Als der Wagen nicht kam: Eine wahre Geschichte aus dem Widerstand von Manfred Lütz und Paulus van Husen

Die Lebenserinnerungen des Kreisauer Kreis-Mitglieds Paulus van Husen, die vom Kaiserreich bis ins Nachkriegsdeutschland reichen, geben einen einmaligen Einblick in das Denken und Fühlen der Widerstandskämpfer der NS-Zeit.

Als Mitglied der deutsch-polnischen Gemischten Kommission gerät Paulus van Husen sofort mit den Nazis aneinander.

Wie er Goebbels und Keitel begegnet und dem eiskalten SS-Mörder Heydrich Auge in Auge widersteht, beschreibt er packend.

Als Teil des Kreisauer Kreises hat er einen entscheidenden Moment mit dem Hitler-Attentäter Stauffenberg und am Ende überlebt er nur mit viel Glück:

 

Als der Wagen nicht kam
Eine wahre Geschichte aus dem Widerstand
von Manfred Lütz und Paulus van Husen
Gebundene Ausgabe: 384 Seiten
Verlag Herder
(18. März 2019)
ISBN-13: 978-3451384219
Gebundenes Buch EUR 25,00
E-Book EUR 19,99

 

Zur Verlagsinfo
Als der Wagen nicht kam
von Manfred Lütz und Paulus van Husen

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Leseprobe
Als der Wagen nicht kam
von Manfred Lütz und Paulus van Husen

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Als der Wagen nicht kam von Manfred Lütz und Paulus van Husen
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Ratgeber (Geschichte und Politik): 10 Punkte
Schreibstil: 10 Punkte
Fazit: Ein außergewöhnliches Stück Zeitgeschichte. 2019: 75 Jahre 20. Juli 1944. Fürwahr ein Krimi aus der Wirklichkeit

 

Buchzitat: Mehr als ein halbes Jahrhundert nach dem 20. Juli 1944 macht Manfred Lütz eine außergewöhnliche Entdeckung:

 

Er findet die Autobiografie seines Großonkels Paulus van Husen.

Was er darin liest, zieht ihn sofort in seinen Bann.

Der bis dahin unbekannte Bericht eines Zeitzeugen, den es immer wieder an die Brennpunkte der Geschichte des 20. Jahrhunderts verschlagen hatte, ist von großer historischer Bedeutung und glänzend geschrieben.

Nichts deutete darauf hin, dass Paulus van Husen einmal zum Verschwörer werden würde.

Vor dem Ersten Weltkrieg hatte er unter anderem in Oxford und Genf noch ein unbeschwertes Studentenleben geführt, Sarah Bernardt auf der Bühne erlebt, das mondäne Strandleben auf Borkum genossen.

Doch mit dem Ersten Weltkrieg, nimmt sein Leben eine erste Wendung. In einem Husarenstück eilt seine Elitedivision 1918 der Regierung Ebert in Berlin zu Hilfe.

Als Mitglied der deutsch-polnischen Gemischten Kommission erlebt er beim Völkerbund in Genf Gustav Stresemann.

Mit den Nazis gerät er sofort aneinander. Wie er Goebbels und Keitel begegnet und dem eiskalten SS-Mörder Heydrich Auge in Auge widersteht, beschreibt er packend.

Als Mitglied des Kreisauer Kreises hat er einen entscheidenden Moment mit dem Hitler-Attentäter Stauffenberg und am Ende überlebt er nur mit viel Glück.

Nach dem Krieg wird er von Adenauer umworben und beschließt seine Karriere als erster Verfassungsgerichtspräsident Nordrhein-Westfalens.

Wie Paulus van Husen »dem Löwen auf den Schwanz tritt« und dann doch entwischt, das zu verfolgen, ist spannend wie ein Krimi.

In seiner Einleitung lässt Manfred Lütz nicht nur den Menschen Paulus van Husen noch einmal lebendig werden, er verweist auch auf die hohe Aktualität der abenteuerlichen Lebensgeschichte eines Mannes, der sich erhobenen Hauptes der Barbarei entgegenstellte.

