17. September 2021

Niedergermanischer Limes in Welterbeliste aufgenommen Grenze des Römischen Reiches entlang des Rheins wurde von Niederlanden und Deutschland nominiert. SchUM-Stätten Speyer, Worms und Mainz sind Welterbe.

Niedergermanischer Limes in Welterbeliste aufgenommen
Grenze des Römischen Reiches entlang des Rheins wurde von Niederlanden und Deutschland nominiert

Der Niedergermanische Limes gehört zum UNESCO-Welterbe. Das hat das Welterbekomitee der UN-Kulturorganisation auf seiner Sitzung beschlossen. Er erstreckt sich entlang des Rheins von Rheinland-Pfalz über Nordrhein-Westfalen bis zur niederländischen Nordseeküste.

Archäologinnen und Archäologen aus den Niederlanden und Deutschland haben den Antrag gemeinsam erarbeitet. Der Niedergermanische Limes ist die 49. UNESCO-Welterbestätte in Deutschland. Das Welterbekomitee tagt noch bis zum 31. Juli.

„Ich begrüße die Entscheidung des Welterbekomitees der UNESCO und gratuliere allen, die in den Niederlanden und Deutschland über Jahre hinweg beharrlich an der nun erfolgreichen Nominierung gearbeitet haben“, erklärte Michelle Müntefering, Staatsministerin für Internationale Kulturpolitik im Auswärtigen Amt.

„Der Rhein als ‚nasse‘ Außengrenze im Nordwesten des Römischen Reiches“, so Müntefering weiter, „ist bis heute die Lebensader, welche die auf die Römer zurückgehenden urbanen Zentren von Remagen über Bonn, Köln, Neuss, Krefeld und Xanten seit Jahrhunderten verbindet.“

„Am Niedergermanischen Limes finden wir einige der ältesten Zeugnisse der Grenzen des Römischen Reiches“, betont die Präsidentin der Deutschen UNESCO-Kommission Maria Böhmer. „Entlang des Rheins entwickelten die Römer Kastelle und Siedlungen, aus denen große Städte wie Köln, Bonn und Nijmegen erwachsen sollten“, so Böhmer.

„Ihr Aufblühen verdanken sie der Tatsache, dass der Limes nicht der Abschottung, sondern immer auch dem Austausch zwischen Rom und seinen Nachbarn diente.“

Über 400 Kilometer lang war die Grenze zwischen der römischen Provinz Niedergermanien und dem freien Germanien. Ein durchgehendes Bauwerk errichteten die Römer hier nicht. Der Rhein diente ihren Zwecken vielerorts besser.

Die neue Welterbestätte setzt sich aus 44 Teilabschnitten von Remagen bis ins niederländische Katwijk zusammen. Sie erzählen von mehr als 400 Jahren römischer Entwicklung im Norden des einstigen Imperiums. Die Überreste der Legionslager und Kastelle, Häfen, Aquädukten und Tempel sind für unser Verständnis des Lebens am Limes von unschätzbarem Wert.

Der Niedergermanische Limes schließt die Lücke zwischen Hadrians- und Antoniuswall in Großbritannien und dem Obergermanisch-Raetischen Limes, der Rhein und Donau entlang von Rheinbrohl in Rheinland-Pfalz bis zum Kastell Eining in Niederbayern führt.

Porträt der neuen Welterbestätte

SchUM-Stätten Speyer, Worms und Mainz sind Welterbe
UNESCO erklärt Zeugnisse jüdischen Lebens zur 50. Welterbestätte in Deutschland

Das UNESCO-Welterbekomitee hat heute die SchUM-Stätten Speyer, Worms und Mainz zum Welterbe erklärt. Der Judenhof in Speyer, der Wormser Synagogenbezirk mit dem Friedhof Heiliger Sand und der Alte jüdische Friedhof Mainz zeugen von der langen und wechselvollen Geschichte der drei jüdischen Gemeinden.

Die SchUM-Stätten sind die 50. Welterbestätte in Deutschland. Das UNESCO-Komitee tagt noch bis zum 31. Juli online.

