Alexander von Humboldt und die Erfindung der Natur von Andrea Wulf

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Alexander von Humboldt und die Erfindung der Natur von Andrea Wulf (Autor), Hainer Kober (Übersetzer)
Gebundene Ausgabe: 560 Seiten
Verlag: C. Bertelsmann Verlag
Auflage: Deutsche Erstausgabe
(11. Oktober 2016)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 9783570102060
Originaltitel: The Invention of Nature
Gebundenes Buch 24,99 EUR, gebraucht ab 17,73 EUR, Kindle 14,99 EUR bei Amazon.de

Buchzitat: Was hat Alexander von Humboldt, der vor mehr als 150 Jahren starb, mit Klimawandel und Nachhaltigkeit zu tun?

Der Naturforscher und Universalgelehrte, nach dem nicht nur unzählige Straßen, Pflanzen und sogar ein »Mare« auf dem Mond benannt sind, hat wie kein anderer Wissenschaftler unser Verständnis von Natur als lebendigem Ganzen, als Kosmos, in dem vom Winzigsten bis zum Größten alles miteinander verbunden ist und dessen untrennbarer Teil wir sind, geprägt.

Die Historikerin Andrea Wulf stellt in ihrem vielfach preisgekrönten – so auch mit dem Bayerischen Buchpreis 2016 – Buch Humboldts Erfindung der Natur, die er radikal neu dachte, ins Zentrum ihrer Erkundungsreise durch sein Leben und Werk.

Sie folgt den Spuren des begnadeten Netzwerkers und zeigt, dass unser heutiges Wissen um die Verwundbarkeit der Erde in Humboldts Überzeugungen verwurzelt ist. Ihm heute wieder zu begegnen, mahnt uns, seine Erkenntnisse endlich zum Maßstab unseres Handelns zu machen – um unser aller Überleben willen.

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Friedrich Wilhelm Heinrich Alexander von Humboldt (* 14. September 1769 in Berlin; † 6. Mai 1859 ebenda) war ein deutscher Forschungsreisender mit einem weit über Europa hinausreichenden Wirkungsfeld.

In seinem über einen Zeitraum von mehr als sieben Jahrzehnten entstandenen Gesamtwerk schuf er „einen neuen Wissens- und Reflexionsstand des Wissens von der Welt“ und wurde zum Mitbegründer der Geographie als empirischer Wissenschaft. Er war der jüngere Bruder von Wilhelm von Humboldt.

Forschungsreisen

Mehrjährige Forschungsreisen führten Alexander von Humboldt nach Lateinamerika, in die USA sowie nach Zentralasien. Wissenschaftliche Feldstudien betrieb er unter anderem in den Bereichen Physik, Geologie, Mineralogie, Botanik, Vegetationsgeographie, Zoologie, Klimatologie, Ozeanographie und Astronomie.

Weitere Forschungen betrafen die Wirtschaftsgeographie, die Ethnologie, die Demographie, die Physiologie und die Chemie. Alexander von Humboldt korrespondierte mit zahlreichen Experten verschiedener Fachrichtungen und schuf so ein wissenschaftliches Netzwerk eigener Prägung.

In Deutschland erlangte Alexander von Humboldt vor allem mit seinen Werken Ansichten der Natur und Kosmos außerordentliche Popularität. Schon zu Lebzeiten genoss er im In- und Ausland ein hohes Ansehen.

Akademie der Wissenschaften zu Berlin

So wurde er zum Beispiel in der Akademie der Wissenschaften zu Berlin als „erste wissenschaftliche Größe seines Zeitalters“ gewürdigt; die Pariser Akademie der Wissenschaften verlieh ihm den Beinamen „Der neue Aristoteles“.

Die Vielschichtigkeit von Humboldts Werk und Vita brachte es mit sich, dass sich nach seinem Tod zahlreiche gesellschaftliche und politische Strömungen für ihre jeweiligen Ziele auf ihn beriefen.

Seit dem Ende des 20. Jahrhunderts – unter dem Eindruck einer umfassenden Globalisierung – wird sein Wirken als Pionier des ökologischen Denkens rezipiert, für den die Einsicht galt: „Alles ist Wechselwirkung“.

