1942: Michael Curtiz’ Casablanca mit Humphrey Bogart und Ingrid Bergman in den Haupt­rollen hat seine Premiere im Hollywood Theatre in New York

1942: Michael Curtiz’ Casablanca mit Humphrey Bogart und Ingrid Bergman in den Haupt­rollen hat seine Premiere im Hollywood Theatre in New York.

Handlung

Casablanca während des Zweiten Weltkriegs: Frankreich ist von der deutschen Wehrmacht erobert und teilweise besetzt, nicht dagegen das französische Protektorat Marokko, das zu Französisch-Nordafrika gehört und damit durch das Vichy-Regime verwaltet wird.

Viele fliehen nach Casablanca, um dort einen Flug ins neutrale Lissabon zu ergattern, von wo aus sie hoffen, weiter nach Amerika gelangen zu können. Die meisten der Flüchtlinge gelangen allerdings nicht über Casablanca hinaus, da der französische Polizeichef Capitaine Louis Renault mit den Deutschen zusammenarbeitet.

Eines Tages werden zwei deutsche Offiziere ermordet und die Transit-Visa gestohlen, die sie bei sich getragen haben, wonach die Polizei alle verdächtigen Personen (insbesondere Flüchtlinge und nach Casablanca Emigrierte) verhaftet und auf ihre Papiere untersucht (der Mann, der wegen seiner Flucht angeschossen wird, ist allerdings nicht der Täter).

Kurz darauf reist der deutsche Major Strasser in Casablanca ein, der von Louis Renault in Empfang genommen wird. Grund seines Aufenthalts in Casablanca ist der berühmte und einflussreiche tschechische Widerstandskämpfer Victor László, der den Nazis schon mehrmals entkommen ist und nunmehr auf dem Weg nach Casablanca ist.

László will sich mit seiner Frau Ilsa Lund nach Amerika absetzen, während ihm eben der deutsche Major Strasser nach Casablanca hinterherreist, um ihn daran zu hindern.

Renault teilt Strasser nach dessen Ankunft mit, dass sie den Mörder der deutschen Offiziere bereits ermittelt haben (Ugarte) und dieser am selben Abend im Nachtclub Rick’s Café Américain verhaftet werden soll (und zwar vor den Augen Strassers, um die Tüchtigkeit der Polizei zu demonstrieren).

Der vom Amerikaner Richard “Rick” Blaine betriebene Nachtclub Rick’s Café Américain ist Treffpunkt vieler Emigranten in Casablanca. Rick hat in den 1930er-Jahren Waffenschmuggel für das von Italien angegriffene Äthiopien betrieben und auf der Seite der Republikaner im Spanischen Bürgerkrieg gekämpft.

Inzwischen ist er jedoch ein desillusionierter Zyniker geworden, der, wie er sagt, kein Interesse mehr daran hat, für andere den Kopf hinzuhalten. Da der korrupte Renault Transit-Visa nur gegen Bezahlung mit hohen Geldbeträgen oder Sex erteilt, gibt es auch zwielichtige Gestalten wie die Italiener Ugarte und Ferrari, die Visa gegen geringere Geldbeträge auf dem Schwarzmarkt anbieten.

An dem Abend, an dem Ugarte, der von der Polizei bereits als Mörder der deutschen Offiziere ermittelt worden ist, verhaftet werden soll, bittet dieser Rick, für ihn die Transit-Visa aufzubewahren, bis die Aufregung sich gelegt habe; Rick versteckt die Dokumente im Klavier seines Pianisten Sam. Ugarte wird dennoch kurz darauf durch Renaults Leute festgenommen und kurze Zeit später getötet. Die Visa bleiben unentdeckt.

László benötigt zwei Transit-Visa und sucht mit Ilsa Ricks Lokal auf. Ilsa ist eine ehemalige Geliebte Ricks. Die beiden haben sich ein Jahr zuvor in Paris kennengelernt und eine leidenschaftliche Affäre gehabt. Ilsa erkennt Sam wieder und bittet ihn, den Song As Time Goes By zu spielen, wie er es auch in Paris immer für sie getan hat.

