17. September 2021

Thrillerdebüt und Auftakt einer Trilogie in der Stalin-Ära: Ben Creed, Der kalte Glanz der Newa. Der erste Fall für Leutnant Revol Rossel: Düsterer Thriller über einen perfiden Serienmörder im Leningrad der 50er Jahre

Das atmosphärisch dichte Thriller-Debüt ist zugleich Auftakt einer Trilogie um Leutnant Revol Rossel von der sowjetischen Miliz-Polizei – von der britischen TIMES als bester Thriller 2020 ausgezeichnet:

Der kalte Glanz der Newa:
Thriller von Ben Creed
Der erste Fall für Leutnant Revol Rossel
(Die Leningrad-Trilogie, Band 1)
Aus dem Englischen von Peter Hammans

Knaur Taschenbuch
(1. September 2021)
Broschiert: ‎ 432 Seiten
ISBN-13: ‎ 978-3426526620
Originaltitel: ‎ City of Ghosts
Paperback 14,99 €
E-Book 9,99 €

zur Verlagsinfo
Der kalte Glanz der Newa:
Thriller von Ben Creed

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Der kalte Glanz der Newa:
Thriller von Ben Creed

Buchzitat: Oktober 1951. Leningrad gegen Ende des mörderischen Regimes von Josef Stalin. Revol Rossel, einst ein talentierter Geiger bevor ein brutales Verhör der Geheimpolizei seiner Karriere ein jähes Ende gesetzt hat, arbeitet nun nach seiner Rehabilitation als Leutnant bei der sowjetischen Miliz-Polizei.

In einer eisigen Winternacht wird er mit seinen Kollegen zu einem Tatort gerufen, der selbst die hartgesottenen Militärpolizisten zutiefst erschüttert:

Fünf grausam verstümmelte Leichen wurden wie auf Notenlinien zwischen drei parallelen Eisenbahnlinien arrangiert.

Die fünf Getöteten scheinen keine Verbindung zueinander zu haben, aber einer von ihnen, ein Mönch, weist krude Tätowierungen am ganzen Körper auf – steckt hier ein bizarrer Todeskult dahinter, oder doch Stalins gefürchtetes Ministerium für Staatssicherheit, das MGB?

Rossel glaubt, dass er seit dem Krieg und dem Zusammenstoß mit der Geheimpolizei eigentlich nichts mehr zu verlieren hat – doch als er während der Ermittlungen mit seiner eigenen Vergangenheit konfrontiert wird, muss er erkennen, wie viel für ihn noch immer auf dem Spiel steht.

»’Der kalte Glanz der Newa‘ ist weitgehend Fiktion, aber wir haben einige reale Begebenheiten, auf die wir bei unseren Recherchen gestoßen sind, als Folie für finstere Figuren wie Stalins Schergen Beria genutzt. (..)

Der Wahrheitsgehalt der Figuren ergibt sich meiner Meinung nach nicht so sehr aus dem, was sie sagen, oder aus den tatsächlichen Geschehnissen, sondern aus der Art und Weise, wie sie sich auf jeder Seite anfühlen, und aus der Wirkung, die sie auf die Menschen in ihrem Umkreis haben..« Chris Rickaby

Ben Creed ist das gemeinsame Pseudonym von Chris Rickaby und Barney Thompson. Chris Rickaby wurde in Newcastle geboren. Er arbeitete für verschiedene Fernsehsender, bevor er seine eigene Marketing- und Medienagentur gründete.

Barney Thompson hat eine Ausbildung als klassischer Musiker absolviert und zwei Jahre am Konservatorium in St. Petersburg studiert, bevor er zum Journalismus wechselte. Er arbeitet heute als Lektor und Redenschreiber für das UN Flüchtlingshilfswerk.

   Der vorliegende Roman Der kalte Glanz der Newa ist ihr ihr erstes gemeinsames Werk und der erste Fall für Leutnant Revol Rossel von der Leningrader Militärpolizei. Shortlisted für den Gold Dagger 2021 der British Crime Writers Association.

Ben Creed „DER KALTE GLANZ DER NEWA“
Im Gespräch mit dem Autoren-Duo Ben Creed:
CHRIS RICKABY und BARNEY THOMPSON

Der kalte Glanz der Newa ist der erste Band einer Trilogie. Von was handelt der Roman und wie kam es zu einer Trilogie?