 

Manfred Lütz im Interview

 

Wer ist Paulus van Husen, dessen Erinnerungen Sie in „Als der Wagen nicht kam“ veröffentlichen?

Ein unglaublich spannender Mann mit einer Lebensgeschichte wie ein Krimi: Er beschreibt höchst unterhaltsam und witzig sein Aufwachsen in der Kaiserzeit, nach dem Ersten Weltkrieg reitet er als Husar in wichtiger Mission zu Pferde in Berlin Charlottenburg ein, gerät in die internationale Diplomatie, wird Richter am preußischen Oberverwaltungsgericht, trifft persönlich die großen Nazis, obwohl er längst im Widerstand ist, wird schließlich Mitverschwörer beim Attentat auf Hitler, entgeht nur knapp dem Tod und wird am Ende der erste Verfassungsgerichtspräsident Nordrhein-Westfalens.

Wie ist dieser außergewöhnliche Lebensbericht in Ihre Hände gelangt?

Paulus van Husen war mein Großonkel. Ich habe ihn zwar leider nie persönlich kennengelernt, aber ich wurde sein Erbe und fand am Boden eines Schrankes seine bis dahin unbekannte Autobiographie.

Das Buch wird als „Krimi aus der Wirklichkeit“ beworben – was ist damit gemeint?

Ich habe alle erzählten Teile zusammengestellt, habe das dann abends begonnen korrekturzulesen und konnte einfach nicht mehr aufhören, so spannend und glänzend geschrieben ist das. Der bekannte Historiker Michael Stürmer hat bei der Vorstellung der Buches in der Berliner Bundespressekonferenz dasselbe gesagt: „Ich konnte das Buch gar nicht zumachen …“

Abgesehen von ihrem hohen Spannungsgehalt – warum sind die Erinnerungen des Paulus van Husen für den heutigen Leser noch von Interesse?

Es ist historisch von hohem Interesse. Vieles, was er da erzählt, dafür gibt es nur ihn als Zeugen, zum Beispiel, als er dabei ist, wie Stauffenberg den Oberst Meichsner zu überreden versucht, das Attentat zu übernehmen – und der sich weigert. Stauffenberg und Meichsner sind nach dem 20. Juli 1944 ermordet worden.

Kann jemand wie Paulus van Husen für uns heute ein Vorbild sein?

Das Buch ist deswegen so aktuell, weil wir heute wieder Menschen brauchen, die den Mut haben, sich gegen Unmenschlichkeit und Ungerechtigkeit einzusetzen, gegen menschenverachtende Trends, die heute wieder zunehmen, damit nicht die Trumps, die Dieter Bohlens und Heidi Klums die Atmosphäre einer Gesellschaft bestimmen, für die nur Erfolg, Geld und der Größe-Sein eine Rolle spielen, so dass die Würde des Menschen, jedes Menschen, auf der Strecke bleibt.

 

Manfred Lütz, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, katholischer Theologe und Autor. Soeben erschien unter wissenschaftlicher Mitarbeit von Arnold Angenendt sein Buch „Der Skandal der Skandale. Die geheime Geschichte des Christentums“.

 

Als der Wagen nicht kam von Manfred Lütz und Paulus van Husen
(© Cover & Inhaltsangaben: HERDER Verlag)

 

Video: Manfred Lütz und Paulus van Husen “Als der Wagen nicht kam”

 

 

Zitat: Mehr als ein halbes Jahrhundert nach dem 20. Juli 1944 macht Manfred Lütz eine außergewöhnliche Entdeckung: Er findet die Autobiografie seines Großonkels Paulus van Husen. Was er darin liest, zieht ihn sofort in seinen Bann. Der bis dahin unbekannte Bericht eines Zeitzeugen, den es immer wieder an die Brennpunkte der Geschichte des 20. Jahrhunderts verschlagen hatte, ist von großer historischer Bedeutung und glänzend geschrieben.

