17. September 2021

Bedeutende Kurstädte Europas zum Welterbe erklärt UNESCO erkennt besondere Bedeutung elf europäischer Bäder an, drei davon in Deutschland. Fünf neue Einträge auf Welterbeliste Stätten in Europa und Saudi-Arabien ausgezeichnet

Bedeutende Kurstädte Europas zum Welterbe erklärt
UNESCO erkennt besondere Bedeutung elf europäischer Bäder an, drei davon in Deutschland

Das UNESCO-Welterbekomitee hat beschlossen, die „Bedeutenden Kurstädte Europas“ in die Welterbeliste aufzunehmen. Baden-Baden, Bad Ems und Bad Kissingen zählen zu den insgesamt elf ausgezeichneten Städten in sieben Ländern, in denen geschlossene architektonische Ensembles bis heute von der Bäderkultur zeugen.

Der Antrag wurde von Deutschland gemeinsam mit Belgien, Frankreich, Großbritannien, Italien, Österreich und Tschechien erarbeitet. Die Bundesrepublik verzeichnet damit 47 Welterbestätten. Das UNESCO-Komitee tagt noch bis zum 31. Juli online.

„Ich freue mich sehr über den Erfolg der elf europäischen Kurstädte, der dank enger internationaler Zusammenarbeit ermöglicht wurde“, so Michelle Müntefering, Staatsministerin für Internationale Kulturpolitik im Auswärtigen Amt. „Mit ihrer Kurtradition und ihren städtebaulichen Besonderheiten bringen sie auf einzigartige Weise das Phänomen der europäischen Kurstadt zum Ausdruck.“

„Im Antlitz der heute ausgezeichneten Kurstädte spiegelt sich Europa“, erklärt die Präsidentin der Deutschen UNESCO-Kommission Maria Böhmer. „Vielfalt und Einheit gehen hier Hand in Hand.

Die Tradition der Kurbäder und ihre besondere Architektur, ihre Gemeinsamkeiten und Eigenheiten offenbaren sich hier wie nirgendwo sonst“, betont Böhmer. „Ich freue mich über diese wichtige und richtige Entscheidung des Welterbekomitees.“

Die Tradition der Kur hat sich in Europa auf besondere Art herausgebildet. Rund um Heilquellen entstand ein eigener städtebaulicher Typus: die Kurstadt.

Ihre Blüte erlebte die Bäderkultur zwischen 1700 und den 1930er Jahren. Überliefertes Wissen um die Heilkraft des Wassers sowohl beim Baden als auch beim Trinken wurde systematisch untersucht und angewandt. Die Kurstädte mit ihren Quellen wurden zu Orten der Heilung und Erholung, was ihre städtebauliche Entwicklung begünstigen sollte.

Rund um die Heilquellen wurden exklusive Kurgebiete angelegt. Seit dem 18. Jahrhundert gehörte es zum guten Ton, dass jede noch so kleine Herrschaft ein Kurbad hatte. So entstanden quer durch Europa von England bis Rumänien rund 1.500 größere und kleinere Kurorte.

Architekten von Rang wurden verpflichtet, Trinkhallen, Kurhäuser, Kolonnaden, Grand Hotels, aber auch private Villen und Sakralbauten für die verschiedenen Glaubensgemeinschaften zu entwerfen. In Theatern und Casinos kamen die Gäste zusammen, Kurgärten und Parks verleihen den Orten ihr mondänes Flair.

Bis heute stehen die Kurstädte von Spa in Belgien, das französische Vichy, Bath im Westen Englands, Montecatini Terme in der Toskana, Baden bei Wien, Karlovy Vary, Františkovy Lázně und Mariánské Lázně im böhmischen Bäderdreieck, Baden-Baden, Bad Ems und Bad Kissingen für diese besondere Epoche europäischer Geschichte.

Porträt der neuen Welterbestätte

Auf der Liste des UNESCO-Welterbes stehen mehr als 1.120 Kultur- und Naturstätten in 167 Ländern

 

Mathildenhöhe Darmstadt von UNESCO ausgezeichnet
Ensemble markiert Wendepunkt in Architektur und Kunst an der Schwelle zum 20. Jahrhundert

Das UNESCO-Welterbekomitee hat die Mathildenhöhe Darmstadt in die Welterbeliste eingetragen. Von der Mathildenhöhe, die 1899 als Künstlerkolonie gegründet wurde, gingen zahlreiche Impulse für Architektur, Kunst und Design aus, die die Moderne prägen sollten. Sie ist die bisher 48. UNESCO-Welterbestätte in Deutschland. Das Welterbekomitee tagt noch bis zum 31. Juli online.

