Das Kennedy-Attentat. Drei Tage im November. Es gibt viele Verschwörungstheorien zu den Ereignissen rund um den 22. November 1963

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Das Kennedy-Attentat. Drei Tage im November. Es gibt viele Verschwörungstheorien zu den Ereignissen rund um den 22. November 1963

Es gibt viele Verschwörungstheorien zu den Ereignissen rund um den 22. November 1963 – den Tag, an dem der damalige US-Präsident John F. Kennedy in seiner Limousine in Dallas auf offener Straße erschossen wurde.

Innerhalb von 90 Minuten verhaftet die Polizei den Verdächtigen Lee Harvey Oswald und präsentiert ihn später als Einzeltäter.

Zwei Tage nach dem Attentat wird Oswald von dem Nachtclubbesitzer Jack Ruby ermordet – noch bevor Anklage gegen ihn erhoben werden konnte. In dieser Dokumentation brechen die involvierten Polizisten zum ersten Mal ihr Schweigen:

Wie konnten sie Oswald so schnell finden?
Warum hielt das FBI kritische Informationen zurück?
Und wie schaffte es Oswalds Mörder an den Wachen vorbeizukommen?

Die Polizisten des Dallas Police Departments geben einen einzigartigen Einblick in die Geschehnisse zwischen dem 22. und 24. November 1963.

Das Kennedy-Attentat
Drei Tage im November
Film von Kate Griendling und Laurent Martin
Sendetermine: www.phoenix.de
Sa. 25.11.17, 21.00 Uhr
So. 26.11.17, 04.30 Uhr
So. 26.11.17, 07.30 Uhr
So. 26.11.17, 19.15 Uhr

 

Buch- und Filmkatalog Historische Biografien

 

Buch- & Filmkatalog John F. Kennedy

 

Buch- & Filmkatalog Der Kennedy-Clan

 

 

 

Cover: Wer erschoss John F. Kennedy?: Auf der Spur der Mörder von Dallas von Jim Garrison
Taschenbuch: 412 Seiten
Verlag: Bastei Lübbe
Auflage: Bastei Lübbe (1992)
ISBN-13: 978-3404134120
ASIN: B002LOP9GS
Taschenbuch ab EUR 3,77

 

Lee Harvey Oswald

 

Lee Harvey Oswald (* 18. Oktober 1939 in New Orleans, Louisiana; † 24. November 1963 in Dallas, Texas) war der mutmaßliche Mörder des amerikanischen Präsidenten John F. Kennedy. Zwei Tage nach dem Attentat wurde Oswald in Polizeigewahrsam von dem Nachtclubbesitzer Jack Ruby erschossen.

Die von Kennedys Nachfolger Lyndon B. Johnson eingesetzte Warren-Kommission kam zu dem Ergebnis, Oswald sei der alleinige Täter gewesen. Ein später einberufener Untersuchungsausschuss des Repräsentantenhauses (HSCA) stellte dagegen fest, es habe wahrscheinlich mehrere Täter gegeben.

Eindeutige forensische Evidenz dafür ist nicht aufgetaucht, vielmehr haben neuere Untersuchungen des verfügbaren Materials die Einzeltäterthese erhärtet. Bis heute wird die Frage kontrovers diskutiert, verschiedene Verschwörungstheorien sind im Umlauf, insbesondere weil die Aufklärung des Mordfalls von Beginn an von Pannen, Versäumnissen und Fehlern der Ermittlungsbehörden, Ärzte und Untersuchungskommissionen begleitet war.

Das Attentat polarisierte die Öffentlichkeit nachhaltig: Eine große Mehrheit der Amerikaner nimmt an, Kennedy sei Opfer einer Verschwörung gewesen, akademische Historiker bevorzugen dagegen ganz überwiegend die Alleintäterthese.

Kennedys Reise durch Texas

Kennedys Texas-Reise, die ihn nach San Antonio, Houston, Fort Worth und Dallas führen sollte, war im September 1963 angekündigt worden. Der Präsident verfolgte mit dieser Reise drei Ziele:

Stimmung für seine Wiederwahl 1964 zu machen,
Spenden für den bevorstehenden Präsidentschaftswahlkampf zu sammeln und
den Streit innerhalb der Demokratischen Partei von Texas zu schlichten, der zwischen den Konservativen um Gouverneur John Connally und den Liberalen um Senator Ralph Yarborough immer noch tobte. Schon bei der Präsidentschaftswahl drei Jahre zuvor hatte – neben Kennedys klarem Bekenntnis zu einer Gleichberechtigung der Afroamerikaner – diese Kontroverse dazu beigetragen, dass er in Texas nur eine äußerst knappe Mehrheit erreichte, obwohl der als Vizepräsident nominierte Lyndon B. Johnson aus Texas kam.

Der Präsident wurde von seiner Frau Jacqueline Bouvier-Kennedy begleitet, die bislang nie auf eine Wahlkampfreise mitgekommen war. Auch aufgrund ihrer Anwesenheit war die Stimmung der Bevölkerung sehr herzlich, als das Präsidentenpaar im offenen Wagen durch San Antonio und Houston fuhr.

Die Öffentlichkeit in Dallas, einer Stadt, die als „Brutstätte rechtsgerichteten Konservatismus“ bekannt war, stand dem Besuch des Präsidenten aber skeptisch gegenüber. Ein Verband, der sich „Ermittlungsausschuss frei und amerikanisch denkender Bürger“ nannte, schaltete am Tag seines Besuchs eine Anzeige, in der Kennedy unter anderem vorgeworfen wurde, er hätte „die Monroe-Doktrin zugunsten des ‚Geistes von Moskau‘ verschrottet“.