In seiner Einleitung lässt Manfred Lütz nicht nur den Menschen Paulus van Husen noch einmal lebendig werden, er verweist auch auf die hohe Aktualität der abenteuerlichen Lebensgeschichte eines Mannes, der sich erhobenen Hauptes der Barbarei entgegenstellte …

 

Wikipedia Recherche

Paulus van Husen (* 26. Februar 1891 in Horst an der Emscher; † 1. September 1971 in Münster) war ein deutscher Jurist, Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus und Mitglied der Widerstandsgruppe Kreisauer Kreis.

Paulus van Husen stammte aus einer katholischen Arztfamilie. Er besuchte das Gymnasium Paulinum in Münster, an dem er 1909 das Abitur ablegte.

Van Husen studierte von 1909 bis 1912 Rechts- und Staatswissenschaften in Oxford, München, Genf und Münster. 1912/1913 leistete er seinen Militärdienst als Einjährig-Freiwilliger, 1914 begann er das Rechtsreferendariat, unter anderem im Landratsamt Lüdinghausen. Dieses wurde durch den Ersten Weltkrieg, in dem van Husen von Anfang bis Ende Dienst tat, zuletzt als Leutnant.

Nach Kriegsende brachte van Husen sein Referendariat zu Ende. 1920 wurden er an der Universität mit einer Dissertation über Die staatsrechtliche Organisation des Deutschen Reiches von der Revolution November 1918 bis zum Zusammentritt der Nationalversammlung promoviert.

Im Oktober 1920 trat van Husen in den preußischen Staatsdienst ein, zunächst bei der Regierung in Oppeln in Oberschlesien. Als der Landrat des Kreises Rybnik, Hans Lukaschek, in Vorbereitung auf die Volksabstimmung in Oberschlesien zum Schlesischen Ausschuss wechselte, wurde van Husen Anfang 1921 mit der kommissarischen Leitung des Landratsamtes des Kreises Rybnik betraut, die er bis zum Juli 1922 wahrnahm.

Mit Lukaschek verband van Husen fortan eine lebenslange Freundschaft. Anschließend war van Husen wieder beim Regierungspräsidenten Oppeln tätig, dann von 1923 bis 1927 Generalbevollmächtigten von Karl Gottfried Prinz zu Hohenlohe-Ingelfingen. 1927 wurde er als Nachfolger Lukascheks zum deutschen Mitglied der Gemischten Kommission für Oberschlesien berufen.

1934 wurde er von den Nationalsozialisten aus der Gemischten Kommission abberufen. Er wurde als Richter an das Preußische Oberverwaltungsgericht versetzt. Im Zweiten Weltkrieg diente er im Range eines Rittmeisters der Reserve.

Paulus van Husen gehörte seit 1941 dem Kreisauer Kreis an. Van Husen kam mit Moltke über die schlesische Zentrumspartei in Kontakt. Sein Anliegen im Kreisauer Kreis war die Klärung der Rechtsfragen sowie die Bestrafung der Kriegsverbrecher.

Er wurde den Attentätern des 20. Juli 1944 zugerechnet und im Oktober 1944 von der Gestapo verhaftet. Obwohl er in die Attentatspläne eingebunden gewesen und nach den Plänen der Verschwörer für das Amt eines Staatssekretärs in der neuen Reichsregierung vorgesehen war, konnte ihm nichts nachgewiesen werden.

Gleichwohl wurde er im April 1945 vom Volksgerichtshof in dessen letzter Sitzung zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt. Wenige Tage später wurde er von der Roten Armee aus dem Berliner Strafgefängnis Plötzensee befreit.

Husen gehörte wie Otto Heinrich von der Gablentz zu den Mitbegründern der CDU in Berlin.

Im Auftrag der US-amerikanischen Militärregierung in Berlin baute er eine Verwaltungsgerichtsbarkeit auf. 1948 wurde er Richter am Bizonalen Deutschen Obergericht in Köln.

1949 wurde Paulus van Husen von der nordrhein-westfälischen Regierung Arnold (CDU) zum ersten Präsidenten des Oberverwaltungsgerichts für das Land Nordrhein-Westfalen in Münster berufen, in der Folge Präsident des 1952 errichteten Verfassungsgerichtshofs für das Land Nordrhein-Westfalen. 1959 ging van Husen in den Ruhestand.