Michelle Müntefering, Staatsministerin für Internationale Kulturpolitik im Auswärtigen Amt, gratuliert der Stadt Darmstadt zu der höchsten Auszeichnung, die die UNESCO für den Erhalt von Kulturerbestätten vergibt:

„Dem humanistischen Wert der Moderne verpflichtet, verfolgten die Ausstellungen auf der Mathildenhöhe und die Mitglieder der Künstlerkolonie Darmstadt das Ziel, qualitativ hochwertige Wohn- und Arbeitsumgebungen zu schaffen.

Die Mathildenhöhe steht für den Aufbruch von Architektur und Design in eine neue Zeit. Von ihren Ideen profitieren wir noch heute.“

„Die Mathildenhöhe ist ein weltweit herausragendes Beispiel visionärer Gestaltungskunst“, erklärt die Präsidentin der Deutschen UNESCO-Kommission Maria Böhmer.

Künstlerinnen und Architekten haben hier an der Nahtstelle von Jugendstil und Neuem Bauen Pionierarbeit geleistet“, würdigt Böhmer. „Ich freue mich, dass die UNESCO die ehemalige Künstlerkolonie in den Kreis der bedeutendsten Kulturdenkmäler der Welt aufgenommen hat.“

14 Jahre lang, von 1901 bis 1914, war die Mathildenhöhe eines der wichtigsten Zentren moderner Kunst und Architektur in Europa und der Welt. Vier internationale Ausstellungen trugen in dieser Zeit dazu bei, Architektur und Design in ein neues Zeitalter zu führen.

Persönlichkeiten wie der Architekt Joseph Maria Olbrich und der Maler, Architekt und Designer Peter Behrens, Lehrer von Le Corbusier und den Bauhaus-Direktoren Gropius und Mies van der Rohe, prägten den Ort.

Klare Linien, reduzierte Ornamentik, Klinkerfriese, umlaufende Fensterfronten, Flachdächer, wie sie im Bauhaus zu vorherrschenden Stilelementen wurden, sah man erstmals in Darmstadt.

Die Mathildenhöhe mit ihren Wohngebäuden und Ateliers, der wuchtigen Ausstellungshalle, ihren Gärten, Brunnen und dem weithin sichtbaren Hochzeitsturm steht wie kein anderer Ort für den architektonischen Aufbruch der Jahrhundertwende.

Porträt der neuen Welterbestätte

 

Fünf neue Einträge auf Welterbeliste
Stätten in Europa und Saudi-Arabien ausgezeichnet

Das UNESCO-Welterbekomitee hat fünf neue Stätten in die Welterbeliste aufgenommen, darunter den Kulturraum von Ḥimā in Saudi-Arabien, den Leuchtturm von Cordouan in Frankreich und die Freskenzyklen aus dem 14. Jahrhundert in der italienischen Stadt Padua.

In Deutschland wurden die Mathildenhöhe Darmstadt sowie Baden-Baden, Bad Ems und Bad Kissingen als Teil der „Bedeutenden Kurstädte Europas“ ausgezeichnet. Das UNESCO-Komitee tagt noch bis zum 31. Juli und berät voraussichtlich bis zum 28. Juli über Nominierungen für die Welterbeliste.

Bedeutende Kurstädte Europas (Belgien, Deutschland, Frankreich, Italien, Österreich, Tschechien, Vereinigtes Königreich Großbritannien und Nordirland)

Das europäische Kur-Phänomen hatte seine stärkste Ausprägung zwischen 1700 und den 1930er-Jahren. „Auf Kur zu gehen“ beinhaltete dabei sowohl das Baden in als auch das Trinken und Inhalieren von Wasser aus Mineralquellen, um die herum sich alle Kurstädte entwickelten.

