Die Jakobsbücher von Olga Tokarczuk. Das grandiose Meisterwerk von Olga Tokarczuk

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Den einen galt er als Weiser und Messias, den anderen als Scharlatan und Ketzer. Eine der bedeutendsten Figuren des 18. Jahrhunderts ist er allemal: Jakob Frank, 1726 im polnischen Korolówka geboren, 1791 in Offenbach am Main gestorben:

Die Jakobsbücher
von Olga Tokarczuk
Gebundene Ausgabe: 1184 Seiten
Aus dem Polnischen von Lisa Palmes und Lothar Quinkenstein
Kampa Verlag
(1. Oktober 2019)
Sprache: Deutsch
ISBN-13: 978-3311100140
Originaltitel: Księgi Jakubowe
Gebundenes Buch 42,00 EUR
E-Book 31,99 EUR

zur Verlagsinformation:
Die Jakobsbücher
von Olga Tokarczuk

Titelseite:

Die Jakobsbücher oder Eine große Reise

Die Jakobsbücher
oder
Eine große Reise über sieben Grenzen
durch fünf Sprachen
und drei große Religionen,
die kleinen nicht mitgerechnet.

Eine Reise, erzählt von den Toten
und von der Autorin ergänzt
mit der Methode der Konjektur,
aus mancherlei Büchern geschöpft
und bereichert durch die Imagination,
die größte natürliche Gabe des Menschen.

Den Klugen zum Gedächtnis,
den Landsleuten zur Besinnung,

den Laien zur erbaulichen Lehre,
den Melancholikern zur Zerstreuung.

Buchzitat: Als Anführer einer mystischen Bewegung, der Frankisten, war Jakob fest entschlossen, sein Volk, die Juden Osteuropas, endlich für die Moderne zu öffnen; zeit seines Lebens setzte er sich für ihre Rechte ein, für Freiheit, Gleichheit, Emanzipation.

Tausende Anhänger scharte Jakob um sich, tausende Feinde machte er sich. Und sie alle, Bewunderer wie Gegner, erzählen hier die schier unglaubliche Lebensgeschichte dieses Grenzgängers, den es weder bei einer Religion noch je lange an einem Ort hielt.

Es entsteht das schillernde Porträt einer kontroversen historischen Figur und das Panorama einer krisenhaften Welt an der Schwelle zur Moderne.

Zugleich aber ist Olga Tokarczuks ebenso metaphysischer wie lebenspraller Roman ein Buch ganz für unsere Zeit, stellt es doch die Frage danach, wie wir uns die Welt als eine gerechte vorstellen können

ein Buch, das Grenzen überschreitet.

Die Übersetzungsarbeit an den Jakobsbüchern dokumentieren Lisa Palmes und Lothar Quinkenstein in der folgenden Ausgabe der TOLEDO-Journale:

Link: „Journal“ zur Übersetzung des Romans Księgi Jakubowe von Olga Tokarczuk (2014) Lisa Palmes und Lothar Quinkenstein

Olga Tokarczuk from Kampa Verlag on Vimeo.

Olga Tokarczuk, 1962 im polnischen Sulechów geboren, studierte Psychologie in Warschau und lebt heute in Breslau. Sie zählt zu den bedeutendsten europäischen Autorinnen der Gegenwart.

Ihr Werk (bislang neun Romane und drei Erzählbände) wurde in 37 Sprachen übersetzt und mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. Für »Die Jakobsbücher«, in Polen ein Bestseller, wurde sie 2015 (zum zweiten Mal in ihrer Laufbahn) mit dem wichtigsten polnischen Literaturpreis, dem Nike-Preis, ausgezeichnet und 2018 mit dem Jan-Michalski-Literaturpreis.

Im selben Jahr gewann sie außerdem den Man Booker International Prize für »Unrast« (im Frühjahr 2019 im Kampa Verlag erschienen), für den sie auch 2019 wieder nominiert war: Ihr Roman »Der Gesang der Fledermäuse« (im Kampa Verlag in Vorbereitung, wie alle ihre älteren Bücher) stand auf der Shortlist.

Zum Schreiben zieht Olga Tokarczuk sich in ein abgeschiedenes Berghäuschen an der polnisch-tschechischen Grenze zurück.

