Besserung seines Leidens in den Opferstock. Beim Verlassen der heiligen Stätte kommen uns die beiden anderen entgegen.

Welch eine Freude, dass wir nun wieder komplett sind. Nach einem gemeinsamen Museumsbesuch und einigen Fosilienkäufen wandern wir Richtung Baunach. Kurz nach Stadel haben wir uns etwas verfranzt, aber dank einer Bäuerin, die mit dem Schlepper ihr Feld eggt, kommen wir wieder auf den richtigen Weg.

Zum Abschied sagt sie uns noch, dass wir im Wald vorsichtig sein sollen, denn sie habe eine Bache (Wildschwein) mit zehn Frischlingen (Wildschweinjunge) gesehen.

Ab Wiesent wollen wir etwas abkürzen, da sehen wir ca. 1 km vor uns die Bamberger Wandergruppe wieder, ich glaube wohl zum letzten Mal, da sie uns erzählen in Baunach ihre Wanderung zu beenden und dort abgeholt zu werden.

Unsere Patienten, diesmal die Geschwister Hans und Ludwig, bekommen langsam Beschwerden vom Wandern, so kommen wir nur langsam voran und nehmen immer wieder Abkürzungen, um heute noch Baunach zu erreichen.

Inzwischen hat es zu regnen begonnen. Auf unserer Abkürzung über Birkach, Medlitz erreichen wir Freudeneck, von wo wir aufgrund des starken Regens auf einer Landstraße bis Höfen weiter laufen.

Langsam werden wir alle ganz schön müde, weshalb wir, auch wegen des schlechten Wetters, einen Schulbus anhalten, der uns bis Baunach mitnimmt.

Dort müssen wir enttäuscht feststellen, dass uns andere Wandergruppen durch ihre Voranmeldungen die wenigen Zimmer die es im Ort gibt vor der Nase weggeschnappt haben.

Der Wirt vom Obleyhof hat Erbarmen mit uns. Er besorgt Zimmer in Appeldorf, einer Nachbargemeinde, wo er uns dann auch hin fährt.

Er spendiert uns dann noch eine Runde Bier, um noch einige Zeit mit uns zu plaudern. Unsere Zimmer sind prima und die Wirtin heizt auch gleich ein, damit wir uns wohl fühlen und unsere vom Regen durchnässte Kleidung wieder trocknet.

Auch die Preise sind annehmbar. Nachdem wir uns mit Kaffee, Bier, Bratwürsten und zum Schluss mit einer Hausmacherplatte gestärkt haben, ziehen wir uns in unsere Zimmer zurück, denn ab jetzt geht es langsam in heimatliche Gefilde und wir wollen Zuhause doch alle wieder putzmunter ankommen. Morgen ist zudem Vatertag und 34 km haben wir auch heute wieder zurück gelegt.

5. Tag: 12.05.1983 (Vatertag)

Tour 1, Tag 5: Appeldorf – Baunach – Ebelsbach – Eltmann – Limbach – Ebersberg – Steigerwald – Unterschleichach

Heute Morgen will ich wie immer alle aufwecken, muss aber zu meiner Überraschung feststellen, dass alle bereits munter sind.

Ich glaube, die Heimat ruft, zudem hat ein jeder weniger Beschwerden als an allen anderen Tagen. Nach einem guten Frühstück zahlen wir, dann geht es weiter.

Bis wir aufbrechen können ist es 8:00 Uhr geworden. Hans meint, je näher wir der Heimat kommen, umso preisgünstiger werden die Übernachtungen, denn heute haben wir mit Dusche im Zimmer nur 16,00 DM bezahlt.

Es geht wieder ein Stück zurück in Richtung Baunach, um dort auf unsere markierte Wanderroute zu stoßen, die wir auch nach einigen Kilometern erreichen. So wandern wir weiter nach Eltmann, wo wir um 13:00 Uhr eintreffen.

Wir sind alle den Umständen entsprechend frisch und munter, da wir vorher in Ebelsbach gerastet und uns in einer Wirtschaft gestärkt haben. Außerdem gibt es auch weniger Beschwerden, woran hauptsächlich Hans beteiligt war, denn er hatte bis jetzt auf dieser Strecke immer wieder eine lustige Pointe parat.

Das ließ dann so manchen Schmerz auf einige Zeit vergessen. Deshalb ist er für uns auch der „Spaßmatiker“ vom Dienst.

Nach Eltmann folgen wir dem Main bis Limbach, dann geht es über die Straße zum Ebersberg in den Steigerwald, dessen Weg sich 7 km steil bergan zieht.

Auf halber Höhe wird noch einmal gerastet, und wir beschließen, noch einmal zu übernachten, um die letzten Kilometer bis Gerolzhofen gemütlich antreten zu können um damit den ersten Teil unserer Main-Wanderung zu beenden.

Mit viel Schweiß am Körper erreichen wir nach einiger Zeit die Anhöhe des Ebersbergs. Unterwegs begegnen wir einer Gruppe Vatertagswanderer, die uns wegen der schlechten Unterkunftsmöglichkeiten abraten in Zell am Ebersberg zu übernachten.

Wir beschließen deshalb in Ober- oder Unterschleichach die Nacht zu verbringen. In Oberschleichach ist, als wir eintreffen, gerade die Maiandacht zu Ende.

Nach einigem erfolglosen Suchen einer Unterkunft in Oberschleichach kommt Hans mit einer Frau aus Unterschleichach ins Gespräch. Dabei stellt sich heraus, dass sie Zimmer vermietet. Da es nur 1 – 2 km ist, nehmen wir die Gelegenheit wahr, um bei ihr zu übernachten.

An diesem sonnigen Vatertag wollen wir ja außerdem auch noch gemütlich ein Bier trinken.

Nachdem wir uns den Wanderstaub abgewaschen haben, geht es in die Steigerwaldwirtschaft Neeb, die für ihr selbstgebrautes Bier bekannt ist.

Dort spendiert Irmgard uns eine Runde dieses edlen Hopfensaftes und stellt in Aussicht, bei einem zeitigen Eintreffen morgen Mittag in Gerolzhofen uns auch noch mit Kaffee und Kuchen zu bewirten.

Dank so viel Spendierfreudigkeit verweilen wir noch einige Zeit gut gelaunt in der Gaststätte, in der es aufgrund des Vatertages sehr lustig zugeht. Voller Freude über den schönen Frühlingstag kehren wir, nachdem unser Hunger und Durst gestillt ist in unsere Unterkunft zurück.

Als wir in unsere Zimmer kommen, müssen wir feststellen, dass diese sehr kalt sind, weshalb sich Irmgard mit einer Strickjacke ins Bett legt. Dennoch schlafen wir bald den Schlaf der Gerechten, fordern doch die 29 zurückgelegten Kilometer ihren Tribut.

6. Tag: 13.05.1983

Tour 1, Tag 6: Unterschleichach – Neuschleichach – Steigerwald – Wotansbrunnen – Zabelstein – Altmannsdorf – Weißmainquelle – Gerolzhofen

Auch heute Morgen wird wieder zeitig aufgestanden. Die Zimmer waren etwas kühl, aber was will man für 15,00 DM mit Frühstück viel verlangen.

Der in Aussicht gestellte Kaffee mit Kuchen von Irmgard für heute Nachmittag lassen uns bald aufbrechen. Kurs nach 8:00 Uhr wandern wir, von leichtem Regen begleitet, in Richtung Neuschleichach, Zabelstein weiter durch den Steigerwald.

Nach einigem Bergauf und -ab, sowie einem kurzem Abstecher an den Wotansbrunnen ( Wotansborn: Quelle am Erlesbach), erreichen wir gegen 11:30 Uhr den Zabelstein.

Der Regen hat inzwischen aufgehört und so schauen wir uns vom Turm aus die Landschaft an, um dann unsere Brote im Lingmannhaus zu vertilgen.

Hier, kurz vor dem Turm, begegnen wir einer Wandergruppe von 19 Personen, die den gleichen Weg wie wir gehen. Sie erzählen uns, dass sie von Burgkundstadt aus wanderten.

Jetzt geht uns ein Licht auf, denn wegen dieser Gruppe hatten wir Vorgestern in Baunach keine Zimmer bekommen. Das ist halt des Wanderers Pech. Wir sind ihnen deshalb auch nicht böse.

Gemeinsam geht es nun Bergab durch Weinberge und Felder nach Altmannsdorf, um in der Gaststätte Dösch noch einmal einzukehren.

Nachdem wir uns mit Bratwürsten und Frankenwein gestärkt haben, wandern wir nach Gerolzhofen, wo wir um 16:00 Uhr eintreffen.

Die letzten 25 km sind bewältigt. Nun geht es zum versprochenen Teil mit Kaffee und Kuchen über. Nach einem Plausch über das Erlebte zieht ein jeder in Richtung seines Zuhauses.

