26. Oktober 2021

Burn On: Immer kurz vorm Burn Out: Das unerkannte Leiden und was dagegen hilft (Verdeckte Depressionen erkennen, behandeln und loswerden; Psychologie-Ratgeber zur Selbstheilung) von Bert te Wildt und Timo Schiele

Was ein Burn Out ist, muss man heutzutage niemandem mehr erklären – der psychische Zusammenbruch als Folge eines zu hohen Leistungsdrucks ist allgemein als Krankheitsbild bekannt.

Doch die krankhafte Erschöpfung muss nicht immer im Burn Out enden.

Um weiterhin funktionieren zu können, arbeiten viele Menschen immer am Limit und verschleppen die Erschöpfung, statt zusammenzubrechen – ein noch viel zu wenig beachtetes Krankheitsbild, für das die beiden Experten, Prof. Dr. med. Bert te Wildt und Timo Schiele von der Psychosomatischen Klinik im Kloster Dießen am Ammersee den Begriff Burn on geprägt haben.

»Burn Out« war gestern, »Burn On« ist heute: Bert te Wildt und Timo Schiele über ein noch unerforschtes Leiden, das unsere Gesellschaft fest im Griff hat.

Burn On: Immer kurz vorm Burn Out: Das unerkannte Leiden und was dagegen hilft (Verdeckte Depressionen erkennen, behandeln und loswerden; Psychologie-Ratgeber zur Selbstheilung)
von Bert te Wildt und Timo Schiele

Droemer Verlag
(1. Juni 2021)
Gebundene Ausgabe: 320 Seiten
ISBN-13: 978-3426278482
Gebundenes Buch 20,00 €
E-Book 17,99 €

zur Verlagsinfo
Burn On: Immer kurz vorm Burn Out
von Bert te Wildt und Timo Schiele

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Burn On: Immer kurz vorm Burn Out
von Bert te Wildt und Timo Schiele

Aus dem Inhalt:

Teil I: Was ein Burn On ist und wie er entsteht
Die Diagnose
In a nutshell: Diagnosestellung des Burn-On-Syndroms
Das gesellschaftliche Umfeld: von der Ausbeutung durch sich selbst und andere
Individuelle Wege in den Burn On: der Blick auf das erkrankte Ich
Die maskierte Erschöpfungsdepression und Begleiterkrankungen

Teil II: Burn On! Was jetzt zu tun ist
Behandlung und Vorbeugung – was jetzt zu tun ist
Die Kunst der Veränderung: die Behandlung des Burn On
Die Prävention: wie wir uns schützen können
Plädoyer: Vom menschlichen Wert jenseits maschineller Funktionalität und unbegrenzten Wachstums

Buchzitat: In der heutigen Arbeitswelt wird ständige Leistungssteigerung gefordert, oftmals weit über die persönlichen Belastungsgrenzen hinaus.

Gerade durch die Corona-Krise mit der anhaltenden Mehrfachbelastung aus Arbeit im Homeoffice,
Kinderbetreuung,
ständiger Verfügbarkeit,
Existenz- und
Zukunftsängsten,
kann sich das Gefühl des ständigen Ausgebranntseins noch steigern.

Das Phänomen Burn On ist ein bislang unerforschtes Leiden, dessen gravierende seelischen und körperlichen Folgen häufig unbemerkt bleiben, obwohl es unsere Gesellschaft längst im Griff hat.

Prof. Dr. Bert te Wildt und Timo Schiele beschreiben erstmals Symptome, Krankheitsverlauf, Therapie- und Präventionsansätze des Burn-On-Syndroms. Ihr Buch bietet konkrete Hilfe für Betroffene an und ist ein gesellschaftlich dringend notwendiger Weckruf für uns alle.

Timo Schiele und Bert te Wildt besitzen jahrelange klinische Erfahrung und vereinen in ihrem neuen Buch ihr Wissen als Psychologe und Arzt, Verhaltenstherapeut und Tiefenpsychologe.

Gemeinsam wollen sie dem noch viel zu wenig beachteten Phänomen des Burn On und seinem schleichenden zerstörerischen Prozess mehr Aufmerksamkeit verschaffen.

Sie zeigen, wie viele Menschen heute still unter dieser verheerenden Form einer fortgesetzten und verschleppten Erschöpfungs-Depression leiden, bei der es trotz hohem Leidensdruck nicht mehr zum Zusammenbruch kommt.

Stattdessen verschmilzt das Arbeitsleben mit der Freizeit und das Privatleben wird so straff wie ein eigener Job organisiert. Erholungsphasen und Freizeit werden genau durchgeplant, damit man in der Arbeit wieder funktionieren kann, doch obwohl uns der Burn on weiter funktionieren lässt, raubt er uns doch zunehmend alle Lebensenergie.