Olga Tokarczuk Werk im Kampa Verlag:
Unrast, Gesang der Fledermäuse, Letzte Geschichten,
Taghaus Nachthaus, Der Schrank, Ur und andere Zeiten

© Copyright / Cover & Inhaltsangaben: Kampa Verlag

 

Wiki-Info:

Jakob Frank ist eine der einflussreichsten Figuren in der Geschichte des Judentums, die sich vollständig vom Land Israel lossagte. Als einer der ersten europäischen Juden war er fest entschlossen, sein Volk in Osteuropa für die Moderne zu öffnen, nachdem es seit dem Ende des Mittelalters (also seit mehr als 250 Jahren) in mittelalterlichen Lebensverhältnissen harrte und sich der modernen Welt draußen verschloss.

Anders als in Westeuropa, wo zur selben Zeit unter Moses Mendelssohn eine Öffnung zur modernen Welt durch die Aufklärung einsetzte, bediente sich Frank des jüdischen Messianismus, um die meist einfachen, bildungsarmen und leichtgläubigen Menschen des ostjüdischen Schtetl hinter sich zu scharen:

Vom vermeintlich wiedergeborenen Messias ließen sie sich davon überzeugen, dass der Talmud sinnlos und die mit ihm verbundene Treue zur Torah („Gotteslehre“) Hauptursache ihrer rückständigen Lebensbedingungen sei.

Nach zwei öffentlichen Disputationen sowie der endgültigen Verbannung Franks und seiner Anhänger aus der jüdischen Gemeinschaft verfolgte Frank im Frankismus das Ziel des Aufbaus eines eigenen, frankistischen Hofstaates in Europa, was ihm nach seiner Konversion zum Katholizismus und seiner Erhebung in den polnischen Kleinadelsstand gegen Ende des Lebens als Baron von Offenbach auf kleinem, protestantischen Territorium auch gelang. Artikel weiterlesen.

Belletristik

Olga Tokarczuk: Księgi Jakubowe (Jakobs Bücher). Historischer Roman, Wydawnictwo Literackie, Kraków 2014, deutsch Die Jakobsbücher, übersetzt von Lisa Palmes und Lothar Quinkenstein, Kampa Verlag, Zürich 2019

