1933. 23. März. Entartete Kunst. Deckfarbe. Roman von Renegald Gruwe

Renegald Gruwe
Deckfarbe
Ein Künstlerroman
320 S. / 12 x 20 cm / Paperback
Februar 2014
ISBN 978-3-8392-1547-0
Verlags-Info zum Buch: Gmeiner-Verlag

Kunst um der Kunst willen?
Renegald Gruwes Romandebüt aus dem Berlin der 1930er Jahre

Die Nazis unterstellen Künstlern wie Otto Dix und Franz Marc Krankhafte Phantasien und betitelten ihre Werke als entartete Kunst.

Im Künstlerroman Deckfarbe von Renegald Gruwe muss der Expressionist Gustave Garoche im Berlin der 1930er Jahre ebenfalls mit dieser Diffamierung leben. Um sich finanziell über Wasser zu halten, muss er seine Bilder unter fremden Namen verkaufen. Die heraufziehende Katastrophe nimmt ihren Lauf.

Wie aktuell das Thema noch heute ist, zeigt der Münchner Kunstfund, der im vergangenen November nicht nur in Deutschland die mediale Aufmerksamkeit auf sich zog.

Zum Buch

Gustave Garoche steckt in einer Schaffenskrise. In der Reichshauptstadt Deutschlands hofft der Künstler, sich über Wasser halten zu können. Doch das ist nicht leicht, denn im Nazi-Deutschland gilt die expressionistische Malerei als entartet.

Unvermittelt unterbreitet ihm ein Galerist ein Angebot, das er nur schwer ablehnen kann. Beide machen sich das widersprüchliche Handeln der Nazis zunutze und versuchen, daraus Profit zu schlagen. Doch es ist nur eine Frage der Zeit, bis sie auffliegen.

Der Autor

Renegald Gruwe, 1956 in Berlin geboren und von Beruf Musiker, arbeitet als Schlagzeuger in diversen Musikgruppen sowie als Techniker und Produzent für mehrere Tonstudios, wo er sich u. a. mit dem Aufnehmen und Produzieren von Werbespots und Hörspielen befasst.

Seit einigen Jahren konzentriert sich seine künstlerische Tätigkeit auf das Schreiben von Liedtexten und Kurzgeschichten, die er auf Tonträgern und in Literaturzeitschriften veröffentlicht.

Deckfarbe ist sein literarisches Romandebüt, inspiriert nicht zuletzt durch seine Liebe zur gestaltenden Kunst, die er selbst in surrealistischen Federzeichnungen auslebt.

Gmeiner Verlag: Renegald Gruwe, Deckfarbe
Gmeiner Verlag: Renegald Gruwe, Spreeleichen

Begleitmaterial zum Buch Deckfarbe von Renegald Gruwe:

Autorenseite von Renegald Gruwe bei Amazon.de
Amazon, Buchauswahl: Nazi-Kunst

Wikipedia: Nazi-Kunst (23. März 1933: Adolf Hitler verkündete in seiner Regierungserklärung zum Ermächtigungsgesetz: „Blut und Rasse werden wieder zur Quelle der künstlerischen Intuition“. Die Nationalsozialistische Kunstauffassung war nicht nur durch Ablehnung bestimmter Kunstrichtungen gekennzeichnet, auch inhaltlich wurden Werke abgelehnt)
Wikipedia Kategorie: NS-Propaganda
Wikipedia: 
Nationalsozialistische Propaganda
Wikipedia: Schwabinger Kunstfund (oder Kunstfund in München)
Wikipedia: Expressionismus (lateinisch expressio Ausdruck, ist eine Stilrichtung in der Kunst)

Entartete Kunst

 

Entartete Kunst war während der nationalsozialistischen Diktatur in Deutschland der offiziell propagierte Begriff für mit rassentheoretischen Begründungen diffamierte Moderne Kunst. Der Begriff Entartung wurde Ende des 19. Jahrhunderts von der Medizin auf die Kunst übertragen.