Dazu erklärt Michelle Müntefering, Staatsministerin für Internationale Kulturpolitik im Auswärtigen Amt: „Die Anerkennung dieses jüdischen Gemeindeverbundes, dessen Wurzeln auf das 10. Jahrhundert zurückgehen, ist die Krönung der Feierlichkeiten im Festjahr 1.700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland.

Als 50. Welterbestätte in unserem Land stehen die SchUM-Stätten für die Verpflichtung, dem Weg des Friedens und der Versöhnung zu folgen. Hierfür ist der Wiederaufbau der von den Nationalsozialisten zerstörten Wormser Synagoge eine wichtige Wegmarke.“

„Von Speyer, Worms und Mainz gingen im Mittelalter entscheidende Impulse für die Entwicklung des Judentums in Europa aus“, erläutert die Präsidentin der Deutschen UNESCO-Kommission Maria Böhmer. „Die drei jüdischen Gemeinden waren Anziehungspunkt für Gelehrte aus nah und fern, sie brachten richtungsweisende Reformen auf den Weg und setzten architektonische Maßstäbe“, so Böhmer.

„Die Kultur der SchUM-Gemeinden wurde von der Begegnung und dem Austausch mit ihrem christlichen Umfeld tief geprägt, war aber immer wieder bedroht.

Die Geschichte der jüdischen Gemeinden am Rhein ist auch eine Geschichte jahrhundertelanger Verfolgung, von den Pogromen des Mittelalters bis zur fast völligen Auslöschung des europäischen Judentums im Holocaust“, betont Böhmer. „Dass die UNESCO die SchUM-Stätten in diesem besonderen Jahr 2021 anerkennt, ist äußerst bewegend.“

Als Verbund der SchUM-Städte bildeten Speyer, Worms und Mainz im Mittelalter das Zentrum des Judentums in Mitteleuropa. Die Bezeichnung setzt sich aus den Anfangsbuchstaben der drei hebräischen Städtenamen zusammen: Schpira, Warmaisa und Magenza.

Sie gelten als Wiege des aschkenasischen Judentums. SchUM-Gelehrte erließen hier vor 1.000 Jahren religionsrechtliche Reformen, verfassten Liturgien und Gebete, die seither Bestand haben.

Das Verbot der Polygamie im europäischen Judentum geht ebenso auf die SchUM-Gemeinden zurück wie eine Reform des Scheidungsrechts, das die Position der Frauen stärkte, und das Briefgeheimnis.

Die Bauwerke und Friedhöfe der drei Gemeinden, deren Geschichte bis ins 10. Jahrhundert zurückreicht, zählen zu den ältesten erhaltenen Zeugnissen jüdischen Lebens in Deutschland und Europa.

In den SchUM-Stätten spiegelt sich das rituelle und gesellschaftliche Leben der Gemeinden: Die Bedeutung von Gebet und Gelehrsamkeit sowie Ideen religiöser Reinheit lassen sich in den Synagogen und Frauenschuln, den Talmudschulen und Ritualbädern erkennen.

Ihre Form und Gestaltung sollte die Architektur jüdischer Gemeindebauten von Mitteleuropa über Nordfrankreich bis nach England prägen.

Porträt der neuen Welterbestätte

13 neue UNESCO-Welterbestätten
Bergbaulandschaft Roșia Montană in Rumänien in Welterbeliste eingeschrieben und zugleich als gefährdet eingestuft

Das UNESCO-Welterbekomitee hat heute 13 neue Welterbestätten ernannt. Die historische Bergbaulandschaft von Roșia Montană in Rumänien wurde aufgrund möglichen Gold- und Silberabbaus in dem Gebiet zugleich in die Liste gefährdeter Welterbestätten aufgenommen.

Zudem erweiterte das Komitee die Franziskanermissionen in der Sierra Gorda in Querétaro, Mexiko, die seit 1994 zum Welterbe gehören. Die Missionen waren stilprägend für die Sakralarchitektur weit über Mexiko hinaus.

Das UNESCO-Komitee tagt noch bis zum 31. Juli und berät voraussichtlich bis zum 28. Juli über Nominierungen für die Welterbeliste.