Rick stürmt, als er das durch ihn verbotene Lied hört, herein und ist erschüttert, als er Ilsa gegenübersteht – sie hat ihm damals das Herz gebrochen. Er und sie hatten Paris gemeinsam verlassen wollen, als die Deutschen in Frankreich einmarschierten, Ilsa war damals aber nicht am vereinbarten Treffpunkt erschienen und hatte ihn wissen lassen, dass sie nicht mit ihm gehen könne.

Als Ilsa nach der Sperrstunde Rick in seinem Nachtclub aufsucht, ist er betrunken und ihr gegenüber zynisch und vorwurfsvoll, so dass sie kurz darauf wieder geht. Auch am nächsten Tag will Ilsa Rick nicht erklären, warum sie damals nicht mit ihm gegangen ist, weil er tags zuvor so unangenehm zu ihr gewesen ist und sie sich daher kein Verständnis von ihm erwartet.

László versucht überall in Casablanca, Transit-Visa aufzutreiben. Als ihm geraten wird, es bei Rick zu versuchen, bietet er diesem für die Dokumente 200.000 Franc. Rick, wegen Ilsa gekränkt, weigert sich allerdings, dem Rivalen zu helfen.

Er gibt nicht einmal nach, als Ilsa ihn mit einer Pistole bedroht, schwenkt aber um, als sie ihm offenbart, dass sie ihn immer noch liebt, während sich andererseits herausstellt, dass sie schon in Paris mit László verheiratet gewesen und lediglich zunächst davon ausgegangen war, dass die Nazis diesen umgebracht hätten; als sie erfahren hatte, dass László noch lebte, war sie zu diesem zurückgekehrt und hatte Rick verlassen.

In der Zwischenzeit verhaftet Renault László aufgrund seiner Teilnahme an einem illegalen Treffen. Rick gewinnt Renault für den Pakt, László wegen Mordes an den deutschen Kurieren an die Polizei auszuliefern, wenn im Gegenzug er und Ilsa unbehelligt das Land verlassen dürfen.

Am Abend kommt es im Café Américain zu einem fingierten Treffen von Rick, Ilsa und László. Als Rick Anstalten macht, László die Transit-Visa zu übergeben, bemüht Renault sich, László als Abnehmer der gestohlenen Transit-Visa zu verhaften. Rick bedroht Renault allerdings mit einer Waffe und fährt mit ihm, Ilsa und László zum Flughafen.

Dort besteht Rick darauf, dass Ilsa mit László gehe. Er lässt sie ziehen, gerade weil er sie liebt und weil László ihrer, wie ihm scheint, stärker bedürfe als er. Ilsa zögert unterdessen und steigt erst in das Flugzeug der Aero Portuguesa, als Rick László vermittelt hat, wie sehr er von Ilsa geliebt wird und wie endgültig die Pariser Affäre der Vergangenheit angehöre.

Als kurz darauf Strasser am Flughafen eintrifft und den Kontrollturm verständigen will, um Lászlós und Ilsas Abflug in letzter Sekunde zu verhindern, wird er von Rick erschossen.

Renault entdeckt überraschend seinen Patriotismus und schützt Rick, indem er die herbeieilenden Polizisten anweist, „die üblichen Verdächtigen“ zu verhaften. Der Film endet mit Ricks Worten: „Louis, ich glaube, dies ist der Beginn einer wunderbaren Freundschaft.“

  

Historischer Hintergrund 1942

Die 1935 erlassenen Nürnberger Gesetze enthielten den deutschen Juden die „Reichsbürgerschaft“ vor und machte sie zu Staatsbürgern zweiter Klasse. Zwischen 1933 und 1941 mussten bis zu 300.000 Juden Deutschland verlassen.

Der deutsch-sowjetische Nichtangriffspakt lähmte den kommunistischen Widerstand europaweit. Am 30. Januar 1939 hatte Hitler im Falle eines neuen Weltkriegs mit der „Vernichtung der jüdischen Rasse in Europa“ gedroht. Im Verlauf des Krieges installierten die deutschen Besatzer Marionetten-Regime in vielen Ländern. Spätestens ab Herbst 1941 war Juden eine legale Ausreise verboten.