Damit wurde auf die Kuba-Politik des Präsidenten angespielt, die nach dem Debakel in der Schweinebucht und der Kubakrise, in der der Dritte Weltkrieg nur knapp hatte vermieden werden können, deutlich vorsichtiger geworden war. Auch kursierte ein Flugblatt in Form eines Steckbriefs, auf dem Kennedy wegen Hochverrats gesucht wurde.

Anlass zu Besorgnis gab obendrein, dass Adlai Stevenson, der US-Botschafter bei den Vereinten Nationen, am 24. Oktober im Dallas Memorial Auditorium von wütenden Demonstranten bespuckt und mit Protestschildern geschlagen worden war.

Am Tag zuvor hatte der rechtsradikale General Edwin Walker, Mitglied der John Birch Society, am selben Ort Kennedy und Stevenson vorgeworfen, sie planten, die Souveränität der Vereinigten Staaten an die UNO zu übergeben, die in Wahrheit eine kommunistische Verschwörung sei.

Am 18. November 1963 hatte zudem ein geplanter Autokorso Kennedys durch Miami abgesagt werden müssen, da der Polizei Attentatspläne bekannt geworden waren.

Dennoch waren die Sicherheitsvorkehrungen unzureichend: Für den Schutz des Präsidenten waren zwar 350 Polizisten der Stadt Dallas abgestellt worden – ein Drittel ihrer Gesamtstärke –, außerdem vierzig Angehörige der Staatspolizei und fünfzehn Deputy Sheriffs aus Dallas County.

Außerdem waren 28 Secret-Service-Agenten zum Schutz des Präsidenten nach Dallas gekommen, von denen aber nur zwölf die Autokolonne begleiteten, in der Kennedy vorbei an 200.000 Schaulustigen vom Flughafen Dallas Love Field zum Dallas Trade Mart fahren wollte. Dort wollte er eine Rede halten, in der er sich zur Fortsetzung des militärischen Engagements der USA in Südostasien bekennen wollte.

Anders als in Tampa, das Kennedy wenige Tage zuvor besucht hatte, wurden die Dächer entlang der Strecke nicht gesichert. Kennedy fuhr in einem 1961er Lincoln Continental X-100 mit offenem Verdeck – Amtslimousinen mit kugelsicherem Dach gab es noch nicht. Auch fuhren keine Secret-Service-Agenten auf der Stoßstange mit, was den Präsidenten vielleicht hätte retten können.

Der Politikwissenschaftler Larry J. Sabato führt das übergroße Gefühl der Sicherheit, das bei Kennedy und seiner Umgebung vorherrschte, zum einen auf dessen Risikofreude zurück, zum anderen darauf, dass seit dem Secret Service 1901 der Personenschutz des Präsidenten übertragen worden war, kein Attentat geglückt war.

Kennedy selbst sah die Gefahr eines Anschlags, blieb aber gelassen. Sein Assistent Kenneth O’Donnell erinnerte sich später an seine fatalistischen Worte:

„Wenn jemand wirklich den Präsidenten der Vereinigten Staaten erschießen wollte, wäre das keine schwierige Arbeit: Man müsste nur eines Tages mit einem Gewehr mit Zielfernrohr auf ein hohes Gebäude hinauf, niemand könnte etwas gegen einen solchen Anschlag unternehmen.“

Das Attentat auf den Präsidenten

Mit Kennedy im Wagen saßen seine Frau Jackie, Gouverneur John Connally, dessen Frau Nellie Connally sowie der Fahrer William Greer und ein Leibwächter, beide vom Secret Service. Als die Autokolonne nur noch knapp vier Kilometer vom Veranstaltungsort entfernt war, fuhr sie auf der Houston Street, die den Gebäudekomplex der Dealey Plaza nach Westen begrenzt, auf das Schulbuchdepot des Staates Texas zu.

Hier bogen die Wagen in einer 120°-Kurve in westlicher Richtung in die Elm Street ein. Etwa auf halber Höhe zwischen dem Schulbuchdepot und einem hinter einem Bretterzaun gelegenen Grashügel stand Abraham Zapruder, ein Amateurfilmer, und filmte den vorbeifahrenden Wagen des Präsidenten auf Normal-8-mm-Farbfilm.

Kurz zuvor hatte sich die Frau von Gouverneur Connally angesichts der vielen freundlich winkenden Menschen am Straßenrand an den hinter ihr sitzenden Präsidenten mit den Worten gewandt: „Mr. President, man kann nicht sagen, dass Dallas Sie nicht liebt“, und Kennedy hatte zugestimmt: „Nein, das kann man ganz sicher nicht sagen.

 

Das waren seine letzten Worte.

 

Kurz darauf fielen um 12:30 Uhr drei Gewehrschüsse. Nach der später so genannten Single-Bullet-Theorie der Warren-Kommission ging der erste fehl, die zweite Kugel durchschlug Kennedys Hals, Connallys Brust und Handgelenk und verletzte ihn am Oberschenkel. Er sank auf den Schoß seiner neben ihm sitzenden Frau, die ihn an sich drückte und so den Kollaps seiner Lunge verhinderte.

Da Kennedy aus gesundheitlichen Gründen ein Korsett trug, blieb er aufrecht sitzen, sodass der dritte Schuss ihn in den Kopf traf, dessen rechte Hälfte aufplatzte. Jackie Kennedy kletterte auf das Heck der Limousine und sammelte etwas von der Hirnmasse ihres Mannes auf, die dorthin gespritzt war.