… wenig befähigter, lernunwilliger Kopf

Alexander erschien seinen Erziehern lange Zeit als eher wenig befähigter, lernunwilliger Kopf. Dennoch mutete man ihm zu, denselben in zeittypischer Weise großteils abstrakt aufbereiteten Lernstoff zu verarbeiten, den sein zwei Jahre älterer Bruder Wilhelm vergleichsweise mühelos erfasste.

Alexander – der kleine Apotheker

Früh schon zeigte Alexander jedoch besonderes Interesse an Naturgegenständen; und da er sich gern mit Insekten, Steinen und Pflanzen beschäftigte, galt er bald als „der kleine Apotheker“. In seinem Zimmer ordnete und etikettierte er seine Funde. Als Zehnjähriger entwarf er Karten zum Planetensystem und von Amerika.

Zeichen- und Maltalent

Zu seinen Interessen gehörte auch sein Zeichen- und Maltalent, das unter Anleitung von Daniel Chodowiecki im Kupferstechen und Radieren geschult wurde und mit dem er sich bereits 1786 in der ersten Kunstausstellung der Berliner Akademie der Öffentlichkeit vorstellte. Die erstaunliche Qualität der Illustrationen seines späteren Reisewerks mag hier ihren Ursprung gehabt haben.

Studium

Mit Blick auf die vorgesehenen Karrieren im Staatsdienst schickte die Mutter 1787 ihre Söhne zum Studium an die Brandenburgische Universität Frankfurt (Viadrina). Wilhelm sollte dort Jura studieren, Alexander die weniger renommierte Kameralwissenschaft (Staatswirtschaftslehre). Nebenbei hörte Alexander Altertumswissenschaften, Medizin, Physik und Mathematik.

Sowohl Alexander als auch sein Bruder Wilhelm waren in Frankfurt (Oder) offenbar akademisch unterfordert und verließen die Universität nach einem Semester wieder. Alexander ging anschließend zurück nach Berlin, wo er sich von Carl Ludwig Willdenow in der Botanik ausbilden ließ.

Universität Göttingen

Am 25. April 1789 immatrikulierte er sich, seinem Bruder folgend, an der Universität Göttingen. Neben dem Physiker Georg Christoph Lichtenberg war hier für Alexander vor allem der Anatom und Zoologe Johann Friedrich Blumenbach wegweisend, der die Forschungsreise als bedeutende Erkenntnisquelle für Anthropologie und Biologie schätzte und einen interdisziplinären Kreis ambitionierter Nachwuchswissenschaftler um sich scharte.

Bekanntschaft von Georg Forster

Humboldt drängte es nun, die Bekanntschaft von Georg Forster zu machen, der als Naturforscher mit Weltumsegelungserfahrung wohl den von ihm selbst angestrebten Typus verkörperte.

Wie Forster trat Humboldt für die revolutionären Ideale und die allgemeinen Menschenrechte ein; doch anders als dieser, der als glühender Anhänger der Revolution in Paris blieb, setzte Humboldt seine kameralistische Ausbildung in Handelswissenschaften sowie in Volks- und Weltwirtschaft an der Hamburger Büsch-Akademie fort. Dies bot ihm vielerlei Vertiefungsmöglichkeiten zu Geographie und Reiseberichten.

Weltwissenschaftler

Alexander von Humboldts Denken war in einem umfassenden Sinn auf die Welt im Ganzen gerichtet. Wissenschaftliche Interessen und die des Literaten gingen bei Humboldt nach eigenem Bekunden Hand in Hand. „Ästhetik“, so Ette, „ist für Humboldt keine bloße Zierde oder schöne Dreingabe, sondern ein eigenes spezifisches Verknüpfungswissen, das alles mit allem zu verbinden vermag.“

Vernetzung

Als Forscher setzte Humboldt auf weltweite Vernetzung und förderte sie nach Kräften durch eigene Korrespondenz und als Organisator von Begegnung und Ergebnisaustausch unter Wissenschaftlern. Seine vielfältigen Leistungen und Wirkungsbereiche trugen ihm höchste Anerkennung in aller Welt ein.

Forschungshorizont

Zu den Wissenschaftsbereichen, zu denen Alexander von Humboldt Grundlegendes beigetragen hat, zählt Ette Anatomie, Altertumswissenschaft, Botanik, Geologie, Geschichtswissenschaft, Mathematik, Philologie, Astronomie und Zoologie.