BT: Der kalte Glanz der Newa spielt im stalinistischen Russland im Winter 1951. Ohne an dieser Stelle zu viel verraten zu wollen, haben wir es als eine Mischung aus Amadeus und Tom Rob Smiths Kind 44 beschrieben.

Mitten im eisig kalten sowjetischen Winter wird Revol Rossel, einst ein am Konservatorium ausgebildeter klassischer Violinist, jetzt Leutnant der staatlichen Polizei in Leningrad, nachts in die Nähe deszugefrorenen, riesigen Ladogasees gerufen.

Dort findet er fünf kostümierte, verstümmelte Leichen und die Anfänge einer Mordspur, die ihn in die höchsten Kreise der sowjetischen Gesellschaft und zurück zu einer geheimnisvollen Sängerin führt, in die er einst, während seiner Zeit als Musikstudent am Leningrader Konservatorium, verliebt war.

CR: Wir haben uns immer vorgestellt, dass Rossel, unser Protagonist, sich in einer Reihe von Romanen weiterentwickelt, wobei jeder einzelne Roman eine andere Ebene seiner komplizierten Psyche enthüllt.

Durch das Eintauchen in die Serie erfährt man also nicht nur mehr über die Morde, die er aufklärt, sondern auch mehr über seine Persönlichkeit.

Sie sind Chris Rickaby und Barney Thompson und schreiben erstmals gemeinsam unter dem Autorennamen Ben Creed. Wie ist Ben Creed entstanden?

BT: Chris ist die Ideenfabrik! Er sieht alles durch das Prisma eines Schriftstellers und lässt sich alle möglichen Verbindungen, Charaktere und Handlungen einfallen.

Er hatte die Idee für Der kalte Glanz der Newa. Dabei spielten zwei Dinge eine Rolle, mit denen ich mich ein wenig auskenne: Musik und Russland.

(Ich habe zwei Jahre lang am St. Petersburger Konservatorium Dirigieren studiert, bevor ich in weiser Voraussicht entschied, dass ich nicht gut genug war).

Er schickte mir eine Nachricht auf Facebook und fragte mich, ob ich an einer Zusammenarbeit interessiert sei, da dies meine „Gebiete“ seien, und ich fand die zentrale Prämisse des Buches so großartig, dass ich gleich zugesagt habe.

Chris kommt immer aus Newcastle nach London, oder ich fahre hin, und wir haben zermürbende Sitzungen, in denen wir Ideen austauschen, Handlungsstränge ausarbeiten, uns Google-Bilder ansehen, um über unsere Figuren nachzudenken, und die Biografien der handelnden Personen schreiben.

In London begeben wir uns in die Royal Festival Hall oder ins National Theatre und kritzeln viel auf Notizblöcke. Dann teilen wir uns gegenseitig längere Teile des Exposés zu, und einer von uns bearbeitet dann, was der andere geschrieben hat.

Das Tolle daran ist, dass ich einfach an Chris übergeben kann, wenn ich nicht weiterkomme, oder umgekehrt die Herausforderung annehmen kann, wenn Chris nicht vorankommt.

Natürlich telefonieren wir auch viel.

Ich bezweifle, dass diese Form der Zusammenarbeit jedem liegt. Der Andere wird unweigerlich umschreiben, was du für genial hältst und ein paar deiner Lieblingsausdrücke killen, und damit musst du klarkommen – obwohl es in gewisser Weise einfacher ist, wenn Chris es macht, weil ich es dann nicht tun muss.

CR: Der kalte Glanz der Newa ist ein Buch, das ich allein nicht hätte schreiben können.

Als ich die Idee hatte, aus der dann das Buch wurde, waren es nur hundert Wörter, mehr nicht.

Mir war sofort klar, dass daraus ein guter Thriller werden konnte, aber allein würde ich ihn nicht schreiben können.

Also habe ich das Exposé zunächst einfach weggelegt. Aber dann fiel mir auf, dass Barney in Russland gelebt, dort eine Ausbildung zum Dirigenten gemacht hatte und gerne Thriller schrieb.

Also habe ich mich mit ihm in Verbindung gesetzt und eigentlich damit gerechnet, dass er nein sagen würde. Doch er sagte zu.

Und hier sind wir nun, nach einer Menge harter Arbeit, ausgestattet mit einem Vertrag über drei Romane in Großbritannien, einem fantastischen Vertrag mit Droemer Knaur in Deutschland und dem ersten Thriller, der es 2021 auf die Shortlist der britischen Crime Writers‘ Association für den Gold Dagger gebracht hat und von der Londoner Times schon 2020 als ‚Thriller of the Year‚ geehrt wurde.