Ich glaube im Herzen sind alle froh, trotz mancher Quälerei solch eine große Wanderung vollbracht, und dabei so viel Schönes gesehen und erlebt zu haben. So beenden wir unseren ersten Teil der Main-Wanderung.

Während unserer Wanderung von der Weißmainquelle bis nach Gerolzhofen, haben wir beschlossen einige Tagestouren von unserem Heimatort, bis mindestens nach Würzburg zu unternehmen, so dass wir jedes Mal bis zum Abend wieder Zuhause sein werden.

Zweiter Teil der Main-Wanderung in Tagesetappen von Gerolzhofen bis Wertheim

1. Tagesetappe: 18.09.1983

Tour 1: Main-Wanderweg – Hörnauer See – Zeilitzheim – Gaibach – Volkach – Gerolzhofen

Irmgard und ich beschließen an diesem schönen Sonntagmorgen, ein Stück des Main-Wanderweges fortzusetzen. So geht es dann um 9:00 Uhr los.

Wir bedauern es sehr, unsere erste Tagestour alleine machen zu müssen, da wegen des schönen Wetters alles sehr kurzfristig geplant wurde und die anderen nicht vorbereitet waren.

Hans erklärte außerdem vor kurzem, dass sein Bruder Ludwig auf weitern Etappen nicht mehr mit dabei sein wird, so dass wir unsere Wanderung bis Main voraussichtlich nur zu viert beenden werden.

So ziehen heute Irmgard und ich alleine durch die Landschaft an den Hörnauer Seen vorbei und genießen das herrliche Wetter. Wir kommen gut voran, denn da es nur eine Tagestour ist brauchen wir ja keine Rucksäcke, und das merkt man doch gleich.

Um 12:00 Uhr treffen wir schließlich in Gaibach ein und beschließen erst einmal unseren Hunger in einer Gaststätte zu stillen. Obwohl Irmgard nach Zeilitzheim in einem eingezäunten Grundstück schon einige Tomaten stibitzt hat, verlangt unser Magen doch nach etwas Deftigem.

Nach einem guten und preisgünstigen Essen ziehen wir weiter Richtung Volkach. Da es inzwischen 13:00 Uhr geworden ist beschließen wir, nur noch bis Volkach und dann der Straße entlang weiter bis nach Hause (Gerolzhofen) zu wandern.

Dies war eine kurze Etappe, aber dennoch haben wir 17 km bis Volkach und 11 km von Volkach nach Gerolzhofen zurückgelegt.

2. Tagesetappe: 25.09.1983

Tour 2: Gaibach – Gaibacher Schloss – Wallfahrtskirche Maria im Weinberg – Astheim – Escherndorf – Neuses am Berg – Dettelbach – Mainstockheim – Kitzingen

Nach der Tour vom letzten Wochenende gemeinsam mit Irmgard sind diesmal Hans und Rudolf dabei. Außer Ludwig, der voraussichtlich nicht mehr mit wandert, sind wir jetzt komplett.

Die Frau vom Hans hat uns nach Gaibach gefahren. Von hier aus wollen wir bis Kitzingen laufen. Ich glaube, wir haben den Sonnenschein gepachtet, denn auch heute ist wieder ein strahlender Sonntagmorgen.

Nur noch schnell ein Foto vor dem Gaibacher Schloss, dann geht es los. Nachdem Gaibach hinter uns liegt, wandern wir frohen Mutes durch die ersten Weinberge und bestaunen die vielen Trauben, die an den Rebstöcken hängen.

Noch nie habe ich so viele Trauben auf einmal an den Rebstöcken hängen sehen, wie hier. Das gibt sicher eine Rekordernte, sowohl in der Menge, wie auch in den Öchslegraden.

Nach einiger Zeit kommen wir zur Wallfahrtskirche Maria im Weinberg, von wo aus es nach einer Besichtigung und einigen Erinnerungsfotos nach Astheim weiter geht.

Gleich hinter Astheim geht es wieder in die Weinberge. Wir sind gespannt ob wir Schwierigkeiten wegen der momentanen Weinbergssperre bekommen.

Tatsächlich kommt uns nach ca. 2 km ein Mann mit seinem Auto auf dem Weinbergsweg entgegen. Er verweist auch gleich auf die Sperre, aber auch wir haben unsere Argumente, da der Mainwanderweg ja durch die Weinberge führt.

Ebenso werden wir später auch in den Escherndorfer Weinbergen angehalten, und auch hier kommt uns ein Weinbergshüter entgegen. Er verbietet uns das Weitergehen in den Weinbergen.

Hans und mir wird es nun doch zu viel und so machen wir auch ihn auf unseren Wanderführer aufmerksam. Außerdem meint Hans, dass wir auf seine Trauben überhaupt nicht scharf wären und er uns auf unserem Weg begleiten könne, falls er dies nicht glauben würde, woraufhin er uns dann doch unseres Weges weiter in Richtung Neuses am Berg ziehen lässt.

Gegen 12:00 Uhr treffen wir dann in Dettelbach ein. Nach einer Stärkung und einem kühlen Bier geht es weiter am Main entlang, an Mainstockheim vorbei bis Kitzingen, wo wir um 14:15 Uhr ankommen.

Wir laufen noch nach Etwashausen, um unsere Zeit in einer Wirtschaft zu verbringen, bis uns dann um 17:40 Uhr der Bahnbus wieder zurück nach Gerolzhofen bringt.

Um nicht wieder so lange warten zu müssen, haben wir beschlossen, beim nächsten Mal mit zwei Autos zu fahren. Das eine werden wir am Zielort abstellen und das zweite am Startort.

So sind wir wenigstens unabhängig. Heute sind wir wieder einmal 38 km von Gerolzhofen bis Kitzingen gelaufen, wobei wir feststellen konnten, dass es auch in unserer Heimat noch sehr schöne romantische und aussichtsreiche Flecken gibt, die wir bis heute noch gar nicht gekannt haben.

So zum Beispiel zwischen Escherndorf und Neuses am Berg. Wir freuen uns auf unsere nächste Etappe, wann auch immer diese sein wird.

3. Tagesetappe: 08.04.1984

Tour 3: Kitzingen – Frohnberg – Sulzfeld – Frickenhausen – Sommerhausen – Eibelstadt – Würzburg

Endlich nach langer Pause ist es heute wieder einmal soweit. Der Winter ist vorüber, er war sowieso recht harmlos, dafür will es jetzt auch noch nicht richtig warm werden.

Ich habe meine Wanderfreunde aber überzeugen können, dass es jetzt an der Zeit ist, noch einige Tagesetappen zu unternehmen, denn bis zum Endziel, das wir bis zum Mai erreichen wollen, ist nicht mehr sehr viel Zeit. Um 7:00 Uhr soll es los gehen.

Mit zwei Autos wollen wir nach Würzburg fahren, wo wir eines abstellen werden und mit dem anderen geht es dann zurück nach Kitzingen, um dort unsere heutige Wanderung zu beginnen.

So sind wir auf keine öffentlichen Verkehrsmittel angewiesen, zudem ist es aus unserer Sicht preisgünstiger und zeitsparender.

Irmgard und ich warten nun schon seit 6:50 Uhr vor unserem Haus auf Hans und Rudolf. Um 7:00 Uhr sind beide mit ihren Pkws immer noch nicht eingetroffen.

Daher entschließe ich mich zu Rudolf zu laufen, da er nicht weit entfernt wohnt, um nachzusehen, was los ist. Nach meinem Läuten schaut er müde aus der Türe.

Er sagt mir, dass er gleich kommen wird, denn er hat verschlafen. Als ich zu Irmgard zurückkomme, ist Hans immer noch nicht da. So setze ich mich auf mein Fahrrad, um auch diesen zu holen.

Am Rödersberg kommt er mir mit seinem Auto entgegen. Um 7:15 Uhr, als endlich alle da sind, fahren wir mit den beiden Autos nach Würzburg. Dort stellen wir wie vereinbart das eine Fahrzeug ab.

Bis wir dann in Kitzingen ankommen und unsere Tageswanderung beginnen, ist es bereits 8:30 Uhr und gleich geht es bergauf über den Frohnberg in Richtung Sulzfeld.

Der Main liegt links unter uns und wir hätten von da oben einen weiten Überblick, wäre es nicht so diesig. Gegen 11:30 Uhr erreichen wir Frickenhausen.

Wir sind begeistert von den beiden Maindörfern Sulzfeld und Frickenhausen, durch die wir gewandert sind, denn beides sind noch richtig alte verträumte Maindörfer, deren Romantik an so einem Sonntagmorgen ganz und gar zum Vorschein kommt.

Es geht weiter in Richtung Würzburg. Damit wir uns nicht verlaufen müssen wir sehr aufpassen, da die Strecke extrem schlecht markiert ist.