Der Secret-Service-Mann Clint Hill, der inzwischen auf den Wagen aufgesprungen war, drängte sie in ihren Sitz zurück. Der Fahrer, der nach dem zweiten Schuss abgebremst hatte um sich nach dem Präsidenten umzusehen, beschleunigte nun den Wagen zur Flucht. Mehrere Augenzeugen sahen den Gewehrlauf aus einem Fenster des fünften Stocks des Schulbuchlagers ragen.

Kennedy wurde um 12:35 Uhr in die Notaufnahme des Parkland Memorial Hospital gebracht, wo sich vierzehn Ärzte um ihn bemühten. Seine Hautfarbe war aschfahl bis bläulich-weiß, die Augen reagierten nicht mehr auf Lichtreize, das Herz schlug aber noch.

Nachdem er entkleidet und intubiert worden war, bemerkten die Ärzte eine kleine Schusswunde unterhalb des Adamsapfels, durch die er Sauerstoff verlor. Daher wurde eine Tracheotomie vorgenommen.

Eine Herzdruckmassage blieb wirkungslos und führte nur dazu, dass große Mengen Blut und auch Hirnmasse aus der klaffenden Kopfwunde verloren gingen. Eine genauere Untersuchung der Wunde fand nicht mehr statt. Kennedy war wahrscheinlich bereits bei der Einlieferung hirntot gewesen. Gegen 13 Uhr unterzeichnete der Arzt Kemp Clark den Totenschein. Kurz darauf traf ein katholischer Priester ein und spendete ihm die Sterbesakramente.

In einer improvisierten Pressekonferenz im Krankenhaus gab Pressesprecher Malcolm Kilduff den Tod des Präsidenten bekannt. Die Ärzte Malcom Perry und Clark beschrieben die Verletzungen des Präsidenten, wobei sie die Wunde vorne am Hals als Eintrittswunde und die klaffende Kopfverletzung als Austrittswunde beschrieben. Eine Einschussstelle am Kopf hätten sie nicht festgestellt.

Nach texanischem Recht hätte der Leichnam in Dallas bleiben müssen, um vom zuständigen Friedensrichter untersucht zu werden. Secret-Service-Agenten setzten jedoch durch, dass er an Bord der Air Force One geschafft und zur Obduktion ins Bethesda Naval Hospital bei Washington geflogen wurde. Vor dem Start legte Lyndon B. Johnson an Bord des Flugzeugs den Amtseid als 36. Präsident der Vereinigten Staaten ab.

Im Bethesda Naval Hospital obduzierten drei Ärzte von 20 Uhr bis vier Uhr früh Kennedys Leichnam. Der Bruder des Präsidenten, Justizminister Robert F. Kennedy, und Jackie Kennedy waren im Krankenhaus anwesend und drängten auf einen raschen Abschluss.

Aus diesem Grund unterblieben mehrere Standardprozeduren wie eine Kopfrasur zur Freilegung der tödlichen Wunde oder ein Vergleich der Einschusslöcher in Körper und Kleidung, denn diese war in Dallas geblieben. Auch ein Abgleich der Ergebnisse mit denen des Parkland Hospital fand nicht statt: Da sie nicht wussten, dass die Tracheotomie die zweite Wunde beim Halsdurchschuss verdeckt hatte, röntgten die Ärzte im Bethesda den Leichnam, da sie einen Steckschuss vermuteten.

Im Unterschied zu den Ärzten in Dallas kamen sie zu dem Schluss, dass die beiden Schüsse Kennedy von hinten getroffen hatten, und fanden auch die Einschusslöcher an Kennedys Hals und Kopf.

Am 25. November 1963 wurde John F. Kennedy mit einem Staatsbegräbnis auf dem Nationalfriedhof Arlington beigesetzt.

Die Verhaftung Oswalds

Unmittelbar nach den Schüssen stürmten die zahlreich anwesenden Sicherheitskräfte zu dem Schulbuchlager. Einige rannten auch in die entgegengesetzte Richtung zu dem Grashügel, weil sie glaubten, die Schüsse seien von dort gekommen.

Sie überstiegen den Zaun und suchten auf dem dahinter liegenden Parkplatz und dem Eisenbahngelände nach möglichen Schützen. Man fand drei Landstreicher in einem Güterwaggon, die festgenommen, nach drei Tagen aber wieder freigelassen wurden.

Da das Gelände ansonsten keine Möglichkeit bot, sich zu verstecken, stellte man die Suche bald ein. In der Kantine des Schulbuchlagers wurde Lee Harvey Oswald, ein 24-jähriger Gelegenheitsarbeiter, der seit dem 15. Oktober 1963 im Schulbuchlager jobbte, von einem Polizisten kontrolliert.

Sein Vorgesetzter Roy Truly bezeugte, dass er zur Belegschaft gehörte, und so konnte er das Gebäude verlassen, bevor es von den Sicherheitskräften abgeriegelt wurde.

Er lief mehrere Blocks zu Fuß, fuhr dann mit einem Omnibus, der wegen des durch die Ereignisse bedingten Verkehrsstaus nicht vorankam, und wechselte in ein Taxi, das ihn in der Nähe seines Wohnsitzes in Oak Cliff, einem Wohngebiet von Dallas, absetzte. Gegen 13 Uhr kam Oswald in seiner Wohnung an.

Wenige Minuten nach dem Mord gab die Polizei eine Personenbeschreibung des mutmaßlichen Attentäters durch, der von mehreren Zeugen am Fenster des Schulbuchlagers gesehen worden war. Gegen 13:15 Uhr sah der Polizist J. D. Tippit Oswald, der seine Wohnung wieder verlassen hatte und nun zu Fuß unterwegs war, und hielt ihn an.