Als „Entartete Kunst“ galten im NS-Regime alle Kunstwerke und kulturellen Strömungen, die mit der Kunstauffassung und dem Schönheitsideal der Nationalsozialisten, der sogenannten Deutschen Kunst, nicht in Einklang zu bringen waren: Expressionismus, Dadaismus, Neue Sachlichkeit, Surrealismus, Kubismus oder Fauvismus. Darüber hinaus wurden alle Werke von Künstlern mit jüdischem Hintergrund als entartet bewertet.

Das Wort „Entartung“ stammt ursprünglich aus dem Mittelhochdeutschen, wo es die Bedeutung „aus der Art schlagen“ hatte. Im 19. Jahrhundert wurde der Begriff erstmals im abwertenden Zusammenhang benutzt, als der Romantiker Friedrich Schlegel in Bezug auf die Dichtung der Spätantike von „entarteter Kunst“ schrieb.

1892/93 publizierte der jüdische Kulturkritiker Max Nordau sein Werk Entartung, in dem er nachzuweisen versuchte, dass die Entartung der Kunst auf die Entartung der Künstler zurückgeführt werden kann. Seine Thesen wurden später von den Nationalsozialisten aufgegriffen, von Hitler zum Teil sogar fast wortwörtlich übernommen. Auch Kaiser Wilhelm II. äußerte sich in seiner berüchtigten Rinnsteinrede (Rinnsteinkunst) anlässlich der Eröffnung der Siegesallee am 18. Dezember 1901 abfällig über modernistische Kunstströmungen.

Diffamierung aller Formen moderner Kunst

Die Nationalsozialisten entwickelten ein gesondertes Kunstideal einer Deutschen Kunst und verfolgten dem entgegenstehende Kunst, die auch als „Verfallskunst“ und „artfremd“ bezeichnet wurde, weil sie von Pessimismus und Pazifismus geprägt sei. Künstler, deren Werke nicht den nationalsozialistischen Idealen entsprachen, die Kommunisten oder Juden waren, wurden verfolgt.

Die Nationalsozialisten belegten sie mit Berufs- und Malverboten, ließen ihre Kunstwerke aus Museen und öffentlichen Sammlungen entfernen, konfiszierten Entartete Kunst, zwangen Künstler zur Emigration oder ermordeten sie.

Es gab drei konsequente Diffamierungs-Maßnahmen der NS-Kulturpolitik: Bücherverbrennung im Mai 1933 in Berlin und 21 weiteren Städten sowie nach dem Anschluss Österreichs 1938 auch dort, Verfolgung der Maler und ihrer „entarteten Kunst“ und Verfolgung der „entarteten Musik“ an den Reichsmusiktagen 1938 in Düsseldorf.

Mit der Einführung des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums vom 7. April 1933, mit dessen Hilfe jüdische, kommunistische und weitere unerwünschte Künstler aus öffentlichen Ämtern gewaltsam entfernt wurden, sowie der Bücherverbrennung 1933 am 10. Mai 1933 mit dem Höhepunkt auf dem Berliner Opernplatz, wurde bereits in den ersten Monaten nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten deutlich, dass die Vielfalt des Kunstschaffens der Weimarer Republik unwiderruflich zu Ende war.

Der Vernichtungsangriff auf die Moderne und ihre Protagonisten betraf alle Sparten der Kultur wie Literatur, Filmkunst, Theater, Architektur oder Musik. Moderne Musik wie der Swing oder der Jazz wurde auf der am 24. Mai 1938 eröffneten Ausstellung Entartete Musik ebenso rücksichtslos diffamiert wie der „Musikbolschewismus“ von international bekannten Komponisten wie Hanns Eisler, Paul Hindemith oder Arnold Schönberg, von denen die meisten überdies auch jüdischer Herkunft waren. In der Folge erschien ab 1940 das berüchtigte Lexikon der Juden in der Musik.

Entartete Kunst 1930 bis 1936

Der vom NS-Volksbildungsminister Thüringens Wilhelm Frick bewirkte Erlass „Wider die Negerkultur für deutsches Volkstum“ (5. April 1930), der sich gegen die moderne Kunst richtete, war der Ausgangspunkt des Angriffes auf als „undeutsch“ definierte Einflüsse in der Kunst.