Wenn wir unseren Wanderführer nicht hätten, Gott weiß, wo wir dann ankommen würden. Um 13:00 Uhr erreichen wir Sommerhausen.

Da es Zeit für eine Rast ist, wandern wir durch den Ort und an der Stadtmauer entlang zum Main, wo wir dann im goldenen Anker einkehren.

Unsere Rast hat doch einige Zeit in Anspruch genommen, so ist es inzwischen kurz vor 14:00 Uhr bis wir weiter wandern, denn wir haben bis zu unserem heutigen Ziel immer noch einige Kilometer vor uns.

Als wir aus dem Lokal kommen, müssen wir feststellen, dass es ziemlich frisch geworden ist. Dennoch besichtigen wir noch Sommerhausen, sowie das Torturmtheater von Veith Relin an, bevor wir weiter ziehen.

Die Weinberge haben wir nun hinter uns gelassen und jetzt geht es am Ufer des Maines entlang, an Eibelstadt vorbei nach Würzburg.

Der Wind hat uns ganz schön ausgekühlt und ermüdet, so ist es inzwischen 16:40 Uhr geworden, bis wir unsere Fahrzeuge erreichen. Durchgefroren und matt, aber glücklich unserem Ziel wieder ein Stück näher zu sein, setzen wir uns ins Auto, um die Heimreise anzutreten, denn auch heute waren es wieder 34 km.

4. Tagesetappe: 20.05.1984

Tour 4: Würzburg – Himmelstadt – Karlstadt – Zell am Main – Margetshöchheim – Veitshöchheim – Karlstadt – Breitfeldhöhe – Retzbach – Veitshöchheim

Pünktlich um 7:00 Uhr geht es heute mit zwei Autos in Richtung Würzburg. Von da aus wollen wir bis Himmelstadt wandern.

Bei der Abfahrt Zuhause war der Himmel noch leicht bewölkt, aber inzwischen hat es aufgeklart, worüber ich mich doch sehr freue, denn der Wettergott meint es heute doch gut mit uns.

In Himmelstadt angekommen stellen wir fest, dass es bis Karlstadt nicht mehr all zu weit ist und sind alle der Meinung, die wenigen Kilometer mehr am heutigen Tag auch noch zu laufen, weshalb wir ein Auto dort abstellen.

Gegen 8:00 Uhr treffen wir wieder in Würzburg ein, um unsere Wanderung bis Karlstadt fortzusetzen. Die ersten Kilometer bis Veitshöchheim geht es immer am Main entlang.

Bei Zell am Main treffen wir ein Ehepaar, welches auf unsere Bitte hin noch ein Gruppenfoto mit unserer Kamera schießt, anschließend geht es frohgelaunt weiter.

In Margetshöchheim angekommen geht es auf einer schmalen Fußgängerbrücke ans andere Flussufer, wobei wir auch gleich in Veitshöchheim sind. Von nun an müssen wir auf den Mainhängen Bergauf und Bergab Karlstadt entgegen laufen.

Gegen 12:30 Uhr sind wir doch ganz schön hungrig und etwas müde geworden, weshalb wir beschließen erst mal eine Rast einzulegen und unsere mitgebrachten Brote hier auf der Breitfeldhöhe, in der Nähe von Retzbach zu verzehren.

Hier kommt mir dann auch die Ideee einmal unsere fränkischen Meefischli versuchen zu wollen. So kann ich während des weiter Laufens die anderen davon überzeugen nach unserer Wanderung, auf dem Rückweg von Veitshöchheim in einem mir bekannten Lokal einzukehren und dieses mainfränkische Gericht zu kosten.

Ab jetzt wird sich während des Laufens nur noch über die Meefischli amüsiert, wobei es inzwischen 16:30 Uhr geworden ist, bis wir die ersten Häuser von Karlstadt erreichen.

Mit unserem Auto geht es nun zurück. In Veitshöchheim angekommen unternehmen wir erst noch einen Stadtbummel, bei dem sich meine drei Mitwanderer mit Riesenportionen Eis verköstigen.

Etwas müde, nach 41 gewanderten Kilometern, geht es anschließend zum Meefischli essen, um im Anschluss Hause zu fahren. Die heutige Wanderung hat allen Spaß gemacht, allerdings haben Hans die Meefischli nicht geschmeckt.

5. Tagesetappe: 27.05.1984

Tour 5: Karlstadt – Lohr – Erlach am Main – Neustadt am Main – Karlstadt – Mühlbach – Ruine Karlburg – Rohrbach  – Kapelle St. Valentin – Halsbach – Wallfahrtsort Mariabuchen – Lohr – Neustadt am Main

Heute soll es von Karlstadt nach Lohr, oder eventuell auch noch etwas weiter gehen. Genaueres wollen wir unterwegs im Auto beschließen.

Unsere Fahrt beginnt auch diesmal morgens um 7:00 Uhr. Während unserer Fahrt auf der Autobahn in Richtung Würzburg, entschließen wir uns über Lohr hinaus bis nach Neustadt am Main zu wandern.

In Wertheim verlassen wir die Autobahn um auf der Landstraße zu unserem Zielort Neustadt am Main zu kommen.

Durch meine Unachtsamkeit beim Landkarte lesen habe ich mich vertan, weshalb wir einen Umweg in Kauf nehmen müssen und leider in Erlach am Main ankommen.

Dies liegt gegenüber von Neustadt auf der anderen Mainseite. Zum Glück gibt es aber eine Fußgängerbrücke über den Fluss.

In Karlstadt – Mühlbach angekommen haben wir herrlichen Sonnenschein und so geht es gleich steil Bergan zur Ruine Karlburg.

Von dort aus genießen wir das herrliche Panorama des Main-Tales, ehe wir weiter ziehen. Heute wird der Marsch etwas beschwerlicher, da es immer wieder durch Täler und über Berge geht.

So ziehen wir gegen 11:00 Uhr durch Rohrbach, wo gerade die Sonntagsmesse zu Ende ist. Aus den Fenstern der Häuser zieht uns der sonntägliche Bratenduft entgegen, so dass sich auch bei uns der Magen meldet.

Wir wandern deshalb nach der Ortschaft noch ein Stück durch die Wiesen einem kleinen Wald zu, um bei der Kapelle St. Valentin zu rasten und unsere mitgebrachten Brote zu verzehren.

Hier beschließen wir dann auch auf dem Main-Wanderweg bis Halsbach weiter zu ziehen, um von dort aus einen Abstecher zu dem Wallfahrtsort Mariabuchen zu unternehmen.

Bevor wir weiter wandern besichtigen wir noch die Kapelle St. Valentin von innen. Da außer uns niemand vor Ort ist, steige ich auf die Kanzel, um meine Mitwanderer einmal von oben zu betrachten.

Als wir aus der Kapelle kommen hat es sich inzwischen bewölkt und es ist sehr schwül geworden. Wir wandern auf Maria Buchen zu, wobei uns dort angekommen, das schwüle Wetter doch ganz schön durstig hat werden lassen.

Nach einem Besuch der Wallfahrtskirche wenden wir uns dem gegenüberliegenden Gasthaus zum um unseren Durst zu löschen. Danach geht es auf unserem Main-Wanderweg in Richtung Lohr.

Dort angekommen sind wir schon ziemlich abgespannt und sind deshalb froh nur noch ca. 8 bis 10 km bis nach Neustadt zu haben. Inzwischen ist es 17:30 Uhr geworden, als wir bei unserem Auto ankommen.

 

Wir sind nun doch ganz schön geschafft, sind aber dennoch zufrieden wieder ca. 35 km dem Main entlang gewandert zu sein.

6. Tagesetappe: 02.09.1984

Tour 6: Erlach – Neustadt am Main – Burg Bergrothenfels – Marienbrunn – Glasofen – Rettersheim – Kreuzwertheim – Wertheim

Wie wir gemeinsam beschlossen haben wird dies unsere letzte Tagesetappe sein, bevor wir wieder auf eine Acht-Tagestour gehen, um zum Ziel zu kommen.

Beim Aufstehen ist es heute noch etwas Dunkel, aber dem Himmel nach wird es ein schöner Tag werden. Heute fahren Reichert und Hans mit ihren eigenen Pkws.

Punkt 7:00 Uhr kommt Reichert. Jetzt warten wir noch auf Hans, dann kann es los gehen. 7:10 Uhr trifft Hans ein. Er ist völlig aufgeregt, denn er hat verschlafen.

Er hatte sich extra einen neuen Wecker gekauft und das Ding geht nicht – haben wir gelacht! Pünktlich um 9.00 Uhr, nachdem wir das Auto in Erlach geparkt haben, laufen wir auf der Fußgängerbrücke über den Fluss nach Neustadt am Main, um unser heutiges Ziel Wertheim zu erwandern.

Ein letzte Blick in das Wasser des Maines zu den Meefischli und danach zum Himmel, wo die Sonne uns bereits mit voller Kraft ihre Strahlen sendet. So laufen wir los und kommen gegen 9:45 Uhr in Bergrothenfels an.