Ich komme aus der Werbebranche, wo die Kreativen traditionell in Zweierteams arbeiten – Art Director und Texter.

Daher war es für mich, im Gegensatz wohl zu vielen anderen, ein weniger
radikaler Schritt, einen Roman zusammen mit jemand anderem zu schreiben.

Der Schlüssel dazu ist, dass man sein eigenes Ego aus der Dynamik herausnehmen und sich ganz darauf konzentrieren muss, ein großartiges Produkt abzuliefern.

Ich bin jemand, der sich manchmal des ausufernden Schreibens schuldig macht. Barney hat als Schlussredakteur für die Financial Times gearbeitet, und wenn es darum geht, Geschichten zu erzählen, hat er einen wunderbar einfachen, klaren Prosa-Stil.

Ich denke, dass die Art und Weise, wie das Buch geschrieben ist, seinem Prosa-Stil viel näherkommt als meinem. Und das ist auch gut so.

Was macht für Sie den Reiz aus, einen Thriller in Russland in der stalinistischen Ära anzusiedeln?

CR: Stalins Werdegang ist ein Lehrstück dafür, wie man sich einem Anliegen verschreiben kann, das vielen damals als gerechte Sache erschien, und es dann im Laufe der Zeit so pervertiert dass schließlich die russischen Werktätigen – das Volk, wenn man so will – unterdrückt werden, für deren Befreiung man doch ursprünglich eingetreten war.

An dem Punkt in der sowjetischen Geschichte, zu dem der Thriller spielt – der Beginn der 50er Jahre, kurz vor Stalins Tod – waren der Glaube an Stalin und der Glaube an den Kommunismus ein und dasselbe geworden.

Die Bürger der UdSSR lebten angeblich in einem atheistischen, säkularen Staat, einem vermeintlichen Arbeiterparadies, und doch liefen sie jeden Tag Gefahr – entweder durch einen Versprecher oder durch die Denunziation eines Arbeitskollegen – als antisowjetische Gotteslästerer abgestempelt und in den Gulag geschickt zu werden.

Dieses kollektive Gefühl der gesamtgesellschaftlichen Paranoia, ein Leningrad, in dem jeder Bürger gezwungen ist, eine Maske aufzusetzen und jeden freien Gedanken für sich zu behalten, ist eine perfekte Szenerie für einen psychologischen Thriller.

BT: Leningrad ist für mich kein Abstraktum, da ich viele Jahre in St. Petersburg gelebt und gearbeitet habe.

Ich hatte das Gefühl, dass die Schönheit der Stadt und ihrer Architektur eine geradezu heitere Kulisse für ihre durchaus düstere Geschichte bietet, und diese Spannung ist tatsächlich mit Händen zu greifen, wenn man durch die Straßen der Stadt schlendert.

Wir hoffen, dass es uns gelungen ist,
dass in unserem Thriller zu vermitteln.

Ihre Hauptfigur, Revol Rossel ist ein vielversprechender Geiger, der nun als Polizist arbeitet. Ein ungewöhnlicher Charakter – wie ist er entstanden?

CT: Als ich Barney zum ersten Mal kontaktierte, hatte ich nur die Vorstellung, dass der Ermittler vielleicht auch ein Musiker sein könnte, dessen Hände versehrt sind.

Ich glaube, er war zu diesem Zeitpunkt noch nicht einmal Geiger. Barneys musikalischer Hintergrund war also der Schlüssel für die Entwicklung von Rossel.

Die psychologischen Qualen unseres Ermittlers rühren daher, dass er im Grunde von dem Geist der Person verfolgt wird, die er hätte sein können – ein großer, klassischer sowjetischer Musiker.

Doch nun verbringt er seine Tage als bescheidener Polizeileutnant. Ein Mann, der von „Wenn doch…“ und „Hätte-sein-können“ verfolgt wird.

Die Schönheit der klassischen russischen Musik und die Brutalität der Morde stehen sich im Roman gegenüber und schaffen ein bewusst verstörendes Bild – oder?

BT: Wie ich schon sagte, habe ich am St. Petersburger Konservatorium für Musik studiert, um Komponist zu werden, bevor ich in weiser Voraussicht entschied, dass aus mir niemals der nächste Rostropowitsch werden würde.