Nach einem kurzen Wortwechsel tötete Oswald den Polizisten mit vier Schüssen aus einem Revolver der Firma Smith & Wesson, Kaliber 38, und floh. Die Polizei stellte ihn in einem Kino und nahm ihn fest. Weil er sich widersetzte, kam es zu einer Rangelei, bei der ein Polizist an der Hand und Oswald im Gesicht verletzt wurde.

Vor dem Kino hatte sich ein wütender Mob von über hundert Menschen versammelt, die Oswald lynchen wollten, in der irrigen Annahme, die Polizei habe ihn wegen des Kennedy-Attentats und nicht wegen des Mordes an Tippit festgenommen.

In der Zwischenzeit hatte die Polizei das Schulbuchdepot durchsucht. Im fünften Stock fand sie hinter Stapeln aus Buchkisten an einem Fenster ein Repetiergewehr mit Zielfernrohr, das von den Sicherheitskräften zunächst als eine Mauser beschrieben wurde.

Später wurde erkannt, dass es sich um ein italienisches Fabrikat vom Modell Mannlicher-Carcano aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs handelte. Daneben lagen drei leere Patronenhülsen.

Ein Handabdruck Oswalds auf der Waffe konnte nachgewiesen werden, auch stimmten die Spuren am Projektil, das Connallys Oberschenkel verletzt hatte, mit dem Profil des Gewehrlaufs überein. Das Gewehr und den Revolver hatte Oswald in den Monaten zuvor unter dem falschen Namen Alek Hidell auf Postfächer in New Orleans und Dallas bestellt.

Oswald wurde vom FBI und der Polizei von Dallas in deren Hauptquartier unter insgesamt chaotischen Umständen vernommen: Reguläre Protokolle wurden nicht angefertigt, außerdem hatte die Presse weitgehend freien Zutritt ins Polizeigebäude.

Polizeichef Jesse Curry wollte damit Gerüchten entgegentreten, Oswald werde im Polizeigewahrsam misshandelt. Nicht nur die Beamten, auch Oswald hatte die Gelegenheit, vor der Presse zu sprechen. Hier wie auch bei den Vernehmungen stritt er jede Verwicklung in den Mord an Kennedy ab und erklärte, er solle zum „Sündenbock“ (engl.: patsy) gemacht werden.

Die Ermordung Oswalds

Weil zu befürchten war, dass man bei weiterer intensiver Berichterstattung der Presse keine unvoreingenommenen Geschworenen mehr finden könne, die noch nichts über den Fall wussten, wurde beschlossen, Oswald ins Bezirksgefängnis von Dallas zu überstellen. Obwohl es bereits Morddrohungen gegeben hatte, wurde der Termin mit der gleichen Großzügigkeit gegenüber der Presse bekannt gegeben wie die ersten Verhöre.

Der Transfer verzögerte sich jedoch, weil das ursprünglich dafür vorgesehene Fahrzeug zu klein war, um auch die Wachen aufzunehmen. Eine weitere Verzögerung ergab sich, weil Oswald gebeten hatte, seinen Pullover mitnehmen zu können.

Am 24. November 1963 um 11:21 Uhr betraten schließlich die Wachen mit ihm die Garage im Tiefgeschoss des Polizeihauptquartiers, fast genau gleichzeitig mit Jack Ruby, einem Nachtclubbesitzer aus Dallas mit Verbindungen zur

Mafia,

der wenige Augenblicke zuvor ins Gebäude gelangt war.

Mit den Worten: „Du hast meinen Präsidenten getötet, du Ratte“, feuerte Ruby vor laufenden Fernsehkameras auf ihn. Oswald wurde mit Bauchschuss ins Parkland Memorial Hospital gebracht, wo er kurz darauf an inneren Blutungen starb.

Ruby wurde im März 1964 wegen Mordes zum Tode verurteilt. Er starb im Januar 1967 an einer Lungenembolie. Über seine Motive machte er unterschiedliche Angaben.

Kurz nach seinen Schüssen auf Oswald soll er nach Zeugenaussagen erklärt haben, er habe geschossen, um der von ihm verehrten Jackie Kennedy eine Zeugenaussage im Prozess zu ersparen und weil er den Verdacht, hinter der Ermordung des Präsidenten stecke eine

jüdische Verschwörung,

entkräften wollte: Die hetzerische Anzeige des selbsternannten „Ermittlungsausschusses“ hatte nämlich unter anderem einen jüdischen Namen getragen.

Erste Zweifel an Oswalds Alleintäterschaft

Eine noch im November 1963 durchgeführte Studie ergab, dass die Bevölkerung der USA vor allem Mitgefühl für die Witwe und die Kinder empfand, beklagte, dass ein junger, dynamischer Politiker auf der Höhe seiner Macht ermordet worden war, und große Scham darüber empfand, dass „so etwas in unserem Land geschehen“ konnte.

Als relativ unbedeutend folgten mit Abstand die Bewertung der politischen Auswirkungen im Inland und auf die Beziehungen zum Ausland; man hatte Vertrauen in die neue Regierung.

Besonders hervorgehoben wurde, dass die Bevölkerung sich im Großen und Ganzen rasch wieder fasste. Dies wurde vor allem auf die Tatsache zurückgeführt, dass etwa 90 % einen Fernseher besaßen und tagelang fast ununterbrochen am Geschehen nach dem Attentat sowie an Begräbnisfeierlichkeiten gleichsam teilnehmen konnten, wodurch sie sich in einem mehrere Tage währenden Prozess gleichsam innerlich von Kennedy verabschieden konnten.

Die Umfragen ergaben auch, dass zunächst nur 29 % der Amerikaner an die Alleintäterschaft Oswalds glaubten. Die Mainstream-Presse vertrat großenteils die Alleintätertheorie. In Leserbriefen und vereinzelt auch in Leitartikeln wurde diese Vorverurteilung Oswalds kritisiert.