Dies führte im Oktober 1930 zur Überstreichung von Oskar Schlemmers Wandgestaltung der Weimarer Werkstattgebäude. Weiter betrieb Frick die Auflösung der Weimarer Bauhausschule und entließ die Lehrerschaft. Er berief Paul Schultze-Naumburg, einen führenden Vertreter einer rechtskonservativen Bau- und Kulturideologie, zum Direktor der neugegründeten Vereinigten Kunstlehranstalten Weimar.

Unter dessen Leitung wurden im Weimarer Schlossmuseum Werke von Ernst Barlach, Charles Crodel, Otto Dix, Erich Heckel, Oskar Kokoschka, Franz Marc, Emil Nolde, Karl Schmidt-Rottluff und anderen entfernt.

Zwar wurde Minister Frick am 1. April 1931 das Vertrauen des Thüringischen Landtages entzogen, doch die Landtagswahlen vom 31. Juli 1932 brachten der NS-Fraktion die absolute Mehrheit und öffneten den Zugriff von Weimar auf Berlin, was konsequenterweise dazu führte, dass exemplarisch die gerade zum Goethejahr 1932 mit Wandmalereien von Charles Crodel erneuerten Kuranlagen von Bad Lauchstädt im Sommer 1933 teils verbrannt, teils überstrichen wurden, während in Berlin ein erbitterter Richtungskampf geführt wurde, den Alfred Rosenberg im Winter 1934/1935 für sich entschied und nach den Olympischen Spielen in Berlin 1936 umsetzte.

Der Künstler Emil Bartoschek malte übertrieben naturalistische Bilder, die über eine Galerie in der Berliner Friedrichstraße zahlreiche Käufer fanden, um von seiner abstrakten Malerei abzulenken, die einem kleinen Kreis vorbehalten blieb.

Entartete Kunst 1936 bis 1945

Auftakt der neuerlichen Verfolgungswelle war die Schließung der Neuen Abteilung der Nationalgalerie Berlin im Kronprinzenpalais am 30. Oktober 1936 und der Erlass vom 30. Juni 1937, der den neuen Reichskunstkammerpräsidenten Adolf Ziegler ermächtigte, „die im deutschen Reichs-, Länder- und Kommunalbesitz befindlichen Werke deutscher Verfallskunst seit 1910 auf dem Gebiete der Malerei und der Bildhauerei zum Zwecke einer Ausstellung auszuwählen und sicherzustellen“.

1936 erging ein totales Verbot jeglicher Kunst der Moderne. Hunderte Kunstwerke, vor allem aus dem Bereich der Malerei, wurden aus den Museen entfernt und entweder für die Ausstellung Entartete Kunst konfisziert, ins Ausland verkauft oder zerstört.

Maler, Schriftsteller und Komponisten erhielten – soweit sie nicht ins Ausland emigriert waren – Arbeits- und Ausstellungsverbot. Das bereits seit 1933 bestehende Ankaufsverbot für nichtarische und moderne Kunstwerke wurde verschärft. Die schrittweise Entrechtung der jüdischen Bevölkerung hatte zur Folge, dass auch zahlreiche Kunstwerke aus deren Privatbesitz in die Hand des Staates fielen und, sofern sie als „entartet“ galten, vernichtet oder ins Ausland verkauft wurden.

Bekannte verfemte Künstler

Unmittelbar nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten gaben diese in aggressiver Weise mit polizeilich erzwungenen Ausstellungsschließungen und verbalen wie tätlichen Angriffen auf Künstler und kulturelle Vereine die Linie vor, die sie hinsichtlich der Kulturpolitik in den Folgejahren durchzusetzen gedachten.

Als Reaktion darauf flohen viele Künstler in die Nachbarstaaten Deutschlands. Weitere Fluchtwellen wurden durch die Nürnberger Gesetze 1935 ausgelöst, sowie durch die Diffamierung als „Entartete“ Kunst und die Novemberpogrome 1938. Beispielsweise flohen 64 Hamburger Künstler in 23 unterschiedliche Länder.