Himmlers Stellvertreter Reinhard Heydrich ließ alle Juden Polens in Ghettos und Konzentrationslager deportieren. Im besetzten Polen begann nach der Wannsee-Konferenz 1942 die systematische Deportation, Versklavung und Ermordung von Juden aus ganz Europa. Am 10. Juni 1942 wurde nach dem Prager Attentat auf Reinhard Heydrich der tschechische Ort Lidice (dt. Liditz) von der SS dem Erdboden gleichgemacht.

Paris fiel am 14. Juni 1940. London war bedroht, und am 22. Juni 1941 überfiel Hitler die Sowjetunion. US-Präsident Franklin Delano Roosevelt konnte den in der Bevölkerung tief verankerten Isolationismus nach Pearl Harbor im Dezember 1941 beenden.

Die amerikanische Bevölkerung wurde auf die Kriegssituation eingestimmt und die Filmfabriken propagandistisch mit Hilfe des United States Office of War Information eingegliedert. Noch siegte Hitler. In Libyen fiel im Juni die britische Festung Tobruk. Die USA verstärkten ihre Hilfslieferungen und sandten Truppen.

Es begann die alliierte Invasion in Nordafrika. Im Januar 1943 kam es in der marokkanischen Hafenstadt auf der Casablanca-Konferenz zu einem Treffen zwischen Roosevelt und Churchill. Auf der Konferenz von Teheran Ende 1943 schlossen Roosevelt, Churchill und Stalin ein Bündnis.

Filmvorlage

Als Vorlage für den Film diente das unproduzierte Theaterstück Everybody Comes to Rick’s (Jeder geht in Ricks Bar) von Murray Burnett und Joan Alison aus dem Jahr 1940.

Am 8. Dezember 1941, dem Tag des Kriegseintritts der Vereinigten Staaten, wurde das Bühnenwerk an die Produktionsfirma Warner Bros. geschickt. Der zuständige Drehbuchlektor Stephen Karnot bezeichnete es als „anspruchsvollen Kitsch“ und prognostizierte dem Stoff ein großes Erfolgspotential.

Für die Hauptrolle schlug er Humphrey Bogart, James Cagney oder George Raft vor, die zu dieser Zeit vornehmlich als Schurken besetzt wurden.

Am 22. Dezember 1941 sicherte sich Warner Bros. die Rechte an dem Stück. Die Autoren erhielten 20.000 Dollar, eine für damalige Verhältnisse außergewöhnlich hohe Summe. Ein Angebot der Produktionsfirma MGM über 5.000 Dollar war zuvor bereits abgelehnt worden.

In einem Memorandum vom 31. Dezember änderte der Produzent Hal B. Wallis den Titel der Produktion in Casablanca. Vermutlich wollte er durch diese Maßnahme an den Erfolg des United-Artists-Films Algiers aus dem Jahr 1938 anknüpfen, der ebenfalls nach einer afrikanischen Stadt benannt war.

Wallis sagte dazu: „Dies könnte tatsächlich ein weiteres Algier werden – eine romantische Geschichte an einem exotischen Schauplatz.“

Drehbuch

Die ersten Autoren, die mit der Erstellung des Drehbuchs beauftragt wurden, waren Eneas MacKenzie und Wally Kline, die das Projekt aber schon nach sechs Wochen verließen.

Im Februar 1942 engagierte Warner Bros. die Zwillinge Julius und Philip Epstein. Sie fügten der Geschichte vor allem humoristische Elemente hinzu, darunter die meisten Dialoge zwischen Rick und Louis. Auch für den Anfang der Geschichte waren sie verantwortlich.

Als die Epsteins im April das erste Drittel des Drehbuchs fertiggestellt hatten, leitete man das Material zur Überarbeitung an Howard Koch weiter. Dieser konzentrierte sich mehr auf die politischen und melodramatischen Aspekte der Handlung.

Die Szenen, in denen sich Ilsa und Rick alleine im Café treffen, stammen größtenteils von Casey Robinson, der im Vorspann nicht genannt wird.

Der Regisseur Michael Curtiz achtete besonders darauf, dass die Romantik nicht zu kurz kam und entwickelte unter anderem die Szenen, die in Paris spielen. Einzelne Zeilen und Ideen des Drehbuchs wurden auch vom Produzenten Hal B. Wallis beigesteuert, darunter der berühmte Schlusssatz „Louis, ich glaube, dies ist der Beginn einer wunderbaren Freundschaft.“

Besonders große Probleme bereitete den Autoren die letzte Szene, die immer wieder umgeschrieben wurde. Die größte Schwierigkeit bestand darin, Ricks Entscheidung, Ilsa gehen zu lassen, plausibel wirken zu lassen. Zeitweise zog man sogar in Betracht, Victor sterben oder Ilsa bei Rick bleiben zu lassen.