Darüber hinaus gab es ein eng geplantes Tagesregime, das medizinische und sportliche Elemente ebenso berücksichtigte wie Muße, Unterhaltung und Sozialleben. Dieser ganzheitliche Ansatz brachte eine Architektur aus einzigartig vernetzten Innen- und Außenräumen hervor, deren Kernelemente sich auf dem ganzen Kontinent wiederfinden.

Aus den hunderten Kurstädten Europas wurden die dynamischsten und internationalsten ausgewählt: Spa (Belgien), Bad Ems, Baden-Baden und Bad Kissingen (Deutschland), Vichy (Frankreich), Montecatini Terme (Italien), Baden bei Wien (Österreich), Karlovy Vary, Františkovy Lázně und Mariánské Lázně (Tschechien) sowie Bath (Vereinigtes Königreich).

Mathildenhöhe Darmstadt (Deutschland)

Großherzog Ernst Ludwig von Hessen und bei Rhein gründete 1899 auf der Mathildenhöhe Darmstadt eine Künstlerkolonie als Zentrum der damals neu entstehenden Reformbewegung in Architektur, Kunst und Handwerk. Die experimentelle Wohn- und Arbeitsstätte wurde von den Künstlern selbst gestaltet und im Zuge von vier internationalen Ausstellungen 1901, 1904, 1908 und 1914 erweitert.

Das Ensemble der Mathildenhöhe ist ein außerordentliches Zeugnis von Architektur und Landschaftsgestaltung an der Schwelle zum 20. Jahrhundert. Sie steht stellvertretend für die in und an ihr arbeitende Künstlergemeinschaft, deren wegweisende Visionen für Wohn- und Arbeitswelten als Vorläufer der architektonischen Moderne gelten können.

Leuchtturm von Cordouan (Frankreich)

1584 auf einem Felsplateau vor der Gironde-Mündung errichtet, ist der Leuchtturm von Cordouan bis heute in Betrieb. Sein Bau sollte die Tradition berühmter Leuchttürme der Antike fortsetzen und der französischen Monarchie zu einem bedeutenden Machtsymbol verhelfen.

Im 18. Jahrhundert wurde der Turm auf 67 Meter erhöht und modernisiert, wobei sowohl die technischen Änderungen in der Lichtkammer als auch die Steinschnittarbeiten auf höchstem Niveau umgesetzt wurden.

Damit verdankt sich die heutige Berühmtheit des Leuchtturms von Cordouan der künstlerischen, handwerklichen und technologischen Meisterschaft seiner Erbauer. Zudem wurde er über die Jahrhunderte mehrfach für Versuche herangezogen, die Navigationsunterstützung durch Leuchttürme insgesamt zu verbessern.

Paduas Freskenzyklen aus dem 14. Jahrhundert (Italien)

Die Freskenzyklen befinden sich im alten Stadtzentrum Paduas, untergebracht in acht Gebäudekomplexen: der Cappella degli Scrovegni, der Chiesa degli Eremitani, dem Palazzo della Ragione, dem Palazzo Papafava dei Carraresi, dem Baptisterium sowie den angrenzenden Piazze, der Basilica di Sant’Antonio und dem Oratorio di San Michele.

Inspiriert von Fortschritten der optischen Wissenschaft nutzten Giotto und andere Künstler des 14. Jahrhunderts hier erstmalig die räumliche Perspektive und stellten menschliche Figuren mit individuellen Zügen und Gefühlsäußerungen dar. Ihre Werke bezeugen das besondere prähumanistische Klima im Padua des frühen 14. Jahrhunderts und beeinflussten Freskoarbeiten weit über die Zeit der italienischen Renaissance hinaus.

Kulturraum von Ḥimā (Saudi-Arabien)

Die Stätte liegt an der ältesten Zollstation einer historisch bedeutenden Karawanenroute im Südwesten Saudi-Arabiens. Reisende, die zu verschiedenen Zeiten die Wüste durchquerten, hinterließen hier Spuren in Form von Inschriften und Bildern auf den nahe gelegenen Felsen.

Ihre gemalten, geschriebenen oder eingeritzten Äußerungen über Liebe, Bräuche, Religionen und Jagd sowie über Tiere und Pflanzen stellen eine einzigartige Chronik der letzten 7.000 Jahre menschlicher Kultur dar.