Als „entartet“ galten unter anderem die Werke von Ernst Barlach, Willi Baumeister, Max Beckmann, Karl Caspar, Maria Caspar-Filser, Marc Chagall, Giorgio de Chirico, Lovis Corinth, Otto Dix, Max Ernst, Otto Freundlich, Paul Gauguin, Wilhelm Geyer, Otto Griebel, George Grosz, Werner Heuser, Karl Hofer, Karl Hubbuch, Hans Jürgen Kallmann, Wassily Kandinsky, Ernst Ludwig Kirchner, Paul Klee, Oskar Kokoschka, Käthe Kollwitz sowie Wilhelm Lehmbruck.

Als „entartet“ galten auch Künstler wie Elfriede Lohse-Wächtler, Gerhard Marcks, Ludwig Meidner, Paula Modersohn-Becker, Piet Mondrian, Rudolf Möller, Otto Pankok, Max Pechstein, Pablo Picasso, Christian Rohlfs, Oskar Schlemmer, Karl Schmidt-Rottluff und Werner Scholz.

Die Ausstellung „Entartete Kunst“ in München 1937

Die Ausstellung „Entartete Kunst“ wurde am 19. Juli 1937 in München in den Hofgarten-Arkaden eröffnet und zeigte 650 konfiszierte Kunstwerke aus 32 deutschen Museen. Sie wanderte reichsweit auch an andere Häuser und wurde Schulklassen und Parteinahen Verbänden „vorgeführt“. Über zwei Millionen Besucher sahen sie. Das ist deutlich ein Vielfaches als die zeitgleich stattfindende Große Deutsche Kunstausstellung im Haus der Deutschen Kunst, die von 420.000 Menschen besucht wurde.

Das (propagierte) Interesse an der verspotteten Kunst war also viel größer als das an der offiziell gefeierten. Die Ausstellung wurde von Joseph Goebbels initiiert und von Adolf Ziegler, dem Präsidenten der Reichskammer der bildenden Künste, geleitet.

Gleichzeitig setzte mit der Beschlagnahme von insgesamt rund 16.000 modernen Kunstwerken, die zum Teil ins Ausland verkauft oder zerstört wurden, die „Säuberung“ der deutschen Kunstsammlungen ein, wobei anscheinend aus Museen im Besitz jüdischer Sammler z. T. auch ältere Kunstwerke betroffen waren.

Die Ausstellung ging als Wanderausstellung durch die Großstädte des Reichs. Nach Berlin wurde sie, nach dem am 13. März 1938 verkündeten Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich, vom 7. Mai bis 18. Juni im Wiener Künstlerhaus, vom 4. bis zum 25. August im Salzburger Festspielhaus und in Hamburg vom 11. November bis 31. Dezember 1938 gezeigt.

Von Februar 1938 bis April 1941 wurde sie in folgenden (bisher bekannten) Städten gezeigt: Berlin, Leipzig, Düsseldorf, Hamburg, Frankfurt am Main, Wien, Salzburg, Stettin und Halle.

Die Ausstellung Entartete Kunst setzte die Exponate mit Zeichnungen von geistig Behinderten gleich und kombinierte sie mit Fotos verkrüppelter Menschen, die bei den Besuchern Abscheu und Beklemmungen erregen sollten.

So sollte der Kunstbegriff der avantgardistischen Moderne ad absurdum geführt und moderne Kunst als „entartet“ und als Verfallserscheinung verstanden werden. Diese Präsentation „kranker“, „jüdisch-bolschewistischer“ Kunst diente auch zur Legitimierung der Verfolgung „rassisch Minderwertiger“ und „politischer Gegner“.

Beschlagnahme von Kunstwerken

Hitler ordnete am 24. Juli 1937 an, dass alle Museen und öffentlichen Ausstellungen Werke herausgeben mussten, die Ausdruck des „Kulturverfalls“ waren. Im Juli 1937 beschlagnahmte die Reichskammer der Bildenden Künste z. B. aus der Hamburger Kunsthalle 72 Gemälde, 296 Aquarelle, Pastelle und Handzeichnungen, 926 Radierungen, Holzschnitte und Lithografien sowie acht Skulpturen.

Der Kunstsammlungen der Stadt Düsseldorf (heute Museum Kunstpalast) wurden mehr als 1000 Objekte entzogen. Einige Werke aus dieser Beschlagnahmewelle wurden in die oben dargestellte Wanderausstellung „Entartete Kunst“ aufgenommen.