Neuaufnahmen

Roberto-Burle-Marx-Stätte (Brasilien)

Die Roberto-Burle-Marx-Stätte im gebirgigen Westen von Rio de Janeiro umfasst weitläufige Landschaftsgärten mit Architekturelementen sowie die zugehörigen Gebäude. Über 40 Jahre arbeitete der Architekt und Künstler Roberto Burle Marx (1909–1994) in diesem „Landschaftslaboratorium“ an der Verschmelzung künstlerischer Ideen der Moderne mit der Aufzucht einheimischer tropischer Pflanzen.

Inspiriert von den Hauptvertretern der Modernen Kunst, schuf Burle Marx zunächst Gemälde, in denen er Elemente der portugiesisch-brasilianischen Volkskultur modernistisch abstrahierte. Diese Bilder nutzte er dann als Basis für seine Landschaftsgestaltung. Burle Marx’ einzigartige lebendige Kunstwerke sorgten für eine starke Verbreitung tropischer Pflanzen in Privatgärten.

Auch bereitete Burle Marx den Weg dafür, was später als Modern Tropical Garden bekannt wurde und die Parkgestaltung seit Mitte des 20. Jahrhunderts weit über Brasilien hinaus beeinflusste.

Siedlungen und künstliche Mumifizierung der Chinchorro-Kultur in Arica y Parinacota (Chile)

Die Chinchorro siedelten zwischen 5450 und 890 vor unserer Zeitrechnung an der Nordküste Chiles. Obwohl sie dort mit den extremen Umweltbedingungen einer äußerst trockenen Küstenwüste konfrontiert waren, entwickelten sie dank intelligenter Nutzung von Meeresressourcen eine vielschichtige Kultur.

Die Überreste ihrer Siedlungen und Friedhöfe zeugen insbesondere von einer komplexen Spiritualität. So waren die Chinchorro nachweislich die ersten Menschen weltweit, die ihre Verstorbenen künstlich mumifizierten.

Moscheen im sudanesischen Stil an der nördlichen Elfenbeinküste (Côte d’Ivoire)

Die Lehmbauweise der acht kleinen Moscheen in Tengréla, Kouto, Sorobango, Samatiguila, M’Bengué, Kong und Kaouaraé ist spezifisch für den Sudan und die Savannenregion Westafrikas. Um das 14. Jahrhundert in Djenné im Malireich entstanden, kennzeichnen die Moscheen hervorstehende Balken und vertikale Strebepfeiler, die von Keramik oder Straußeneiern gekrönt sind, sowie sich verjüngende Minarette.

Vor allem ab dem 16. Jahrhundert breitete sich dieser Stil von den Wüstengebieten nach Süden aus, wurde niedriger und entwickelte als Reaktion auf das feuchtere Klima kräftigere Strebepfeiler.

Die acht eingetragenen Teilstätten sind die am besten erhaltenen Stilbeispiele von insgesamt zwanzig Moscheen, die heute noch in Côte d’Ivoire existieren.

SchUM-Stätten Speyer, Worms und Mainz (Deutschland)

SchUM ist das Akronym der mittelalterlichen hebräischen Städtenamen von Speyer, Worms und Mainz. Es bezeichnet den Zusammenschluss der drei jüdischen Gemeinden der Städte. Als Verbund der SchUM-Städte bildeten Mainz, Worms und Speyer im Mittelalter das Zentrum des Judentums in Europa.

Von der wechselvollen Geschichte der drei Gemeinden erzählen bis heute Bauwerke und Friedhöfe, die zu den ältesten Zeugnissen jüdischen Lebens in Deutschland und Europa gehören. Das rituelle und gesellschaftliche Leben der Gemeinden spiegelt sich in der Architektur des Judenhofs in Speyer, des Wormser Synagogenbezirks und der alten jüdischen Friedhöfe in Worms und Mainz.

Form und Gestaltung dieser Stätten beeinflussten jüdisches Architekturdesign und jüdische Bestattungskultur in ganz Mitteleuropa nördlich der Alpen. Auch die Schriften der SchUM-Gelehrten sind bis heute Teil jüdischer Tradition.