Die Zweifel beruhten auf den zum Teil irrigen und widersprüchlichen Presseberichten der hektischen ersten Tage, den Verlautbarungen der Ärzte des Parkland Hospital, die auf einer Pressekonferenz von einer Einschusswunde in der Kehle sprachen, und auf der Ermordung Oswalds durch Ruby, die den Verdacht erregte, Oswald habe mundtot gemacht werden sollen.

Die Zweifel an der Alleintäterthese kamen zunächst vor allem aus Europa: In Frankreich erschien eine Artikelserie in der Zeitschrift L’Express, in Deutschland erschienen ähnliche Artikel in der Berliner Morgenpost und in der Welt.

Im Juni 1964 bildete sich in Großbritannien ein Who Killed Kennedy Committee, dem prominente Linksintellektuelle wie der Philosoph Bertrand Russell, der Verleger Victor Gollancz und der Historiker Hugh Trevor-Roper angehörten.

Das Komitee stützte sich vor allem auf einen Katalog kritischer Fragen, den der amerikanische Anwalt Mark Lane am 19. Dezember 1963 in der kleinen linksradikalen New Yorker Wochenzeitung National Guardian veröffentlicht hatte.

Lane hatte Oswalds Mutter seine Dienste angeboten, ihren Sohn posthum zu vertreten. Nach der Veröffentlichung des Warren-Berichts fasste er seine Kritik 1966 in dem Buch Rush to Judgment zusammen – ein erster Bestseller zum Kennedy-Attentat.

Entstehung des Kennedy-Mythos

Der Mord an Kennedy wurde als historische Zäsur empfunden. Nach 1963 begannen sich die negativen Seiten der amerikanischen Politik immer deutlicher zu zeigen, beginnend mit den Rassenunruhen über die Morde an Martin Luther King und Robert Kennedy, den Vietnamkrieg bis hin zur Watergate-Affäre.

In kontrafaktischer Spekulation wurde vielfach der Schluss gezogen, dass diese unerfreulichen Entwicklungen hätten vermieden werden können, wenn Kennedy nicht ermordet worden wäre.

Auch Oliver Stone ging in seinem Film JFK – Tatort Dallas davon aus, dass es unter Kennedy nicht zum Vietnamkrieg gekommen wäre.

Es entstand ein Kennedy-Mythos, der den Präsidenten zu einer Heilsgestalt emporhob. Hierzu trug auch seine Witwe bei, die in einem Interview das Leben und Regieren ihres Mannes als Camelot umschrieb, das mythische Schloss von König Artus und seiner Tafelrunde. Dadurch erschien das Attentat nachgerade als Königsmord, als schweres Sakrileg.

Laut einer amerikanischen Umfrage aus dem Jahr 2003 wurde Kennedy als größter amerikanischer Präsident neben Abraham Lincoln betrachtet.

Erklärungen für die verbreiteten Verschwörungstheorien

Nach einer These des amerikanischen Journalisten Tom Bethell, die von mehreren Forschern übernommen wurde, neigen Menschen in irrationaler Weise dazu, für ein traumatisch empfundenes Ereignis eine Ursache von entsprechender Größe namhaft zu machen.

Im Falle Kennedys soll es bereits seiner Witwe als eine unbefriedigende Erklärung erschienen sein, dass lediglich ein „alberner, kleiner Kommunist“ ihren Mann ermordet haben könnte: „Er hatte noch nicht einmal die Befriedigung, wegen der Bürgerrechte ermordet zu werden.“

In ähnlicher Weise führt der Berliner Historiker Knud Krakau die Entstehung einer regelrechten „Verschwörungstheorienindustrie“ (die Zeitschrift Esquire listete bereits 1966/67 sechzig Verschwörungs- und Mordvarianten zum Kennedy-Attentat auf) darauf zurück, dass die offiziell angebotene Erklärung für den frühen Tod des beliebten Präsidenten in der Öffentlichkeit als unbefriedigend wahrgenommen worden sei:

Der im September 1964 vorgelegte Bericht der Warren-Kommission lieferte nämlich kein plausibles Tatmotiv des angeblichen Einzeltäters Oswald. Das verbreitete Verlangen nach einer „‚heilenden‘ Erklärung“ habe Verschwörungstheorien hervorgebracht, die auf „einen gut funktionierenden Marktmechanismus getroffen“ seien.

Sozialpsychologische Untersuchungen zur Genese von Verschwörungsdiskursen bestätigten Bethells These indes nicht. Der Philosoph Gerd H. Hövelmann glaubt, dass die ungewöhnlich große Zahl von Verschwörungstheorien zum Kennedy-Mord eher auf den hohen Grad an Sichtbarkeit dieses Verbrechens und auf die seines Erachtens offenkundigen Fälschungen und Manipulationen von Beweisen zurückzuführen sei, die es bei der Untersuchung des Mordes und bei der Verteidigung der Alleintäterschaft Oswalds gegeben habe.

Die Kritiker der Einzeltäterthese haben eine Vielzahl von Indizien und Argumenten vorgebracht, weshalb Oswald nicht der Täter oder zumindest nicht der alleinige Täter sein könne. Es ist ihnen aber nicht gelungen, sich auf eine kohärente Gegenthese zu einigen, die die offenen Fragen schlüssiger beantworten würde als der Warren-Report. Wer wirklich hinter der von ihnen angenommenen Verschwörung gegen Kennedy steckte, ist auch unter ihnen umstritten.