Auf der Burg ist gerade eine Keramikausstellung,m die wir uns anschauen, bevor wir weiter ziehen.

Einige Zeit hinter Bergrothenfels werden einige Äpfel von den Bäumen probiert, danach schnell noch ein Erinnerungsfoto mit der Burg im Hintergrund.

Als wir durch einen Wald kommen sehe ich plötzlich einige Pilze, aus denen sich rote fingerdicke Würste mit Käfern daran bewegen. Hans klärt uns auf: dies seien fleischfressende Pilze.

Na dann, wieder etwas dazu gelernt. So langsam sehnt sich ein jeder nach einer Pause, denn es ist schon 12:00 Uhr und Marienbrunn liegt bereits hinter uns.

Leider gibt es aber gerade keinen annehmbaren Fleck, an dem wir rasten können. So beschließen wir hinter Glasofen auf der Höhe eine Pause einzulegen.

Wir lassen uns auf einer Wiese neben der Straße im Gras nieder, um unsere Brote zu essen und anschließend frisch gestärkt wieder weiter zu wandern.

Gegen 14:30 Uhr kommen wir nach Rettersheim. Nun meldet sich der Durst, den wir in einem Gasthaus vor Ort stillen, denn unsere mitgenommene Verpflegung ist auch schon aufgebraucht.

Nach Rettersheim geht es nun bis Kreuzwertheim nur noch durch den Wald. Wir sind froh einige Zeit im Schatten der Bäume wandern zu können, denn die Sonne brennt uns ganz schön auf den Rücken.

In Kreuzwertheim angekommen unternehmen wir einen Abstecher in eine uralte Kirche, die aus dem 14. Jahrhundert stammt und für uns ein sehr interessantes Baudenkmal mit Geschichte ist.

Dann geht es über die Brücke nach Wertheim. Vom Ufer aus begutachten wir noch die alte Eisenbahnbrücke, die abmontiert im Main liegt und nach Schweinfurt geflößt wird, um dort wieder aufgebaut zu werden.

Bei unserem Auto angekommen ist es inzwischen 17:00 Uhr geworden. Müde, und 31 km hinter uns gebracht, treten wir die Heimfahrt an.

Nachdem der erste Teil des Main-Wanderweges mit Beginn im Mai 1983 und unser zweiter Teil durch Tagesetappen beendet wurde, sind wir zu dem Entschluss gekommen, unseren dritten und damit letzten Teil, im Jahr 1984 vollenden zu wollen.

Durch berufliche Termine mussten wir uns entschließen, den letzten Teil auf Ende September, Anfang Oktober zu verschieben.

Zudem werden wir auch weiterhin nicht wie zu Beginn zu fünft sein, denn Ludwig hat den Entschluss gefasst, nicht mehr mit zu wandern. So werden wir zu viert den Main-Wanderweg beenden.

 

Dritter Teil der Main-Wanderung in Tagesetappen von Wertheim bis Mainz

1. Tag: 23.09.1984

Tour 2, Tag 1: Wertheim – Aschaffenburg – Boxtal – Burgruine Freudenberg – Bürgstadt – Miltenberg

Pünktlich um 7:00 Uhr ist Rudolf mit seinem PKW am Treffpunkt bei mir, denn er fährt uns nach Wertheim, um mit uns bis nach Aschaffenburg zu wandern.

Rudolf musste einplanen uns am Mittwoch für einen Tag zu verlassen, um private Dinge zu erledigen. Hans steht ebenfalls schon bereit, deshalb geht es ohne Umschweife mit dem Auto in Richtung Autobahn nach Wertheim.

Die Stimmung ist ebenso wie das Wetter prächtig. Wir freuen uns alle, nun endlich unseren letzten Teil zu vollenden.

In Wertheim angekommen erkundigen wir uns bei der Polizei nach einem geeigneten Platz, auf dem wir das Auto für einige Tage sicher abstellen können. Bis das Auto sicher geparkt ist und wir die Rucksäcke aufgesetzt haben, ist es bereits 8:15 Uhr geworden.

Gleich nach Verlassen des Ortes führt uns der Weg steil hinauf zu einer Waldhöhe. Obwohl wir heute ca. 31 km zurücklegen wollen, lassen wir es dennoch gemütlich angehen.

Nach einigen Kilometern durch den Wald beschließen wir auf einer Lichtung zu rasten und uns unsere Brotzeit schmecken zu lassen. Hans beginnt auch sofort wieder mit seinen lustigen Wortspielereien und so ziehen wir bald gut gelaunt weiter.

Unterwegs holen wir ein Ehepaar ein, dass uns bis Boxtal begleitet. Dort angekommen ist es inzwischen 12:00 Uhr geworden, wir beschließen jedoch noch keine Rast einzulegen und stattdessen noch ein Stück zu laufen, denn mittlerweile sieht der Himmel sehr nach Regen aus.

Während wir noch eine halbe Stunde durch den Wald laufen, geht es auch schon los. Ein kräftiger Gewitterschauer prasselt auf uns hernieder. Wir suchen die nächst größeren Bäume zum Schutz auf und zeihen unsere Regenkleidung an.

Den länger anhaltenden Regen nutzen wir, um die Mittagspause einzulegen. Nachdem der Regen nach einiger Zeit aufgehört hat, wandern wir weiter nach Freudenberg.

Dort beschließen wir im alten Amtshaus eine kurze Rast einzulegen und unsere Glieder mit einem Kaffee wiederzubeleben.

Anschließend geht es steil bergan zur Burgruine Freudenberg.

Jetzt sind es nur noch ca. 6 – 7 km bis zu unserem heutigen Ziel Miltenberg, doch plötzlich beginnt es wieder stark zu regnen.

Wir verlieren zudem die Markierung und laufen deshalb auf der Straße weiter. Durch den starken PKW-Verkehr müssen wir jedoch immer wieder in den Straßengraben ausweichen, um nicht auch noch von den Autos voll gespritzt zu werden.

Gegen 16:00 Uhr erreichen wir Bürgstadt. Da es nur noch 1 km bis Miltenberg ist, beschließen wir schon hier zu übernachten.

Im Fremdenverkehrsamt versuche ich geeignete Zimmer für uns zu finden. Wir müssen feststellen, je weiter wir unserem Ziel Mainspitz kommen, umso teurer werden unsere Quartiere.

Nachdem wir die passenden Zimmer gefunden haben, 20,00 DM und 3,00 DM für Dusche pro Tag, uns geduscht und umgezogen haben, suchen wir eine Gaststätte auf um unsren Hunger und Durst zu stillen.

Nachdem wir gut gegessen und einige Rote getrunken haben, begeben wir uns auf den Weg zu unserem Quartier. Der Rotwein hat seine Wirkung getan, wir haben Mühe unsere Zimmer wiederzufinden.

Wir gehen gleich ins Bett, denn der Alkohol und die 32 km, die wir heute trotz des Regens wanderten, haben uns die nötige Bettschwere gegeben.

2. Tag: 24.09.1984

Tour 2, Tag 2: Miltenberg – Großheubach – Spessart – Röllfeld – Klingenberg – Burgruine Klingenberg – Erlenbach – Mechenhard – Wörth am Main – Schippach – Hofstetten

Ich bin heute 10 Minuten nach 6:00 Uhr aufgestanden, um nach dem Wetter zu sehen. Da Irmgard sagt es wäre zu früh die anderen zu wecken, warte ich noch 30 Minuten um das allgemeine Aufstehen einzuläuten.

Nach einem reichhaltigen Frühstück geht es um 8:12 Uhr los. Die Wolken haben sich verzogen. Hin und wieder kommt sogar die Sonne durch.

So wandern wir nach Miltenberg, Großheubach entgegen. Die großen Höhenunterschiede lassen uns feststellen, dass wir uns bereits im Spessart befinden.

Mit diesen Höhen werden wir noch einige Zeit zu kämpfen haben. Wir wandern nun schon einige zeit nur durch bewaldetes Gelände.

Hin und wieder geht es an einer Lichtung vorbei, so dass wir des Öfteren stehen bleiben, um einen kurzen Blick auf den Main zu werfen, der unter uns im Tal dahin fließt.

Das Wetter hat sich nun auch wieder geändert, es ist bewölkt und auch wesentlich kühler geworden.

Nachdem wir die ersten Häuser von Röllfeld erreicht haben kommen wir an einem Lebensmittelgeschäft vorbei, wo wir uns noch schnell mit einigem Essbarem und einer Zeitung versorgen.

Ich schlage meinen Wanderführer auf, um festzustellen ob wir auch auf dem richtigen Weg sind, denn die Markierung ist momentan sehr schlecht und ich denke, so wie es aussieht haben wir uns verlaufen.