Grenzen des Römischen Reichs – Niedergermanischer Limes (Deutschland, Niederlande)

In den letzten Dekaden vor Christus begonnen, verlief der Niedergermanische Limes 400 Kilometer entlang des unteren Rheins, von der Nordseeküste der heutigen Niederlande bis südlich von Bonn.

Sein Bau markierte die früheste durchgehende Grenzlinie des Römischen Reiches. Die heute noch erhaltenen Überreste vor allem militärischer Einrichtungen zeigen die Entwicklung und Funktionsweisen sowohl der großen Operationsbasen als auch der kleineren Anlagen, die eine ausgedehnte Grenzbefestigung erfordert.

Für das Verständnis des Grenzlebens selbst und erloschener Traditionen wie dem Flussschiffbau sind die erhaltenen Fragmente von unschätzbarem Wert.

Nizza, Winterkurort der Riviera (Frankreich)

Das milde Klima und die malerische Umgebung Nizzas veranlassten ab Mitte des 18. Jahrhunderts immer mehr wohlhabende Familien, hier die Wintermonate zu verbringen.

Im Laufe des 19. Jahrhunderts führten die wachsende Zahl und Vielfalt der Winterbewohner zur sukzessiven Entwicklung neuer Stadtteile. Nizza wurde zum internationalen Zentrum des architektonischen und städtebaulichen Gedankenaustauschs.

Der daraus resultierende Reichtum an Architekturstilen, urbanen Gestaltungselementen und Gebäudedekors bezeugt noch heute den einzigartigen kosmopolitischen Charakter der Stadt an der Riviera.

Dholavira: Eine Stadt der Harappan Kultur (Indien)

Dholavira, zwischen 3000 und 1500 vor unserer Zeitrechnung auf der wasserarmen Insel Khadir im großen Rann von Kachchh, einem Salzsumpf, erbaut, war das südliche Zentrum der Harappan-Kultur. Die archäologische Fundstätte umfasst die befestigte Stadt und den Friedhof. Obwohl teilweise mit anderen Harappan-Städten vergleichbar, weist Dholavira zahlreiche Besonderheiten auf.

Dazu zählen eine planvolle Stadtanlage, vielschichtige Verteidigungssysteme, soziale Ordnungsstrukturen, eine umfangreiche und qualitativ hochwertige Perlenherstellung sowie einzigartige Bestattungstraditionen in der Natur.

Zudem zeugt ein ausgeklügeltes Bewässerungssystem mit Brunnen, Tanks, Dämmen, Stauseen und Abflüssen von außerordentlichem Erfindungsreichtum. Als eine der wichtigsten repräsentativen Stätten der Harappan ist Dholavira unverzichtbar für das Verständnis dieser Kultur.

Kulturlandschaft Hawraman/Uramanat (Iran)

Bis zu 40.000 Jahre alte Pfade, Felsunterkünfte, Friedhöfe, Burgen und Inschriften erzählen von einer ununterbrochenen Besiedelung der Zagros-Berge, die sich konsequent an die unwirtliche Umgebung angepasst hat.

Die kurdische Bevölkerung, die das Gebiet seit Jahrtausenden bewohnt, pflegt bis heute althergebrachte Lebens- und Arbeitsweisen, wie die Wanderweidewirtschaft, das saisonale Wohnen in Havars oder die Anlage steil abfallender Terrassen für Landwirtschaft und Siedlungsbau.

Prähistorische Stätten der Jomon in Nordjapan (Japan)

Im Süden der Insel Hokkaido geben siebzehn archäologische Fundstätten Zeugnis von der besonderen Lebensweise und komplexen spirituellen Kultur der Jomon. Statt nach dem Beginn ihrer Sesshaftigkeit Land zu bewirtschaften, blieben die zwischen 15000 und 400 vor unserer Zeitrechnung lebenden Jomon stets Jäger, Fischer und Sammler.

Dadurch griffen sie während der Jahrtausende nur wenig in ihre Umwelt ein und passten vorrangig sich selbst an die klimatischen Veränderungen an. So sind Siedlungsplätze der Jomon in nahezu jedem Gelände zu finden, von den Bergen bis zum Meer.