In einer Gallup-Umfrage aus dem Jahr 2003 unter 471 US-Amerikanern über 18 Jahren wurden als an dem Attentat mutmaßlich Beteiligte an erster Stelle die Mafia (von 37 % der Befragten) genannt, an zweiter Stelle die CIA (34 %), an dritter Stelle Kennedys Nachfolger Johnson (18 %) und danach Kuba und die Sowjetunion (jeweils 15 %).

Das Kennedy-Attentat und die sich daran anknüpfenden Verschwörungstheorien sind mittlerweile fester Bestandteil der amerikanischen Kultur. In unterschiedlichen Medien hat das Thema, oft in einer von der Einzeltäterthese abweichenden Gestalt, künstlerischen Ausdruck gefunden.

Ermittlungen des Staatsanwalts Jim Garrison

Ausgehend von diesen Unstimmigkeiten strengte der Staatsanwalt Jim Garrison aus New Orleans im März 1967 eine gerichtliche Untersuchung an, mit der er nachweisen wollte, dass das Kennedy-Attentat Ergebnis einer Verschwörung der CIA gewesen sei, in der Oswald, der Pilot David Ferrie, bei dem Oswald in seiner Jugend eine vormilitärische Ausbildung absolviert hatte, und Clay Shaw verwickelt seien, ein undurchsichtiger Geschäftsmann, von dem er vermutete, er arbeite für die CIA.

Garrison ließ Shaw verhaften und brachte im Prozess zahlreiche Indizien vor, die gegen die Alleintäterschaft Oswalds sprachen. Eine Reihe der von Garrison gesammelten Indizien ließen die Vermutung zu, Oswald sei indirekt im Auftrag der CIA tätig gewesen, in einer inoffiziellen Gruppe, der auch sein Mörder Ruby angehörte.

Er führte zum Beispiel zum ersten Mal öffentlich den Zapruder-Film vor, der zwar der Warren-Kommission vorgelegen hatte, der Öffentlichkeit aber nur in einigen Einzelbildern bekannt war, die die Zeitschrift LIFE veröffentlicht hatte.

Im Film sieht man, dass Kennedys Kopf beim tödlichen Schuss nach hinten zu fliegen scheint, obwohl der angebliche Schütze doch hinter ihm im Schulbuchdepot und nicht vor ihm auf dem Grashügel gesessen haben soll.

Auch stellte Garrison den Verlauf der Kugel, die laut Warren-Report insgesamt sieben Wunden bei Kennedy und Connally hinterlassen haben sollte, als völlig unglaubwürdig hin. Mehrere seiner Zeugen sagten aus, Oswald zusammen mit Shaw oder Ferrie gesehen zu haben oder gar gehört zu haben, wie sie bei einer Party über den geplanten Mord sprachen.

Garrisons Argumentation brach jedoch zusammen, als Ferrie am 22. Februar 1967 an einem geplatzten Hirn-Aneurysma starb und bekannt wurde, dass der zweite Hauptzeuge seine Aussagen unter Einfluss von Hypnose und dem Schlafmittel Thiopental gemacht hatte.

Innerhalb von nur einer Stunde kamen die Geschworenen am 29. Januar 1969 zu dem einstimmigen Ergebnis, dass Shaw unschuldig war, was der amerikanische Publizist Gerald Posner als Garrisons „Fiasko“ bezeichnete.

Garrison veröffentlichte über seine Ermittlungsergebnisse zwei Sachbücher, 1970 A Heritage of Stone und 1988 On the Trail of the Assassins (dt. Ausgabe 1992: Wer erschoss John F. Kennedy? – Auf den Spuren der Mörder von Dallas).

Belletristik

  

In dem 1975 erschienenen Roman Illuminatus! von Robert Anton Wilson und Robert Shea, einer Satire über Verschwörungstheorien, wird geschildert, wie Kennedy an der Dealy Plaza von fünf verschiedenen Schützen gleichzeitig ermordet wird.

   

Der postmoderne Romancier Don DeLillo erzählt in seinem 1988 erschienenen Roman Libra, wie CIA-Agenten Oswald, den eigentlichen Protagonisten des Buches, dahin manipulieren, das Attentat vorzubereiten, das sie eigentlich scheitern lassen wollen.

Warum es dann doch gelingt, lässt der Autor offen. Für DeLillo ist das Kennedy-Attentat ein Medienereignis, ein Beispiel für den Verlust einer kohärenten Realität, den Fernsehzuschauer durch die mediale Überrepräsentation von Gewalt und die Überfülle an teils widersprüchlichen Informationen dazu erleiden.

Am Ende wird Oswald sozusagen doppelt erschossen: mit Jack Rubys Revolver und mit den laufenden Fernsehkameras.

Der amerikanische Schriftsteller Norman Mailer setzte sich mit dem Attentat auf Kennedy in zwei Büchern auseinander, die beide unterschiedliche Thesen zur Täterschaft vertraten.

Nachdem er schon lange den Warren-Bericht scharf kritisiert hatte, veröffentlichte er 1991 den Roman Harlot’s Ghost, in dem er den Protagonisten, den CIA-Agenten namens Harry Hubbard, darüber spekulieren lässt, ob nicht Leute aus seiner eigenen Behörde den Mord an Kennedy organisiert oder die wahren Hintergründe vertuscht haben könnten.

1995 folgte dann eine umfangreiche Biographie Lee Harvey Oswalds. Die Genre-Einordnung dieses Buches ist schwierig: Mailer selbst nannte es „eine besondere Sorte Sachbuch, die man als Krimi einsortieren kann“, der Literaturwissenschaftler Peter Knight nennt es einen „Sach-Roman“.