  Mit ihrem Buch wollen die Autoren dabei helfen, die Anzeichen eines Burn On zu erkennen, damit man sich davor schützen und auch rechtzeitig Hilfe zur Behandlung bekommen kann und sie fordern gleichzeitig auch zum gesellschaftlichen Umdenken auf.

„In der aktuellen Krise lenkt uns wenig von uns selbst ab – das ist eine Chance“

Die aktuelle Situation bietet vielen Menschen die Gelegenheit, auf uns selbst zu achten.

Arbeiten und leben wir gerne immer unter Druck – oder gibt es schon Zeichen einer chronischen Erschöpfungsdepression?

Prof. Dr. Bert te Wildt und Timo Schiele beschreiben erstmals das Burn-OnSyndrom, bei dem es trotz hohen Leidensdrucks nicht zum dramatischen Zusammenbruch, sehr wohl aber zu gravierenden seelischen und körperlichen Folgen kommt.

Wie fühlt sich Burn On an und wie grenzen Sie Burn On von Burn Out ab?

Im Falle eines Burn Out geraten Menschen in eine negative Spirale aus Überarbeitung und immer weiter abnehmender Leistungsfähigkeit.

Viele versuchen, dies durch die Erhöhung der Arbeitsstunden
zu kompensieren, was für Betroffene und Angehörige schon ein erstes Warnzeichen darstellen kann.

Charakteristischerweise entsteht zudem ein regelrechter innerer Widerwille gegen die eigene Tätigkeit, weil es kaum mehr Erlebnisse von Erfolg und positiver Identifikation gibt.

Verschlimmert sich der Zustand, weil er nicht erkannt wird oder Hilfe ausbleibt, führt der Burn Out als akute Erschöpfungsdepression zum psychischen Zusammenbruch.

Und genau dieser Zusammenbruch passiert beim Burn On nicht:

Diese chronische Form der Erschöpfungsdepression schleicht sich ein und höhlt die Betroffenen häufig regelrecht innerlich aus.

Aus Angst vor dem persönlichen Crash steuern die Betroffenen gegen, um immer weiter an der Belastungsgrenze möglichst erfolgreich weiterarbeiten zu können. Der Moment, der das Fass zum Überlaufen bringt, fehlt hier – und das macht es für die Betroffenen so schwer, etwas zu verändern.

Dabei stehen sie ständig unter Spannung. Ihr Aktionismus ist ebenso maßlos wie ihre Erschöpfung.

Wie kann man sich diesen Zustand konkret vorstellen?

Wenn einem eigentlich immer alles zu viel wird und man trotzdem irgendwie einfach weiter „funktioniert“, dann leidet man vermutlich unter einem Burn On.

Wir erklären diesen Zustand gerne mit einem Bild:

Stellen Sie sich einen Kunstturner vor, der vor Ihnen mit einem gequälten Lächeln stolz in einen scheinbar mühelosen und doch schmerzhaften Spagat geht, und der nicht bemerkt, wie der
Boden unter seinen Beinen rissig wird, bis sich ein Abgrund unter ihm auftut.

Mit unglaublicher Kraft muss er immer weiter für die nötige Anspannung sorgen, um nicht in die Tiefe zu fallen.

Und genau dieser brennende Spagat wird zum Dauerzustand, zum Burn On.

Wie äußert sich das für Betroffene im Alltag?

Man kann es daran erkennen, dass alle Lebensbereiche dem betriebsamen Arbeitsmodus unterworfen haben.

Patienten, die mit der Diagnose der chronischen Erschöpfungsdepression bei uns in der psychosomatischen Klinik aufgenommen werden, erzählen uns, dass sie im Berufsleben durch die oft fristgebundenen Aufgaben zwar noch performen, im privaten Bereich aber prokrastinieren, da sich
auch die Dinge, die man immer genossen hat, inzwischen wie eine Verpflichtung anfühlen.

Sie schieben Einladungen vor sich her, haben keine Kraft, sich bei Freund*innen zu melden und verlieren auch den Draht zu sich selbst.

Was keine unmittelbar negativen Konsequenzen nach sich zieht, lassen sie schleifen. Alles, was sie aus sich selbst heraus anpacken könnten, kommt zu kurz.

Langfristig führt das zu einer großen Freudlosigkeit. Betroffene empfinden sich als leere Hülle, die ohne eigenen Inhalt völlig fremdgesteuert und automatisiert durchs Leben geht, und das oft schon seit Jahren.

Hat die Corona-Pandemie vermehrt zum Burn On geführt?

Ganz besonders belastet sind momentan natürlich Menschen in helfenden Berufen, vor allem in Medizin und Pädagogik.

