Filmtipp: Die Kinder der Villa Emma. In der Villa Emma in Oberitalien kommen sie kurz zur Ruhe, bevor die Flucht weitergeht nach Palästina

Filmtipp: Die Kinder der Villa Emma. In der Villa Emma in Oberitalien kommen sie kurz zur Ruhe, bevor die Flucht weitergeht nach Palästina

 

Es sind junge Menschen, die meisten noch Kinder, die 1941 aus Wien, Graz, Berlin und anderen Städten des Deutschen Reichs zu Kindertransporten zusammengezogen werden.

 

Die Flucht vor den Nazis bedeutet die Trennung von ihren Familien, den Bruch mit der österreichischen, der deutschen Heimat. Bezahlte Schlepper führen sie auf verschlungenen Wegen an den Nazi-Häschern vorbei.

In der Villa Emma in Oberitalien kommen sie kurz zur Ruhe, bevor die Flucht weitergeht nach Palästina. In aller Not, bei aller Bedrängnis sind sie immer noch junge Menschen, die um das Erwachsenwerden ringen, die sich befreunden und verlieben, trauern und lachen – und füreinander Opfer bringen.

 

Die Kinder der Villa Emma

 

Die Kinder der Villa Emma (auch: Wir sind am Leben) ist ein österreichischer Fernsehfilm aus dem Jahr 2016 von Nikolaus Leytner. Die Produktion wurde am 23. März 2016 im ORF erstmals ausgestrahlt.

Im Ersten wird der Film am 30. März 2018 gezeigt:
30.03.2018 | 20:15 Uhr | DasErste
TV-Wiederholung
31.03.2018 | 01:40 Uhr | DasErste

Titelgebend ist die Villa Emma in der Nähe der italienischen Stadt Nonantola bei Modena. In den Jahren 1942/43 war sie Zufluchtsort für 73 jüdische Kinder vor der Verfolgung durch die Nationalsozialisten.

 

Handlung
Die Kinder der Villa Emma

 

Erzählt wird die auf einer wahren Begebenheit beruhenden Geschichte einer Gruppe jüdischer Kinder, die mit Hilfe der von Recha Freier gegründeten Kinder- und Jugend-Alijah im Frühjahr 1941 von Wien aus aufbrechen, um nach Palästina zu flüchten.

Darunter befinden sich die 14-jährige Wienerin Betty Liebling und die 17-jährige, aus Berlin stammende Tilla Nagler. Betty lässt ihren Vater, der sich nach Amerika durchschlagen möchte, ihre Großmutter und ihre beste Freundin Paula in Wien zurück.

Ihre Flucht führt sie zunächst über die Grenze südlich von Graz nach Zagreb, wo sie allerdings bedingt durch den Einmarsch der deutschen Wehrmacht im April 1941 nicht lange bleiben können. Nachdem Georg, einer der Gruppenbegleiter, bei einem Rettungsversuch erschossen wird, müssen Josko und Helga, deren Mann in Palästina auf sie wartet, alleine mit der Gruppe weiter.

Auf der Reise schließt sich der Überlebenskünstler Marco Schoky dem Kindertransport an. Die weitere Flucht führt sie nach Slowenien in ein heruntergekommenes Jagdschloss in Lesno brdo.

Aber auch hier drängen die Nazis nach, die Gruppe flieht daher weiter nach Nonantola in der italienischen Poebene, wo die leerstehende Villa Emma im Juli 1942 von einer jüdischen Hilfsorganisation angemietet wurde und auch eine zweite, aus vierzig jüdischen Kindern und Jugendlichen aus Kroatien bestehende, Gruppe untergebracht wird.

Dort erlebt Betty mit dem kroatischen 17-jährigen Salomon ihre erste Liebe. Nach dem Sturz von Benito Mussolini im Juli 1943 besetzen die Nationalsozialisten auch diese Region, die Bewohner Nanontolas verstecken die Kinder der Villa Emma vor den Nazis.

In Folge geht die Flucht weiter in die Schweiz. Der an Tuberkulose erkrankte Salomon muss zurückbleiben, er wird von den Nazis ins KZ Auschwitz gebracht, wo er ums Leben kommt. Von der Gruppe haben sonst alle überlebt, von deren Familien allerdings kaum jemand.