Zugleich dokumentieren ihre Gräber, künstlichen Erdwälle und vermutlich für Zeremonien verwendeten Steinkreise nicht nur eine reiche spirituelle Praxis, sondern auch soziale Bindungen zwischen den verstreuten Siedlungen.

As-Salt – Ort der Toleranz und der urbanen Gastfreundschaft (Jordanien)

Begünstigt durch ihren neuen Status als Verwaltungshauptstadt Transjordaniens erlebte As-Salt zwischen den 1860er- und 1920er-Jahren eine Blütezeit.

Die rasante Entwicklung der kleinen Siedlung zu einer pulsierenden Handelsmetropole zeigt sich heute noch in den charakteristischen gelben Kalksteingebäuden und dem zwischen ihnen angelegten Netz aus Treppen, Alleen, öffentlichen Plätzen und Straßen. Statt sich in abgegrenzten Vierteln anzusiedeln, pflegten die ankommenden Händler, Großbauern und Handwerker mit den Einheimischen einen intensiven kulturellen Austausch über Herkunfts- und Glaubensgrenzen hinweg.

Zeugnisse dieser besonders ausgeprägten urbanen Gastfreundschaft sind unter anderem die zahlreichen Gasthäuser und das Sozialhilfesystem Takaful Ijtima.

Archäoastronomischer Komplex von Chanquillo (Peru)

Obwohl er nur für einen vergleichsweise kurzen Zeitraum – von etwa 250 bis 200 vor unserer Zeitrechnung – genutzt wurde, stellt der Archäoastronomische Komplex von Chanquillo den Höhepunkt langer astronomischer Entwicklungen im peruanischen Casma-Tal dar.

Die Anlage besteht aus einem dreifach ummauerten Festungs- und Tempelhügel sowie dem Sonnenobservatorium, einem Verwaltungstrakt und dreizehn würfelähnlichen Türmen, die sich an einer Hügelkante entlangziehen.

Diese Türme und der Berg Cerro Mucho Malo wurden als künstlicher Horizont genutzt, um über das gesamte Jahr hinweg Kalenderdaten mit einer Genauigkeit von ein bis zwei Tagen bestimmen zu können.

Damit ist das im Norden Perus gelegene Chanquillo ein herausragendes Beispiel frühgeschichtlicher Zeitmessung.

Bergbaulandschaft Roșia Montană (Rumänien)

In Roșia Montană befindet sich die bedeutendste, weitläufigste und technisch facettenreichste Goldmine des Römischen Reiches. Während der Besatzung Dakiens zwischen 106 und 271 unserer Zeitrechnung angelegt, erstrecken sich die Stollen über sieben Kilometer und vier Berge.

Archäologische Funde in der umliegenden Landschaft belegen zudem eine Vielzahl an Erzverarbeitungsstätten, Unterkünften, Verwaltungsgebäuden, Friedhöfen und sakralen Orten. Für Bau und Betrieb kamen innovative Techniken aus dem gesamten Römischen Reich zur Anwendung.

Beispielsweise erfolgte die Entwässerung durch hispanische Schaufelräder mit Tretmühlenantrieb. Viele Elemente der Bergbaulandschaft sind jedoch einzigartig, darunter die übereinander gelegten vertikalen Abbaubereiche, die sogenannten Strossen, mit stufenweise ausgeschnittenem Dach.

In ihrer Gesamtheit verkörpert Roșia Montană eine unvergleichliche Pionierleistung in der Abbautechnologie. Die Stätte wurde zudem in die Liste des gefährdeten Welterbes aufgenommen, da Lizenzen für den Edelmetall-Abbau in dem Gebiet bestehen.

Die Ingenieurbaukunst von Eladio Dieste: Kirche von Atlántida (Uruguay)

Der Ingenieur Eladio Dieste entwarf die von 1958 bis 1960 gebaute Kirche mit Glockenturm und unterirdischem Baptisterium vollständig in Sichtmauerwerk.