Rossel, unser Held, hat am selben Ort Violine studiert. Genau wie ich liebt er die klassische russische Musik.

Einiges davon vermittelt ein Gefühl der Freude und sorgt für eine gewisse Spannung zu den düsteren Elementen der Handlung, aber aus ihr spricht auch eine tiefe Melancholie, die, wie ich glaube, der russischen Seele entspringt – der perfekte Soundtrack für eine Reihe makabrer Morde.

Manche Charaktere lehnen Sie an echte historische Figuren an. Wo verschwimmt die Realität mit der Fiktion?

CR: Der kalte Glanz der Newa ist weitgehend Fiktion, aber wir haben einige reale Begebenheiten, auf die wir bei unseren Recherchen gestoßen sind, als Folie für finstere Figuren wie Stalins Schergen Beria genutzt.

Aber wir haben uns auch viele Freiheiten genommen, um eine fesselnde Geschichte zu erzählen.

   Der Wahrheitsgehalt der Figuren ergibt sich meiner Meinung nach nicht so sehr aus dem, was sie sagen, oder aus den tatsächlichen Geschehnissen, sondern aus der Art und Weise, wie sie sich auf jeder Seite anfühlen, und aus der Wirkung, die sie auf die Menschen in ihrem Umkreis haben.

Im Sowjetrussland der 1950er Jahre muss sich die Vorladung zu einer Unterredung mit Lawrenti Beria ähnlich angefühlt haben, als wäre man zur Zeit der Französischen Revolution ein Adliger, der in einen kahlen Raum gesperrt ist, zusammen mit der Guillotine, von der er weiß, dass sie ihn eines Tages den Kopf kosten wird.

Gibt es Kriminalromane oder Thriller, die Sie beeinflusst haben?

BT: Martin Cruz Smith hat einen sehr großen Einfluss auf mich gehabt, und ich sollte damit aufhören, ihn nachahmen zu wollen.

Ich mag Alan Furst wegen seines Stils und der Atmosphäre und John Grisham für die Art und Weise, wie er alle Regeln über den Haufen wirft und trotzdem jedesmal eine fesselnde Geschichte zustande bringt.

Ian Rankin, Jo Nesbø, Val McDermid, Raymond Chandler … Ich habe mir gerade eine Reihe von Online-Vorträgen von James Patterson angesehen, und obwohl sein Stil sich von dem unterscheidet, was ich versuche, habe ich sehr viel von ihm gelernt.

Vor allem hinsichtlich der Planung und des „Katz-und-Maus-Spiels mit dem Leser“ (und wenn jemand 350 Millionen Bücher mehr verkauft hat als man selbst, sollte man wohl zuhören).

Aber wahrscheinlich bin ich doch stärker von anderen Genres beeinflusst. Ich verbringe viel Zeit damit, all meine Lieblingsbücher Revue passieren zu lassen, die ich vor langer Zeit gelesen habe (A Fine Balance, A Prayer for Owen Meany, Any Human Heart), und stelle fest, dass ich so einige Lektionen daraus hätte lernen können. Vor allem über großartige Charaktere.

CR: Ich habe den größten Teil der Bernie-Gunther-Reihe von Phillip Kerr gelesen. Ich mag die Charakterzeichnung und die Dialoge in dieser Serie.

Michael Dibdins Aurelio-Zen-Krimis sind ebenfalls eine Serie, die ich sehr genossen habe. Sie haben eine fantastische Stimmung und Atmosphäre.

Der Name der Rose hat mich sehr beeindruckt, als ich den Roman zum ersten Mal gelesen habe – ein spannender, fesselnder Thriller mit tollen Charakteren, der auch interessante philosophische Fragestellungen bietet und thematisch reichhaltig ist.

Viele der heutigen Fernsehserien haben eine erstaunlich gute Handlung und ebensolche Charaktere und Dialoge.

Die zweite Staffel von Boardwalk Empire ist eine meiner Lieblingsserien überhaupt.

Die Macher dieser Serie schreiben sozusagen hautnah und mit den Augen der Figuren. Sie haben die Messlatte sehr hoch gelegt. In diese Richtung wollen wir.

»›Der kalte Glanz der Newa‹ erinnert mich an ›Gorky Park‹, gefällt mir aber noch besser. Revol Rossel ist eine brillante Hauptfigur.« James Patterson