Bezeichnend für Humboldts Forschungsansatz, heißt es bei Ette, sei disziplinenübergreifendes Querdenken und auf das Ganze gerichtetes Zusammendenken, das sich keineswegs im Messen und in der Datenerhebung zu statistischen Zwecken verloren habe.

Humboldt-Formel

Sein die Natur- und Geisteswissenschaften sowohl in ihren jeweiligen Forschungsmethoden respektierender als auch gezielt untereinander vernetzender Ansatz dürfte wohl am ehesten geeignet sein, wissenschaftlichem Arbeiten jene Problemlösungskompetenz und jenes öffentliche Gehör zu erschließen, ohne die es oft fruchtlos bleibt.

Reisen und forschen“, resümiert Rüdiger Schaper, „kommunizieren und schreiben, die Welt als globales Geschehen am jeweiligen Ort durchdringen und immer in Bewegung sein, den Informationsfluss beschleunigen: Das ist die Humboldt-Formel.“

Humboldts Kosmos

Humboldts Kosmos erwuchs nicht zuletzt aus dem ständigen direkten und persönlichen Austausch über die Grenzen der Disziplinen hinweg und ermöglichte ihm die Einbeziehung spezialisierter Wissensbestände auch solcher Fachrichtungen, deren Erkenntnisse ihm wichtig waren, obwohl er sie selbst nicht vertieft betreiben konnte.

Bei aller Komplexität und ganzheitlichen Orientierung seines Forschens blieb Humboldt sich jedoch der Lückenhaftigkeit und Vorläufigkeit der eigenen Ergebnisse bewusst.

Vernetzungsprinzip

„Wenn unser Jetztzeitalter das Netzzeitalter ist“, schreibt Ette, „dann ist Alexander von Humboldt gewiß dessen wissenschaftlicher Vordenker.“ Während der Zwanzigjährige sich noch als „Fremdling zwischen den Wissenschaften“ gesehen hatte, wurde er nach seiner Rückkehr von der Amerikareise zum unermüdlichen Kommunikator von Wechselbezügen zwischen den Disziplinen.

… weltweite wissenschaftliche Korrespondenz

Mehr als 30.000 Briefe Alexander von Humboldts zeugen davon, dass er weltweit wissenschaftliche Korrespondenzen unterhielt, die einerseits Zugang zu den jeweiligen regionalen Wissensbeständen und Forschungsergebnissen verschafften und die andererseits dazu dienten, das Spezialwissen einzelner Wissenschaftsbereiche zu sammeln und zu den Fragehorizonten der vielfältigen eigenen Forschung in Beziehung zu setzen.

Begegnungen in Salons

Die persönlichen Begegnungen in Salons und im gesellschaftlichen Verkehr dienten Humboldt auch zu eigener Fortbildung. Der Austausch mit seinen Besuchern in Paris und Berlin verlief oft so intensiv, dass Humboldt die Gewohnheit angenommen hatte, seine Gesprächspartner hinterher noch stundenlang nach Hause zu begleiten, was diese umgekehrt erwiderten.

Aus solchen Gesprächen und der brieflichen Korrespondenz, meint Meyer-Abich, habe Humboldt von seinen wissenschaftlichen Freunden wahrscheinlich mehr erfahren als aus der Lektüre ihrer Schriften: Ohne das Gespräch und ohne die Salons ist Humboldts Existenz unvorstellbar.

Humboldts Fähigkeit zum vernetzenden Denken und Forschen

Alexander von Humboldts Fähigkeit zum vernetzenden Denken und Forschen hat in seinem Schrifttum zu mancherlei überraschenden Vergleichen geführt, zu einer von Außenstehenden mitunter kritisierten „Vergleichswut“.

So hat er beispielsweise Landwirtschaft und Bevölkerungsentwicklung Kubas zu den entsprechenden, aber ganz anderen Bedingungen unterliegenden Daten der Mark Brandenburg in Beziehung gesetzt, um daraus Schlussfolgerungen abzuleiten.

Doch auch in so scheinbar willkürlichen Vergleichen liegt für Ette nicht ein bloßer Überschuss der Methode weltweiter Bezugnahmen, sondern ein rhetorisch-literarisches Mittel.

… die Natur muss gefühlt werden

Andrea Wulf akzentuiert einen weiteren programmatischen Ansatz Humboldts, indem sie ihn aus einem Brief an Goethe zitiert: „Die Natur muss gefühlt werden.“ Humboldt habe einerseits 42 wissenschaftliche Instrumente quer durch Lateinamerika geschleppt und alles nur Vorstellbare gemessen. Andererseits habe er jedoch betont, dass Gefühle im Umgang mit der Natur genauso wichtig seien.