Auch berufstätige Eltern sind seit über einem Jahr massiven Belastungen ausgesetzt.

Es mag in der Pandemie ein Segen sein, dass wir mit den digitalen Technologien viel im Homeoffice erledigen können, aber es führt auch zu einer räumlichen und zeitlichen Entgrenzung von
Arbeit.

Andererseits haben viele Menschen in den letzten Monaten ihren zuvor sicheren Job verloren oder bekommen als Selbstständige keine Aufträge mehr.

Man darf sich in diesen Zeiten glücklich schätzen, wenn man überhaupt Arbeit hat – dementsprechend haben viele von uns Durchhalteparolen im Kopf.

So arbeiten sie fleißig weiter, achten darauf, eben nicht zusammenzuklappen.

Das zehrt ungemein an den seelischen wie auch an den körperlichen Kräften.

Man kann nicht mehr, muss aber doch irgendwie diszipliniert bleiben und weiter „funktionieren“.

Diese Art zu denken und zu handeln kann allerdings direkt in den Burn On führen.

Gerade in der Pandemie schämen sich viele Menschen dafür zuzugeben, dass sie nicht mehr können.

Was kann ich tun, um aus einem Burn On herauszukommen?

Der erste Schritt ist sicherlich, Innezuhalten und die eigene Haltung ehrlich zu hinterfragen.

Muss es wirklich immer und unter jeder Voraussetzung weitergehen?

Möchten wir der Arbeit und ihren sich in alle Lebensbereiche ausdehnenden Ansprüche wirklich unsere Gesundheit und Zufriedenheit opfern?

Auch wenn der Begriff der Achtsamkeit aktuell inflationär benutzt wird: die Inhalte, die sich dahinter verbergen, können ganz konkret helfen, besser für sich Sorge zu tragen.

Wir können nur jedem dazu raten, sich ernsthaft die Frage zu stellen, ob die Arbeit noch in einem umfassenden Sinne unserem Leben dient oder es nicht längst umgekehrt ist.

Wer die Grenze zu einem Burn On überschritten hat, braucht professionelle Hilfe, zumindest eine ambulante Psychotherapie. Oft braucht es aber auch eine Auszeit im Rahmen einer stationären Psychotherapie.

In unserer Psychosomatischen Klinik Kloster Dießen am Ammersee haben wir ein spezifisches Behandlungssetting für Menschen mit Burn Out und Burn On.

Wie beuge ich am besten vor?

Die Prävention beginnt bei dem eben beschriebenen achtsamen Umgang mit sich selbst.

Wo bemerke ich, dass meine Lebensführung nicht mehr mit meinen Werten übereinstimmt?

Wo ist in meinem Leben der professionelle Ausnahmezustand zur Normalität geworden – und möchte ich das so beibehalten?

Es ist im Alltag hilfreich, bereits während der Tätigkeit, von der man eine Pause braucht, auf sich zu achten.

Fragen Sie sich am besten regelmäßig selbst, wie Sie sich fühlen, bevor die Belastungsgrenze überschritten ist und man emotional ausgelaugt ist.

Viele Menschen gehen jetzt im Zuge der Pandemie einen Schritt zurück und fragen sich:

Wie und wie viel will ich eigentlich arbeiten, heute und in Zukunft?

Wir lernen, dass wir innehalten und Pausen machen müssen.

Vielleicht kann man in der momentanen Situation auch eine Chance sehen: Im Moment lenkt uns wenig von uns selbst ab:

Prof. Dr. med. Bert te Wildt ist Chefarzt der Psychosomatischen Klinik im Kloster Dießen am Ammersee. Zuletzt war er als Leiter der Ambulanz am LWL-Universitätsklinikum für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie an der Ruhr-Universität Bochum tätig.

Seine klinischen und wissenschaftlichen Schwerpunkte liegen im Bereich der Verhaltenssüchte, insbesondere der Internetabhängigkeit sowie der Nutzung digitaler Technologien in der Psychotherapie.

2015 erschien bei Droemer sein Buch „Digital Junkies. Internetabhängigkeit und ihre Folgen für uns und unsere Kinder“.

Timo Schiele ist leitender Psychologe der Psychosomatischen Klinik im Kloster Dießen am Ammersee. Zuvor war er am Max-Planck-Institut für Psychiatrie in München sowie einer Psychosomatischen Klinik am Starnberger See tätig.

Zuletzt arbeitete er in der psychosomatischen Tagesklinik München mit den Schwerpunkten Depressions- und Essstörungsbehandlung. Seit 2018 ist er als Dozent in der Ausbildung von Psychologischen Psychotherapeuten im Bereich kognitive Verhaltenstherapie tätig.