Wir müssen deshalb durch den kompletten Ort, ehe wir wieder auf unserem M-Weg sind. Es beginnt zu regnen, aber da wir mit unserer Regenkleidung gut versorgt sind, kann uns das Wetter nichts anhaben.

Einige Zeit später hat sich der Regen auch wieder verzogen und wir erreichen über den Mainhöhen einen Pavillon, an dem wir eine Pause einlegen und unsere Brote essen.

Frisch gestärkt zeihen wir dann Klingenberg entgegen. Kurz vor der Burgruine Klingenberg angekommen, heißt es schnell wieder die Regenkleidung anziehen, den ein starker Regenschauer prasselt auf uns hernieder.

Deshalb haben wir auch keine Lust uns die Ruine näher zu betrachten. Wir eilen mit Riesenschritten den Berg hinab, um in einem Gasthaus eine Rast einzulegen und den Regen abzuwarten.

Wir finden sehr schnell ein kleines Cafe, in dem wir den bekannten Klingenberger Roten probieren. In der Zwischenzeit hat der Regen aufgehört und wir können weiter.

Es geht gleich steil nach oben in die Weinberge. Von hier aus überblicken wir die komplette Gegend um Klingenberg.

Nach einigen Kilometern erreicht uns ein weiterer starker Regenschauer, weshalb wir in einer Weinbergshütte Schutz vor der Nässe suchen. Nachdem das Wetter wieder besser geworden ist ziehen wir weiter, Erlenbach entgegen.

Bevor wir dies erreichen, hat sich das Wetter so weit gebessert, dass sogar die Sonne hin und wieder durch die Wolken scheint. Von weitem hören wir schon das Hämmern der Schiffswerft am Main.

Wir stellen erstaunt fest, dass die Landschaft stark bevölkert ist, reiht sich doch rechts und links eine Ortschaft an die andere.

Ich meine, dass die beiden Orte Erlenbach, sowie Wörth am Main jeder für sich mindestens 6.000 Einwohner hat, was Rudolf entschieden verneint.

Ich schließe deshalb mit ihm eine Wette um eine Maß Bier ab. Nachdem wir Erlenbach erreicht haben, begegnet uns ein Einwohner des Ortes, den wir auch gleich auf unsere Wette ansprechen.

Er bestätigt meine Vermutung, womit ich die Maß Bier gewonnen habe. Trotz der häufigen Regenschauer, die wir bis jetzt hatten, sind wir doch recht gut voran gekommen.

Da es noch sehr früh am Nachmittag ist, beschließen wir über Schippach hinaus bis nach Hofstetten zu laufen, um uns dort eine Unterkunft für die Nacht zu suchen. Ab Erlenbach – Mechenhard geht es nur noch durch den Wald.

Der Himmel hat sich bewölkt und es beginnt auch schon wieder zu regnen. Das geht heute schon den kompletten Tag so. Ich befürchte wir werden noch etliche Male von oben begossen, bevor wir in Main ankommen.

Hatten wir doch vom Fichtelgebirge bis Wertheim immer günstige Witterungsbedingungen, so ist es diesmal gerade umgekehrt. Zu allem Unglück verlieren wir auch noch die Markierung.

Da wir die Luftlinie kennen, laufen wir nach unserem Gefühl nach Schippach, wo wir uns bei den ersten Häusern bei einem Mann erkundigen wie der Weg weiter führt. Wir sind an die richtige Adresse geraden, da er sich mit dem Main-Wanderweg genauestens auskennt.

Er erklärt uns wir würden uns auf dem richtigen Weg befinden, jedoch auch, dass der Main-Wanderweg seit etwa einem Jahr verkürzt wurde, so dass wir praktisch jetzt einen Umweg laufen müssen, was uns doch etwas ärgert.

Inzwischen ist es 17:00 Uhr geworden und wir laufen durch den Ort unserem heutigen Ziel entgegen. Bevor wir die letzten Häuser erreichen, beginnt es wieder stark zu regnen, woraufhin wir uns notgedrungen in einer Hauseinfahrt unterstellen müssen.

Als auch dieser Regenschauer aufhört, wandern wir ab jetzt nur noch durch den Wald in Richtung Hofstetten. Es beginnt langsam dämmrig zu werden.

Da die anderen Müde werden beschließe ich voraus zu eilen, um schon ein Quartier für die Nacht zu erkunden.

In Hofstetten angekommen muss ich erfahren, dass es hier keine Privatquartiere für uns gibt, sondern lediglich ein Gasthaus.

So warte ich am Ortsrand auf die anderen, die nach einiger Zeit bei mir ankommen. Ich kläre sie über die Quartierlage auf und da es noch eine zweite Wirtschaft im Ort hat, beschließen wir alle zwei nach dem günstigeren Preis auszukundschaften.

Wir müssen bei der ersten Gaststätte leider feststellen, dass diese heute Ruhetag hat und so fällt die Entscheidung leicht. In der Zweiten angekommen löschen wir bevor wir unsere Zimmer aufsuchen zuerst einmal kräftig unseren Durst mit Äppelwoi.

Nach einer heißen Dursche machen wir es uns im Gastzimmer bei einer guten Brotzeit und reichlich Äppelwoi gemütlich, um anschließend müde zu Bett zu gehen.

So hätten wir auch diesen Tag mit 38 km inklusive einigen Irrwegen hinter uns gebracht.

3. Tag: 25.09.1984

Tour 2, Tag 3: Hofstetten – Spessart – Kleinwallstadt – Obernau – Aschaffenburg – Kleinostheim

Auch an diesem Tag stehe ich zur gleichen Zeit auf wie immer. Um den letzten Rest der Anstrengung von gestern aus den Gliedern zu treiben dusche ich zuerst um anschließend Rudolf und Hans aufzuwecken.

Ein Blick aus dem Fenster sagt mir, dass es wohl wieder ein Tag mit einem durchwachsenem Wetter zwischen Sonnenschein und Regen wird.

Heute wollen wir zu viert bis Aschaffenburg wandern, wo uns Rudolf für einen Tag verlassen wird. Wir sind froh den Spessart langsam hinter uns gebracht zu haben, denn in den letzten Tagen waren es, natürlich auch aufgrund des starken Regens, immer wieder große Anstrengungen für uns, um über Berg und Tal zu wandern.

Nach dem Anziehen hole ich unsere Schuhe aus dem Heizungskeller, wo sie die Nacht zum trocknen standen. Danach geht es ans Einpacken, wobei ich fest stelle, dass ich gestern meinen Anorak verloren habe, was mich gewaltig ärgert.

Selbst der reichlich gedeckte Frühstückstisch kann mich darüber nicht hinweg trösten, denn wir können auch nicht zurück um ihn zu suchen.

Nach dem Zahlen ziehen wir weiter, wobei wir feststellen, dass der Preis für die Unterkunft, 25,00 DM mit Dusche und dem reichhaltigem Frühstück, recht angemessen war.

Meine Jacke geht mir nicht aus dem Kopf, da helfen selbst die guten Worte von Hans und den anderen nichts. Ich bin auf mich selbst sauer, weshalb ich immer voraus laufe, was bewirkt, dass ich bald mit Irmgard Streit bekomme.

Und dennoch geht mir trotz allem weiterhin die Jacke nicht aus dem Sinn. Der Verlust kann gestern nur durch das häufige Wechseln der Regenkleidung passiert sein.

Dabei muss sie mir wohl hinten aus dem Rucksack gerutscht sein und niemand hat es bemerkt, obwohl doch meist ich vorne an der Spitze gelaufen bin.

Auf den letzten Hügeln des Spessarts mit seinen vielen Obstbäumen, die uns recht oft zum probieren der Früchte verführen, ziehen wir weiter.

Mein Zorn bezüglich des Verlustes meine Regenjacke hat sich inzwischen wieder gelegt. Wir kommen auf den Panoramaweg mit seiner Almhütte von Kleinwallstadt.

Von hier oben genießen wir noch einmal den prächtigen Ausblick, denn in der Ferne sieht man sogar Aschaffenburg.

Zur Mittagszeit erreichen wir Obernau. Gleich nach dem Ort gehen wir ein Stück die Bahnlinie entlang und lassen uns für eine Pause am Wegrand im Gras nieder.

Auch meint es das Wetter jetzt besser mit uns, denn heute gibt es keine Regenwolken. Die Sonne wärmt uns mit ihren kräftigen Strahlen.

Zwischen 13:00 und 14:00 Uhr laufen wir in Aschaffenburg durch die Einkaufsstraße, dem Bahnhof entgegen.

Die Leute in der Stadt betrachten uns wie von einem anderen Stern. Man meint sie haben noch keine richtigen Wanderer gesehen.

Nachdem wir mit Rudolf am Bahnhof unser Zusammentreffen für den übernächsten Tag durchgesprochen haben, verabschieden wir uns von ihm und wandern zu dritt weiter.