 

Produktion
Die Kinder der Villa Emma

 

Die Dreharbeiten fanden im Juli und August 2015, gedreht wurde in Österreich, Italien und Slowenien. Drehorte waren unter anderem Wildon, Preding und Deutschlandsberg in der Steiermark sowie Originalschauplätze in Nonantola.

Produziert wurde der Film von der Graf Filmproduktion GmbH, beteiligt waren der Österreichische Rundfunk und die ARD (Degeto), unterstützt wurde die Produktion von Cine Art Styria. Für den Ton zeichnete Max Vornehm verantwortlich, für das Kostümbild Uli Fessler und für das Szenenbild Isidor Wimmer.

Zeitzeuge Ari Rath, der selbst einst mit einem Kindertransport von Wien nach Palästina gelangte, fungierte als historischer Berater der Produktion.

 

Auszeichnungen
Die Kinder der Villa Emma

 

2016: Fernsehpreis der Österreichischen Erwachsenenbildung an Nikolaus Leytner und Agnes Pluch.

 

Rezeption
Die Kinder der Villa Emma

 

ORF-Fernsehdirektorin Kathrin Zechner sagte mit Verweis auf die Flüchtlingskrise in Europa ab 2015: „Dieser Film ermahnt und erinnert uns damals wie heute an unsere Verantwortung gegenüber den Schwächsten auch über unsere Grenzen hinweg.

Er führt uns anhand der Schicksale der Kinder eindringlich vor Augen, wie sehr wir Menschlichkeit aber auch Unmenschlichkeit leben können und wie sehr gesellschaftliche Verantwortung, Opportunismus, Empathie und Grausamkeit menschliche Züge sind, zwischen denen wir uns sehr klar entscheiden können.“

Danielle Spera, Direktorin des Jüdischen Museums Wien äußerte sich wie folgt: „Es ist eine Geschichte der Menschlichkeit, Solidarität und Hilfsbereitschaft, des Nicht-Zögerns, wenn man aufgefordert wird, spontan zu helfen. Die Menschen, die halfen, hatten sich dadurch selbst in Lebensgefahr begeben. Ein berührender Film, den man gesehen haben muss.“

Der Standard.at schrieb unter dem Titel Willkommenskultur anno 1941: „Heute würde man diese Mädchen und Burschen unbegleitete Flüchtlingskinder nennen, und es ist gut, dass die Autorin Agnes Pluch und der Regisseur Nikolaus Leytner den Wahnsinn aus Krieg, Tod und Vertreibung in historischen Einzelbiographien zu fassen versuchen.“

Mit der Premiere in Velden war eine Benefizaktion verbunden, die Initiative für Kärnten spielte rund 6000 Euro für das Flüchtlingshaus Lukasweg ein.

Tilmann P. Gangloff von tittelbach.tv schrieb: „Der Film ist geprägt von erdigen Farbtönen; für die einzigen Farbkleckse sorgen die roten Hakenkreuzfahnen. Wie Mehltau liegt der Respekt vor der historischen Bedeutung über den Bildern; die Inszenierung ist derart gediegen, als verbiete es ein ungeschriebenes Gesetz, auch die wenigen Momente der Unbeschwertheit heiter wirken zu lassen. Und es wird zu viel erklärt. Größtes Manko sind jedoch die Figuren, von denen keine einzige echte Tiefe hat.“

Die Erstausstrahlung im ORF verfolgten im Durchschnitt 536.000 Zuseher, der Marktanteil lag bei 20 Prozent.
Holocaust-Filme
Historienfilme

 

Villa Emma (Nonantola)
Die Kinder der Villa Emma

 

Die Villa Emma ist ein Gebäude an der Via Mavora, ca. zwei Kilometer außerhalb der italienischen Stadt Nonantola bei Modena. Sie wurde 1890 vom Modeneser Architekten Vincenzo Maestri als Sommerresidenz für die Ehefrau Emma Coen des Fabrikanten Carlo Sacerdoti gebaut.

In den Jahren 1942/1943 war sie Zufluchtsort für 73 jüdische Kinder vor der Verfolgung durch die Nationalsozialisten.

Die Kinder und ihre Betreuer kamen aus Polen, Jugoslawien, Ungarn, Österreich und Deutschland. Unter den Letzteren waren fünfzehn Berliner Kinder, die überwiegend aus dem Scheunenviertel stammten.

Mit Hilfe von Recha Freier, der Leiterin der von ihr 1933 ins Leben gerufenen Kinder- und Jugend-Alijah, entkamen sie auf ihrem fünfjährigen Flucht- und Leidensweg zunächst nach Zagreb.