Am 22. April 1942, drei Tage vor Beginn der Dreharbeiten, schlossen die Epsteins die Arbeiten an ihrem Teil des Drehbuchs ab. Howard Koch beendete seinen Teil erst drei Wochen später.

Einige Stellen des Skripts wurden von der Hays-Zensurbehörde beanstandet. Louis’ Bemerkung „You enjoy war. I enjoy women“ wurde in „You like war. I like women“ geändert. Die Zeile „Sometimes they [women] might be rationed“ ersetzte man durch „Sometimes they might be scarce“.

Ein großer Streitpunkt war die Affäre zwischen Rick und Ilsa in Paris, da Ilsa zu diesem Zeitpunkt bereits mit Victor verheiratet war. Da sie jedoch davon ausging, er sei in einem Konzentrationslager gestorben, wurden die entsprechenden Szenen letztendlich doch genehmigt.

Um die Vermarktung des Films in anderen Ländern nicht zu beeinträchtigen, bestand die Produktionsfirma darauf, dass alle unsympathischen Figuren verfeindeten Nationen angehören mussten. Daher sind Ferrari, Ugarte und der Taschendieb italienischer Herkunft.

Noch Jahre nach der Veröffentlichung von Casablanca kam es immer wieder zu Streitigkeiten zwischen den verschiedenen Autoren. 1973 schrieb Howard Koch in einem Artikel des New York Magazine, er allein sei für das Drehbuch verantwortlich gewesen.

Später entschuldigte er sich für diese Behauptung. Julius Epstein sagte in den 1970er Jahren, Casablanca sei einer seiner schlechtesten Filme und er sei es leid, ständig darüber sprechen zu müssen.

Musik

Die Filmmusik wurde von Max Steiner komponiert. As Time Goes By von Herman Hupfeld wurde bereits in der Vorlage Everybody Comes To Rick’s verwendet. Steiner hasste den Song und meinte, er sei viel zu primitiv für ein Liebeslied.

Sein Vorhaben, ihn nachträglich durch eine Eigenkomposition zu ersetzen, scheiterte, da sich Ingrid Bergman für den Film Wem die Stunde schlägt bereits die Haare kurz geschnitten hatte und daher ein Nachdreh nicht mehr in Frage kam.

1943 räumte Steiner in einem Interview ein, As Time Goes By müsse wohl etwas an sich haben, da der Song so erfolgreich sei.

Ein Großteil der Filmmusik von Casablanca besteht aus Variationen von As Time Goes By und der französischen Nationalhymne Marseillaise.

Als die deutschen Offiziere in Ricks Bar demonstrativ das Lied Die Wacht am Rhein singen, setzt die Kapelle auf Lászlós Verlangen und Ricks zustimmendes Nicken mit der Marseillaise ein, und einige Takte lang erklingen beide Stücke als musikalisch geschicktes Quodlibet miteinander.

Ursprünglich wollte man für diese Szene das Horst-Wessel-Lied verwenden, das zu dieser Zeit quasi die inoffizielle deutsche Nationalhymne war und daher über eine weitaus größere Symbolkraft verfügte. Da es jedoch in einigen Ländern noch unter Urheberrechtsschutz stand, entschied man sich anders.

Zu den weiteren Stücken, die in Casablanca zu hören sind, zählen It Had to Be You von Isham Jones, Shine von Ford Dabney und Perfidia von Alberto Domínguez. Der einzige Song, der eigens für den Film geschrieben wurde, ist Knock on Wood von Maurice K. Jerome.