An einem Kiosk wird noch eine Bratwurst gekauft, dann geht es hinunter zum Main. Wir wandern den Fluss entlang, um unser heutiges Ziel Kleinostheim zu erreichen.

Dabei kommt mir die Idee, zurück in die Stadt zu gehen, um in einem Geschäft nach einer geeigneten Jacke zu schauen. Bei Hans und Irmgard stoße ich damit aber auf starken Widerstand.

Die beiden wandern nun alleine weiter, während ich zurück gehe. Durch meinen Misserfolg in zwei Geschäften gebe ich auf und eile den beiden anderen schnell nach, um sie wieder einzuholen.

Vor mir ist weit und breit von Irmgard und Hans nichts zu sehen. Ich frage zwei ältere Radfahrer, die mir begegnen und erfahre, dass sie mir circa eine viertel Stunde voraus sind.

Auf ihre Frage von wo wir kommen und wohin wir gehen, gebe ich ihnen genaue Auskunft, denn wie sie mir sagen sind die beiden ebenfalls zwei begeisterte Wanderer.

Nach unserem Plausch bekomme ich noch einen Tipp für unser heutiges Quartier in Kleinostheim, dann wandere ich meines Weges weiter. Ich erreiche die beiden kurz vor dem Ort um 17:00 Uhr, wo sich auf mich warten.

Nach den ersten Häusern geht es auch gleich mit dem Fragen nach einer günstigen Unterkunft für die Nacht los.

Ein Ehepaar, das in einem Garten arbeitet, erklärt uns, dass wir durch die Nähe der beiden Städte Offenbach und Frankfurt mindestens 50,00 DM für eine Nacht zahlen müssten.

Über diesen Preis sind wir dann doch sehr schockiert. Natürlich war uns bereits Zuhause klar, dass wir, je weiter wir in Großstadtnähe kommen, auch höhere Preise bei den Mahlzeiten und Unterkünften haben, aber dies ist uns doch zu hoch.

Nachdem wir zuerst einige Lokale von außen besichtigt haben, erkundigen wir uns bei einer Frau nach etwas passendem mit gutem Preis-Leistungsverhältnis.

Sie empfiehlt uns dasselbe Gasthaus, wie die beiden Radfahrer von unterwegs, mit der Begründung sie bringe dort immer ihren Übernachtungsbesuch für 25,00 DM bei gutem und reichhaltigem Essen unter.

Über diese gute Nachricht sichtlich erleichtert begeben wir uns auch umgehend zur Maingaststätte Goldener Anker, direkt am Ufer des Maines.

So befürchteten wir ja bereits unser weiter Wandern aufgrund der hohen Preise in Frage stellen zu müssen.

Den heutigen Abend lassen wir dann in diesem Lokal mit seinen gemütlichen Zimmern und der guten Verpflegung bei einem Federweißen ausklingen.

Glücklich über den heutigen Tag mit 29 zurück gelegten Kilometern und somit wieder etwas näher am Ziel, beschließen wir den Abend, während vor unserem Fenster noch ein schwerbeladener Dampfer flussaufwärts fährt.

4. Tag: 26.09.1984

Tour 2, Tag 4: Kleinostheim – Seligenstadt – Basilika St. Marcellinus und Petrus – Steinheim – Offenbacher Stadtwald – Obertshausen in Bieber

Nach einem guten und reichlichem Frühstück ziehen wir kurz nach 8:00 Uhr, nachdem wir uns den Wetterbericht im Radio angehört haben, weiter.

Es beginnt ganz leicht zu regnen, was uns aber nicht weiter stört, denn der Wetterbericht hat ja Wetterbesserung gemeldet.

Im Osten wird es sogar schon heller und wir kommen auch zügiger voran. Von nun an geht es bis Mainz immer eben am Ufer des Maines entlang.

So wird es uns auch nie langweilig, denn es ziehen immer wieder Schiffe an uns vorüber, deren Kapitäne von ihren Kähnen zu uns herüber winken. Hans hat auch wieder einmal eine witzige Idee auf Lager, die er allerdings gleich wieder verwirft.

Man könne ja von nun an bis zum Ende der Wanderung auf einem solchen Kahn mitschippern. Wir lehnen natürlich lachend ab.

Gegen 10:00 Uhr erreichen wir eine Fähre, die uns an das andere Ufer nach Seligenstadt bringt. Hier besichtigen wir die riesige Basilika (St. Marcellinus und Petrus) aus dem 8. Jahrhundert.

Anschließend geht es durch die romantischen Straßen mit den vielen Fachwerkhäusern zum Postamt, um wegen meiner verlorenen Jacke das Cafe in Klingenberg anzurufen, denn es könnte ja sein, dass wir sie bei unserer Rast dort vergessen haben.

Leider ist auch dieses Telefonat ohne Erfolg, deshalb schreibe ich die Jacke nun endgültig ab. Im Postamt wird Irmgard von einem Mann nach Herkunft und Ziel unserer Wanderung gefragt.

Nach ihrer Auskunft meint dieser entgeistert, ob wir von Sinnen seien, worauf wir uns lachend verabschieden.

Bevor wir Seligenstadt verlassen, machen wir auch hier noch schnell ein Erinnerungsfoto. Irmgard spendiert uns noch einen Krapfen, dann geht es weiter nach Steinheim.

Wie schon im Spessart sehen wir auch hier auf den Wiesen am Ufer des Maines immer wieder reichlich Champignons und andere Pilze, die ich sonst noch nie in solcher Vielzahl gesehen habe.

Ich muss daran denken, dass es im vorigen Herbst die vielen Weintrauben an den Rebstöcken waren, während es jetzt die Menge an Pilzen sind, die uns staunen lassen. Inzwischen ist es bereits Mittag geworden, deshalb setzen wir uns auch an die Kaimauer von Steinheim, um erst einmal richtig Brotzeit zu machen, dann geht es weiter.

Da Steinheim ein sehr großer Ort ist, wird es 15:00 Uhr bis wir das Ortsende erreichen. Wir beschließen deshalb, in einem Kaufhausrestaurant auf der gegenüberliegenden Straßenseite einen Kaffee zu trinken.

Leider ist das Lokal geschlossen, so begnügen wir uns mit einer heißen Wurst und einem Glas Bier ehe es weiter geht.

Irmgard und Hans teile ich meine Vermutung mit, dass wir am Mittwochabend in Obertshausen übernachten werden, so hatte ich es ja auch bereits in Aschaffenburg an Rudolf weiter gegeben.

Gutgelaunt ziehen wir durch den Offenbacher Stadtwald. Wir achten diesmal genau auf die Markierung, doch nach einiger Zeit haben wir diese dann doch verloren.

Uns stört dies nicht, da wir uns bereits vor den ersten Häusern befinden. Im Glauben nun am Ziel zu sein fragen wir gleich am Ortsanfang einen Mann nach dem Ortsnamen.

Wir sind bitter enttäuscht und ziehen lange Gesichter, denn wir haben uns verirrt und sind statt in Obertshausen in Bieber, einem Ort, der seitlich unserer Route liegt.

Nun heißt es so schnell wie möglich weiter laufen, denn um ein Quartier zu finden darf man nicht zu spät ankommen. Nach 10 km Umweg erreichen wir müde und mit großer Wut im Bauch Obertshausen.

Zu allem Unglück haben wir nach Anfragen bei diversen Gasthäusern immer noch keine Unterkunft für diese Nacht und das, obwohl es bereits 19:00 Uhr geworden ist.

Es beginnt schon langsam zu dämmern und Hans wird immer unruhiger, er schimpf deshalb gewaltig auf die Hessen.

Ich tröste ihn damit, zur Not beim Pfarrer nach einem Obdach zu fragen, doch auch dies heitert ihn nicht auf. Da wir inzwischen in allen Gaststätten vor Ort ohne Erfolg nachgefragt haben bleibt uns jetzt nur noch eine Möglichkeit.

Wir stehen vor einem Drei-Sterne-Hotel und ich denke mir, dass es egal ist was es kostet, Hauptsache wir haben ein Dach über dem Kopf. Während die anderen vor der Türe warten, trete ich ins Foyer.

Bedingt durch die Messen in Offenbach und Frankfurt bekomme ich auch hier eine Absage. Aufgrund meines betrübten Gesichtes erhalte ich von der Empfangsdame nach einem Telefonat eine Privatadresse und auch der Chef des Hotels zeigt sich hilfsbereit.

Er gibt uns für den Fall, dass einer von uns am Boden schlafen müsste, noch eine Notliege mit. So tragen Hans und ich die Liege gemeinsam und Irmgard hat ihren Spaß dabei und zieht uns auf.

Vor lauter Freude über den Schlafplatz haben wir uns die Adresse für unser Nachtlager nicht richtig gemerkt und wissen zwar den Straßennamen, jedoch die Hausnummer und der Name des Hausbesitzers sind uns nicht mehr im Gedächtnis.