Literatur

Paul Arnsberg: Von Podolien nach Offenbach. Offenbach a. Main, 1965
Samuel Back: Aufgefundene Aktenstücke zur Geschichte der Frankisten in Offenbach. MGWJ 26 (1877), S. 189–192, S. 232–240, S. 410–420
Teodor Jeske Choiński: Neofici Polscy. Materiały historiczne, Warzawa: Laskauer 1904, 289 XX S.
Klaus Davidowicz: Die Messianischen Bewegungen und die Kabbala, In: Die Kabbala. Eine Einführung in die Welt der jüdischen Mystik und Magie, S. 126–131, Böhlau Verlag Wien-Köln-Weimar 2009, ISBN 978-3-205-78336-7.
Klaus Davidowicz: Jakob Frank und der „Große Bruder“ – Esau in den frankistischen Lehrworten, In: Gerhard Langer (Hrsg.): Esau – Bruder und Feind. Vandenhoeck und Ruprecht, Göttingen 2009.
Klaus Davidowicz: Zwischen Prophetie und Häresie. Jakob Franks Leben und Lehren. 170 Seiten. Böhlau, Wien-Köln-Weimar 2004, ISBN 3-205-77273-3.
Klaus Davidowicz: Jakob Frank, der Messias aus dem Ghetto. Lang, Frankfurt am Main u. a. 1998, ISBN 3-631-32871-0.
Jan Doktór: Erlösung durch Sünde oder Taufe. Judaica 55,1 (1999), S. 18–29
Jan Doktór: Księga Słów Pańskich. Buch der Worte des Herrn, 2 Bde., §§ 1–2286, Warszawa 1997
Jan Doktór: Rozmaite, Adnotacje, Przypadki, Czynoście i Anekdoty Pańskie. Chronik des Leben Franks, Warszawa 1996
Simon Dubnow: Geschichte des Chassidismus, 2Bde., Berlin 1931
Ekaterina Elneliantseva: Zwischen jüdischer Tradition und frankistischer Mystik. Zur Geschichte der Prager Frankistenfamilie Wehle, Kwartalnik Historii żydów 200 (2001), S. 549–565
Jakub Goldberg: Die getauften Juden in Polen-Litauen im 16.–18.Jahrhundert. Taufe, soziale Umschichtung und Integration. Jahrbücher für Geschichte Osteuropas 30 (1982), S. 54–99
Heinrich Graetz: Frank und die Frankisten. Eine Sekten-Geschichte aus der letzten Hälfte des vorigen Jahrhundertes. Grass, Barth u. Comp., Breslau 1868 (Jahresbericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel’scher Stiftung 1868, ZDB-ID 520377-6), online (PDF; 8,12 MB).
Heinrich Graetz: Geschichte der Juden von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart. Band 10: Geschichte der Juden von der dauernden Ansiedelung der Marranen in Holland (1618) bis zum Beginn der Mendelssohnischen Zeit (1760). Leiner, Leipzig 1868, S. 418ff.
Heinrich Graetz: Frank und die Frankisten. Breslau 1868
Jörg K. Hoensch: Der Polackenfürst in Offenbach. Jacób Jozef Frank und seine Sekte der Frankisten. ZRG 42 (1990), S. 229–244
Eduard Jellinek: Nachrichten von Frankisten in Warschau. Das Jüdische Literaturblatt 11 (1882), S. 107
A. Kraushar: Frank i frankiści polscy, 2 Bde., Kraków 1895; übersetzt ins Englische als The End to the Sabbataian Heresy Herbert Levy, Lanham/New York/Oxford, 2001.
Harris Lenowitz: The Charlatan at the Gottes Haus in Offenbach. Jewish Messianism in the early modern world, hrsg. von Matt D. Goldish und Richard H. Popkin, Dordrecht-Verlag 2001, S. 189–203
Hillel Levine: The Kronika – On Jacob Frank and the Frankist Movement, Jerusalem 1984
Paweł Maciejko: The Mixed Multitude: Jacob Frank and the Frankist Movement, 1755–1816. University of Pennsylvania Press, Philadelphia 2011, ISBN 978-0-8122-4315-4.
Hans-Georg Ruppel: Baron Jakob von Frank, der Juden-Messias (1788-1791). In: Perle der Renaissance. Das Isenburger Schloss in Offenbach am Main, Schnell & Steiner, 1. Aufl. 2005, S. 66, ISBN 978-3-795418083
Winfried B. Sahm, Christina Uslular-Thiele: Offenbach was für eine Stadt. Herausgegeben von der Volkshochschule der Stadt Offenbach. 2. erweiterte und aktualisierte Auflage. Verlag CoCon, Hanau 2004, ISBN 3-937774-05-X.
Stefan Schreiner: Der Messias kommt zuerst nach Polen. Jakob Franks Idee von Polen als gelobtem Land und ihre Vorgeschichte. Judaica 57/4 (2001), S. 242–268
Kurt Schubert: Jüdische Geschichte. 5. Auflage. Beck, München 2002, ISBN 3-406-44918-2, S. 83ff. (Beck’sche Reihe – C. H. Beck Wissen 2018).
F.Hip. Skimborowicz: żywot, skon i nauka Jakóba Józefa Franka ze spółczesnych i dawnych z’ródeł, oraz z 2 r’kopismów. Warszawa, 1866
Georg Eduard Steitz: Frank, Jacob. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 7, Duncker & Humblot, Leipzig 1877, S. 250–252.
Zygmunt Lucyan Sulima: Historya Franka i frankistów. Kraków/Warszawa/Petersburg 1893
J.L. Talmon: Political Messianism. New York, 1960
Bernard D. Weinryb: The Jews of Poland. A Social and Economic History of the Jewish Community in Poland from 1100–1800. Philadelphia : Jewish Publication Society of America, 1972, 1976
Klaus Werner: Die Sekte der “Frankisten”. In: Zur Geschichte der Juden in Offenbach am Main. Band 2: Von den Anfängen bis zum Ende der Weimarer Republik. Hrsg. Vom Magistrat der Stadt Offenbach am Main. Offenbach am Main 1990. S. 106–115.