Auf der Liste des UNESCO-Welterbes stehen derzeit 1.125 Kultur- und Naturstätten in 167 Ländern. 51 davon gelten als bedroht. Deutschland verzeichnet 48 Welterbestätten.

Neue Welterbestätten 2021

 

UNESCO zeichnet vier neue Welterbestätten aus
Transiranische Eisenbahn zählt seit heute zum Erbe der Menschheit

Das UNESCO-Welterbekomitee hat vier neue Stätten ins Erbe der Menschheit aufgenommen. Dazu gehört unter anderem die Transiranische Eisenbahn, die über rund 1.400 Kilometer und vier Klimazonen hinweg das Kaspische Meer mit dem Persischen Golf verbindet.

Das UNESCO-Komitee tagt noch bis zum 31. Juli und berät voraussichtlich bis zum 28. Juli über Nominierungen für die Welterbeliste.

Quanzhou: Markt- und Handelsplatz der Song-Yuan-Dynastie (China)

In einer Blütezeit des asiatischen Seehandels zwischen dem 10. und 14. Jahrhundert wuchs Quanzhou zu einem Handelszentrum von Weltbedeutung heran. Grund dafür war eine äußerst vorausschauende und ganzheitliche Stadtplanung, die neben territorialen und institutionellen auch soziokulturelle Faktoren berücksichtigte.

Hinzu kamen die Entwicklung eines einzigartigen Produktions- und Transportwesens. Dementsprechend setzt sich die Welterbestätte aus zahlreichen unterschiedlichen Einzeldenkmälern zusammen. In ihrer Verbindung zueinander zeigen sie den großen Beitrag Quanzhous für die Entwicklung Ost- und Südostasiens auf.

Tempel von Kakatiya Rudreshwara (Ramappa), Telangana (Indien)

Der Rudreshwara-Tempel, im Volksmund Ramappa-Tempel genannt, ist das bedeutendste Shiva-Heiligtum eines großen Tempelkomplexes aus der Kakatiyan-Zeit von 1123 bis 1323.

Reich geschmückt mit verzierten Balken und Säulen aus geschnittenem Granit und Dolerit, krönt ihn ein markanter pyramidenförmiger Vimana, ein horizontal gestufter Turm, aus sogenannten „schwimmenden Ziegeln“.

Auf dem Tempelgelände – wie auch im gesamten Komplex – befinden sich zudem zahlreiche hochwertige Steinskulpturen. Der Komplex ist damit ein herausragendes Beispiel für die Entwicklung von Kakatiya-Tempeln im Rahmen groß angelegter Landschaftsgestaltung.

Transiranische Eisenbahn (Iran)

Die Transiranische Eisenbahn verbindet das Kaspische Meer im Nordosten mit dem Persischen Golf im Südwesten des Landes. Mit ihren 360 Brücken und 224 Tunneln überquert sie zwei Gebirgszüge sowie Flüsse, Hochland, Wälder und Ebenen über 1.394 Kilometer und vier Klimazonen hinweg.

Die Bahnstrecke wurde von der iranischen Regierung und 43 internationalen Bauunternehmen entworfen, 1927 begonnen und 1938 fertiggestellt. Im Gegensatz zu den meisten frühen Eisenbahnprojekten wurde ihr Bau durch nationale Steuern finanziert, um ausländische Investitionen und Kontrolle zu vermeiden.

Ihre Fertigstellung war ein wichtiger Schritt zur Modernisierung des Landes und zur Verbindung von Zentralasien mit Westasien.

Paseo del Prado und Buen Retiro, Landschaft der Künste und der Wissenschaften (Spanien)

Die Madrider Landschaft der Künste und Wissenschaften ist ein herausragendes Beispiel für neue städtebauliche Modelle im aufgeklärten Absolutismus des 18. Jahrhunderts.

Das Streben nach einer utopischen Gesellschaft illustrierend, vereinigt sie auf 200 Hektar Gebäude für Kunst, Wissenschaft, Industrie, Gesundheit und Forschung. Die für sie neuentwickelte Form einer Alameda, eine Allee, diente darüber hinaus als Inspiration für die spanisch-amerikanischen Vizekönigreiche, wo im späten 18. und frühen 19. Jahrhundert ähnliche Projekte umgesetzt wurden.