Der Weg zu unserem Quartier zieht sich immer länger dahin. Hans wird wieder Ungeduldig, obwohl Irmgard und ich ihn so gar nicht kennen.

So meinen zwei uns entgegenkommende Damen, dass wir die richtigen Wandervögel seien, da wir unser Bett wohl gleich dabei hätten. Irmgard und ich finden dies sehr lustig, doch Hans hat inzwischen nichts mehr zu lachen.

Endlich haben wir durch etliches durch fragen die richtige Straße erreicht, doch es gibt schon die nächste Pleite. Im Glauben an der richtigen Türe zu sein gehe ich voraus, um uns alle vorzustellen.

Doch die vermeintliche Gastgeberin schaut uns etwas komisch an. Sie teilt uns mit, dass sie Besuch aus dem Schwarzwald erwarten würde, allerdings nicht mitten in der Woche und uns schon gar nicht.

Durch unseren Aufzug wird inzwischen die komplette Straße munter und wir bekommen mehrere Nachtlager angeboten, die wir allerdings dankend ablehnen, da wir in dieser Straße ja bereits von einer Familie erwartet werden.

Durch Zufall läuten wir nebenan an der richtigen Adresse. Nachdem wir unser Nachtlager gerichtet haben, geht es zum Essen. Anschließen rufe ich Rudolf an, um mit ihm unseren morgigen Treff zu vereinbaren.

Wir sind alle hundemüde, denn 45 km und vor allem die Sorge um eine Unterkunft haben uns ganz schön geschafft.

Wir hoffen, dass es während unserer Wanderung vom Fichtelgebirge bis hierher das erste und letzte Mal war, dass wir in eine solch miese Lage gekommen sind. Im Herzen danke ich der Familie Behmer in Obertshausen für die Übernachtung.

5 Tag: 27.09.1984

Tour 2, Tag 5: Obertshausen – Offenbacher Stadtwald – Heusenstamm – Neu-Isenburg – Raunheim – Rüsselsheim

Trotz Notquartier haben wir gut geschlafen und stehen daher zur gleichen Zeit auf wie immer. Hans und ich duschen noch, dann geht es zum Kaffeetisch, der bereits reichlich gedeckt ist.

Unsere Gastgeberin setzt sich mit an den Tisch, um etwas über unsere Wanderung zu erfahren. Nach dem Frühstück erkundige ich mich bei Frau Behmer nach dem Preis für diese Nacht.

Sie meint wir sollen ihr geben, was es uns Wert war, woraufhin ich ihr 50,00 DM gebe. Es geht weiter, doch Hans hat Bedenken, dass wir Rudolf nicht mehr treffen würden.

Da er diese Befürchtung schon den kompletten Morgen immer wieder äußert beruhige ich ihn. Als wir dann an der vereinbarten Stelle ankommen erwartet Rudolf uns bereits.

Welch eine Freude bei Allen, so sind wir jetzt doch wieder Vollzählig und können unser Vorhaben zu Ende bringen. Wir erkundigen uns im Gemeindeamt ob es möglich wäre Rudolfs Auto für einige Tage auf dem Gemeindeparkplatz abstellen zu dürfen, wofür wir die Genehmigung erhalten.

Eine letzte Kontrolle am Pkw, dann die Rucksäcke auf den Rücken uns los geht es. Auch heute wandern wir wieder durch den berühmten Offenbacher Stadtwald, den ich sicher nicht so schnell vergessen werde.

Während wir so dahin laufen berichten wir Rudolf von unseren gestrigen Abenteuern uns so vergeht die Zeit recht schnell und so sind wir in Heusenstamm, kurz vor Neu-Isenburg angekommen.

Auf der Suche nach unserer Wegmarkierung hilft uns ein Polizist, der uns den richtigen Weg beschreibt. Er meint, dass solche Wanderbrüder wie wir wohl sicher auch großen Hunger hätten und zeigt uns ein Lokal, in dem wir günstig und gut essen können, bevor es weiter ginge.

Wir lehnen jedoch dankend ab und wandern weiter. Nachdem wir schon eine ganze Zeit durch den Wald gelaufen sind kommt uns zum Glück ein Jogger entgegen, den wir nach dem Weg fragen, denn hier in Großstadtnähe ist dieser sehr schlecht beschildert.

Als wir ihm unser Ziel nennen, schlägt er vor, da es erst um die Mittagszeit ist, doch nicht in Neu-Isenburg zu übernachten, sondern von dort aus mit dem Bus zum Flughafen zu fahren und nach dessen Besichtigung noch ein Stück weiter zu laufen.

Wir bedanken uns für diesen Vorschlag und ziehen weiter. In Neu-Isenburg angekommen, schauen wir uns auch gleich nach der nächsten Abfahrt zum Flughafen um.

Fast eine komplette Stunde müssen wir noch warten, weshalb wir drei Männer in der Zwischenzeit ein Gasthaus in der Nähe besuchen, um unseren Durst mit Äppelwoi zu löschen.

Irmgard hält in der Zwischenzeit die Stellung an der Bushaltestelle. Im Lokal werden wir von einigen Gästen aufgrund unserer Ausrüstung mit großem Hallo empfangen.

Aber auch wir sind nicht auf den Mund gefallen und lassen mit einem Grinsen einen Kalauer los. Wir erklären von der Presse zu sein und gerade die Gastfreundschaft der Leute entlang des Main-Wanderweges zu testen.

Dies bringt uns ein ehrfürchtiges Staunen und eine Runde Schnaps. Lachend geht es anschließend wieder zur Bushaltestelle um gegen 13:00 Uhr zum Flughafen zu fahren.

Wir staunen nicht schlecht, als wir dort angekommen aus dem Bus steigen. Hier herrscht ein ziemlich reges treiben, die Leute hasten nur so hin und her.

Ich denke daran wie schön wir es doch haben, denn wir sind in gewissem Sinne an keine Zeit und keinen Termin gebunden.

Für uns ist eben nur wichtig für die Nacht ein gemütliches Bett zu finden wo man vorher eine zünftige Brotzeit bekommt. Wir schlendern durch die Empfangshalle um zur Aussichtsterrasse zu gelangen.

Hier werden wir erst einmal aufgehalten und man weist uns darauf hin, dass wir aus Sicherheitsgründen nur ohne Gepäck auf die Terrasse dürfen. Nachdem unsere Rucksäcke verstaut sind, begeben wir uns dann endlich hinauf.

Wir staunen über die Größe der Passagierflugzeuge, die doch sonst in großer Höhe für uns wie kleine Flieger aussehen. Als außergewöhnliches Erlebnis erleben wir noch die Notlandung eines Militärflugzeuges mit Motorschaden.

Zum Glück geht alles gut. Aufgrund der vielen Eindrücke ist die Zeit „im Flug“ vergangen, weshalb wir wieder weiter ziehen, damit wir uns zudem von der Großstadt entfernen.

Wir wollen mit der S-Bahn bis Raunheim fahren, um von dort aus die letzten 18,5 km bis zur Mainspitze zu wandern.

Obwohl wir selbst in unserem Wanderführer wegen des starken Verkehrs und des Lärms von einem weiter Wandern abgeraten werden, sind wir nicht für halbe Sachen.

Wir haben deshalb beschlossen unseren Weg dennoch bis zum Ende durchzuführen. Die Sonne scheint uns kräftig ins Gesicht, während wir den Bahnhof von Raunheim verlassen.

Aufgrund unserer Ortsunkenntnis erkundigen wir uns bei einem Autofahrer nach dem Weg in Richtung Rüsselsheim am Main entlang.

Da der Ort sehr groß ist bietet er uns an uns bis zum Ortsende mitzunehmen, was wir freudig annehmen. Von hier aus wollen wir die letzten 4 km bis Rüsselsheim am Ufer entlang wandern, bevor wir den heutigen Tag beschließen.

Hier, am Mainufer, sehen wir dann auch wieder unter vertrautes -M- auf weißem Grund. Gegen 17:00 Uhr erreichen wir die ersten Häuser der Opelstadt Rüsselsheim. In einer parkähnlichen Anlage der Stadt, in der einige Arbeiter mit dem reinigen der Wege beschäftigt sind, erkundigen wir uns nach einer günstigen Unterkunft.

Da eine Übernachtung in einem Lokal mindestens 40,00 bis 50,00 DM pro Person kosten würde, schlägt man uns vor, doch in einer Jugendherberge zu übernachten.

Da wir alle einverstanden sind steuern wir die Herberge an, denn auch dies wird für alle ein neues Erlebnis werden.

Ich kann ein unterdrücktes Lachen bei diesem Gedanken nicht verbergen, obwohl auch ich mich freue auf unserem Main-Wanderweg einmal etwas anders als sonst zu schlafen.

Die Jugendherberge ist wie meist, so auch hier in einem öffentlichem Gebäude. So scheint diese einmal eine Festung oder ähnliches gewesen zu sein.