Das von Humboldt weltweit vorangetriebene Netzwerk korrespondierender Wissenschaftler und die Schnelligkeit der Umsetzung eingeholter Informationen in Humboldts Schriften zeugten von der Effektivität dieses Forschungskonzepts.

Literarische Salons in Paris

Der Betätigungs- und Schaffensdrang Alexander von Humboldts wurde von vielen seiner Zeitgenossen wie auch von ihm selbst als sehr ungewöhnlich, aber kennzeichnend angesehen. „Solche Tätigkeit, Schnelligkeit und Festigkeit ist noch nie gesehen worden“, bekannte der Dichter Adelbert von Chamisso 1810 nach einem Besuch Humboldts in Paris.

In Gesellschaften, wie zum Beispiel im literarischen Salon Rahel Varnhagens, ging von seinem plötzlichen Auftauchen, seinen vielseitig charmierenden Plaudereien und seinem ebenso plötzlichen Verschwinden „eine faszinierende Unruhe“ aus.

Johann Wolfgang von Goethe

Über dreieinhalb Jahrzehnte erstreckten sich in loser Folge und wechselnder Intensität die Kontakte zwischen Alexander von Humboldt und Johann Wolfgang von Goethe in einer von höchstem wechselseitigen Respekt bestimmten Beziehung.

Goethes Fragen nach Urbild und Ganzheit übten auf Humboldt den stärksten Einfluss aus; doch in ihren methodischen Herangehensweisen stellte Goethe einen markanten Unterschied fest: Während er selbst von der Gestalt und vom Ganzen ausgehe, seien es bei Humboldt das Element bzw. das Teil.

Goethes Farbenlehre

Auffassungsunterschiede zwischen beiden ergaben sich nicht nur beim Vulkanismus – für Goethe die „vermaledeite Rumpelkammer der neuen Weltschöpfung“ –, sondern auch hinsichtlich Goethes Farbenlehre, die Humboldt ablehnte.

Unbeschadet solcher Differenzen, die nicht öffentlich ausgetragen wurden, bezeichnete Goethe Alexander von Humboldt gegenüber Eckermann als einen „Brunnen mit vielen Röhren, wo man überall nur Gefäße unterzuhalten braucht und wo es uns immer erquicklich und unerschöpflich entgegen strömt.“

Charles Darwin

Zu den von Humboldt beeinflussten Persönlichkeiten gehörte Charles Darwin, der sich zur Vorbereitung seiner Beagle-Expedition auch in Humboldts Reisebericht aus den Tropen einarbeitete. An Darwins Reise-Tagebüchern wurde eine große Ähnlichkeit sowohl der Art der Naturbetrachtung als auch der schriftstellerischen Ausführung bemerkt.

… hundertste Geburtstag Alexander von Humboldts

Der hundertste Geburtstag Alexander von Humboldts – gut zehn Jahre nach seinem Ableben – wurde international mit Begeisterung und großem Aufwand begangen. Von Melbourne und Adelaide, über Moskau und Alexandria bis Buenos Aires und Mexiko-Stadt erstreckten sich die Feierlichkeiten – mit den größten Veranstaltungen in den USA. „Von San Francisco bis Philadelphia und von Chicago bis Charleston gab es Straßenumzüge, Festessen und Konzerte.“

In New York folgten Tausende den Musikkapellen zur Ehrung eines Mannes, von dem die New York Times schrieb, dass keine Nation seinen Ruhm für sich beanspruchen könne. Zur größten deutschen Feier kam es in Humboldts Heimatstadt Berlin, wo „trotz sintflutartiger Regengüsse achtzigtausend Menschen zusammenkamen. Alle Büros und Behörden blieben an diesem Tag geschlossen.“

250. Geburtstag Alexander von Humboldt

Zum 250. Geburtstag Alexander von Humboldts 2019 fanden im Berliner Bezirk Reinickendorf zahlreiche thematische Veranstaltungen statt. Ausrichtungsungsorte waren unter anderen die Schloss Tegel benachbarte Humboldt-Bibliothek und das Museum Reinickendorf.
Quelle: de.wikipedia.org/wiki/Alexander_von_Humboldt