Neue Welterbestätten 2021

 

UNESCO-Welterbeliste verzeichnet sechs Neueinträge
Welterbestätte in den Niederlanden wurde erweitert

Das UNESCO-Welterbekomitee hat sechs neue Welterbestätten ernannt, darunter vier einzigartige Naturräume auf dem asiatischen Kontinent.

Zudem entschied das Komitee, eine Stätte in den Niederlanden zu erweitern, die bereits seit 1996 zum Welterebe zählt. Sie umfasst historische Verteidigungsanlagen, die einzelne Landstriche bei drohender Gefahr gezielt überfluten sollten.

Das UNESCO-Komitee tagt noch bis zum 31. Juli und berät voraussichtlich bis zum 28. Juli über Nominierungen für die Welterbeliste.

Neuaufnahmen

Kolonien der Barmherzigkeit (Belgien, Niederlande)

1818 von der niederländischen Gesellschaft für Barmherzigkeit, der Maatschappij van Weldadigheid, ins Leben gerufen, waren die Kolonien ein aufklärerisches Experiment zur Armenhilfe und Urbarmachung von Brachland. Heute besteht die Welterbestätte aus den vier Siedlungen Frederiksoord, Wilhelminaoord, Wortelwhich und Veenhuizen.

Verarmten Menschen wurden dort Heide- und Torfflächen zur Verfügung gestellt, die sie erschlossen. Das sollte ihnen einen Weg zurück in die Gesellschaft ebnen. Der international vielbeachtete Versuch war äußerst erfolgreich.

Im Laufe eines Jahrhunderts lebten bis zu 18.000 Menschen gleichzeitig in den Selbstversorger-Kolonien und formten zehntausende Quadratkilometer Brachland in landwirtschaftlich genutzte Siedlungsfläche um. Auf diese Weise beeinflussten die Kolonien der Barmherzigkeit zahlreiche Fürsorgemodelle weit über Westeuropa hinaus.

Kolchische Regenwälder und Feuchtgebiete (Georgien)

Die Kolchischen Regenwälder und Feuchtgebiete gehören zu einem der zwei wichtigsten Überbleibseln arkto-tertiärer Reliktwälder im westlichen Eurasien.

Sie zeichnen sich durch eine große Vielfalt an Flora und Fauna aus, insbesondere endemischer Arten, die die Eiszeiten des Tertiärs überlebt haben. 28 Prozent der in der Region lebenden Amphibien, Reptilien und Säugetiere sind vom Aussterben bedroht.

Darüber hinaus beherbergt Kolchis 44 Arten Gefäßpflanzen, 50 Wirbeltierarten und acht wirbellose Tierarten, die weltweit gefährdet oder potenziell gefährdet sind.

Kolchis ist zudem Heimat zahlreicher Störarten, darunter des Kolchischen Störs, und dient als wichtiger Zwischenstopp für viele weltweit bedrohte Vogelarten, die durch den Batumi-Engpass ziehen.

Die Inseln Amami-Oshima, Tokunoshima, Iriomote und nördlicher Teil der Insel Okinawa (Japan)

Die Stätte liegt in einer der 200 Ökoregionen, die weltweit als entscheidend für den Erhalt globaler Biodiversität gelten. Sie umfasst mehr als 42.000 Hektar und besteht aus fünf Teilgebieten. Durch die Bildung der Okinawa-Rinne im späten Miozän trennte sich die kleine Inselkette vom Eurasischen Kontinent ab. In der Folge wurden die auf ihr lebenden Arten von benachbarten Landmassen isoliert und es entwickelte sich eine einzigartige biologische Vielfalt.

Viele dieser Arten sind heute vom Aussterben bedroht, darunter 188 Arten von Gefäßpflanzen und 1.607 Insektenarten. Endemisch sind zudem 62 Prozent der auf den Inseln lebenden Landsäugetiere, 64 Prozent der Landreptilien, 86 Prozent der Amphibien und alle Süßwasserkrabben. Zwanzig Arten sind global gefährdet, darunter die Okinawa-Stachelratte, die Ryukyu-Schwarzbrust-Blattschildkröte und der Okinawa-Krallengecko.

