26. Oktober 2021

Dive: Tagebuch der Siebziger von Duncan Hannah. Kaum volljährig, kommt Duncan Hannah 1971 aus dem verschlafenen Minneapolis nach New York, erlebnishungrig, und bald ist er Teil jener brodelnden Boheme, die heute legendär ist

Der New Yorker Maler Duncan Hannah hat die siebziger Jahre über Tagebuch geführt

– ein Glücksfall,

eine literarische Entdeckung:

«Dive» liest sich wie der letzte große Beatroman.

«Alle wollten auf einen Absacker in den Club 82.
Im folgenden Chaos landete ich irgendwie mit Warhol, Ferry und Bowie in einem Mietwagen.
Ich war völlig betrunken.
Die berühmte Gosse, von der ich schon so viel gehört hatte.
Ich hatte es geschafft!
Als ich aufwache, ist es Morgen.
Ein verlassenes Zimmer,
keinerlei Erinnerung.
Auf dem Fußboden,
in meiner Partykleidung.
Fliege,
Budapester,
Zweireiher,
Seidenhemd und ein bisschen Mary-Quant-Makeup.
Keine Möbel.
Kein gar nichts.
Das ist nicht meine neue Wohnung.
Ich trete vorsichtig ans Fenster.
Blicke auf den Schutt eines leeren Grundstücks.
Ist das überhaupt New York?
Dresden?
Vom höchsten Glamour ins tiefste Elend,
alles in einer einzigen Wahnsinnsnacht.»

Dive:
Tagebuch der Siebziger
von Duncan Hannah

Aus dem Englischen von Thomas Gunkel
Originaltitel: Twentieth-Century Boy: Notebooks of the Seventies
Rowohlt Berlin
1. Edition
(21. April 2021)
Gebundene Ausgabe: 560 Seiten
ISBN-13: 978-3737100922
Gebundenes Buch 28,00 €
E-Book 19,99 €

zur Verlagsinfo
Dive von Duncan Hannah

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Dive von Duncan Hannah

   Dive: Tagebuch der Siebziger von Duncan Hannah. Für mich gibt es (bislang) kein besseres Zeitdokument der 1970er Jahre. Mittendrin dabei und wahnsinnig „gefühlsecht“.

Buchzitat: Kaum volljährig, kommt Duncan Hannah 1971 aus dem verschlafenen Minneapolis nach New York, erlebnishungrig und immer auf der Suche nach Partys, Sex, Alkohol, Drogen, Rock ’n’ Roll und was die Kunsthauptstadt der Welt ihm sonst noch zu bieten hat.

Bald ist er Teil jener brodelnden Boheme, die heute legendär ist
besucht mit Andy Warhol die Talking Heads,
zieht mit Bryan Ferry und David Bowie um die Häuser,
dreht Filme mit Debbie Harry,
wird von Lou Reed umworben,
philosophiert mit David Hockney.

In einem LSD-Rausch hat er den besten Sex nicht etwa mit der umschwärmten Patti Smith, sondern mit Mutter Erde, und auch sonst lässt er nichts aus
– am Ende der Aufzeichnungen,
als mit dem Mord an John Lennon im Jahr 1980 eine Ära zu Ende geht,
ist der junge Kunststudent selbst zu einem Künstler geworden.

   Duncan Hannahs Tagebuch ist ein außergewöhnliches Zeitdokument, selten kann man eine Epoche und ein Lebensgefühl derart hautnah und intensiv miterleben. Mit ihm tauchen wir ein in jene rauschhafte, elektrisierende Zeit – und erfahren, warum dieses Jahrzehnt längst zu einem Mythos geworden ist.

Duncan Hannah, 1952 in Minneapolis geboren, ging mit achtzehn Jahren an die Ostküste, wo er von 1971 bis 1973 am Bard College und anschließend an der Parsons School of Design in New York Malerei studierte.

Heute zählt er zu den meistbeachteten zeitgenössischen Künstlern der USA. Seine Arbeiten sind in zahlreichen privaten und öffentlichen Sammlungen und im Metropolitan Museum of Art zu sehen. Duncan Hannah lebt und arbeitet in New York.

Duncan Hannah
duncanhannah.blogspot.com

Video: Artist Duncan Hannah recalls New York in the 70s in new book

Zitat: The 70s in New York were a wild ride. From the avant garde art of Andy Warhol to the edgy sounds of punk rock, it was a crazy, kinetic decade that redefined pop culture. Artist Duncan Hannah was in the middle of it all. He recalls the years in his rollicking journals which are being published next week as: „Twentieth-Century Boy: Notebooks of the Seventies.“ Anthony Mason reports.

Video: Inside Andy Warhol’s Interview Magazine with Duncan Hannah

Zitat: A veritable time capsule of cool will be offered in Freeman’s January 31 Books, Maps & Manuscripts auction. Lot 301, a group of the first 36 issues of Andy Warhol’s Interview magazine (1969-1972), features exclusive interviews with celebrities, artists, musicians and more. The self-proclaimed “Crystal Ball of Pop” went on to publish for nearly 50 years and was considered a leader in both underground and entertainment journalism.

Thomas Gunkel, 1956 in Treysa geboren, arbeitete mehrere Jahre als Erzieher. Nach seinem Studium der Germanistik und Geografie in Marburg begann er, englischsprachige literarische Werke ins Deutsche zu übertragen.

Zu den von ihm übersetzten Autoren gehören u.a. Larry Brown, John Cheever, Stewart O’Nan, William Trevor und Richard Yates. Thomas Gunkel lebt und arbeitet in Gilserberg (Hessen).