Stets deutsche und örtliche Nazis im Nacken, führte die Flucht weiter über das Jagdschloss von Lesno brdo in Slowenien nach Italien. Im Juli 1942 wurde die leerstehende Villa Emma von der jüdischen Hilfsorganisation DELASEM (Delegazione per l’Assistenza degli Emigranti Ebrei) angemietet. Etwa ein Jahr lang fanden die Kinder in dem halbverfallenen Gebäude Zuflucht.

Während dieses Jahres erhielten sie unter der umsichtigen Leitung Josef Indigs vom sozialistisch-zionistischen Jugendverband Hashomer Hatzair Schulunterricht. Die Mädchen und Jungen lernten unter anderem Neuhebräisch und die Grundlagen der Landwirtschaft, denn nach dem Krieg sollten ihre Ziele Kibbuzim in Palästina sein.

Hilfreich waren die Unterstützung italienischer jüdischer Organisationen, die Solidarität und Sympathie der Bevölkerung und die liberalere Handhabung der Judengesetzgebung in Italien.

Der auch in Italien wachsende Antisemitismus blieb vor Ort jedoch eine latente, bisweilen offene Bedrohung. Hinzu kamen materielle Not und das Leid der Kinder angesichts von Todesnachrichten über Eltern und Geschwister.

Der italienische Diktator Benito Mussolini hatte im Herbst 1938, unter dem Eindruck der antijüdischen Maßnahmen in Deutschland, entsprechende italienische Rassengesetze erlassen.

Die italienischen Juden wurden weitgehend entrechtet; so war es ihnen fortan beispielsweise verwehrt, öffentliche Schulen zu besuchen. Eine unmittelbare Lebensgefahr bestand für die Juden zunächst jedoch nicht.

Nach der Entmachtung Mussolinis im Juli 1943 fielen am 1. August deutsche Truppen in das Königreich Italien ein. Die Villa Emma war fortan kein brauchbarer Zufluchtsort mehr, die jüdischen Kinder wurden daher mehrere Wochen lang im Priesterseminar der Abtei, bei Nonnen und in Familien versteckt.

Die zunächst eher gleichgültigen oder gar ablehnenden Einheimischen hatten ihre Haltung geändert. Etwa 35 Familien, darunter Bauern, Korbflechter und Ladeninhaber, waren an der Rettung der Kinder beteiligt. Jeder brauchbare Schutzraum wurde genutzt, so Heuböden, Kuhställe, Getreidespeicher, ein Lagerraum für Tabak und ein Weinkeller. Die im Ort stationierte Einheit der Wehrmacht erfuhr offenbar nichts über die plötzlich aus der Villa Emma verschwundenen Kinder.

Schließlich gelang den meisten Kindern 1943 auf abenteuerlichen Wegen die Flucht in die Schweiz, von wo sie 1945 nach Palästina gelangten. Bis auf einen Jungen, der gefasst und nach Auschwitz deportiert wurde, haben alle Kinder der Villa Emma überlebt.

Für ihre selbstlose und mutige Haltung wurden der damals junge Priester Don Arrigo Beccari und der Arzt Giuseppe Moreali in der „Allee der Gerechten unter den Völkern“ der Gedenkstätte Yad Vashem geehrt.

2016 entstand unter der Regie von Nikolaus Leytner der ORF/ARD-Fernsehfilm Die Kinder der Villa Emma, der die Flucht einer Gruppe jüdischer Kinder von Wien nach Palästina erzählt.

 

Nonantola in Italien
Provinz Modena (Region Emilia-Romagna)
Die Kinder der Villa Emma

 

Die Geschichte der Stadt ist eng verknüpft mit der Abtei Nonantola, einem 752 von St. Anselm gegründeten Benediktiner-Kloster. Anselm wird als Schutzpatron der Stadt verehrt.

Nach dem Niedergang der Abtei im 13. Jahrhundert wurde sie 1419 an einen Kommendatarabt vergeben. Parallel dazu begann der Streit zwischen Modena und Bologna um den Ort selbst, der 1412 zugunsten der Familie Este entschieden wurde. 1419 wurde eine städtische Verfassung erlassen.