Getbol, die koreanischen Wattflächen (Republik Korea)

Getbol ist eines der größten Wattenmeere der Welt. Die vier Teilstätten Seocheon Getbol, Gochang Getbol, Shinan Getbol und Boseong-Suncheon Getbol mit einer Gesamtfläche nahezu 130.000 Hektar befinden sich im Gelben Meer zwischen China und der koreanischen Halbinsel.

Im Herzen der ostasiatisch-indopazifischen Zugroute gelegen, beherbergen sie Millionen wandernder Wasservögel, darunter den Schwarzstirnlöffler, den Tüpfelgrünschenkel und den Großen Brachvogel.

Derzeit von der Weltnaturschutzunion IUCN auf der Roten Liste der Ökosysteme als gefährdet eingestuft, ist Getbol Heimat von 2.150 verschiedenen Arten von Flora und Fauna, darunter 22 weltweit bedrohte oder potenziell bedrohte Arten wie den endemischen Löffelstrandläufer.

Das Wattenmeer verfügt mit insgesamt 2.169 bekannten Arten zudem über eine außerordentlich hohe Vielfalt wirbelloser Tiere.

Waldkomplex Kaeng Krachan (Thailand)

Der fast 412.000 Hektar große Komplex im Westen Thailands weist eine herausragend hohe Biodiversität auf, einschließlich weltweit bedrohter Flora und Fauna. In seinen sechs Waldtypen finden sich 81 seltene und 48 vom Aussterben bedrohte Pflanzenarten.

Auch 35 Tierarten in unterschiedlichen Stadien der Gefährdung sind für Kaeng Krachan nachgewiesen, darunter vier endemische: das Siam-Krokodil, das Malaiische Schuppentier, die Gelbkopfschildkröte und die Braune Landschildkröte.

Arslan Tepe (Türkei)

Arslan Tepe ist eine archäologische Ausgrabungsstätte in der Malatya-Ebene, zwölf Kilometer südwestlich des Euphrat. Vom 6. Jahrtausend vor unserer Zeitrechnung bis in die spätrömische Zeit besiedelt, erlebte es seine Blüte im späten Chalkolithikum, der Kupfersteinzeit, als der Palastkomplex erbaut wurde.

Aus dieser Periode sind nicht nur der Besiedlungsplan und die Bautechnik belegt. Auch Wandputz und Wandmalereien haben sich bemerkenswert gut erhalten. Damit gewährt Arslan Tepe einen einzigartigen Einblick in ein erstes elitäres Leben und die frühesten Formen staatlicher Verwaltung.

Erweiterung

Holländische Wasserverteidigungslinien (Niederlande)

Das sich über 200 Kilometer erstreckende Verteidigungssystem am Rand des holländischen Kernlands besteht aus der Neuen Niederländischen Wasserlinie und dem bereits 1996 zum UNESCO-Welterbe ernannten Festungsgürtel von Amsterdam.

Zwischen 1815 und 1940 erbaut, umfasst die nun erweiterte Welterbestätte 96 Forts, Deiche, Schleusen, Pumpstationen, Kanäle und Flutpolder. Dieses einzigartige Verteidigungsnetzwerk schützte die Niederlande, indem es bei Bedarf einzelne Landstriche gezielt überfluten konnte.

Neue Welterbestätten 2021

Vintagebuch Tipp:

Das UNESCO Welterbe:
Monumente der Menschheit – Wunder der Natur
(KUNTH Das Erbe der Welt)
Kunth Verlag
Aktualisierte Auflage 2021 (4. März 2021)
Taschenbuch‏: ‎ 800 Seiten
ISBN-13: ‎ 978-3969650004

      

Buchzitat: Eine Landschaft, ein Denkmal oder ein städtebauliches Ensemble, das in die Liste des Welterbes der UNESCO aufgenommen wurde, ist vor allem eins: Es gehört zum Vermächtnis der gesamten Menschheit, es ist der schützenswerte Nachlass der Erdbevölkerung. Inzwischen gelten über 1000 Stätten, Monumente und Naturräume nach den Regeln der UNESCO als »Erbe der Menschheit«.

Auf der Liste des UNESCO-Welterbes stehen derzeit 1.135 Kultur- und Naturstätten in 167 Ländern. 51 davon gelten als bedroht. Deutschland verzeichnet 48 Welterbestätten.