z.B.: Casablanca/Ost
1. Thief
2. Shine
3. Knock on Wood – Wilson, Dooley
4. Rick and Renault – The very thought of you (Underscore) – Warner Bros. Studio Orchestra, The
5. Arrival of Ilsa and Victor at Rick’s – Love for sale (Underscore)
6. Play it Sam… Play “As time goes by” – Avalon (Underscore) – Warner Bros. Studio Orchestra, The / Wilson, Dooley
7. Of all the Gin joints in all the towns in all the world… – Piano Improvisation (Underscore) – Warner Bros. Studio Orchestra, The / Wilson, Dooley
8. Menace
9. Ilsa returns
10. La Marseillaise (Undercore) – Medley: Ilsa returns / As time goes by / Bitterness / Laszlo / Agitato No. 1 / Ilsa / La M
11. La Marseillaise
12. As time goes by (Underscore) – Medley: Deutschland über alles / Babble / Laszlo / Night / Die Wacht am Rhein / As time g
13. Running (Underscore) – Medley: Con moto / Laszlo / Agitato No. 2 / As time goes by / Ilsa returns / Ilsa / Running (Unde
14. Plane (Underscore) – Medley: Laszlo / As time goes by / Orders / Die Wacht am Rhein / Motor / Ilsa returns / Telephone /
15. It had to be you
Dat’s what Noah done – (Outtake) – Wilson, Dooley
16. Dat’s what Noah done – (Outtake) – Wilson, Dooley
Knock on Wood – Alternate version – Wilson, Dooley
17. Knock on Wood – Alternate version – Wilson, Dooley
18. La Marseillaise
19. Plane
20. As time goes by – Complete vocal by Dooley Wilson – Wilson, Dooley
Komponist: Max Steiner
Audio CD (2. Februar 2010)
SPARS-Code: DDD
Anzahl Disks/Tonträger: 1
Label: Sony Classical (Sony Music)
ASIN: B003647BQS
Audio-CD EUR 11,61

Besetzung

Von Januar bis März 1942 fanden Probeaufnahmen und Vorsprechen statt. Am 5. Januar 1942 kündigte ein Artikel in der Zeitschrift The Hollywood Reporter an, Ann Sheridan, Dennis Morgan und Ronald Reagan würden die Hauptrollen in Casablanca übernehmen. Diese Meldung stellte sich im Nachhinein jedoch als falsch heraus.

Die Besetzung war für einen Hollywood-Film ungewöhnlich international, nur drei der im Vorspann erwähnten Schauspieler wurden im Produktionsland USA geboren.

Viele der Darsteller und Crewmitglieder von Casablanca waren europäischer Herkunft – nicht nur der 1926 nach Hollywood gegangene Regisseur Mihály Kertész -, darunter Ungarn, Russen, Österreicher, Franzosen und Schweden.

Durch die Internationalität der Besetzung und die persönlichen Schicksale der Darsteller erhielt der Film eine sehr authentische Note.

Humphrey Bogart war erst ein Jahr vorher durch Die Spur des Falken (1941) zum Star geworden, nachdem er zuvor meist nur Nebendarsteller war. Rick war Bogarts erste romantische Rolle, obwohl sie in ihrer zynischen Art auch Merkmale von Bogarts vorherigen Gangsterrollen hat.

Bogart war entgegen vielen Gerüchten die erste Wahl für die Rolle des Rick, auch wenn Jack L. Warner ebenfalls Gangsterfilm-Star George Raft in Betracht zog.

Am 14. Februar 1942 stand fest, dass Bogart den Part übernehmen würde. Seine Gage betrug 36.667 Dollar. Auch Ingrid Bergman brachte der Film wie Bogart einen Karriereschub, zwar war sie schon 1939 aus Schweden nach Hollywood gekommen, doch konnte sie bis Casablanca nur wenig auf sich aufmerksam machen. Neben ihr kamen für die Rolle der Ilsa auch Hedy Lamarr und Michèle Morgan in die engere Wahl.

Ursprünglich sollte Morgan die Rolle übernehmen. Als sie jedoch 55.000 Dollar verlangte, entschied man sich statt ihrer für Ingrid Bergman, die die Rolle für 25.000 Dollar übernahm. Bergman stand zu dieser Zeit bei MGM unter Vertrag und wurde von Warner Bros. im Tausch mit Olivia de Havilland ausgeliehen.

Am 22. April 1942, nachdem sie die Rolle bekommen hatte, schrieb sie ihrer Freundin Ruth Roberts: „Mir war warm und kalt zur gleichen Zeit. (…) Der Film heißt Casablanca und ich habe wirklich keine Ahnung, worum es geht.