Zwischen Juli 1942 und September 1943 hielten sich in der Villa Emma, einer Sommerresidenz am Stadtrand, ungefähr siebzig jüdische Kinder und Jugendliche auf. Sie kamen aus Deutschland und Österreich und aus Kroatien. Fast alle waren Waisen oder ihre Verwandten waren inhaftiert worden.

Die von Recha Freier 1933 ins Leben gerufene Organisation “Kinder- und Jugend-Alijah” hatte sich ihrer angenommen und sie nach Italien gebracht. Nach der deutschen Besetzung Italiens wurden die Kinder und Jugendlichen und ihre 13 Betreuer von italienischen Bürgern versteckt, bis sie in die Schweiz fliehen konnten.

Alle überlebten, nur der Betreuer Goffredo Pacifici hatte sich nach der Flucht der Kinder entschieden, in Italien zu bleiben um Weiteren zur Flucht zu verhelfen. Er wurde wahrscheinlich in Auschwitz ermordet.

Der Stadt wurde für die Rettung der Kinder und ihren Beitrag für die italienische Widerstandsbewegung die Goldmedaille für militärische Verdienste verliehen.

Die 2004 in Erinnerung an diese Ereignisse gegründete “Stiftung Villa Emma” betreibt in unmittelbarer Nähe der Villa Forschung und pädagogische Erinnerungsarbeit.

Sehenswürdigkeiten

Unter den Bauten, die aus dem Mittelalter erhalten geblieben sind, befinden sich zwei Türme, dei Modenesi und dei Bolognesi genannt sowie die Pieve di San Michele Arcangelo aus dem 9. Jahrhundert. Die wichtigste Sehenswürdigkeit ist jedoch die dem heiligen Silvester geweihte romanische Abtei Nonantola.

 

Die Kinder der Villa Emma

 

Rolle / Darsteller
Betty Liebling: Sophie Stockinger
Josko Indig: Ludwig Trepte
Helga Herrnstadt: Nina Proll
Tilla Nagler: Muriel Wimmer
Marko Schoky: Laurence Rupp
Georg Bories: August Zirner
Jakob Sternheim: Maximilian Paier
Max Schindlheim: Juri Zanger
Salomon Papo: Haris Begic
Kurt Fridmann: Justus Schlingensiepen
Hans Awin: Enzo Gaier
Otto Liechtenstein: Leon Orlandianyi
Greti Bleiweiß: Mila Voigt
Milli Birnbaum: Amy Lee Wörgötter
Paula Zwickel: Johanna Mahaffy
Bettys Oma: Karoline Zeisler
Bettys Vater: Christian Dolezal
Moreali: Giorgio Lupano
Wirtin: Soraya Sala

Musik: Matthias Weber
Kamera: Hermann Dunzendorfer
Buch: Agnes Pluch (Wissenschaftliche Beratung: Klaus Voigt)
Regie: Nikolaus Leytner

Alterseinstufung: Freigegeben ab 12 Jahren
Format: DVD
Format: Dolby, PAL
Sprache: Deutsch (Dolby Digital 2.0)
Region: Region 2
Bildseitenformat: 16:9 – 1.77:1
Anzahl Disks: 1
FSK: Freigegeben ab 12 Jahren
Studio: Polar Film + Medien GmbH
Erscheinungstermin: 5. April 2018
Produktionsjahr: 2016
Spieldauer: 105 Minuten

 

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VinTageBuch Tipp

 

 

Villa Emma: Jüdische Kinder auf der Flucht 1940–1945
von Klaus Voigt
Gebundene Ausgabe: 336 Seiten
Metropol-Verlag
Auflage: 2 (2. Juni 2016)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3863312929
ISBN-13: 978-3863312923

 

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Zitat: Über ein Jahr bot die Villa Emma im italienischen Nonantola 73 jüdischen Kindern, die fünf Jahre vor der nationalsozialistischen Verfolgung auf der Flucht waren, eine Bleibe. Sie stammten aus Deutschland, Österreich, Jugoslawien und Polen und waren unter ungewöhnlichen Umständen geflohen.

Betreut wurden sie von der Hilfsorganisation der italienischen Juden, die Einwohner des Ortes halfen tatkräftig mit. Beim Einmarsch deutscher Truppen im Herbst 1943 fanden die Kinder in kürzester Zeit ein Versteck im örtlichen Priesterseminar, bei Nonnen und bei einheimischen Familien, bis sie in die Schweiz fliehen konnten. Klaus Voigt hat diese beispiellose Hilfsaktion detailliert recherchiert.