Das Werk basiert unter anderem auf Material, das Mailer in den inzwischen geöffneten Archiven des KGB gefunden hatte, sowie auf Interviews mit ehemaligen sowjetischen Agenten, die Oswald während seines Aufenthalts in der Sowjetunion überwacht hatten. Aus diesen Quellen zog Mailer nunmehr den Schluss, dass Oswald als Einzeltäter gehandelt habe.

  

Der amerikanische Autor Stephen King veröffentlichte 2011 den Roman 11/22/63. Darin hindert der Ich-Erzähler Jake Epping mittels einer Zeitreise Lee Harvey Oswald daran, sein Attentat auf John F. Kennedy auszuführen. Bei seiner Rückkehr in die Gegenwart stellt sich aber heraus, dass diese durch den veränderten Lauf der Weltgeschichte viel schlimmer geworden ist:

Der Vietnamkrieg, den Epping eigentlich hatte verhindern wollen, fand auch unter Kennedy statt, das Civil Rights Act von 1964 gab es nie, Kennedys Nachfolger im Präsidentenamt wurde George Wallace, ein Anhänger der Rassentrennung, der die USA in einen Atomkrieg führte usw. Epping gelingt es, diese Änderung der Geschichte wieder rückgängig zu machen.

Film

Eine erste Auseinandersetzung mit dem Kennedy-Attentat lieferte Henri Verneuil mit I wie Ikarus im Jahr 1979. Zwar trägt der erschossene Präsident eines namentlich nicht genannten Staates den (französischen) Namen Marc Jary, aber der Handlungsverlauf ist eng an das Attentat von Dallas angelehnt; so trägt z. B. der angebliche Attentäter den Namen „Daslow“ (ein Anagramm für „Oswald“).

Ähnlich wie in der Version Jim Garrisons entpuppt sich das Attentat schließlich als eine Verschwörung des Geheimdiensts, die von Generalstaatsanwalt Volney (gespielt von Yves Montand) aufgedeckt wird.

  

1991 löste der amerikanische Regisseur Oliver Stone mit seinem Film JFK – Tatort Dallas eine heftige Kontroverse aus. Stone hatte die Rechte an dem 1989 erschienenen Buch Crossfire. The Plot That Killed Kennedy des Verschwörungstheoretikers Jim Marrs erworben und auch selber ausgiebige Recherchen zum Kennedy-Attentat angestellt.

Sein Film erzählt die Recherchen Jim Garrisons (gespielt von Kevin Costner) und seine misslungene Strafverfolgung Clay Shaws aus einer sympathisierenden Perspektive und ergibt in der Summe „ein Destillat der meisten der verschiedenen Verschwörungstheorien, die Attentatsforscher über die Jahre verbreitet hatten“.

Dabei mischte er häufig authentisches Filmmaterial mit selbstgedrehten Szenen in schnellen Schnitten, sodass für die Zuschauer ununterscheidbar wurde, welche Bilder authentisch sind und welche nicht. Dafür wurde Stone von der amerikanischen Qualitätspresse als demagogisch kritisiert:

Er verdrehe die Geschichte, erfinde Personen und ziehe den Ruf von anderen, die real existiert haben, in den Schmutz, er mische in unverantwortlicher Weise Spekulationen und Tatsachen und beeinflusse in unfairer Weise das Geschichtsbild jüngerer Zuschauer.

Stone hielt dagegen, sein Film sei als „Gegen-Mythos“ konzipiert, den er dem von der Warren-Kommission verbreiteten „Mythos“ von der Alleintäterschaft Oswalds gegenüberstellen wolle.

Er sehe seinen Ansatz eher postmodern, ähnlich wie in Akira Kurosawas Film Rashomon – Das Lustwäldchen aus dem Jahr 1950, der drei verschiedene Versionen desselben Geschehens zeigt; es komme ihm darauf an, die Diskussion über das Attentat neu zu eröffnen.

Tatsächlich wurde das Kennedy-Attentat in der Folgezeit wieder intensiv diskutiert. Auch an der Kinokasse war JFK – Tatort Dallas ein großer Erfolg.

  

Der 1991 entstandene Spielfilm Jack Ruby – Im Netz der Mafia spekuliert über die Motivation und Hintergründe von Ruby (dargestellt von Danny Aiello). Unter anderem zeigt er Ruby als einen emotional instabilen, Publicity-hungrigen Menschen und beleuchtet dessen langjährige Verbindungen sowohl zur Mafia als auch zur Polizei in Dallas sowie seine Tätigkeit als FBI-Informant.

Im Spielfilm In the Line of FireDie zweite Chance aus dem Jahr 1993 leidet der von Clint Eastwood gespielte Protagonist, der Secret-Service-Agent Frank Horrigan, darunter, dass er im November 1963 Kennedys Leben nicht hatte retten können.

Er meldet sich trotz seines fortgeschrittenen Alters erneut zum Dienst als Personenschützer und kann ein Attentat eines psychopathischen Mörders (gespielt von John Malkovich) auf den aktuellen Präsidenten verhindern. Bilder, die Eastwood gemeinsam mit Kennedy zeigen, wurden durch Morphing geschaffen.

Im Vorspann des Films Watchmen – Die Wächter aus dem Jahr 2009 sieht man in einer an den Zapruder-Film angelehnten Einstellung, wie der Comedian, einer der Protagonisten des Films, vom Grashügel aus den tödlichen Kopfschuss auf Kennedy abgibt.

Zum 50. Jahrestag des Attentats erschien 2013 der Spielfilm Parkland, der aus verschiedenen Blickwinkeln die ersten Stunden und Tage nach dem Attentat erzählt: die vergeblichen Versuche der Ärzte und Schwestern im (titelgebenden) Parkland Memorial Hospital, Kennedys und zwei Tage später Lee Harvey Oswalds Leben zu retten; die Entstehung und Entwicklung des Zapruder-Films; Maßnahmen des FBI und des Secret Service, aber auch die Ereignisse in Oswalds zerrütteter Familie, nachdem diese vom Attentat erfährt.