Paul Henreid wurde als Victor Laszlo, Ilsas Ehemann und Freiheitskämpfer gegen die Nationalsozialisten, besetzt. Der Österreicher Henreid war zunächst dagegen, die Rolle des Victor László anzunehmen, da er befürchtete, in eine Schublade gesteckt zu werden. Erst als man ihm den dritten Platz im Vorspann und eine Gage von 25.000 Dollar zusicherte, willigte er am 1. Mai 1942 ein.

Bevor er verfügbar wurde, zog man für den Part unter anderem Herbert Marshall, Dean Jagger und Joseph Cotten in Betracht. Henreid verstand sich weder mit Ingrid Bergman noch mit Humphrey Bogart gut, letzteren bezeichnete er als mittelmäßigen Schauspieler. Als Captain Renault wurde Claude Rains besetzt, einer der damals beliebtesten Charakterdarsteller in Hollywood.

In weiteren Nebenrollen spielen auch Peter Lorre als Signor Ugarte und Sydney Greenstreet als Signor Ferrari, die sehr häufig miteinander in Filmen auftraten und als Bogarts Gegenspieler in Die Spur des Falken zu sehen waren.

Pianist Sam wurde von Dooley Wilson gespielt. Er war der einzige Schauspieler des Films, der jemals in Casablanca gewesen war. Da er Schlagzeuger war, konnte er eigentlich kein Klavier spielen. Ursprünglich erwog Hal Wallis, die Rolle des Sam einer weiblichen Schauspielerin zu geben.

Hazel Scott, Lena Horne und Ella Fitzgerald kamen in die engere Wahl. Nach der Veröffentlichung von Casablanca erhielt Wilson 5.000 Fan-Briefe pro Woche.

Zu den Darstellern in kleinen Nebenrollen gehören unter anderem Dan Seymour als Abdul (Türsteher von Ricks Cafe); Gregory Gaye (Deutscher Bankier in Ricks Cafe), Leo White, Gino Corrado und Paul Panzer als Kellner in Ricks Cafe.

Norma Varden als Frau des Engländers; Olaf Hytten als bestohlener Mann in Ricks Cafe, Torben Meyer als Bankpräsident aus Amsterdam; William Edmunds als zwielichtiger Schmuggler im Café; Frank Puglia als arabischer Händler, des Weiteren George Meeker sowie die früheren Stummfilmstars Monte Blue und Creighton Hale.

Auch der kanadische Bassbariton-Sänger George London hat einen kleinen Auftritt als der Sänger der Marseillaise. Die mexikanische Sängerin Corinna Mura spielt auf ihrer Gitarre das Lied Tango Delle Rose. Angeblich soll auch Starkomiker Jack Benny einen Cameo-Auftritt als Statist haben, was aber als umstritten gilt.

 

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Filmdaten

Deutscher Titel: Casablanca
Originaltitel: Casablanca
Produktionsland: Vereinigte Staaten
Originalsprache: Englisch
Erscheinungsjahr: 1942
Länge: 102 Minuten
Altersfreigabe: FSK 6

Stab

Regie: Michael Curtiz
Drehbuch: Julius J. Epstein, Philip G. Epstein
Produktion: Hal B. Wallis, Jack L. Warner
Musik: Max Steiner
Kamera: Arthur Edeson
Schnitt: Owen Marks

Besetzung

Humphrey Bogart: Richard (Rick) Blaine
Ingrid Bergman: Ilsa Lund
Claude Rains: Capitaine Renault
Paul Henreid: Victor László
Conrad Veidt: Major Strasser
Sydney Greenstreet: Signor Ferrari
Dooley Wilson: Sam, Pianist
S. Z. Sakall: Carl, Oberkellner
Peter Lorre: Ugarte
Madeleine Lebeau: Yvonne
Leonid Kinskey: Sascha, Barkeeper
Joy Page: Annina Brandel
John Qualen: Berger, NS-Widerstand
Curt Bois: Taschendieb

Dreharbeiten

Die Dreharbeiten zu Casablanca (Produktionsnummer 410) begannen am 25. Mai 1942. Zu diesem Zeitpunkt war das Drehbuch immer noch nicht fertig; Michael Curtiz arbeitete so schnell, dass er die Autoren bald eingeholt hatte.