In weiteren Beschlagnahmeaktionen ab August 1937 wurden insgesamt etwa 20.000 Kunstwerke von 1400 Künstlern aus über 100 Museen entfernt.

Darunter befanden sich auch Leihgaben aus Privatbesitz, wie zum Beispiel 13 Gemälde aus der Sammlung von Sophie Lissitzky-Küppers, die im Provinzialmuseum Hannover konfisziert wurden.

Verwertung Entarteter Kunst

Die beschlagnahmten Werke kamen in Depots in Berlin (z. B. in den Viktoria-Speicher, Köpenicker Straße) und in das Schloss Schönhausen. Die Enteignung der Museen wurde durch das Gesetz über Einziehung von Erzeugnissen entarteter Kunst nachträglich am 31. Mai 1938 legitimiert. Göring schlug einen devisenbringenden Verkauf der Kunstwerke im Ausland vor, Hitler tauschte einige gegen alte Meister.

Im Hof der Hauptfeuerwache in Berlin-Kreuzberg wurden am 20. März 1939 nach offizieller Verlautbarung 1004 Gemälde und 3825 Grafiken verbrannt, manche sollen beiseite geschafft worden sein. 125 Werke waren für eine Versteigerung in der Schweiz vorgesehen.

Eine von Göring und anderen eingesetzte Kommission zur Verwertung der Produkte entarteter Kunst schätzte die Mindestgebote und wählte schließlich die Galerie Fischer in Luzern für die Auktion aus.

Diese Auktion fand am 30. Juni 1939 statt und fand großes Interesse in der ganzen Welt. Allerdings waren die Ergebnisse für die Werke der verfemten Künstler ziemlich niedrig, denn es war bekannt geworden, dass Nazideutschland mit dem Verkauf seinen Devisenstatus verbessern wollte. Viele, aber nicht alle Werke wurden verkauft.

Weitere Verkäufe von enteigneten Werken im Auftrag des Reiches wurden größtenteils durch die vier Kunsthändler Bernhard A. Böhmer, Karl Buchholz, Hildebrand Gurlitt, Ferdinand Möller sowie in geringerem Rahmen durch Paul Graupe, Karl Haberstock, Hansjoachim Quantmeyer und anderen getätigt.

Das Sammler-Ehepaar Sophie und Emanuel Fohn erwarb Werke sogenannter entarteter Kunst oder tauschte solche gegen Arbeiten von Künstlern aus dem 18. und 19. Jahrhundert. So entstand bereits während der NS-Zeit die Sammlung Sophie und Emanuel Fohn, die 1964 durch Schenkung in den Besitz der Bayrische Staatsgemäldesammlung überging.

Ein Bestand an nicht verkauften Kunstwerken wurden am 20. März 1939 von der Berliner Feuerwehr in einer als Übung bezeichneten Aktion verbrannt. Dabei wurden fünftausend Gemälde, Plastiken, Zeichnungen, Aquarelle und Grafiken vernichtet.

„Nach dem Abschlußbericht, den Goebbels Hitler am 4. Juli 1939 gab, sollen die meisten Kunstwerke vernichtet oder magaziniert, ein Teil von 300 Gemälden und Plastiken sowie 3000 Graphiken ins Ausland verkauft worden sein.“

Vergessene verfemte Künstler

Viele der als entartet diffamierten Maler werden heute zu den „vergessenen Künstlern“ bzw. zur Verschollenen Generation gezählt, weil sie selber in Armut starben, zur Selbsttötung getrieben oder ermordet wurden und ihre Werke als „entartet“ konfisziert und größtenteils vernichtet wurden.

Selbst denen, die überlebten, gelang es nach dem Zweiten Weltkrieg oftmals nicht mehr, wieder Anerkennung zu erlangen, weil sie sich in ihrem Stil zwar weiterentwickelt hatten, sich aber nicht mit den neuen Kunstrichtungen identifizieren wollten.