Wir werden von einer älteren Dame in Empfang genommen. Da der Herbergsvater erst in einer Stunde wieder vor Ort ist, meint sie, wir könnten unsere Rucksäcke stehen lassen, um zuerst gemütlich zum Essen gehen zu können.

Auf dem Weg zu einem geeigneten Lokal begegnen uns einige junge Leute, die nachdem sie uns begutachtet haben äußern, dass es zum Mont Everest in die andere Richtung ginge, was uns alle in herzhaftes Lachen ausbrechen lässt.

Im Wienerwald sättigen wir unseren Hunger, wir stellen fest, dass wir ein prima Lokal gewählt haben. Es ist gemütlich und das Essen schmeckt allen sehr gut.

So wird noch einige Zeit über den bevorstehenden Tag geplaudert, denn wir haben nur noch wenige Kilometer bis zum Ziel.

Unser Traum, den kompletten Main entlang, von der Quelle bis zur Einmündung in den Rhein zu wandern wird sich damit erfüllen.

Wir rüsten uns langsam zum Aufbruch in die Herberge. Voller Erwartung kommen wir an, doch es gibt fast ein Fiasko.

Der Herbergsvater erklärt uns, dass wir ohne einen entsprechenden Ausweis hier nicht übernachten könnten. Dies hatte ich bereits befürchtet und so habe ich sofort eine Notlüge zur Hand.

Ich argumentiere, dass erstens die Hauptreisezeit wohl vorbei wäre und die Herberge somit sicherlich zum größten Teil leer wäre und dass wir zweitens auf unserer Wanderung vom Fichtelgebirge bis hierher, wenn es möglich war, nur in Jugendherberbergen übernachtet hätten und dort bisher noch nie abgewiesen wurden.

Dies hatte Wirkung, er kommt mit um uns unsere Unterkunft zu zeigen. Aufgrund der Stockbetten, die nicht überzogen sind, gibt es hier erst einmal lange Gesichter bei uns.

Noch mehr ist Irmgard enttäuscht, da sie ganz alleine in einem anderen Zimmer mit eben so vielen Betten schlafen soll.

Diese Enttäuschung bemerkt der Herbergsvater, weshalb er vorschlägt, dass falls wir nichts dagegen haben, könne sie auch bei uns übernachten, da ja genug leere Betten im Raum stehen würden.

Es kommen keine Einwände von den anderen und so lässt uns der Herbergsvater alleine, doch jetzt lässt ein jeder Luft ab. Sie meinen, dass es mies sei so ganz ohne Bettwäsche zu schlafen.

Ich versuche sie zu trösten indem ich deutlich mache, dass wir uns nicht einem Luxushotel, sondern in einer Jugendherberge befinden.

Hans und Rudolf machen sich auf zum duschen und staunen beim zurück kommen nicht schlecht, denn ich habe mit Irmgard zwischenzeitlich Bettwäsche beim Herbergsvater geholt und so hat Irmgard unsere Betten überzogen.

Nun ist die Welt für alle wieder in Ordnung. Nachdem wir unsere Unterkunft bezahlt haben, diesmal sind es pro Bett 15,00 DM, besuchen wir gemeinsam eine Wirtschaft um den letzten Abend dort gemeinsam ausklingen zu lassen.

Nach einem kleinen Imbiss und einigen kühlen Pils unternehmen wir noch einen kurzen Spaziergang durch die Stadt und da die Herberge erst um 22:00 Uhr geschlossen wird, haben wir noch etwas Zeit.

Obwohl wir noch gar nicht müde sind gehen wir zu Bett, denn die 27 km die wir heute gewandert sind waren keine all zu große Anstrengung für uns.

6. Tag: 28.09.1984

Tour 2, Tag 6: Rüsselsheim – Bischofsheim – Schleuse Kostheim – Gustavsburg – Rhein – Mainz – Obertshausen bei Offenbach- Stadtschwarzach

Durch ein leichtes Antippen von Irmgard werde ich heute Morgen geweckt. Das ist während unserer Wanderung das erste Mal, dass ich nicht von alleine wach geworden bin.

Inzwischen ist es 7:30 Uhr, deshalb heißt es raus aus den Federn und für die Morgentoilette ab in den Duschraum. Nachdem wir unsere Betten abgezogen haben geht es zum Frühstücken.

Nun heißt es Tisch decken und an der Ausgabe unsere Brötchen und den Tee zu holen. Die Augen meiner Begleiter werden immer größer, denn sie waren noch nie in einer Jugendherberge und kennen daher auch die Sitten dort nicht.

Nachdem wir gefrühstückt und im Anschluss das Geschirr wieder gespült haben, worauf uns allerdings der Herbergsvater erst aufmerksam machen muss, verabschieden wir uns mit einem Händedruck.

Man merkt es bereits am Wetter, das der Herbst naht. Gegen 9:00 Uhr ziehen wir gut gelaunt durch Rüsselsheim. Als geübte Wanderer haben wir zwar einen guten Schritt drauf, dennoch dauert es mindestens eine halbe Stunde ehe wir an allen Fabrikhallen von Opel vorbei sind um am Ende von Rüsselsheim ankommen.

Als wir an Bischofsheim vorbei wandern, können wir es nicht fassen unsere Wanderung an den Gärten dieses Ortes zu unterbrechen.

Die Brombeeren an den Zäunen laden uns doch sehr zum Naschen ein. Besonders Rudolf kann der Versuchung nicht widerstehen. Er kann sich gar nicht mehr von den süßen Früchten trennen.

So geht es eine ganze Zeit, das eine Mal sind es die Beeren, das andere Mal die Pflaumen oder Äpfel. Doch auch die süßesten Herbstfrüchte können uns nicht davon abhalten heute noch unser Ziel zu erreichen.

Wir kommen an die Schleuse von Kostheim und kommen aus dem Staunen nicht mehr heraus.

Während unserer kompletten Wanderung am Main haben wir noch keinen solch großen Kahn gesehen, wie den, der hier gerade eingeschleust wird.

Wir sind so fasziniert, dass wir beschließen dieses Manöver bis zum Ende zu beobachten, egal wie lange es dauert.

Während des Flutens der Schleuse unterhalte ich mich mit dem Bootsmann dieses Kahns, um etwas über die Größe und den Tiefgang zu erfahren.

Er erklärt uns, dass Schiff und Container, die miteinander verbunden sind, 185 m lang, sowie einen Tiefgang von 3,6 m hätten und der Kahn daher in der Hauptsache auf größeren Gewässern schippern würde. Zwischenzeitlich ist eine halbe Stunde vergangen, das Schiff zieht weiter flussabwärts.

Ein letztes Winken, dann ziehen auch wir weiter.

An Gustavsburg vorbei geht es gegen 12:00 Uhr ans Ziel. Über eine Eisenbahnbrücke mit einem Fußgängersteg überqueren wir den Rhein, womit wir auch schon in Mainz angelangt sind.

Unser Main-Wanderweg endet hier in einem Park, was mit einer Schrifttafel angezeigt wird.

Nachdem wir den denkwürdigen Augenblick mit einem Foto festgehalten haben geht es über die Rheinbrücke zurück zum Mainufer.

Dort angekommen und vor Freude unser Ziel trotz etlicher Beschwernisse gesund und munter erreicht zu haben, entledigen wir uns der Strümpfe und Schuhe, um unsere Füße im Main, dort wo er in den Rhein fließt, zu waschen.

Doch alles hat einmal ein Ende, so auch unsere Wanderung. Nach der Fußwaschung geht es deshalb auch bald zurück nach Gustavsburg, um von da aus mit dem Zug zum Auto in Obertshausen bei Offenbach zu gelangen.

Während wir nun mit Rudolfs Pkw auf der Autobahn in Richtung Heimat fahren, fassen wir zum Abschluss den Entschluss in Stadtschwarzach noch einmal einzukehren.

Wir waren doch all die Tage und Wochen zusammen, um Freuden und Beschwerden miteinander zu teilen.

Als Schlusswort möchte ich hier an dieser Stelle noch anfügen:

Für mich war es eine schöne Zeit, denn so hatte man die Möglichkeit doch mal so richtig in den Tag hinein zu leben und dabei sowohl die Natur, wie auch die Landschaft unserer Heimat besser kennenzulernen.

Ich kann mir denken, dass diese Wanderung auch für die anderen ein großes Erlebnis war, denn in 18 Tagen eine Strecke von 571 km gemeinsam zu wandern ist schon eine Leistung, die man nicht mehr vergisst.

 

Gewidmet meiner Frau Irmgard und meinen guten Freunden Hans, Inge, Gerhard, Ludwig und Rudolf. Zu Dank bin ich auch meiner Tochter Petra verpflichtet, denn ohne ihre Geduld hätte ich diese Zeilen so nicht zu Papier bringen können.

Edgar
(* 1935, † 2014)