Die Szenen in Paris waren die ersten, die gedreht wurden. Die meisten Aufnahmen fanden im Studio statt. Ricks Café war dem Hotel El Minzah in Tanger nachempfunden und entstand zu einem Preis von 9200 Dollar. Viele der Kulissen, etwa der Pariser Bahnhof, stammten aus alten Warner-Bros.-Produktionen, darunter The Desert Song von 1929.

Da sich die Vereinigten Staaten im Krieg befanden, waren Dreharbeiten am Flughafen nach Einbruch der Dunkelheit verboten, und das Rollfeld musste im Studio nachgebaut werden. Die Sprechsequenzen in der letzten Szene wurden daher im Studio vor verkleinerten Balsaholz-Modellen des Flugzeugs gedreht.

Um diesen Umstand zu verbergen, wurde der Hintergrund in Kunstnebel gehüllt, während die Mechaniker von kleinwüchsigen Komparsen dargestellt wurden. Die Motor-Startsequenz und die Abhebe-Flugsequenz wurden aufgrund einer Absprache mit der 4. Abfangstaffel der US-Luftwaffe jedoch in einer Nacht mit einer echten Lockheed Modell 12 auf dem damaligen Stadtflughafen von Los Angeles (heute Van Nuys Airport) abgedreht.

Die Szene mit Major Strassers Ankunft am Flughafen entstand ebenfalls am Van Nuys Airport.

Um den Größenunterschied zwischen Ingrid Bergman und dem fünf Zentimeter kleineren Humphrey Bogart auszugleichen, stellte der Regisseur in vielen Szenen Bogart auf eine Kiste oder setzte ihn in Sitzszenen auf Kissen.

Dooley Wilson, der Sam spielte, war ein ausgebildeter Schlagzeuger und Sänger. Er musste für seine Rolle extra Klavierspielen erlernen; Lieder wurden von ihm original gesungen.

Einige der bekanntesten Dialoge des Films entstanden erst während der Dreharbeiten. Die Zeile „Here’s looking at you, kid“ (in der deutschen Synchronfassung „Ich seh dir in die Augen, Kleines“), ein Trinkspruch, wurde von Humphrey Bogart improvisiert (im Drehbuch stand: „Here’s good luck to you“).

Er hatte diesen Satz bereits acht Jahre zuvor in Midnight gesagt. Michael Curtiz gefiel der Spruch so gut, dass er ihn öfter benutzte. Die letzte Zeile des Films „Louis, I think this is the beginning of a beautiful friendship“ wurde auf Anregung des Produzenten Hal B. Wallis nachträglich eingefügt.

Bogart nahm sie nach Abschluss der Dreharbeiten in einem Tonstudio auf. „Louis, I begin to see a reason for your sudden attack of patriotism. While you defend your country you also protect your investment“, „If you ever die a hero’s death, Heaven protect the angels“ und „Louis, I might have known you’d mix your patriotism with a little larceny“ waren Alternativvorschläge, die nicht verwendet wurden.

Premiere

Die Dreharbeiten wurden am 3. August 1942 abgeschlossen. Die Premiere fand am 26. November 1942 im Hollywood-Theater von Warner in New York statt.

Deutschland

Als Casablanca am 29. August 1952 in die deutschen Kinos kam, enthielt der Film kaum noch Hinweise auf den Zweiten Weltkrieg. Alle Szenen mit Major Strasser und anderen Nazis waren herausgeschnitten worden.

Auch die Szene, als die Deutschen Die Wacht am Rhein anstimmen und von französischen Patrioten mit der Marseillaise niedergesungen werden, fehlte. Victor László wurde zu Victor Larsen, einem norwegischen Atomphysiker, der die rätselhaften Delta-Strahlen entdeckt hat. Capitaine Renault wurde in Monsieur Laporte umbenannt und war nun ein Mitglied der Interpol.

Casablanca war in dieser um 25 Minuten gekürzten Version eher eine harmlose Romanze als ein Propagandafilm gegen die Nationalsozialisten und das Vichy-Regime. Erst am 5. Oktober 1975 strahlte die ARD die ungekürzte und neu synchronisierte Fassung aus, die bis heute bekannt ist.