Popmusik

Im Lied Sympathy for the Devil aus dem 1968 aufgenommenen Album Beggars Banquet lassen die Rolling Stones den Teufel die Frage nach der Täterschaft bei den Mordanschlägen auf John F. Kennedy und seinen Bruder Robert beantworten: „After all, it was you and me“ („Alles in allem waren es du und ich“).

In der ersten Fassung hatte sich Texter Mick Jagger noch allein auf das Attentat von 1963 bezogen; nachdem am 6. Juni 1968 auch Robert Kennedy erschossen worden war, änderte er die Textzeile entsprechend.

Der Name der 1978 gegründeten kalifornischen Punk-Band Dead Kennedys bezieht sich auf die Ermordungen der Brüder John F. und Robert Kennedy.

Lou Reed schildert in dem Song The Day John Kennedy Died (auf dem Album The Blue Mask, 1982) detailliert, wie er von dem Attentat erfuhr und welche emotionalen Reaktionen die Nachricht auslöste.

Die schottische Shoegazing-Band The Jesus and Mary Chain provozierte 1992 mit den Zeilen „I want to die just like Jesus Christ“ und „I want to die just like JFK“ einen Boykott ihrer aktuellen Single Reverence bei der Fernsehsendung Top of the Pops der BBC.

Literatur

Larry J. Sabato: The Kennedy Half-Century. The Presidency, Assassination, and Lasting Legacy of John F. Kennedy. Bloomsbury, New York 2013, ISBN 978-1-62040-280-1.
David Kaiser: The Road to Dallas: The Assassination of John. F. Kennedy. Harvard University Press, Cambridge, MA 2008, ISBN 978-0-674-02766-4.
Vincent Bugliosi: Reclaiming History. The Assassination of President John F. Kennedy. W. W. Norton, New York 2007, ISBN 0-393-04525-0.
Peter Knight: The Kennedy Assassination (= Representing American events. Band 1). University Press Edinburgh, Edinburgh 2007, ISBN 978-0-7486-2411-9.
Michael L. Kurtz: The JFK Assassination Debates. Lone Gunman versus Conspiracy. University Press of Kansas, Lawrence (Kansas) 2006, ISBN 0-7006-1625-X.
Gerald D. McKnight: Breach of Trust. How the Warren Commission failed the Nation and why. University Press of Kansas, Lawrence (Kansas) 2005, ISBN 0-7006-1390-0.
James D. Perry: Assassination of John F. Kennedy. In: Peter Knight (Hrsg.): Conspiracy Theories in American History: An Encyclopedia, Band 1. ABC-CLIO 2003, ISBN 1-57607-812-4, S. 383–397. (Auszug (Google))
Gerald Posner: Case Closed. Lee Harvey Oswald and the Assassination of JFK. Anchor Books, 1993, ISBN 1-4000-3462-0 (Neuauflage 2003).
Knud Krakau: John F. Kennedy. 22. November 1963. In: Alexander Demandt (Hrsg.): Das Attentat in der Geschichte. area, Erfstadt 2003, ISBN 3-89996-001-7, S. 409–430. Klicken Sie bitte auf folgenden Link für eine ausführliche Recherche:

 

Buch- & Filmkatalog Jim Garrison

 

Weblinks

Wikipedia Lee Harvey Oswald
Lee Harvey Oswald in der Datenbank von Find a Grave (englisch)
Biografie von Oswald mit vielen Fotografien
Wikipedia Attentat auf John F. Kennedy
The Kennedy Assassination Webseite zum Thema von John C. McAdams, einem Professor für Politikwissenschaften an der Marquette University (englisch)
JFK Assassination Records Sammlung von Dokumenten über das Kennedy-Attentat der National Archives and Records Administration (englisch)
The Sixth Floor Museum at Dealey Plaza (englisch)
Sammlung von über 11.000 Dokumenten aus den Polizeiakten des Dallas Police Department (englisch)
History Matters Archive Sammlung von Dokumenten über das Kennedy-Attentat (englisch)

 

Buch- & Filmkatalog John F. Kennedy

 

 

JFK – Staatsstreich in Amerika von Mathias Bröckers
Taschenbuch: 304 Seiten
Westend Verlag
Auflage: 1 (1. März 2017)
ISBN-13: 978-3864891687
Gebundene Ausgabe ab EUR 14,70
Taschenbuch EUR 18,00
Kindle Edition EUR 13,99

 

Rezensionen hier lesen

 

Warum musste J.F. Kennedy sterben?
Neueste Erkenntnisse der Kennedy-Forschung zum 100. Geburtstag JFKs.

Seit dem Mord an J. F. Kennedy vor fünfzig Jahren treibt die Frage nach dem „Wer war’s?“ die Forschung um. Mathias Bröckers will aber wissen:

Warum musste Kennedy sterben?

In der Neuauflage seines Buchs von 2013 unterzieht er die neuesten Erkenntnisse und Deutungen der verschiedenen Lager einer umfassenden Prüfung.

Behörden, Geheimdienste und Militär halten seit Jahrzehnten mit dem Verweis auf die „nationale Sicherheit“ Akten zum Fall Kennedy zurück. Warum, wenn es tatsächlich nur um einen einsamen verwirrten Einzeltäter ginge?

Das spannend erzählte und faktenreiche Buch belegt: Die von Kennedy begonnene Politik der Deeskalation des Kalten Krieges sollte mit allen Mitteln verhindert werden.