Zu den vergessenen Künstlern gehören u. a. Jankel Adler, Walter Gramatté, Curt Grosspietsch, Maximilian Jahns, Rudolf Jahns, Richard Haizmann, Ludwig Haller-Rechtern, Fritz Heinsheimer, Werner Hofmann, Johannes Molzahn, Gerta Overbeck-Schenk, Curt Querner, Carl Rabus, Anita Rée, Grete Schick, Fritz Schulze, Kurt Scheele, Erich Schmid, Georg Alfred Stockburger, Fritz Stuckenberg, Franz Wilhelm Seiwert, Kasia von Szadurska, Oscar Zügel und Werner Scholz.

Der Kunstsammler Gerhard Schneider erwarb seit Mitte der 1980er Jahre den Nachlass des 1942 gestorbenen Malers Valentin Nagel sowie realistisch-expressive Arbeiten anderer Künstler, die verfemt in Vergessenheit geraten waren und macht sie der Öffentlichkeit bekannt.

Das 2015 gegründete, von der Wuppertaler Else-Lasker-Schüler-Gesellschaft und dem Exil-Pen (P.E.N.-Zentrum deutschsprachiger Autoren im Ausland) initiierte Zentrum für verfolgte Künste in Solingen, widmet sich der Aufarbeitung der vergessenen Künstler.

Zu ihnen gehören neben bildenden Künstlern auch Schriftsteller, Musiker, Komponisten, Schauspieler, Tänzer usw. Das Zentrum für verfolgte Künste zeigt in zwei Dauerausstellungen die vergessenen Künstler aus den Bereichen Malerei und Literatur und ergänzt in Wechselausstellungen das Thema. Quelle: Wikipedia
Kunstauffassung und dem Schönheitsideal der Nationalsozialisten
Die Ausstellung „Entartete Kunst“ in München 1937:
Wikipedia Hauptartikel: Entartete Kunst (Ausstellung)
Schwabinger Kunstfund 2012:
Wikipedia Hauptartikel: Schwabinger Kunstfund
Wikipedia Kategorie: Kunst im Nationalsozialismus

Nationalsozialistische Kunst-Konzeptionen

In Mein Kampf hatte Adolf Hitler schon früh verkündet, dass es angesichts der „krankhaften Auswüchse irrsinniger und verkommener“ Künstler Aufgabe der nationalsozialistischen Führung sein müsse, zu „verhindern, dass ein Volk dem geistigen Wahnsinn in die Arme getrieben werde“.

Die „hässliche Kunst“ gehöre in „ärztliche Verwahrung“, in eine „geeignete Anstalt“, da sie eine Gefahr für den gesunden Sinn des Volkes darstelle (Hitler auf einer Kulturtagung der NSDAP, 1. September 1933).

„Kunst ist immer die Schöpfung eines bestimmten Blutes, und das formgebundene Wesen einer Kunst wird nur von Geschöpfen des gleichen Blutes verstanden“, ergänzte Alfred Rosenberg in seinem 1930 erschienenen Buch Der Mythus des 20. Jahrhunderts.

Am 23. März 1933 verkündete Hitler in seiner Regierungserklärung zum Ermächtigungsgesetz: „Blut und Rasse werden wieder zur Quelle der künstlerischen Intuition“.

Die Nationalsozialistische Kunstauffassung war nicht nur durch Ablehnung bestimmter Kunstrichtungen gekennzeichnet, auch inhaltlich wurden Werke abgelehnt: Beispielsweise wurden Werke von Anton von Werner wegen ihrer wertkonservativen Darstellung abgelehnt, obwohl die akademische Malweise dem Nationalsozialismus genehm gewesen wäre.

Das Porträt Dame in Schwarz vor einer Vitrine von Ernst Oppler wurde im Bereich der Augen beschädigt, da man die dargestellte Person für eine Jüdin hielt.
Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda (Joseph Goebbels)

Als Zeit des Nationalsozialismus (abgekürzt NS-Zeit) wird die Regierungszeit der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP) im Deutschen Reich bezeichnet. Sie begann am 30. Januar 1933 mit der Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler und endete am 8. Mai 1945 mit der bedingungslosen Kapitulation der Wehrmacht vor den Alliierten und ihren Verbündeten (bzw. am 23. Mai 1945 mit der Verhaftung der Flensburger Regierung).