In der DDR wurde der Film erstmals am 6. September 1983 im Fernsehen gezeigt.

Filmhistorische Rezeption

Neben Chaplins Der große Diktator und Ernst Lubitschs Sein oder Nichtsein ist Casablanca einer der im deutschen Sprachraum bekannten Hollywood-Filme, die den Nationalsozialismus zum Thema hatten und Anfang der 1940er Jahre in die Kinos kamen. Während Charlie Chaplin und Ernst Lubitsch den komödiantischen Ansatz wählten, zeigt Casablanca die Situation der Flüchtlinge als Thriller.

Casablanca gilt als Propagandafilm. Deutlich lässt sich das an Szenen wie dem Gesangskrieg erkennen. In der Szene stimmt Major Strasser am Klavier in Ricks Bar Die Wacht am Rhein an.

Die Deutschen werden jedoch von allen anderen Gästen in der Bar übertönt, die nach Initiative von László aufstehen und die von Corinna Mura angestimmte und vom Orchester auf Ricks Wink hin unterstützte republikanische „Marseillaise“ singen.

Die Deutschen treten ab. Ursprünglich wollte Warner das Horst-Wessel-Lied als deutsches Nazi-Lied singen lassen. Doch die Urheberrechte lagen bei einer deutschen Gesellschaft und die Produzenten befürchteten darin eine mögliche Handhabe im internationalen Filmverleih.

Auch die Herkunft des Widerstandskämpfers ist Programm – Victor László – ein Tschechoslowake mit ungarischem Namen, der für das unter dem Faschismus und Nationalsozialismus leidende (Mittel-)Europa steht.

Zu Beginn erschießt die Polizei einen Flüchtling ohne Papiere vor einem Plakat von Marschall Pétain, am Ende des Films gibt es eine Szene, in der Polizeihauptmann Renault eine Flasche Vichy-Wasser in den Mülleimer wirft.

Vichy war der Sitz des mit den Nazis kollaborierenden Vichy-Regimes des Feldmarschalls Pétain, dessen Einfluss auf Nordafrika zu diesem Zeitpunkt vollkommen unklar war.

  

Literatur

Hanspeter Born: Casablanca. Wunderbarer Mumpitz. Vor sechzig Jahren kam «Casablanca» in die Kinos: Von den Geburtswehen eines unverwüstlichen Kinoklassikers. In: Weltwoche. Nr. 3, Zürich 2003, ISSN 0043-2660.
Umberto Eco: Casablanca oder die Wiedergeburt der Götter. In: Über Gott und die Welt. Carl Hanser, München 1985, ISBN 3-446-13933-8.
Aljean Harmetz: Verhaften Sie die üblichen Verdächtigen: wie Casablanca gemacht wurde. Berlin-Verlag, Berlin 2001, ISBN 3-8270-0329-6.
Ulrich Hoppe: Casablanca. Heyne, München 1987, ISBN 3-453-86062-4.
Hans-Jürgen Kubiak: Die Oscar-Filme. Die besten Filme der Jahre 1927/28 bis 2004. Die besten nicht-englischsprachigen Filme der Jahre 1947 bis 2004. Die besten Animationsfilme der Jahre 2001 bis 2004. Schüren, Marburg 2005, ISBN 3-89472-386-6.
Andreas Missler-Morell: Ich seh’ dir in die Augen, Kleines – Casablanca. Der Kultfilm. Heyne, München 1998, ISBN 3-453-14148-2.
Kim Newman: Casablanca (1942). In: Steven Jay Schneider (Hrsg.): 1001 Filme. Edition Olms, Zürich 2004, ISBN 3-283-00497-8, S. 184f.
Lawrence J. Quirk: Ingrid Bergman und ihre Filme. Aus dem amerikanischen Englisch übersetzt von Marie Margarete Giese. Goldmann, München 1982, ISBN 3-442-10214-6, S. 64–67.
James F. Pontuso (Hrsg.): Political Philosophy Comes to Rick’s: Casablanca and American Civic Culture. Lexington Books, 2005, ISBN 978-0-7391-1113-0
Michaela Krützen: Klassik, Moderne, Nachmoderne. Eine Filmgeschichte. Frankfurt am Main: S. Fischer 2015. S. 35–232.
Wikipedia Kategorie: Casablanca

 

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