Er ließ sich dabei durch italienisch-frühchristliche und mittelalterliche Sakralarchitektur inspirieren, entwickelte für die Umsetzung aber eine neue Ziegelbautechnik mit verstärkter Keramik. Diese Erfindung ermöglichte ihm einen stark optimierten Materialverbrauch sowie bis dahin im Backsteinbau unbekannte Struktur- und Ausdrucksvarianten.

Die Kirche von Atlántida ist die räumlich und ästhetisch expressivste Vertreterin dieses verstärkten Ziegelmauerwerks. Sie verkörpert die 1945 einsetzende weltweite Suche nach einer neuen architektonischen Sprache, die Modernität aus Tradition heraus entwickeln sollte.

Erweiterung

Franziskanermissionen in der Sierra Gorda in Querétaro (Mexiko)

Die 1994 zum UNESCO-Welterbe ernannten 14 Klöster am Fuße des Popocatépetl weisen alle eine ähnliche Struktur auf: Ein meist rechteckiges Atrium, eine einschiffige Kirche und Klostergebäude, die sich normalerweise südlich der Kirche befinden und um einen kleinen Innenhof oder als Kreuzgang angelegten Patio herum angeordnet sind.

Auch der neue Bestandteil, das Ensemble des Franziskanerklosters und der Kathedrale Maria Himmelfahrt, folgt diesem Aufbau. Dieses Modell beeinflusste nicht nur die Sakralarchitektur in Mittel- und Südostmexiko.

Während der im 18. Jahrhundert ausgedehnten Kolonisierung und Missionierung gen Norden verbreiteten sich derartige Klöster und Missionsstationen bis an beide Küsten der heutigen USA.

Hintergrund

Das UNESCO-Welterbekomitee tagt vom 16. bis 31. Juli 2021 online. Es setzt sich aus 21 gewählten Vertragsstaaten der Welterbekonvention zusammen.

Es entscheidet in der Regel jährlich über die Einschreibung neuer Kultur- und Naturstätten in die Welterbeliste und befasst sich mit dem Erhaltungszustand eingeschriebener Stätten.

Auf der Liste des UNESCO-Welterbes stehen derzeit 1.148 Kultur- und Naturstätten in 167 Ländern.

52 davon gelten als bedroht.

Die Einrichtung der Liste des gefährdeten Erbes der Welt basiert auf Artikel 11.4 der Welterbekonvention. Ihre Anwendung ist Teil der Überwachungsmaßnahmen des Erhaltungszustands von Welterbestätten.

Kulturlandschaft und archäologische Relikte des Bamiyan-Tals, Afghanistan (2003)
Minarett und archäologische Relikte von Dschām, Afghanistan (2002)
Abu Mena, Ägypten (2001)
Stadt Potosí, Bolivien (2014)
Totalreservat Berg Nimba, Côte d‘ Ivoire/Guinea (1992)
Biosphärenreservat Rio Plátano, Honduras (2011)
Erbe der tropischen Regenwälder von Sumatra, Indonesien (2011)
Archäologische Stadt Samarra, Irak (2007)
Ashur (Qal’at Sherqat), Irak (2003)
Hatra, Irak (2015)
Altstadt von Sana’a, Jemen (2015)
Befestigte Altstadt von Shibam, Jemen (2015)
Historische Stadt Zabid, Jemen (2000)
Altstadt und Stadtmauern von Jerusalem (1982)
Turkanasee Nationalpark, Kenia (2018)
Nationalpark Garamba, Demokratische Republik Kongo (1996)
Nationalpark Kahuzi-Biega, Demokratische Republik Kongo (1997)
Nationalpark Virunga, Demokratische Republik Kongo (1994)
Okapi-Tierschutzgebiet, Demokratische Republik Kongo (1997)
Bergbaulandschaft Roșia Montană, Rumänien (2021)
Archäologische Stätte von Leptis Magna, Libyen (2016)
Archäologische Stätte von Sabratha, Libyen (2016)
Archäologische Stätte von Kyrene, Libyen (2016)
Stätten der Felsbildkunst von Tadrart Acacus, Libyen (2016)
Altstadt von Ghadames, Libyen (2016)
Regenwälder von Atsinanana, Madagaskar (2010)
Inseln und Schutzgebiete im Golf von Kalifornien, Mexiko (2019)
Alte Städte von Djenné, Mali (2016)
Grabmal von Askia, Mali (2012)
Timbuktu, Mali (2012)
Nan Madol: Zeremonielles Zentrum von Ostmikronesien, Föderierte Staaten von Mikronesien (2016)
Porträt Neue Welterbestätte 2016
Naturreservate Aïr und Ténéré, Niger (1992)
Historisches Zentrum von Wien, Österreich (2017)
Palästina: Land der Olivenbäume und Weinreben – Kulturlandschaft von Südjerusalem, Battir, Palästina (2014)
Hebron/Al-Khalil Altstadt, Palästina (2017)
Festungen auf der karibischen Seite von Panama: Portobello-San Lorenzo, Panama (2012)
Archäologische Zone Chan Chan, Peru (1986)
East Rennell, Salomonen (2013)
Nationalpark Niokolo-Koba, Senegal (2007)
Mittelalterliche Denkmäler im Kosovo, Serbien (2006)
Altstadt von Damaskus, Syrien (2013)
Palmyra, Syrien (2013)
Antike Stadt Bosra, Syrien (2013)
Altstadt von Aleppo, Syrien (2013)
Crac des Chevaliers und Qal’at Salah El-Din, Syrien (2013)
Antike Dörfer in Nordsyrien, Syrien (2013)
Wildreservat Selous, Tansania (2014)
Gräber der Buganda-Könige in Kasubi, Uganda (2010)
Historisches Zentrum von Shahrisabz, Usbekistan (2016)
Coro und sein Hafen, Venezuela (2005)
Nationalpark Everglades, Vereinigte Staaten von Amerika (2010)
Nationalpark Manovo-Gounda St. Floris, Zentralafrikanische Republik (1997)

Deutschland verzeichnet 50 Welterbestätten.

Zitat: Vom Aachener Dom zu den Höhlen und Eiszeitkunst der Schwäbischen Alb – die in Deutschland liegenden Welterbestätten sind ebenso vielfältig in ihrer Art wie in ihrer geographischen Verteilung. Einzelne Bauwerke gehören ebenso dazu wie Gebäudeensemble, archäologische Stätten, Stadtbereiche, Kulturlandschaften und Naturgebiete.

Weitere Informationen

Neue Welterbestätten 2021

Vintagebuch Tipp

Welterbe und Tourismus:
Schützen und Nützen aus einer Perspektive der Nachhaltigkeit
(Tourismus: transkulturell & transdisziplinär)
von Kurt Luger und Karlheinz Wöhler
StudienVerlag
Taschenbuch: ‎ 456 Seiten
ISBN-13: ‎ 978-3706545181

       

Buchzitat: Mehr als 800 Bauwerke, historische Plätze oder kulturelle Unikate wie rituelle Tanzformen und regionale Traditionen umfasst derzeit das von der UNESCO erfasste kulturelle Erbe der Menschheit. Die Welterbestätten gelten als besonders schützenswert, geradezu als „sakrale Räume“, und bilden so gleichzeitig den „Rohstoff“ für touristische Produkte.

Ohne ihre Attraktivität wäre der Kulturtourismus nicht zu der global schnellstwachsenden Wirtschaftsbranche geworden. Aber wie sollen Produkte aussehen, deren zentraler Gegenstand aus Welterbe besteht? Wie kann die Einzigartigkeit dieser Monumente, Kostbarkeiten der Natur usw. touristisch erfolgreich und doch behutsam genug vermarktet werden, damit durch die Rückflüsse ein erheblicher Beitrag zur langfristigen Erhaltung ihrer Substanz und zum Wohle der Bewohner der jeweiligen Region geleistet wird?

In diesem Band stellen sich Denkmalschützer, Touristiker und Tourismusplaner, Gestalter und Umsetzer von Entwicklungsprojekten, die Manager und Verwalter des Welterbes und vor allem Wissenschafter aus verschiedenen Disziplinen der Herausforderung, die Situation theoretisch wie an Hand von Fallbeispielen zu analysieren und Ideen für nachhaltige Managementpläne zu entwerfen.